Schlagwort: Mulchen

  • Was macht eigentlich…

    Was macht eigentlich…

    das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis)? In diesem Jahr – also fünf Jahre nach der Einrichtung – können unsere Pferde zum ersten Mal auf die Fläche, die sonst um diese Jahreszeit von Frühlings-Greiskraut dominiert wurde.

    Mai 2021
    Mai 2026

    In den letzten Jahren konnte diese Fläche nur gemulcht werden, weil es hier immer einen schönen Wechsel im Blühaspekt von gelb zu weiß gab, also von Frühlings-Greiskraut im April/Mai zu Graukresse (Berteroa incana) im Juni. Neben dem mulchen der Fläche, wurden die Pflanzen, auch das vereinzelt vorkommende Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea), mit der Hand rausgezogen. Es ging darum, das Aussamen zu verhindern, obwohl natürlich auch von Nachbarflächen immer wieder Samen einwehen können. Aber die gute Nachricht ist, Frühlings-Greiskraut ist einjährig, d.h., nach dem Aussamen stirbt die Pflanze ab und es lohnt sich ihre Reproduktion auf diese Weise zu unterbinden. Die rausgezogenen Pflanzen müssen im Hausmüll entsorgt werden, da Greis- bzw. Kreuzkräuter die Fähigkeit haben nachzureifen. Das bedeutet, wenn man sie auf den Kompost wirft, können die Samen immer noch mit dem Pappus (Haarkelch als Schirmchen) umherfliegen.

    Und dadurch, dass die Fläche endlich abgeweidet werden kann, ist eine gewisse Aushagerung möglich, weil die Biomasse abgeschöpft wird. Denn dieser Teil unserer Weideflächen ist relativ sandig, mager und hat das Potential zur Entwicklung eines Sandtrockenrasens. Es gibt immerhin schon Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Sandstrohblume (Helichrysum arenarium) und Berg-Sandglöckchen (Jasione montana) als charakteristische Arten für Sandmagerrasen. Dieses Jahr ist auch viel Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) dazu gekommen, was einen hübschen Blühaspekt ergibt.

    Das heißt, es waren zum ersten Mal nur noch so wenig Individuen vom Frühlings-Greiskraut, dass wir sie händisch rausziehen konnten. Hier noch Fotos einer Rosette vom Jakobs-Kreuzkraut, die mit einem Handstecher rausgestochen werden muss und rausgezogene Exemplare vom Frühlings-Greiskraut. Frühlings-Greiskraut blüht aktuell, ist spinnwebartig behaart und wie alle Arten der Gattung Senecio giftig, weil es Pyrrolizidinalkaloide enthält, die auf Dauer die Leber schädigen.

  • Graukresse

    Graukresse

    Im letzten Blogeintrag zur Graukresse im März diesen Jahres war ich noch sehr optimistisch, dass wir das Problem mit Rausziehen der einzelnen Pflanzen in den Griff bekommen. Denn es wäre schön, wenn man ohne Mähen oder Mulchen auskommt, um Insekten etc. zu schonen, aber in diesem Jahr hat sich die Graukresse wieder besonders stark ausgebreitet.

    Sie hat anscheinend davon profitiert, dass es erst eine Dürrephase im Mai, Juni und dann eine Regenphase im Juli gab. Sie ist durch ihre Sternhaare auf der Oberfläche sehr gut gegen Verdunstung geschützt und kommt mit Dürre super zurecht, da sie ursprünglich aus Halbwüsten-Regionen wie Mittelasien kommt. Sie kommt laut FloraWeb auf nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren vor und man kann sie aktuell in Brandenburg, (vor allem auf sandigen Standorten) häufig bewundern…

    Wir haben sie in den letzten Jahren vor der Ausbildung der Samenkapseln gemulcht und hatten sie damit ganz gut zurück gedrängt. Jetzt nach dem Regen im Juli ist sie wieder massenhaft auf unseren Weiden zurück gekehrt und hat bereits Samenkapseln ausgebildet. Nun muss die gesamte Pflanze durch rausziehen oder mähen entfernt werden, da sie sonst nachreifen kann und beim mulchen werden die kleinen Samen nicht zerschlagen, bleiben liegen und man kann sich den Maschineneinsatz sparen.

