Schlagwort: GPS-Tracking

  • GPS-Tracking im Jahresvergleich

    GPS-Tracking im Jahresvergleich

    Mittlerweile gibt es schon eine richtige Zeitreihe beim GPS-Tracking der letzten fünf Jahre.

    Aber erst einmal steigen wir in den aktuellen Track vom 30.11.2025 ein. Assan hat wieder ein Garmin etrex 10 am Weidehalfter 24h umhergetragen. Er hat dieses Mal eine Strecke von 6,7km zurückgelegt und alle Weiden mindestens einmal besucht. Die folgende Karte zeigt unsere Weiden, die Lage der Tränke, Heuraufen und Unterstand und die GPS-Punkte. Die blaue Linie zeigt den daraus generierten Track, also die von Assan zurückgelegte Strecke.

    Es standen acht Hektar zur Verfügung und man kann erkennen, wie Assan über die Flächen mäandriert ist. Desto enger die GPS-Punkte sind, desto langsamer hat er sich vorwärts bewegt, also vermutlich grasend. Zwischen der „Ponderosa“ und der „Hauptweide“ sind die Punkte – entlang der Pappelreihe – weit auseinander gezogen, hier hat er die maximale Geschwindigkeit von 32km/h erreicht, ist also galoppiert.

    Die meisten Punkte sind an den Heuraufen und im/am Unterstand. Die folgende Grafik zeigt den Anteil der GPS-Punkte in Bezug auf ihre Lage.

    Dabei ist ein Drittel an den Heuraufen und ein weiteres Drittel auf der Hauptwiese. Bei dem Drittel auf der Hauptwiese handelt es sich um Aktivitäten wie grasen, aber auch Dösen in der Nähe der Heuraufen. An der Tränke war er in den 24h zweimal.

    Bei der Punktwolke am Unterstand kann es sich um schlafen oder dösen handeln. Aber bei den Punkten auf den Wiesen handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um grasen bei langsamer Fortbewegung. Obwohl die Pferde im Sommer auch oft auf den Weiden schlafen und dösen, verbringen sie im Winter einen Großteil in der Nähe der Heuraufen. Beispielsweise dösen sie gern im Windschutz der Hecke, grasen im näheren Umfeld und bleiben dabei in der Nähe der anderen Herdenmitglieder, die Heu fressen.

    Wenn man noch weiter in die Zeiten der jeweiligen GPS-Punkte und ihrer Lage auf den Flächen einsteigt, bestätigt sich einmal mehr, das Pferde einen anderen Rhythmus haben als wir. Sie schlafen nicht 8h am Stück wie wir, es ist eher ein zwei Stunden-Rhythmus mit schlafen, fressen, dösen, fressen. Beispielsweise war Assan von 16:00-18:20 Uhr an der Heuraufe, war dann bis 19:00 Uhr grasen, von 19:00-20:00 Uhr im Unterstand, dann bis 22:20 auf der Skuddenwiese. Von 22:20-23:00 Uhr an der Heuraufe und danach wieder im Unterstand. Gegen Mitternacht hat er überlegt, auf die Jägerwiese zu gehen, kam aber gleich wieder zurück und ist lieber noch einmal auf die Skuddenwiese gegangen. Dann war er von 1:00-3:20 Uhr im Unterstand, war danach bis 4:20 an der Heuraufe, dann noch mal bis kurz vor sieben Uhr morgens im Unterstand und dann eine Stunde auf der Hauptwiese grasen.

    Wie auch in den anderen Beiträgen zum GPS-Tracking möchte ich die These aufrecht erhalten, dass die Länge der Laufstrecke vor allem durch die Möglichkeit zum grasen beeinflusst wird. Dabei hat die Größe der Fläche nur indirekt einen Einfluss, d.h. es wird nicht mehr Strecke zurückgelegt, weil größere Flächen zur Verfügung stehen. Entscheidender ist wohl eher, dass durch die extensive Haltungsform auch im Winter noch genügend Futter auf den Weiden vorhanden ist, dass es sich trotz Heu lohnt „umherzutingeln“.

