Kategorie: Monitoring

  • Schmetterlinge

    „[…] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen…“

    Annette von Droste-Hülshoff (1840)

    (Ernst Haeckel: Schmetterlinge – Mitteleuropäer, 1914, Wien)

    Solch eine Fülle an Insekten können wir uns nicht mehr vorstellen und nur staunen über historische Beschreibungen oder Bilder. Und so schauen wir heute jedem einzelnen zarten Farbtupfer hinterher, der durch die Gegend zappelt.

    Selbst im Vergleich zu meiner eigenen Kindheit habe ich den Eindruck, dass es immer weniger Schmetterlinge – und wenn dann nur noch Weißlinge gibt. Dass der Verlust von Insekten nicht nur ein diffuses Gefühl ist, kann spätestens seit der Veröffentlichung des Entomologischen Vereins Krefeld niemand mehr leugnen.

    Ursachen sind unter anderem die Intensivierung der Landwirtschaft bei gleichzeitiger Aufgabe der Beweidung nicht mehr rentabler Standorte wie Trockenrasen, Feuchtwiesen oder Hutewälder, der Verlust an Lebensraumstrukturen und der massive, man möchte schon sagen unbekümmerte Einsatz von Pestiziden, künstlichen Düngemitteln und Antiparasitika.

    Mit dem Projekt Artenvielfalt auf der Pferdeweide versuche ich seit Herbst 2019 zumindest dieses Kleinod mit zehn Hektar extensiver Beweidung gegen den allgemeinen Trend zu stellen. Um die Effekte zu dokumentieren habe ich Fotopunkte, ein Vegetationstransekt und ein Tagfalter-Transekt eingerichtet.

    Folgende Tabelle listet die Arten mit ihrer jeweiligen Individuenanzahl bei etwa zehn Begehungen im Jahresverlauf zwischen April und Ende September auf.

    Dabei sind die Zahlen nicht ganz repräsentativ, da ich zum Einen das Transekt nicht so oft begehen konnte, wie man sollte (1x Pro Woche) und zum Anderen auch Sichtungen außerhalb des Transektes in die Auswertung eingegangen sind. Insbesondere in diesem Jahr wären die Zahlen sonst zu deprimierend, da auf dem Transekt aufgrund der anhaltenden Dürre nichts mehr geblüht hat. Insgesamt muss man sagen, dass die Graukresse (ansonsten Staatsfeind Nr. 1) fast die einzige verbliebene Nektarpflanze im letzten Sommer war…

    Insgesamt habe ich auf den Weiden in den letzten drei Jahren 16 Tagfalterarten gesichtet. Das ist ziemlich wenig und man sieht auch die verschwindend geringe Anzahl der Individuen, abgesehen von den Weißlingen. Um es positiv zu umschreiben, da ist noch sehr viel Luft nach oben…

    Laut des Verbreitungsatlas gibt es in Berlin und Brandenburg 118 Tagfalterarten, von denen ca. 35% gefährdet sind und einige bereits ausgestorben sind. Um die 30 Arten gelten noch als weit verbreitet, zeigen jedoch auch einen negativen Bestandstrend.

    Also, es gibt noch viel zu tun! Und jeder der Grünland bewirtschaftet trägt eine Verantwortung. Mit folgenden Maßnahmen kann man Schmetterlingen und anderen Insektengruppen helfen:

    • Verzicht auf Mulchen von Weideresten und wenn gemulcht wird, Bereiche für Insekten stehen lassen, da die Eier und Puppen vieler Arten an der überständigen Vegetation überwintern
    • Verzicht auf Pestizide aller Art, auch Simplex & co., denn Gift ist giftig
    • Selektive Entwurmung
    • Vermeidung von Überbeweidung beispielsweise durch Umtriebsbeweidung und damit Förderung von blütenreichen Weiden
    • wenn sich eine Überbeweidung nicht vermeiden lässt, kann man zumindest „wilde Ecken“ schaffen, in dem man Koppelecken auszäunt und gleichzeitig als „Falle“ für rangniedrige Pferde entschärft
  • Wildtiere

    Naturnahe Weiden mit Lebensraumstrukturen bieten nicht nur für Pferde eine artgerechte Haltungsform, sondern sind auch Lebensraum für Wildtiere.

    Und so wollte ich mal wissen, wer sich auf unseren Flächen rumtreibt und habe eine Wildkamera aufgehangen. Vor allem nachts, vor unseren Augen verborgen, schleichen beispielsweise Rehe und Füchse umher, auf der Suche nach Nahrung. Wildtiere haben ihre Aktivitäten in die Nacht verlegt und schlafen tagsüber in Verstecken, um sich vor der Verfolgung durch den Menschen zu schützen.

    Es gibt einige Fuchs- und/oder Dachsbaue (?) auf unseren Flächen, die ausgezäunt wurden, um das Verletzungsrisiko für die Pferde zu minimieren, aber ansonsten gehören Füchse aus meiner Sicht genauso in unsere Weide-Landschaften wie Dachs, Hase, Reh oder Wildschwein. Leben und leben lassen.

    Dafür scheint es aktuell keine Wildschweine mehr bei uns zu geben, sie sind wohl durch die Schweinepest-Maßnahmen extrem dezimiert worden. Zumindest habe ich in diesem Herbst noch keine Wühlstellen von Wildschweinen auf unseren Weiden gesehen. Für mich sind das ja keine „Wildschäden„, sondern wichtige Mikrohabitate und Pionierstandorte für mehr Pflanzenvielfalt, weil sie neue Keimbedingungen schaffen.

    Rehe sind neben Hirschen die einzigen Pflanzenfresser, die es noch in freier Wildbahn bei uns gibt. Alle anderen Pflanzenfresser wie Wildpferde, Wisente, Auerochsen, Elche oder Riesenhirsche wurden ausgerottet oder verdrängt. Und weil uns diese wichtigen Akteure in der Landschaftsgestaltung verloren gegangen sind und mit ihnen ihre Schlüsselfunktionen für den Erhalt der Artenvielfalt, sind naturnahe Weiden so wichtig.