    Da es nun also zu spät zum mulchen ist, müssen wir sie per Hand rausziehen, was sehr aufwendig, mühselig und zeitraubend ist. Und jede Graukresse, die ich bisher rausgezogen habe, ist auch verbissen, d.h., sie wird (mit-)gefressen, auch wenn noch sehr viel anderes Futter da ist…

    Die ganz besonders schlimmen Flächen haben wir zunächst ausgezäunt, um sie mit einem Rasenmäher (mit Korb) zu mähen und zumindest ein weiteres Aussamen zu verhindern.

    Tja, wie sagt Bent Branderup ? „Schöne Zeit mit dem Pferd verbringen“ …

    Aktuell dürfen wir vor allem beim Graukresse rupfen schöne Zeit mit unseren Pferden verbringen 😉

  • Kanada-Goldrute

    Kanada-Goldrute

    Der Kampf gegen die Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) geht in die nächste Runde und damit schon ins fünfte Jahr. Wir sind ihr mit mulchen, Schafen und dieses Jahr auch mit einem Balkenmäher zu Leibe gerückt.

    Mahd mit Balkenmäher
    abziehen der Fäche mit einer Schleppe
    eine Teilfläche wurde gemulcht

    Manchmal hat man das Gefühl, alles ist umsonst und nichts hilft – aber leider muss man bei der Etablierung von artenreichen Wiesen und Weiden sehr viel Geduld aufbringen. Bei einer Weiterbildung meinte ein Kollege, dass er nunmehr seit 30 Jahren Trockenrasen in der Umgebung von Werder/Havel mäht und sich die ersten Erfolge nach acht Jahren (!) eingestellt haben. Er wußte aus historischen Quellen, wo es mal artenreiche Steppentrockenrasen gab und hat diese gezielt gepflegt, mit einem beeindruckenden Ergebnis.

    Aber wir haben es mit Flächen zu tun, die ehemals Fichtenforst waren, danach Gartenland und dann Brache – mit Ausbreiung der Kanada-Goldrute. Deshalb ist die einzige Chance, die wir haben, die Goldrute loswerden und immer wieder (Regio-) Saatgut oder Mahdgut von artenreichen Flächen verteilen, um eine kräuter- und artenreiche Weide zu entwickeln. Und nur eine kräuter- und artenreiche Weide kann eine gesunde Nahrungsgrundlage für unsere Weidetiere sein. Ich freue mich ja schon über jede Margarite (Leucanthemum ircutianum), Gemeines Leinkraut (Silene vulgaris) oder Flockenblume (Centaurea jacea), die hier und da mal auftauchen – aus dem vielen Saatgut, dass ich schon verteilt habe.

    Um die Entwicklung zu dokumentieren, habe ich im Jahr 2020 ein Vegetationstransekt mit elf Aufnahmeflächen (2mx2m) eingerichtet. Im Folgenden soll an einer der Aufnahmeflächen beispielhaft die Veränderung gezeigt werden:

    Vegetationsaufnahmefläche 2020
    Vegetationsaufnahmefläche 2025

    Auf den Fotos kann man nur schwerlich eine Veränderung erkennen, man muss genauer hinschauen und die Artenliste vergleichen:

    Die Deckung der Goldrute hat von 65-75% auf 15-25% abgenommen und die Artenanzahl ist von sechs auf 14 Arten angestiegen. Es sind mehr Gräser dazu gekommen, wobei vor allem Quecke und Glatthafer den frei gewordenen Platz eingenommen haben. Durch die Reduktion der mächtigen Streuschichtauflagen, die die Kanada-Goldrute bildet und damit jede Konkurrenz ausschaltet, konnten ein paar kleine Kräuter wie Feld-Klee (Trifolium campestre), Reiherschnabel (Erodium cicutarium) oder Rauhaarige Wicke (Vicia hirsuta) dazu kommen. Wenn man sich das Foto der Aufnahmefläche im Jahr 2020 genauer anschaut, kann man in der rechten, unteren Ecke die Streuschicht erkennen. Diese Streuschichtauflage wird aus der jeweils im Winter abgestorbenen Pflanzenmasse gebildet, kann bis zu 20cm mächtig werden und wird nur durch die Goldrute selbst durchwachsen.

