Kategorie: Literatur

  • Painted Lady

    Painted Lady

    Der Herbst hält Einzug und es wird Zeit einen Blick auf die diesjährige Tagfaltersaison zu werfen.

    Von April bis Ende September habe ich 14 Begehungen auf dem 300m langen Transekt im Rahmen des Tagfalter Monitoring Deutschland (TMD) durchgeführt. Dabei konnten 16 Arten mit insgesamt 92 Individuen erfasst werden. Im Folgenden eine Tabelle mit den Arten im Vergleich der letzten sechs Jahre.

    Im letzten Jahr war der Segelfalter (Iphiclides podalirius) mein absolutes Highlight und dieses Jahr habe ich mich besonders über den Distelfalter (Vanessa cardui) gefreut, der neu erfasst werden konnte. Der wissenschaftliche Name verweist auf die Haupt-Raupenfutterpflanze: Carduus = Distel.

    Im Englischen heißt der Distelfalter „Painted Lady„, was für ein treffender Name für diesen wunderschön gezeichneten Tagfalter, insbesondere auf der Unterseite der Flügel.

    Und was den Distelfalter so besonders macht, ist außerdem, dass er jährlich – in mehreren Generationen – im Frühling aus Afrika nach Europa und im Herbst wieder zurück fliegt. In manchen Jahren kommt es zu regelrechten Massenvorkommen während der Wanderung.

    Isabella Tree beschreibt in ihrem wunderbaren Buch „Wildes Land“ ein Massenvorkommen der „Painted Lady„, nachdem sie die Ausbreitung der Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) geduldet und trotz der Kritik der Nachbarn ausgehalten hat. Denn während die adulten Distelfalter ein breites Spektrum an Nektarpflanzen nutzen können, fressen die Raupen vor allem an Disteln der Gattung Cirsium und Carduus.

    „Draußen im Park hatten sich Tausende und Abertausende von Distelfaltern auf den Ackerkratzdiesteln niedergelassen wie zitternder Nebel. …Mit geschlossenen Augen inmitten eines Schmetterlingssturmes zu stehen, wie ich an jenem außergewöhnlichen Tag, ist eine verwirrende Erfahrung. Das Geräusch eines einzelnen Schmetterlings ist unhörbar. Aber Zehntausende von ihnen haben ihren eigenen Atem…“ (Isabelle Tree, Wildes Land)

    Auf unseren Weiden sind Disteln ebenfalls willkommen, schon allein als wichtige Nektarpflanze. Beispielsweise ist die Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) laut NaturaDB Nahrungsquelle für zehn spezialisierte Wildbienenarten, 95 Wildbienen, 40 Schmetterlinge, 20 Raupenarten und 36 Schwebfliegenarten.

    Und auch der überaus bunte Stieglitz, der im Winter die Samen aus den überständigen Stauden rauspickt, heißt nicht umsonst Distelfink (Carduelis carduelis) 😉

  • Lebendige Zäune

    Lebendige Zäune

    Eine Hecke als Umrandung von Weiden ist wie ein „lebendiger Zaun“ und bietet viele Vorteile:

    • Sichtschutz
    • Windschutz
    • Vermeidung ungewollter Fütterung
    • Bruthabitate für Vögel
    • Unterschlupf für Kleinsäuger
    • Nahrung für Insekten
    • Biotopverbund
    • gesunde Knabberei (z.b. Hagebutten)

    Aber nach eigener Erfahrung ist es als Privatperson nicht so einfach gebietsheimische Gehölze zu bekommen, um eine Hecke zu pflanzen. Ich musste dafür nach Bad Liebenwerder zur Baumschule Fürst Pückler fahren, weil das die einzige Baumschule war, die mir gebietsheimische Gehölze anbieten konnte. Und außerdem brauchen gepflanzte Gehölze in den ersten Jahren sehr viel Pflege, also regelmäßige Wässerung und freischneiden.

    Eine kostengünstige Alternative dazu ist der „Zaun vor dem Zaun„, d.h. einen Streifen auszäunen, in dem sich Gehölze in Form von Naturverjüngung von selbst etablieren. Wir mussten im Frühjahr 2020 einen zweiten Zaun vor den anderen setzen, weil immer wieder Spaziergänger unsere Pferde gefüttert haben. Außerdem war der alte Holzzaun schon marode, nicht mehr zu erhalten und die Pappeln wurden von den Pferden geschält. Es ist faszinierend und beeindruckend, wie schnell in diesem Streifen eine Gehölzentwicklung stattfindet. Es wachsen unter anderem Eichen, Weißdorn, Roter Hartriegel und Hundsrose auf – viel schneller und vitaler als in der gepflanzten Hecke am Reitplatz.

    Der folgende Bildvergleich zeigt, wie schnell eine Hundsrose größer werden konnte seit sie vor Verbiss durch den zweiten Zaun geschützt ist. Bei einer sehr extensiven Beweidung würden Gehölze natürlich auch von allein aufwachsen und mit geringem Verbiss gut klar kommen. Aber wo es sich anbietet, kann man durch so eine einfache Maßnahme wie ein zweite Litze die Etablierung von Hecken fördern.

    April 2019
    September 2025

    Laut Fartmann et al. (Insektensterben in Mitteleuropa) konnten in schleswig-holsteinischen Wallhecken ca. 7000 Tierarten (v.a. Insekten) nachgewiesen werden. Nach Angaben bei Westphal (Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft) wurde folgende Anzahl an Tierarten in Feldhecken gezählt:

    • 45 Säugetiere
    • 50 Vögel
    • 8 Reptilien
    • 7 Amphibien
    • 800 Käfer
    • 115 Schmetterlinge
    • 110 Schlupfwespen
    • 24 Wildbienen
    • 2000 Mücken und Fliegen
    • 86 Wanzen
    • 29 Zikaden
    • 7 Heurschrecken
    • 60 Spinnen
    • 30 Schnecken

    Von Gehölzen umrahmte Weideflächen trocknen auch während Dürrephasen nicht so schnell aus wie vom Wind und der Sonne ausgelieferte Vegetationsdecken.

    Und auch für die Weidetiere liegen die Vorteile auf der Hand. Sie haben einen Windschutz und können die Bäume und Sträucher über den Zaun beknabbern. Beispielsweise enthalten Hagebutten sehr viel Vitamin C, Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Eisen etc., Flavonide, Gerbstoffe und wirken abwehrsteigernd, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Oder Weißdorn, der bekannt ist für seine unterstützende Wirkung für das Herz-Kreislauf-System und ebenfalls reich an Mineralstoffen ist.

    Aber neben den vielen Vorteilen für den Erhalt der Artenvielfalt sowie für die Weidetiere gibt es aus meiner Sicht noch einen Aspekt von Gehölzen als Umrandung von Weideflächen – das schönere Landschaftsbild:

    Und hier noch folgende Literaturempfehlungen:

  • Tagfalter Transekt 2025

    Tagfalter Transekt 2025

    Hier kommt das jährliche Update zu den Ergebnissen des Tagfalter-Transektes. In der folgenden Tabelle ist die Anzahl der beobachteten Tagfalter für die letzten fünf Jahre, inklusive 2025 aufgelistet.

    Ein absolutes Highlight in diesem Jahr war der Segelfalter (Iphiclides podalirius), denn er kommt eigentlich eher im südöstlichen Brandenburg, vor allem in den Bergbaufolgelandschaften vor. Hier eine Darstellung aus dem Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands:

    Der Segelfalter besiedelt nach Gelbrecht et al. (2016) in Brandenburg trocken-warme bis heiße Standorte, stark besonnte Sandböden, Heiden oder Stromtrassen und braucht als Raupenfutterpflanze Prunus-Arten wie Schlehe (Prunus spinosa), Traubenkirsche (Prunus padus, P. serotina) oder Felsenkirsche (Prunus mahaleb).