    Aber die Betonung liegt auf naturnah, d.h. arten- und strukturreiche Weiden mit Bäumen, Sträuchern und vor allem auch Weideresten, die im Winter stehen bleiben, um Wildtieren Deckungsmöglichkeiten und Nahrung zu bieten.

    Rehe werden häufig als „Schädlinge“ wahrgenommen, weil sie die Naturverjüngung oder den Unterbau in den Kiefernplantagen wegfressen. Dabei bevorzugen Rehe eigentlich leicht verdauliche Nahrung wie Gräser, Knospen, Kräuter und im Winter die grünen Blätter von Brombeeren. Wenn jedoch im Herbst alle Felder abgeerntet, Wiesen gemäht und Straßenböschungen gemulcht sind, bleibt ihnen nichts anderes übrig als die jungen Gehölze in den Wäldern zu verbeißen. Wobei auch das nur wieder ein „Schaden“ aus menschlicher Sicht ist. Einer Eiche oder Buche schadet es nicht, wenn sie verbissen wurde, sie wächst einfach weiter, nur eben verzweigter….

    Tagsüber sind dann auch noch zwei Tiere in die Falle getappt: ein Fasan und Nachbars Katze. Der Umstand, dass Fasane bei uns auf den Weiden leben und immer wieder mal mit viel Getöse auffliegen, härtet unsere Pferde ab und macht sie geländesicher. Nur Katzen hab ich nicht so gern auf den Weidenflächen…

  • Fotopunkte

    Mein Ziel ist vor allem die Förderung der Artenvielfalt durch eine Umtriebsbeweidung und durch das Zurückdrängen von Dominanzbeständen der Kanada-Goldrute, Brennessel und Graukresse.

    Seit zwei Jahren versuche ich eine kräuter- und blütenreiche Weide zu etablieren, um mehr Artenvielfalt innerhalb der Pflanzenzusammensetzung und in der Folge natürlich auch bei Insekten, Brutvögel oder Fledermäusen zu erreichen. Da eine Neueinsaat aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommt, kann man nur auf das setzen, was die Samenbank des Bodens hergibt. Dabei braucht die Entwicklung von Artenvielfalt Zeit und Kontinuität, sie lässt sich nicht von heute auf morgen erzwingen. Deshalb muss ich mich in Geduld üben und an den kleinen Dingen erfreuen wie beispielsweise einzelne Blühaspekte mit Weißer Lichtnelke, Flockenblume, Wegwarte, Rainfarn oder Strandkamille:

    Um die Entwicklung der Flächen zu dokumentieren, habe ich im September 2019 bestimmte Fotopunkte festgelegt. Ansonsten könnte man sich immer die Filetstückchen raussuchen, die besten Fotorichtungen -oder einstellungen wählen und die „Schmuddelecken“ weglassen.

    Die größte Herausforderung dieses Jahr war natürlich die Dürre. Unsere Flächen konnten sich erst im September nach ergiebigen Regenfällen wieder erholen. Das folgende Fotopaar zeigt beispielsweise unsere Hauptweide, die am meisten beansprucht wird. Sie muss im Winter genutzt werden, damit die Pferde Zugang zur beheizbaren Tränke und dem Unterstand haben. Hier versuche ich die Pferde zumindest im Sommer so lange wie möglich fernzuhalten und die Fläche einmal vor der Samenreife der Graukresse zu mulchen. Dabei ist nach dem Mulchen (bis vor kurzem) nichts nachgewachsen, aber zumindest der Vogelknöterich vermag die Fläche wieder grün erscheinen zu lassen…

    Hauptweide September 2019
    Hauptweide September 2022

    Tja und da haben wir auch schon eine Schmuddelecke, die sich im folgenden Bildpaar zeigt. Denn irgendwo nimmt man zwar den Beweidungsdruck weg, aber irgendwo müssen die Pferde auch fressen können und wir mussten schon ab Juli Heu dazufüttern. Diese Fläche wird in einem Teilbereich von Brennnessel und Kanada-Goldrute und in einem Bereich von Glatthafer dominiert. Die Teilfläche mit dem Glatthafer haben wir gemäht und zwei kleine Heuballen generieren können. Teilbereiche mit Kanada-Goldrute habe ich gemulcht, aber auch bewußt Streifen stehen lassen. Die Kanada-Goldrute ist mit ihren gelben Blüten gut auf den Fotos zu erkennen.

    Skuddenwiese September 2019
    Skuddenwiese September 2022

    Wir haben die Heuraufen insgesamt dreimal umgestellt und die Heustellen danach abgeschleppt, weil wir noch nicht mit abäppeln anfangen wollten. Ab heute kommen die Heuraufen in die Nähe der Mistplatte und dann beginnt wieder die Zeit mit täglichem Abäppeln….

    Folgender Blickwinkel zeigt die Grenze zwischen der Fuchswiese auf der linken Seite des Zauns und der Jägerwiese auf der rechten Seite. Man kann erkennen, dass die Kanada-Goldrute nicht mehr vollständig dominiert und die Bestände zumindest aufgelockert wurden. Hier war dieses Jahr die einzige „Pflege“ die Beweidung mit den Pferden und ein abschleppen der Heustellen. Weitere Maßnahmen wie Mulchen oder Beweidung mit anderen Weidetieren haben leider nicht geklappt, aber es wäre auch ohnehin nichts mehr nachgewachsen….

    Fuchs- und Jägerwiese September 2019
    Fuchs- und Jägerwiese September 2022

    Die folgenden Bildpaare zeigen ebenfalls die Jägerwiese, wobei ich die Fotos im Jahr 2019 noch von einem Hochstand aus machen konnte. Der Hochstand wurde in der Zwischenzeit entfernt, weil die Wildschweine keine Deckung mehr in der hohen Vegetation finden können und sich die Jagd auf unseren Flächen nicht mehr lohnt.

