Schlagwort: Klimawandel

  • Frühling

    Frühling

    Wir hatten einen recht harten – naja oder vielleicht seit langem mal wieder normalen Winter? Auf jeden Fall war es für Tierhalter eine Herausforderung, mit anhaltenden Minusgraden, Eisregen und geschlossener Schneedecke umzugehen.

    Aber aktuell merkt man, dass die Pferde lieber grasen wollen und wir weniger Heu anbieten müssen. Als es richtig knackig kalt war, musste man zweimal in der Woche zwei Heuballen fahren, aktuell reichen zwei Ballen für sieben Pferde und zwei Kühe über eine Woche. Wenn noch etwas mehr Regen kommen würde, könnte das Gras auch noch besser wachsen und wir könnten das Heu ganz ausschleichen lassen. Laut meinem Regenmesser hatten wir in diesem Jahr bisher nur 66mm. Letztes Jahr war es auch schon mit 68mm zu trocken für diese Jahreszeit. Im Jahr 2023 hatten wir 125mm und im Jahr 2024 122mm, was auch eher im langjährigen Mittel (laut Wetterstation Potsdam) mit 100-130mm für die Monate Januar bis März liegt.

    Ich kenne meinen Assan nun seit 2011 und ich weiß ja nun mittleweile, dass er ab März/April kein Heu mehr fressen möchte, er will dann lieber das frische Grün abnagen. Deshalb habe ich vor der Zeit in Glindow viele Stunden mit grasen an der Hand verbracht. Das muss ich nun zwar nicht mehr, dafür hat man natürlich vieles andere zu tun 😉

    Und leider haben wir auch in diesem Frühling keinen leichten, unbeschwerten Start in die Weidesaison. Theoretisch können unsere Pferde ganzjährig grasen gehen, das heißt, wir haben eigentlich kein Thema mit an- und abweiden. Aber irgendwas ist ja immer….

    Dieses Jahr haben wir eine Ponystute, die mit einer Ataxie (mit unklarer Ursache) in die Klink musste, ohne Befund wieder zurück kam und seperat untergebracht werden muss. Sie steht nun im Unterstand mit einem kleinen Auslauf davor und muss neu angeweidet und in die Herde integriert werden.

    Das Problem daran ist außerdem, dass ich die Weiden, auf denen die Ponystute die anderen Pferde nicht mehr sehen würde, schließen musste, damit sie nicht in Panik gerät. Und irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, in dem die nahegelegenen Flächen abgegrast sind und die anderen Pferde wieder angeweidet werden müssten. Eine unklomplizierte Jahreszeit gibt es wohl nicht, aber auch hier werden wir wieder Lösungen finden (müssen), die für alle passen.

    Schön und wohltuend sind jedenfalls die ersten warmen Sonnenstrahlen, das Vogelgezwitscher und der Beginn der Blüten bei Wildbirne, Schlehe und Kirschpflaume. Auch die Pappeln haben derzeit schöne, lilafarbende Kätzchen als Blütenstände und die ersten Frühblüher wie Rote Taubnessel, Ehrenpreis oder Lerchensporn erfreuen das Herz.

    Der Plan ist für dieses Jahr die Hauptweide wieder nach dem Ausschleichen des Heus komplett zu schließen, wegen der vielen Kothaufen abzuschleppen und Ende Mai/Anfang Juni zu mulchen. Nicht weil ich ein großer Fan des Mulchens wäre, aber um die Graukresse (vor Samenreife) und den Endoparasiten Einhalt zu gebieten. Und wie jedes Jahr wird sich wohl zeigen, dass nichts so beständig ist wie die Planänderung…

  • Graukresse

    Graukresse

    Im letzten Blogeintrag zur Graukresse im März diesen Jahres war ich noch sehr optimistisch, dass wir das Problem mit Rausziehen der einzelnen Pflanzen in den Griff bekommen. Denn es wäre schön, wenn man ohne Mähen oder Mulchen auskommt, um Insekten etc. zu schonen, aber in diesem Jahr hat sich die Graukresse wieder besonders stark ausgebreitet.

    Sie hat anscheinend davon profitiert, dass es erst eine Dürrephase im Mai, Juni und dann eine Regenphase im Juli gab. Sie ist durch ihre Sternhaare auf der Oberfläche sehr gut gegen Verdunstung geschützt und kommt mit Dürre super zurecht, da sie ursprünglich aus Halbwüsten-Regionen wie Mittelasien kommt. Sie kommt laut FloraWeb auf nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren vor und man kann sie aktuell in Brandenburg, (vor allem auf sandigen Standorten) häufig bewundern…

    Wir haben sie in den letzten Jahren vor der Ausbildung der Samenkapseln gemulcht und hatten sie damit ganz gut zurück gedrängt. Jetzt nach dem Regen im Juli ist sie wieder massenhaft auf unseren Weiden zurück gekehrt und hat bereits Samenkapseln ausgebildet. Nun muss die gesamte Pflanze durch rausziehen oder mähen entfernt werden, da sie sonst nachreifen kann und beim mulchen werden die kleinen Samen nicht zerschlagen, bleiben liegen und man kann sich den Maschineneinsatz sparen.