    Insbesondere Felsenkirsche kommt bei uns in der Region Werder/Havel häufig vor, weil sie als Unterlage für Kirschen benutzt wurde. Das Transekt ist entlang einer Pappelreihe mit Felsenkirsche im Unterwuchs (Siehe Foto), aber auch Schlehen sind bei uns als Element in den Hecken häufig anzutreffen. Der adulte Falter braucht blütenreiche Flächen und bevorzugt lila, blaue und weiße Blüten wie beispielsweise Disteln (Cirsium spec, Carduus spec.), Natternkopf (Echium vulgare) oder Flockenblumen (Centaurea spec.). Bei uns hab ich den Segelfalter an Graukresse (Berteroa incana) saugen sehen – was sonst…

    Der Segelfalter ist nach Angaben des Verbreitungsatlas in Deutschland gefährdet (Rote Liste 3) und der langfristige Bestandstrend ist stark rückläufig. Die Ursachen sind vor allem Pestizideinsatz sowie die Verschlechterung der Larvalhabitate durch Sukzession, Aufforstung, Eutrophierung, aber auch Entbuschung. Somit ist der Segelfalter ein schönes Beispiel dafür, dass wir zum Erhalt der Artenvielfalt Habitatkomplexe aus blütenreichen, ungedüngten, ungespritzten Wiesen, Weiden und Büschen brauchen – extensiv genutzte Weidelandschaften eben 😉

    Aber abgesehen vom Segelfalter sind die Zahlen dieses Jahr wieder ernüchternd. Trotz der vielen Begehungen konnten nur 13 Arten mit insgesamt 36 Individuen gezählt werden. Vier der 17 Begehungen waren sogenannte Nullbegehungen, d.h., es konnten gar keine Tagfalter erfasst werden. Von den erfassten Arten war der Grünader-Kohlweißling (Pieris napi) mit 15 Individuen die häufigste Art. Sie stellt wenig Ansprüche an ihren Lebensraum und ihre Futterpflanzen für die Raupen sowie adulten Tiere. Ansonsten kam noch das Tagpfauenauge (Aglais io) mit fünf Individuen stetig vor, welches Brennnessel als Raupenfutterpflanze nutzt, die häufig auf unseren Weiden vorkommt.

    Unsere Weiden sind ja leider auch in Betrachtung der Zusammensetzung der Pflanzen sehr arten- und vor allem blütenarm, auch wenn wir uns so viel Mühe geben, das zu ändern…

    Unsere Weiden liegen dabei aber auch in einem allgemeinen Trend des Rückgangs vor allem von spezialisierten Arten. Hier eine Gegenüberstellung der Tagfalter auf einer artenreichen Wiese in Thüringen aus dem Artikel „Das Artensterben vor dem Artensterben“ in der Zeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung.

    Wir erleben also innerhalb einer Generation den dramatischen Verlust von Artenvielfalt. Das Fazit aus dem Artikel lautet dabei wie folgt:

    • Eine artenreiche Wildblumenwiese allein ist keine Garantie für eine große Vielfalt an Tagfaltern. Kräuter und Stauden allein reichen dafür nicht aus.
    • Erst die passenden heimischen Gehölze im Umfeld sichern das Überleben vieler Blütenbesucher. Sie spielen eine primäre Rolle für die Biodiversität und die potenzielle tierische Nutzbarkeit von Lebensräumen.
    • Es müssen unterschiedliche Lebensraumstrukturen im direkten Umfeld vorhanden sein. Beispiel Waldrand, Hecke mit Wildblumensaum, Uferstreifen mit Hochstauden oder Bach. Stichwort Biotopmosaik und -vernetzung. Ein beträchtlicher Teil der Arten ist genau deswegen verschwunden, weil die Landschaft drumherum standardisiert und denaturiert wurde.

    Was können wir dabei konkret als Pferdehalter tun, um dem allgemeinen Abwärtstrend zu begegnen?

    • Vermeidung von Überbeweidung, (damit Pflanzen zum blühen kommen können)
    • Verzicht auf Nachmulchen von „Weideresten“ und Abschleppen (mechanische Zerstörung von Eiern und Puppen)
    • Verzicht auf Düngung und Pestizide (der Verlust von artenreichen Wiesen und Weiden hängt vor allem mit der Eutrophierung zusammen und Gift ist nun mal giftig…)
    • Förderung bzw. Zulassen von Gehölzaufwuchs (z.b. kommen von allein: Schlehe, Brombeere, Weißdorn, Rose, Eiche)
    • Förderung von Blühstreifen beispielsweise durch Auszäunen von Teilbereichen

  • Leidenschaft

    Leidenschaft

    Unter dieser Unterschrift ist in der aktuellen Ausgabe (II/2025) des ekor Magazins ein Artikel zum Thema Selbstversorger erschienen, bei dem wir unsere Haltergemeinschaft ebenfalls vorstellen durften.

    Im Alltag vergisst man ja manchmal, was für ein Glück es ist, dass man Pferde in Eigenregie halten kann. Oftmals konzentriert man sich zu sehr auf die negativen Aspekte einer Haltergemeinschaft wie zwischenmenschliche Anspannungen, Zäune freischneiden, diverse Reparaturen, abäppeln, Schimmelballen entsorgen, Graukresse zupfen, all die täglichen großen und kleinen Katastrophen. Aber es ist auch ein Privileg, dass man all das entscheiden darf: Muss der Heuballen weg, ab wann füttern wir wieder Heu dazu, welche Weide machen wir auf oder zu, wie schaffen wir der Graukresse Herr zu werden?

    Im Austausch mit anderen Pferdehaltern höre ich oft, dass schimmeliges Heu eben nicht entsorgt wird, das eben nichts gegen Graukresse unternommen wird. Im Gegenteil, man muss sogar befürchten, rausgeworfen zu werden, wenn man Kritik äußert. All die Sorgen, die man sich um sein Pferd macht, wenn wieder neue Pferde in die Herde kommen, teilweise mit Eisen hinten und man allen Launen der Stallbetreiber ausgeliefert ist. All die Ängste und Sorgen, das Gefühl der Hilflosigkeit kam mit dem Artikel in der ekor wieder hoch und ich bin so froh, dass wir aktuell unsere Pferde auf zehn Hektar so naturnah wie möglich halten können.

    Und natürlich wurde in dem Artikel auch die Verbindung zwischen artgerechter Pferdehaltung und Naturschutz aufgegriffen. Und das ist ja meine Leidenschaft – neben Assan – für den ich all das mache, durchstehe, aushalte – der Gedanke, dass wir auch mit „normalen Hauspferden“ Naturschutz machen können. Wir müssen nur wollen und bestem Beispiel voran gehen.

  • Faktencheck Artenvielfalt

    Faktencheck Artenvielfalt

    Mehr als 150 Wissenschaftler*innen aus 75 Institutionen haben einen beeindruckenden Bericht zur Lage der Artenvielfalt in Deutschland herausgebracht. Man kann den Bericht vollständig oder als Zusammenfassung, kostenlos herunterladen:

    https://www.feda.bio/de/das-ist-faktencheck-artenvielfalt/

    Zunächst ein paar harte Zahlen und Fakten:

    • Von den ca. 72.000 einheimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind ein Drittel gefährdet, drei Prozent sind bereits ausgestorben.
    • 60% der Lebensraumtypen sind in einem schlechten Erhaltungszustand.
    • 69% der Offenland-Biotope gelten als langfristig gefährdet, 80% davon nehmen immer weiter ab, z.b. artenreiche Äcker, intakte Hochmoore und Grünland.
    • Die Populationen von Vögeln im Agrar- und Offenland sind in knapp 40 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen.
    • 30.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel werden jährlich ausgebracht und schädigen Bodenlebewesen und Insekten.

