Die Ganzjahresweide ist aus meiner Sicht die natürlichste Form der Pferdehaltung und -fütterung, wobei nicht jedes Pferd dafür geeignet ist. Die Laufwege ergeben sich in dieser Haltungsform aus der langsamen Bewegung über die Weiden in grasender Manier. Alle anderen, sicherlich auch sehr guten Haltungsformen wie Trail, Aktivstall etc. imitieren diese natürliche Art der Nahrungsaufnahme mit vielen kleinen Heurationen auf dem Trail oder in Futterautomaten.
Wir haben das Glück so viel Weideflächen zu haben, dass wir nichts imitieren müssen und unseren Pferden ganzjährig die Möglichkeit geben können, selbst zu entscheiden wo und wann sie grasen, dösen, schlafen, spielen oder auch an Sräuchern knabbern möchten. Aber im Winter bekommen unsere Pferde zusätzlich zur Weide Heu ad libitum und es hat sich schon mehrfach mit Hilfe des GPS-Trackings gezeigt, dass dann die Laufwege kürzer werden, weil sich die Pferde die Nahrung nicht mehr zusammen suchen müssen.




Wieviel Hektar Weide zur Verfügung steht, scheint bei der Betrachtung der zurückgelegten Gesamtstrecken nicht so eine große Rolle zu spielen, wie der Einflussfaktor Heu. Hier eine Zusammenstellung der Laufwege der letzten drei Jahre:

Beim GPS-Tracking im Januar 2022 muss erwähnt werden, dass zwar sieben Hektar Weide zur Verfügung standen, aber nur drei Hektar in der Zeit genutzt wurden und irgendwann in der Nacht das Heu leer wurde.
Nun hat sich die Frage ergeben, ob man die Laufwege auch im Winter mit Heufütterung verlängern kann. Dafür haben wir die Heuraufen auf eine der Weiden gestellt und noch einen zusätzlichen Zaun gezogen, um den die Pferde drumherum mussten. Auf diese Weise wurde der Weg zwischen den Heuraufen und der Tränke von 100m auf 300m verlängert. Für den Vergleich mit und ohne „künstliche“ Laufwegeverlängerung wurde wieder ein GPS-Tracking Zeitfenster von 24h gewählt (jeweils von 18:00-18:00 Uhr) und ansonsten die gleichen Weiden offen gelassen.


Natürlich ist dieser Vergleich nicht repräsentativ, wissenschaftlich oder statistisch auswertbar, dafür müsste man vielmehr solcher Tracking-Versuche an verschiedenen Pferden wiederholen. Aber der Vergleich der Laufwege deckt sich mit meiner Wahrnehmung, dass die Pferde sich im Winter kaum noch bewegen und (fast) nur noch an den Heuraufen stehen. Es würde auch absolut Sinn ergeben, Energie zu sparen und sich nicht mehr zu bewegen als nötig, wenn unsere Wohlstandsponys nicht tendenziell zu dick wären…
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