    Die oben genannten Maßnahmen und die Beweidung haben zumindest zu einem Abbau der Streuschicht und einer Auflichtung geführt, d.h., es wurden „Lücken“ im Goldruten-Dickicht geschaffen, die andere Pflanzen nutzen können.

    Lücke mit Quecke, Schafgarbe, Feld-Klee und Reiherschnabel
    Glatthafer und Margarite (aus Saatgut?) nutzen die entstandenen Lücken
  • Update Frühlings-Greiskraut

    Update Frühlings-Greiskraut

    Wie versprochen halte ich Euch auf dem Laufenden in Bezug auf das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis).

    Wir haben eine Fläche, die wir im Jahr 2021 neu eingerichtet haben, d.h. von Müll, Bewässerungs- und Wildzaunresten beräumt und einen Weidezaun gebaut. Hier kommen vereinzelt Sandstrohblume, Berg-Jasione und Kleines Habichtskraut vor, die das Potential zur Entwicklung eines mageren Trockenrasens aufzeigen. Aber bislang konnten wir diese Fläche nicht von den Pferden beweiden lassen, weil sich hier besonders viel Frühlings-Greiskraut und Graukresse breit gemacht haben. Neben dem händischen Ausreißen, konnten wir diese Fläche bislang nur mulchen, um die Giftpflanzen in den Griff zu bekommen, was einer Aushagerung und Entwicklung zum Trockenrasen natürlich im Wege steht.

    Der Folgende Bildervergleich zeigt jeweils die Fläche im Mai 2021 und Mai 2024. Ja, es gibt noch einzelne Individuen des Frühlings-Greiskrautes, Graukresse und immer wieder auch Rosetten vom Jakobs-Kreuzkraut. Aber nicht mehr in den Massen, wie wir es im ersten Jahr mit Beginn der Pflege vorgefunden haben. Das Jakobs-Kreuzkraut ist so überschaubar, dass man die Rosetten einfach ausstechen kann. Das Frühlings-Greiskraut ist wie bereits beschrieben einjährig, das heißt, wenn man es daran hindert auszusamen, kann man es in Schach halten.

    Aktuell dominiert aus diesem Blickwinkel die Taube Trespe, eine Art der trocken-warmen Ruderalstandorte auf Sandböden und ein mäßiger Stickstoffzeiger. Das heißt die Fläche kann und sollte nun auch in die Beweidung einbezogen werden, um sie auszuhagern und um sie in einen arten- und blütenreichen Trockenrasen zu entwickeln. Wünschenswerte Kennarten wären beispielsweise:

    • Grasnelke (Armeria elongata)
    • Rispen-Flockenblume (Centaure stoebe)
    • Karthäuser Nelke (Dianthus carthusianorum)
    • Sandstrohblume (Helichrysum arenarium)
    • Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella)
    • Berg-Sandglöckchen (Jasione montana)
    • Duft-Scabiose (Scabiosa canescens)
    • Sand-Thymian (Thymus serpyllum)

  • Jakobs-Kreuzkraut

    Jakobs-Kreuzkraut

    Na wunderbar, noch so ein Kandidat…

    Obwohl ich letztes Jahr alle Rosetten des Jakobs-Kreuzkrautes rausgezogen habe, zumindest die ich gesehen habe, hat sich mindestens die doppelte Menge mit schönen Blüten und durchaus vielen Schmetterlingen daran etabliert. Nun möchte ich mich ja an Artenvielfalt auf unseren Weiden erfreuen und jede Blüte ist für Insekten willkommen in unserem sonstigen Einheitsbrei aus Glatthafer, Kanada-Goldrute und Landreitgras. Aber müssen es ausgerechnet Graukresse, Frühlings- und Jakobs-Kreuzkraut sein, die für einen Blühaspekt sorgen?

    Wir haben diese Fläche vor zwei Jahren neu eingerichtet, d.h. einen eingewachsenen Wildzaun abgebaut, einen Weidezaun aufgebaut und Müll sowie Schläuche einer Tröpchenbewässerung abgesammelt. Da die Fläche erst in Form einer Gärtnerei genutzt wurde und dann jahrelang brach lag, ist sie eigentlich nicht als Grünland oder Pferdeweide geeignet. Sie konnte bislang nur gemulcht werden, im Wechsel wegen Graukresse, Frühlings-Greiskraut, Graukresse, Frühlings-Greiskraut usw.