    Da es nun also zu spät zum mulchen ist, müssen wir sie per Hand rausziehen, was sehr aufwendig, mühselig und zeitraubend ist. Und jede Graukresse, die ich bisher rausgezogen habe, ist auch verbissen, d.h., sie wird (mit-)gefressen, auch wenn noch sehr viel anderes Futter da ist…

    Die ganz besonders schlimmen Flächen haben wir zunächst ausgezäunt, um sie mit einem Rasenmäher (mit Korb) zu mähen und zumindest ein weiteres Aussamen zu verhindern.

    Tja, wie sagt Bent Branderup ? „Schöne Zeit mit dem Pferd verbringen“ …

    Aktuell dürfen wir vor allem beim Graukresse rupfen schöne Zeit mit unseren Pferden verbringen 😉

  • Tagfalter Bufet

    Tagfalter Bufet

    Eine der Hauptursachen für das Insektensterben, bei dem vor allem auch Tagfalter betroffen sind, ist die Intensivierung der Landwirtschaft bei gleichzeitger Aufgabe nicht mehr rentabler Flächen wie Feuchtwiesen oder Trockenrasen. Dadurch gehen artenreiche Wiesen und Weiden verloren und mit ihnen ganze Artengemeinschaften.

    Um diesem allgemeinen Trend ein Kleinod entgegenzustellen, versuchen wir mit dem Ponyhof eine Weidelandschaft zu gestalten, die Insekten und damit auch alle weiteren Artengruppen, die von Insekten abhängig sind, zu fördern. Mit dem Verzicht auf den Einsatz von Dünger, Pestiziden und der Vermeidung einer Überbeweidung soll eine arten- und kräuterreiche Weide geschaffen werden. Diese ist nicht nur der Pferdegesundheit zuträglicher, sondern leistet auch einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

    Mit der Einrichtung eines Vegetations– und Tagfalter-Transektes soll dieser Anspruch im Verlauf der Jahre überprüft und abgebildet werden. Und dieses Jahr habe ich auch mehr Zeit finden können, um mein Tagfalter-Transekt regelmäßiger zu begehen. Das spiegelt sich enstprechend in den Zahlen wieder: 16 Arten mit insgesamt 108 Individuen bei 13 Begehungen im Vergleich zum letzten Jahr mit nur sieben Begehungen:

    Aber ich denke, neben der Häufigkeit der Begehungen spielt vor allem der reichhaltige Regen eine entscheidende Rolle. Zwar mögen es Schmetterlinge warm, sonnig und trocken, aber sie brauchen auch Nektarpflanzen und davon gab es im letzten Dürresommer fast keine mehr auf unserer Weide, abgesehen von Graukresse natürlich….

    Dieses Jahr hingegen gab es ein reichhaltiges Bufet aus Wegwarte, Saat-Luzerne, Malve, Schafgarbe, Rainfarn, Hundskamille, Ochsen- und Hundszunge, Disteln, Kletten etc. und natürlich auch Graukresse.

    Und besonders gefreut habe ich mich über das Auftauchen der Wiesen-Flockenblume. Ich hielt es zunächst für Zufall, dass sie an einer Stelle aufgelaufen ist, an der ich vor drei Jahren mal Saatgut ausgebracht hatte. Aber sie tauchte dieses Jar auch in anderen Teilflächen erstmals auf, in denen ich mal Wildkräuter in – netterweise durch Wildschweine geschaffene – Offenstellen angesät hatte.

    Wiesen-Flockenblumen haben einen besonders hohen Nekarwert für Wildbienen, Hummeln etc. und ernähren Raupen und Falter von über 40 Schmetterlingsarten. Sie kommen auf sandig bis lehmigen, trockenen bis mäßig feuchten Böden vor, blühen von Juni bis Oktober und wenn sie nicht zu stark verbissen werden, können sie sogar neue Triebe mit Blütenköpfen ausbilden und verlängern auf diese Weise das Tagfalter Bufett. Das heißt, Flockenblumen sind nicht besonders anspruchsvoll, vertragen moderaten Verbiss und sollten eigentlich auf jeder Weide vorkommen und dennoch gehört sie zu den in Brandenburg gefährdeten Arten. Was sagt das eigentlich über unsere Art der Flächennutzung aus? Oftmals ein Armutszeugnis…

    Ich habe „meine ersten Flockenblumen“ vorsichtsalber ausgezäunt, auch wenn sie mit Verbiss gut zurecht kommt. Denn das Seltene ist meist besonders attraktiv, in diesem Fall als Futterpflanze für die Pferde und Kühe…

    Wenn sie sich gut ausgebreitet und auf allen Flächen stabil etabliert hat, kann man die kleinen Schutzzäune sicherlich weglassen.

