Schlagwort: Tagfalter

  • Painted Lady

    Painted Lady

    Der Herbst hält Einzug und es wird Zeit einen Blick auf die diesjährige Tagfaltersaison zu werfen.

    Von April bis Ende September habe ich 14 Begehungen auf dem 300m langen Transekt im Rahmen des Tagfalter Monitoring Deutschland (TMD) durchgeführt. Dabei konnten 16 Arten mit insgesamt 92 Individuen erfasst werden. Im Folgenden eine Tabelle mit den Arten im Vergleich der letzten sechs Jahre.

    Im letzten Jahr war der Segelfalter (Iphiclides podalirius) mein absolutes Highlight und dieses Jahr habe ich mich besonders über den Distelfalter (Vanessa cardui) gefreut, der neu erfasst werden konnte. Der wissenschaftliche Name verweist auf die Haupt-Raupenfutterpflanze: Carduus = Distel.

    Im Englischen heißt der Distelfalter „Painted Lady„, was für ein treffender Name für diesen wunderschön gezeichneten Tagfalter, insbesondere auf der Unterseite der Flügel.

    Und was den Distelfalter so besonders macht, ist außerdem, dass er jährlich – in mehreren Generationen – im Frühling aus Afrika nach Europa und im Herbst wieder zurück fliegt. In manchen Jahren kommt es zu regelrechten Massenvorkommen während der Wanderung.

    Isabella Tree beschreibt in ihrem wunderbaren Buch „Wildes Land“ ein Massenvorkommen der „Painted Lady„, nachdem sie die Ausbreitung der Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) geduldet und trotz der Kritik der Nachbarn ausgehalten hat. Denn während die adulten Distelfalter ein breites Spektrum an Nektarpflanzen nutzen können, fressen die Raupen vor allem an Disteln der Gattung Cirsium und Carduus.

    „Draußen im Park hatten sich Tausende und Abertausende von Distelfaltern auf den Ackerkratzdiesteln niedergelassen wie zitternder Nebel. …Mit geschlossenen Augen inmitten eines Schmetterlingssturmes zu stehen, wie ich an jenem außergewöhnlichen Tag, ist eine verwirrende Erfahrung. Das Geräusch eines einzelnen Schmetterlings ist unhörbar. Aber Zehntausende von ihnen haben ihren eigenen Atem…“ (Isabelle Tree, Wildes Land)

    Auf unseren Weiden sind Disteln ebenfalls willkommen, schon allein als wichtige Nektarpflanze. Beispielsweise ist die Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) laut NaturaDB Nahrungsquelle für zehn spezialisierte Wildbienenarten, 95 Wildbienen, 40 Schmetterlinge, 20 Raupenarten und 36 Schwebfliegenarten.

    Und auch der überaus bunte Stieglitz, der im Winter die Samen aus den überständigen Stauden rauspickt, heißt nicht umsonst Distelfink (Carduelis carduelis) 😉

  • Tagfalter Transekt 2025

    Tagfalter Transekt 2025

    Hier kommt das jährliche Update zu den Ergebnissen des Tagfalter-Transektes. In der folgenden Tabelle ist die Anzahl der beobachteten Tagfalter für die letzten fünf Jahre, inklusive 2025 aufgelistet.

    Ein absolutes Highlight in diesem Jahr war der Segelfalter (Iphiclides podalirius), denn er kommt eigentlich eher im südöstlichen Brandenburg, vor allem in den Bergbaufolgelandschaften vor. Hier eine Darstellung aus dem Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands:

    Der Segelfalter besiedelt nach Gelbrecht et al. (2016) in Brandenburg trocken-warme bis heiße Standorte, stark besonnte Sandböden, Heiden oder Stromtrassen und braucht als Raupenfutterpflanze Prunus-Arten wie Schlehe (Prunus spinosa), Traubenkirsche (Prunus padus, P. serotina) oder Felsenkirsche (Prunus mahaleb).

    Insbesondere Felsenkirsche kommt bei uns in der Region Werder/Havel häufig vor, weil sie als Unterlage für Kirschen benutzt wurde. Das Transekt ist entlang einer Pappelreihe mit Felsenkirsche im Unterwuchs (Siehe Foto), aber auch Schlehen sind bei uns als Element in den Hecken häufig anzutreffen. Der adulte Falter braucht blütenreiche Flächen und bevorzugt lila, blaue und weiße Blüten wie beispielsweise Disteln (Cirsium spec, Carduus spec.), Natternkopf (Echium vulgare) oder Flockenblumen (Centaurea spec.). Bei uns hab ich den Segelfalter an Graukresse (Berteroa incana) saugen sehen – was sonst…

    Der Segelfalter ist nach Angaben des Verbreitungsatlas in Deutschland gefährdet (Rote Liste 3) und der langfristige Bestandstrend ist stark rückläufig. Die Ursachen sind vor allem Pestizideinsatz sowie die Verschlechterung der Larvalhabitate durch Sukzession, Aufforstung, Eutrophierung, aber auch Entbuschung. Somit ist der Segelfalter ein schönes Beispiel dafür, dass wir zum Erhalt der Artenvielfalt Habitatkomplexe aus blütenreichen, ungedüngten, ungespritzten Wiesen, Weiden und Büschen brauchen – extensiv genutzte Weidelandschaften eben 😉