    In dem folgenden Diagramm sind die Laufwege in km und die Größe der Flächen in Hektar dargestellt. Beispielsweise war die zurückgelegte Distanz im November 2025 kürzer als im November 2024, obwohl mehr Fläche zur Verfügung stand. Aus meiner Sicht hat die Zufütterung mit Heu den größeren Effekt als die Flächengröße. Denn wenn die Pferde im Sommer kein Heu bekommen, müssen sie sich ihr Futter grasend auf den Flächen zusammen suchen. Die längsten Distanzen mit über 8km waren im August 2023 und im Juli 2021 (ohne Heu) und die kürzesten Distanzen im November 2023 und März 2023 (mit Heu).

    Aber auch mit Heu lohnt es sich offenbar für die Pferde auf allen Weiden umher zu laufen und gemäß ihrer Natur zu grasen sowie Laubblätter, Rinde, Früchte etc. zu naschen. Und das geht natürlich nur, wenn genügend Flächen zur Verfügung stehen, dass man es sich leisten kann, dass alle Weiden auch im Winter offen sind ohne sie zu übernutzen. So gesehen hat die Flächengröße doch einen entscheidenden Einfluss auf die Distanzen, die die Pferde zurücklegen. Das was wir also den Pferden bieten können, muss ansonsten mit Trails, Futterstationen, Laufstallkonzepten etc. imitiert werden. Ich bin sehr glücklich, dass wir unseren Pferden diese naturnahe Haltung bieten können.

  • Aktivität im Winter

    Aktivität im Winter

    Im Winter hat man das Gefühl, dass die Pferde nur noch an der Heuraufe stehen. Aber mit Hilfe von GPS Tracking zeigt sich, dass sie durchaus umherlaufen und auf den Weiden grasen gehen, wenn sie die Möglichkeit haben.

    Für das GPS Tracking habe ich Assan mit einem Garmin etrex 10 für 24 h an einem Weidehalfter ausgestattet. Es wurden insgesamt 4587 Punkte gesendet, die eine Laufstrecke von 7,5km ergeben. Dabei standen drei Weideflächen mit insgesamt 4,7 Hektar zur Verfügung. Beeinflusst sind die Daten sicherlich durch die TCM-Kräutermischung, die Assan schon in Vorbereitung auf Silvester bekommen hat, so dass er insgesamt ruhiger ist, also vermutlich weniger spielt und umherrennt. Außerdem war das Heu morgens leer, so dass die Pferde vermutlich mehr grasen gegangen sind, als sie es mit vollen Heuraufen getan hätten.

    Die folgende Karte zeigt die GPS Punkte und die zurückgelegte Strecke. Desto enger die Punkte sind, desto langsamer war die Bewegung wie beim grasen oder an der Heuraufe und desto weiter die Punkte auseinander sind, desto schneller war die Bewegung. Es gab zwei Spitzen mit ca. 30km/h, dabei ist Assan von der Fuchs- und Skuddenwiese jeweils zurück in Richtung der Heuraufen galoppiert. An der Tränke sind nur fünf Punkte in der Zeit gegen 18:30, d.h. er war in den 24h nur einmal saufen.

    Die meisten Punkte sind an den Heuraufen und im direkten Umfeld der Heuraufen. Zusammen genommen sind es ca. 2040 GPS-Punkte, das entspricht 45% der Zeit und gleichzeitg auch unserer Wahrnehmung von Pferden im Winter – fressen, dösen, wieder fressen, dösen – fast so wie wir zu Weihnachten 😉

    Die Punkte im und am Unterstand entsprechen vermutlich ebenfalls dösen, wobei Assan am liebsten windgeschützt, östlich vom Unterstand steht. Stroh in Mähne und Schweif verraten mir jedoch, dass er sich anscheinend auch in den Unterstand zum schlafen und/oder ruhen legt. Im Umfeld des Unterstandes waren es 580 GPS Punkte, das entspricht ca. 13% des Tages.

    Direkt an der Heuraufe waren es ca. 1150 Punkte, was einem Anteil von 25% entspricht und vermutlich Heu fressen bedeutet. Es ist ja landläufig bekannt, dass Pferde einen Großteil des Tages mit fressen verbringen (müssen). Laut Zeitler-Feicht (2015:78) – Handbuch Pferdeverhalten verbringen „sowohl verwilderte Pferde in freier Natur als auch Weidepferde etwa zehn bis 18 Stunden des 24-Stunden-Tages mit der Nahrungsaufnahme (im Durchschnitt 12,5 Stunden).“ Bei einem Anteil von 25% an den Heuraufen entspricht das sechs Stunden. Dabei wurde in mehreren Phasen an der Heuraufe verweilt: 13:00-15:30, 16:10-18:30, 20:00-20:20, 22:00-00:30, 7:00-7:30, 10:40-13:00. Um 10:40 wurden die Heuraufen aufgefüllt und um 13:00 das GPS Tracking beendet.

