Kategorie: Insekten

  • Die Wüste lebt

    Wie in dem berühmten Disney Klassiker, in dem alles zu neuem Leben erweckt wird, wenn es nach lang anhaltender Dürre regnet, so werden auch unsere Weiden wieder lebendig…

    Man kann es sich nicht vorstellen, dass jemals wieder etwas wächst, wenn man über die vollkommen vertrockneten Flächen geht und nur noch Heuschrecken umherspringen. Keine Blüten, keine Tagfalter, Bienen oder sonstigen Insekten, alles ist braun, trostlos und man kommt sich vor, wie in einer Steppen- oder Wüstenregion. Die Bäume haben angefangen, Laub abzuwerfen und man macht sich ernsthafte Sorgen, um die schattenspenden Pappeln und anderen Gehölze. Die Bäume und Sträucher spenden nicht nur Schatten, sie schaffen auch durch Verdunstung ein kühleres Mikroklima und brechen den Wind, der die Flächen zusätzlich zur brennenden Sonne austrocknet. Ohne sie wäre die Hitze noch unerträglicher auf den Weiden. Ich hoffe, dass uns die Pappeln noch lange erhalten bleiben.

    Und es ist natürlich auch ein ökonomischer Schaden, wenn man schon im Juli Heu füttern muss, obwohl man mit der Flächengröße über den ganze Sommer kommen sollte. Gleichzeitig ist der zweite Schnitt komplett ausgefallen und ich bin froh, dass uns unser Heulieferant im September überhaupt noch mal Heu bringen kann…

    Nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Tage wird nun alles wieder grün. Wegwarte, Schafgarbe, Ochsenzunge und Weiße Lichtnelke blühen und es kehrt das Leben auf unseren Weiden zurück. Dann staunt man wieder, mit welcher Kraft, sich die Natur auch wieder erholen kann.

    Die folgenden Bilder zeigen drei unserer Flächen im Vergleich vom 07.08.2022 und dem 30.08.2022. Zum Einen werden sie wieder grün und zum Anderen sind die Pappeln ziemlich ausgedünnt.

    Lang anhaltende Dürrephasen und Hitze, im Wechsel mit Starkregen ist das neue Normal und wir müssen lernen damit umzugehen. In Bezug auf unsere Weiden ziehe ich die Leere aus diesem Sommer noch schonender mit der Grasnarbe umzugehen und Flächen für den Juli, August vorzuhalten. Und wenn es sein muss, die Vegetation sogar zu Rohfaser werden zu lassen und nicht vorher zu mulchen. Denn die Pferde haben durchaus alles gefressen, auch wenn sie Heu hatten, wurde noch jeder vertrocknete Halm abgegrast.

    Das war für mich wirklich eine neue Erfahrung und alles Lehrbuchwissen, dass man im Juni den „Heuberg“ abschöpfen muss, schon allein um wieder frisch nachwachsende Flächen zur Verfügung zu stellen, funktioniert nicht mehr. Gleichzeitig braucht man eine gewisse Pflege durch Mahd, Mulchen oder Beweidung mit anderen Weidetieren, um die Ausbreitung von unbeliebten Pflanzen wie Graukresse, Kanada-Goldrute oder Sauerampfer und den Parasitendruck einzudämmen.

    Eine Lösung für dieses Problem fällt mir aktuell nicht ein…

  • Farbtupfer

    Frühjahrsblüher sind die ersten Farbtupfer in der Landschaft und öffnen einem das Herz.

    Scharbockskraut, Finger-Ehrenpreis, Rote Taubnessel und Blaustern sind die ersten Blühaspekte auf unserer Pferdeweide und bieten Hummeln, Wildbienen & co. erste Nahrungsquellen.

    Nachdem es im März keinen einzigen Tropfen Regen gab, kommt nun endlich der April mit typischem Aprilwetter:

    Mal Regen und mal Sonnenschein,
    Dann schneit’s auch wieder zwischendrein.
    April, April, der weiß nicht was er will.

    Mit den Niederschlägen und der Sonne im Wechsel erholen sich auch unsere Weiden wieder und das Gras kann schön wachsen 🙂

    Vor allem im Wald nutzen Frühjahrsblüher wie Lerchensporn, Weiße und Gelbe Buschwindröschen, Lungenkraut und Leberblümchen die ersten Sonnenstrahlen, bevor sich ein geschlossenes Blätterdach ausgebildet hat. Wie beispielsweise hier in einem Buchenwald in der Uckermark:

    Die Winterlinge, beispielsweise an der Kirche in Petzow, an der ich immer auf dem Weg zum Ponyhof vorbei fahre, sind aktuell sogar schon verblüht.

  • Selektive Entwurmung?

    Seit einem Jahr versuche ich auf unserem Ponyhof eine Selektive Entwurmung zu etablieren. Dabei ist die größte Hürde, alle Pferdehalter davon zu überzeugen, dass das sinnvoll ist und entsprechend Kotproben zu sammeln…

    Das Motto ist dabei so wenig wie möglich und so viel wie nötig, um die Gesundheit der Pferde zu schonen, die Bildung von Resistenzen zu vermeiden, die Umwelt und vor allem Dungkäfer, nicht zuletzt auch als wichtige Nahrungsressource für Vögel, Fledermäuse etc. zu schonen. Es wurde bereits in vorangegangen Einträgen dargelegt, welche Auswirkungen Entwurmungsmittel auf Natur und Landschaft, insbesondere auf Dungkäfer haben und wie gefährdet diese Artengruppe heute ist.

    Besonders stolz bin ich ja auf den Fund des selten gewordenen Stierkäfers bei uns auf den Flächen, der relativ auffällige Löcher gräbt. Der Stierkäfer legt 1-1,5 m tiefe Erdstollen an, in die er zur Ernährung seiner Brut längliche Kotpillen einträgt. Von dem Hauptstollen gehen zahlreiche Nebenstollen ab und das Bauwerk wird von Männchen und Weibchen gemeinsam angelegt.

    Aber wie auch immer, letztes Wochenende haben wir die „klassische Nikolaus-Entwurmung“ (ohne vorherige Kotproben) gegeben, um die Entwicklung der Dasselfliege zu unterbinden und mit Equimax auch ein Mittel (Wirkstoff Praziquantel) gegen Bandwürmer zu geben, welche man wohl nur als Zufallsbefund mit Kotproben nachweisen kann. Dafür haben wir die Pferde wieder in ihrer Freitheit eingeschränkt, enger gekoppelt und alle Pferdeäppel entfernt.

