Schlagwort: Graukresse

  • Blühende Landschaften

    Blühende Landschaften

    Seit nunmehr sieben Jahren versuchen wir die Flächen mit Graukresse (Berteroa incana) und Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) in artenreiches Grünland umzuwandeln. Es geht dabei um einen kleinen Beitrag zum Erhalt von Biodiversität und der Schaffung einer gesunden Nahrungsgrundlage für unsere vierbeinigen Lieblinge.

    Neben dem Zurückdrängen der Graukresse und der Kanada-Goldrute sollen die Weiden mit Kräutern angereichert werden, durch Förderung der Pioniervegetation und Einsaat in offene Bodenstellen (zb Wildschweinstellen) sowie Mahdgutübertragung aus einer Einsaatfläche. Dabei verwenden wir regiozertifiziertes Saatgut aus dem Ursprungsgebiet 4 – Ostdeutsches Tiefland.

    Die (für Pferde giftige) Graukresse konnte in den letzten Jahren durch die Vermeidung von Überbeweidung bzw. Schonung der Grasnarbe, Mahd, Mulchen und vor allem durch händisches Rausreißen zurückgedrängt werden.

    Dabei haben wir beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass das Mulchen nur sinnvoll ist, wenn die Graukresse vor der Bildung von Samenkapseln/Schötchen gemulcht wird, weil sie ansonsten nachreifen kann. Auf dem folgenden Foto wurde die Graukresse im Juli gemulcht, was schon zu spät war.

    Die gleiche Fläche, aus der gleichen Perspektive in diesem Jahr fotografiert zeigt, dass unsere Maßnahmen – in Bezug auf die Graukresse – durchaus erfolgreich waren.

    Wir haben dieses Jahr Anfang Juni mulchen lassen, aber die Graukresse hat es geschafft noch einmal zur Blüte und zur Ausbildung von Samenkapseln zu kommen. Aus diesem Grund mussten wir die Graukresse noch einmal vollständig händisch rausziehen. Aktuell fragen wir uns, ob es überhaupt Sinn macht, zu mulchen oder ob man sie von vornherein rauszupfen sollte?

    Das Problem ist auch der Samenvorrat im Boden aus den letzten Jahren. Ein Schötchen enthält ca. zehn Samen und an einer Pflanze können hunderte von Schötchen sein…

    Die Graukresse ist vor allem mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt und hat in den letzten Jahren von den Dürre-Ereignissen profitiert, weil sie dadurch einen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Pflanzen hat.

    Und auch die Goldrute wurde dieses Jahr wieder „geärgert“ mit Mulchen und einer temporären Beweidung mit Schafen. Es wäre illusorisch, die Goldrute komplett loszuwerden, dafür müsste man sie rausreißen oder den Oberboden inklusive ihrer Rhizome abtragen. Das geht natürlich nicht auf zehn Hektar, deshalb können wir nur jedes Jahr immer wieder dafür sorgen, dass sie zurückgedrängt wird. Würde der Druck nachlassen, würde sie wieder 100% Deckung einnehmen. Im Folgenden der Vergleich zweier Flächen mit Goldrute im Jahr 2019 und heute.

    Wenn wir es schaffen, Goldrute und Graukresse zurückzudrängen machen wir auch Platz für Artenvielfalt und eine gesunde Grasnarbe. In den letzten Jahren sind auf den Weiden unter anderem neu dazugekommen: Labkraut (Galium mollugo agg.), Grasnelke (Armeria maritima subs. elongata), Wilde Möhre (Daucus carota), Margarite (cf. Leucanthemum ircutianum), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe subd. stoebe), Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), Lichtnelke (Silene vulgaris) usw.

    Das Ziel ist die Schaffung bunter Wiesen mit verschiedenen Gräsern und Kräutern als gesunde Nahrungsgrundlage für unsere Tiere und ein reiches Blütenangebot für Wildbienen, Tagfalter etc. – Das Generieren blühender Landschaften statt tot geweideter Paddocks oder Brachen mit Goldrute.

  • Geduld

    Geduld

    Es braucht viele Jahre, um artenreiche Weiden zu generieren – aber wie geduldig man sein muss, habe ich mir vor sechs Jahren mit Beginn dieses Beweidungsprojektes nicht vorstellen können. Zum einen haben wir es mit Brachen zu tun, die von Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) dominiert werden und zum anderen mit einer übernutzten Hauptwiese mit dominanter Graukresse (Berteroa incana).

    Hier Beispielbilder von der Hauptweide mit Blick auf den Unterstand. Die Fläche wird im Sommer aus der Beweidung genommen und wegen der Graukresse 1x jährlich im Juni vor der Samenreife der Graukresse gemulcht. Im Jahr 2023 waren ganz gute Niederschläge, da sah die Fläche am besten aus im Vergleich. Dieses Jahr haben wir wieder Dürrephasen von denen die Graukresse profitiert, weil sie sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist und dadurch einen Konkurrenzvorteil gegenüber den anderen Pflanzenarten hat.

    Hauptwiese Juli 2023
    Hauptwiese Juli 2026

    Es wurde dieses Jahr Anfang Juni gemulcht und leider wächst die Graukresse einfach weiter, d.h. sie bildet neue Triebe und muss wieder zusätzlich händisch rausgezogen werden.

    Ein Lichtblick ist immerhin das Auftauchen der Sichelmöhre (Falcaria vulgaris), denn sie zeigt das Potential der Flächen für die Entwicklung von kalkreichen Sandrasen bzw Steppentrocken wie auf den Kuppen der Umgebung, beispielsweise am Königsberg oder den Glindower Alpen.

    Sichelmöhre

    Und in einem Teilbereich der Hauptwiese hatte ich vor drei Jahren regio-zertifziertes Saatgut in Wildschweinstellen eingebracht und diesen Bereich seitdem 1x jährlich gemäht. Hier hat sich nun mittlerweile ein kleiner schöner Bestand aus Flockenblumen (Centaurea stoebe, C. jacea), Wilder Möhre (Daucus carota), Königskerze (Verbascum lychnitis, V. nigrum) und Margarite (Leucanthemum ircutianum) entwickelt. Ich habe diesen Bereich ausgezäunt, damit die Arten aussamen und in die umliegenden Bereiche ausstrahlen können. Im ersten Jahr nach der Aussaat dachte ich, es passiert nichts, da kommt einfach nichts, aber man muss anscheinend sehr viel Geduld haben für die Entwicklung blühender Landschaften 😉

    Auch auf einer Fläche mit dominanter Kanada-Goldrute, auf der ich ein Transekt mit Vegetationsaufnahmen angelegt habe, geht es nur sehr langsam voran mit der Artenvielfalt. Es sind ingesamt elf Aufnahmeflächen quer über die Fläche mit jeweils 2mx2m Quadraten auf denen ich nun seit 2020 Vegetationsaufnahmen durchführe, um die Entwicklung im Kampf gegen die Goldrute zu dokumentieren. Dabei wurden die Flächen gemulcht, gemäht, mit Schafen beweidet und natürlich permanent mit unserer Herde, aktuell bestehend aus sechs Pferden und zwei Kühen ganzjährig beweidet. Leider fressen auch die Kühe die Goldrute nicht, so dass wir auf das Mulchen nicht verzichten können.

    Die Deckung der Goldrute hat zwar etwas abgenommen und es sind durchaus mehr Arten dazugekommen, aber es geht nur sehr mühsam voran. Die Gesamtartenanzahl hat von 38 Arten im Jahr 2020 auf 43 im Jahr 2026 zugenommen und die mittlere Artenanzahl pro Aufnahmefläche stagniert bei 16 Arten. Eine Gestamtartenliste im Vergleich der letzten Jahre befindet sich am Ende des Beitrages.

    Aber auch hier gibt es einzelne Lichtblicke: stellenweise tauchen Margariten, Flockenblumen, Lichtnelken (Silene vulgaris) und Heidenelke (Dianthus deltoides) auf, die sicherlich aus dem Saatgut kommen, dass wir immer wieder in Wildschweinstellen einbringen.