  • Die Wüste lebt

    Wie in dem berühmten Disney Klassiker, in dem alles zu neuem Leben erweckt wird, wenn es nach lang anhaltender Dürre regnet, so werden auch unsere Weiden wieder lebendig…

    Man kann es sich nicht vorstellen, dass jemals wieder etwas wächst, wenn man über die vollkommen vertrockneten Flächen geht und nur noch Heuschrecken umherspringen. Keine Blüten, keine Tagfalter, Bienen oder sonstigen Insekten, alles ist braun, trostlos und man kommt sich vor, wie in einer Steppen- oder Wüstenregion. Die Bäume haben angefangen, Laub abzuwerfen und man macht sich ernsthafte Sorgen, um die schattenspenden Pappeln und anderen Gehölze. Die Bäume und Sträucher spenden nicht nur Schatten, sie schaffen auch durch Verdunstung ein kühleres Mikroklima und brechen den Wind, der die Flächen zusätzlich zur brennenden Sonne austrocknet. Ohne sie wäre die Hitze noch unerträglicher auf den Weiden. Ich hoffe, dass uns die Pappeln noch lange erhalten bleiben.

    Und es ist natürlich auch ein ökonomischer Schaden, wenn man schon im Juli Heu füttern muss, obwohl man mit der Flächengröße über den ganze Sommer kommen sollte. Gleichzeitig ist der zweite Schnitt komplett ausgefallen und ich bin froh, dass uns unser Heulieferant im September überhaupt noch mal Heu bringen kann…

    Nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Tage wird nun alles wieder grün. Wegwarte, Schafgarbe, Ochsenzunge und Weiße Lichtnelke blühen und es kehrt das Leben auf unseren Weiden zurück. Dann staunt man wieder, mit welcher Kraft, sich die Natur auch wieder erholen kann.

    Die folgenden Bilder zeigen drei unserer Flächen im Vergleich vom 07.08.2022 und dem 30.08.2022. Zum Einen werden sie wieder grün und zum Anderen sind die Pappeln ziemlich ausgedünnt.

    Lang anhaltende Dürrephasen und Hitze, im Wechsel mit Starkregen ist das neue Normal und wir müssen lernen damit umzugehen. In Bezug auf unsere Weiden ziehe ich die Leere aus diesem Sommer noch schonender mit der Grasnarbe umzugehen und Flächen für den Juli, August vorzuhalten. Und wenn es sein muss, die Vegetation sogar zu Rohfaser werden zu lassen und nicht vorher zu mulchen. Denn die Pferde haben durchaus alles gefressen, auch wenn sie Heu hatten, wurde noch jeder vertrocknete Halm abgegrast.

    Das war für mich wirklich eine neue Erfahrung und alles Lehrbuchwissen, dass man im Juni den „Heuberg“ abschöpfen muss, schon allein um wieder frisch nachwachsende Flächen zur Verfügung zu stellen, funktioniert nicht mehr. Gleichzeitig braucht man eine gewisse Pflege durch Mahd, Mulchen oder Beweidung mit anderen Weidetieren, um die Ausbreitung von unbeliebten Pflanzen wie Graukresse, Kanada-Goldrute oder Sauerampfer und den Parasitendruck einzudämmen.

    Eine Lösung für dieses Problem fällt mir aktuell nicht ein…

  • Hilfe – zu trockene Hufe

    Wir erleben derzeit eine Dürre von „epischem Ausmaß“ – das hab ich im Radio gehört, nicht meine Worte, aber wohl treffend und angemessen formuliert.

    Gestern meldete das Weidezaungerät eine Fehlermeldung mit der Erdung, ja kein Wunder! Ich hab das Gefühl, dass man nur noch mit der Gießkanne rumläuft, um die Erdung zu wässern, Vogeltränken aufzufüllen und noch ein paar Sträucher und Stauden zu retten, die man mal von Freunden bekommen hat und nicht eingehen lassen möchte, sollte.

    Dazu kommt, dass die Hufe nicht mehr bearbeitet werden können, weil sie hart wie Stein sind. Auch ein halbstündiges Wässern, bevor die Hufbearbeiterin kommt, reicht nicht mehr aus, um die Hufe bearbeitbar zu machen. Klar kann man immer irgendwas feilen, abkneifen oder mit der Flex rummachen. Aber an Strahl ausschneiden ist nicht mehr zu denken und nachdem meine Hufbearbeiterin beim letzten Mal die Hufe schon nicht ordentlich schneiden konnte, musste ich mich dieses Mal besser vorbereiten.

    Stundenlanges Hufe wässern verschwendet dabei die ohnehin schon knappe Ressource Wasser, das kommt für mich nicht in Frage. (Ich bin auch kein Fan von ewigem Abspritzen und Waschen der Pferde…) Manche bringen ihren Pferden bei, dass sie in Tuppen oder provisorischen Wasserbecken stehen bleiben. Das finde ich mega cool, aber das kommt für Assan natürlich nicht in Frage! Ein Araber und stehen? Ein Araber und stehen im Wasser? Das wäre für Herrn Assan würdelos und für mich zu anstrengend….

    Nun hatte meine Hufbearbeiterin eine gute Idee: „Tubbease“ – Krankenschuhe, die eigentlich für einen Anguss-Verband gemacht sind und Flüssigkeiten wie Rivanol am Huf halten sollen. Nachdem Assan seine Ballerinas drei Tage jeweils eine halbe Stunde getragen hat, konnten gestern seine Hufe wieder ordentlich bearbeitet werden, ohne große Wasserverschwendung. Natürlich fand er die schwappenden, schmatzenden Hufsocken auch nicht besonders toll und hat mich fassungslos angestarrt, wie ich ihm das antun kann. Aber irgendwas ist immer und er musste damit ja nicht in die Herde gehen, sondern durfte mit seinen Schühchen auf dem Hof grasend rum-mäandrieren. So eine extra Wurst hat für ein Pferd den gleichen Stellenwert wie ein Mittagskind in der Kita zu sein 😉

    Ansonsten hoffe ich weiter auf Regen, damit sich unsere Weiden wieder erholen können…

  • Dürre

    Wir haben das vierte Dürrejahr in Folge und es ist bereits seit Mitte Juni alles vertrocknet auf unseren Weiden….