    Bei ziemlich vielen Haufen, definitv auch einem von Assan konnte man viele, kleine, weiße Würmer sehen, teilweise noch lebend. Nach Expertenmeinung handelt es sich sehr wahrscheinlich um die so genannten kleinen Strongyliden (Cyathostominen). Sie haben die Fähigkeit, sich als Larve in der Darmwand einzukapseln, d.h., wenn genug eierlegende Würmer vorhanden sind, können die Larven bis zu 3 Jahre ruhen und erst bei „Bedarf“ die Entwicklung zum ausgewachsenen Wurm fortsetzen… Diese eingekapselten Larven kann man wohl auch nicht mit dem gängigen Wirkstoff Ivermectin bekämpfen.

    Will heißen, auch wenn wir versuchen, die Pferde möglichst extensiv zu halten, auf verschieden Weiden umkoppeln und im Winter die Pferdeäppel an den Heuraufen entfernen, werden wir wohl immer einen gewissen Parasitendruck haben. Aber die Mittel, die uns gegen diese Parasiten zur Verfügung stehen, sollten wir mit Bedacht einsetzen und die Bildung von Resistenzen vermeiden. Der Weg, den ich dabei einschlagen möchte, ist eine Gratwanderung zwischen Gesunderhaltung der Pferde und ein kleinen Beitrag zum Naturschutz, vor allem dem Schutz der Dungkäfer zu leisten. Da heute vor allem Pferde als Nutztiere „draußen“ gehalten werden, sehe ich eine besondere Verantwortung der Pferdehalter für den Erhalt von artenreichem Grünland und der Biodiversität. Natürlich ist dieser Weg unbequemer, aufwendiger und komplizierter als einfach prophylaktisch zu entwurmen, aber auch spannender und wie immer lernt man nie aus…

  • Der Wiedehopf – Vogel des Jahres 2022

    Ich habe ihn auch gewählt – diesen hübschen Punker der Hutelandschaften.

    Nach der Monographie aus dem Jahr 1952 von Hans Münch bevorzugt der Wiedehopf offenes Gelände mit alten Bäumen wie Viehweiden, Obstplantagen oder Wiesen und Weiden am Rande alter Laubwälder. Er ist ein Höhlenbrüter, der in unseren Breiten vor allem in Baumhöhlen beispielsweise in verlassenen Spechthöhlen brütet, in Südeuropa allerdings auch in Mauern nistet. Dabei sind ausreichende Mengen an Großinsekten als Nahrung für sich und seinen Nachwuchs entscheidend für seinen Lebensraum und die Brutplatzwahl, d.h. er braucht beides: artenreiches Grünland und alte Bäume.

    Bei Münch waren eine seiner Hauptsnahrungsquellen noch Maulwurfsgrillen, welche er heute wohl kaum noch finden wird. Er nimmt auch Heuschrecken, Käfer, Würmer, Schnecken, Spinnen, Raupen oder sogar kleine Zauneidechsen. Aber weil die Masse an Insekten in unserer intensiv genutzten Landschaft extrem abgenommen hat, wird er heute fast nur noch in Weidelandschaften wie der Döberitzer Heide mit Dunghaufen (ohne zu häufigen Einsatz von Ivermectin) fündig….

    Münch schrieb (1952!), dass der Wiedehopf „früher“ ein häufiger und allgemein weit verbreiteter Vogel war und sah die Hauptursachen für sein Aussterben im Rückgang der Viehhaltung und dem Mangel an geeigneten alten Bäumen mit Höhlen.

    In den letzten Jahren hat man im Naturschutz immer mehr Erfahrung mit künstlichen Nisthilfen gesammelt, um dem Wiedehopf zu helfen. Und so wollte ich auch gern einen Wiedehopf bei uns auf den Flächen ansiedeln und habe einen Wiedehopfkasten gebaut. Leider hat er ihn dieses Jahr noch nicht angenommen, vielleicht gefällt es ihm doch nicht so richtig bei uns. Eventuell sind die Flächen zu klein, die Insektenmasse zu gering oder ich muss noch etwas Geduld haben.

    Eine schöne Sammlung von Bauanleitungen für künstliche Nisthilfen für verschiedene Vogelarten, aber auch Fledermäuse, Insekten oder einen Igelunterschlupf findet man hier.

  • Tagfalter Monitoring III

    Aktuell findet man relativ viele Tagpfauenaugen auf unseren Pferdeweiden. Die Raupen konnten sich satt fressen an den zahlreichen Brennnesseln und die adulten Tiere finden jetzt noch genug Nektar an den Blüten der Kanada-Goldrute, um gestärkt in die Winterruhe zu gehen.

    Es hat sich also zumindest für das Tagpfauenauge gelohnt, dass ich beim Mulchen immer auch Streifen stehen lasse. Wenn man aktuell sieht, was an den Blüten der Goldrute schwirrt und surrt, muss man zugeben, dass sie durchaus ihren Wert für die Natur, auf jeden Fall für Insekten im Herbst hat.

    Tagpfauenaugen überwintern in Dachböden, Kellern, Holzstapeln oder anderen geschützten Nischen. Nach der Überwinterung ab März sind sie auf Frühblüher zur Nahrungsaufnahme angewiesen und die Weibchen legen nach der Paarung die Eier an sonnig stehenden Brennnesseln ab. Es werden ca. 50-200 (gut getarnte) Eier an der Blattunterseite angeheftet. Die Raupen schlüpfen nach etwa 2-3 Wochen und nach mehreren Häutungen schlüpfen die Falter meist ab Ende Juli. Sie treten eine Art „Sommerpause“ an und werden im September noch mal richtig aktiv, bevor sie in die Winterruhe gehen.

    Wie auch bei anderen Tagfaltern, gibt es – durch die verlängerte Vegetationsperiode als Auswirkung des Klimawandels – auch beim Tagpfauenauge mittlerweile „verpätete, unvollständige Generationen“. Das heisst, die Tiere legen noch mal Eier im Spätsommer/Herbst ab. Aber wenn die Falter dann geschlüpft sind, finden sie keine oder nicht mehr genügend Nahrung. Und so kommen viele Faktoren wie der Einsatz von Pestiziden, das Verschwinden von Strukturen wie Ackerränder, Säume oder Brachen, das exzessive Mulchen im Herbst von Straßenböschungen, Wegrändern etc. zusammen und verursachen das Insektentsterben. Es muss nur mal jeder kurz darüber nachdenken, wie normal Tagfalter in der Kindheit waren und wie oft man heute noch ein Tagpfauenauge sieht.