    Aber abgesehen vom Segelfalter sind die Zahlen dieses Jahr wieder ernüchternd. Trotz der vielen Begehungen konnten nur 13 Arten mit insgesamt 36 Individuen gezählt werden. Vier der 17 Begehungen waren sogenannte Nullbegehungen, d.h., es konnten gar keine Tagfalter erfasst werden. Von den erfassten Arten war der Grünader-Kohlweißling (Pieris napi) mit 15 Individuen die häufigste Art. Sie stellt wenig Ansprüche an ihren Lebensraum und ihre Futterpflanzen für die Raupen sowie adulten Tiere. Ansonsten kam noch das Tagpfauenauge (Aglais io) mit fünf Individuen stetig vor, welches Brennnessel als Raupenfutterpflanze nutzt, die häufig auf unseren Weiden vorkommt.

    Unsere Weiden sind ja leider auch in Betrachtung der Zusammensetzung der Pflanzen sehr arten- und vor allem blütenarm, auch wenn wir uns so viel Mühe geben, das zu ändern…

    Unsere Weiden liegen dabei aber auch in einem allgemeinen Trend des Rückgangs vor allem von spezialisierten Arten. Hier eine Gegenüberstellung der Tagfalter auf einer artenreichen Wiese in Thüringen aus dem Artikel „Das Artensterben vor dem Artensterben“ in der Zeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung.

    Wir erleben also innerhalb einer Generation den dramatischen Verlust von Artenvielfalt. Das Fazit aus dem Artikel lautet dabei wie folgt:

    • Eine artenreiche Wildblumenwiese allein ist keine Garantie für eine große Vielfalt an Tagfaltern. Kräuter und Stauden allein reichen dafür nicht aus.
    • Erst die passenden heimischen Gehölze im Umfeld sichern das Überleben vieler Blütenbesucher. Sie spielen eine primäre Rolle für die Biodiversität und die potenzielle tierische Nutzbarkeit von Lebensräumen.
    • Es müssen unterschiedliche Lebensraumstrukturen im direkten Umfeld vorhanden sein. Beispiel Waldrand, Hecke mit Wildblumensaum, Uferstreifen mit Hochstauden oder Bach. Stichwort Biotopmosaik und -vernetzung. Ein beträchtlicher Teil der Arten ist genau deswegen verschwunden, weil die Landschaft drumherum standardisiert und denaturiert wurde.

    Was können wir dabei konkret als Pferdehalter tun, um dem allgemeinen Abwärtstrend zu begegnen?

    • Vermeidung von Überbeweidung, (damit Pflanzen zum blühen kommen können)
    • Verzicht auf Nachmulchen von „Weideresten“ und Abschleppen (mechanische Zerstörung von Eiern und Puppen)
    • Verzicht auf Düngung und Pestizide (der Verlust von artenreichen Wiesen und Weiden hängt vor allem mit der Eutrophierung zusammen und Gift ist nun mal giftig…)
    • Förderung bzw. Zulassen von Gehölzaufwuchs (z.b. kommen von allein: Schlehe, Brombeere, Weißdorn, Rose, Eiche)
    • Förderung von Blühstreifen beispielsweise durch Auszäunen von Teilbereichen

  • Tagfalter Saison 2024

    Tagfalter Saison 2024

    Laut dem aktuellen Newsletter des Tagfalter Monitorings (TMD) haben wir (wieder) „ein extrem schlechtes Falterjahr, … mit Falterzahlen auf einem sehr niedrigen Niveau.„

    Ich habe seit 2020 ein Transekt beim TMD angemeldet und kann sagen, es ist schlechter als im letzten Jahr, aber auf gleichbleibend niedrigem Niveau. Das liegt bei uns aber auch daran, dass wir extrem artenarmes Grünland haben bzw. ersteinmal artenreiches Grünland aus einer „Kanada-Goldruten-Hölle“ entwickeln müssen.

    Im Folgenden die Zahlen aus den letzten vier Jahren.

    Die häufigste Art war bei uns im Jahr 2024 das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), gefolgt von den Kohlweißlingen (Pieris napi, P. rapae) und dem hübschen Tagpfauenauge (Aglais io).

    (Quelle Grafik: Von Richard South 1906 – https://www.biodiversitylibrary.org/item/119355, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23480633)

    Das Kleine Wiesenvögelchen ist eine relativ häufige Art, die wenig spezialisiert ist und ein breites Spektrum an Offenland besiedeln kann. Die adulten Tiere nutzen verschiedene Blüten als Nektarquelle und die Eier werden einzeln, bodennah an Gräsern aller Art angeheftet. Die Falter fliegen in zwei, teilweise drei ineinander übergehenden Generationen von April bis Ende September. Das Kleine Wiesenvögelchen überwintert als Jungraupe in der Bodenstreu.