    Jägerwiese September 2019
    Jägerwiese September 2022
    Jägerwiese September 2019
    Jägerwiese September 2022

    Und zu guter Letzt unsere Dreieckswiese, die als einzige Fläche keine „Problempflanzen“ aufweist. Damit das auch so bleibt, können die Pferde hier nur zweimal im Jahr für ca. eine Woche bleiben. Aber es gibt auch immer wieder Zwänge wie die Integration neuer Pferde oder aktuell die Seperation eines erblindeten Pferdes, die eine Nutzung dieser Fläche notwendig machen.

    Dreieckswiese September 2019
    Dreieckswiese September 2022

    Wie auch in den Jahren 2020 und 2021 hat nicht alles geklappt, was ursprünglich geplant war, es gab neue Herausforderungen und man musste flexibel reagieren. Aber langsam und kontinuierlich versuche ich weiter die Ziele umzusetzen.

  • NABU Stunde der Wintervögel

    Auch dieses Jahr habe ich natürlich wieder mitgezählt bei der NABU Stunde der Wintervögel. Die Aktion fand vom 06. bis 9. Januar 2022 statt und es haben nach einer ersten Auswertung des NABU mehr als 157.000 Vogelbegeisterte mitgemacht. Der häufigste Vogel war der Haussperling, gefolgt von Kohl- und Blaumeise, Amsel und Feldsperling.

    (C) Johannes Müller

    Auf unserer Pferdeweide waren die meisten Vögel in der Pappelreihe zu beobachten, beispielsweise zwei Blaumeisen, welche Rinde und Äste nach Nahrung abgesucht haben. Auch Elster, Buntspecht, Eichelhäher, Ringeltaube und Nebelkrähe tummelten sich in den Pappeln und ein Trupp Saatkrähen, gemischt mit Dohlen ließen sich zwischenzeitlich in den Kronen nieder, bevor sie mit viel Geschrei wieder weiterflogen. Eine Kohlmeise suchte die Hagebuttensträucher ab, ein Mäusebussard und ein Trupp Wacholderdrosseln flogen über die Weide und aus der näheren Umgebung konnte man einen Grünspecht hören. Insgesamt konnte ich in der einen Stunde zwölf Vogelarten mit 75 Individuen zählen.

    Dabei hat sich einmal mehr gezeigt, welchen großen Wert eine Baumreihe hat. Die Bäume sind nicht nur Schattenspender, strukturieren die Weiden und werten das Landschaftsbild auf. Sie sind vor allem auch Lebensraum, Nistplatz, Jagd- und Ansitzwarte, sowohl im Sommer als auch im Winter.

  • Tagfalter Monitoring III

    Aktuell findet man relativ viele Tagpfauenaugen auf unseren Pferdeweiden. Die Raupen konnten sich satt fressen an den zahlreichen Brennnesseln und die adulten Tiere finden jetzt noch genug Nektar an den Blüten der Kanada-Goldrute, um gestärkt in die Winterruhe zu gehen.

    Es hat sich also zumindest für das Tagpfauenauge gelohnt, dass ich beim Mulchen immer auch Streifen stehen lasse. Wenn man aktuell sieht, was an den Blüten der Goldrute schwirrt und surrt, muss man zugeben, dass sie durchaus ihren Wert für die Natur, auf jeden Fall für Insekten im Herbst hat.

    Tagpfauenaugen überwintern in Dachböden, Kellern, Holzstapeln oder anderen geschützten Nischen. Nach der Überwinterung ab März sind sie auf Frühblüher zur Nahrungsaufnahme angewiesen und die Weibchen legen nach der Paarung die Eier an sonnig stehenden Brennnesseln ab. Es werden ca. 50-200 (gut getarnte) Eier an der Blattunterseite angeheftet. Die Raupen schlüpfen nach etwa 2-3 Wochen und nach mehreren Häutungen schlüpfen die Falter meist ab Ende Juli. Sie treten eine Art „Sommerpause“ an und werden im September noch mal richtig aktiv, bevor sie in die Winterruhe gehen.

    Wie auch bei anderen Tagfaltern, gibt es – durch die verlängerte Vegetationsperiode als Auswirkung des Klimawandels – auch beim Tagpfauenauge mittlerweile „verpätete, unvollständige Generationen“. Das heisst, die Tiere legen noch mal Eier im Spätsommer/Herbst ab. Aber wenn die Falter dann geschlüpft sind, finden sie keine oder nicht mehr genügend Nahrung. Und so kommen viele Faktoren wie der Einsatz von Pestiziden, das Verschwinden von Strukturen wie Ackerränder, Säume oder Brachen, das exzessive Mulchen im Herbst von Straßenböschungen, Wegrändern etc. zusammen und verursachen das Insektentsterben. Es muss nur mal jeder kurz darüber nachdenken, wie normal Tagfalter in der Kindheit waren und wie oft man heute noch ein Tagpfauenauge sieht.

    Auf dem Tagfalter-Transekt auf unseren Pferdeweiden konnte ich dieses Jahr 12 Arten und 53 Individuen aufnehmen. Es waren insgesamt zehn Begehungen von April bis September. Hier eine kurze Zusammenfassung:

    • 17x Grünader-Weißling
    • 12x Kleiner Kohlweißling
    • 5x Tagpfauenauge
    • 5x Kleines Wiesenvögelchen
    • 3x Resedafalter
    • 3x Brauner Feuerfaler
    • 2x Großes Ochsenauge
    • 2x Hauhechelbläuling
    • 1x Kleiner Feuerfalter
    • 1x Admiral
    • 1x Schachbrettfaler
    • 1x Aurorafalter

    Das ist eine erhebliche Steigerung zum letzten Jahr. Ich denke, es liegt zum Einen daran, dass mein Transekt nicht wieder als Trail herhalten musste und zum Anderen, dass es nicht so extrem trocken war. Am häufigsten kam dabei der Grünader-Weißling mit insgesamt 17 Individuen und der Kleine Kohlweißling mit 12 Tieren vor.