    Im Folgenden möchte ich zwei Auszüge zitieren, die im direkten Zusammenhang mit dem Thema Artenvielfalt (Pferde) -Weide stehen:

    „In Landlebensräumen haben vor allem die Zerstörung und Zerschneidung von Habitaten zu einer Abnahme der biologischen Vielfalt beigetragen. In der Agrar- und Offenlandschaft hat die Flurbereinigung durch die Entfernung von Hecken, Wegrändern und Kleingewässern die Habitatvielfalt stark verringert. Artenreiche Wiesen und Weiden wurden und werden für die Anlage von artenarmen Hochleistungsgrünländern oder für die Ackernutzung umgebrochen. Nahezu verschwunden sind baumarten- und strukturreiche historische Waldnutzungsformen wie Nieder-, Mittel- und Hutewälder, die für die Artenvielfalt von Insekten und Vögeln des Waldes eine große Bedeutung haben.„

    „Zur Intensivierung der Landnutzung gehören die Aufgabe von Fruchtfolgen, der Einsatz von Dünger, Pestiziden und schweren Landmaschinen, der Anbau von Kulturgräsern und der Rückgang der extensiven Beweidung.“

    Und hier sehe ich auch eine Mitverantwortung bei Pferdehaltern, weil sie einen erheblichen Anteil am Grünland nutzen und indirekt Einfluss auf die Art und Weise der Heugewinnung nehmen können. An dieser Stelle Beispiele zu nennen, würde zu weit führen und letztlich widmet sich der ganze Blog dem Themenfeld der Verbindung von Pferdehaltung und Naturschutz.

    Ich möchte nur einen Aspekt rausgreifen und dabei geht es um die einfache und bestechend logische Erkenntnis, dass mit der Anzahl der Pflanzenarten in einem Ökosystem auch die Diversität der von ihnen abhängigen Tier-, Pilz- und Mikroorganismenarten steigt. Und diese Vielfalt überträgt sich auch auf das Nahrungsnetz räuberischer Tierarten.

    Aber Pflanzenvielfalt kann es nur geben, wenn die Flächen nicht übernutzt und überdüngt werden. Außerdem dürfen sich keine invasive Neophyten wie die Kanada-Goldrute ausbreiten. Invasive Arten gehören laut dem Faktencheck zu den „Direkten Treibern“ für den Verlust von Artenvielfalt neben Verschmutzung, Klimawandel sowie Änderungen der Landschaftsstruktur und Landnutzung.

    Folgende Grafik zeigt, warum Neophyten so negative Folgen für die Biodiversität haben. Sie haben einen relativ geringen ökologischen Wert, sind aber ein Platzräuber für Pflanzenarten, die mehr Artenvielfalt generieren könnten.

    Ich würde keine Neophyten in Gärten oder Parks anpflanzen oder sogar dulden. Aber wie oft sieht man z.b. Kanada-Goldrute als dekorative Pflanze im Garten, die sie ja unzweifelhaft ist, aber von dort kann sie ihre Samen überall hin verbreiten und die letzten Refugien der Natur für sich vereinnahmen. Denn leider erobern invasive Neophyten wie Kanada-Goldrute, Japanischer Staudenknöterich, Indisches Springkraut oder Riesen-Bärenklau die restlichen verbliebenen kleinen Naturrelikte wie Brachen, wilde Ecken, Säume oder wie bei uns – extensiv genutzte Weiden…

    schmaler Saum am Ackerrand mit Kanada-Goldrute
    Schafe im Einsatz gegen die Kanada-Goldrute
    Der Mulcher im Einsatz gegen die Kanada-Goldrute
  • Eutrophierung der Landschaft

    Eutrophierung der Landschaft

    Eine der Ursachen für den rasanten Artenschwund und dem Verlust der Biodiversität ist die Eutrophierung, also die Überdüngung der Landschaft. Neben dem aktiven Ausbringen von Mineraldünger und Gülle haben wir es mit immensen Nährstoff-Frachten und Stickstoffeinträgen aus der Luft zu tun. Diese Stickstoff-Depositionen kommen aus den Überschüssen der Landwirtschaft und der Verbrennung fossiler Energien (Verkehr, Industrie). In unserer Region entspricht der Eintrag aus der Luft nach dem Umweltbundesamt ca. 20-30kg Stickstoff pro Hektar und Jahr…

    Und wer sich die Rote Liste der Pflanzen anschaut, wird feststellen, dass vor allem Arten gefährdet sind, die auf nährstoffarmen Standorten vorkommen. Wie beispielsweise die Wiesen- oder Kuhschelle (Pulsatilla pratensis), die heute in Brandenburg auf wenige reliktische, verinselte Vorkommen begrenzt ist und sich nicht mehr ausbreiten oder genetisch austauschen kann. Die Kuhschelle ist quasi unser Breitmaulnashorn – es gibt nur noch wenig Individuen, die lokal sehr begrenzt vorkommen, überaltert, anscheinend auch unfruchtbar (?) sind und in botanischen Gärten oder an einigen Sonderstandorten beim Aussterben begleitet werden.

    Ernst Klapp zählte die Wiesen-Küchenschelle hingegen zu den wichtigsten Kenn- und Zeigerarten der basen- und kalkreichen Trockenrasen, wobei er sich „auf die häufigeren und gleichwohl charakteristischen Arten“ beschränkt hat (Klapp [1954], Wiesen und Weiden). Zu diesen Kennarten zählte er auch Großes Schillergras (Koeleria pyramidata), Taubenskabiose (Scabiosa columbaria), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Stengellose Kratzdistel (Cirsium acaule), Frühlingsfingerkraut (Potentilla verna) oder Dornige Hauhechel (Ononis spinosa).

    Wer kennt diese Arten heute noch oder hat sie schon einmal gesehen (abgesehen von einigen Botanikern)? Diese Pflanzenarten sind extreme Stickstoffarmutzeiger, weitgehend aus unseren modernen Wiesen und Weiden verschwunden und nach der Roten Liste Brandenburg gefährdet. Nur noch auf Sonderstandorten wie Bergbaufolgelandschaften oder ehemaligen Truppenübungsplätze wird man nährstoffarme Verhältnisse und damit seltene Flora und Fauna finden. Deshalb sind diese Flächen so wertvoll für den Naturschutz wie beispielsweise die Döberitzer Heide. Aber auch solche Flächen müssen beweidet und/oder gemäht werden, um die Artenvielfalt zu erhalten.

    „An der Zusammensetzung des deutschen Grünlandes sind weit mehr als 1000 Arten höherer Pflanzen beteiligt“ (Klapp, [1954:78]). Auf wie viele Arten kommen wir heute im Grünland, beispielsweise auf einer tpyischen Pferdeweide? Also auf unserer Weide dominieren die Nährstoffzeiger wie Brennnessel (Urtica dioica), Stumpfblättriger Sauerampfer (Rumex obtusifolius), Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Landreitgras (Calamagrostis epigejos), Löwenzahn (Taraxacum officinale agg.) oder Kanada-Goldrute (Solidago canadensis).

    Deshalb bin ich immer wieder erstaunt, wenn nett gemeinte Tipps lauten, dass man auch mal düngen muss. Nein, im Gegenteil, man muss die Flächen aushagern, also mähen (nicht mulchen!) und beweiden, um immer wieder die oberirdische Biomasse abzuschöpfen und gegen die allgemeine Eutrophierung der Landschaft anzukämpfen.