    Auch die Kohlweißlinge gehören zu den häufigen Tagfalterarten und galten dereinst sogar als Schädlinge. Vor allem der Große Kohlweißling (Pieris brassicae), dessen Raupen massenhaft an Kohl vorkommen konnte, ist heute durch den Pestizideinsatz stark dezimiert worden. Beim Kleinen Kohlweißling kommen die Raupen einzeln an verschiedenen Kreuzblütlern, wie beispielsweise Kohl, Senf, Raps oder eben Graukresse vor. Die Falter fliegen in bis zu vier Generationen von April bis Mitte Oktober und saugen dabei bevorzugt den Nektar violetter Blüten, beispielsweise von Disteln, Rot-Klee oder Flockenblumen, wobei sie anscheinend auch Graukresse nicht verachten (siehe Foto). Der Kleine Kohlweißling überwintert geschützt und versteckt, beispielsweise an Hauswänden oder in einem Schuppen als Gürtelpuppe, die mittels Faden angeheftet wird.

    Das Tagpfauenauge profitiert auf unseren Flächen von den massenhaft vorkommenden Brennnesselbeständen. Insgesamt ist der Trend jedoch auch bei dieser einst häufig vorkommenden Tagfalterart rückläufig (siehe Grafik TMD). Die Raupen fressen ausschließlich Brennnessel und können durchaus massenhaft auftreten. Die Weibchen legen 50-200 Eier an die Blattunterseite und die Raupen schlüpfen nach zwei bis drei Wochen. Sie häuten sich mehrmals und besiedeln neue Brennnesselpflanzen, wenn sie die erste entlaubt haben. Im letzten Raupenstadium nehmen sie die typische schwarze Färbung mit weißen Punkten an und beginnen sich zu zerstreuen, um nach etwa weiteren drei bis vier Wochen einen verborgenen Platz zur Verpuppung aufzusuchen. Die Puppenruhe dauert etwa zwei Wochen und das Tagpfauenauge bringt teilweise drei Generationen in einer Saison hervor, bevor es sich einen geschützten Platz zum Überwintern als adultes Tier sucht. Bei uns beispielsweise in der Sattelkammer, im Schuppen, im Holzlager und sogar zwischen den Heuballen, was natürlich ungünstig ist…

    (Quelle Grafik: https://www.ufz.de/tagfalter-monitoring/index.php?de=47797)

    Der Kleine Perlmuttfalter (Issoria lathonia) im Beitragsbild war nicht auf dem Transekt, sondern an einer Großen Klette auf unserer Hauptwiese und kam ansonsten häufig im Garten vor. Überhaupt muss man sagen, dass im Garten an einem sonnigen Tag mehr Tagfalter waren, als auf dem Transekt im ganzen Jahr. Oder um es positiv zu beschreiben, es ist noch viel Luft nach oben auf dem Tagfalter-Transekt und das hängt widerum von der Vielfalt der Pflanzen und Strukturen ab.

  • Tagfalter Bufet

    Tagfalter Bufet

    Eine der Hauptursachen für das Insektensterben, bei dem vor allem auch Tagfalter betroffen sind, ist die Intensivierung der Landwirtschaft bei gleichzeitger Aufgabe nicht mehr rentabler Flächen wie Feuchtwiesen oder Trockenrasen. Dadurch gehen artenreiche Wiesen und Weiden verloren und mit ihnen ganze Artengemeinschaften.

    Um diesem allgemeinen Trend ein Kleinod entgegenzustellen, versuchen wir mit dem Ponyhof eine Weidelandschaft zu gestalten, die Insekten und damit auch alle weiteren Artengruppen, die von Insekten abhängig sind, zu fördern. Mit dem Verzicht auf den Einsatz von Dünger, Pestiziden und der Vermeidung einer Überbeweidung soll eine arten- und kräuterreiche Weide geschaffen werden. Diese ist nicht nur der Pferdegesundheit zuträglicher, sondern leistet auch einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

    Mit der Einrichtung eines Vegetations– und Tagfalter-Transektes soll dieser Anspruch im Verlauf der Jahre überprüft und abgebildet werden. Und dieses Jahr habe ich auch mehr Zeit finden können, um mein Tagfalter-Transekt regelmäßiger zu begehen. Das spiegelt sich enstprechend in den Zahlen wieder: 16 Arten mit insgesamt 108 Individuen bei 13 Begehungen im Vergleich zum letzten Jahr mit nur sieben Begehungen:

    Aber ich denke, neben der Häufigkeit der Begehungen spielt vor allem der reichhaltige Regen eine entscheidende Rolle. Zwar mögen es Schmetterlinge warm, sonnig und trocken, aber sie brauchen auch Nektarpflanzen und davon gab es im letzten Dürresommer fast keine mehr auf unserer Weide, abgesehen von Graukresse natürlich….

    Dieses Jahr hingegen gab es ein reichhaltiges Bufet aus Wegwarte, Saat-Luzerne, Malve, Schafgarbe, Rainfarn, Hundskamille, Ochsen- und Hundszunge, Disteln, Kletten etc. und natürlich auch Graukresse.

    Und besonders gefreut habe ich mich über das Auftauchen der Wiesen-Flockenblume. Ich hielt es zunächst für Zufall, dass sie an einer Stelle aufgelaufen ist, an der ich vor drei Jahren mal Saatgut ausgebracht hatte. Aber sie tauchte dieses Jar auch in anderen Teilflächen erstmals auf, in denen ich mal Wildkräuter in – netterweise durch Wildschweine geschaffene – Offenstellen angesät hatte.

