Eine Hecke als Umrandung von Weiden ist wie ein „lebendiger Zaun“ und bietet viele Vorteile:
Sichtschutz
Windschutz
Vermeidung ungewollter Fütterung
Bruthabitate für Vögel
Unterschlupf für Kleinsäuger
Nahrung für Insekten
Biotopverbund
gesunde Knabberei (z.b. Hagebutten)
Aber nach eigener Erfahrung ist es als Privatperson nicht so einfach gebietsheimische Gehölze zu bekommen, um eine Hecke zu pflanzen. Ich musste dafür nach Bad Liebenwerder zur Baumschule Fürst Pückler fahren, weil das die einzige Baumschule war, die mir gebietsheimische Gehölze anbieten konnte. Und außerdem brauchen gepflanzte Gehölze in den ersten Jahren sehr viel Pflege, also regelmäßige Wässerung und freischneiden.
Eine kostengünstige Alternative dazu ist der „Zaun vor dem Zaun„, d.h. einen Streifen auszäunen, in dem sich Gehölze in Form von Naturverjüngung von selbst etablieren. Wir mussten im Frühjahr 2020 einen zweiten Zaun vor den anderen setzen, weil immer wieder Spaziergänger unsere Pferde gefüttert haben. Außerdem war der alte Holzzaun schon marode, nicht mehr zu erhalten und die Pappeln wurden von den Pferden geschält. Es ist faszinierend und beeindruckend, wie schnell in diesem Streifen eine Gehölzentwicklung stattfindet. Es wachsen unter anderem Eichen, Weißdorn, Roter Hartriegel und Hundsrose auf – viel schneller und vitaler als in der gepflanzten Hecke am Reitplatz.
Der folgende Bildvergleich zeigt, wie schnell eine Hundsrose größer werden konnte seit sie vor Verbiss durch den zweiten Zaun geschützt ist. Bei einer sehr extensiven Beweidung würden Gehölze natürlich auch von allein aufwachsen und mit geringem Verbiss gut klar kommen. Aber wo es sich anbietet, kann man durch so eine einfache Maßnahme wie ein zweite Litze die Etablierung von Hecken fördern.
April 2019
September 2025
Laut Fartmann et al. (Insektensterben in Mitteleuropa) konnten in schleswig-holsteinischen Wallhecken ca. 7000 Tierarten (v.a. Insekten) nachgewiesen werden. Nach Angaben bei Westphal (Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft) wurde folgende Anzahl an Tierarten in Feldhecken gezählt:
45 Säugetiere
50 Vögel
8 Reptilien
7 Amphibien
800 Käfer
115 Schmetterlinge
110 Schlupfwespen
24 Wildbienen
2000 Mücken und Fliegen
86 Wanzen
29 Zikaden
7 Heurschrecken
60 Spinnen
30 Schnecken
Von Gehölzen umrahmte Weideflächen trocknen auch während Dürrephasen nicht so schnell aus wie vom Wind und der Sonne ausgelieferte Vegetationsdecken.
Und auch für die Weidetiere liegen die Vorteile auf der Hand. Sie haben einen Windschutz und können die Bäume und Sträucher über den Zaun beknabbern. Beispielsweise enthalten Hagebutten sehr viel Vitamin C, Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Eisen etc., Flavonide, Gerbstoffe und wirken abwehrsteigernd, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Oder Weißdorn, der bekannt ist für seine unterstützende Wirkung für das Herz-Kreislauf-System und ebenfalls reich an Mineralstoffen ist.
Aber neben den vielen Vorteilen für den Erhalt der Artenvielfalt sowie für die Weidetiere gibt es aus meiner Sicht noch einen Aspekt von Gehölzen als Umrandung von Weideflächen – das schönere Landschaftsbild:
Hier kommt das jährliche Update zu den Ergebnissen des Tagfalter-Transektes. In der folgenden Tabelle ist die Anzahl der beobachteten Tagfalter für die letzten fünf Jahre, inklusive 2025 aufgelistet.