    Neben Mulchen, Mähen, Beweiden, Rausreißen und der punktuellen Einsaat steht auch die Mahdgutübertragung von einer Wiese mit flächiger Einsaat auf andere Weideflächen auf dem Programm. Und zumindest ist in diesem Jahr zum ersten Mal Margarite auf einer Weide aufgetaucht, auf der wir im letzten Jahr Mahdgut mit reichlich Margarite übertragen haben.

    Also – es bleibt weiterhin viel zu tun, um artenreiches Grünland zu generieren und mit gutem Beispiel für eine artgerechte Pferdehaltung in Verbindung mit Naturschutz voranzugehen.

    Und zum Schluss noch die Gesamtartenliste der Vegetationsaufnahmen für den interessierten Leser:

  • Was macht eigentlich…

    Was macht eigentlich…

    das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis)? In diesem Jahr – also fünf Jahre nach der Einrichtung – können unsere Pferde zum ersten Mal auf die Fläche, die sonst um diese Jahreszeit von Frühlings-Greiskraut dominiert wurde.

    Mai 2021
    Mai 2026

    In den letzten Jahren konnte diese Fläche nur gemulcht werden, weil es hier immer einen schönen Wechsel im Blühaspekt von gelb zu weiß gab, also von Frühlings-Greiskraut im April/Mai zu Graukresse (Berteroa incana) im Juni. Neben dem mulchen der Fläche, wurden die Pflanzen, auch das vereinzelt vorkommende Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea), mit der Hand rausgezogen. Es ging darum, das Aussamen zu verhindern, obwohl natürlich auch von Nachbarflächen immer wieder Samen einwehen können. Aber die gute Nachricht ist, Frühlings-Greiskraut ist einjährig, d.h., nach dem Aussamen stirbt die Pflanze ab und es lohnt sich ihre Reproduktion auf diese Weise zu unterbinden. Die rausgezogenen Pflanzen müssen im Hausmüll entsorgt werden, da Greis- bzw. Kreuzkräuter die Fähigkeit haben nachzureifen. Das bedeutet, wenn man sie auf den Kompost wirft, können die Samen immer noch mit dem Pappus (Haarkelch als Schirmchen) umherfliegen.

    Und dadurch, dass die Fläche endlich abgeweidet werden kann, ist eine gewisse Aushagerung möglich, weil die Biomasse abgeschöpft wird. Denn dieser Teil unserer Weideflächen ist relativ sandig, mager und hat das Potential zur Entwicklung eines Sandtrockenrasens. Es gibt immerhin schon Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Sandstrohblume (Helichrysum arenarium) und Berg-Sandglöckchen (Jasione montana) als charakteristische Arten für Sandmagerrasen. Dieses Jahr ist auch viel Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) dazu gekommen, was einen hübschen Blühaspekt ergibt.

    Das heißt, es waren zum ersten Mal nur noch so wenig Individuen vom Frühlings-Greiskraut, dass wir sie händisch rausziehen konnten. Hier noch Fotos einer Rosette vom Jakobs-Kreuzkraut, die mit einem Handstecher rausgestochen werden muss und rausgezogene Exemplare vom Frühlings-Greiskraut. Frühlings-Greiskraut blüht aktuell, ist spinnwebartig behaart und wie alle Arten der Gattung Senecio giftig, weil es Pyrrolizidinalkaloide enthält, die auf Dauer die Leber schädigen.

  • Frühling

    Frühling

    Wir hatten einen recht harten – naja oder vielleicht seit langem mal wieder normalen Winter? Auf jeden Fall war es für Tierhalter eine Herausforderung, mit anhaltenden Minusgraden, Eisregen und geschlossener Schneedecke umzugehen.

    Aber aktuell merkt man, dass die Pferde lieber grasen wollen und wir weniger Heu anbieten müssen. Als es richtig knackig kalt war, musste man zweimal in der Woche zwei Heuballen fahren, aktuell reichen zwei Ballen für sieben Pferde und zwei Kühe über eine Woche. Wenn noch etwas mehr Regen kommen würde, könnte das Gras auch noch besser wachsen und wir könnten das Heu ganz ausschleichen lassen. Laut meinem Regenmesser hatten wir in diesem Jahr bisher nur 66mm. Letztes Jahr war es auch schon mit 68mm zu trocken für diese Jahreszeit. Im Jahr 2023 hatten wir 125mm und im Jahr 2024 122mm, was auch eher im langjährigen Mittel (laut Wetterstation Potsdam) mit 100-130mm für die Monate Januar bis März liegt.

    Ich kenne meinen Assan nun seit 2011 und ich weiß ja nun mittleweile, dass er ab März/April kein Heu mehr fressen möchte, er will dann lieber das frische Grün abnagen. Deshalb habe ich vor der Zeit in Glindow viele Stunden mit grasen an der Hand verbracht. Das muss ich nun zwar nicht mehr, dafür hat man natürlich vieles andere zu tun 😉

    Und leider haben wir auch in diesem Frühling keinen leichten, unbeschwerten Start in die Weidesaison. Theoretisch können unsere Pferde ganzjährig grasen gehen, das heißt, wir haben eigentlich kein Thema mit an- und abweiden. Aber irgendwas ist ja immer….

    Dieses Jahr haben wir eine Ponystute, die mit einer Ataxie (mit unklarer Ursache) in die Klink musste, ohne Befund wieder zurück kam und seperat untergebracht werden muss. Sie steht nun im Unterstand mit einem kleinen Auslauf davor und muss neu angeweidet und in die Herde integriert werden.

    Das Problem daran ist außerdem, dass ich die Weiden, auf denen die Ponystute die anderen Pferde nicht mehr sehen würde, schließen musste, damit sie nicht in Panik gerät. Und irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, in dem die nahegelegenen Flächen abgegrast sind und die anderen Pferde wieder angeweidet werden müssten. Eine unklomplizierte Jahreszeit gibt es wohl nicht, aber auch hier werden wir wieder Lösungen finden (müssen), die für alle passen.

    Schön und wohltuend sind jedenfalls die ersten warmen Sonnenstrahlen, das Vogelgezwitscher und der Beginn der Blüten bei Wildbirne, Schlehe und Kirschpflaume. Auch die Pappeln haben derzeit schöne, lilafarbende Kätzchen als Blütenstände und die ersten Frühblüher wie Rote Taubnessel, Ehrenpreis oder Lerchensporn erfreuen das Herz.

    Der Plan ist für dieses Jahr die Hauptweide wieder nach dem Ausschleichen des Heus komplett zu schließen, wegen der vielen Kothaufen abzuschleppen und Ende Mai/Anfang Juni zu mulchen. Nicht weil ich ein großer Fan des Mulchens wäre, aber um die Graukresse (vor Samenreife) und den Endoparasiten Einhalt zu gebieten. Und wie jedes Jahr wird sich wohl zeigen, dass nichts so beständig ist wie die Planänderung…

  • Artenvielfalt verteilen

    Artenvielfalt verteilen

    Wie können wir es schaffen, aus unseren übernutzten Flächen mit Graukresse-Dominanz und den unternutzten Flächen mit Kanada-Goldruten-Dominanz arten- und kräuterreiche Weiden zu entwickeln? Wie schon einmal in einem Beitrag zur Historie von Elisabethhöhe dargelegt, haben wir auf unseren Weideflächen kein traditionelles Grünland, dass wir reaktivieren können.

    So bleibt als ein Baustein zur Förderung von Artenvielfalt nur eine Einsaat mit regiozertifiziertem Saatgut für die Anreicherung unserer Weiden mit Kräutern wie Wiesen-Flockenblume, Margerite, Wegwarte, Wilder Möhre, Lichtnelke oder verschiedenen Gräsern wie Schafschwingel oder Ruchgras. Neben offenen Boden- oder Wildschweinstellen, in denen wir Saatgut eingebracht haben, hat sich vor zwei Jahren eine ca. 2000qm große Fläche angeboten für eine vollständige Neuansaat. Diese „Einsaatfläche“ soll als Quelle für die anderen Flächen fungieren. Teilweise wandern die Pflanzen von allein auf die anderen Weiden beispielsweise durch die Verbreitung der Samen durch Wind (z.B. Löwenzahn), Ameisen (z.B. Wiesen-Flockenblume) oder Ausläufer (z.B. Margerite).