    Wiesen-Flockenblumen haben einen besonders hohen Nekarwert für Wildbienen, Hummeln etc. und ernähren Raupen und Falter von über 40 Schmetterlingsarten. Sie kommen auf sandig bis lehmigen, trockenen bis mäßig feuchten Böden vor, blühen von Juni bis Oktober und wenn sie nicht zu stark verbissen werden, können sie sogar neue Triebe mit Blütenköpfen ausbilden und verlängern auf diese Weise das Tagfalter Bufett. Das heißt, Flockenblumen sind nicht besonders anspruchsvoll, vertragen moderaten Verbiss und sollten eigentlich auf jeder Weide vorkommen und dennoch gehört sie zu den in Brandenburg gefährdeten Arten. Was sagt das eigentlich über unsere Art der Flächennutzung aus? Oftmals ein Armutszeugnis…

    Ich habe „meine ersten Flockenblumen“ vorsichtsalber ausgezäunt, auch wenn sie mit Verbiss gut zurecht kommt. Denn das Seltene ist meist besonders attraktiv, in diesem Fall als Futterpflanze für die Pferde und Kühe…

    Wenn sie sich gut ausgebreitet und auf allen Flächen stabil etabliert hat, kann man die kleinen Schutzzäune sicherlich weglassen.

  • Jakobs-Kreuzkraut

    Jakobs-Kreuzkraut

    Na wunderbar, noch so ein Kandidat…

    Obwohl ich letztes Jahr alle Rosetten des Jakobs-Kreuzkrautes rausgezogen habe, zumindest die ich gesehen habe, hat sich mindestens die doppelte Menge mit schönen Blüten und durchaus vielen Schmetterlingen daran etabliert. Nun möchte ich mich ja an Artenvielfalt auf unseren Weiden erfreuen und jede Blüte ist für Insekten willkommen in unserem sonstigen Einheitsbrei aus Glatthafer, Kanada-Goldrute und Landreitgras. Aber müssen es ausgerechnet Graukresse, Frühlings- und Jakobs-Kreuzkraut sein, die für einen Blühaspekt sorgen?

    Wir haben diese Fläche vor zwei Jahren neu eingerichtet, d.h. einen eingewachsenen Wildzaun abgebaut, einen Weidezaun aufgebaut und Müll sowie Schläuche einer Tröpchenbewässerung abgesammelt. Da die Fläche erst in Form einer Gärtnerei genutzt wurde und dann jahrelang brach lag, ist sie eigentlich nicht als Grünland oder Pferdeweide geeignet. Sie konnte bislang nur gemulcht werden, im Wechsel wegen Graukresse, Frühlings-Greiskraut, Graukresse, Frühlings-Greiskraut usw.

    Aber zumindest ein Teil mit Landreitgras und Kanada-Goldrute kann beweidet werden und ich dachte, ich falle hinten über, als ich sah, dass sich in diesem Teil ausgerechnet das Jakobs-Kreuzkraut breit macht. Noch ist die Anzahl an Individuen überschaubar und lässt sich schnell per Hand rausziehen. Es kam ein 80 Liter Müllsack mit Jakobs-Kreuzkraut zusammen, aber mehr sollte es nicht unbedingt werden. Wie schon letztes Jahr beschrieben, muss die Strategie hier ganz klar lauten: Wehret den Anfängen!

    Gleichzeitig möchte ich dafür plädieren, nicht in völlige Panik zu verfallen, es ist weder notwendig, die ganze Fläche zu mulchen, noch irgendein Gift zu spritzen, so lange es sich um Einzelexemplare handelt. Ich werde oft gefragt: „Na fressen die Pferde das denn?“ Da kann ich ich nur mit einem eindeutigen JEIN antworten. Nach meiner Beobachtung auf anderen Pferdeweiden, auf denen Assan bislang stand, wurde das Jakobs-Kreuzkraut bis in den Hochsommer gemieden, konnte aussamen und wurde dann doch gefressen, wenn alles andere abgenagt war… Das befördert die Ausbreitung natürlich noch, zumal Jakobs-Kreuzkraut auch sehr trittresistent ist.

    In dieser Zeit hatte Assan auch schlechte Leberwerte. Aber es ist eben wie mit Alkohol und das ist es ja, was in den Kreuzkräutern drin steckt (Alkaloide): Die Dosis macht das Gift, jeder verträgt andere Mengen und wieviel Kreuzkräuter müssen Pferde fressen, bis sich die Leber nicht mehr regenieren kann? Dass sich Alkaloide ansammeln und nicht mehr abgebaut werden, kann ich nicht bestätigen, denn Assans Leberwerte haben sich wieder verbessert, als er auf einen anderen Hof kam.