    Denn bei eutrophen Verhältnissen werden einige wenige Pflanzenarten dominieren, einfach weil sie sehr konkurrenzstark sind. Eine Kuhschelle würde sich natürlich auch über viel Nahrung freuen, aber sie ist konkurrenzschwach und an den Sonderstandort Trockenrasen angepasst, an dem eine Brennnessel „verhungern“ würde. Wie alle Hahnenfußgewächse ist die Kuhschelle giftig und wurde vermutlich in früheren Zeiten vom Weidevieh gemieden bzw. regelrecht freigestellt.

    So wie auch beispielsweise das Katzenpfötchen (Antennaria dioica) heute vom Aussterben bedroht ist und ich zwar die Ehre hatte mit einem Botaniker einen der letzten bekannten Standorte in Brandenburg aufzusuchen, aber leider ohne Erfolg – auch dieses Vorkommen scheint erloschen zu sein.

    Klapp [1954:344] schrieb: „Auf Magerweiden finden sich zahlreiche bodennahe Rosettenunkräuter: auf Trockenrasen die Stengellose Distel (Cirsium acaule) und die Silberwurz (Wetterdistel, Carlina aucaulis), auf Mager- und Ödlandweiden Habichtskräuter (besonders Hieracium pilosella, und Ferkelkräuter (besonders Hypochoeris radicata), auf Heiden Katzenpfötchen (Antennaria) und Bergwohlverlei (Arnica). Bei extensiver Nutzung sollte man sie gewähren lassen, bei Intensivierung von Düngung und Nutzung treten sie rasch zurück.“

    Es gab eine Zeit, in der die Mineraldüngung ein Segen war, aber das Pendel ist zu sehr in eine Richtung ausgeschlagen – Heute wird es Zeit umzudenken.

  • Pferd und Gehölz

    Pferd und Gehölz

    Es gibt ein neues, wunderbares Buch von Dr. Renate Vanselow, das aufzeigt warum „Gehölze ein unverzichtbarer Bestandteil der Weidetierhaltung“ sind.

    Mit einem historischen Exkurs nimmt uns die Autorin mit in die Zeit der großen Pflanzenfresser die einst unsere Landschaft mitgestaltet haben wie Riesenhirsch, Auerochse, Wisent, Wildpferd & co. Damit wir zunächst verstehen, warum so viele Arten an halboffene Weidelandschaften angepasst sind und wie später Nutztiere entsprechende Schlüsselfunktionen im Ökosystem übernommen haben:

    „Das Ökosystem Fraßsavanne konnte so naturnah Jahrtausende lang überdauern. Die Gärtner, also die fressenden Tiere, waren vom Menschen einfach nur ausgetauscht worden. Die Weidelandschaft blieb das artenreiche, verbuschte Mosaik aus kurzgefressenem Rasen, staudenreichen Wiesen, einzeln stehenden Schirmbäumen, Gebüschen und Wäldern unzugänglicher Orte, durchzogen von Trampelpfaden.„

    Und sie erklärt warum gleichzeitig Weidetiere, insbesondere auch Pferde an halboffene Weidelandschaften angepasst sind: „… im Laubfutter finden sie Mineralfutter, ihre natürliche Apotheke, den Witterungsschutz, Sichtschutz für Ruhezonen, während in den Gehölzen die Insektenfresser zur Tilgung ihrer Parasiten heranwachsen.“

    Gehölze sind nicht zuletzt mineralreiches Zusatzfutter. Bereits geringe Mengen an Laub können den Bedarf an Kalzium, Magnesium, Kalium und Natrium decken, denn viele Gehölze sind (wie Kräuter ja auch) zugleich Heil- und Giftpflanze. Die Autorin listet dabei die Wirkungen der verschiedenen Gehölze und ihre Gehalte an Mineralien auf und erklärt, dass wie immer die Dosis das Gift macht.

    „Der beste Schutz gegen Viehvergiftungen ist auch der beste Schutz gegen Ausbrüche aus Viehweiden: ein ausreichendes Futterangebot.“

    Das heißt, Vielfalt auf der Weide ist der beste Schutz vor Vergiftung, Futter ist der beste Zaun und der zweitbeste Zaun ist eine zusätzliche Hecke. Und so wird ausführlich die kulturhistorische Entstehung und besondere Bedeutung der Hecken und Wallhecken (Knicks) für die Artenvielfalt, als „lebendige Zäune und Apotheke der Natur“ beschrieben. Ursprünglich angelegt, um kleine Ackerschläge vor dem Weidevieh zu schützen, später, um die Weidetiere darin zu halten. Hier eine schöne Beschreibung aus dem Jahr 1932 über die Knicks in Schlwesig-Holstein:

    „… die Tiere fressen sich wohl auch an den mancherlei bitteren Kräutern und Blättern, die der Knick bietet, bei Krankheiten wieder gesund.„

    Leider sind solche Strukturen und Landschaftselemente vielerorts der Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Deshalb wird es Zeit, wieder mehr Gehölze in unsere Kulturlandschaft zu bringen. Und dafür gibt es ein ganzes Kapitel mit Praxistipps für die Pferdehaltung, wie man wieder Gehölze auf Viehweiden etablieren kann, was man dabei hinsichtlich der Grünlandprämien, der Auswahl der Gehölze oder dem Schutz und der Pflege beachten sollte.

    Es wird außerdem dargestellt, warum die Intensivierung, Überdüngung und Artenverarmung des modernen Grünlandes unsere Pferde krank macht und warum das rasante Artensterben unweigerlich mit der Trennung von Wald und Weide, der Flurbereinigung und Intensivierung der Landwirtschaft zusammenhängt.

    Mit diesem Buch wird einmal mehr deutlich, das Pferdehalter nicht nur die Verantwortung für eine artgerechte Haltung, Gesundheiterhaltung und dem Wohlbefinden unserer geliebten Vierbeiner tragen, sondern auch für den Erhalt der Biodiversität. Denn es gibt sonst kaum noch Weidetiere in der Landschaft, die Schlüsselfunktionen im Ökosystem übernehmen können. Und hier gibt uns die Autorin viele Anregungen und Tipps auf den Weg, wie wir unserer Verantwortung gerecht werden, für unsere Pferde und für die Natur.

    Und hier noch zwei Auszüge aus dem Buch Pferd und Gehölz mit freundlicher Genehmigung des Starke Pferde Verlages:

  • Ein Garten für Insekten, Pferde und Menschen

    Ein Garten für Insekten, Pferde und Menschen

    Inspiriert von dem wunderbaren Naturgarten eines lieben Arbeitskollegen wollte ich auch einen schönen Staudengarten für Insekten, Vögel und Reptilien etc. anlegen.

    Im Herbst 2022 habe ich also begonnen einen ehemaligen, verwilderten Bauerngarten zumindest teilweise wieder zu ertüchtigen, um im Frühjahr 2023 Stauden zu pflanzen, die bei Insekten besonders beliebt sind und gleichzeitig mit unserer brandenburgischen Sommertrockenheit klar kommen:

    • Prachtscharte
    • Fetthenne
    • Färber-Kamille
    • Anis Ysop
    • Oregano
    • Lavendel
    • Steppen-Salbei
    • Gewöhnliche Braunelle
    • Graue Skabiose
    • Berg-Bohnenkraut
    • Bergminze

    Im Schattenplatz, der auch durch die Vogeltränke etwas feuchter ist, habe ich verschiedene Storchschnabel- und Knötericharten wie Wald-Storchschnabel oder Schlangenknöterich gepflanzt.

    Von allein kamen noch unter anderem Wilde Möhre, Mohnblume, Hopfen- und Rotklee dazu, die ich natürlich als wertvolle Ergänzung willkommen heiße.