    Auf dem Tagfalter-Transekt auf unseren Pferdeweiden konnte ich dieses Jahr 12 Arten und 53 Individuen aufnehmen. Es waren insgesamt zehn Begehungen von April bis September. Hier eine kurze Zusammenfassung:

    • 17x Grünader-Weißling
    • 12x Kleiner Kohlweißling
    • 5x Tagpfauenauge
    • 5x Kleines Wiesenvögelchen
    • 3x Resedafalter
    • 3x Brauner Feuerfaler
    • 2x Großes Ochsenauge
    • 2x Hauhechelbläuling
    • 1x Kleiner Feuerfalter
    • 1x Admiral
    • 1x Schachbrettfaler
    • 1x Aurorafalter

    Das ist eine erhebliche Steigerung zum letzten Jahr. Ich denke, es liegt zum Einen daran, dass mein Transekt nicht wieder als Trail herhalten musste und zum Anderen, dass es nicht so extrem trocken war. Am häufigsten kam dabei der Grünader-Weißling mit insgesamt 17 Individuen und der Kleine Kohlweißling mit 12 Tieren vor.

    Die Kohlweißlinge gehören zu den häufigsten Tagfaltern und kommen in allen Habitaten bzw. Biotopen vor. Vor allem der Große Kohlweißling konnte früher in großen Wander-Schwärmen vorkommen und in Kohl-Kulturen beträchtliche Schäden anrichten. Solche Massenvermehrungen werden jedoch seit 1990 nicht mehr beobachtet und in einigen Bundesländern wie NRW steht diese Art bereits auf der Roten Liste…. Sie finden heute Rückzugsräume in Regionen mit Ökolandbau wie beispielsweise in Brodowin.

    Wie man auch den folgenden Fotos erkennen kann, finden die Tagfalter auf unseren Pferdeweiden vor allem an der Graukresse Nektar….

    So ist zwar auch die Graukresse aus Pferdehaltersicht „der Endfeind“, aber sie hat als Nahrungsquelle durchaus ihren Mehrwert. Lieber wären mir jedoch arten- und kräuterreiche Weiden ohne Graukresse und – na sagen wir mal mit weniger – Kanada-Goldrute.

    Zum Thema noch eine Beschreibung von Annette von Droste-Hülshoff aus dem Buch „Bilder aus Westfalen“ (1840):

    „Wenige Landschaften mögen […] so voll Nachtigallenschlag und Blumenflor angetroffen werden, und aus der minder feuchten Gegenden Einwandernde wird fast betäubt vom Geschmetter der zahllosen Singvögel, die ihre Nahrung in dem weichen Kleiboden finden. […] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen, während die der größeren Art bis auf die Mitte des Weihers schnurren.“

    Das Zitat stammt aus dem Vorwort für das Buch „Insektensterben in Mitteleuropa“ und gibt eine ungefähre Vorstellung von dem, wie es mal war. Des Weiteren wurde folgende Literatur für den Eintrag verwendet und kann für die Tagfalter-Bestimmung empfohlen werden:

    Bellmann (2009): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer – Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen, Kosmos Verlag

    Gelbrecht et al. (2016): Die Tagfalter von Brandenburg und Berlin (Lepidoptera: Rhopalocera und Hesperiidae), Naturschutz und Landschaftspflege in Deutschlad, Beiträge zu Ökologie und Naturschutz Heft 3,4 2016

    Settele et al. (2008): Schmetterlinge – Die Tagfalter Deutschlands, Ulmer Verlag

  • Artenvielfalt für alle

    Jeder kann etwas tun, um die Artenvielfalt zu erhalten, im Garten, auf dem Balkon und rund um dem Ponyhof. Besonders schön ist es, wenn man andere Menschen inspirieren kann. So haben unsere Vermieter für ihren Gartenteich ein Entenhaus gebaut, dass auch gleich von einem Stockentenpärchen angenommen wurde. Zehn Küken konnten wir zählen, die ihre ersten Runden auf dem Teich gedreht haben 🙂

    Und ein Insektenhotel war natürlich schon längst überfällig! Aber weil ich noch keine Zeit hatte, eins selbst zu bauen, haben unsere Vermieter ein fertiges Insektenhotel gekauft, was auch sofort von Wildbienen wie beispielsweise der Roten Mauerbiene angesteuert wurde. Eine kleine Schale mit Lehm, die eigentlich für Rauchschwalben gedacht war, ist dabei besonders hiflreich, damit die Wildbienen auch gleich Material zum verschließen der Bruthöhlen haben.

    Ein paar „wilde Ecken“ zulassen, heimische Wildblumen und Sträucher wie Brombeere, Weißdorn oder Schlehe wachsen lassen kann sicherlich jeder auf seiner Pferdeweide, auf dem Hofgelände oder im Garten. Tipps für summende, brummende Gärten, in denen es zwitschert und gedeiht findet ihr hier:

  • Magen-Darm-Strongyliden…

    gehören zu den häufigsten Würmern bei Pferden und leider hatte Assan einen extrem hohen Befall.

    Im Dezember letzten Jahres haben wir eine Wurmkur gegeben, die klassische „Nikolaus-Entwurmung“ mit Bekämpfung der Dasselfliege. Wie bereits in einem Eintrag ausgeführt, ist mein Ziel die Wurmkurgabe auf ein notwendiges Maß zu reduzieren, um Dungkäfer und allgemein Insekten, auch als Nahrungsquelle für Vögel, Fledermäuse etc. weitgehend zu schonen. Nicht zuletzt wegen der Bildung von Resistenzen bei den Würmern ist eine strategische oder selektive Entwurmung sogar die Empfehlung der FN.

    Im April hatte ich bei Assan Kotproben gesammelt und beim Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin eingeschickt. Laut Befund hatte Assan 880 Eier von Magen-Darm-Strongyliden pro Gramm Kot, eine Menge, die ich mir gar nicht richtig vorstellen kann. Ab 200 Eiern/g Kot soll man eine Wurmkur geben und vom Labor wurde außerdem ein Pyrantel-haltiges Präparat empfohlen.