    Viele Pferde werden importiert, kennen die Pflanzen hier nicht, werden hin- und hergestellt, wachsen in der Regel nicht in Herden auf vielfältigen Weiden auf, leben nicht in Familienverbänden. Sie haben somit keine Chance sich ein traditionelles Wissen über ihren Lebensraum, seine Ressourcen und welche Pflanzen giftig sind etc. anzueignen. Und dann staunt man immer wieder, wie ursprünglich unsere Hauspferde dann doch sind und ich bin davon überzeugt, dass sie in der Wildnis überleben könnten, wenn man alle Zäune aufmacht. Pferde meiden in der Regel Giftpflanzen, wenn sie genug Auswahl haben und wenn sie doch mal hier und da naschen, muss man sich keine Sorgen machen, dass sie davon gleich tot umfallen.

    Aber im Blick sollte man die Giftpflanzen schon haben, ihre Ausbreitung verhindern und lieber für ein artenreiches Grünland sorgen, dass auch für die Pferde gesünder ist:

    • Angepasstes Weidemanagement mit einer Vermeidung von Unter- oder Überbeweidung, beispielsweise in Form einer Umtriebsbeweidung
    • Mischbeweidung, beispielsweise mit Rindern (anderes Fraßverhalten)
    • Pflegemahd von Teilflächen
    • Aushagerung zur Förderung von Artenvielfalt durch Beweidung und/oder Mahd
    • keine Düngung, denn Stickstoffeinträge gibt es schon genug aus der Luft

  • Brennnessel

    Brennnessel

    Unsere Flächen sind extrem nährstoffreich, was sich an dem massenhaften Vorkommen von Stickstoffzeigern wie Brennnessel, Sauerampfer, Kanada-Goldrute und Glatthafer zeigt.

    Woran liegt das? Wir düngen nicht, außer natürlich in Form von Dunghaufen. Wenn man jedoch keine großen Menge Heu zufüttert, hat man theoretisch eine „negative“ Nährstoffbilanz, da die Biomasse durch die Weidetiere verstoffwechselt wird und man langfristig eine Aushagerung herbeiführt.

    Eines der größten Herausforderungen im Naturschutz ist jedoch die Überdüngung der Landschaft mit Stickstoffeinträgen aus der Luft. Eine Aushagerung in Form von Mahd und Beweidung zur Förderung der Artenvielfalt kann somit Jahre dauern und man braucht anscheinend viel Geduld…

    Wenigstens ist die Brennnessel gesund, weil sie viele Vitamine, vor allem viel Vitamin C und Mineralien wie Calcium, Kalium, Magnesium und Natrium enthält. Sie wird nur aufgrund der Brennhaare vom Weidevieh gemieden und in der Regel erst bei Frost abgeweidet. Man kann jedoch sehr leicht nachhelfen, in dem man die Brennnesselhorste abschneidet und das Material einfach liegen lässt. Ich verwende dafür eine Sense, was jedoch nicht so entscheidend ist, womit man die Brennnessel abschneidet. Letztlich geht es nur darum, dass die Brennnessel leicht angewelkt ist. Schon wenige Zeit später machen sich die Pferde darüber her und genießen einen gesunden Snack.

    Aber keine Sorge, es bleiben immer noch genug Raupenpflanzen für das Tagpfauenauge übrig, das dann im Herbst gern an den Blüten der Kanada-Goldrute saugt. Und das ist wieder ein schönes Beispiel dafür, dass es nie darum geht, etwas komplett „auszurotten“, sondern eher darum ein Mosaik an verschiedenen Habitaten zu fördern. Hier und da nachhelfen, aber auch mal nichts zu tun und abwarten, was von Natur aus passiert.

  • Schmetterlinge

    „[…] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen…“

    Annette von Droste-Hülshoff (1840)

    (Ernst Haeckel: Schmetterlinge – Mitteleuropäer, 1914, Wien)

    Solch eine Fülle an Insekten können wir uns nicht mehr vorstellen und nur staunen über historische Beschreibungen oder Bilder. Und so schauen wir heute jedem einzelnen zarten Farbtupfer hinterher, der durch die Gegend zappelt.

    Selbst im Vergleich zu meiner eigenen Kindheit habe ich den Eindruck, dass es immer weniger Schmetterlinge – und wenn dann nur noch Weißlinge gibt. Dass der Verlust von Insekten nicht nur ein diffuses Gefühl ist, kann spätestens seit der Veröffentlichung des Entomologischen Vereins Krefeld niemand mehr leugnen.

    Ursachen sind unter anderem die Intensivierung der Landwirtschaft bei gleichzeitiger Aufgabe der Beweidung nicht mehr rentabler Standorte wie Trockenrasen, Feuchtwiesen oder Hutewälder, der Verlust an Lebensraumstrukturen und der massive, man möchte schon sagen unbekümmerte Einsatz von Pestiziden, künstlichen Düngemitteln und Antiparasitika.

    Mit dem Projekt Artenvielfalt auf der Pferdeweide versuche ich seit Herbst 2019 zumindest dieses Kleinod mit zehn Hektar extensiver Beweidung gegen den allgemeinen Trend zu stellen. Um die Effekte zu dokumentieren habe ich Fotopunkte, ein Vegetationstransekt und ein Tagfalter-Transekt eingerichtet.

