Schlagwort: Fotodokumentation

  • Kampf gegen Windmühlen

    Kampf gegen Windmühlen

    Seit nunmehr vier Jahren bekämpfen wir nun intensiv die Kanada-Goldrute – gefühlt ohne nennenswerte Erfolge.

    Neben der Beweidung mit Schafen und Kühen, werden jedes Jahr Teilflächen gemulcht. Aber wir werden sie mit diesen Maßnahmen einfach nicht los. Man müsste theoretisch die Pflanzen inklusive ihrer Rhizome rausreißen, aber das ist natürlich unrealistisch auf zehn Hektar Weidefläche. Es ist zum verzweifeln.

    Zum Glück habe ich im September 2019 Fotopunkte eingerichtet und im Juni 2020 ein Vegetationstransekt angelegt, um den Ausgangszustand zu dokumentieren und so habe ich einen sachlichen Vergleich. Denn auch wenn die Kanada-Goldrute noch in Massen vorkommt, so hat zumindest ihre Deckung abgenommen – immerhin. Damit konnte Licht und Platz für andere Pflanzenarten geschaffen werden und an diesen kleinen Lichtpunkten versuche ich mich zu erfreuen.

    Neu hinzugekommen sind beispielsweise Sand-Grasnelke, Wiesen-Labkraut, Wiesen-Margarite, Acker-Glockenblume, Wilde Möhre, Johanneskraut, Wiesen-Flockenblume, Seifenkraut, Gamander-Ehrenpreis und Vergissmeinicht.

    Margarite und Flockenblume sind vermutlich aus dem Saatgut, dass ich immer wieder mal in den Wühlstellen der Wildschweine verteilt habe. Dabei verwende ich nur Regio-Saatgut beispielsweise von Saaten Zeller oder Rieger-Hofmann aus dem Ursprungsgebiet Ostdeutsches Tiefland in der Ausprägung Frischwiese mit einem Kräuteranteil von 30%. Die anderen Arten sind anscheinend von allein aufgelaufen, aus dem Samenvorrat des Bodens oder aus Anflug auf unsere Weiden gekommen.

    Besonders gefreut habe ich mich über die Sand-Grasnelke (Armeria maritima subsp. elongata). Sie ist eine Charakterart der trockenen, kalkreichen Sandrasen und ein Zeiger für stickstoffarme Verhältnisse, wo wir sonst nur Kanada-Goldrute, Brennnessel, Sauerampfer & co haben, die auf einen extrem überdüngten Standort hinweisen. Die Sand-Grasnelke – ein echter Hoffnungsschimmer also 🙂

    In den folgenden Bilderreihen werden die Fotopunkte im Vergleich September 2019 und 2024 gegenübergestellt. Es wird immer ein Kampf gegen Windmühlen bleiben, aber ich freue mich über jede Auflichtung der ehemals nahezu 100% Kanada-Goldrutenbestände.

    September 2019
    September 2024

  • Graukresse 4.0

    Graukresse 4.0

    Hier kommt das jährliche Update zur Entwicklung der Graukresse auf unserer Hauptweide bzw. Winterkoppel. Seit 2020 geht diese Fläche zur Erholung der Grasnarbe in eine Sommerpause, d.h. der Beweidungsdruck durch die Pferde wird hier runtergenommen. Dafür wird sie – quasi als Erfrischungskur – vor der Samenreife der Graukresse gemulcht.

    Dabei zeigt sich, dass die Pflegemaßnahmen der letzten Jahre tatsächlich zur Eindämmung der Graukresse geführt haben. Denn zum Glück ist sie zweijährig, d.h. die Pflanze stirbt nach der Samenreife im zweiten Jahr ab und es macht durchaus Sinn, sie vorher rauszureißen, zu mähen oder zu mulchen. Man wird immer noch ein großes Samenpotential im Boden haben, aber es scheint wirklich eine gute Methode zu sein, um diese Giftpflanze auf Dauer in Schach zu halten. Hier ein Vergleich der Entwicklung im Laufe der Jahre:

    Juli 2019
    Juli 2021
    Juli 2023

    Die reichhaltigen Niederschläge der letzten Monate haben außerdem zu einer üppigen Vegetationsentwicklung mit Schafgarbe, Hundskamille, Hundszunge, Ochsenzunge, Malve, Wegwarte, Natternkopf, Lichtnelke, Luzerne etc. gesorgt. So bleibt der Graukresse auch nicht mehr viel Platz und sie kann ihren Konkurrenzvorteil, dass sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist, nicht mehr ausspielen. An einer Stelle hat sich sogar Wiesen-Flockenblume etabliert, darüber hab ich mich besonders gefreut. Sie ist vermutlich aus Saatgut hervorgegangen, dass ich mal vor zwei Jahren ausgebracht hatte. Aktuell macht es wirklich viel Freude über unsere Hauptweide zu laufen, denn überall fliegen Wildbienen und Schmetterlinge umher, saugen an den Blüten und die Heuschrecken zirpen dazu. Es wäre deshalb auch ökologischer Wahnsinn, in diese Fülle reinzumulchen.

    Und zum Glück sind die Stellen mit Graukresse überschaubar geworden und können entweder mit Freischneider oder Sense partiell gemäht oder einzeln per Hand rausgezogen werden. Vor allem jetzt, wo der Boden noch gut feucht ist, kann man die Pflanzen mit Wurzel rausziehen und hat teilweise ganze Büschel in der Hand. Dadurch haben wir eine weitgehend Graukressenfreie und dennoch blütenreiche Hauptweide. So kann sich nun im vierten Jahr seit Beginn dieser Maßnahmen Artenvielfalt auf der Pferdeweide ohne „Insektenschreddern“ entwickeln.