    Holzstämme, die gleichzeitig eine optische Begrenzung darstellen, wurden sofort von Holzbienen angenommen. Und wenn man mal so einen Holzstamm oder liegendes Totholz anhebt, erkennt man auch selbst den Wert, denn alle möglichen Käfer, Asseln, Würmer und Schnecken tummeln sich darunter und darin.

    Und natürlich darf auch eine Lehmschale als Baumaterial für Wildbienen und Rauchschwalben sowie die obligatorische Vogeltränke nicht fehlen.

    Einen Naturgarten anzulegen, Vögel und Insekten anzulocken ist dabei nicht völlig altruistisch: Neben den positiven Effekten für die Natur tut ein Garten auch uns Menschen gut. Denn es ist schön einfach nur dazusitzen, in einer kleinen Naturoase und Tagfalter, Bienen und Vögel zu beobachten:

    „…und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“ (Pippi Langstrumpf)

    Dieses Jahr wird der Garten noch um einen Kräutergarten erweitert. Dabei sollen vor allem Kräuter gepflanzt und ausgesät werden, die bei Husten, Stress und Magen-Darm-Problemen helfen sollen – bei Pferden. Aber sicherlich hilft es auch bei Menschen 😉

  • Artgerechte Pferdehaltung?

    Artgerechte Pferdehaltung?

    Dieser Blog enthält mittlerweile viele Einträge zur Themenwelt Artenvielfalt, Weidepflege, Insektenschutz etc., aber noch keine Gedanken zur Frage:

    Was ist eigentlich eine artgerechte Pferdehaltung?

    Anlass, das nachzuholen, ist das Buch von Marlitt Wendt: Die Rechte der Pferde – Ein Plädoyer für Tierwohl und Ethik.

    Zunächst stellt die Autorin klar, dass es einen Unterschied zwischen „natürlich“ und „artgerecht“ gibt, weil die Natur keine Tierhaltung vorgesehen hat und wir nicht die Möglichkeit haben, „unserem Pferd seine eigene kleine Wildnis zu schaffen„.

    Es gibt zwar Beweidungsprojekte im Sinne des Naturschutzes mit naturnaher Haltung von Pferden, Rindern und Wasserbüffeln auf großen Flächen (d.h. >100 Hektar) und einer vielfältigen Lebensraumausstattung aus Weiderasen, Hochstaudenfluren, Feuchtwiesen, Trockenrasen, Gebüschen, Gewässer, Wald usw., wie beispielsweise in der Döberitzer Heide oder auf den ehemaligen Rieselfeldern in Hobrechtsfelde:

    Aber die „normale“ Pferdehaltung ist doch meist eher trostlos, ein fremdgesteuertes Pferdeleben mit vorgegebenen Fresszeiten, auf vegetationslosen Paddocks oder maximal reizarme, viereckige Weiden. Die einzige Abwechslung ist ein ständiges Rein, Raus neuer Pferde mit all den verbundenen Verletzungen, seelisch und körperlich …

    Seit ich vor 13 Jahren in dem Beweidungsprojekt Hobrechtsfelde gearbeitet und zeitgleich selbst ein Pferd gekauft habe, ist es deshalb mein Traum, die extensive Beweidung großer Flächen und einer (aus meiner Sicht) artgerechten Pferdehaltung zu verbinden. Denn wir haben auf der einen Seite wahnsinnig viele Reiterhöfe mit zu vielen Pferden auf zu wenig Fläche und auf der anderen Seite die Erfordernisse zur extensiven Beweidung, um die Artenvielfalt zu erhalten.

    Und da gebe ich der Autorin absolut recht, wenn wir schon Pferde halten wollen – allein um unsere Bedürfnisse nach Erfolg, Partner-Ersatz, Geltung, Followern oder was auch immer zu befriedigen – sollten es unsere geliebten Vierbeiner dann nicht so gut wie möglich haben? Denn wir brauchen Pferde ja nicht mehr vor dem Pflug, vor der Kutsche oder als Transportmittel. (An dieser Stelle sei auch gleich noch das Buch von Ulrich Raulff: Das letzte Jahrhundert der Pferde empfohlen.)

    Und hier nähert Sie sich dem Thema über die Leitlinien zur Pferdehaltung sowie dem Tierschutzgesetz und interpretiert, was das für Pferde bedeutet bzw. bedeuten sollte. Beispiehaft ein Auszug aus dem TierSchG:

    §1

    Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

    §2

    Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

    1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
    2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
    3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

    Und sie setzt sich mit den Five Freedoms des Farm Animal Welfare Committee auseinander:

    1. Freedom from hunger or thirst by ready access to fresh water and a diet to maintain full health and vigour
    2. Freedom from discomfort by providing an appropriate environment including shelter and a comfortable resting area
    3. Freedom from pain, injury or disease by prevention or rapid diagnosis and treatment
    4. Freedom to express (most) normal behaviour by providing sufficient space, proper facilities and company of the animal’s own kind
    5. Freedom from fear and distress by ensuring conditions and treatment which avoid mental suffering

    Ich finde es lohnt sich, über alle Punkte in Ruhe nachzudenken und mit der Lebenssituation des eigenen Pferdes abzugleichen. Kann ich all diese Freiheiten, auch die Freiheit von Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten gewährleisten? Wir wissen, wie schwierig es sein kann, Lahmheiten bei Pferden zu entdecken oder Schmerzen, beispielsweise Zahnschmerzen zu bemerken etc. Auch die Freiheit von Angst und Leiden, ist es fair, mit dem Pferd allein auszureiten, wenn es nicht daran gewöhnt wird und dem Menschen nicht vertraut? Wenn es Trennungsangst hat, beim Umzug, Wochenendkurs, Turnier etc.? Ist es fair, bei der Ausbildung des Pferdes grob und ungeduldig zu werden, weil man selbst Fortschritte machen möchte?

    Und ich weiß auch, wie sehr man in einem Pensionsbetrieb ausgesetzt sein kann, wenn sich beispielsweise Rahmenbedingungen nach dem Einzug ändern. Will man dann jedes Mal dem Pferd einen Umzug zumuten oder soll das Pferd alles aushalten und ertragen? Müssen wir alles aushalten und ertragen? Wir müssen auf jeden Fall ständig entscheiden, was schlimmer ist, Matschpaddock, schimmliges Heu, Giftpflanzen oder ein Umzug?

    Ehrlich gesagt, musste ich bei der Interpretation der Autorin der Five Freedoms ziemlich schlucken und über vieles nachdenken. Leider auch darüber, dass unsere Haltungsform nicht für alle Pferde geeignet ist und Pferde wegen Hufrehe ausziehen mussten. Es ist nicht immer alles so, wie man sich das wünscht oder sich gedacht hat und vieles hat man schlichtweg nicht in der Hand.

    Dabei macht die Autorin weiterhin klar, dass es aus ihrer Sicht nicht ausreichend ist, dass Pferde keine Schmerzen haben, ihnen kein Leid zugefügt wird und sie vernünftig versorgt werden, sie geht noch einen Schritt weiter:

    „Vielmehr bedeutet Wohlbefinden sowohl Abwesenheit von Leid und Krankheit als auch einen Zustand, der geprägt ist von positiven Gefühlen, Sicherheit und der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Wohlbefinden bedeutet, dass unser Pferd in möglichst vielen oder gar sämtlichen Lebensbereichen Wahlmöglichkeiten hat. Es muss selbst entscheiden können, ob es den Schatten aufsucht oder sich der Sonne zuwendet, es soll sich von einzelnen Pferden distanzieren und andere gezielt aufsuchen können oder jederzeit seinen Durst mit frischem sauberen Wasser stillen können.