    Aber wir wollen auch gezielt nachhelfen – durch eine Mahdgutübertragung. Ob das was bringt, weiß ich noch nicht, wir werden das beobachten und ich werde berichten 😉

    Einsaat im April 2023
    Mahd per Hand im Juni 2025
    Ausbringen auf einer anderen Weide

    Dafür wurde die Einsaatfläche im Juni mit einem schönen Blühaspekt von Margerite gemäht und das Mahdgut frisch auf einer anderen Fläche, die bereits abgeweidet war, ausgebracht. Bei einzelnen Arten habe ich auch Samen direkt von der Pflanze abgesammelt, um sie im Herbst wieder in Wildschweinstellen verteilen zu können. Ende August wird die Einsaatfläche noch einmal gemäht und das Mahdgut auf einer „von Schafen vorbereiteten“ Fläche verteilt.

    Im Folgenden soll es nun darum gehen, wie sich die Einsaat- oder Spenderfläche in den letzten zwei Jahren entwickelt hat. Die Artenliste ist dabei ohne Anspruch auf Vollständigkeit, es können sicherlich Arten übersehen worden sein und auch der Anteil ist lediglich eine Schätzung. Hinzu kommen Unsicherheiten bei der Bestimmung beispielsweise bei den Schwingelarten.

    Aber eine Tendenz ist ablesbar, so hat sich der Anteil der Graukresse sowie Arten der nährstoffreichen Äcker und Unkrautfluren reduziert und gewünschte Arten der Wiesen und Weiden sind dazugekommen. Orange markiert sind Arten die laut FloraWeb der Formation der nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren und/oder Äcker sowie kurzlebige Unkrautfluren zugeordnet sind und im dritten Jahr der Pflege mit zweimaliger Mahd verschwunden sind. Grün markiert sind Arten der Frischwiesen und -weiden, die im Saatgut waren und sich etablieren konnten.

    Es fehlen noch Wiesen-Witwenblume und Gewöhnliche Braunelle, vielleicht tauchen sie ja noch auf. Sumpf-Hornklee und Scharfer Hahnenfuß sind ebenfalls nicht aufgelaufen, vermutlich weil es ihnen zu trocken bei uns ist, wobei Scharfer Hahnenfuß als Giftpflanze auch nicht vermisst wird.

    Insgesamt ist die Einsaatfläche jedenfalls eine Augenweide und es summt, brummt, zirpt und mein Traum ist, dass all unsere Weideflächen so schön bunt werden.

    Denn allein an der Wiesen-Flockenblume sammeln laut NaturaDB über 90 Wildbienen Pollen für ihren Nachwuchs und 69 Schmetterlingsarten saugen an ihr Nektar. 20 Schmetterlingsarten, unter anderem aus der Gruppe der Widderchen, Schecken- oder Perlmuttfalter leben als Raupen an und von der Flockenblume. Sie gehört damit zu den wichtigsten Nahrungsquellen für Wildbienen und Schmetterlinge. Wenn man außerdem die Blütenstände über den Winter stehen lässt, bieten sie überwinternden Vögeln wie beispielsweise dem Stieglitz eine willkommende Nahrungsquelle.

    Und natürlich ist eine arten- und kräuterreiche Weide auch für unsere Pferde gesünder als die üblichen, (meist) stark abgegrasten Weidelgras-Weißklee-Weiden.

  • Graukresse

    Graukresse

    Im letzten Blogeintrag zur Graukresse im März diesen Jahres war ich noch sehr optimistisch, dass wir das Problem mit Rausziehen der einzelnen Pflanzen in den Griff bekommen. Denn es wäre schön, wenn man ohne Mähen oder Mulchen auskommt, um Insekten etc. zu schonen, aber in diesem Jahr hat sich die Graukresse wieder besonders stark ausgebreitet.

    Sie hat anscheinend davon profitiert, dass es erst eine Dürrephase im Mai, Juni und dann eine Regenphase im Juli gab. Sie ist durch ihre Sternhaare auf der Oberfläche sehr gut gegen Verdunstung geschützt und kommt mit Dürre super zurecht, da sie ursprünglich aus Halbwüsten-Regionen wie Mittelasien kommt. Sie kommt laut FloraWeb auf nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren vor und man kann sie aktuell in Brandenburg, (vor allem auf sandigen Standorten) häufig bewundern…

    Wir haben sie in den letzten Jahren vor der Ausbildung der Samenkapseln gemulcht und hatten sie damit ganz gut zurück gedrängt. Jetzt nach dem Regen im Juli ist sie wieder massenhaft auf unseren Weiden zurück gekehrt und hat bereits Samenkapseln ausgebildet. Nun muss die gesamte Pflanze durch rausziehen oder mähen entfernt werden, da sie sonst nachreifen kann und beim mulchen werden die kleinen Samen nicht zerschlagen, bleiben liegen und man kann sich den Maschineneinsatz sparen.

    Da es nun also zu spät zum mulchen ist, müssen wir sie per Hand rausziehen, was sehr aufwendig, mühselig und zeitraubend ist. Und jede Graukresse, die ich bisher rausgezogen habe, ist auch verbissen, d.h., sie wird (mit-)gefressen, auch wenn noch sehr viel anderes Futter da ist…

    Die ganz besonders schlimmen Flächen haben wir zunächst ausgezäunt, um sie mit einem Rasenmäher (mit Korb) zu mähen und zumindest ein weiteres Aussamen zu verhindern.

    Tja, wie sagt Bent Branderup ? „Schöne Zeit mit dem Pferd verbringen“ …

    Aktuell dürfen wir vor allem beim Graukresse rupfen schöne Zeit mit unseren Pferden verbringen 😉

  • Die gesunde Grasnarbe

    Die gesunde Grasnarbe

    In dem Podcast mit Celina Skogan haben wir viel über die „Grasnarbe des Grauens“ gesprochen, die man vielerorten in der Pferdehaltung sieht. Mit diesem Beitrag möchte ich daran anknüpfen und aufzeigen, wie wir in den letzten fünf Jahren zu einer gesünderen Grasnarbe gekommen sind.

    Dafür will ich kurz ausführen, was aus meiner Sicht eine gesunde Grasnarbe ist. Eine Pferdeweide sollte nicht nur ein Auslauf, sondern eine Ernährungsgrundlage sein, damit die Pferde ihrem natürlichen Bedürfnis nach grasen – langsam fortbewegen – grasen nachgehen können. Dabei sollte eine Pferdeweide möglichst arten- und vor allem kräuterreich sein, mit Baumgruppen und Gebüschen, im Idealfall mit trockenen Kuppen, feuchten Senken, eingestreuten Kleingewässern etc. – also eine vielfältige Weidelandschaft.

    Das heißt, wenn eine Weide auch Ernährungsgrundlage sein soll, darf sie nicht nur aus einer golfrasenartig abgenagten, öden, viereckigen Fläche bestehen. Denn das ist nicht nur ungesund für unsere Ponys, sondern auch ökologisch völlig wertlos für Artengruppen wie Insekten oder Vögel. Dabei könnten Pferde eine Schlüsselrolle in der Wiederbelebung von Ökosystemen und beim Erhalt der Artenvielfalt einnehmen.

    Aber was wir überall sehen, sind zu viele Pferde auf zu kleinen Flächen, traurige Matschpaddocks im Winter, Sandpaddocks im Sommer mit einem Auslauf bzw. einer völlig runtergerockten Grasnarbe des Grauens.

    Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man Pferde möglichst großzügig auf großen Flächen halten, um eine Übernutzung der Grasnarbe zu vermeiden, ansonsten geht es natürlich nicht ohne die Anlage von Trails oder einer Umtriebsbeweidung.