Ein absolutes Highlight in diesem Jahr war der Segelfalter (Iphiclides podalirius), denn er kommt eigentlich eher im südöstlichen Brandenburg, vor allem in den Bergbaufolgelandschaften vor. Hier eine Darstellung aus dem Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands:
Der Segelfalter besiedelt nach Gelbrecht et al. (2016) in Brandenburg trocken-warme bis heiße Standorte, stark besonnte Sandböden, Heiden oder Stromtrassen und braucht als Raupenfutterpflanze Prunus-Arten wie Schlehe (Prunus spinosa), Traubenkirsche (Prunus padus, P. serotina) oder Felsenkirsche (Prunus mahaleb).
Insbesondere Felsenkirsche kommt bei uns in der Region Werder/Havel häufig vor, weil sie als Unterlage für Kirschen benutzt wurde. Das Transekt ist entlang einer Pappelreihe mit Felsenkirsche im Unterwuchs (Siehe Foto), aber auch Schlehen sind bei uns als Element in den Hecken häufig anzutreffen. Der adulte Falter braucht blütenreiche Flächen und bevorzugt lila, blaue und weiße Blüten wie beispielsweise Disteln (Cirsium spec, Carduus spec.), Natternkopf (Echium vulgare) oder Flockenblumen (Centaurea spec.). Bei uns hab ich den Segelfalter an Graukresse (Berteroa incana) saugen sehen – was sonst…
Der Segelfalter ist nach Angaben des Verbreitungsatlas in Deutschland gefährdet (Rote Liste 3) und der langfristige Bestandstrend ist stark rückläufig. Die Ursachen sind vor allem Pestizideinsatz sowie die Verschlechterung der Larvalhabitate durch Sukzession, Aufforstung, Eutrophierung, aber auch Entbuschung. Somit ist der Segelfalter ein schönes Beispiel dafür, dass wir zum Erhalt der Artenvielfalt Habitatkomplexe aus blütenreichen, ungedüngten, ungespritzten Wiesen, Weiden und Büschen brauchen – extensiv genutzte Weidelandschaften eben 😉
Aber abgesehen vom Segelfalter sind die Zahlen dieses Jahr wieder ernüchternd. Trotz der vielen Begehungen konnten nur 13 Arten mit insgesamt 36 Individuen gezählt werden. Vier der 17 Begehungen waren sogenannte Nullbegehungen, d.h., es konnten gar keine Tagfalter erfasst werden. Von den erfassten Arten war der Grünader-Kohlweißling (Pieris napi) mit 15 Individuen die häufigste Art. Sie stellt wenig Ansprüche an ihren Lebensraum und ihre Futterpflanzen für die Raupen sowie adulten Tiere. Ansonsten kam noch das Tagpfauenauge (Aglais io) mit fünf Individuen stetig vor, welches Brennnessel als Raupenfutterpflanze nutzt, die häufig auf unseren Weiden vorkommt.
Unsere Weiden sind ja leider auch in Betrachtung der Zusammensetzung der Pflanzen sehr arten- und vor allem blütenarm, auch wenn wir uns so viel Mühe geben, das zu ändern…
Unsere Weiden liegen dabei aber auch in einem allgemeinen Trend des Rückgangs vor allem von spezialisierten Arten. Hier eine Gegenüberstellung der Tagfalter auf einer artenreichen Wiese in Thüringen aus dem Artikel „Das Artensterben vor dem Artensterben“ in der Zeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung.
Wir erleben also innerhalb einer Generation den dramatischen Verlust von Artenvielfalt. Das Fazit aus dem Artikel lautet dabei wie folgt:
Eine artenreiche Wildblumenwiese allein ist keine Garantie für eine große Vielfalt an Tagfaltern. Kräuter und Stauden allein reichen dafür nicht aus.
Erst die passenden heimischen Gehölze im Umfeld sichern das Überleben vieler Blütenbesucher. Sie spielen eine primäre Rolle für die Biodiversität und die potenzielle tierische Nutzbarkeit von Lebensräumen.
