Schlagwort: Gehölze

  • Naturschutz auf der Pferdeweide

    Wie geht das denn? Und nützt das auch den Pferden?

    Das aktuelle Heft der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ der VFD widmet sich dem „Thema Pferde halten – Natur schützen“ und zeigt Wege auf, wie sich Pferdehalter ihrer Verantwortung für den Naturschutz stellen können. In guten Beiträgen werden komplexe Zusammenhänge auf den Punkt gebracht und konkrete Anregungen für eine artgerechte Pferdehaltung, gesunde Weiden als Futtergrundlage und dem Schutz der Artenvielfalt aufgezeigt.

    Die Artikel sprechen mir dabei förmlich aus der Seele. Es wird beispielsweise erklärt, warum es eine WinWin-Situation wäre, wenn Freizeit-Pferdehalter Heu aus ungedüngten, spät geschnittenem, also proteinarmen, dafür kräuterreichen Wiesen füttern würden. Und auch eine extensiv genutzte, arten- und kräuterreiche Weide wäre für die meisten unserer Pferde besser geeignet als fruktanreiche Intensivgraslandschaften, die eher Rinderfutter sind. Pflanzenvielfalt, Blütenreichtum und auch mal was stehen lassen nützen dabei auch dem Insektenschutz. Ein ganzer Artikel widmt sich sogar speziell dem Insektensterben und was man auf der Weide dagegen tun kann. Zusammengefasst und stark vereinfacht:

    • Verzicht auf prophylaktische Wurmkuren
    • Verzicht auf Bremsenfallen
    • Verzicht auf Nachpflege, denn „Mähen tötet den Nachwuchs“ (Puppen- und Raupenstadien)
    • Verzicht auf rotierende Mähwerke und Mulchsammler
    • eine möglichst angepasste Anzahl an Pferden, damit Pflanzen Blüten ausbilden können

    Auch der Mehrwert von Hecken als Lebensraum, Biotopverbund, Windschutz und Knabberei für die Pferde wird aufgezeigt und welche Gehölze sich eignen, welche für Pferde giftig sind. Hecken und Gehölzreihen schützen die Weide auch vor Austrocknung in Dürreperioden. Und natürlich wird auch das Thema Giftpflanzen behandelt mit Tipps zur Eindämmung von Jakobskreuzkraut, Graukresse & co.

    Es wird beispielsweise beschrieben, dass die Graukresse in den letzten Jahren von der Trockenheit profitiert hat und sich vor allem auf übernutzten Weiden ausbreitet. Dagegen hilft nur eine nachhaltige Nutzung und wenn sie sich schon auf größeren Flächen ausgebreitet hat, ein Mulchen vor der Samenbildung im Juni.

    Auch die Themen Herbizid- und Düngemitteleinsatz sowie deren Nachteile für die Pferdegesundheit und Umwelt werden behandelt. Dabei kann man einen ganz einfachen Zusammenhang nicht oft genug betonen. Nur auf ungedüngten Wiesen und Weiden gibt es eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern, da sich ansonsten nur einige wenige konkurrenzstarke Arten ausbreiten und das nützt auch der Pferdegesundheit, denn „Wo Pferde gesund bleiben, herrscht bunte Vielfalt„.

  • Wintervögel

    Endlich hat es geschneit und der Winter ist da 🙂

    Jetzt im Winter zeigt sich, ob unsere Weiden noch genug hergeben für Vögel, die im Winter bei uns bleiben. Amsel, Meisen, Sperling, Zaunkönig, Eichelhäher und viele weitere Vögel kann man im Winter sehr gut beobachten, wenn man ihnen Nahrung bietet. Die Hundsrose beispielsweise trägt noch im Winter beliebte, rote Früchte. Hagebutten sind nicht nur für die Pferde sehr gesund, da sie viel Vitamin C enthalten, sondern dienen auch unseren Wintervögeln als wichtige Nahrungsquelle. Folgende Abbildungen stammen aus dem Tagebuch der Edith Holden und verdeutlichen wunderbar den Wert von „Wilden Ecken“ – auch auf der Pferdeweide.

    Sehr wichtig ist auch überständige Vegetation mit Sämereien, von denen sich die Vögel im Winter, wenn es keine Insekten gibt, ernähren können. Bei uns gibt es noch einige Bereiche mit überständiger Vegetation und Sträuchern wie Hundsrose, Brombeere oder Weißdorn. Wenn die Pferde nicht so extensiv gehalten werden können, wäre es auch hilfreich, Teilbereiche auszuzäunen.