    Aber zumindest ein Teil mit Landreitgras und Kanada-Goldrute kann beweidet werden und ich dachte, ich falle hinten über, als ich sah, dass sich in diesem Teil ausgerechnet das Jakobs-Kreuzkraut breit macht. Noch ist die Anzahl an Individuen überschaubar und lässt sich schnell per Hand rausziehen. Es kam ein 80 Liter Müllsack mit Jakobs-Kreuzkraut zusammen, aber mehr sollte es nicht unbedingt werden. Wie schon letztes Jahr beschrieben, muss die Strategie hier ganz klar lauten: Wehret den Anfängen!

    Gleichzeitig möchte ich dafür plädieren, nicht in völlige Panik zu verfallen, es ist weder notwendig, die ganze Fläche zu mulchen, noch irgendein Gift zu spritzen, so lange es sich um Einzelexemplare handelt. Ich werde oft gefragt: „Na fressen die Pferde das denn?“ Da kann ich ich nur mit einem eindeutigen JEIN antworten. Nach meiner Beobachtung auf anderen Pferdeweiden, auf denen Assan bislang stand, wurde das Jakobs-Kreuzkraut bis in den Hochsommer gemieden, konnte aussamen und wurde dann doch gefressen, wenn alles andere abgenagt war… Das befördert die Ausbreitung natürlich noch, zumal Jakobs-Kreuzkraut auch sehr trittresistent ist.

    In dieser Zeit hatte Assan auch schlechte Leberwerte. Aber es ist eben wie mit Alkohol und das ist es ja, was in den Kreuzkräutern drin steckt (Alkaloide): Die Dosis macht das Gift, jeder verträgt andere Mengen und wieviel Kreuzkräuter müssen Pferde fressen, bis sich die Leber nicht mehr regenieren kann? Dass sich Alkaloide ansammeln und nicht mehr abgebaut werden, kann ich nicht bestätigen, denn Assans Leberwerte haben sich wieder verbessert, als er auf einen anderen Hof kam.

    Viele Pferde werden importiert, kennen die Pflanzen hier nicht, werden hin- und hergestellt, wachsen in der Regel nicht in Herden auf vielfältigen Weiden auf, leben nicht in Familienverbänden. Sie haben somit keine Chance sich ein traditionelles Wissen über ihren Lebensraum, seine Ressourcen und welche Pflanzen giftig sind etc. anzueignen. Und dann staunt man immer wieder, wie ursprünglich unsere Hauspferde dann doch sind und ich bin davon überzeugt, dass sie in der Wildnis überleben könnten, wenn man alle Zäune aufmacht. Pferde meiden in der Regel Giftpflanzen, wenn sie genug Auswahl haben und wenn sie doch mal hier und da naschen, muss man sich keine Sorgen machen, dass sie davon gleich tot umfallen.

    Aber im Blick sollte man die Giftpflanzen schon haben, ihre Ausbreitung verhindern und lieber für ein artenreiches Grünland sorgen, dass auch für die Pferde gesünder ist:

    • Angepasstes Weidemanagement mit einer Vermeidung von Unter- oder Überbeweidung, beispielsweise in Form einer Umtriebsbeweidung
    • Mischbeweidung, beispielsweise mit Rindern (anderes Fraßverhalten)
    • Pflegemahd von Teilflächen
    • Aushagerung zur Förderung von Artenvielfalt durch Beweidung und/oder Mahd
    • keine Düngung, denn Stickstoffeinträge gibt es schon genug aus der Luft

  • Graukresse 4.0

    Graukresse 4.0

    Hier kommt das jährliche Update zur Entwicklung der Graukresse auf unserer Hauptweide bzw. Winterkoppel. Seit 2020 geht diese Fläche zur Erholung der Grasnarbe in eine Sommerpause, d.h. der Beweidungsdruck durch die Pferde wird hier runtergenommen. Dafür wird sie – quasi als Erfrischungskur – vor der Samenreife der Graukresse gemulcht.