    Wir konnten in den letzten fünf Jahren die übernutzte Hauptweide, auf der nur noch Graukresse gewachsen ist, zu einer blütenreichen Fläche entwickeln. Dafür wurden die Pferde im Sommer von der Fläche genommen, damit sich die Grasnarbe erholen kann. Dadurch hat sich eine bunte Pioniervegetation aus Schafgarbe, Wegwarte, Malve, Rainfarn, Brennessel, Spitzwegerich, Beifuß und vieles mehr eingestellt. Es sind sogar schon die ersten Weißdörner, Schlehen und Rosen aufgewachsen, über die ich mich besonders freue 🙂

    Ein Fotovergleich zeigt die Entwicklung der Hauptweide aus zwei verschiedenen Perspektiven. Erreicht wurde die Umwandlung der Grasnarbe des Grauens mit Graukresse hin zu einer verhältnismäßig geschlossenen Grasnarbe mit verschiedenen Kräutern durch Schonung im Sommer, also Pferde runter von der Fläche oder anders gesagt: Umtriebsbeweidung. In den ersten drei Jahren musste die Hauptweide im Sommer noch gemulcht werden, um die Graukresse in den Griff zu bekommen und vor allem an der Aussamung zu hindern. Davon abgesehen wurden keine weiteren Maßnahmen wie beispielsweise eine Neuansaat ergriffen. Und erst seit wir auf das Mulchen verzichten können, etablieren sich auch Gehölze wie die Hundsrose.

    2019
    2023
    2024
    2019
    2021
    2024

    Und auch auf den Luftbildern bei Google Earth kann man die Entwicklung in der Zeitreihe sehen. Die Hauptweide wurde zunächst als Trail angelegt, den wir jedoch abbauen konnten, da wir genug Weiden zum Ausweichen haben und es schlicht nicht mehr notwendig war.

    2018
    2021
    2024

    Und in diesem Jahr wollen wir etwas neues ausprobieren – weg von der Umtriebsbeweidung – hin zu einer extensiven Ganzjahresbeweidung. Mein langfristiges Ziel ist dabei aus der Pioniervegetation ein artenreiches Grünland zu entwickeln, dass dann auch eine gesunde Grasnarbe für unsere Pferde sein kann.

  • Tagfalter Saison 2024

    Tagfalter Saison 2024

    Laut dem aktuellen Newsletter des Tagfalter Monitorings (TMD) haben wir (wieder) „ein extrem schlechtes Falterjahr, … mit Falterzahlen auf einem sehr niedrigen Niveau.„

    Ich habe seit 2020 ein Transekt beim TMD angemeldet und kann sagen, es ist schlechter als im letzten Jahr, aber auf gleichbleibend niedrigem Niveau. Das liegt bei uns aber auch daran, dass wir extrem artenarmes Grünland haben bzw. ersteinmal artenreiches Grünland aus einer „Kanada-Goldruten-Hölle“ entwickeln müssen.

    Im Folgenden die Zahlen aus den letzten vier Jahren.

    Die häufigste Art war bei uns im Jahr 2024 das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), gefolgt von den Kohlweißlingen (Pieris napi, P. rapae) und dem hübschen Tagpfauenauge (Aglais io).

    (Quelle Grafik: Von Richard South 1906 – https://www.biodiversitylibrary.org/item/119355, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23480633)

    Das Kleine Wiesenvögelchen ist eine relativ häufige Art, die wenig spezialisiert ist und ein breites Spektrum an Offenland besiedeln kann. Die adulten Tiere nutzen verschiedene Blüten als Nektarquelle und die Eier werden einzeln, bodennah an Gräsern aller Art angeheftet. Die Falter fliegen in zwei, teilweise drei ineinander übergehenden Generationen von April bis Ende September. Das Kleine Wiesenvögelchen überwintert als Jungraupe in der Bodenstreu.

    Auch die Kohlweißlinge gehören zu den häufigen Tagfalterarten und galten dereinst sogar als Schädlinge. Vor allem der Große Kohlweißling (Pieris brassicae), dessen Raupen massenhaft an Kohl vorkommen konnte, ist heute durch den Pestizideinsatz stark dezimiert worden. Beim Kleinen Kohlweißling kommen die Raupen einzeln an verschiedenen Kreuzblütlern, wie beispielsweise Kohl, Senf, Raps oder eben Graukresse vor. Die Falter fliegen in bis zu vier Generationen von April bis Mitte Oktober und saugen dabei bevorzugt den Nektar violetter Blüten, beispielsweise von Disteln, Rot-Klee oder Flockenblumen, wobei sie anscheinend auch Graukresse nicht verachten (siehe Foto). Der Kleine Kohlweißling überwintert geschützt und versteckt, beispielsweise an Hauswänden oder in einem Schuppen als Gürtelpuppe, die mittels Faden angeheftet wird.

    Das Tagpfauenauge profitiert auf unseren Flächen von den massenhaft vorkommenden Brennnesselbeständen. Insgesamt ist der Trend jedoch auch bei dieser einst häufig vorkommenden Tagfalterart rückläufig (siehe Grafik TMD). Die Raupen fressen ausschließlich Brennnessel und können durchaus massenhaft auftreten. Die Weibchen legen 50-200 Eier an die Blattunterseite und die Raupen schlüpfen nach zwei bis drei Wochen. Sie häuten sich mehrmals und besiedeln neue Brennnesselpflanzen, wenn sie die erste entlaubt haben. Im letzten Raupenstadium nehmen sie die typische schwarze Färbung mit weißen Punkten an und beginnen sich zu zerstreuen, um nach etwa weiteren drei bis vier Wochen einen verborgenen Platz zur Verpuppung aufzusuchen. Die Puppenruhe dauert etwa zwei Wochen und das Tagpfauenauge bringt teilweise drei Generationen in einer Saison hervor, bevor es sich einen geschützten Platz zum Überwintern als adultes Tier sucht. Bei uns beispielsweise in der Sattelkammer, im Schuppen, im Holzlager und sogar zwischen den Heuballen, was natürlich ungünstig ist…

    (Quelle Grafik: https://www.ufz.de/tagfalter-monitoring/index.php?de=47797)

    Der Kleine Perlmuttfalter (Issoria lathonia) im Beitragsbild war nicht auf dem Transekt, sondern an einer Großen Klette auf unserer Hauptwiese und kam ansonsten häufig im Garten vor. Überhaupt muss man sagen, dass im Garten an einem sonnigen Tag mehr Tagfalter waren, als auf dem Transekt im ganzen Jahr. Oder um es positiv zu beschreiben, es ist noch viel Luft nach oben auf dem Tagfalter-Transekt und das hängt widerum von der Vielfalt der Pflanzen und Strukturen ab.

  • Regio-Saatgut

    Regio-Saatgut

    Nach der Einsaat einer ca. 2000qm großen Fläche mit regiozertifiziertem Saatgut im letzten Jahr wurde die Einsaatfäche 2x per Hand gemäht und das Mahdgut beräumt. Dieses Jahr wurde die Fläche einmal früh beweidet und im Juni noch einmal gemäht. Aufgrund des hohen Anteils an Graukresse, die nicht im Saagut war, sondern im Bodenvorrat schlummerte, konnte das Mahdgut nur entsorgt werden. Der Sinn war eigentlich eine Mahdgutübertragung auf den anderen Weideflächen, um die Artenvielfalt zu fördern. Wie schon beschrieben, muss man hier einfach akzeptieren, dass aufgrund der Nutzungsgeschichte in Elisabethhöhe kein artenreiches Grünland reaktiviert, sondern nur neu kultiviert werden kann.

    Aktuell hat sich auf der Einsaatfläche ein wunderschöner Blütenteppich aus Wilder Möhre, Rispen-Flockenblume, Wegwarte und Margarite gebildet. Die folgenden Fotos zeigen eine Bildreihe der Jahre 2022-2024 und ich finde, allein dafür hat es sich schon gelohnt:

    Die Tabelle zeigt eine Liste der Pflanzenarten mit ihrem jeweiligen Anteil im Saatgut und den geschätzten Anteilen im ersten und im zweiten Jahr nach der Einsaat.