    Hoffnung, dass es noch mal hinreichend regnet und unsere Weiden noch mal grün werden, habe ich mittlerweile nicht mehr und wir mussten schon anfangen mit Heu zuzufüttern. Bereits im Jahr 2020 war bei uns im August alles verbrannt, aber dieses Jahr ist schon ab Juni alles gelb geworden und seither so gut wie nichts mehr nachgewachsen.

    Dabei haben die Pferde trotz Heuangebot auch alles vertrocknete Gras gefressen, haben sogar die Brennnesseln, den Rainfarn und teilweise sogar die Kanada-Goldrute beknabbert.

    Mein Plan, einen Teil der Wiesen im Juni zu mähen, zu Mulchen oder von anderen Weidetieren abfressen zu lassen, hat dieses Jahr wieder nur so semi gut geklappt. Rinder und Schafe ausleihen funktionierte leider nicht, dafür haben wir zumindest einen Teil mähen können, um etwas Heu zu gewinnen und unsere Hauptweide haben wir mulchen lassen. Das Ziel dabei ist, dass das Gras nicht überständig wird und in der Rotation der Flächen immer wieder „frische“ Weiden angeboten werden können. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn es auch mal regnet….

    Schweren Herzens habe ich die Pferde nun auf unsere Winterkoppel gelassen, die eigentlich im Sommer geschont werden soll. Wie im letzten Beitrag beschrieben, haben wir nach zwei Jahren Pflege eine halbwegs vernünftige Grasnarbe wiederherstellen können, die nun wieder mehr beansprucht wird, als vorgesehen war. Es ist ja nichts so beständig wie die Planänderung und immer wieder muss man flexibel auf die sich ändernden Rahmenbedingungen reagieren. Um unsere Heureserven noch für den Winter zu schonen, lassen wir die Pferde noch mal auf allen Weiden rotieren, in der Hoffnung, die Heufütterung noch so lange es geht hinauszuzögern.

    Dabei sind unsere Ponys alle wohlgenährt und müssen vielleicht auch nicht immer das grünste Gras fressen? Nach dem Aussamen ziehen die Pflanzen ihre Nährstoffe in den Boden zurück und werden zu reiner Rohfaser, quasi „Heu auf dem Halm“, nur ohne Nährwert. Es sei denn, die Pflanzen werden in ihrem Wachstum durch mähen, mulchen oder abweiden unterbrochen und wachsen wieder nach.

    Aber dieses System funktioniert bei Dürre nicht mehr und vielleicht muss man es hinnehmen, dass die Pferde auch an den vertrockneten Pflanzen knabbern können, ohne gleich abzumagern. Schließlich sind sie wahre Wunder der Natur, beste Futterverwerter und können auch noch aus vertrockneten Pflanzen hinreichend Nährstoffe aufnehmen, wie man beispielsweise hier nachlesen kann.

  • Stürme, Stürme, Stürme

    Ich hasse Wind ja ohnehin. Bei Wind sind Pferde besonders in Alarm-Bereitschaft, weil sie einfach nicht so gut hören können, ob sich beispielsweise Raubtiere anschleichen. Sie sind dann förmlich „durch den Wind“ und stets fluchtbereit. Bei Wind macht ausreiten keinen Spaß und man kann eigentlich überhaupt nicht mehr mit dem Pferd arbeiten, nervt!

    Aber das ist natürlich jammern auf hohem Niveau, wir können von Glück reden, dass wir bislang von schweren Sturmschäden auf dem Ponyhof verschont wurden. Sturmtief Ylenia hat unsere Heumiete abgedeckt, vereinzelte Äste und abgebrochene Pappeln auf dem Zaun sowie einen schiefen Reitplatzmast hinterlassen. Die Plane am Unterstand sollte ohnehin mal durch Windschutznetze ersetzt werden….

    Aber das nächste Sturmtief ist bereits unterwegs: Zeynep. Ich hoffe, dass wir wieder Glück haben und nichts schlimmeres passiert. Die Pferde meiden den Unterstand und die Pappelreihe bei Sturm, ich glaube nicht, dass sie sich etwas auf den Kopf fallen lassen. Und auch bei Pappeln im Zaun glaube ich nicht, dass sie sich von den Heuraufen groß weg bewegen und auf die Idee kommen über den Zaun zu steigen. Dennoch ist man natürlich in ständiger Sorge um die Pferde bei solchen Unwettern.

    Und ein Rekord jagd den nächsten. Wie schon lange vorher gesagt, nehmen Unwetter zu, Dürreperioden im Wechsel mit Starkregenereignissen, Hitzerekorde, eine verlängerte Vegetationsperiode, Winter ist praktisch abgeschafft. Während schon letztes Jahr die Haselblüte den phänologischen Vorfrühling am 21. Februar und damit sechs Tage früher als im langjährigen Mittel von 1951 bis 1980 einleitete, ist sie aktuell schon durch mit der Blüte. Auch das Gras wächst bereits, freuen kann ich mich darüber nicht.