    Die Kohlweißlinge gehören zu den häufigsten Tagfaltern und kommen in allen Habitaten bzw. Biotopen vor. Vor allem der Große Kohlweißling konnte früher in großen Wander-Schwärmen vorkommen und in Kohl-Kulturen beträchtliche Schäden anrichten. Solche Massenvermehrungen werden jedoch seit 1990 nicht mehr beobachtet und in einigen Bundesländern wie NRW steht diese Art bereits auf der Roten Liste…. Sie finden heute Rückzugsräume in Regionen mit Ökolandbau wie beispielsweise in Brodowin.

    Wie man auch den folgenden Fotos erkennen kann, finden die Tagfalter auf unseren Pferdeweiden vor allem an der Graukresse Nektar….

    So ist zwar auch die Graukresse aus Pferdehaltersicht „der Endfeind“, aber sie hat als Nahrungsquelle durchaus ihren Mehrwert. Lieber wären mir jedoch arten- und kräuterreiche Weiden ohne Graukresse und – na sagen wir mal mit weniger – Kanada-Goldrute.

    Zum Thema noch eine Beschreibung von Annette von Droste-Hülshoff aus dem Buch „Bilder aus Westfalen“ (1840):

    „Wenige Landschaften mögen […] so voll Nachtigallenschlag und Blumenflor angetroffen werden, und aus der minder feuchten Gegenden Einwandernde wird fast betäubt vom Geschmetter der zahllosen Singvögel, die ihre Nahrung in dem weichen Kleiboden finden. […] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen, während die der größeren Art bis auf die Mitte des Weihers schnurren.“

    Das Zitat stammt aus dem Vorwort für das Buch „Insektensterben in Mitteleuropa“ und gibt eine ungefähre Vorstellung von dem, wie es mal war. Des Weiteren wurde folgende Literatur für den Eintrag verwendet und kann für die Tagfalter-Bestimmung empfohlen werden:

    Bellmann (2009): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer – Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen, Kosmos Verlag

    Gelbrecht et al. (2016): Die Tagfalter von Brandenburg und Berlin (Lepidoptera: Rhopalocera und Hesperiidae), Naturschutz und Landschaftspflege in Deutschlad, Beiträge zu Ökologie und Naturschutz Heft 3,4 2016

    Settele et al. (2008): Schmetterlinge – Die Tagfalter Deutschlands, Ulmer Verlag

  • Fotomonitoring

    Fotomonitoring

    Im September 2019 hab ich einige Fotos von den verschiedenen Weiden gemacht, um die Entwicklung der Flächen zu dokumentieren.

    Mein Oberziel für den Ponyhof Glindow ist/war die Verbindung einer artgerechten Pferdehaltung mit Naturschutz. Aber man muss dann doch sehr viele Kompromisse eingehen, immer wieder umdenken, nachjustieren, Pläne verwerfen, den Frust runterschlucken, weiter machen. Man bewegt sich in den engen Grenzen zwischen den Bedürfnissen der Pferdehalter, des Verpächters, den Rahmenbedingungen der Agrarförderung und dem eigenen Anspruch. Nach zwei Jahren Ponyhof muss ich an vielen Punkten kapitulieren, aber kann mich zumindest an dem Glück erfreuen, dass ich Assan ein schönes Leben ermögliche.

    Unterziele waren die Eindämmung der Kanada-Goldrute, der Graukresse und der offenen Bodenstellen. Mit der Umstellung auf eine Umtriebsbeweidung, sollten die Flächen sich immer wieder erholen können und mit Mulchen und Schafbeweidung die unbeliebten Vegetationsbestände zurückgedrängt werden. Ich denke, eine Verbesserung der Futterqualität ist auf den Flächen durchaus erkennbar, wobei man bei dem Fotovergleich auch die geringen Niederschlägen in den Jahren 2018/2019 berücksichtigen muss.

    Hauptweide September 2019
    Hauptweide September 2021
    Skuddenwiese September 2019
    Skuddenwiese September 2021
    Fuchwiese/Jägerwiese September 2019
    Fuchwiese/Jägerwiese Septmeber 2021
    Jägerwiese (vom Hochstand) September 2019
    Jägerwiese September 2021
    Dreieckswiese September 2019
    Dreieckswiese September 2021
  • Vegetationstransekt

    Um zu dokumentieren, wie sich die Flächen in Glindow, vor allem unter den Aspekten Artenvielfalt und kräuterreiches Grünland für eine gesunde Pferdehaltung entwickeln, habe ich ein Vegetationstransekt eingerichtet. Ein Transekt ist eine Untersuchungslinie, in diesem Fall mit zehn Vegetationsaufnahmeflächen mit je 2x2m, auf einer Fläche, die von Kanada-Goldrute dominiert wird und erst Ende 2019 eingerichtet wurde. Hier noch mal zusammengefasst, was bisher gemacht wurde:

    • Schafbeweidung mit Skudden im Winter 2019/2020
    • Abschleppen im Frühjahr 2020, um die Streuauflage abzuziehen
    • Schafbeweidung mit Guteschafen im Juni 2020
    • Mulchen der Reste im Juli 2020
    • ansonsten Beweidung mit unseren Pferden (die die Kanada-Goldrute nicht fressen)

    Was man beim Vergleich der Vegetationsaufnahmen feststellen kann, ist eine Abnahme der Deckung der Kanada-Goldrute und Zunahme der Deckung von Futtergräsern wie dem Glatthafer und dem Wiesenrispengras. Ich denke, dass man das auch auf den Fotos erkennen kann. Links die Aufnahmeflächen im Juni 2020, rechts Juni 2021.