    Folgende Tabelle listet die Arten mit ihrer jeweiligen Individuenanzahl bei etwa zehn Begehungen im Jahresverlauf zwischen April und Ende September auf.

    Dabei sind die Zahlen nicht ganz repräsentativ, da ich zum Einen das Transekt nicht so oft begehen konnte, wie man sollte (1x Pro Woche) und zum Anderen auch Sichtungen außerhalb des Transektes in die Auswertung eingegangen sind. Insbesondere in diesem Jahr wären die Zahlen sonst zu deprimierend, da auf dem Transekt aufgrund der anhaltenden Dürre nichts mehr geblüht hat. Insgesamt muss man sagen, dass die Graukresse (ansonsten Staatsfeind Nr. 1) fast die einzige verbliebene Nektarpflanze im letzten Sommer war…

    Insgesamt habe ich auf den Weiden in den letzten drei Jahren 16 Tagfalterarten gesichtet. Das ist ziemlich wenig und man sieht auch die verschwindend geringe Anzahl der Individuen, abgesehen von den Weißlingen. Um es positiv zu umschreiben, da ist noch sehr viel Luft nach oben…

    Laut des Verbreitungsatlas gibt es in Berlin und Brandenburg 118 Tagfalterarten, von denen ca. 35% gefährdet sind und einige bereits ausgestorben sind. Um die 30 Arten gelten noch als weit verbreitet, zeigen jedoch auch einen negativen Bestandstrend.

    Also, es gibt noch viel zu tun! Und jeder der Grünland bewirtschaftet trägt eine Verantwortung. Mit folgenden Maßnahmen kann man Schmetterlingen und anderen Insektengruppen helfen:

    • Verzicht auf Mulchen von Weideresten und wenn gemulcht wird, Bereiche für Insekten stehen lassen, da die Eier und Puppen vieler Arten an der überständigen Vegetation überwintern
    • Verzicht auf Pestizide aller Art, auch Simplex & co., denn Gift ist giftig
    • Selektive Entwurmung
    • Vermeidung von Überbeweidung beispielsweise durch Umtriebsbeweidung und damit Förderung von blütenreichen Weiden
    • wenn sich eine Überbeweidung nicht vermeiden lässt, kann man zumindest „wilde Ecken“ schaffen, in dem man Koppelecken auszäunt und gleichzeitig als „Falle“ für rangniedrige Pferde entschärft
  • Tagfalter Monitoring III

    Aktuell findet man relativ viele Tagpfauenaugen auf unseren Pferdeweiden. Die Raupen konnten sich satt fressen an den zahlreichen Brennnesseln und die adulten Tiere finden jetzt noch genug Nektar an den Blüten der Kanada-Goldrute, um gestärkt in die Winterruhe zu gehen.

    Es hat sich also zumindest für das Tagpfauenauge gelohnt, dass ich beim Mulchen immer auch Streifen stehen lasse. Wenn man aktuell sieht, was an den Blüten der Goldrute schwirrt und surrt, muss man zugeben, dass sie durchaus ihren Wert für die Natur, auf jeden Fall für Insekten im Herbst hat.

    Tagpfauenaugen überwintern in Dachböden, Kellern, Holzstapeln oder anderen geschützten Nischen. Nach der Überwinterung ab März sind sie auf Frühblüher zur Nahrungsaufnahme angewiesen und die Weibchen legen nach der Paarung die Eier an sonnig stehenden Brennnesseln ab. Es werden ca. 50-200 (gut getarnte) Eier an der Blattunterseite angeheftet. Die Raupen schlüpfen nach etwa 2-3 Wochen und nach mehreren Häutungen schlüpfen die Falter meist ab Ende Juli. Sie treten eine Art „Sommerpause“ an und werden im September noch mal richtig aktiv, bevor sie in die Winterruhe gehen.

    Wie auch bei anderen Tagfaltern, gibt es – durch die verlängerte Vegetationsperiode als Auswirkung des Klimawandels – auch beim Tagpfauenauge mittlerweile „verpätete, unvollständige Generationen“. Das heisst, die Tiere legen noch mal Eier im Spätsommer/Herbst ab. Aber wenn die Falter dann geschlüpft sind, finden sie keine oder nicht mehr genügend Nahrung. Und so kommen viele Faktoren wie der Einsatz von Pestiziden, das Verschwinden von Strukturen wie Ackerränder, Säume oder Brachen, das exzessive Mulchen im Herbst von Straßenböschungen, Wegrändern etc. zusammen und verursachen das Insektentsterben. Es muss nur mal jeder kurz darüber nachdenken, wie normal Tagfalter in der Kindheit waren und wie oft man heute noch ein Tagpfauenauge sieht.

    Auf dem Tagfalter-Transekt auf unseren Pferdeweiden konnte ich dieses Jahr 12 Arten und 53 Individuen aufnehmen. Es waren insgesamt zehn Begehungen von April bis September. Hier eine kurze Zusammenfassung:

    • 17x Grünader-Weißling
    • 12x Kleiner Kohlweißling
    • 5x Tagpfauenauge
    • 5x Kleines Wiesenvögelchen
    • 3x Resedafalter
    • 3x Brauner Feuerfaler
    • 2x Großes Ochsenauge
    • 2x Hauhechelbläuling
    • 1x Kleiner Feuerfalter
    • 1x Admiral
    • 1x Schachbrettfaler
    • 1x Aurorafalter

    Das ist eine erhebliche Steigerung zum letzten Jahr. Ich denke, es liegt zum Einen daran, dass mein Transekt nicht wieder als Trail herhalten musste und zum Anderen, dass es nicht so extrem trocken war. Am häufigsten kam dabei der Grünader-Weißling mit insgesamt 17 Individuen und der Kleine Kohlweißling mit 12 Tieren vor.