    Es ist wie im Film Don´t look up, wir sind live bei der Klimakrise dabei, aber besser wir gucken einfach nicht hin und tun weiterhin so, als hätte das alles nichts mit uns zu tun, also Ruhe bewahren und sondieren:

  • Tagfalter Monitoring III

    Aktuell findet man relativ viele Tagpfauenaugen auf unseren Pferdeweiden. Die Raupen konnten sich satt fressen an den zahlreichen Brennnesseln und die adulten Tiere finden jetzt noch genug Nektar an den Blüten der Kanada-Goldrute, um gestärkt in die Winterruhe zu gehen.

    Es hat sich also zumindest für das Tagpfauenauge gelohnt, dass ich beim Mulchen immer auch Streifen stehen lasse. Wenn man aktuell sieht, was an den Blüten der Goldrute schwirrt und surrt, muss man zugeben, dass sie durchaus ihren Wert für die Natur, auf jeden Fall für Insekten im Herbst hat.

    Tagpfauenaugen überwintern in Dachböden, Kellern, Holzstapeln oder anderen geschützten Nischen. Nach der Überwinterung ab März sind sie auf Frühblüher zur Nahrungsaufnahme angewiesen und die Weibchen legen nach der Paarung die Eier an sonnig stehenden Brennnesseln ab. Es werden ca. 50-200 (gut getarnte) Eier an der Blattunterseite angeheftet. Die Raupen schlüpfen nach etwa 2-3 Wochen und nach mehreren Häutungen schlüpfen die Falter meist ab Ende Juli. Sie treten eine Art „Sommerpause“ an und werden im September noch mal richtig aktiv, bevor sie in die Winterruhe gehen.

    Wie auch bei anderen Tagfaltern, gibt es – durch die verlängerte Vegetationsperiode als Auswirkung des Klimawandels – auch beim Tagpfauenauge mittlerweile „verpätete, unvollständige Generationen“. Das heisst, die Tiere legen noch mal Eier im Spätsommer/Herbst ab. Aber wenn die Falter dann geschlüpft sind, finden sie keine oder nicht mehr genügend Nahrung. Und so kommen viele Faktoren wie der Einsatz von Pestiziden, das Verschwinden von Strukturen wie Ackerränder, Säume oder Brachen, das exzessive Mulchen im Herbst von Straßenböschungen, Wegrändern etc. zusammen und verursachen das Insektentsterben. Es muss nur mal jeder kurz darüber nachdenken, wie normal Tagfalter in der Kindheit waren und wie oft man heute noch ein Tagpfauenauge sieht.

    Auf dem Tagfalter-Transekt auf unseren Pferdeweiden konnte ich dieses Jahr 12 Arten und 53 Individuen aufnehmen. Es waren insgesamt zehn Begehungen von April bis September. Hier eine kurze Zusammenfassung:

    • 17x Grünader-Weißling
    • 12x Kleiner Kohlweißling
    • 5x Tagpfauenauge
    • 5x Kleines Wiesenvögelchen
    • 3x Resedafalter
    • 3x Brauner Feuerfaler
    • 2x Großes Ochsenauge
    • 2x Hauhechelbläuling
    • 1x Kleiner Feuerfalter
    • 1x Admiral
    • 1x Schachbrettfaler
    • 1x Aurorafalter

    Das ist eine erhebliche Steigerung zum letzten Jahr. Ich denke, es liegt zum Einen daran, dass mein Transekt nicht wieder als Trail herhalten musste und zum Anderen, dass es nicht so extrem trocken war. Am häufigsten kam dabei der Grünader-Weißling mit insgesamt 17 Individuen und der Kleine Kohlweißling mit 12 Tieren vor.

    Die Kohlweißlinge gehören zu den häufigsten Tagfaltern und kommen in allen Habitaten bzw. Biotopen vor. Vor allem der Große Kohlweißling konnte früher in großen Wander-Schwärmen vorkommen und in Kohl-Kulturen beträchtliche Schäden anrichten. Solche Massenvermehrungen werden jedoch seit 1990 nicht mehr beobachtet und in einigen Bundesländern wie NRW steht diese Art bereits auf der Roten Liste…. Sie finden heute Rückzugsräume in Regionen mit Ökolandbau wie beispielsweise in Brodowin.

    Wie man auch den folgenden Fotos erkennen kann, finden die Tagfalter auf unseren Pferdeweiden vor allem an der Graukresse Nektar….

    So ist zwar auch die Graukresse aus Pferdehaltersicht „der Endfeind“, aber sie hat als Nahrungsquelle durchaus ihren Mehrwert. Lieber wären mir jedoch arten- und kräuterreiche Weiden ohne Graukresse und – na sagen wir mal mit weniger – Kanada-Goldrute.