    Daneben hat auch die Artenanzahl zugenommen. Insgesamt ist die Artenanzahl zwar fast gleich (35 Arten 2020; 38 Arten 2021), jedoch gibt es eine Zunahme der mittleren Artenanzahl (Median = schwarze Linie im Boxplot) pro Aufnahmefläche. Ich denke, die Zunahme lässt sich durch die Auflichtung der Dominanzbestände der Goldrute und der Verringerung der Streuschicht erklären. Die mittlere Artenanzahl lag 2020 bei 11 Arten pro Aufnahmefläche und 2021 bei 14 Arten.

    Diese Fläche, die wir aufgrund von Fuchsbauen „Fuchswiese“ genannt haben, ist zwar noch weit entfernt von artenreichem Grünland, aber dennoch zeigt sich ein leichtes Zurückdrängen der invasiven Kanadagoldrute.

    Hier noch eine Gesamtartenliste für den interessierten Leser ;-).

    Wissenschaftlicher NameDeutscher Name20202021
    Achillea millefoliumGewöhnliche Schafgarbexx
    Agropyron repensGewöhnliche Queckexx
    Arrhenatherum elatiusGlatthaferxx
    Berteroa incanaGraukressexx
    Bromus hordeaceusWeiche Trespexx
    Bromus sterilisTaube Trespexx
    Calamagrostis epigejosLand-Reitgrasxx
    Capsella bursa-pastorisGewöhnliches Hirtentäschel x
    Carex hirtaBehaarte Seggexx
    Cerastium holosteoidesGewöhnliches Hornkrautxx
    Cirsium arvenseAcker-Kratzdistelx 
    Convolvulus arvensisAcker-Windexx
    Dactylis glomerataWiesen-Knäuelgrasxx
    Daucus carotaWilde Möhrexx
    Descurainia sophiaBesenrauke, Sophienkrautx 
    Erigeron annuusEinjähriges Berufkraut x
    Equisetum arvenseAcker-Schachtelhalmx 
    Erodium cicutariumGewöhnlicher Reiherschnabelxx
    Galium aparineKletten-Labkraut x
    Galium mollugoWiesen-Labkrautxx
    Holcus lanatusWolliges Honiggrasxx
    Hypericum perforatumTüpfel-Johanniskrautxx
    Lactuca serriolaKompaß-Lattichxx
    Lathyrus pratensisWiesen-Platterbsexx
    Medicago lupulinaHopfen-Schneckenkleexx
    Moehringia trinerviaDreinervige Nabelmiere x
    Myosotis arvensisAcker-Vergißmeinnichtxx
    Papaver rhoeasKlatsch-Mohnxx
    Poa pratensisWiesen-Rispengrasxx
    Poa trivialisGewöhnliches Rispengras x
    Quercus roburStiel-Eiche (Naturverjüngung)x 
    Potentilla argenteaSilber-Fingerkraut x
    Rumex thyrsiflorusStraußblütiger Sauerampferxx
    Senecio vernalisFrühlings-Greiskraut x
    Solidago canadensisKanadische Goldrutexx
    Taraxacum officinale agg.Agg. Wiesen-Löwenzahnxx
    Trifolium arvenseHasen-Kleex 
    Urtica dioicaGroße Brennesselxx
    Veronica arvensisFeld-Ehrenpreisxx
    Veronica chamaedrysGamander-Ehrenpreisxx
    Vicia angustifoliaSchmalblättrige Wickexx
    Vicia craccaVogel-Wicke x
    Vicia hirsutaRauhhaarige Wickexx
  • Tagfalter Monitoring II

    Der Frühling ist im vollen Gange und es wurde Zeit, endlich mit den Begehungen auf dem Tagfalter-Transekt zu beginnen…

    Die Vegetation ist zwar noch etwas dürftig, derzeit blühen nur wenig Arten wie beispielsweise Rote Taubnessel, Löwenzahn, Gundermann oder das Frühling-Hungerblümchen. Dennoch sind Bienen, Hummeln und Tagfalter unterwegs und ich habe gestern meine erste Begehung auf dem Tagfalter-Transekt gemacht. Die relativ geringe Ausbeute waren ein Tagpfauenauge, zwei Grünader-Kohlweißlinge und ein Reseda-Weißling. Die Grünader-Kohlweißlinge haben an den Blüten der Felsenkirsche genascht und der Reseda-Weißling an einem Hungerblümchen.

    Das Tagpfauenauge war eigentlich immer eine häufig vorkommende Art, es besiedelt Offenland bis Waldränder, Siedlungen, Gärten oder Parkanlagen und die Raupen ernähren sich von Brennnesseln. Aber heute sieht man selbst solche „Allerweltsarten“ wie das Tagpfauenauge oder Weißlinge nicht mehr sehr häufig und freut sich schon über jeden Falter…

    Dieses Phänomen, dass wir den Artenschwund und die Veränderungen in der Landschaft kaum wahrnehmen nennt man in der Ökologie Shifting Baselines. Wir bemerken es nicht, weil wir uns nicht mehr daran erinnern oder es selbst nicht erlebt haben, „wie es früher war„. Unser Horizont reicht dafür nicht aus und wir gewöhnen uns an das hier und jetzt. Es gibt nur wenig Erfassungen mit langen Datenreihen, die uns die Wahrheit vor Augen führen wie die Erkenntnisse des Entomologischen Vereins Krefeld e.V. 1905. Die Krefelder haben 2017 mit ihrer Studie Medien und Politik zumindest ein wenig wach gerüttelt und das Insektensterben zum Thema gemacht. Wobei diese Erhebungen auch „erst“ 1986 begonnen haben – ausschließlich in Naturschutzgebieten. Für die „Normallandschaft“ gibt es nichts vergleichbares. Wir können uns schlichtweg nicht vorstellen, wie es bespielsweise vor 100 Jahren oder mehr war, als es noch keine industrielle Landwirtschaft und Pestizide gab. Wir können es anhand der Landschaftsmalerei höchstens erahnen….