    Den größten Anteil mit ca. 43% nehmen die GPS-Punkte ein, die auf den Weiden verstreut sind und keiner Infrastruktur wie Heuraufe, Unterstand oder Tränke zugeordnet werden können und vermutlich hauptsächlich der Aktivität grasen entsprechen. Davon waren allein 840 GPS Punkte (18%) auf der Skuddenwiese, in mehreren Zeitfenstern von ca. 18:30-19:00, 1:10-3:00, 5:20-6:00, 9:20-10:30. Auf der Fuchswiese war Assan in der Zeit von ca. 6:00-7:10 Uhr morgens.

    Wie schon in den anderen Beiträgen zum GPS Tracking aufgezeigt, ist grasen die größte Motivation zur Bewegung. Mit 24/7 Heuzufütterung bewegen sich die Pferde hauptsächlich zwischen Unterstand, Tränke und den Heuraufen, wobei sie kaum Strecke zurück legen. Aber das ist natürlich jammern auf hohem Niveau – denn ich bin ja sehr froh, dass wir unseren Pferden überhaupt Weidegang im Winter ermöglichen können.

  • Laufwege

    Laufwege

    Die Ganzjahresweide ist aus meiner Sicht die natürlichste Form der Pferdehaltung und -fütterung, wobei nicht jedes Pferd dafür geeignet ist. Die Laufwege ergeben sich in dieser Haltungsform aus der langsamen Bewegung über die Weiden in grasender Manier. Alle anderen, sicherlich auch sehr guten Haltungsformen wie Trail, Aktivstall etc. imitieren diese natürliche Art der Nahrungsaufnahme mit vielen kleinen Heurationen auf dem Trail oder in Futterautomaten.

    Wir haben das Glück so viel Weideflächen zu haben, dass wir nichts imitieren müssen und unseren Pferden ganzjährig die Möglichkeit geben können, selbst zu entscheiden wo und wann sie grasen, dösen, schlafen, spielen oder auch an Sräuchern knabbern möchten. Aber im Winter bekommen unsere Pferde zusätzlich zur Weide Heu ad libitum und es hat sich schon mehrfach mit Hilfe des GPS-Trackings gezeigt, dass dann die Laufwege kürzer werden, weil sich die Pferde die Nahrung nicht mehr zusammen suchen müssen.

    Wieviel Hektar Weide zur Verfügung steht, scheint bei der Betrachtung der zurückgelegten Gesamtstrecken nicht so eine große Rolle zu spielen, wie der Einflussfaktor Heu. Hier eine Zusammenstellung der Laufwege der letzten drei Jahre:

    Beim GPS-Tracking im Januar 2022 muss erwähnt werden, dass zwar sieben Hektar Weide zur Verfügung standen, aber nur drei Hektar in der Zeit genutzt wurden und irgendwann in der Nacht das Heu leer wurde.

    Nun hat sich die Frage ergeben, ob man die Laufwege auch im Winter mit Heufütterung verlängern kann. Dafür haben wir die Heuraufen auf eine der Weiden gestellt und noch einen zusätzlichen Zaun gezogen, um den die Pferde drumherum mussten. Auf diese Weise wurde der Weg zwischen den Heuraufen und der Tränke von 100m auf 300m verlängert. Für den Vergleich mit und ohne „künstliche“ Laufwegeverlängerung wurde wieder ein GPS-Tracking Zeitfenster von 24h gewählt (jeweils von 18:00-18:00 Uhr) und ansonsten die gleichen Weiden offen gelassen.

    6,6km in 24h auf 5ha
    4,8km in 24h auf 5ha

    Natürlich ist dieser Vergleich nicht repräsentativ, wissenschaftlich oder statistisch auswertbar, dafür müsste man vielmehr solcher Tracking-Versuche an verschiedenen Pferden wiederholen. Aber der Vergleich der Laufwege deckt sich mit meiner Wahrnehmung, dass die Pferde sich im Winter kaum noch bewegen und (fast) nur noch an den Heuraufen stehen. Es würde auch absolut Sinn ergeben, Energie zu sparen und sich nicht mehr zu bewegen als nötig, wenn unsere Wohlstandsponys nicht tendenziell zu dick wären…

  • GPS Tracking

    GPS Tracking

    Wir hatten einen phantastischen Sommer mit vielen Niederschlägen, erträglichen Temperaturen und vor allem: ohne Dürre. Aktuell ist noch genug Futter auf den Flächen, so das man kein Heu zufüttern muss.