    Zum Thema noch eine Beschreibung von Annette von Droste-Hülshoff aus dem Buch „Bilder aus Westfalen“ (1840):

    „Wenige Landschaften mögen […] so voll Nachtigallenschlag und Blumenflor angetroffen werden, und aus der minder feuchten Gegenden Einwandernde wird fast betäubt vom Geschmetter der zahllosen Singvögel, die ihre Nahrung in dem weichen Kleiboden finden. […] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen, während die der größeren Art bis auf die Mitte des Weihers schnurren.“

    Das Zitat stammt aus dem Vorwort für das Buch „Insektensterben in Mitteleuropa“ und gibt eine ungefähre Vorstellung von dem, wie es mal war. Des Weiteren wurde folgende Literatur für den Eintrag verwendet und kann für die Tagfalter-Bestimmung empfohlen werden:

    Bellmann (2009): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer – Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen, Kosmos Verlag

    Gelbrecht et al. (2016): Die Tagfalter von Brandenburg und Berlin (Lepidoptera: Rhopalocera und Hesperiidae), Naturschutz und Landschaftspflege in Deutschlad, Beiträge zu Ökologie und Naturschutz Heft 3,4 2016

    Settele et al. (2008): Schmetterlinge – Die Tagfalter Deutschlands, Ulmer Verlag

  • Wettersüchtig

    Wettersüchtig

    Wenn man versucht zehn Pferde über den Sommer ohne Heu zu bekommen, wird man wohl zwangsläufig Wetter-App-süchtig…

    Direkt nach dem Aufwachen ist das Erste, was ich mache, Wetteronline checken. Wenn Regen in Aussicht ist, hebt sich meine Laune, wenn der Regen, der schon mal in Aussicht gestellt wurde, „weg ist“, verfinstert sich meine Miene. Dann kann man noch mal andere Wetterberichte ausprobieren, aber es bleibt dabei, man muss einfach abwarten, ob Regen kommt oder nicht. Der Mai war wunderbar nass und kalt. Ich weiß, das hört sich schräg an, aber mittlerweile sieht man das Wetter (fast) nur noch aus Sicht der Entwicklung der Weiden. Und nun zeichnet sich wieder ein Jahr mit Dürren und Unwetter wie kurzen Starkregen, Hagel, Gewitter etc. ab.

    Im Mai ist alles schön hoch gewachsen, seit Juni ist es heiss und trocken. Es müsste also eine phantastische Heuernte geben, zumindest für den ersten Schnitt. Leider haben wir nicht die Möglichkeit Heu selbst zu machen und es ist schwer jemanden zu finden, der das für uns macht. Da die Pferde nicht alles auf einmal auffressen können, haben wir nun extrem viel überständige Vegetation. Vor allem viel Glatthafer, der ausgesamt, seine Nährstoffe in den Boden gezogen hat und nur noch als gelbe Rohfaser rumsteht. Im Prinzip kommen zwei Probleme auf unseren Flächen zusammen, wir können im Juni, wenn es den „Heuberg“ gibt, nicht selbst ernten, sondern nur mulchen. Und beim Mulchen ist man davon abhängig, dass es regnet und noch mal Gras nachwächst, so dass man wieder genug Futter hat.

    Fuchwiese am 19.05.2021
    Fuchswiese am 06.06.2021
    Fuchswiese am 20.06.2021

    Und wir haben nur wenig Pflanzenarten: Da ist zum Einen die Kanada-Goldrute, die von den Pferden nicht gefressen wird und zum Anderen der Glatthafer, der vor allem für Heu, aber nicht als frisches Weidegras geeignet ist. Aktuell kommt auch die Graukresse wieder zum Vorschein. Schön wäre hingegen eine kräuterreiche Weide mit verschiedenen Pflanzenarten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten grün sind. Beispielsweise würde ich mir mehr Luzerne, Schafgarbe, Margarite, Wilde Möhre, Skabiosen, Flockenblumen, Schwingel, Fuchsschwanz und all die Arten wünschen, die auf eine artenreiche Wiese oder Weide gehören. (Alle Versuche einer Aussaat mit standortheimischem, regiozertifizierten Saatgut sind gescheitert…). Das würde beispielsweise so aussehen:

    Aber uns bleibt zunächst nichts anderes übrig, als den vertrockneten Glatthafer und die Kanada-Goldrute „runter zu mulchen“, in der Hoffnung auf Regen und neues Futter. Ich hoffe, dass wir noch mal Schafe bekommen, damit sie die Kanada-Goldrute fressen…

    31.05.2021, die Jägerwiese steht noch im Saft
    27.06.2021, die Jägerwiese besteht nur noch aus Kanada-Goldrute und vertrocknetem Gras
  • Verbrannt

    Verbrannt

    Eine Woche Hitze hat gereicht, um die Weiden förmlich zu „verbrennen“…

    Während es im April extrem trocken war, hatte es im Mai, Juni und Juli eigentlich ganz gut geregnet. Die Bilanz der ersten Jahreshälfte sind 300mm für die Station Potsdam. Das langjährige Mittel liegt bei fast 600mm im Jahr. Einen Jahresvergleich kann man natürlich erst machen, wenn das Jahr 2020 zu Ende ist, aber es gab doch Grund zum Optimismus dieses Jahr. (Die Daten können beim DWD runter geladen werden. )

    Die Wiesen und Weiden waren schön grün und so habe ich in meinem Optimismus die Kanada-Goldruten-Fluren von Schafen abfressen lassen und Mitte Juli gemulcht. Es ging darum, im Spätsommer/ Herbst wieder Flächen mit frischem Aufwuchs zur Verfügung zustellen und natürlich die Kanada-Goldrute langfristig loszuwerden. Aber auf zwei großen Flächen mit fast 3 Hektar ist nix mehr gewachsen. Es ist einfach alles vertrocknet, was bleibt ist die Graukresse….