    Bei vier weiteren Pferden wurden dann Kotproben gesammelt, davon waren zwei ohne Befund und zwei mit Ausscheidung von Wurmeiern. In Zukunft soll bei allen Pferden eine Kotprobe gesammelt werden, um nur noch die Pferde zu entwurmen, die auch Würmer haben.

    Damit die Dunghaufen nicht zur ökologischen Falle werden, haben wir die Pferde am Samstag auf einer kleinen Fläche „eingesperrt“, die Wurmkur gegeben und alles abgeäppelt. Gestern konnten die Pferde dann auf die „Dreieckswiese“, die seit dem letzten Sommer ungenutzt war. Ich möchte die Pferde so lange es geht von der – mit Würmern kontaminierten – Hauptweide fernhalten. Diese Fläche ist im Prinzip unsere Winterkoppel mit Unterstand, beheizbarer Tränke, die am meisten beansprucht wird und sie soll sich im Sommer etwas erholen können.

    Eng gekoppelt mit Heuraufe
    Alles abäppeln…
    Ab auf die Dreieckswiese – meine persönliche Lieblingsfläche 😉

    Da die Würmer Monate und sogar den Winter überleben können, wird man sie wohl nie loswerden, so lange man Pferde immer wieder auf die gleichen Flächen stellen muss. Man kann nur versuchen, den Parasitendruck möglichst gering zu halten. Empfehlungen dazu sind beispielsweise alles abzuäppeln und Weidereste zu mulchen, was aus naturschutzfachlicher Sicht nicht in Frage kommt und auch arbeitstechnisch von uns nicht zu leisten ist. Optimal wäre auch eine Mischbeweidung mit Rindern, in deren Magen die Pferdewürmer sterben und umgekehrt.

    Die zwei Pferde, die nicht verwurmt waren, werden schon länger selektiv entwurmt und bekommen außerdem Ewalia Parasitensaft. Das zeigt, dass nicht zwangsläufig alle Pferde verwurmt sein müssen und das mit dem Kräutersaft werde ich auch ausprobieren. Bislang kannte ich nur die entwurmende Wirkung von Rainfarn (Tanacetum vulgare), den es auch auf unseren Flächen gibt und durchaus von den Pferden gefressen wird. Hier ein Auszug aus einem alten Kräuterbuch (für Menschen):

    Falls man den Text nicht lesen kann:

    „Verwendet werden Kraut, Blütenköpfe, Samen (…). Sie enthalten ätherisches Öl, etwas Bitterstoff und Gerbstoff.

    Rainfarn wirkt gegen Spul- und Madenwürmer.

    Man brüht 2 Teelöffeln voll mit einer Tasse Wasser an und trinkt nach längerem Ziehen. Einige Tage hintereinander zu nehmen. Unterstützend: roh geriebene Möhren mit Kümmel und Anis. Für guten Stuhlgang sorgen (Faulbaumtee).“

  • Tagfalter Monitoring II

    Der Frühling ist im vollen Gange und es wurde Zeit, endlich mit den Begehungen auf dem Tagfalter-Transekt zu beginnen…

    Die Vegetation ist zwar noch etwas dürftig, derzeit blühen nur wenig Arten wie beispielsweise Rote Taubnessel, Löwenzahn, Gundermann oder das Frühling-Hungerblümchen. Dennoch sind Bienen, Hummeln und Tagfalter unterwegs und ich habe gestern meine erste Begehung auf dem Tagfalter-Transekt gemacht. Die relativ geringe Ausbeute waren ein Tagpfauenauge, zwei Grünader-Kohlweißlinge und ein Reseda-Weißling. Die Grünader-Kohlweißlinge haben an den Blüten der Felsenkirsche genascht und der Reseda-Weißling an einem Hungerblümchen.

    Das Tagpfauenauge war eigentlich immer eine häufig vorkommende Art, es besiedelt Offenland bis Waldränder, Siedlungen, Gärten oder Parkanlagen und die Raupen ernähren sich von Brennnesseln. Aber heute sieht man selbst solche „Allerweltsarten“ wie das Tagpfauenauge oder Weißlinge nicht mehr sehr häufig und freut sich schon über jeden Falter…

    Dieses Phänomen, dass wir den Artenschwund und die Veränderungen in der Landschaft kaum wahrnehmen nennt man in der Ökologie Shifting Baselines. Wir bemerken es nicht, weil wir uns nicht mehr daran erinnern oder es selbst nicht erlebt haben, „wie es früher war„. Unser Horizont reicht dafür nicht aus und wir gewöhnen uns an das hier und jetzt. Es gibt nur wenig Erfassungen mit langen Datenreihen, die uns die Wahrheit vor Augen führen wie die Erkenntnisse des Entomologischen Vereins Krefeld e.V. 1905. Die Krefelder haben 2017 mit ihrer Studie Medien und Politik zumindest ein wenig wach gerüttelt und das Insektensterben zum Thema gemacht. Wobei diese Erhebungen auch „erst“ 1986 begonnen haben – ausschließlich in Naturschutzgebieten. Für die „Normallandschaft“ gibt es nichts vergleichbares. Wir können uns schlichtweg nicht vorstellen, wie es bespielsweise vor 100 Jahren oder mehr war, als es noch keine industrielle Landwirtschaft und Pestizide gab. Wir können es anhand der Landschaftsmalerei höchstens erahnen….

    Tagfalter-Transekt (im April natürlich noch etwas kahl)
    Gemälde des französischen Impressionisten Claude Monet (1840–1926)

    Nun muss man bei unseren Weiden auch dazusagen, dass sie nicht besonders artenreich sind und damit auch keine große Insekten- oder Faltervielfalt erwarten lassen. Da ist noch viel Luft nach oben und ich hoffe, dass die Flächen perspektivisch noch artenreicher werden. Wer die Möglichkeit hat im Rahmen einer Grünland- oder Ackerbewirtschaftung etwas für die Artenvielfalt zu tun, findet hier einen sehr guten Artikel zur Umsetzung. Anregungen, wie jeder im Garten oder auf dem Balkon etwas für Insekten tun kann, findet man beispielsweise hier.

  • Naturschutz auf der Pferdeweide

    Wie geht das denn? Und nützt das auch den Pferden?

    Das aktuelle Heft der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ der VFD widmet sich dem „Thema Pferde halten – Natur schützen“ und zeigt Wege auf, wie sich Pferdehalter ihrer Verantwortung für den Naturschutz stellen können. In guten Beiträgen werden komplexe Zusammenhänge auf den Punkt gebracht und konkrete Anregungen für eine artgerechte Pferdehaltung, gesunde Weiden als Futtergrundlage und dem Schutz der Artenvielfalt aufgezeigt.