    Dabei zeigt sich, dass die Pflegemaßnahmen der letzten Jahre tatsächlich zur Eindämmung der Graukresse geführt haben. Denn zum Glück ist sie zweijährig, d.h. die Pflanze stirbt nach der Samenreife im zweiten Jahr ab und es macht durchaus Sinn, sie vorher rauszureißen, zu mähen oder zu mulchen. Man wird immer noch ein großes Samenpotential im Boden haben, aber es scheint wirklich eine gute Methode zu sein, um diese Giftpflanze auf Dauer in Schach zu halten. Hier ein Vergleich der Entwicklung im Laufe der Jahre:

    Juli 2019
    Juli 2021
    Juli 2023

    Die reichhaltigen Niederschläge der letzten Monate haben außerdem zu einer üppigen Vegetationsentwicklung mit Schafgarbe, Hundskamille, Hundszunge, Ochsenzunge, Malve, Wegwarte, Natternkopf, Lichtnelke, Luzerne etc. gesorgt. So bleibt der Graukresse auch nicht mehr viel Platz und sie kann ihren Konkurrenzvorteil, dass sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist, nicht mehr ausspielen. An einer Stelle hat sich sogar Wiesen-Flockenblume etabliert, darüber hab ich mich besonders gefreut. Sie ist vermutlich aus Saatgut hervorgegangen, dass ich mal vor zwei Jahren ausgebracht hatte. Aktuell macht es wirklich viel Freude über unsere Hauptweide zu laufen, denn überall fliegen Wildbienen und Schmetterlinge umher, saugen an den Blüten und die Heuschrecken zirpen dazu. Es wäre deshalb auch ökologischer Wahnsinn, in diese Fülle reinzumulchen.

    Und zum Glück sind die Stellen mit Graukresse überschaubar geworden und können entweder mit Freischneider oder Sense partiell gemäht oder einzeln per Hand rausgezogen werden. Vor allem jetzt, wo der Boden noch gut feucht ist, kann man die Pflanzen mit Wurzel rausziehen und hat teilweise ganze Büschel in der Hand. Dadurch haben wir eine weitgehend Graukressenfreie und dennoch blütenreiche Hauptweide. So kann sich nun im vierten Jahr seit Beginn dieser Maßnahmen Artenvielfalt auf der Pferdeweide ohne „Insektenschreddern“ entwickeln.

  • Kleine Erfolge

    Es gab bereits einige Beiträge zum leidigen Thema Graukresse – aber nun auch mal was positives 🙂

    Unsere Winterkoppel wird seit zwei Jahren im Sommer konsequent vor den Pferden verschont und nur 1x gemulcht, um eine geschlossene Grasnarbe wieder herzustellen, den Parasitendruck einzudämmen und vor allem die Graukresse zurückzudrängen. Mittlerweile konnte sie sichtlich eingedämmt werden und es sind nur noch Einzelexemplare, die man per Hand rausreißen kann. Hier mal zwei Ansichten in Richtung Unterstand im Jahresvergleich:

    Juli 2022
    Juli 2022
    Juli 2019
    Juli 2019

    Wie bereits in anderen Beiträgen beschrieben ist die Graukresse eine neophytische, also eingewanderte Art, die vor allem auf nährstoffreichen Unkrautfluren wie Ackerbrachen oder eben übernutzten Pferdenweiden Fuß fassen kann. Dabei profitiert sie von den Dürreperioden, weil sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist und damit einen Konkurrenzvorteil hat. Eine Pflanze kann außerdem bis zu 7000 Samen produzieren. Sie kann sich mit Samen und auch vegetativ ausbreiten und bildet im ersten Jahr Rosetten aus, die überwintern und extrem trittresistent sind. Im zweiten Jahr, ab Juni bildet sie dann ihre Schötchen mit den Samen aus. Sie ist zweijährig, d.h. nach dem Aussamen stirbt die Pflanze ab!