    Ich habe jetzt auch einen Bereich mit insgesamt fünf Eichen auszäunen müssen, weil der Verbiss und das Schälen durch die Pferde so stark ist, dass die Gefahr bestand, dass die Eichen eingehen. Solche ausgezäunten Bereiche haben auch den Vorteil, dass die Vegetation über den Winter stehen bleiben kann, als Überwinterungsmöglichkeit für Insekten und mit Nahrungsangebot für Vögel.

    Ansonsten ist es natürlich auch legitim Vögel einfach zu füttern, wenn man sie im Winter unterstützen und beobachten will. Tipps zur Vogelfütterung findet man beispielsweise beim NABU.

    Und nächstes Wochenende ist auch wieder Stunde der Wintervögel – eine gute Gelegenheit mal die Vögel auf der eigenen Weide, im Garten oder am Haus zu beobachten. Viel Spaß dabei 🙂

  • Koppel aufräumen

    Koppel aufräumen

    Jetzt wo man langsam „Land sieht“ auf unseren Flächen, habe ich angefangen Steine zu sammeln…

    Der Plan war eigentlich große Steine für einen Lesesteinhaufen zu sammeln. Mit jeder Bearbeitung wie schleppen oder mulchen kommen auch immer wieder mehr oder weniger große Steine hoch. Seit jeher werden solche Steine, die mit der letzten Eiszeit transportiert wurden, am Feldrand abgelegt.

    Lesesteinhaufen sind Versteckmöglichkeiten, Sonnplätze und Überwinterungs-möglichkeiten für eine Vielzahl von Artengruppen wie Insekten, Spinnen, Reptilien, Amphibien oder auch Brutplätze beispielsweise für den Steinschmätzer.

    Aber als ich mich mit meiner Schubkarre aufgemacht habe, um Steine von unseren Flächen zu sammeln, habe ich auch gleich noch viel mehr gefunden, was durch die Bearbeitung zu Tage kam. Eine vielfältige Auswahl an Glas, Metall, Stoff und Plastik. Es ist also eine gute Gelegenheit mal die Koppel aufzuräumen 😉

    Eine gute Anregung wie man Lesesteinhaufen anlegt, findet man hier.

    Dabei macht es auch durchaus Sinn, Holz das verstreut rumliegt auf einen Haufen zu schichten. Zum Einen schafft man dadurch Lebensraumstrukturen und zum Anderen stören die Holzstämme nicht bei der nächsten Bearbeitung wie Mahd, Mulchen oder Schleppen. Hier habe ich beispielsweise Holzteile kurzerhand zu einem kleinen Haufen zwischen zwei Sträuchern aufgeschichtet.

    Auch die Vielzahl an Ästen, die zusammen kam, als wir Sträucher und alte Obstbäume entastet haben – vor allem zum Schutz der Pferdeaugen – wurden als Totholzhaufen liegen gelassen. Oder wenn mal die eine oder andere alte Pappel umfällt, bietet sie sicherlich auch Brennholz, aber nicht im Ganzen, es darf auch gern etwas liegen bleiben…

    Bereits durch meinen Vorgänger aufgestalpeter Holzhaufen aus Ästen, die wegen der Verletzungsgefahr von den Sträuchern entfernt wurden.
    Umgestürzte Pappel, die teilweise aufgearbeitet wurde. Der Stubben blieb als stehendes Totholz erhalten und die Reste wurden als Haufen innerhalb der Baumreihe aufgeschichtet.
    Ebenfalls durch meine Vorgänger am Rand abgelegte Stämme von umgefallenen Pappeln als wertvolle Lebensraumstruktur und Mikrohabitat

  • Was ist Natur (-schutz)?

    Ich stelle immer wieder fest, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was „Natur“ ist. Und dementsprechend auch viele Missverständnisse, was dann eigentlich „Natur-Schutz“ ist….

    Für viele Menschen ist Wald die einzig wahre Natur. Aber kennen wir einen „natürlich“ aufgewachsenen Wald? Abgesehen von den Heiligen Hallen – ein 25Hektar kleines Waldstück, das sich seit dem 30-jährigen Krieg vermutlich selbst etabliert hat und zumindest seit Ende des 19. Jahrhunderts ohne menschlichen Einfluss, also sich selbst überlassen ist. Ansonsten kennen wir nur geregelte Forstwirtschaft, Holzplantagen angelegt in viereckigen Forstrevieren, meist auf Flächen, die bis zum 19. Jahrhundert noch Offenland waren. In Brandenburg wurden in der Regel Kiefern angepflanzt. Sicherlich gibt es hier und dort kleine Inseln aus Buchenwäldern, reliktartig eingestreute Eichenwälder, Moorwälder, Ulmen-Hang- oder Auenwälder aus natürlicher Sukzession.