    Beim letzten Eintrag zum Thema GPS Tracking im März haben die Pferde sehr viel Zeit an der Heuraufe verbracht und waren eher lauffaul. Wie verhalten sich die Pferde, wenn sie keine Heuraufe haben und sich ihr Futter auf fünf Hektar Wiese durch grasen zusammensuchen müssen?

    Da die Herde in der Regel zusammenbleibt, gehe ich davon aus, dass Assans GPS-Daten repräsentativ für die ganze Herde sind oder doch zumindest für ihn und „seine“ Mädels sprechen. In den betrachteten 24 Stunden von 18:00 am 13.08.2023 bis 18:00 Uhr am 14.08.2023 hat Assan insgesamt 8,3km zurückgelegt.

    Pferde verbringen bekanntermaßen den Großteil des Tages mit grasen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Bis zu 16 Stunden pro Tag in langsamer Bewegung, dafür ist ihr Körper und ihre Verdauung ausgelegt. Aus meiner Sicht ist das die natürlichste Form der Pferdehaltung bzw. -ernährung und bei Assan weiß ich, dass er das grasen für sein Wohlbefinden zwingend braucht. Wenn wir beispielsweise auf einem Kurs sind und er für ein Wochenende in einer Box oder auf einem Paddock mit Heu stehen muss – was für ihn keinen großen Unterschied macht – muss ich zwischendurch mit ihm grasen gehen, damit er sich entspannen kann.

    Und so zeigt auch der größte Anteil der GPS-Daten eine langsame Bewegung kreuz und quer über drei Weiden hinweg. Angefangen von 18:00 bis 1:00 Uhr (nachts) grasen, dann dösen, schlafen (?) bis ca. 1:40. Dann wieder eine langsame Bewegung im Umfeld des Schlafplatzes, wieder Ruhe von ca. 2:45-4:45 an der selben Stelle auf der südlichen Weide, also vermutlich richtiger Schlaf für ca. zwei Stunden. Dann bis morgens um ca. 6:00 grasen, dabei langsam Richtung Norden/Wasserbottich mäandrieren. Hier im Umfeld bewegen, grasen, aber auch immer wieder längere Ruhephasen von 40 – 60 min in der Nähe des Wasserbottichs bzw. in der Pappelreihe bis ca. 11:30 Uhr einlegen.

    Dann gehts wieder weiter mit langsamer Bewegung auf allen Weiden und gegen 14:00 wieder Richtung Norden zum chillen in der Pappelreihe. Ab 15:00 grasen auf der nördlichen Weide für ca. eine Stunde und wieder Pappelreihe, grasen, chillen, grasen… Ab ca. 17:30 ist Assan Richtung Süden gewandert und bis zum Ende der Aufzeichnung auf der südlichen Weide in langsamer Bewegung geblieben, also vermutlich grasend.

    Das folgende Video zeigt die GPS Daten im Zeitraffer.

  • 24 Stunden GPS Tracking

    Ich habe Assan wieder einmal mit einem GPS-Gerät (Garmin etrex10) ausgestattet. Es ist einfach interessant, wie unsere Pferde die Flächen nutzen. Zur Verfügung standen insgesamt drei Hektar, bestehend aus der Winterkoppel mit Heuraufen, Tränke und Unterstand sowie einer Weide. Ich bin froh, dass wir die Möglichkeit haben, den Pferden ganzjährig auch Flächen zum grasen zur Verfügung stellen zu können.

    Meist hat Assan ca. zehn Kilometer in 24 Stunden zurückgelegt, den größten Teil in langsamer Bewegung mit grasen. Dieses Mal war Assan anscheinend ziemlich faul, er hat in der Zeit von Freitag 17:00 bis Samstag 17:00 nur 5,7km zurückgelegt und dabei eine Fläche von etwa 4000 qm genutzt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei 5,5km/h ohne Ruhezeiten und bei 0,24 km/h mit Ruhezeiten und die Höchstgeschwindigkeit waren nur 6km/h. Da habe ich wohl ein Zeitfenster ohne Spielen und „furzbuckelnd über die Weide flitzen“ erwischt. Ob den Pferden der Fellwechsel und die plötzlich warmen Temperaturen zu schaffen machen? Auch beim obligatorischen Sonntagsausritt war Assan eher ruhig unterwegs und auf Galopp hatte er gar keine richtige Lust.