    Tagfalter-Transekt (im April natürlich noch etwas kahl)
    Gemälde des französischen Impressionisten Claude Monet (1840–1926)

    Nun muss man bei unseren Weiden auch dazusagen, dass sie nicht besonders artenreich sind und damit auch keine große Insekten- oder Faltervielfalt erwarten lassen. Da ist noch viel Luft nach oben und ich hoffe, dass die Flächen perspektivisch noch artenreicher werden. Wer die Möglichkeit hat im Rahmen einer Grünland- oder Ackerbewirtschaftung etwas für die Artenvielfalt zu tun, findet hier einen sehr guten Artikel zur Umsetzung. Anregungen, wie jeder im Garten oder auf dem Balkon etwas für Insekten tun kann, findet man beispielsweise hier.

  • NABU Aktion Stunde der Wintervögel

    Dieses Wochenende ist „Stunde der Wintervögel„, eine Aktion des NABU, bei der jeder mitmachen kann…

    Natürlich habe ich mich auch an den Rand unserer Pferdekoppel gesetzt und Vögel gezählt. Dolle war es ehrlich gesagt nicht. Da ist sicherlich an jeder Vogelfütterung im Garten oder am Balkon mehr los.

    Es gab einen Trupp Saatkrähen, gemischt mit einigen Nebelkrähen, die durchzogen. Krähen, manchmal auch Dohlen und Kolkraben kommen immer wieder mal auf unseren Weiden gucken, ob es etwas in den Pferdehaufen zu holen gibt. Zwischen der großen Eiche hinter dem Unterstand und der Pappelreihe flogen immer wieder insgesamt drei Eichelhäher hin und her. Gern können sie noch weitere Eichen pflanzen ;-). Ansonsten konnte ich eine Kohlmeise und einen Jagdfasan hören, eine Amsel vorbei fliegen sehen, einen Grünspecht, einige Ringeltauben, Elstern und einen Trupp Erlenzeisige in den Pappeln beobachten.

    Und am 8. bis 10. Mai ist Stunde der Gartenvögel, mal sehen, was es dann zu sehen gibt auf unseren Weiden…

  • Fotopunkte III

    Im Folgenden möchte ich wieder ein paar Fotopunkte vorstellen, die ich letztes Jahr „eingerichtet“ habe….

    Mit den Fotopunkten möchte ich zeigen, wie sich die Weidepflege auf die Flächen auswirkt. Man kann vieles beschreiben, Pflanzenarten aufnehmen etc., aber manchmal sagen Bilder mehr aus als Daten und Fakten.

    Als erstes kommen Fotos der Hauptwiese, denn sie ist die größte Herausforderung. Diese Fläche ist die am stärksten durch Beweidung, Verbiss, Tritt und Kot beanspruchte Weide bei uns. Hier haben wir auch das größte Problem mit der Graukresse. Die Übernutzung dieser Fläche hängt ganz einfach mit der Infrastruktur zusammen, denn hier steht der Unterstand und hier ist die Tränke. (Nur die relativ kleine „Dreieckswiese“ hat noch eine eigene Tränke und einen Unterstand). Außerdem ist es am praktischsten, wenn hier die Heuraufen stehen, weil man hier Licht vom Reitplatz und die geringste Entfernung zur Mistplatte hat.

    Im Herbst 2019 wurde die Fläche gemulcht und im Sommer haben wir versucht, diese Fläche so oft und so lange es geht zu schonen, in dem die Pferde im Prinzip der Portionsweide auf andere Weiden umgestellt wurden.

    Juli 2019
    August 2020 (die Pferde wurden durch eine Litze von der Hauptwiese getrennt)
    September 2020 (im Vordergrund der Insektenstreifen)
    Graukresse stechen im Juli 2020
    Mulchen im August 2020
    Heuraufen mit Beleuchtung…

    Da wir genug Bäume als natürliche Unterstände auf allen Weideflächen und einen IBC-Container als Wasserbottich haben, konnten die Pferde auf anderen Flächen rotieren und die Grasnarbe der Hauptwiese konnte sich etwas erholen. Im Sommer haben wir außerdem fleißig Graukresse gestochen, auch wenn man immer das Gefühl hat, es nimmt kein Ende…

    Im August habe ich die Fläche dann erneut gemulcht und dabei einen Streifen für die Insekten stehen lassen. Seit einer Woche sind die Pferde nun wieder auf der Hauptwiese, denn die Tage werden spürbar kürzer und wir brauchen die Heuraufen in der Nähe der Lampen….

    Auf einer anderen Fläche ging es eher um das Zurückdrängen der Kanada-Goldrute. Die Fotos sind von einem Hochstand aus entstanden und die Fläche heisst entsprechend „Jägerwiese“. Hier waren im Winter die Skudden im Einsatz und im Frühjahr wurde die Fläche geschleppt, da sie teilweise stark vermoost war. Eigentlich sollte die Fläche Ende Juni gemäht werden, was jedoch nicht geklappt hat. So waren dann die Pferde auf der „Jägerwiese“ und im Juli wurden die „Weidereste“ bzw. die Kanada-Goldrute gemulcht.

    Leider ist im August alles verbrannt und nur die Graukresse hat die Hitze und Dürre überlebt… Nach Niederschlägen Anfang September haben sich jedoch alle Flächen wieder erholt und wurden wieder schön grün. Aktuell können die Pferde auf die Haupt- und Jägerwiese. Mal sehen, wie das nächste Jahr wird…

    September 2019
    März 2020

    Juni 2020

    Juli 2020
    August 2020
    September 2020
  • Fotopunkte II

    Neben dem Vegetations- und Tagfaltertransekt habe ich letztes Jahr im Herbst ein paar Fotopunkte eingerichtet.