    Sie ist damit eine typische Pionierart auf Rohböden, quasi eine R-Strategin, die ihre Hauptressourcen in eine hohe Reproduktionsrate steckt. R-Strategen können in der Regel neue Lebensräume, wie beispielsweise offene Bodenstellen rasch besiedeln, werden sich aber unter Konkurrenz nicht lange halten können. Will heißen, in gepflegtem Dauergrünland hat sie weniger Chancen sich auszubreiten und es lohnt sich, sie am Aussamen zu hindern.

    per Hand ausstechen, Juli 2020
    Mulchen Juli 2021
    Mulchen Juni 2022

    Man wird die Graukresse nie ganz loswerden, weil auch immer neue Samen einfliegen werden, aber zumindest konnten wir sie mit der Pflege auf unserer Hauptweide eindämmen. Was nun allerdings fehlt ist Regen….

  • Fehler

    Fehler

    Vor fast einem Jahr habe ich in diesem Blog geschrieben, dass es Zeit wird aus eigenen Fehlern zu lernen…

    Ich habe viele Fehler gemacht und es ist ein Glück, weiterhin welche machen zu dürfen, denn probieren geht über studieren. Heute morgen gab es bei Radio1 eine schöne Denkpause: „Theoretisch gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Praktisch aber schon„.

    Was waren das für Fehler? Was ich vor allem unterschätzt habe, ist die Menge, die Pferde fressen. Man kann zwar theoretisch wissen, dass Pferde pro Tag ca. 60-80kg Frischmasse aufnehmen, aber was das in der Fläche bedeutet, muss man praktisch selbst erleben. Wir haben ca. einen Hektar Weide pro Pferd zur Verfügung und davon sollen die Pferde den Sommer über satt werden können. Zusätzlich wollte ich gern Flächen mähen lassen. Zum Einen als Pflegeschnitt beispielsweise wegen der Kanada-Goldrute und zum Anderen, damit man auch im Spätsommer wieder frisch nachgewachsenes Futter hat.

    Denn theoretisch wird das Wiesenfutter nach einem Grasberg und der Samenreife im Juni zu reiner Rohfaser bzw. „Heu auf dem Halm“. Überständige Vegetation ist zwar super aus naturschutzfachlicher Sicht, aber ich wollte gern, dass die Pferde bis zum Herbst von der Weide leben können, bevor man wieder Heu zufüttern muss. Vor allem aus ökonomischen Gründen, denn Heu ist der größte Kostenfaktor…

    Zum Glück hat es dann aber nur auf einer kleinen Fläche geklappt mit der Mahd…. Diese Wiese hat zwar ihren Pflegeschnitt bekommen, aber es wurde dann noch richtig knapp mit der verfügbaren Weidefläche. Und am Ende mussten wir das Heu auch noch entsorgen, weil es nicht richtig getrocknet wurde. Da hätte man die Pferde genauso gut, einmal früh und einmal spät auf die Fläche lassen können.

    Das wird dann auch dieses Jahr mein Plan sein. Statt einer Mahd, sollen die Pferde auf den sechs Flächen mit jeweils ca. 1-2 Hektar in einer Weise rotieren, dass sich die einzelnen Flächen immer wieder erholen und nachwachsen können. Aber ich habe ja schon gelernt, das nichts so beständig ist wie die Planänderung 😉

    Die Dominanzbestände mit Kanada-Goldrute wurden im letzten Jahr intensiv mit Schafen und dem Mulcher bearbeitet. Im August gab es dann eine Dürre, in der alles vertrocknet, ja regelrecht „verbrannt“ ist und ich habe mich geärgert, dass ich die Flächen durch das Mulchen so richtig schön der Sonne und dem Wind ausgesetzt habe. Dieses Jahr werde ich zurück haltender sein mit dem Mulchen und zunächst nur die Graukresse vor der Samenreife mulchen. Man wird sehen, wie die Flächen dann aussehen.

    Aber den schlimmsten Frevel habe ich wohl begangen, dass ich die Pferde im Winter auf die Weiden gelassen habe, ohne die Bäume vor dem Schälen zu schützen. Einige Bereiche habe ich noch ausgezäunt, vor allem Eichen, aber für den Großteil der Felsenkirsche kommt wohl jede Hilfe zu spät. Aktuell sieht es so aus, als wenn sie noch mal austreiben und ich hoffe, dass einige doch noch überleben. Aber das ist eine meiner wichtigsten Lektionen: Gehölze im Winter besser vor den Pferden schützen…

  • Fotopunkte IV

    Fotopunkte IV

    Wir haben einige Flächen mit Dominanzbeständen aus Kanada-Goldrute und mit dem folgenden Fotopunkt möchte ich zeigen, wir wir bisher damit umgegangen sind.