    Die meiste Zeit haben die Pferde an den Heuraufen und am Unterstand verbracht, wobei sich Assan ganz gern östlich vom Unterstand und damit windgeschützt zum dösen hinstellt.

    Da die Pferde die meiste Zeit als Herde zusammenbleiben, kann man davon ausgehen, dass das Raumverhalten für all unsere Ponys ähnlich ist. Vielleicht noch mit dem Hinweis, dass Assan in der Regel mit „seinen“ beiden Stuten unterwegs ist und Atchie für den Rest der Herde die Richtung vorgibt. Obwohl es sich oft auch durchmischt und mal der eine und mal der andere loszieht, zum Unterstand oder zum grasen und die anderen irgendwann mitziehen.

    Hier ein kleiner Videobeitrag mit der zurückgelegten Strecke:

    Ich freue mich schon auf den Sommer, wenn man das Heu weglassen kann und die Pferde wieder vollständig auf der Weide stehen. Ich hoffe, dass der Sommer nicht wieder so heiß und trocken wird, so dass die Wiesen vertrocknen und wir die Heuraufen wieder hinstellen müssen. Aus meiner Sicht, ist die Weide die natürlichste Futtergrundlage für Pferde.

  • Eat, Play, Sleep

    Eat, Play, Sleep

    Was machen unsere Ponys im Winter? Nicht besonders viel, vor allem fressen und dösen…

    Ich hab Assan mal wieder mit einem GPS (Garmin etrex10) ausgestattet. Er hat das Gerät 24:52h auf der Weide getragen und die von ihm zurück gelegte Gesamtstrecke beträgt 8,45km. Das scheint ja Assans individuelle Tagestrecke zu sein, wie wir schon an früherem GPS-Tracking sehen konnten. Die Maximalgeschwindigkeit lag bei 44km/h und die Durchschnittsgeschwindigkeit bei ca. 5km/h (ohne Ruhezeiten). Obwohl fast alle Koppeln offen waren und die Pferde insgesamt sieben Hektar zur Verfügung hatten, haben sie sich kaum bewegt und sich die meiste Zeit an den Heuraufen zum fressen und dösen aufgehalten. Abgesehen von der Hauptkoppel waren sie nur 2x auf der „Skuddenwiese“, die Fläche südlich vom Unterstand.

    In der Zeit von 9:38 bis 10:30 mit insgesamt 1492 Minuten (24:52) wurden 4278 GPS-Punkte gesetzt. Wenn man sich die Lage der GPS-Punkte genauer anschaut und die Zeiten an den jeweiligen Standorten in Intervalle unterteilt, kann man im Groben die Aktivitäten im Tagesverlauf ablesen. In der folgenden Tabelle sind die Minuten nach der Lage an den Heuraufen, auf der Hauptkoppel, Unterstand oder Schlafplatz unterteilt. Mit Schlafplatz sind die zum Dösen genutzten Bereiche in unmittelbarer Nähe zu den Heuraufen gemeint.

    Man kann unsere Pferde oft dabei beobachten, wie sich die Herde aufteilt beim Fressen, d.h. Assan döst mit seinen Mädels, wenn Atchie mit seinem Harem frisst und umgekehrt. So bleibt die Herde insgesamt relativ nah beieinander, d.h., sie verbringen viel Zeit in der Nähe der Heuraufen und natürlich durchmischen sich die Untergruppen immer wieder.

    Die längste Zeit waren 133 Minuten (gegen 4:00 morgens) auf der Hauptkoppel in langsamer Bewegung, d.h. vermutlich wurde in diesem Intervall gegrast. Dass auch insgesamt die meiste Zeit auf der Hauptkoppel verbracht wurde, liegt zum Teil daran, dass sie auf dem Weg zum Unterstand, zur Heuraufe oder Tränke überquert werden muss. Assan war 2x an der Tränke, 1x nach einer längeren Zeit an der Heuraufe und 1x nach dem „Spielen“ gegen 19:00 Uhr. Als Spielen habe ich die zwei Minuten mit den höchsten Geschwindigkeiten kreuz und quer über die Hauptkoppel interpretiert. Wäre es nur Flucht würde mir das Hin und Her nicht einleuchten und wir wissen alle, dass Pferde manchmal einen Flitz bekommen 😉 Assan und Atchie spielen auch oft miteinander, mit ansteigen, Po beißen, gemeinsam galoppieren.