    Eine Vielfalt an Wahlmöglichkeiten bedeutet für das Pferd das Erleben der so wichtigen Selbstwirksamkeit. Es erfährt, in der Lage zu sein, seinen eigenen Zustand positiv zu verändern. Es lernt so, dass es sein Leben aktiv steuern kann und nicht immer wieder hilflos unabänderbaren Situationen gegenübersteht.“

    Diese beiden Absätze haben mich dann wieder in unserer Art der Pferdehaltung bestätigt, auch wenn sie nicht für alle Pferde geeignet ist. Unsere Pferde können jederzeit selbstbestimmt fressen, dösen, schlafen, spielen, erkunden. Wir haben keine vorgegebenen Laufwege in Form von „Trail-Labyrinthen“, keine Fresszeiten oder sogar Futterautomaten, um das zu imitieren, was in der Natur der Pferde liegt: Langsame Nahrungsaufnahme über den Tag und die Wegstrecke verteilt in Form von Grasen 😉

    Und noch eine schöne Empfehlung von Marlitt Wendt:

    Jeder sollte bei sich selbst anfangen, Gutes zu tun und zu verbessern, was man selbst in der Hand hat. Es wäre schön, wenn wir aufhören könnten, mit dem Finger auf andere zu zeigen und stattdessen anfangen könnten freundlich zu sein. Freundlich zu uns selbst, freundlich zu unseren Stallkollegen, unseren Mitmenschen und allen Tieren.

    .

  • Hecken

    Hecken haben einen hohen ökologischen Wert als Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Artengruppen wie beispiesweise Insekten oder Vögel sowie für den Biotopverbund, vor allem in der „ausgeräumten“ Agrarlandschaft.

    Nach dem empfehlenswerten Buch „Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft“ von Uwe Westphal gibt es in Feldhecken ca. 800 Käferarten, über 100 Schmetterlingsarten, unzählige Wildbienen, Wespen, Mücken, Fliegen, Zikaden, Heuschrecken, Spinnen und über 50 Vogelarten. Typische Heckenbrüter sind beispielsweise Neuntöter, Sperbergrasmücke, Mönchsgrasmücke, Klappergrasmücke, Gartengrasmücke, Goldammer, Nachtigall oder Zilpzalp.

    Auch die Früchte dorniger Sträucher wie Hagebutten sind sehr beliebt bei vielen Tiergruppen und vor allem sehr gesund, auch für Pferde. Und wenn solche Gebüsche randlich von Weidetieren beknabbert werden, bilden sie ein undurchdringliches Gestrüpp und bieten auf diese Weise vielen Tieren Deckung, Versteck- sowie Nistmöglichkeiten.

    Aber warum bieten Hecken eigentlich so vielen Arten einen Lebensraum? Ursprünglich haben große Pflanzenfresser wie Wildpferd, Auerochse, Wisent & co. unsere Landschaft mitgestaltet. Dabei haben sich vor allem mit Dornen bewehrte Gehölze wie Wildrosen, Schlehen, Weißdorn, Brombeere oder Wildbirne in den Weidelandschaften durchgesetzt. Teilweise bilden sie Gebüschinseln und in hier können sich widerum Bäume etablieren (siehe Schema zur Vegetationsabfolge aus Bunzel-Drüke et al. 2008). Die Bäume können zu stattlichen Solitärbäumen heranwachsen und irgendwann stirbt das Gebüsch im Schatten ab. Und so besteht eine Weidelandschaft aus einem räumlichen und zeitlichen Mosaik aus offenen Trittstellen, Weiderasen, Krautsäumen, verschiedenen Stadien der Verbuschung, Solitärbäumen (v.a. Eichen) bis hin zu Waldinseln. Dieser reichhaltige Baukasten der Natur wurde mancherorten noch durch Tümpel, Flüsse, Überschwemmungen, Feuer, Bibertätigkeiten und viele weitere Elemente ergänzt.

    Und daran ist ein Großteil unserer heimischen Flora und Fauna angepasst. Viele Arten haben nach der Ausrottung der großen Pfanzenfresser geeignete Ersatzhabitate in der vom Menschen geformten Kulturlandschaft gefunden, zumindest bis zur Einführung der geregelten Forstwirtschaft und der industriellen Landwirtschaft.

    Heute bleibt uns aus dem ehemals gut bestückten Baukasten der Natur oft nur noch das „Werkzeug“ der Gebüsche in Form von angepflanzten Hecken als Lebensraumstruktur. Aber wer Weideland und auch die Möglichkeiten hat, könnte Bäume und Sträucher wieder mehr fördern, beispielsweise durch partielles Auszäunen, dem Verzicht auf Mulchen von Weideresten oder durch ein gezieltes Anpflanzen von gebietsheimischen Gehölzen. Ideal wäre dabei die Anlage einer mehrreihigen Hecke oder einer Baumreihe am Paddock, am Reitplatz oder entlang eines Trails.

    Bäume und Sträucher haben außerdem viele Vorteile für Pferd und Mensch: ein angenehmeres Mikroklima (vor allem im Sommer bei extrem hohen Temperaturen), Sonnenschutz, Windschutz, Erosionsschutz, gesunde Snacks in Form von Früchten und Zweigen.

    Und so haben wir auch eine Wildrosenreihe am Reitplatz angelegt und dabei folgende Arten verwendet:

    • Wildrosen (Rosa canina, R. corymbifera, R. rubiginosa, R. tomentosa, R. elliptica, Hagebutten enthalten viel Vitamin C, über 100 phytophage Insektenarten profitieren)
    • Weißdorn (Crataegus monogyna, Früchte sind gesund, vor allem für das Herz-Kreislaufsystem, über 300 phytophage Insekten)
    • Roter Hartriegel (Cornus sanguinea, die Blüten sind eine Bienenweide und ich finde einfach die Färbung schön, vor allem im Herbst ;-))

    Es hat übrigens unheimlich viel Spaß gemacht, die Sträucher zu pflanzen und es erdet ungemein. Dieses Bedürfnis im Frühjahr in der Erde zu wühlen und etwas anzupflanzen scheint ebenso fest in uns verankert zu sein, wie das Bedürfnis Tiere zu versorgen.

    Und wenn man die Möglichkeit hat, Gehölze zu pflanzen, ist es aus naturschutzfachlicher Sicht wichtig, gebietsheimische Gehölze zu pflanzen. So lockt beispielsweise der im Garten beliebte Schmetterlingsflieder (Buddleja spec.) zwar viele Schmetterlinge an, aber an ihm können sich keine Raupen entwickeln. Dagegen bietet Schlehe (Prunus spinosa) 126 Schmetterlingsarten eine Nektar- und Raupenfutterquelle oder Brombeere immerhin 77 Schmetterlingsarten. Oder der Zitronenfalter, einer der ersten Falter im Frühjahr: seine Raupen fressen nur am Laub vom Faulbaum (Frangula alnus) oder Kreuzdorn (Rhamnus cathartica).

    Falls jemand Lust bekommen hat, Bäume und Sträucher zu pflanzen, dem seien die zahlreichen Tipps des NABU, das oben genannte Buch über Hecken oder auch der Leitfaden zur Verwendung gebietseigener Gehölze empfohlen.

    Es gibt nichts gutes, außer man tut es. (Erich Kästner)

  • Der Wiedehopf – Vogel des Jahres 2022

    Ich habe ihn auch gewählt – diesen hübschen Punker der Hutelandschaften.