Es müssen unterschiedliche Lebensraumstrukturen im direkten Umfeld vorhanden sein. Beispiel Waldrand, Hecke mit Wildblumensaum, Uferstreifen mit Hochstauden oder Bach. Stichwort Biotopmosaik und -vernetzung. Ein beträchtlicher Teil der Arten ist genau deswegen verschwunden, weil die Landschaft drumherum standardisiert und denaturiert wurde.
Was können wir dabei konkret als Pferdehalter tun, um dem allgemeinen Abwärtstrend zu begegnen?
Vermeidung von Überbeweidung, (damit Pflanzen zum blühen kommen können)
Verzicht auf Nachmulchen von „Weideresten“ und Abschleppen (mechanische Zerstörung von Eiern und Puppen)
Verzicht auf Düngung und Pestizide (der Verlust von artenreichen Wiesen und Weiden hängt vor allem mit der Eutrophierung zusammen und Gift ist nun mal giftig…)
Förderung bzw. Zulassen von Gehölzaufwuchs (z.b. kommen von allein: Schlehe, Brombeere, Weißdorn, Rose, Eiche)
Förderung von Blühstreifen beispielsweise durch Auszäunen von Teilbereichen
Unter dieser Unterschrift ist in der aktuellen Ausgabe (II/2025) des ekor Magazins ein Artikel zum Thema Selbstversorger erschienen, bei dem wir unsere Haltergemeinschaft ebenfalls vorstellen durften.
Im Alltag vergisst man ja manchmal, was für ein Glück es ist, dass man Pferde in Eigenregie halten kann. Oftmals konzentriert man sich zu sehr auf die negativen Aspekte einer Haltergemeinschaft wie zwischenmenschliche Anspannungen, Zäune freischneiden, diverse Reparaturen, abäppeln, Schimmelballen entsorgen, Graukresse zupfen, all die täglichen großen und kleinen Katastrophen. Aber es ist auch ein Privileg, dass man all das entscheiden darf: Muss der Heuballen weg, ab wann füttern wir wieder Heu dazu, welche Weide machen wir auf oder zu, wie schaffen wir der Graukresse Herr zu werden?
Im Austausch mit anderen Pferdehaltern höre ich oft, dass schimmeliges Heu eben nicht entsorgt wird, das eben nichts gegen Graukresse unternommen wird. Im Gegenteil, man muss sogar befürchten, rausgeworfen zu werden, wenn man Kritik äußert. All die Sorgen, die man sich um sein Pferd macht, wenn wieder neue Pferde in die Herde kommen, teilweise mit Eisen hinten und man allen Launen der Stallbetreiber ausgeliefert ist. All die Ängste und Sorgen, das Gefühl der Hilflosigkeit kam mit dem Artikel in der ekor wieder hoch und ich bin so froh, dass wir aktuell unsere Pferde auf zehn Hektar so naturnah wie möglich halten können.
Und natürlich wurde in dem Artikel auch die Verbindung zwischen artgerechter Pferdehaltung und Naturschutz aufgegriffen. Und das ist ja meine Leidenschaft – neben Assan – für den ich all das mache, durchstehe, aushalte – der Gedanke, dass wir auch mit „normalen Hauspferden“ Naturschutz machen können. Wir müssen nur wollen und bestem Beispiel voran gehen.
Mehr als 150 Wissenschaftler*innen aus 75 Institutionen haben einen beeindruckenden Bericht zur Lage der Artenvielfalt in Deutschland herausgebracht. Man kann den Bericht vollständig oder als Zusammenfassung, kostenlos herunterladen:
Von den ca. 72.000 einheimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind ein Drittel gefährdet, drei Prozent sind bereits ausgestorben.
60% der Lebensraumtypen sind in einem schlechten Erhaltungszustand.
69% der Offenland-Biotope gelten als langfristig gefährdet, 80% davon nehmen immer weiter ab, z.b. artenreiche Äcker, intakte Hochmoore und Grünland.
Die Populationen von Vögeln im Agrar- und Offenland sind in knapp 40 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen.