    Die Artikel sprechen mir dabei förmlich aus der Seele. Es wird beispielsweise erklärt, warum es eine WinWin-Situation wäre, wenn Freizeit-Pferdehalter Heu aus ungedüngten, spät geschnittenem, also proteinarmen, dafür kräuterreichen Wiesen füttern würden. Und auch eine extensiv genutzte, arten- und kräuterreiche Weide wäre für die meisten unserer Pferde besser geeignet als fruktanreiche Intensivgraslandschaften, die eher Rinderfutter sind. Pflanzenvielfalt, Blütenreichtum und auch mal was stehen lassen nützen dabei auch dem Insektenschutz. Ein ganzer Artikel widmt sich sogar speziell dem Insektensterben und was man auf der Weide dagegen tun kann. Zusammengefasst und stark vereinfacht:

    • Verzicht auf prophylaktische Wurmkuren
    • Verzicht auf Bremsenfallen
    • Verzicht auf Nachpflege, denn „Mähen tötet den Nachwuchs“ (Puppen- und Raupenstadien)
    • Verzicht auf rotierende Mähwerke und Mulchsammler
    • eine möglichst angepasste Anzahl an Pferden, damit Pflanzen Blüten ausbilden können

    Auch der Mehrwert von Hecken als Lebensraum, Biotopverbund, Windschutz und Knabberei für die Pferde wird aufgezeigt und welche Gehölze sich eignen, welche für Pferde giftig sind. Hecken und Gehölzreihen schützen die Weide auch vor Austrocknung in Dürreperioden. Und natürlich wird auch das Thema Giftpflanzen behandelt mit Tipps zur Eindämmung von Jakobskreuzkraut, Graukresse & co.

    Es wird beispielsweise beschrieben, dass die Graukresse in den letzten Jahren von der Trockenheit profitiert hat und sich vor allem auf übernutzten Weiden ausbreitet. Dagegen hilft nur eine nachhaltige Nutzung und wenn sie sich schon auf größeren Flächen ausgebreitet hat, ein Mulchen vor der Samenbildung im Juni.

    Auch die Themen Herbizid- und Düngemitteleinsatz sowie deren Nachteile für die Pferdegesundheit und Umwelt werden behandelt. Dabei kann man einen ganz einfachen Zusammenhang nicht oft genug betonen. Nur auf ungedüngten Wiesen und Weiden gibt es eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern, da sich ansonsten nur einige wenige konkurrenzstarke Arten ausbreiten und das nützt auch der Pferdegesundheit, denn „Wo Pferde gesund bleiben, herrscht bunte Vielfalt„.

  • Insektensterben

    Insektensterben

    „… wo Schafe weiden und Pferde für Rennen trainiert werden; und alle spenden Manna für die jubelnden Mistkäfer. Hier sind die Straßenkehrer am Werk – Käfer, die das wichtigste Amt haben, den Erdboden rein zu halten. Man kann die Vielfalt der Werkzeuge gar nicht genug bewundern, mit denen sie den Unrat bewegen, zerkleinern, formen oder tiefe Höhlen graben, in denen sie sich samt ihrer Beute einschließen.„

    So liebevoll beschreibt Jean-Henri Fabre 1879 in seinem ersten Band „Erinnerungen eines Insektenforschers„ das Werk der Dungkäfer.

    Und wie ist es heute auf einer Pferdekoppel um den wertvollen Manna bestellt? Der Umweltforscher, Agrarexperte und Leiter des Tagfalter-Monitoring Deutschland Josef Settele beschreibt Kuhfladen und Pferdeäpfel 2020 in seinem Buch „Die Triple Krise – Artensterben, Klimawandel, Pandemien“ als giftige Betonfladen:

    „Finden Insekten doch noch Nutztierexkremente als Unterschlupf, riskieren sie, in eine Giftfalle zu tappen. Kühen und Pferden werden oft über Kraftfutter Medikamente verabreicht, die vor Erkrankungen und Insektenbefall schützen. Aus Sicht der Landwirte und Züchter ist das nachvollziehbar…. Da die giftigen Mittel auch noch im Kot ihre Wirkung entfalten, werden Kuhfladen und Pferdeäppel für kleine Krabbeltiere nicht mehr verzehrbar. Dung- und Mistkäfer können die tierische Hinterlassenschaft nicht mehr zersetzen, sie bleibt, wie sie ist, und wird hart wie Stein. …40 Prozent der Dung- und Mistkäfer hierzulande sind ausgestorben oder zählen zu den am stärksten bedrohten Insektenarten.“

    Vom Artenschwund sind fast alle Insektengruppen betroffen. Eine erste, ernsthafte breite mediale Aufmerksamkeit hat dieses Phänomen mit der Studie der Krefelder Entomologen erfahren, die anhand von Fluginsekten einen Rückgang der Biomasse um bis zu 80% nachweisen konnten. Die Probeflächen befanden sich ausnahmslos in Schutzgebieten…

    Die Ursachen für das Insektensterben sind sicherlich ein Zusammenspiel von vielfältigen Faktoren. Aber die Hauptursache ist wohl die Intensivierung der Landwirtschaft mit einer meist flächendeckenden, prophylaktischen Nutzung von Pestiziden (Gift ist nunmal giftig), Überdüngung, Verlust von artenreichem Grünland und einer vielfältigen, strukturreichen Kulturlandschaft. Die wichtigste Stellschraube ist hier der gleichzeitig größte Fördertopf der EU – die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Sie zielte jahrzehntelang auf steigende Ernten, ohne Rücksicht auf Tierwohl oder Naturschutz ab.