    Diese Fläche war im letzten Jahr fast vollständig von Kanada-Goldrute und Landreitgras bedeckt. Als erstes kamen Ende 2019 24 Skudden zum Einsatz. Im Januar, an einem relativ kalten Tag wurde die Fläche geschleppt, um die Stängel der Goldrute zu brechen. Im Frühjahr kamen dann die Pferde auf die Fläche, aber sie fressen die Kanada-Goldrute nicht wirklich und in Massen ist sie auch giftig. Da auch die Mahd nicht geklappt hat, haben wir noch mal Schafe als Leihgabe bekommen, 96 Guteschafe.

    Dezember 2019
    Juli 2020
    November 2020

    Nach den Schafen wurden die stehen gebliebenen Stängel im Juli gemulcht. Im August gab es dann eine Hitzeperiode, in der alles verbrannt ist und ich mich zunächst über das mulchen geärgert habe. Aber dann nach einigen schönen Regenfällen ist alles wieder grün geworden und die Pferde konnten seit September wieder auf die Fläche. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Man sieht im letzen Bild zwei Streifen, die ich wegen der Gehölze stehen gelassen habe.

    Natürlich wird die Kanada-Goldrute im nächsten Jahr wieder kommen. Es braucht Jahre, um sie loszuwerden. Es wird empfohlen solche Flächen mehrmals im Jahr zu mulchen. Mahd wäre natürlich schöner, aber niemand kann so ein Mahdgut gebrauchen. Vielleicht helfen uns im nächsten Jahr wieder Schafe, um die Goldrute in den Griff zu bekommen. Die Strategie bei der Goldrute kann nach dem Bundesamt für Naturschutz nur lauten, sie durch mehrmaliges Mulchen und/oder Abweiden im Jahresverlauf zu schwächen. Das kann einige Jahre dauern, wobei die Rhizome für immer im Boden bleiben. Das heisst, wenn die Nutzung ausbleibt, breitet sie sich wieder aus und verdrängt alle anderen Pflanzenarten, mit Ausnahme vom Landreitgras, das selbst sehr dominant ist….

    Skudden helfen bei der „Ersteinrichtung“
    Die Schleppe bricht die Stängel, aber es bleibt eine dicke Streuschicht liegen
    Im Frühjahr können die Pferde auf die Weide, die Kanada-Goldrute ist noch ganz jung und tritt deshalb noch nicht so in Erscheinung
    Guteschafe weiden die Goldrute weitgehend ab, es bleiben nur Stängel stehen

  • Mulchen

    Ich bin nun wirklich kein Fan vom Mulchen, aber aktuell geht es leider nicht anders….

    Beim Mulchen werden zum Einen Insekten, deren Überwinterungsstadien, Vogelnester, Kleinsäuger, Reptilien etc. mitgeschreddert und zum Anderen bleibt die Biomasse als Streuschicht liegen. Das bedeutet, dass die ohnehin schon zu nährstoffreichen Flächen zusätzlich gedüngt werden. Von Artenvielfalt ist man also noch weit entfernt. Denn artenreiches Grünland gibt es nur auf ausgehagerten Flächen.

    Ein Abweiden wäre mir lieber gewesen oder wenigstens eine Mahd, aber leider bekommen wir ohne Mulchen die Kanada-Goldrute nicht in den Griff. Die Pferde fressen die Kanada-Goldrute nicht und wir haben ja auch das Luxusproblem, dass wir zu wenig Pferde für zu viel Fläche haben. Als Mahdgut ist es auch ungeeignet, höchstens als Einstreu und die Schafe haben nun wirklich ihr bestes gegeben. Aber die Goldrute kommt in den ersten Jahren der „Bekämpfung“ immer wieder und da heisst es jetzt dran bleiben….

    September 2019 – im Hintergrund sieht man die gelben Blüten der Kanada-Goldrute
    März 2020 – die Schafe haben die jungen Triebe abgefressen

    Juni 2020 – die Pferde haben sich nur auf die „Schokolade“ gestürzt und die Kanada-Goldrute verschmäht
    Juli 2020 – die „Weidereste“ muss nun der Mulcher erledigen