  • Wettersüchtig

    Wettersüchtig

    Wenn man versucht zehn Pferde über den Sommer ohne Heu zu bekommen, wird man wohl zwangsläufig Wetter-App-süchtig…

    Direkt nach dem Aufwachen ist das Erste, was ich mache, Wetteronline checken. Wenn Regen in Aussicht ist, hebt sich meine Laune, wenn der Regen, der schon mal in Aussicht gestellt wurde, „weg ist“, verfinstert sich meine Miene. Dann kann man noch mal andere Wetterberichte ausprobieren, aber es bleibt dabei, man muss einfach abwarten, ob Regen kommt oder nicht. Der Mai war wunderbar nass und kalt. Ich weiß, das hört sich schräg an, aber mittlerweile sieht man das Wetter (fast) nur noch aus Sicht der Entwicklung der Weiden. Und nun zeichnet sich wieder ein Jahr mit Dürren und Unwetter wie kurzen Starkregen, Hagel, Gewitter etc. ab.

    Im Mai ist alles schön hoch gewachsen, seit Juni ist es heiss und trocken. Es müsste also eine phantastische Heuernte geben, zumindest für den ersten Schnitt. Leider haben wir nicht die Möglichkeit Heu selbst zu machen und es ist schwer jemanden zu finden, der das für uns macht. Da die Pferde nicht alles auf einmal auffressen können, haben wir nun extrem viel überständige Vegetation. Vor allem viel Glatthafer, der ausgesamt, seine Nährstoffe in den Boden gezogen hat und nur noch als gelbe Rohfaser rumsteht. Im Prinzip kommen zwei Probleme auf unseren Flächen zusammen, wir können im Juni, wenn es den „Heuberg“ gibt, nicht selbst ernten, sondern nur mulchen. Und beim Mulchen ist man davon abhängig, dass es regnet und noch mal Gras nachwächst, so dass man wieder genug Futter hat.

    Fuchwiese am 19.05.2021
    Fuchswiese am 06.06.2021
    Fuchswiese am 20.06.2021

    Und wir haben nur wenig Pflanzenarten: Da ist zum Einen die Kanada-Goldrute, die von den Pferden nicht gefressen wird und zum Anderen der Glatthafer, der vor allem für Heu, aber nicht als frisches Weidegras geeignet ist. Aktuell kommt auch die Graukresse wieder zum Vorschein. Schön wäre hingegen eine kräuterreiche Weide mit verschiedenen Pflanzenarten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten grün sind. Beispielsweise würde ich mir mehr Luzerne, Schafgarbe, Margarite, Wilde Möhre, Skabiosen, Flockenblumen, Schwingel, Fuchsschwanz und all die Arten wünschen, die auf eine artenreiche Wiese oder Weide gehören. (Alle Versuche einer Aussaat mit standortheimischem, regiozertifizierten Saatgut sind gescheitert…). Das würde beispielsweise so aussehen:

    Aber uns bleibt zunächst nichts anderes übrig, als den vertrockneten Glatthafer und die Kanada-Goldrute „runter zu mulchen“, in der Hoffnung auf Regen und neues Futter. Ich hoffe, dass wir noch mal Schafe bekommen, damit sie die Kanada-Goldrute fressen…

    31.05.2021, die Jägerwiese steht noch im Saft
    27.06.2021, die Jägerwiese besteht nur noch aus Kanada-Goldrute und vertrocknetem Gras
  • Fotopunkte II

    Neben dem Vegetations- und Tagfaltertransekt habe ich letztes Jahr im Herbst ein paar Fotopunkte eingerichtet.

    Im Folgenden möchte ich zwei davon zeigen und beschreiben, was auf diesen Flächen in punkto Weidepflege passiert ist.

    September 2019
    März 2020

    Juni 2020
    Juli 2020
    August 2020
    September 2020

    Der Fotopunkt ist auf einem Hochstand auf unserer „Jägerwiese“ mit Blick auf die „Fuchswiese“ entstanden. Auf der Fuchswiese ist ein Fuchsbau – daher der Name – und Jägerwiese hat sich natürlich aufgrund der Jagdkanzel angeboten. Von diesem Punkt aus soll über die Zeit beobachtet werden, wie wir hoffentlich die Kanada-Goldrute in den Griff bekommen.

    Über den Winter hatten wir die Skudden, welche die Goldrute ganz gut abgefressen haben und alles schön kurz gehalten haben. Im Frühjahr kamen dann die Pferde auf diese beiden Weiden und im Juli habe ich die Flächen gemulcht. Das Mulchen war ja leider etwas nach hinten losgegangen, wie bereits in dem Beitrag „Verbrannt“ beschrieben. Es blieb nichts anderes übrig als mit der Zufütterung von Heu zu beginnen, was eigentlich erst für Oktober geplant war. Mit den Niederschlägen Anfang September ist jedoch innerhalb kurzer Zeit alles wieder grün geworden und wir konnten die Pferde wieder auf diese beiden Weiden lassen.

    Eine andere Perspektive auf die Fuchs- und Jägerwiese zeigen folgende Bilder:

    September 2019
    Juli 2020
    September 2020