    Nach der Monographie aus dem Jahr 1952 von Hans Münch bevorzugt der Wiedehopf offenes Gelände mit alten Bäumen wie Viehweiden, Obstplantagen oder Wiesen und Weiden am Rande alter Laubwälder. Er ist ein Höhlenbrüter, der in unseren Breiten vor allem in Baumhöhlen beispielsweise in verlassenen Spechthöhlen brütet, in Südeuropa allerdings auch in Mauern nistet. Dabei sind ausreichende Mengen an Großinsekten als Nahrung für sich und seinen Nachwuchs entscheidend für seinen Lebensraum und die Brutplatzwahl, d.h. er braucht beides: artenreiches Grünland und alte Bäume.

    Bei Münch waren eine seiner Hauptsnahrungsquellen noch Maulwurfsgrillen, welche er heute wohl kaum noch finden wird. Er nimmt auch Heuschrecken, Käfer, Würmer, Schnecken, Spinnen, Raupen oder sogar kleine Zauneidechsen. Aber weil die Masse an Insekten in unserer intensiv genutzten Landschaft extrem abgenommen hat, wird er heute fast nur noch in Weidelandschaften wie der Döberitzer Heide mit Dunghaufen (ohne zu häufigen Einsatz von Ivermectin) fündig….

    Münch schrieb (1952!), dass der Wiedehopf „früher“ ein häufiger und allgemein weit verbreiteter Vogel war und sah die Hauptursachen für sein Aussterben im Rückgang der Viehhaltung und dem Mangel an geeigneten alten Bäumen mit Höhlen.

    In den letzten Jahren hat man im Naturschutz immer mehr Erfahrung mit künstlichen Nisthilfen gesammelt, um dem Wiedehopf zu helfen. Und so wollte ich auch gern einen Wiedehopf bei uns auf den Flächen ansiedeln und habe einen Wiedehopfkasten gebaut. Leider hat er ihn dieses Jahr noch nicht angenommen, vielleicht gefällt es ihm doch nicht so richtig bei uns. Eventuell sind die Flächen zu klein, die Insektenmasse zu gering oder ich muss noch etwas Geduld haben.

    Eine schöne Sammlung von Bauanleitungen für künstliche Nisthilfen für verschiedene Vogelarten, aber auch Fledermäuse, Insekten oder einen Igelunterschlupf findet man hier.

  • Naturschutz auf der Pferdeweide

    Wie geht das denn? Und nützt das auch den Pferden?

    Das aktuelle Heft der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ der VFD widmet sich dem „Thema Pferde halten – Natur schützen“ und zeigt Wege auf, wie sich Pferdehalter ihrer Verantwortung für den Naturschutz stellen können. In guten Beiträgen werden komplexe Zusammenhänge auf den Punkt gebracht und konkrete Anregungen für eine artgerechte Pferdehaltung, gesunde Weiden als Futtergrundlage und dem Schutz der Artenvielfalt aufgezeigt.

    Die Artikel sprechen mir dabei förmlich aus der Seele. Es wird beispielsweise erklärt, warum es eine WinWin-Situation wäre, wenn Freizeit-Pferdehalter Heu aus ungedüngten, spät geschnittenem, also proteinarmen, dafür kräuterreichen Wiesen füttern würden. Und auch eine extensiv genutzte, arten- und kräuterreiche Weide wäre für die meisten unserer Pferde besser geeignet als fruktanreiche Intensivgraslandschaften, die eher Rinderfutter sind. Pflanzenvielfalt, Blütenreichtum und auch mal was stehen lassen nützen dabei auch dem Insektenschutz. Ein ganzer Artikel widmt sich sogar speziell dem Insektensterben und was man auf der Weide dagegen tun kann. Zusammengefasst und stark vereinfacht:

    • Verzicht auf prophylaktische Wurmkuren
    • Verzicht auf Bremsenfallen
    • Verzicht auf Nachpflege, denn „Mähen tötet den Nachwuchs“ (Puppen- und Raupenstadien)
    • Verzicht auf rotierende Mähwerke und Mulchsammler
    • eine möglichst angepasste Anzahl an Pferden, damit Pflanzen Blüten ausbilden können

    Auch der Mehrwert von Hecken als Lebensraum, Biotopverbund, Windschutz und Knabberei für die Pferde wird aufgezeigt und welche Gehölze sich eignen, welche für Pferde giftig sind. Hecken und Gehölzreihen schützen die Weide auch vor Austrocknung in Dürreperioden. Und natürlich wird auch das Thema Giftpflanzen behandelt mit Tipps zur Eindämmung von Jakobskreuzkraut, Graukresse & co.

    Es wird beispielsweise beschrieben, dass die Graukresse in den letzten Jahren von der Trockenheit profitiert hat und sich vor allem auf übernutzten Weiden ausbreitet. Dagegen hilft nur eine nachhaltige Nutzung und wenn sie sich schon auf größeren Flächen ausgebreitet hat, ein Mulchen vor der Samenbildung im Juni.

    Auch die Themen Herbizid- und Düngemitteleinsatz sowie deren Nachteile für die Pferdegesundheit und Umwelt werden behandelt. Dabei kann man einen ganz einfachen Zusammenhang nicht oft genug betonen. Nur auf ungedüngten Wiesen und Weiden gibt es eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern, da sich ansonsten nur einige wenige konkurrenzstarke Arten ausbreiten und das nützt auch der Pferdegesundheit, denn „Wo Pferde gesund bleiben, herrscht bunte Vielfalt„.

  • Was ist Natur (-schutz)?

    Ich stelle immer wieder fest, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was „Natur“ ist. Und dementsprechend auch viele Missverständnisse, was dann eigentlich „Natur-Schutz“ ist….

    Für viele Menschen ist Wald die einzig wahre Natur. Aber kennen wir einen „natürlich“ aufgewachsenen Wald? Abgesehen von den Heiligen Hallen – ein 25Hektar kleines Waldstück, das sich seit dem 30-jährigen Krieg vermutlich selbst etabliert hat und zumindest seit Ende des 19. Jahrhunderts ohne menschlichen Einfluss, also sich selbst überlassen ist. Ansonsten kennen wir nur geregelte Forstwirtschaft, Holzplantagen angelegt in viereckigen Forstrevieren, meist auf Flächen, die bis zum 19. Jahrhundert noch Offenland waren. In Brandenburg wurden in der Regel Kiefern angepflanzt. Sicherlich gibt es hier und dort kleine Inseln aus Buchenwäldern, reliktartig eingestreute Eichenwälder, Moorwälder, Ulmen-Hang- oder Auenwälder aus natürlicher Sukzession.

    Aber wie würde unsere Landschaft aussehen, wenn nicht mehr als die Hälfte des Landes landwirtschaftlich genutzt wäre, wenn nicht alle Flüsse begradigt und eingedeicht wären, Niedermoore entwässert, Wälder angepflanzt? Wenn Biber machen könnten, was sie wollen, wenn sich Feuer ausbreiten könnten und der Mensch nicht alle großen Säugetiere wie Auerochsen, Wisente, Pferde, Wölfe und Bären ausgerottet oder verdrängt hätte?

    https://www.abu-naturschutz.de/veroeffentlichungen/wilde-weiden

    Wir können es uns nicht vorstellen, aber mit Sicherheit wäre Mitteleuropa nicht vollständig von Wald bedeckt. Und der Großteil unserer Artenvielfalt, die wir im Naturschutz erhalten wollen, ist an offene Lebensräume und Habitatkomplexe gebunden. Artenvielfalt braucht ein zeitliches und räumliches Mosaik aus offenem Boden, Weiderasen, Hochstaudenfluren, Röhrichten, Gebüschen, Baumgruppen bis hinzu geschlossenen Wäldern. Beispielsweise sind die meisten Tagfalterarten an Offenland und Säume gebunden. Aber genau diese Bereiche fehlen uns heute durch die strikte Trennung von Wald, Wiese und Acker.