    Aber wie würde unsere Landschaft aussehen, wenn nicht mehr als die Hälfte des Landes landwirtschaftlich genutzt wäre, wenn nicht alle Flüsse begradigt und eingedeicht wären, Niedermoore entwässert, Wälder angepflanzt? Wenn Biber machen könnten, was sie wollen, wenn sich Feuer ausbreiten könnten und der Mensch nicht alle großen Säugetiere wie Auerochsen, Wisente, Pferde, Wölfe und Bären ausgerottet oder verdrängt hätte?

    https://www.abu-naturschutz.de/veroeffentlichungen/wilde-weiden

    Wir können es uns nicht vorstellen, aber mit Sicherheit wäre Mitteleuropa nicht vollständig von Wald bedeckt. Und der Großteil unserer Artenvielfalt, die wir im Naturschutz erhalten wollen, ist an offene Lebensräume und Habitatkomplexe gebunden. Artenvielfalt braucht ein zeitliches und räumliches Mosaik aus offenem Boden, Weiderasen, Hochstaudenfluren, Röhrichten, Gebüschen, Baumgruppen bis hinzu geschlossenen Wäldern. Beispielsweise sind die meisten Tagfalterarten an Offenland und Säume gebunden. Aber genau diese Bereiche fehlen uns heute durch die strikte Trennung von Wald, Wiese und Acker.

    Noch bis zur Einführung der industriellen Land- und Forstwirtschaft sowie der Entwässerung der Moore und Begradigung all unserer großen Flüsse haben viele Arten durchaus Ersatzhabitate in den von Menschen geschaffenen Lebensräumen gefunden. „Kulturfolger“ fanden neue Nischen in den anthropogen geprägten Landschaften mit ihren Äckern, Wiesen, Weiden, Wegsäumen, Hecken, Streuobstwiesen und Hutewäldern.

    Aber mit der Intensivierung der Landnutzung, der Einführung von Großtechnik, Pestiziden, Mineraldünger und der Trennung von Wald und Offenland nahm die Artenvielfalt rapide ab.

    Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist 120608_m_1.jpg.
    WIJNGAERDT, ANTHONIE JACOBUS VAN
    (Rotterdam 1808 – 1887 Haarlem)
    Weidelandschaft.
    Naturschutz mit Wasserbüffel und Koniks in der Döberitzer Heide

    Von den Pflanzenfressern, die einst die Landschaft mitgestaltet haben, sind uns nur noch Reh und Hirsch geblieben, die anderen kennen wir nur als fossile Reste oder Höhlenmalerei. Wildschweine und Biber gestalten noch in kleinem Rahmen ihre Umgebung. Und ansonsten versuchen Naturschützer mit viel Arbeit, größtenteils im Ehrenamt Artenvielfalt zu bewahren. Dabei besteht der praktische Naturschutz meist aus der Pflege von Wiesen und Weiden.

    Gleichzeitig haben wir sehr viel Grünland, das von Pferdehaltern genutzt wird und durchaus das Potential hätte, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten:

    • Wenn Pferdeweiden nicht so stark überbeweidet werden und es im Sommer auch Blühaspekte gibt.
    • Wenn auch mal Weidereste von Brennnesseln, Disteln oder Beifuss über den Winter stehen bleiben können.
    • Wenn man Wilde Ecken und ggf. auch auf das Aufwachsen von Sträuchern wie Wildrose oder Weißdorn zulassen kann.
    • Wenn man bestehende Lebensraumstrukturen wie Gehölzgruppen, Kleingewässer oder Totholzhaufen erhält und/oder gezielt fördert.
    • Wenn man sich als Pferdehalter mit Wurmkuren zurückhalten würde, nur im Winter eine Wurmkur gibt und ansonsten nur selektiv entwurmt.
    • Wenn man auf Schleppen, Walzen und Mulchen während der Brutsaion (Anfang März bis Juli/August) verzichtet.
    • Wenn man auf Mineraldünger und Pestizide verzichtet.
    • Wenn man auf Nachsaat mit konventionellem Saatgut verzichtet (Ausnahme ist natürlich regiozertifiziertes Saatgut) und lieber auf Pioniervegetation setzt.