    Grün sind die Arten markiert, die im Saatgut waren und auch aufgelaufen sind. Einige Pflanzen sind jedoch erst im zweiten Jahr aufgetaucht und dunkelgrün markiert. Auffällig ist, dass es sich hierbei um charakteristische Arten der Magerweiden und -wiesen wie Ruchgras, Heidenelke oder Schafschwingel handelt.

    Orange sind die Arten markiert, die ich bislang noch vermisse und gern noch auf der Fläche hätte wie Wiesen-Flockenblume, Acker-Witwenblume und Kleine Braunelle. Der Rauhblättrige Schwingel ist ggf schon gekommen, da muss man sich wohl die Schwingel noch einmal genauer anschauen. Scharfen Hahnenfuß muss ich auf einer Pferdeweide nicht unbedingt haben und ich gehe davon aus, dass es ihm ohnehin zu trocken ist.

    Vor allem bei der Wiesen-Flockenblume habe ich noch Hoffnung, dass sie nur etwas länger braucht und noch auftaucht. Denn in den Bereichen, in denen ich in den letzten Jahren Saatgut in schöne, offene Wühlstellen von Wildschweinen eingebracht habe, kam nach und nach doch noch die eine oder andere Pflanze aus dem Saatgut wie Wiesen-Flockenblume, Margarite oder Lichtnelke. Teilweise erst nach drei Jahren, also man muss schon sehr viel Geduld mitbringen bei der Aufwertung seiner Pferdeweide – Gut Ding will Weile haben.

    Die Rispen-Flockenblume hingegen war nicht im Saatgut, hat aber schon im ersten Jahr nach der Einsaat einen hohen Anteil gebildet und ist mir sehr willkommen. Sie kommt in Brandenburg auf Trockenrasen, Magerweiden und trockenen Brachen vor und ist sehr beliebt bei Insekten.

    Weggefallen sind typische, einjährige Ackerwildkräuter (Segetalarten) wie Kornblume oder Saat-Mohn, die in der Mischung nur für einen schönen Blühaspekt im ersten Jahr sorgen sollen, d.h. man könnte sie auch getrost weglassen.

    Weggefallen sind im zweiten Jahr auch Segetalarten, die von allein aufgekommen sind wie Quecke, Taube Trespe, Hirtentäschel, Weißer Gänsefuß, Hohlzahn, Kompaß-Lattich, Borstenhirse, Hohe Rauke und Küsten-Kamille. Und das ist auch gut so, denn wir wollen ja lieber mehrjährige Kräuter etablieren, die sowohl Insektennahrung als auch gesundes Pferdefutter sind.

    Es zeigt sich, dass es essentiell ist, der Empfehlung des Saatgutherstellers für eine erfolgreiche Ansaat zu folgen: „Je nach Witterung sind nach zwei  bis drei Wochen die ersten Keimlinge zu sehen. Da einige konkurrenzschwache Kräuter sich nur langsam entwickeln ist insbesondere nach einer Frühjahrsaussaat nach 6 bis 8 Wochen ein Schröpfschnitt auf ca. 5 cm empfehlenswert. Der Schröpfschnitt dient auch zur Eliminierung eventuell vorhandener einjähriger Unkräuter (Gänsefuß, Hirtentäschel etc.), die auf keinen Fall zur Samenreife gelangen sollten. Bei starkem Befall sollte der Schröpfschnitt wiederholt werden. Das Schnittgut ist immer zu entfernen.“

  • Update Frühlings-Greiskraut

    Update Frühlings-Greiskraut

    Wie versprochen halte ich Euch auf dem Laufenden in Bezug auf das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis).

    Wir haben eine Fläche, die wir im Jahr 2021 neu eingerichtet haben, d.h. von Müll, Bewässerungs- und Wildzaunresten beräumt und einen Weidezaun gebaut. Hier kommen vereinzelt Sandstrohblume, Berg-Jasione und Kleines Habichtskraut vor, die das Potential zur Entwicklung eines mageren Trockenrasens aufzeigen. Aber bislang konnten wir diese Fläche nicht von den Pferden beweiden lassen, weil sich hier besonders viel Frühlings-Greiskraut und Graukresse breit gemacht haben. Neben dem händischen Ausreißen, konnten wir diese Fläche bislang nur mulchen, um die Giftpflanzen in den Griff zu bekommen, was einer Aushagerung und Entwicklung zum Trockenrasen natürlich im Wege steht.

    Der Folgende Bildervergleich zeigt jeweils die Fläche im Mai 2021 und Mai 2024. Ja, es gibt noch einzelne Individuen des Frühlings-Greiskrautes, Graukresse und immer wieder auch Rosetten vom Jakobs-Kreuzkraut. Aber nicht mehr in den Massen, wie wir es im ersten Jahr mit Beginn der Pflege vorgefunden haben. Das Jakobs-Kreuzkraut ist so überschaubar, dass man die Rosetten einfach ausstechen kann. Das Frühlings-Greiskraut ist wie bereits beschrieben einjährig, das heißt, wenn man es daran hindert auszusamen, kann man es in Schach halten.

    Aktuell dominiert aus diesem Blickwinkel die Taube Trespe, eine Art der trocken-warmen Ruderalstandorte auf Sandböden und ein mäßiger Stickstoffzeiger. Das heißt die Fläche kann und sollte nun auch in die Beweidung einbezogen werden, um sie auszuhagern und um sie in einen arten- und blütenreichen Trockenrasen zu entwickeln. Wünschenswerte Kennarten wären beispielsweise:

    • Grasnelke (Armeria elongata)
    • Rispen-Flockenblume (Centaure stoebe)
    • Karthäuser Nelke (Dianthus carthusianorum)
    • Sandstrohblume (Helichrysum arenarium)
    • Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella)
    • Berg-Sandglöckchen (Jasione montana)
    • Duft-Scabiose (Scabiosa canescens)
    • Sand-Thymian (Thymus serpyllum)

  • Einsaat – Sinn und Unsinn

    Einsaat – Sinn und Unsinn

    In entsprechenden Foren oder Gruppen der social media wird häufig die Frage nach der richtigen Einsaat für Pferdeweiden gestellt. Dabei lässt sich oft an den Antworten ablesen, dass sich die Erkenntnis noch nicht durchgesetzt hat, dass Weidelgras kein geeignetes Futter für Freizeitpferde ist. Weidelgras ist zu gehaltvoll für Pferde, die nicht arbeiten und dazu noch sehr gute Futterverwerter sind, vor allem für die Robustrassen unter den Freizeitponys.

    Weidelgras ist ein protein- und zuckerreiches Futtergras für Rinder und Pferde, die Leistungen erbringen müssen und ansonsten bildet es den typischen englischen Rasen aus. Schauen wir uns beispielsweise die Zusammensetzung der Pferdeweide Universal an:

    15 % Wiesenlieschgras, 5 % Rotschwingel, 5 % Wiesenrispengras, 75 % Deutsches Weidelgras

    Weidelgras bildet schnell eine Grasnarbe und sieht schön grün aus, funktioniert aber auf Dauer nur, wenn die Flächen nicht wieder hoffnungslos übernutzt werden und es keine Dürreperioden gibt. Und Kräuter, die der Pferdegesundheit und der Biodiversität gleichermaßen zuträglich wären, sucht man in dieser Mischung vergeblich. Wiesenlieschgras und Wiesenrispengras sind eher für frische Standorte geeignet, eigentlich kommt nur der Rotschwingel für die märkische Streusandbüchse in Frage. Und auch die Zusammensetzung der Brandenburger Pferdeweide hat genau die gleichen Arten, nur weniger Weidelgras und dafür Wiesenschwingel, eine Art der frischen bis feuchten Standorte:

    5 % Wiesenschwingel, 20 % Wiesenrispengras, 18 % Wiesenlieschgras, 23 % Rotschwingel, 24% Deutsches Weidelgras

    Da muss man sich gut überlegen, ob die Kosten für das Saatgut und die Einsaat im Verhältnis zum gewünschten Ergebnis stehen. Und nur um eine Übernutzung kaschieren zu wollen, halte ich es ohnehin für zwecklos, wenn die Flächen auf Dauer nicht geschont werden können. Da sollte man lieber auf Pioniervegetation setzen, die ist auch schön grün und sicherlich gesünder als Weidelgras. Im Folgenden ein Fotovergleich einer intensiv genutzten Heustelle mit offenem Boden, die sich mit Vogelknöterich, Portulak, Amarant und Weißen Gänsefuss selbst wieder begrünt hat.