    Die längste Zeit am Stück an der Heuraufe waren 113 Minuten von ca. 20:00 bis 22:00 Uhr. Auf die Skuddenwiese ging es 1x morgens gegen 6:00, dann noch mal schlafen (?) im Unterstand und gegen 9:00 noch mal grasen auf der Skuddenwiese. Dabei muss ich zugeben, dass die Heuraufen leer waren, als ich gegen 9:30 Uhr zum Hof kam. Es wäre also interessant, wieviel die Pferde grasen gegangen wären, wenn die Heuraufen noch voll gewesen wären. Und natürlich, habe ich die Herde in Richtung Heuraufen durch das Anspringen des Traktors angelockt und damit ihr Verhalten ebenfalls ungewollt beeinflusst.

    Am besten wäre es natürlich, wenn man neben dem GPS-Tracking die Pferde beobachten würde, um reale Aussagen zu treffen zu können, was die Pferde wirklich wann und wie lange machen. So wie es in der Ethologie gemacht wird, um auch das Komfortverhalten, Spielen, Flucht oder die Schlafphasen mit ablegen (REM-Phasen) etc. erfassen zu können. Mal sehen, wenn ich mal Zeit habe 😉

    Nach Zeitler-Feicht (2015, Handbuch Pferdeverhalten) nehmen „freilebende Pferde ihre Nahrung in kleinen Portionen verteilt über den 24-Stunden-Tag auf. In der Regel sind es 6-13 Mahlzeiten…. Untersuchungen ergaben, dass Pferde im Stall mit ad-libitum-Fütterung von Raufutter eine ähnliche Rhythmik der Nahrungsaufnahme aufweisen… Pferde sind entwicklungsgeschichtlich gesehen auf lange Fressdauern ausgelegt, denn ihre ursprüngliche natürliche Nahrung war überwiegend energie- und nährstoffarm, dafür rohfaserreich. Zudem fressen sie selektiv und kauen sorgfältig. Angeborenermaßen beschäftigen sich auch heute noch sowohl verwilderte Pferde in freier Natur als auch Weidepferde etwa zehn bis 18 Stunden des 24-Stunden-Tages mit der Nahrungsaufnahme (im Durchschnitt 12,5 Stunden).“

    Auch wenn ich die Pferde nicht 24 Stunden beobachtet habe, wird anhand der Zeitintervalle in der Tabelle zumindest deutlich, wie oft zwischen grasen, dösen und Heuaufnahme im Tagesverlauf gewechselt wird. Die Pferde haben auf jeden Fall ihren ganz eigenen, interessanten Tagesrhythmus.

  • Umtriebsbeweidung und GPS-Tracking

    Die Idee der Verbindung einer – aus meiner Sicht – artgerechten Pferdehaltung mit den Zielen des Naturschutzes ist die Gewährleistung einer ganzjährigen Weidehaltung und dem Einhalten von Ruhezeiten für die Weide. Dabei muss gewährleistet sein, dass die Pferde genügend Futter finden, ohne die Leistung der Weide zu beeinträchtigen und möglichst noch Blühaspekte für Insekten zu schaffen. Das funktioniert bei unserer Anzahl der Pferde und der zur Verfügung stehenden Fläche nur als Umtriebsbeweidung.

    Die Pferde sollten möglichst erst dann auf eine neue Fläche kommen, wenn diese eine gewisse Weidereife hat, also einen Aufwuchs von mindestens 15-20cm, damit sie nicht zu eiweiß- und zuckerhaltig ist. Und man muss immer wieder Flächen vorhalten, die nachwachsen können, ohne dass sie zu überständig werden bzw. die Pflanzen nur noch aus Rohfaser bestehen.

    Das Ziel ist also eine zeitlich versetzte Nutzung der unterschiedlichen Weideflächen, um sie sinnvoll als Futtergrundlage zu nutzen, ohne sie zu übernutzen und dabei Artenvielfalt zu fördern. Der „Grünlandpapst“ Ernst Klapp (dessen Buch „Wiesen und Weiden“ nur noch via Ebay oder antiquarisch erhältlich ist) empfiehlt dabei Ruhezeiten je nach Standort von 12-50 Tagen. Letztlich gibt es da wohl nur Erfahrungswerte, die jeder selbst sammeln muss. Und was gibt es schöneres, als immer wieder über die Flächen zu laufen, was man ja wegen der Zaunkontrolle ohnehin tun muss, sich den Aufwuchs anzuschauen und sich zu überlegen, wann man welche Fläche wie nutzen sollte?