    So könnten alle Pferdehalter zum aktiven Naturschützer werden. 🙂

    Noch mehr konkrete Tipps für Pferdehalter gibt es hier:

  • Herbst

    Die bunte Jahreszeit mit vielen Naschereien für die Pferde…

    Heute morgen gab es ein wenig Frost und es ist einfach wunderbar, morgens über die Weide zu laufen, wenn alles noch still ist, die Sonne aufgeht und die Pferde friedlich grasen.

    Bei meinem morgendlichen Rundgang fiel mir auch auf, dass die Brennnesseln abgeweidet wurden. Die Brennnessel verliert im Herbst – vor allem beim ersten Frost – ihre Brennhaare und kann von den Pferden abgefressen werden. Brennnessel ist bekanntlich sehr gesund und enthält viele Vitamine und Mineralien. Wobei ich nie verstehen konnte, warum Pferdehalter Brennnessel, Hagebutten, Beifuß & co. kaufen. Selbst wenn die Weiden solche schönen Leckereien vermissen lassen, was traurig genug ist, kann man überall Kräuter und Hagebutten selbst sammeln. Auch Hagebutten sind gesund, enthalten viel Vitamin C und können von den Pferden abgenascht werden. Oder Weißdorn, er wächst auf jeder Weide von ganz allein, wenn die Flächen nicht allzu nicht intensiv genutzt werden und er ist gut für das Herz-Kreislauf-System.

    Viele Pferdehalter haben natürlich Angst vor dem ersten Frost im Herbst und der damit einhergehenden vermehrten Fruktan-Einlagerung in den Gräsern. Ich sehe bei uns auf den Weiden jedoch nicht die Gefahr. Zum Einen bekommen die Pferde schon seit längerem Heu dazugefüttert, haben rund um die Uhr Bewegung, können an vielen verschiedenen Kräutern und Gehölzen knabbern und zum Anderen, sind die Gräser weniger „gestresst“, wenn man die Flächen nicht permanent überbeweidet.

    Außerdem sollten man auf Saatgutmischungen mit hohem Anteil an Weidelgras verzichten und lieber darauf setzen, was von allein auf der Weide wächst – wenn es nicht grad Kanada-Goldrute, Graukresse oder Jakobs-Kreuzkraut ist, schon klar 😉

  • Hute-Eichen

    Die Eiche ist mein Lieblingsbaum – ich denke dabei gern an Gemälde von Caspar David Friedrich…

    Zum Beispiel das Bild „Der Einsame Baum“ von 1822. Es zeigt eine Weidelandschaft mit einzelnen Alteichen und einem Schäfer, der sich an den riesigen Baum lehnt. Eichen werden rund 500 Jahre alt, können aber auch älter werden. Gern werben Ortschaften mit „1000-jährigen“ Eichen wie beispielsweise die Ivenacker Eichen, die rund 600 bis 800 Jahre alt sind. Meist haben sich bis heute sogenannte Weide- oder Huteeichen mit ausladenden Kronen erhalten, die beeindruckende Zeugen der Zeit und Relikte früherer Weidelandschaften sind.

    Eichen sind lichtbedürftig und können sich beispielsweise nicht unter dem dunklen Blätterdach eines Buchenwaldes verjüngen. In Weidelandschaften können sie sich jedoch im Schutz dorniger Sträucher etablieren. Hilfe leistet dabei der Eichelhäher, der Eicheln gern in „Gestrüpp“ wie beispielsweise in Brombeeren versteckt.

    Die folgenden Bilder zeigen zwar keine Weide, sondern eine Hecke am Wegrand mit Brombeere und aufwachsenden Eichen in unterschiedlichen Alterklassen, aber so kann das Prinzip verdeutlicht werden. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auf diese Weise die heutigen, in Brandenburg typischen Baumreihen und Alleen entstanden sind.

    Zwischen Pflanzen und Weidetieren gibt es natürlich eine jahrhundertealte Anpassung und so verwundert es nicht, dass auf Weiden dornige Sträucher aufwachsen, welche gut gegen Verbiss geschützt sind. Und das Weidetiere sehr gern an Eichen knabbern und Eicheln, Eichenrinde oder Blätter in Maßen sogar gesund sind. Beispielsweise können Fruktane in den Gräsern, die im Herbst vermehrt eingelagert werden, durch die Gerbsäure der Eicheln ausgeglichen werden.