    Aktuell wird diese „Subventionsmaschine“ (Die Zeit; Letzte Chance) mit einem Budget von 347 Milliarden Euro für eine Förderperiode bis 2027 umgestellt. Es gab große Hoffnungen in diese GAP-Reform und dass es zukünftig mehr Geld für ökologische Dienstleistungen, Tierwohl und klimaschonende Anbauweisen gibt. Landwirte wären sicherlich bereit „Schmetterlinge zu produzieren“, wenn sie dafür entsprechend bezahlt werden. Hier eine kleine Einführung zum Thema Agrarreform:

    Aber zurück auf die Pferdeweide, auf der jeder Selbstversorger und jede Haltergemeinschaft selbst Einfluss nehmen kann, um Insekten wieder Lebensräume zu bieten, u.a. im Pferdehaufen. Hier ein paar Anregungen für mehr Artenvielfalt auf der Pferdeweide:

    • Verzicht auf prophylaktische Wurmkurgaben
    • Verzicht auf Düngemittel und Pestizide
    • Herstellung von Habitatmosaiken (auch mal was stehen lassen, ggf. Teilflächen auszäunen, die Nutzung räumlich und zeitlich variieren)
    • bei der Mahd oder dem Mulchen Teilflächen stehen lassen
    • Anlegen oder Belassen von „Wilden Ecken“, Totholzhaufen, Lesesteinhaufen
    • bei der Neuanlage oder Nachsaat regio-zertifziertes Saatgut verwenden, ansonsten lieber auf die Pioniervegetation setzen

  • Wintervögel

    Endlich hat es geschneit und der Winter ist da 🙂

    Jetzt im Winter zeigt sich, ob unsere Weiden noch genug hergeben für Vögel, die im Winter bei uns bleiben. Amsel, Meisen, Sperling, Zaunkönig, Eichelhäher und viele weitere Vögel kann man im Winter sehr gut beobachten, wenn man ihnen Nahrung bietet. Die Hundsrose beispielsweise trägt noch im Winter beliebte, rote Früchte. Hagebutten sind nicht nur für die Pferde sehr gesund, da sie viel Vitamin C enthalten, sondern dienen auch unseren Wintervögeln als wichtige Nahrungsquelle. Folgende Abbildungen stammen aus dem Tagebuch der Edith Holden und verdeutlichen wunderbar den Wert von „Wilden Ecken“ – auch auf der Pferdeweide.

    Sehr wichtig ist auch überständige Vegetation mit Sämereien, von denen sich die Vögel im Winter, wenn es keine Insekten gibt, ernähren können. Bei uns gibt es noch einige Bereiche mit überständiger Vegetation und Sträuchern wie Hundsrose, Brombeere oder Weißdorn. Wenn die Pferde nicht so extensiv gehalten werden können, wäre es auch hilfreich, Teilbereiche auszuzäunen.

    Ich habe jetzt auch einen Bereich mit insgesamt fünf Eichen auszäunen müssen, weil der Verbiss und das Schälen durch die Pferde so stark ist, dass die Gefahr bestand, dass die Eichen eingehen. Solche ausgezäunten Bereiche haben auch den Vorteil, dass die Vegetation über den Winter stehen bleiben kann, als Überwinterungsmöglichkeit für Insekten und mit Nahrungsangebot für Vögel.

    Ansonsten ist es natürlich auch legitim Vögel einfach zu füttern, wenn man sie im Winter unterstützen und beobachten will. Tipps zur Vogelfütterung findet man beispielsweise beim NABU.

    Und nächstes Wochenende ist auch wieder Stunde der Wintervögel – eine gute Gelegenheit mal die Vögel auf der eigenen Weide, im Garten oder am Haus zu beobachten. Viel Spaß dabei 🙂

  • Wurmkur

    Unsere Pferde haben heute ihre „klassische Nikolaus-Entwurmung“ bekommen…

    Aus Naturschutzgründen möchte ich unsere Pferde nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich entwurmen. Ob wir dabei alles richtig machen, weiß ich auch noch nicht. Aktuell kann ich nur beschreiben, welchen Weg wir dabei beschreiten. Um das Grundwasser und den Boden nicht zu belasten und vor allem die Dungkäfer nicht zu beeinträchtigen versuchen wir möglichst selektiv zu entwurmen, d.h. nur nach Befund durch Kotproben.

    »Dung- und Mistkäfer gehören zu den am stärksten bedrohten Gruppen unter den Insekten.« Ungefähr 40 Prozent der Dungkäfer sind ausgestorben oder stark gefährdet. Die Hauptursache ist die Anwendung von Parasitenmitteln, vor allem mit dem Wirkstoff Ivermectin. Mit dem Rückgang der Dungkäfer werden auch insbesondere die Nahrungsressourcen für Vögel, Amphibien, Reptilien und Fledermäuse reduziert. Und da es kaum noch Weidehaltung in Deutschland gibt, haben Pferdehalter eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität, aber auch die Chance einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten.

    Aus diesem Grund sollten Wurmkuren nicht unbedacht mehrmals im Jahr gegeben werden. Vor allem im Frühjahr, wenn Vögel die Dungkäfer brauchen, um ihre Jungen zu füttern ist eine Wurmkur-Gabe fatal.

    Aber jetzt im Winter haben wir eine Wurmkur gegeben, um auch die Entwicklung der Dasselfliege zu unterbrechen, die ihre Eier im Sommer bevorzugt an den Vorderbeinen der Pferde ablegen. Von hier werden sie durch das Maul durch lecken und kratzen aufgenommen, gelangen in den Magen, entwickeln sich weiter und können dabei das Pferd gesundheitlich schädigen.

    Da es auch im Winter aktive Dungkäfer gibt und um die Weiden nicht mit dem Wirkstoff zu kontaminieren, haben wir die Pferde relativ eng gekoppelt, um in den nächsten Tagen alle Pferdeäppel ordentlich absammeln zu können. Der Wirkstoff lähmt die Würmer, die sich nicht mehr an den Schleimhäuten des Magens festhalten können und mit dem Kot ausgeschieden werden. Da die Würmer zunehmend resistent gegen Wurmkuren sind, überleben es einige Individuen. Nicht mehr prophylaktisch zu entwurmen, um Resistenzen zu vermeiden, sondern Pferde selektiv oder strategisch zu behandeln, ist sogar Haltung und Empfehlung der FN.

    Schon vor zwei Wochen wurde in Vorbereitung auf die Wurmkur ein Teil der Weide abgetrennt und sauber abgeäppelt. Heute haben wir die Heuraufen und einen IBC-Container mit Wasser dorthin gestellt. Nun müssen die Pferde für ein paar Tage auf die weitläufgen Koppeln, die wir ihnen sonst zur Verfügung stellen, verzichten. Diese Fläche soll dann vollständig von Pferdeäppeln befreit werden.