    Die Kohlweißlinge gehören zu den häufigsten Tagfaltern und kommen in allen Habitaten bzw. Biotopen vor. Vor allem der Große Kohlweißling konnte früher in großen Wander-Schwärmen vorkommen und in Kohl-Kulturen beträchtliche Schäden anrichten. Solche Massenvermehrungen werden jedoch seit 1990 nicht mehr beobachtet und in einigen Bundesländern wie NRW steht diese Art bereits auf der Roten Liste…. Sie finden heute Rückzugsräume in Regionen mit Ökolandbau wie beispielsweise in Brodowin.

    Wie man auch den folgenden Fotos erkennen kann, finden die Tagfalter auf unseren Pferdeweiden vor allem an der Graukresse Nektar….

    So ist zwar auch die Graukresse aus Pferdehaltersicht „der Endfeind“, aber sie hat als Nahrungsquelle durchaus ihren Mehrwert. Lieber wären mir jedoch arten- und kräuterreiche Weiden ohne Graukresse und – na sagen wir mal mit weniger – Kanada-Goldrute.

    Zum Thema noch eine Beschreibung von Annette von Droste-Hülshoff aus dem Buch „Bilder aus Westfalen“ (1840):

    „Wenige Landschaften mögen […] so voll Nachtigallenschlag und Blumenflor angetroffen werden, und aus der minder feuchten Gegenden Einwandernde wird fast betäubt vom Geschmetter der zahllosen Singvögel, die ihre Nahrung in dem weichen Kleiboden finden. […] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen, während die der größeren Art bis auf die Mitte des Weihers schnurren.“

    Das Zitat stammt aus dem Vorwort für das Buch „Insektensterben in Mitteleuropa“ und gibt eine ungefähre Vorstellung von dem, wie es mal war. Des Weiteren wurde folgende Literatur für den Eintrag verwendet und kann für die Tagfalter-Bestimmung empfohlen werden:

    Bellmann (2009): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer – Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen, Kosmos Verlag

    Gelbrecht et al. (2016): Die Tagfalter von Brandenburg und Berlin (Lepidoptera: Rhopalocera und Hesperiidae), Naturschutz und Landschaftspflege in Deutschlad, Beiträge zu Ökologie und Naturschutz Heft 3,4 2016

    Settele et al. (2008): Schmetterlinge – Die Tagfalter Deutschlands, Ulmer Verlag

  • Tagfalter Monitoring II

    Der Frühling ist im vollen Gange und es wurde Zeit, endlich mit den Begehungen auf dem Tagfalter-Transekt zu beginnen…

    Die Vegetation ist zwar noch etwas dürftig, derzeit blühen nur wenig Arten wie beispielsweise Rote Taubnessel, Löwenzahn, Gundermann oder das Frühling-Hungerblümchen. Dennoch sind Bienen, Hummeln und Tagfalter unterwegs und ich habe gestern meine erste Begehung auf dem Tagfalter-Transekt gemacht. Die relativ geringe Ausbeute waren ein Tagpfauenauge, zwei Grünader-Kohlweißlinge und ein Reseda-Weißling. Die Grünader-Kohlweißlinge haben an den Blüten der Felsenkirsche genascht und der Reseda-Weißling an einem Hungerblümchen.

    Das Tagpfauenauge war eigentlich immer eine häufig vorkommende Art, es besiedelt Offenland bis Waldränder, Siedlungen, Gärten oder Parkanlagen und die Raupen ernähren sich von Brennnesseln. Aber heute sieht man selbst solche „Allerweltsarten“ wie das Tagpfauenauge oder Weißlinge nicht mehr sehr häufig und freut sich schon über jeden Falter…

    Dieses Phänomen, dass wir den Artenschwund und die Veränderungen in der Landschaft kaum wahrnehmen nennt man in der Ökologie Shifting Baselines. Wir bemerken es nicht, weil wir uns nicht mehr daran erinnern oder es selbst nicht erlebt haben, „wie es früher war„. Unser Horizont reicht dafür nicht aus und wir gewöhnen uns an das hier und jetzt. Es gibt nur wenig Erfassungen mit langen Datenreihen, die uns die Wahrheit vor Augen führen wie die Erkenntnisse des Entomologischen Vereins Krefeld e.V. 1905. Die Krefelder haben 2017 mit ihrer Studie Medien und Politik zumindest ein wenig wach gerüttelt und das Insektensterben zum Thema gemacht. Wobei diese Erhebungen auch „erst“ 1986 begonnen haben – ausschließlich in Naturschutzgebieten. Für die „Normallandschaft“ gibt es nichts vergleichbares. Wir können uns schlichtweg nicht vorstellen, wie es bespielsweise vor 100 Jahren oder mehr war, als es noch keine industrielle Landwirtschaft und Pestizide gab. Wir können es anhand der Landschaftsmalerei höchstens erahnen….