    Aber leider musste ich am Wochenende feststellen, dass unsere Pferde die Eichen etwas zu gern haben. Ich bin froh, dass ich zumindest eine Eiche, gemeinsam mit einem Fuchsbau ausgezäunt habe. Und auch im Schutz einer Baumreihe, die ausgezäunt ist, haben sich einige Eichen etablieren können. Bei den geschälten Eichen bin ich gespannt, ob sie das überleben werden. Es wäre doch eigentlich schade um diese Bäume. Aber gut, nun wird man sehen, wie gut die Eiche mit Beweidung klar kommt….

    Und vielleicht muss man doch, bei aller Liebe zur „Wildnis“ bzw. die Pferde machen lassen, doch das eine oder andere vor ihrem Verbiss schützen…

  • Lebensraum Auslauf

    So lautet das Titelthema der aktuellen Ausgabe der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ des VFD.

    In diesem Heft ist der Auslauf Schwerpunktthema und behandelt alles rund um Mindestmaße, Stressvermeidung, Hütesicherheit, Befestigung, Trail-Ideen, Matschpaddocks und wie man auch auf einem intensiv genutzten Paddock kleine Naturoasen schaffen kann.

    Zum Beispiel kann man Ecken abrunden und damit kleine Habitate schaffen. Wie im Bild oben rechts. Hier hat sich in einer ausgezäunten Ecke eine Birke etabliert. Im Hintergrund sieht man außerdem einen Holunder, der zwischen zwei Baumstämmen aufwachsen konnte und von den Pferden „geformt“ und gern als Schattenplatz genutzt wird. Unten rechts ist ein ausgezäunter Bereich mit angepflanzten Gehölzen, der sporadisch genutzt wird, z.B. wenn man mal Pferde zwischenparken muss.

    Die Bilder sind nicht in Glindow entstanden. Wir haben keinen Paddock, aber ich fand auf dieser Anlage sehr beeindruckend, wie mit einfachen Mitteln auch auf einem intensiv genutzten Auslauf wertvolle Lebensräume geschaffen wurden.

    Weitere Empfehlungen der Autorin sind die Anlage von Lesesteinhaufen, Totholzhaufen, das Zulassen von Wilden Ecken, der Aufwuchs von Sträuchern beispielsweise zwischen Doppelzäunen und die Förderung von Schwalben durch das Anbieten von feuchtem Lehm.

    Wilde Ecken haben wir mehr als genug, im Prinzip sind unsere ganzen Weiden ziemlich wild. Bei uns ist eher die Herausforderung „einen Grund reinzukriegen“. Dennoch habe ich auch ein Bild aus Glindow mit einer „verlotterten Ecke“, nämlich auf dem Reitplatz. Hier wachsen hinter dem Hufschlag Mohnblumen, Wicken, Sauerampfer, Rainfarn, Beifuss, Brennnessel, Hirtentäschel, Erdrauch, Knaulgras, Weiche Trespe, Rispengras und sicher noch einiges mehr. Eine kleine Bienen- und Augenweide, die sich selbst etabliert hat.

  • Hundsrose, Eiche & co.

    Am Wochenende habe ich die Pferde dabei erwischt, wie sie an den Gehölzen geknabbert haben, die ich neulich schon beschrieben habe. Besonders beliebt war ein Strauch mit Hundsrose. Auch der Schatten der Bäume ist jetzt schon willkommen.

    Im Schutz solcher dornigen Sträucher, welche durch das Anknabbern richtig verdichtet werden, können Vögel brüten und langfristig sogar Eichen aufwachsen. Denn der Eichelhäher versteckt die Eicheln bevorzugt im „Dornengestrüpp“, in dem sie am besten vor anderen Fressfeinden geschützt sind. So kann, wenn man es zulässt, eine halboffene, artenreiche Weidelandschaft entstehen.

    Mehr zu diesem Thema kann man im „Praxisleitfaden für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung“ (Bunzel-Drüke et al. 2008) nachlesen. Der Praxisleitfaden ist die Bibel der Anhänger von Weidelandschaften und kann kostenlos als PDF runtergeladen werden.

    Hier eine schematische Darstellung zur Entstehung einer halboffenen Weidelandschaft:

  • Gehölze auf der Pferdeweide

    Wenn die Beweidung nicht allzu intensiv ist, können sich auch Gehölze auf einer Pferdeweide von ganz allein etablieren oder man gibt ihnen bewusst kleine Räume, in denen sie sich ausbreiten können...