    Weiterhin empfiehlt Klapp (1971, zitiert in Nitsche & Nitsche: Extensive Grünlandnutzung): „Um eine gleichbleibende Weideleistung zu erreichen, ist regelmäßiger Nutzungswechsel notwendig. Ein häufiger Wechsel der Koppel sowie eine eingeschobene Rinderweide, welche die selektive Unterbeweidung ausgleicht, haben sich ebenso wie eine Mahd als günstig für die Erhaltung einer dauerhaften Grasnarbe erwiesen. Die Weide dient dem Pferd nicht nur als Futterfläche, sondern auch als Bewegungsraum.“

    Und an dem letzten Punkt sehe ich die günstige Verbindung zum natürlichen Verhalten der Pferde. Nach Zeitler-Feicht (2015, Handbuch Pferdeverhalten) sind Pferde nicht territorial, sondern leben in großen Streifgebieten. Die Größe des Aktionsradius würde in der Natur vom Vorhandensein von Futter, Wasser, Witterungsschutz und Möglichkeiten für Komfortverhalten wie Wälzen, Scheuern etc. abhängen. Und vor allem liegt es in der Natur der Pferde, dass ein Großteil ihrer Bewegung dem Fressen gewidmet ist. Grasen und dabei langsam laufen nimmt in der Regel über 50% bzw. 10-18 Stunden eines Tages ein. Laut Beobachtungen an New Forest Ponys, Camargue-Pferden und Mustangs, also halbwild lebenden Pferden, bewegen sich die Pferde täglich etwa 6-11km. Zeitler-Feicht vermutet dabei, dass sich Araber und Vollblüter unter gleichen Bedingungen mehr bewegen und dass Pferde beim Vorhandensein von ausreichend Nahrung (z.b. Heuraufe), Wasser und Witterungsschutz in der Nähe nur 2-2,5km bewegen würden.

    Bei Assan kann ich das nicht bestätigen. Seine individuelle Tagesstrecke sind ca. 8km, auch wenn es eine Heuraufe und einen Unterstand in der Nähe gibt. Natürlich nur, wenn er die Möglichkeit hat zusätzlich grasen zu gehen. Das folgende Luftbild zeigt drei GPS-Aufzeichnungen in diesem Jahr mit der Tagesstrecke und der zur Verfügung stehenden Weidefläche. Beim GPS-Tracking am 25.07.2021 (gelb) hat leider der Akku nicht ganz 24h durchgehalten. Dennoch sieht man, dass die Fläche erheblich kleiner war als am 14.07.2021 (lila) und Assan sich fast genauso viel bewegt hat. Im September (rot) wurde bereits Heu dazugefüttert und die Heuraufe stand direkt am Unterstand, nur die Tränke war weiter weg.

    Es gibt sicherlich sehr viele gute Konzepte zur Haltung von Pferden mit der Anlage von Laufställen, Aktivställen, Trails, Paddock Paradise etc. , um das natürliche Verhalten zu imitieren und Bewegungsanreize auch auf kleinem Raum zu schaffen. Aber ich kann zumindest für Assan sagen, dass er einfach hinreichend Fläche zum grasen braucht, um sich zu bewegen. Einfach die Möglichkeit zu haben gemeinsam mit der Herde zu grasen, im Schatten zu dösen, sich zu wälzen, zu schubbern und mit seinem besten Kumpel zu spielen – das ist aus meiner Sicht artgerecht ohne den natürlichen Bewegungsdrang der Pferde unnötig zu verkünsteln.

  • Ein Tag auf der Pferdeweide

    Wie schon vor einem Jahr habe ich Assans Leben wieder mal mit einem GPS-Gerät (Garmin etrex 10) für einen Tag (24h50min) auf der Weide verfolgt. Zur Verfügung standen zwei Weiden mit insgesamt 3,6 Hektar. Ganz im Norden in der Spitze steht der Wasserbottich, hier werden die Pferde außerdem „abgeholt“ und halten sich relativ viel zum Dösen im Schatten der Pappeln auf.