    Juli 2020 – Mulchen der Kanada-Goldrute

    August 2020 – ohne Worte

    War es ein Fehler zu mulchen? Ich weiß es nicht, die Kanada-Goldrute hat zumindest für ein besseres Mikroklima gesorgt und es wäre noch überständiges Landreitgras da. Aber überständiges Landreitgras und Kanada-Goldrute haben auch keinen Futterwert. Das Ziel war eigentlich frisches Grün zu produzieren, stattdessen müssen wir bald wieder anfangen Heu zu zufüttern.

    Was ist die Lehre daraus? Nicht mehr im Sommer zu mulchen, lieber im Herbst/Winter? Das wäre definitiv auch besser für die Insekten….

    Vielleicht klappt nächstes Jahr die Mahd Anfang Juni, so wie es auch eigentlich geplant war.

  • Weidemanagement in Theorie und Praxis

    Bisher habe ich mein Wissen nur aus Büchern und anderen erfahrenen Weidetierhaltern. Nun wird es Zeit aus eigenen Fehler zu lernen 😉

    Wir haben ja in Glindow den unverschämten Luxus, dass wir so viel Fläche haben, dass wir keinen Trail brauchen und kein Anweiden. Wir können unseren Pferden immer etwas Koppel auflassen, damit sie auch im Winter grasen können. Damit weiden sie sich quasi selbst an. Der 1. Mai ist nicht nur Tag der Arbeit, sondern oft auch der klassische Beginn der Weidesaison. Aber dieses Jahr hat das Gras schon im Februar angefangen zu wachsen. Es war der früheste Beginn der Blüte der Hasel, also der phänologische Beginn des Vorfrühling – Ende Januar!

    Damit stimmen alle Bauernregeln ohnehin nicht mehr. Welche einfachen Tipps gibt es noch, um zu wissen, wann es Zeit wird, die Pferde auf die Weide zu schicken oder umzukoppeln? Nach Bender, Praxishandbuch Pferdefütterung gilt als Faustregel eine Grashöhe von mindestens 20cm oder wenn man keinen Zollstock zur Hand hat, eine Bierflaschenhöhe (0,3l). Wer sich das besser vorstellen kann 😉

    Wenn die Weide nachgemäht werden soll, sollte man ca. 10cm stehen lassen und ansonsten sollte man die Flächen nicht unter 4-5cm runter fressen lassen. Da bin ich mal gespannt, da ja Pferde extrem tief verbeissen und sich gern Weiderasen anlegen, die sie selbst pflegen und hohes Gras verschmähen. Bei Geilstellen sehr verständlich wegen der Würmer, aber ansonsten ist es doch immer wieder erstaunlich, wie schön das Gras an der einen Stelle wächst und das Pferd frisst an der anderen Stelle, wo es nur noch wenige Millimeter „hoch“ ist….

    Wir haben mehrere Weiden, die wir als Portionsweiden nutzen können. Ursprünglich war der Plan einige Flächen vor der Beweidung zu mähen. Aber aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit wird man erst einmal abwarten müssen, wie die Gräser wachsen. Eventuell kann man einige Flächen als Pflegeschnitt nachmähen. Das ist wohl meine erste Lektion: Trotz aller Planung muss man flexibel bleiben.

    Wer sich mehr mit dem Thema Pferd und Weide bzw. artgerechte Pferdehaltung beschäftigen möchte findet hier eine Auswahl an mehr oder weniger wissenschaftlicher Literatur und Praxishandbüchern:

  • Es regnet, es regnet…

    ... die Erde wird nass!

    Endlich nach sechs Wochen ein paar Tropfen Regnen!

    Dennoch hat es mit letzter Nacht im Monat April in Potsdam nur ca. 5mm geregnet. Das ist der geringeste Wert seit der Aufzeichnungen des DWD für die Station Potsdam seit 1894! Hier eine Darstellung der Werte als Boxplot:

    Der Mittelwert für die Niederschläge im April zwischen 1894-2019 (die Jahre 1985-89 fehlen) liegt bei 39,7mm und der Median (schwarze, horizontale Linie in der Box) liegt bei 37mm.

    Zum Vergleich auch die Werte für die Monate April der letzten „Dürrejahre“:

    • 2013 = 25,4mm
    • 2018 = 36,0mm
    • 2019 = 11,5mm

    Das lässt vielleicht erahnen, was das für die Vegetation, wassergebundenen Lebensräume, Wiesen und Weiden oder auch die Heuernte bedeutet. Man kann nur beten und hoffen, dass der Monat Mai feuchter wird und die geringen Niederschläge im April wieder ausgleichen kann. Aber beispielsweise wird es dann für die Amphibien schon zu spät sein.