    Alle Flächen mit insgesamt fast neun Hektar Größe können schlichtweg nicht abgeäppelt werden, so dass wir im Winter nur die Bereiche um die Heuraufen sauber halten. Aber auch aus den oben genannten Gründen, zum Wohle der Dungkäfer sollen nicht alle Pferdeäppel entfernt werden. So versuchen wir einen Kompromiss zwischen Pferdegesundheit und dem Erhalt der Artenvielfalt zu finden. Neben dem regelmäßigen Abäppeln von Pferdeweiden, der Umtreibsweide und extensiven Haltung wird beispielsweise auch ein Mähen oder Mulchen von Geilstellen im Frühjahr empfohlen. Dadurch würde man die Larven der Würmer, die am Grashalm darauf warten, von den Pferden aufgenommen zu werden, reduzieren. Aber dadurch würde man gleichzeitig die Überwinterungsstadien von Insekten und ggf. Gelege von Wiesenbrütern zerstören.

    Aber ich habe die Hoffnung durch eine relativ extensive Haltung von aktuell acht Pferden, dem häufigen Umkoppeln und dem Abäppeln an den Heuraufen den Parasitendruck insgesamt gering zu halten. So wenig wie möglich und so viel wie nötig zu entwurmen soll dabei die Pferdegesundheit und gleichzeitig die Artenvielfalt erhalten. Ich werde weiterhin regelmäßg Kotproben sammeln und bin gespannt, ob man auf Wurmkuren weitgehend verzichten kann….

  • Koppel aufräumen

    Koppel aufräumen

    Jetzt wo man langsam „Land sieht“ auf unseren Flächen, habe ich angefangen Steine zu sammeln…

    Der Plan war eigentlich große Steine für einen Lesesteinhaufen zu sammeln. Mit jeder Bearbeitung wie schleppen oder mulchen kommen auch immer wieder mehr oder weniger große Steine hoch. Seit jeher werden solche Steine, die mit der letzten Eiszeit transportiert wurden, am Feldrand abgelegt.

    Lesesteinhaufen sind Versteckmöglichkeiten, Sonnplätze und Überwinterungs-möglichkeiten für eine Vielzahl von Artengruppen wie Insekten, Spinnen, Reptilien, Amphibien oder auch Brutplätze beispielsweise für den Steinschmätzer.

    Aber als ich mich mit meiner Schubkarre aufgemacht habe, um Steine von unseren Flächen zu sammeln, habe ich auch gleich noch viel mehr gefunden, was durch die Bearbeitung zu Tage kam. Eine vielfältige Auswahl an Glas, Metall, Stoff und Plastik. Es ist also eine gute Gelegenheit mal die Koppel aufzuräumen 😉

    Eine gute Anregung wie man Lesesteinhaufen anlegt, findet man hier.

    Dabei macht es auch durchaus Sinn, Holz das verstreut rumliegt auf einen Haufen zu schichten. Zum Einen schafft man dadurch Lebensraumstrukturen und zum Anderen stören die Holzstämme nicht bei der nächsten Bearbeitung wie Mahd, Mulchen oder Schleppen. Hier habe ich beispielsweise Holzteile kurzerhand zu einem kleinen Haufen zwischen zwei Sträuchern aufgeschichtet.

    Auch die Vielzahl an Ästen, die zusammen kam, als wir Sträucher und alte Obstbäume entastet haben – vor allem zum Schutz der Pferdeaugen – wurden als Totholzhaufen liegen gelassen. Oder wenn mal die eine oder andere alte Pappel umfällt, bietet sie sicherlich auch Brennholz, aber nicht im Ganzen, es darf auch gern etwas liegen bleiben…

    Bereits durch meinen Vorgänger aufgestalpeter Holzhaufen aus Ästen, die wegen der Verletzungsgefahr von den Sträuchern entfernt wurden.
    Umgestürzte Pappel, die teilweise aufgearbeitet wurde. Der Stubben blieb als stehendes Totholz erhalten und die Reste wurden als Haufen innerhalb der Baumreihe aufgeschichtet.
    Ebenfalls durch meine Vorgänger am Rand abgelegte Stämme von umgefallenen Pappeln als wertvolle Lebensraumstruktur und Mikrohabitat

  • Was ist Natur (-schutz)?

    Ich stelle immer wieder fest, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was „Natur“ ist. Und dementsprechend auch viele Missverständnisse, was dann eigentlich „Natur-Schutz“ ist….

    Für viele Menschen ist Wald die einzig wahre Natur. Aber kennen wir einen „natürlich“ aufgewachsenen Wald? Abgesehen von den Heiligen Hallen – ein 25Hektar kleines Waldstück, das sich seit dem 30-jährigen Krieg vermutlich selbst etabliert hat und zumindest seit Ende des 19. Jahrhunderts ohne menschlichen Einfluss, also sich selbst überlassen ist. Ansonsten kennen wir nur geregelte Forstwirtschaft, Holzplantagen angelegt in viereckigen Forstrevieren, meist auf Flächen, die bis zum 19. Jahrhundert noch Offenland waren. In Brandenburg wurden in der Regel Kiefern angepflanzt. Sicherlich gibt es hier und dort kleine Inseln aus Buchenwäldern, reliktartig eingestreute Eichenwälder, Moorwälder, Ulmen-Hang- oder Auenwälder aus natürlicher Sukzession.

    Aber wie würde unsere Landschaft aussehen, wenn nicht mehr als die Hälfte des Landes landwirtschaftlich genutzt wäre, wenn nicht alle Flüsse begradigt und eingedeicht wären, Niedermoore entwässert, Wälder angepflanzt? Wenn Biber machen könnten, was sie wollen, wenn sich Feuer ausbreiten könnten und der Mensch nicht alle großen Säugetiere wie Auerochsen, Wisente, Pferde, Wölfe und Bären ausgerottet oder verdrängt hätte?

    https://www.abu-naturschutz.de/veroeffentlichungen/wilde-weiden

    Wir können es uns nicht vorstellen, aber mit Sicherheit wäre Mitteleuropa nicht vollständig von Wald bedeckt. Und der Großteil unserer Artenvielfalt, die wir im Naturschutz erhalten wollen, ist an offene Lebensräume und Habitatkomplexe gebunden. Artenvielfalt braucht ein zeitliches und räumliches Mosaik aus offenem Boden, Weiderasen, Hochstaudenfluren, Röhrichten, Gebüschen, Baumgruppen bis hinzu geschlossenen Wäldern. Beispielsweise sind die meisten Tagfalterarten an Offenland und Säume gebunden. Aber genau diese Bereiche fehlen uns heute durch die strikte Trennung von Wald, Wiese und Acker.