    Und obwohl ich ein Verfechter von Pioniervegetation bin, habe ich auch schon oft versucht Pflanzen aus Saatgut zu etablieren. Warum? Weil ich den Eindruck habe, dass sich bei uns keine Grünlandarten in der Samenbank befinden. Die Flächen wurden früher als Fichtenplantage und nach ihrer Abholzung (für die Ziegelei in Glindow) vornehmlich als Gartenland genutzt. Danach sind diese Flächen vermutlich brach gefallen und es haben sich Dominanzbestände mit Kanada-Goldrute entwickelt.

    Das Ausbringen von Saatgut hat in diesem Fall also den Sinn, die Flächen naturschutzfachlich aufzuwerten und dem Ziel einer artenreichen Pferdenweide ein Stückchen näher zu kommen. Dafür kommt für mich nur standortangepasstes, regiozertifiziertes Saatgut in Frage. Bislang war jedoch noch nie etwas von dem Saatgut aufgelaufen, das ich in den Rillen der Wiesenschleppe oder „von Wildschweinen vorbereiten Stellen“ ausgebracht habe. Die schönen, offenen Wildschweinstellen wurden, inklusive Saatgut schnell von Brennnessel, Graukresse, Beifuß, Rainfarn & co. wieder überwuchert.

    Nun hat sich dieses Jahr die Chance ergeben, eine neu einzurichtende Fläche mit ca. 2000qm komplett einzusäen. Eingesät wurde dabei eine regiozertifizierte Saatgutmischung mit einem Kräuteranteil von 30% (siehe unten stehende Artenliste). Dieses Mal wollte ich es richtig machen (lassen), mit kombinierter Saatbettvorbereitung und anwalzen durch einen ortsansässigen Landwirt.

    Einsaat im April
    Anwalzen direkt nach der Einsaat
    Mitte Juli, es dominieren Arten der Äcker und Unkrautfluren

    Anfang Juli habe ich den ersten Pflegeschnitt händisch mit Freischneider und abharken des Mahdgutes durchgeführt, weil sich aufgrund des hohen Anteils an Graukresse kein Heu daraus gewinnen ließ. Die Graukresse war natürlich nicht im Saatgut, aber offensichtlich in der Samenbank. Ein bis zwei Pflegeschnitte sind je nach Aufwuchs notwendig, um ungewollte „Ackerunkräuter“ wie Graukresse oder Kanadisches Berufkraut zu minimieren und die Arten im Saatgut zu bevorteilen.

    durchaus erkennbare Drillreihen im Mai mit Graukresse-Rosetten
    Graukresse wie gesät im Juni
    zweiter Pflegeschnitt Ende Juli

    Eine Artenliste der Saatgutmischung im Vergleich zu den Arten, die ich im Juli aufgenommen habe, zeigt, dass bislang nur wenig Pflanzen aus dem Saatgut aufgelaufen sind. Die Pflanzenarten aus dem Saatgut sind grün und die Pflanzenarten, die sich auch etabliert haben sind dunkelgrün markiert. Der Anteil Juli 2023 in Prozent ist dabei eine reine Schätzangabe und die Stickstoffzahl nach Ellenbergs Zeigerwerten (x=indifferent).

    Viele Pflanzenarten, die von allein aufgelaufen sind, sind Arten der Äcker und kurzlebigen Unkrautfluren wie Küsten-Kamille, Kanadisches Berufkraut oder Hohe Rauke und Stickstoffzeiger (gelb markiert) wie Brennnessel, Beifuß oder Weißer Gänsefuß.

    Ich hoffe, dass spricht für sich, dass es auch Unsinn wäre, zu düngen. Wir haben ohnehin schon eine extrem überdüngte Landschaft und artenreiches Grünland lässt sich nur bei einer Aushagerung entwickeln, weil sonst konkurrenzstarke Arten dominieren. Gefährdete Arten der Roten Liste wie beispielsweise Heide-Nelke, die auch im Saatgut war, sind an nährstoffarme Verhältnisse angepasst und verschwinden bei Überdüngung bzw. werden von den konkurrenzstärkeren Arten verdrängt.

    Immerhin habe ich mich über einzelne Wiesen-Margariten und Gewöhnliches Leimkraut freuen können, die ich teilweise beim mähen stehen gelassen habe. „Allerweltsarten“ wie Schafgarbe, Wilde Möhre, Weiße Lichtnelke, Wegwarte oder Spitzwegerich wären vermutlich auch ohne Einsaat gekommen, aber ich heiße sie willkommen. Ich würde mich freuen, wenn noch Heide-Nelke, Wiesen-Flockenblume und Kleine Braunelle auftauchen – vielleicht im nächsten Jahr?

    Insgesamt muss man sich auch hier fragen, ob der Input an Kosten, Diesel und Arbeit im Verhältnis zum Ergebnis stehen? Denn der Zweck der Einsaat war eigentlich via Mahdgutübertragung die Weideflächen aufzuwerten, davon muss man jedoch aktuell noch Abstand nehmen und das Mahdgut wegen dem hohen Graukresse-Anteil entsorgen. Immerhin ein paar schöne Blühaspekte gibt es:

  • Jakobs-Kreuzkraut

    Jakobs-Kreuzkraut

    Na wunderbar, noch so ein Kandidat…

    Obwohl ich letztes Jahr alle Rosetten des Jakobs-Kreuzkrautes rausgezogen habe, zumindest die ich gesehen habe, hat sich mindestens die doppelte Menge mit schönen Blüten und durchaus vielen Schmetterlingen daran etabliert. Nun möchte ich mich ja an Artenvielfalt auf unseren Weiden erfreuen und jede Blüte ist für Insekten willkommen in unserem sonstigen Einheitsbrei aus Glatthafer, Kanada-Goldrute und Landreitgras. Aber müssen es ausgerechnet Graukresse, Frühlings- und Jakobs-Kreuzkraut sein, die für einen Blühaspekt sorgen?

    Wir haben diese Fläche vor zwei Jahren neu eingerichtet, d.h. einen eingewachsenen Wildzaun abgebaut, einen Weidezaun aufgebaut und Müll sowie Schläuche einer Tröpchenbewässerung abgesammelt. Da die Fläche erst in Form einer Gärtnerei genutzt wurde und dann jahrelang brach lag, ist sie eigentlich nicht als Grünland oder Pferdeweide geeignet. Sie konnte bislang nur gemulcht werden, im Wechsel wegen Graukresse, Frühlings-Greiskraut, Graukresse, Frühlings-Greiskraut usw.

    Aber zumindest ein Teil mit Landreitgras und Kanada-Goldrute kann beweidet werden und ich dachte, ich falle hinten über, als ich sah, dass sich in diesem Teil ausgerechnet das Jakobs-Kreuzkraut breit macht. Noch ist die Anzahl an Individuen überschaubar und lässt sich schnell per Hand rausziehen. Es kam ein 80 Liter Müllsack mit Jakobs-Kreuzkraut zusammen, aber mehr sollte es nicht unbedingt werden. Wie schon letztes Jahr beschrieben, muss die Strategie hier ganz klar lauten: Wehret den Anfängen!