    Wir haben in Glindow das unverschämte Glück, dass wir eine wunderschöne Pappelreihe und bereits viele von allein aufgewachsene Bäume und Sträucher haben. Teilweise habe ich die Pappelreihe ausgezäunt, um auch der Natur ihren freien Lauf zu lassen. In der Pappelreihe wachsen Weißdorn, Wildrose, Wildbirne und Holunder. Die Früchte des Weißdorn enthalten Wirkstoffe, die gut fürs Herz-Kreislauf-System sind und die Hagebutten der Wildrose enthalten viel Vitamin C. Auf diese Weise können sich die Pferde im Herbst selbst gesund erhalten, in dem sie an den Früchten naschen.

    Jetzt im Frühjahr blühen viele Bäume und Sträucher und es ist ein herrliches Summen und Brummen. Tagsüber hört man die Mönchsgrasmücke, Klappergrasmücke und abends die Nachtigall aus dem „Gestrüpp“ singen. So haben die Insekten und die Vögel Nahrung, Lebensraum und die Pferde Schatten und immer wieder auch mal Gehölze an denen sie knabbern können.

    Vor allem wenn wir so trockene Jahre haben, wie dieses wieder eins zu werden scheint, haben die Bäume und Sträucher auch den Vorteil, dass sie für ein besseres Mikroklima auf der Weide sorgen. Sie bieten Schatten, bremsen den Wind und hindern ihn daran, abgefressene Weiden noch mehr auszutrocknen.

    Auf einer Fläche haben wir einen Fuchsbau, den ich ohnehin hätte auszäunen müssen, damit die Pferde nicht in das Loch treten und natürlich um dem Fuchs nicht seinen Lebensraum zu nehmen. Etwas daneben steht eine kleine Eiche, die ich gern befördern möchte. Sie sollte nicht von den Pferden geschält und zum Absterben gebracht werden. Ich denke, man sollte diesem Baum die Chance geben, irgendwann eine schöne, freistehende Eiche wie auf einem Gemälde von Caspar David Friedrich zu werden. Deshalb wurde sie mit ausgezäunt. Mich erfreut der Gedanke, dass man auf diese Weise ein Mosaik an Lebensraumstrukturen erhalten oder schaffen kann, das eine artgerechte Pferdehaltung mit Naturschutz verbindet.

  • Lebensraumstrukturen

    Eines der Ziele meines Beweidungsprojektes ist die Schaffung von Lebensraumstrukturen….

    Dazu gehört unter anderem das Zulassen von Gehölzaufwuchs. Beim Abschleppen einer neu eingerichteten Weide habe ich ganz bewusst aufgewachsene Sträucher umfahren. Sie waren bereits von sich aus aufgewachsen und sind erwünscht. Zum einen bieten sie den Pferden Schatten und im Herbst gesunde Früchte wie Hagebutten, die sie naschen können und zum anderen bieten sie Vögel einen Lebensraum. Beim Abschleppen sind auch einige Steine aufgetaucht, aus denen ich irgendwann einen Lesesteinhaufen aufschichten kann. Mehr zum Thema Lesesteinhaufen könnt ihr hier lesen.

    Wir haben auch bereits einige Totholzhaufen, die ich gern liegen lasse, damit Vögel darin brüten können, Igel im Winter ein Zuhause oder Zauneidechsen ein Versteck finden. Abgestorbene Pappeln, die zu einem Haufen aufgeschichtet wurden oder Abschnitt findet sich immer, um Lebensraumstrukturen zu schaffen.

    Einen alten Zaun, der nicht mehr gebraucht wird und ehrlich gesagt auch nicht mehr zu gebrauchen war, habe ich heute abgebaut. Aber die alten Holzpfosten, die noch standfest sind habe ich stehen lassen. Daran können sich die Pferde schubbern und Vögel nutzen solche vertikalen Strukturen gern als Ansitz- und Singwarte. Wie man auf einem der folgenden Bilder am reichlichen Vogelkot sehen kann. Nur die Ringisolatoren habe ich entfernt, damit sich die Pferde nicht daran verletzen können und vielleicht bieten sie solitären Wildbienen Unterschlupf? Das werde ich im Auge behalten und berichten, ob diese Löcher angenommen werden. Auf jeden Fall können sich zahlreiche Insekten in den Löchern und Rissen tummeln…