    Noch bis zur Einführung der industriellen Land- und Forstwirtschaft sowie der Entwässerung der Moore und Begradigung all unserer großen Flüsse haben viele Arten durchaus Ersatzhabitate in den von Menschen geschaffenen Lebensräumen gefunden. „Kulturfolger“ fanden neue Nischen in den anthropogen geprägten Landschaften mit ihren Äckern, Wiesen, Weiden, Wegsäumen, Hecken, Streuobstwiesen und Hutewäldern.

    Aber mit der Intensivierung der Landnutzung, der Einführung von Großtechnik, Pestiziden, Mineraldünger und der Trennung von Wald und Offenland nahm die Artenvielfalt rapide ab.

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    WIJNGAERDT, ANTHONIE JACOBUS VAN
    (Rotterdam 1808 – 1887 Haarlem)
    Weidelandschaft.
    Naturschutz mit Wasserbüffel und Koniks in der Döberitzer Heide

    Von den Pflanzenfressern, die einst die Landschaft mitgestaltet haben, sind uns nur noch Reh und Hirsch geblieben, die anderen kennen wir nur als fossile Reste oder Höhlenmalerei. Wildschweine und Biber gestalten noch in kleinem Rahmen ihre Umgebung. Und ansonsten versuchen Naturschützer mit viel Arbeit, größtenteils im Ehrenamt Artenvielfalt zu bewahren. Dabei besteht der praktische Naturschutz meist aus der Pflege von Wiesen und Weiden.

    Gleichzeitig haben wir sehr viel Grünland, das von Pferdehaltern genutzt wird und durchaus das Potential hätte, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten:

    • Wenn Pferdeweiden nicht so stark überbeweidet werden und es im Sommer auch Blühaspekte gibt.
    • Wenn auch mal Weidereste von Brennnesseln, Disteln oder Beifuss über den Winter stehen bleiben können.
    • Wenn man Wilde Ecken und ggf. auch auf das Aufwachsen von Sträuchern wie Wildrose oder Weißdorn zulassen kann.
    • Wenn man bestehende Lebensraumstrukturen wie Gehölzgruppen, Kleingewässer oder Totholzhaufen erhält und/oder gezielt fördert.
    • Wenn man sich als Pferdehalter mit Wurmkuren zurückhalten würde, nur im Winter eine Wurmkur gibt und ansonsten nur selektiv entwurmt.
    • Wenn man auf Schleppen, Walzen und Mulchen während der Brutsaion (Anfang März bis Juli/August) verzichtet.
    • Wenn man auf Mineraldünger und Pestizide verzichtet.
    • Wenn man auf Nachsaat mit konventionellem Saatgut verzichtet (Ausnahme ist natürlich regiozertifiziertes Saatgut) und lieber auf Pioniervegetation setzt.

    So könnten alle Pferdehalter zum aktiven Naturschützer werden. 🙂

    Noch mehr konkrete Tipps für Pferdehalter gibt es hier:

  • Lebensraum Auslauf

    So lautet das Titelthema der aktuellen Ausgabe der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ des VFD.

    In diesem Heft ist der Auslauf Schwerpunktthema und behandelt alles rund um Mindestmaße, Stressvermeidung, Hütesicherheit, Befestigung, Trail-Ideen, Matschpaddocks und wie man auch auf einem intensiv genutzten Paddock kleine Naturoasen schaffen kann.

    Zum Beispiel kann man Ecken abrunden und damit kleine Habitate schaffen. Wie im Bild oben rechts. Hier hat sich in einer ausgezäunten Ecke eine Birke etabliert. Im Hintergrund sieht man außerdem einen Holunder, der zwischen zwei Baumstämmen aufwachsen konnte und von den Pferden „geformt“ und gern als Schattenplatz genutzt wird. Unten rechts ist ein ausgezäunter Bereich mit angepflanzten Gehölzen, der sporadisch genutzt wird, z.B. wenn man mal Pferde zwischenparken muss.

    Die Bilder sind nicht in Glindow entstanden. Wir haben keinen Paddock, aber ich fand auf dieser Anlage sehr beeindruckend, wie mit einfachen Mitteln auch auf einem intensiv genutzten Auslauf wertvolle Lebensräume geschaffen wurden.

    Weitere Empfehlungen der Autorin sind die Anlage von Lesesteinhaufen, Totholzhaufen, das Zulassen von Wilden Ecken, der Aufwuchs von Sträuchern beispielsweise zwischen Doppelzäunen und die Förderung von Schwalben durch das Anbieten von feuchtem Lehm.

    Wilde Ecken haben wir mehr als genug, im Prinzip sind unsere ganzen Weiden ziemlich wild. Bei uns ist eher die Herausforderung „einen Grund reinzukriegen“. Dennoch habe ich auch ein Bild aus Glindow mit einer „verlotterten Ecke“, nämlich auf dem Reitplatz. Hier wachsen hinter dem Hufschlag Mohnblumen, Wicken, Sauerampfer, Rainfarn, Beifuss, Brennnessel, Hirtentäschel, Erdrauch, Knaulgras, Weiche Trespe, Rispengras und sicher noch einiges mehr. Eine kleine Bienen- und Augenweide, die sich selbst etabliert hat.

  • Artenvielfalt auf der Pferdeweide?

    Wie erreicht man Artenvielfalt auf der Pferdeweide und was heisst eigentlich Artenvielfalt?

    Ich verstehe darunter zum Einen die Vielfalt von Lebensraumstrukturen (Gehölze, Totholzhaufen etc.) und Mikrohabitaten (z.b. Dunghaufen, Geilstellen, Wälzstellen, Pfade). Aber natürlich auch eine Vielfalt an Pflanzen und daran gebunden auch weitere Artengruppenn wie beispielsweise Tagfalter, Heuschrecken etc.

    Eine artenreiche Wiese oder Weide mit – sagen wir mal 50 Arten auf einem Quadratmeter – kennen wir heute überhaupt nicht mehr. Am ehesten gibt es sie noch als kräuterreiche Bergwiesen oder in langjährigen Naturschutzprojekten. Wichtig für Artenreichtum ist die „Aushagerung“, also das stete Ankämpfen gegen Nährstoffeinträge. Beispielsweise den Stickstoffeintrag aus der Luft, aber auch durch Dung und Nutzungsauflassung.

    In einem meiner Lieblingsbücher über Grünland (Dierschke & Briemle, Kulturgrasland) gibt es eine gute Grafik, welche die Bestandsveränderung einer Wiese bei Nährstoffeintrag und Nutzungsauflassung, aber auch bei einer Regeneration und Aushagerung erklärt:

    Deshalb versuche ich die Flächen (zunächst) möglichst „intensiv“ zu nutzen, da sie in den letzten Jahren eher unternutzt waren. Das hatte zwar auch den Vorteil, dass sich Gehölze etablieren konnten, aber auch den Nachteil, dass sich die Kanada-Goldrute breit machen konnte.

    Aber leider haben wir momentan auf dem Ponyhof das Luxusproblem, dass wir zu wenig Pferde für zu viel Fläche haben, d.h., es wird zu wenig abgefressen. Nachdem es im April nicht geregnet hatte und ich schon befürchtet habe, dass unsere Weiden nicht ausreichen als Futtergrundlage, ist das Gras nach den Niederschlägen im Mai rasend schnell hochgewachsen. Vor allem beim Glatthafer kann man jetzt schön die Ähren sehen. Er ist kurz vor dem Aussamen und wird sich danach in „Rohfaser“ verwandeln. Meine große Hoffnung liegt nun auf unserem Heulieferanten, dass er uns einige der Flächen mäht. Zum Einen, damit die Flächen „gepflegt“, also ausgehagert werden und zum Anderen, damit frisches Futter für die Pferde nachwächst….