    Im Folgenden möchte ich zwei davon zeigen und beschreiben, was auf diesen Flächen in punkto Weidepflege passiert ist.

    September 2019
    März 2020

    Juni 2020
    Juli 2020
    August 2020
    September 2020

    Der Fotopunkt ist auf einem Hochstand auf unserer „Jägerwiese“ mit Blick auf die „Fuchswiese“ entstanden. Auf der Fuchswiese ist ein Fuchsbau – daher der Name – und Jägerwiese hat sich natürlich aufgrund der Jagdkanzel angeboten. Von diesem Punkt aus soll über die Zeit beobachtet werden, wie wir hoffentlich die Kanada-Goldrute in den Griff bekommen.

    Über den Winter hatten wir die Skudden, welche die Goldrute ganz gut abgefressen haben und alles schön kurz gehalten haben. Im Frühjahr kamen dann die Pferde auf diese beiden Weiden und im Juli habe ich die Flächen gemulcht. Das Mulchen war ja leider etwas nach hinten losgegangen, wie bereits in dem Beitrag „Verbrannt“ beschrieben. Es blieb nichts anderes übrig als mit der Zufütterung von Heu zu beginnen, was eigentlich erst für Oktober geplant war. Mit den Niederschlägen Anfang September ist jedoch innerhalb kurzer Zeit alles wieder grün geworden und wir konnten die Pferde wieder auf diese beiden Weiden lassen.

    Eine andere Perspektive auf die Fuchs- und Jägerwiese zeigen folgende Bilder:

    September 2019
    Juli 2020
    September 2020

  • Tagfalter Monitoring

    Tagfalter Monitoring

    Um die Effekte auf die Artenvielfalt auf unseren Weideflächen zu dokumentieren, habe ich neben einem Vegetations-Transekt, auch ein Tagfalter-Transekt angelegt…

    Die Erfassung erfolgt im Rahmen des Tagfalter-Monitorings Deutschland, das vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ koordiniert wird. Um eine möglichst lange Untersuchungslinie zu haben, verläuft das Transekt entlang einer Pappelreihe, die insgesamt drei Weiden miteinander verbindet. Im Frühsommer sah die Strecke noch recht vielversprechend aus – z.B. mit viel Hopfenklee und Vogelwicke. Später wurde die Untersuchungslinie leider als Trail missbraucht und es konnten so gut wie keine Tagfalter mehr aufgenommen werden. Aber, wenn wenn man diese Strecke wieder in Ruhe lässt, wird sicherlich eine umso schönere Pioniervegetation aufkommen.

    In Deutschland leben etwa 3.700 Schmetterlingsarten, davon machen Tagfalter 190 Arten aus, die zu fast 50% auf der Roten Liste aufgeführt sind. Die Ursachen für den Rückgang der Tagfalter, auch insbesondere von „Allerweltsarten“ sind unter anderem die Aufgabe historischer Nutzungen von Magerrasen, Heiden, Wälder bei gleichzeitiger Intensivierung der Agrarlandschaft, Vielschnittwiesen, Entwässerung und Düngung (Settele et al. 2015).

    Tagfalter sind trockenheits- und wärmebedürftig, sie brauchen windgeschützte Standorte mit hoher Sonneneinstrahlung und breiten sich in der Regel entlang von linienhaften Strukturelementen aus. Außerdem brauchen Tagfalter eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern für die Eiablage und eine vom Herbst bis Ende Mai ungestörte Streuschicht am Boden oder überständige Vegetation (i.d.R. Futterpflanze) für die Überwinterung von Larven und Puppen. Das bedeutet, dass Mahd, Mulchen oder eine Bodenbearbeitung die überwinternden Falterstadien zerstört.

    Ich habe auf meinen Tagfalter-Transekt insgesamt elf Begehungen von Mitte April bis Mitte August gemacht, davon waren drei ohne Faltersichtung. Da das Transekt mittlerweile durch sein Trail-Dasein und der Dürre komplett blütenlos ist, kann man jetzt schon ein Résumé ziehen:

    • sieben Arten konnten erfasst werden
    • insgesamt konnten 16 Individuen erfasst werden
    • 5x Kleines Wiesenvögelchen
    • 3x Artkomplex Kleiner Kohlweißling/ Grünaderweißling
    • 3x Tagpfauenauge
    • 2x Braunkolbiger Braundickkopffalter
    • 1x Kleiner Feuerfalter
    • 1x Kleiner Fuchs
    • 1x Zitronenfalter

    Dolle ist das nicht, aber es geht ja auch darum, die Artenvielfalt zu steigern und dann kommen hoffentlich in Zukunft auch mehr Schmetterlinge auf unseren Flächen vor.

    Insgesamt gibt es ja einen massiven Rückgang der Insekten, was spätestens seit der Veröffentlichung Entomologischen Vereins Krefeld e.V. 1905 bei Hallmann et al. (2017) keiner mehr ignorieren kann. Die Krefelder und auch andere Wissenschaftler haben mittlerweile in verschiedenen Projekten und Studien einen extremen Schwund der Arten, Individuen und auch der reinen Insekten-Biomasse nachgewiesen. Das „Insektensterben“ hat natürlich auch Auswirkungen auf andere Artengruppen wie beispielsweise Vögel oder Fledermäuse.

    Dabei kann jeder einen kleinen Beitrag leisten, um den Insekten wieder auf die Sprünge zu helfen. Beispielsweise durch den Kauf von Bioprodukten, denn den größten Anteil am Verlust der Artenvielfalt hat die intensive Landwirtschaft. Anregungen für eigene, konkrete Maßnahmen, beispielsweise im Garten oder auf dem Balkon gibt es hier.