    Tagfalter-Transekt (im April natürlich noch etwas kahl)
    Gemälde des französischen Impressionisten Claude Monet (1840–1926)

    Nun muss man bei unseren Weiden auch dazusagen, dass sie nicht besonders artenreich sind und damit auch keine große Insekten- oder Faltervielfalt erwarten lassen. Da ist noch viel Luft nach oben und ich hoffe, dass die Flächen perspektivisch noch artenreicher werden. Wer die Möglichkeit hat im Rahmen einer Grünland- oder Ackerbewirtschaftung etwas für die Artenvielfalt zu tun, findet hier einen sehr guten Artikel zur Umsetzung. Anregungen, wie jeder im Garten oder auf dem Balkon etwas für Insekten tun kann, findet man beispielsweise hier.

  • Tagfalter Monitoring

    Tagfalter Monitoring

    Um die Effekte auf die Artenvielfalt auf unseren Weideflächen zu dokumentieren, habe ich neben einem Vegetations-Transekt, auch ein Tagfalter-Transekt angelegt…

    Die Erfassung erfolgt im Rahmen des Tagfalter-Monitorings Deutschland, das vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ koordiniert wird. Um eine möglichst lange Untersuchungslinie zu haben, verläuft das Transekt entlang einer Pappelreihe, die insgesamt drei Weiden miteinander verbindet. Im Frühsommer sah die Strecke noch recht vielversprechend aus – z.B. mit viel Hopfenklee und Vogelwicke. Später wurde die Untersuchungslinie leider als Trail missbraucht und es konnten so gut wie keine Tagfalter mehr aufgenommen werden. Aber, wenn wenn man diese Strecke wieder in Ruhe lässt, wird sicherlich eine umso schönere Pioniervegetation aufkommen.

    In Deutschland leben etwa 3.700 Schmetterlingsarten, davon machen Tagfalter 190 Arten aus, die zu fast 50% auf der Roten Liste aufgeführt sind. Die Ursachen für den Rückgang der Tagfalter, auch insbesondere von „Allerweltsarten“ sind unter anderem die Aufgabe historischer Nutzungen von Magerrasen, Heiden, Wälder bei gleichzeitiger Intensivierung der Agrarlandschaft, Vielschnittwiesen, Entwässerung und Düngung (Settele et al. 2015).

    Tagfalter sind trockenheits- und wärmebedürftig, sie brauchen windgeschützte Standorte mit hoher Sonneneinstrahlung und breiten sich in der Regel entlang von linienhaften Strukturelementen aus. Außerdem brauchen Tagfalter eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern für die Eiablage und eine vom Herbst bis Ende Mai ungestörte Streuschicht am Boden oder überständige Vegetation (i.d.R. Futterpflanze) für die Überwinterung von Larven und Puppen. Das bedeutet, dass Mahd, Mulchen oder eine Bodenbearbeitung die überwinternden Falterstadien zerstört.

    Ich habe auf meinen Tagfalter-Transekt insgesamt elf Begehungen von Mitte April bis Mitte August gemacht, davon waren drei ohne Faltersichtung. Da das Transekt mittlerweile durch sein Trail-Dasein und der Dürre komplett blütenlos ist, kann man jetzt schon ein Résumé ziehen:

    • sieben Arten konnten erfasst werden
    • insgesamt konnten 16 Individuen erfasst werden
    • 5x Kleines Wiesenvögelchen
    • 3x Artkomplex Kleiner Kohlweißling/ Grünaderweißling
    • 3x Tagpfauenauge
    • 2x Braunkolbiger Braundickkopffalter
    • 1x Kleiner Feuerfalter
    • 1x Kleiner Fuchs
    • 1x Zitronenfalter

    Dolle ist das nicht, aber es geht ja auch darum, die Artenvielfalt zu steigern und dann kommen hoffentlich in Zukunft auch mehr Schmetterlinge auf unseren Flächen vor.

    Insgesamt gibt es ja einen massiven Rückgang der Insekten, was spätestens seit der Veröffentlichung Entomologischen Vereins Krefeld e.V. 1905 bei Hallmann et al. (2017) keiner mehr ignorieren kann. Die Krefelder und auch andere Wissenschaftler haben mittlerweile in verschiedenen Projekten und Studien einen extremen Schwund der Arten, Individuen und auch der reinen Insekten-Biomasse nachgewiesen. Das „Insektensterben“ hat natürlich auch Auswirkungen auf andere Artengruppen wie beispielsweise Vögel oder Fledermäuse.

    Dabei kann jeder einen kleinen Beitrag leisten, um den Insekten wieder auf die Sprünge zu helfen. Beispielsweise durch den Kauf von Bioprodukten, denn den größten Anteil am Verlust der Artenvielfalt hat die intensive Landwirtschaft. Anregungen für eigene, konkrete Maßnahmen, beispielsweise im Garten oder auf dem Balkon gibt es hier.