    Gleichzeitig möchte ich dafür plädieren, nicht in völlige Panik zu verfallen, es ist weder notwendig, die ganze Fläche zu mulchen, noch irgendein Gift zu spritzen, so lange es sich um Einzelexemplare handelt. Ich werde oft gefragt: „Na fressen die Pferde das denn?“ Da kann ich ich nur mit einem eindeutigen JEIN antworten. Nach meiner Beobachtung auf anderen Pferdeweiden, auf denen Assan bislang stand, wurde das Jakobs-Kreuzkraut bis in den Hochsommer gemieden, konnte aussamen und wurde dann doch gefressen, wenn alles andere abgenagt war… Das befördert die Ausbreitung natürlich noch, zumal Jakobs-Kreuzkraut auch sehr trittresistent ist.

    In dieser Zeit hatte Assan auch schlechte Leberwerte. Aber es ist eben wie mit Alkohol und das ist es ja, was in den Kreuzkräutern drin steckt (Alkaloide): Die Dosis macht das Gift, jeder verträgt andere Mengen und wieviel Kreuzkräuter müssen Pferde fressen, bis sich die Leber nicht mehr regenieren kann? Dass sich Alkaloide ansammeln und nicht mehr abgebaut werden, kann ich nicht bestätigen, denn Assans Leberwerte haben sich wieder verbessert, als er auf einen anderen Hof kam.

    Viele Pferde werden importiert, kennen die Pflanzen hier nicht, werden hin- und hergestellt, wachsen in der Regel nicht in Herden auf vielfältigen Weiden auf, leben nicht in Familienverbänden. Sie haben somit keine Chance sich ein traditionelles Wissen über ihren Lebensraum, seine Ressourcen und welche Pflanzen giftig sind etc. anzueignen. Und dann staunt man immer wieder, wie ursprünglich unsere Hauspferde dann doch sind und ich bin davon überzeugt, dass sie in der Wildnis überleben könnten, wenn man alle Zäune aufmacht. Pferde meiden in der Regel Giftpflanzen, wenn sie genug Auswahl haben und wenn sie doch mal hier und da naschen, muss man sich keine Sorgen machen, dass sie davon gleich tot umfallen.

    Aber im Blick sollte man die Giftpflanzen schon haben, ihre Ausbreitung verhindern und lieber für ein artenreiches Grünland sorgen, dass auch für die Pferde gesünder ist:

    • Angepasstes Weidemanagement mit einer Vermeidung von Unter- oder Überbeweidung, beispielsweise in Form einer Umtriebsbeweidung
    • Mischbeweidung, beispielsweise mit Rindern (anderes Fraßverhalten)
    • Pflegemahd von Teilflächen
    • Aushagerung zur Förderung von Artenvielfalt durch Beweidung und/oder Mahd
    • keine Düngung, denn Stickstoffeinträge gibt es schon genug aus der Luft

  • Graukresse 4.0

    Graukresse 4.0

    Hier kommt das jährliche Update zur Entwicklung der Graukresse auf unserer Hauptweide bzw. Winterkoppel. Seit 2020 geht diese Fläche zur Erholung der Grasnarbe in eine Sommerpause, d.h. der Beweidungsdruck durch die Pferde wird hier runtergenommen. Dafür wird sie – quasi als Erfrischungskur – vor der Samenreife der Graukresse gemulcht.

    Dabei zeigt sich, dass die Pflegemaßnahmen der letzten Jahre tatsächlich zur Eindämmung der Graukresse geführt haben. Denn zum Glück ist sie zweijährig, d.h. die Pflanze stirbt nach der Samenreife im zweiten Jahr ab und es macht durchaus Sinn, sie vorher rauszureißen, zu mähen oder zu mulchen. Man wird immer noch ein großes Samenpotential im Boden haben, aber es scheint wirklich eine gute Methode zu sein, um diese Giftpflanze auf Dauer in Schach zu halten. Hier ein Vergleich der Entwicklung im Laufe der Jahre:

    Juli 2019
    Juli 2021
    Juli 2023

    Die reichhaltigen Niederschläge der letzten Monate haben außerdem zu einer üppigen Vegetationsentwicklung mit Schafgarbe, Hundskamille, Hundszunge, Ochsenzunge, Malve, Wegwarte, Natternkopf, Lichtnelke, Luzerne etc. gesorgt. So bleibt der Graukresse auch nicht mehr viel Platz und sie kann ihren Konkurrenzvorteil, dass sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist, nicht mehr ausspielen. An einer Stelle hat sich sogar Wiesen-Flockenblume etabliert, darüber hab ich mich besonders gefreut. Sie ist vermutlich aus Saatgut hervorgegangen, dass ich mal vor zwei Jahren ausgebracht hatte. Aktuell macht es wirklich viel Freude über unsere Hauptweide zu laufen, denn überall fliegen Wildbienen und Schmetterlinge umher, saugen an den Blüten und die Heuschrecken zirpen dazu. Es wäre deshalb auch ökologischer Wahnsinn, in diese Fülle reinzumulchen.

    Und zum Glück sind die Stellen mit Graukresse überschaubar geworden und können entweder mit Freischneider oder Sense partiell gemäht oder einzeln per Hand rausgezogen werden. Vor allem jetzt, wo der Boden noch gut feucht ist, kann man die Pflanzen mit Wurzel rausziehen und hat teilweise ganze Büschel in der Hand. Dadurch haben wir eine weitgehend Graukressenfreie und dennoch blütenreiche Hauptweide. So kann sich nun im vierten Jahr seit Beginn dieser Maßnahmen Artenvielfalt auf der Pferdeweide ohne „Insektenschreddern“ entwickeln.

  • Fjäll-Rinder

    Herzlich willkommen Lenia und Finola! Ab sofort unterstützten uns diese zwei wunderschönen Fjäll-Rind-Färsen bei der Weidepflege.

    Fjäll-Rinder sind eine robuste, kleinrahmige und vom Aussterben bedrohte Haustierrasse aus Schweden, die es wohl schon zur Wikingerzeit gegeben hat. Im Vergleich zur modernen Hochleistungskuh können Robustrinder auch auf kargen Weiden hinreichend Futter finden.

    Der Vorteil einer Mischbeweidung mit Rindern ist vor allem das unterschiedliche Fraßverhalten von Pferden und Rindern. Eine reine Pferdebeweidung ohne andere Weidetiere oder einer Pflegemahd führt auf Dauer zu einer Verschlechterung des Grünlandes mit Ausbreitung von Gift- und „Problempflanzen“, wie bei uns der Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) oder der Graukresse (Berteroa incana).

    Denn Pferde können mit ihren Schneidezähnen die Vegetation extrem tief verbeißen, fressen dadurch sehr selektiv und ungeliebte Pflanzen können sich ausbreiten. Rinder hingegeben rupfen die Pflanzen mit ihrer Zunge ab und haben dadurch ein anderes Nahrungsspektrum.

    Und so ist der Plan, dass Finola und Lenia dabei helfen die Weiden artenreicher zu gestalten und die Dominanzbestände mit Glatthafer (Arrhenatherum elatius) und Kanada-Goldrute aufzulichten. Glatthafer ist zwar ein gutes Futtergras im Heu, wird aber am Halm von unseren Pferden komplett gemieden und so musste ich die Glatthafer-Fläche entweder „runtermulchen“ oder mähen. Da wir aber keine entsprechende Technik dafür besitzen, haben wir die Fläche letztes Jahr per Hand mit Sense und Freischneider gemäht. Auch wenden konnten wir noch selbst, aber auf den Schwad legen und Ballen pressen, dafür musste dann doch ein benachbarter Bauer vorbeikommen. Aber er sagte, das war das erste und das letzte Mal, weil die Fläche zu uneben und klein ist…. Außerdem muss man eine Fläche, die man mähen möchte, entsprechend lange vorhalten, damit keine Pferdeäppel in die Ballen eingearbeitet werden. Will sagen, alles nicht so leicht.

    Und die Kanada-Goldrute kann man tatsächlich nur mulchen, sie ist nicht als Futter geeignet, ein Platzräuber und mit ihrer Eigenschaft dichte Dominanzbestände zu bilden verhindert sie die Entwicklung von Artenvielfalt auf der Pferdeweide.