    Noch bis zur Einführung der industriellen Land- und Forstwirtschaft sowie der Entwässerung der Moore und Begradigung all unserer großen Flüsse haben viele Arten durchaus Ersatzhabitate in den von Menschen geschaffenen Lebensräumen gefunden. „Kulturfolger“ fanden neue Nischen in den anthropogen geprägten Landschaften mit ihren Äckern, Wiesen, Weiden, Wegsäumen, Hecken, Streuobstwiesen und Hutewäldern.

    Aber mit der Intensivierung der Landnutzung, der Einführung von Großtechnik, Pestiziden, Mineraldünger und der Trennung von Wald und Offenland nahm die Artenvielfalt rapide ab.

    Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist 120608_m_1.jpg.
    WIJNGAERDT, ANTHONIE JACOBUS VAN
    (Rotterdam 1808 – 1887 Haarlem)
    Weidelandschaft.
    Naturschutz mit Wasserbüffel und Koniks in der Döberitzer Heide

    Von den Pflanzenfressern, die einst die Landschaft mitgestaltet haben, sind uns nur noch Reh und Hirsch geblieben, die anderen kennen wir nur als fossile Reste oder Höhlenmalerei. Wildschweine und Biber gestalten noch in kleinem Rahmen ihre Umgebung. Und ansonsten versuchen Naturschützer mit viel Arbeit, größtenteils im Ehrenamt Artenvielfalt zu bewahren. Dabei besteht der praktische Naturschutz meist aus der Pflege von Wiesen und Weiden.

    Gleichzeitig haben wir sehr viel Grünland, das von Pferdehaltern genutzt wird und durchaus das Potential hätte, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten:

    • Wenn Pferdeweiden nicht so stark überbeweidet werden und es im Sommer auch Blühaspekte gibt.
    • Wenn auch mal Weidereste von Brennnesseln, Disteln oder Beifuss über den Winter stehen bleiben können.
    • Wenn man Wilde Ecken und ggf. auch auf das Aufwachsen von Sträuchern wie Wildrose oder Weißdorn zulassen kann.
    • Wenn man bestehende Lebensraumstrukturen wie Gehölzgruppen, Kleingewässer oder Totholzhaufen erhält und/oder gezielt fördert.
    • Wenn man sich als Pferdehalter mit Wurmkuren zurückhalten würde, nur im Winter eine Wurmkur gibt und ansonsten nur selektiv entwurmt.
    • Wenn man auf Schleppen, Walzen und Mulchen während der Brutsaion (Anfang März bis Juli/August) verzichtet.
    • Wenn man auf Mineraldünger und Pestizide verzichtet.
    • Wenn man auf Nachsaat mit konventionellem Saatgut verzichtet (Ausnahme ist natürlich regiozertifiziertes Saatgut) und lieber auf Pioniervegetation setzt.

    So könnten alle Pferdehalter zum aktiven Naturschützer werden. 🙂

    Noch mehr konkrete Tipps für Pferdehalter gibt es hier:

  • Fotopunkte III

    Im Folgenden möchte ich wieder ein paar Fotopunkte vorstellen, die ich letztes Jahr „eingerichtet“ habe….

    Mit den Fotopunkten möchte ich zeigen, wie sich die Weidepflege auf die Flächen auswirkt. Man kann vieles beschreiben, Pflanzenarten aufnehmen etc., aber manchmal sagen Bilder mehr aus als Daten und Fakten.

    Als erstes kommen Fotos der Hauptwiese, denn sie ist die größte Herausforderung. Diese Fläche ist die am stärksten durch Beweidung, Verbiss, Tritt und Kot beanspruchte Weide bei uns. Hier haben wir auch das größte Problem mit der Graukresse. Die Übernutzung dieser Fläche hängt ganz einfach mit der Infrastruktur zusammen, denn hier steht der Unterstand und hier ist die Tränke. (Nur die relativ kleine „Dreieckswiese“ hat noch eine eigene Tränke und einen Unterstand). Außerdem ist es am praktischsten, wenn hier die Heuraufen stehen, weil man hier Licht vom Reitplatz und die geringste Entfernung zur Mistplatte hat.

    Im Herbst 2019 wurde die Fläche gemulcht und im Sommer haben wir versucht, diese Fläche so oft und so lange es geht zu schonen, in dem die Pferde im Prinzip der Portionsweide auf andere Weiden umgestellt wurden.

    Juli 2019
    August 2020 (die Pferde wurden durch eine Litze von der Hauptwiese getrennt)
    September 2020 (im Vordergrund der Insektenstreifen)
    Graukresse stechen im Juli 2020
    Mulchen im August 2020
    Heuraufen mit Beleuchtung…

    Da wir genug Bäume als natürliche Unterstände auf allen Weideflächen und einen IBC-Container als Wasserbottich haben, konnten die Pferde auf anderen Flächen rotieren und die Grasnarbe der Hauptwiese konnte sich etwas erholen. Im Sommer haben wir außerdem fleißig Graukresse gestochen, auch wenn man immer das Gefühl hat, es nimmt kein Ende…

    Im August habe ich die Fläche dann erneut gemulcht und dabei einen Streifen für die Insekten stehen lassen. Seit einer Woche sind die Pferde nun wieder auf der Hauptwiese, denn die Tage werden spürbar kürzer und wir brauchen die Heuraufen in der Nähe der Lampen….

    Auf einer anderen Fläche ging es eher um das Zurückdrängen der Kanada-Goldrute. Die Fotos sind von einem Hochstand aus entstanden und die Fläche heisst entsprechend „Jägerwiese“. Hier waren im Winter die Skudden im Einsatz und im Frühjahr wurde die Fläche geschleppt, da sie teilweise stark vermoost war. Eigentlich sollte die Fläche Ende Juni gemäht werden, was jedoch nicht geklappt hat. So waren dann die Pferde auf der „Jägerwiese“ und im Juli wurden die „Weidereste“ bzw. die Kanada-Goldrute gemulcht.

    Leider ist im August alles verbrannt und nur die Graukresse hat die Hitze und Dürre überlebt… Nach Niederschlägen Anfang September haben sich jedoch alle Flächen wieder erholt und wurden wieder schön grün. Aktuell können die Pferde auf die Haupt- und Jägerwiese. Mal sehen, wie das nächste Jahr wird…

    September 2019
    März 2020

    Juni 2020

    Juli 2020
    August 2020
    September 2020