  • Fotopunkte

    Für die Dokumentation der Entwicklung der Flächen habe ich, neben einem Vegetationstransekt auch Fotopunkte angelegt…

    Hier möchte ich einen dieser Fotopunkte vorstellen:

    September 2019
    April 2020
    Juni 2020
    August 2020

    Dabei handelt es sich um eine Fläche, die erst 2019 für die Beweidung von meinem Vorgänger eingezäunt und durch Mulchen „erst eingerichtet“ wurde. Sie wird von Kanada-Goldrute, Rainfarn und im hinteren Teil von Glatthafer dominiert.

    Im Winter 2019/2020 wurde die Fläche von Schafen abgeweidet und im Frühjahr kamen die Pferde auf die Fläche, um gleich wieder den frischen Aufwuchs abzufressen. Im Juni kamen noch mal Schafe auf die Fläche, damit man im Spätsommer wieder eine Fläche für die Pferde zum abweiden hat. Ohne die Zwischenbeweidung oder eine andere Form der Bearbeitung wie Mahd, wäre hier nur überständiges Gras und Kanada-Goldrute, was die Pferde nicht gern fressen.

    Schafe haben dafür den Vorteil, dass sie bevorzugt Kräuter abweiden und damit Gräser bevorteilen. Damit ergänzen sie sich wunderbar mit den Pferden, welche widerum lieber Gräser fressen und Kräuter oder Stauden wie Kanada-Goldrute stehen lassen.

    Im September werde ich diesen Fotopunkt noch einmal aufsuchen, ich bin schon gespannt, ob man einen Unterschied sieht, denn die Kanada-Goldrute kommt erst im Herbst so richtig zur Geltung, wenn sie blüht.

  • Artenreiches Grünland

    Was bedeutet artenreiches Grünland? Laut einer Bestimmungshilfe für Artenreiches Grünland der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft sind „über 400 Pflanzenarten auf Grünlandstandorte spe­zialisiert. Mit einem Maximum von 89 Pflanzenarten auf einem Quadratmeter gehört ex­tensives Grünland neben dem tropischen Regenwald zu den artenreichsten Biotopen im weltweiten Vergleich„.

    So eine enorme Artenvielfalt können wir uns überhaupt nicht vorstellen und Bayerische Bergwiesen kann man sicherlich nicht mit der Märkischen Streusandbüchse vergleichen. Für Brandenburg wurde eine Kennartenmethode entwickelt, um artenreiches Grünland zu identifizieren.

    Aber wie sieht es nun mit dem Grünland in Glindow aus? Ich habe Pfingsten sinnvoll genutzt und ein Transekt mit elf Vegetationsaufnahmeflächen (2mx2m=4qm) angelegt. Hier soll die Entwicklung einer Fläche mit Dominanz aus Kanada-Goldrute unter dem Einfluss der Pflegemaßnahmen dokumentiert werden. Insgesamt wurden auf diesem Transekt immerhin 35 Pflanzenarten aufgenommen. Der Mittelwert liegt bei elf Arten pro Aufnahmepunkt.

    Besonders artenarm – mit sechs bis neun Arten – sind die Aufnahmeflächen mit großer Deckung der Kanada-Goldrute. Etwas artenreicher mit bis zu 20 Arten sind die lückigeren Queckenfluren, gemischt mit Goldrute und ein paar Ruderalarten wie Gewöhnlicher Reiherschnabel oder Rauhaarige Wicke. Die Kanada-Goldrute ist eine invasive Art, die mit einer mächtigen Streuschicht (abgestorbene Pflanzenmasse) verhindert, dass sich andere Arten etablieren können. Außerdem verweist eine Auswertung nach den Ellenbergs Zeigerwerten auf Mäßigstickstoff- bis Stickstoffreichtumzeiger. Das heisst, die Flächen sind überdüngt und mastige Pflanzen wie Goldrute, Brennessel etc. werden befördert.

    Da hilft nur: nutzen, nutzen, nutzen und Biomasse runter, um diese Flächen auszuhagern und naturschutzfachlich aufzuwerten. Über die Ergebnisse der Pflege halte ich Euch auf dem Laufenden….

    Hier noch eine Gesamtartenliste des Transektes:

    Wissenschaftlicher NameDeutscher Name
    Achillea millefoliumGewöhnliche Schafgarbe
    Agropyron repensGewöhnliche Quecke
    Arrhenatherum elatiusGlatthafer
    Berteroa incanaGraukresse
    Bromus hordeaceusWeiche Trespe
    Bromus sterilisTaube Trespe
    Calamagrostis epigejosLand-Reitgras
    Carex hirtaBehaarte Segge
    Cerastium holosteoidesGewöhnliches Hornkraut
    Cirsium arvenseAcker-Kratzdistel
    Convolvulus arvensisAcker-Winde
    Dactylis glomerataWiesen-Knäuelgras
    Daucus carotaWilde Möhre
    Descurainia sophiaBesenrauke, Sophienkraut
    Equisetum arvenseAcker-Schachtelhalm
    Erodium cicutariumGewöhnlicher Reiherschnabel
    Galium mollugoWiesen-Labkraut
    Holcus lanatusWolliges Honiggras
    Hypericum perforatumTüpfel-Johanniskraut
    Lactuca serriolaKompaß-Lattich
    Lathyrus pratensisWiesen-Platterbse
    Medicago lupulinaHopfen-Schneckenklee
    Myosotis arvensisAcker-Vergißmeinnicht
    Papaver rhoeasKlatsch-Mohn
    Poa pratensisWiesen-Rispengras
    Quercus roburStiel-Eiche (Naturverjüngung)
    Rumex thyrsiflorusStraußblütiger Sauerampfer
    Solidago canadensisKanadische Goldrute
    Taraxacum officinale agg.Agg. Wiesen-Löwenzahn
    Trifolium arvenseHasen-Klee
    Urtica dioicaGroße Brennessel
    Veronica arvensisFeld-Ehrenpreis
    Veronica chamaedrysGamander-Ehrenpreis
    Vicia angustifoliaSchmalblättrige Wicke
    Vicia hirsutaRauhhaarige Wicke