    Da aber nun unser Mulcher kaputt ist und beim mulchen zum Einen die Biomasse liegen bleibt und Insekten sowie alle Kleinstlebewesen mitgeschreddert werden, musste eine andere Lösung her – deshalb die Mischbeweidung mit Rindern 🙂

    Ein weiterer großer Vorteil ist neben der Weidepflege die Weidehygiene, sprich das Eindämmen von Magen-Darm-Parasiten wie beispielsweise Strongyliden. Rinder fressen an den sogenannten „Geilstellen“ der Pferde, also die Bereiche, an denen Pferdeäppel liegen und die Wurmlarven in den Grasspitzen darauf warten gefressen zu werden. Wenn Pferde die Möglichkeit haben meiden sie diese Bereiche enstprechend. Aber Rinder können die Magen-Darm-Parasiten der Pferde getrost mitfressen, weil diese in dem falschen Wirt nicht gedeihen können. Und auch anders herum können die Pferde die Würmer der Rinder mitfressen und beide Weidetiere halten auf diese Weide den Parasitendruck auf der Weidefläche niedrig.

    Soweit die Theorie, wie es sich bewähren wird, diese zwei Schönheiten mitlaufen zu lassen, werden wir sehen und ich werde sicherlich noch viel von Finola und Lenia berichten.

    Erst einmal sind sie auf einer separaten Fläche, um sich einzuleben. Eine Integration in die Herde ist – wie schon beschrieben – nicht mehr so leicht, außerdem brauchen sie ihre eigene, kleinere Heuraufe, vor allem ohne Heunetz und sie können nicht aus dem großen Wasserbottich oder den hohen Tränken der Pferde saufen. Es bleibt mal wieder spannend am Ponyhof.

  • Mineralstoffe und Spurenelemente

    Ich gebe es zu, ich bin süchtig nach Blutbildern… Von Assan natürlich 😉

    Als ich ihn gekauft habe, war er in schlechtem Zustand, abgemagert, stumpfes Fell, körperlich und seelisch neben der Spur. Auf Empfehlung eines Tierarztes, wurde ein großes Blutbild erstellt, um eventuelle Mangelerscheinungen und/oder Auffälligkeiten der Leberwerte festzustellen. Seitdem lasse ich jährlich ein großes Blutbild oder eine Mähnenanalyse durchführen und gebe entsprechend Mineralfutter dazu.

    JahrAnalyseüber dem Referenzbereichunter dem Referenzbereich
    2013Bluty-GT1, CK2, KaliumSelen3
    2014Bluty-GT, CK, Kalium, Eosinophile4Selen, Zink
    2015BlutCK, Kalium, EosinophileZink
    2016MähneKupferSelen, Magnesium, Cobalt, Molybdän, Zinn
    2017BlutCKSelen
    2018Bluty-GT, CK, Eosinophile
    2019BlutEosinophile
    2020Bluty-GT, CK
    2021BlutCK,
    2022MähneKalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Eisen, Mangan, Selen, Cobalt, Molybdän, Zinn
    1= Gamma-Glutamyltransferase, Hinweis auf eine Vergiftung beispielsweise durch Jakobs-Kreuzkraut, tatsächlich großen Mengen in dieser Zeit auf den Weiden, kein oder nur wenig Jakobs-Kreuzkraut auf den Weiden ab 2016, dafür Graukresse, 2= Creatin Kinase, Muskelenzym, kann durch „Muskelkater“ ausgelöst werden, 3 = es heißt immer, unsere Böden sind selenarm, über den Sinn oder Unsinn, Referenzbereiche für Selenwerte etc. werden ganze Glaubenskriege geführt, 4 = Hinweis auf einen Parasitenbefall, tatsächlich haben anschließende Kotproben einen hohen Befall mit Magen-Darm-Strongyliden ergeben

    Auffällig ist, dass Assan mit den Blutbildern in punkto Mineralstoffen und Spurenelementen deutlich besser weg kommt, als mit den Mähnenanalysen, welche wohl die letzten drei Monate abbilden. Leber-, Muskel- und Blutwerte werden bei dieser Methode nicht ermittelt. Nun sollte man sicher nicht in Panik verfallen, wenn einige Mineralstoffe und Spurenelemente „im Keller sind“ und man kann auch darüber streiten, wie Referenzbereiche entstehen und wie groß wirklich die Aussagekraft solcher Analysen sind. Letztlich ist aus meiner Sicht entscheidend, wie das Pferd aussieht und welchen Eindruck es macht, ob es fit ist, glänzendes Fell und gute Hufe hat.

    Aber davon abgesehen, bin ich davon überzeugt, dass sich Pferde in den meisten Haltungsformen nicht mit allen Mineralstoffen und Spurenelementen aus der Weide und dem Heu selbst versorgen können. Warum? Weil wir ihnen nicht die Möglichkeit geben können, sich in weitläufigen Landschaften mit unterschiedlichen Biotopen zu bewegen und unsere Weiden sowie das Heu in der Regel relativ artenarm sind.

    Wenn man sich zum Beispiel unser aktuelles Heu genauer angeschaut, ist das zwar von guter Qualität, riecht gut, ist schön grün, keine Anzeichen für Schimmel und die Pferde lieben es. Es ist ja auch relativ zucker- und proteinhaltig und für unsere „Fettis“ eigentlich zu gehaltvoll, dafür dass sie 24/7 Zugang zur Weide plus Heu ad libitum haben. Wenn man sich die Beispielrechnung in der Tabelle für ein Pferd mit 500kg und dem Erhaltungsbedarf anschaut, unter Berücksichtigung, dass unsere Freizeitpferde kaum „arbeiten“ müssen, ist es kein Wunder, dass wir pumelige Wohlstandspferde haben.

    Aber wenn man sich gleichzeitig die Artenzusammentzung des Heus anschaut, kommt man in unserem Beispiel auf nur fünf Arten: Gemeines Rispengras (Poa triviales), Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera), Wasser-Knöterich (Persicaria amphibia, Landform), Ampfer (Rumex spec.) und Wolliges Honiggras (Holcus lanatus).

    Mehr Arten konnte ich beim besten Willen nicht finden und so erklärt sich, dass man auch noch Futter in Form von Heucobs, Mash, was immer, dazugeben muss, um das Mineralfutter ins Pferd zu bekommen. Obwohl es zusätzliches Futter vom Energiebedarf her nicht braucht. Also eigentlich wie bei uns Menschen, Essen mit zu hoher Energiedichte für Bürotätigkeit mit zu wenig Bewegung 😉

    Und auch unsere Weiden bestehen aus wenig Pflanzenarten wie Weidelgras (dominiert auf der Hauptweide), Glatthafer (dominiert auf der Skuddenwiese) oder Landreitgras, dafür mit „Problempflanzen“ wie Graukresse und Kanada-Goldrute und nur einer Handvoll Beikräutern wie Schafgarbe, Brennnessel, Rainfarn oder Wegwarte. Um die Veränderung der Pflanzenzusammensetzung zu dokumentieren habe ich auf einer Weide ein Vegetationstransekt angelegt.

    Aber mit der Artenvielfalt auf der Weide ist es wie mit der Ausbildung des Pferdes: man braucht Geduld. Man braucht Jahre der kontinuierlichen Pflege, um artenreiche Weiden zu generieren, wobei die Stickstoffeinträge aus der Luft der größte Feind der Artenvielfalt sind. Pflanzenvielfalt und damit auch die Vielfalt bei Insekten etc. entsteht erst durch eine Aushagerung, ansonsten dominieren einige wenige konkurrenzstarke Arten wie eben die Kanada-Goldrute oder Brennnessel.

    Arten- und Kräuterreiche Wiesen und Weiden mit langer Tradition wie beispielsweise Bergalmen oder Flächen in seit Jahrzehnten gepflegten Naturschutzgebieten, meist auf Sonderstandorten wie Trockenrasen oder Feuchtwiesen sind heute nur noch kleine Ausschnitte einer ehemals vielfältigen Kulturlandschaft.

    Aber wir brauchen diese Reliktvorkommen – untere anderem als Referenzbereiche für Artenvielfalt.