    Die Gesamtstrecke waren 8,4 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5km/h (Ruhezeiten sind rausgerechnet) und einer maximalen Geschwindigkeit von 22 km/h.

    Auf unserer neuen Fläche im Süden dominiert Landreitgras und Kanada-Goldrute im westlichen Teil und den östlichen Teil hatte ich schon mal im Mai gemulcht wegen dem Frühlings-Greiskraut. Der östliche Teil ist noch trockener und lückiger. Nachgewachsen ist hier vor allem Graukresse…

    Der Teil mit dem Landreitgras scheint nicht so sein Favorit zu sein, hier war er recht wenig unterwegs. Obwohl ich die anderen Pferde dort häufig gesehen habe und das Landreitgras durchaus abgeweidet wird. In diesem Punkt scheint Assan nicht besonders repräsentativ für die Herde zu sein. Er frisst am meisten auf der Fläche darüber, hier besonders an den Stellen, die ohnehin schon kurz sind, obwohl noch viel Futter da ist. Naja, Pferde halt…

    Mit dem Programm RunParticles habe ich die Laufstrecke sichtbar gemacht. Mit einer 256-fachen Beschleunigung kann seinem Tag auf der Pferdweide als Video verfolgen:

  • GPS-Tracking II

    Ich habe Assan mal wieder mit einem GPS-Gerät ausgestattet. Ein Garmin Etrex 10, befestigt an einem Weidehalfter. Die Batterien haben dieses Mal sogar 29 Stunden durchgehalten.

    Zur Verfügung standen drei Weiden mit insgesamt 5,6 Hektar. Die Gesamtstrecke waren 9,6km, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 5km/h (Ruhezeiten sind rausgerechnet; sonst wären es 0,3km/h).

    Es wurde eine Maximalgeschwindigkeit von 30km/h erreicht, bei der Assan auf der Hauptweide von Süd nach Nord galoppiert ist. Ansonsten gab es eine Handvoll „Spitzen“ mit 10-15km/h, aber die meiste Strecke legen die Pferde im Schritt langsam (0,1-0,2km/h) und vor allem grasend zurück.

    Viel Zeit haben sich die Pferde natürlich an den Heuraufen aufgehalten und auch am Unterstand hat Assan recht lange verweilt. Hier wurde wahrscheinlich auch gedöst oder geschlafen.

    Dieses Mal habe ich die Laufstrecke mit dem Programm RunParticles als Video sichtbar gemacht:

    Es ist schön zu sehen, wieviel Auswahlmöglichkeiten die Pferde haben. Sie können Heu fressen, grasen gehen, an Gehölzen beispielsweise an Hagebutten naschen und zwischen drei Weiden wechseln. Ihr Tag ist nicht fremd bestimmt durch Boxen, Paddocks, Trails oder was immer. Sie können einfach da hin gehen, wohin sie möchten, natürlich in den Grenzen unserer Weideflächen…

  • GPS-Tracking

    GPS-Tracking

    Assan hatte fast 23h Stunden ein GPS-Gerät an einem Weidehalfter befestigt und es ist immer wieder interessant sich solche GPS-Daten anzuschauen.

    Zur Verfügung standen 3,6ha Weide, aufgeteilt auf drei Flächen. Eine kleinere Fläche im Nordosten, die ich den gleichen Abend, als ich Assan das GPS-Gerät „angetapet“ habe, aufgemacht habe und damit natürlich am interessantesten war. Die Hauptwiese in der Mitte, auf der nicht mehr soooo viel leckeres steht und eine Fläche im Südwesten, auf der hauptsächlich Landreitgras und Kanada-Goldrute stehen und die über einen Trail erreichbar ist.

    Assan hat dabei 7,6 km zurück gelegt, mit einer, von der Software CanWay errechneten Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,4km/h. Ich denke, dass dabei Ruhezeiten rausgerechnet wurden, sonst wäre die Durchschnittsgeschwindigkeit nur 0,3km/h. Es gab sechs „Spitzen“ bzw. eine Geschwindigkeit von mehr als 10km/h, davon waren zwei auf der Hauptwiese, 2 auf dem Trail (1x hin/1xzurück) und 2 Spitzen zwischen der Fläche im Nordosten und der Hauptwiese.

    Wunderbar wäre es noch, die GPS-Punkte und den Verlauf des Tracks als Film umzuwandeln, um den Verlauf sichtbar zu machen, aber dazu habe ich noch keine Idee, wie man das technisch umsetzen kann….