    Jegliche Bewässerung, sei es in der Landwirtschaft z.B. für Spargel, Mais, für den englischen Rasen vor dem Haus oder auch der Hufe unserer Pferde geht auf Kosten der Ressourcen nachfolgender Generationen. Wir entnehmen munter Wasser aus den Grundwasserleitern, als gäbe es kein Morgen. Ich meine, ich habe keine Kinder, nach mir die Sintflut.

    Aber erstaunlich finde ich die Selbstverständlichkeit schon, mit der stetig neue Brunnen genehmigt werden, während gleichzeitig die Gräben, z.b im Havelland weiterhin schön nachgezogen werden. Das Havelland wäre ja eigentlich eine Auenlandschaft, aber anstatt das Wasser in den Frühlingsmonaten durch regelbare Staue zu halten, wird immer noch fleißig für den Abfluss gesorgt. Wann findet endlich ein Umdenken statt und ein sparsamerer, vernünftiger Umgang mit Wasser?

    Dabei sind auch die Pferdehalter gefragt. Muss es wirklich sein, stundenlang Pferde zu duschen, zu waschen, Hufe unter laufendem Wasser zu bewässern? Dabei fasse ich mich auch gern an die eigene Nase…. 😦

  • April, April

    Der weiß nicht, was er will.
    Bald lacht der Himmel klar und rein,
    Bald schau’n die Wolken düster drein,
    Bald Regen und bald Sonnenschein!
    Was sind mir das für Sachen,
    Mit Weinen und mit Lachen
    Ein solch‘ Gesaus‘ zu machen!
    April! April!
    Der weiß nicht, was er will.

    O weh! O weh!
    Nun kommt er gar mit Schnee!
    Und schneit mir in den Blütenbaum,
    In all den Frühlingswiegentraum!
    Ganz greulich ist’s, man glaubt es kaum:
    Heut‘ Frost und gestern Hitze,
    Heut‘ Reif und morgen Blitze;
    Das sind so seine Witze.
    O weh! O weh!
    Nun kommt er gar mit Schnee!

    Hurra! Hurra!
    Der Frühling ist doch da!
    Und kriegt der rauhe Wintersmann
    Auch seinen Freund, den Nordwind, an
    Und wehrt er sich, so gut er kann,
    Es soll ihm nicht gelingen;
    Denn alle Knospen springen,
    Und alle Vöglein singen.
    Hurra! Hurra!
    Der Frühling ist doch da!

    Heinrich Seidel (1842-1906)

    April, April, von wegen… Seit dem 9.3.2020 hat es nicht mehr geregnet, abgesehen von ein paar Tropfen am Ostermontag. Der nicht vorhandene Winter ist direkt in den Sommer übergegangen. Vor allem jetzt, wo die Vegetation den Regen dringend braucht, bekommen wir wieder die brandenburgische Vorsommertrockenheit und die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Über ewigen Sonnenschein kann ich mich schon lange nicht mehr freuen. Wenn man sich täglich (beruflich) damit beschäftigen muss wie Kleingewässer, Feuchtgebiete und Moore verschwinden aufgrund der sinkenden Grundwasserstände, vergeht einem leider die Freude an „schönem Wetter„.

    Und für unseren Ponyhof bedeutet das, dass das geplante Weidemanagement aus den Fugen gerät, weil aktuell nichts mehr wächst und beginnt zu vertrocknen. Geplant war eigentlich, bestimmte Flächen zu mähen. Zum Einen um das Mahdgut als Heu für den Winter einzulagern und zum Anderen als Pflegeschnitt, um unbeliebte Kräuter einzudämmen. Aktuell sieht es aber eher danach aus, dass wir weiterhin Heu zufüttern müssen und keine Rücklagen für den nächsten Winter oder weitere Investitionen bilden können. Die Flächen brauchen wir komplett als Weide, eine Mahd scheint aktuell nicht mehr realistisch. Man kann sich jetzt schon ausrechnen, wie sich das insgesamt auf den Heupreis auswirken wird, wenn wir im dritten Jahr in Folge ein Dürrejahr haben…

    Folgende Grafik zeigt die Auswertung der Jahresmittelwerte der Temperatur der Klimastation Potsdam. Die Daten können beim DWD runtergeladen werden. Die Linie zeigt den langjährigen Mittelwert von 8,9°C.

    Die wärmsten Jahre waren:

    • 2019 = 11,3°C
    • 2018 = 11,2°C
    • 2014 = 10,9°C
    • 2015 = 10,7°C

    Bei der Darstellung der Niederschlagssummen ist kein eindeutiger Trend erkennbar. Da sich in der Summe der Wechsel von langen Dürreperioden mit Starkregenereignissen nicht in Jahreswerten darstellen lässt. Insgesamt nehmen jedoch die Extremwetterereignisse zu. Wenn der Boden nach zwei Monaten Dürre ausgetrocknet ist und dann ein Gewitter mit Überschwemmung folgt, kann das Wasser nicht aufgenommen werden. Was wir bräuchten ist ein schöner, gleichmäßiger Landregen über zwei, drei Tage.

    Das langjährige Mittel liegt für die Station Potsdam bei 587mm und die trockensten Jahre waren:

    • 2018 = 346mm
    • 1976 = 377mm
    • 1982 = 397mm
    • 1999 = 406 mm

    Ich hoffe jeden Tag, dass es bald regnet!!