30.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel werden jährlich ausgebracht und schädigen Bodenlebewesen und Insekten.
Im Folgenden möchte ich zwei Auszüge zitieren, die im direkten Zusammenhang mit dem Thema Artenvielfalt (Pferde) -Weide stehen:
„In Landlebensräumen haben vor allem die Zerstörung und Zerschneidung von Habitaten zu einer Abnahme der biologischen Vielfalt beigetragen. In der Agrar- und Offenlandschaft hat die Flurbereinigung durch die Entfernung von Hecken, Wegrändern und Kleingewässern die Habitatvielfalt stark verringert. Artenreiche Wiesen und Weiden wurden und werden für die Anlage von artenarmen Hochleistungsgrünländern oder für die Ackernutzung umgebrochen. Nahezu verschwunden sind baumarten- und strukturreiche historische Waldnutzungsformen wie Nieder-, Mittel- und Hutewälder, die für die Artenvielfalt von Insekten und Vögeln des Waldes eine große Bedeutung haben.„
„Zur Intensivierung der Landnutzung gehören die Aufgabe von Fruchtfolgen, der Einsatz von Dünger, Pestiziden und schweren Landmaschinen, der Anbau von Kulturgräsern und der Rückgang der extensiven Beweidung.“
Und hier sehe ich auch eine Mitverantwortung bei Pferdehaltern, weil sie einen erheblichen Anteil am Grünland nutzen und indirekt Einfluss auf die Art und Weise der Heugewinnung nehmen können. An dieser Stelle Beispiele zu nennen, würde zu weit führen und letztlich widmet sich der ganze Blog dem Themenfeld der Verbindung von Pferdehaltung und Naturschutz.
Ich möchte nur einen Aspekt rausgreifen und dabei geht es um die einfache und bestechend logische Erkenntnis, dass mit der Anzahl der Pflanzenarten in einem Ökosystem auch die Diversität der von ihnen abhängigen Tier-, Pilz- und Mikroorganismenarten steigt. Und diese Vielfalt überträgt sich auch auf das Nahrungsnetz räuberischer Tierarten.
Aber Pflanzenvielfalt kann es nur geben, wenn die Flächen nicht übernutzt und überdüngt werden. Außerdem dürfen sich keine invasive Neophyten wie die Kanada-Goldrute ausbreiten. Invasive Arten gehören laut dem Faktencheck zu den „Direkten Treibern“ für den Verlust von Artenvielfalt neben Verschmutzung, Klimawandel sowie Änderungen der Landschaftsstruktur und Landnutzung.
Folgende Grafik zeigt, warum Neophyten so negative Folgen für die Biodiversität haben. Sie haben einen relativ geringen ökologischen Wert, sind aber ein Platzräuber für Pflanzenarten, die mehr Artenvielfalt generieren könnten.
Ich würde keine Neophyten in Gärten oder Parks anpflanzen oder sogar dulden. Aber wie oft sieht man z.b. Kanada-Goldrute als dekorative Pflanze im Garten, die sie ja unzweifelhaft ist, aber von dort kann sie ihre Samen überall hin verbreiten und die letzten Refugien der Natur für sich vereinnahmen. Denn leider erobern invasive Neophyten wie Kanada-Goldrute, Japanischer Staudenknöterich, Indisches Springkraut oder Riesen-Bärenklau die restlichen verbliebenen kleinen Naturrelikte wie Brachen, wilde Ecken, Säume oder wie bei uns – extensiv genutzte Weiden…
Ich wollte Euch ja auf dem Laufenden halten, wie ist mit der Anlage des Kräutergartens (für Pferde) weiterging. Gepflanzt habe ich vor allem Stauden zur Stärkung des Immunsystems, der Unterstützung der Atemwege, des Magen-Darm-Bereiches und zur Beruhigung dünner Nervenkostüme:
Alant (schleimlösend, entzündungshemmend, reguliert die Verdauung)
Ringelblume (entzündungshemmend, wundheilungsfördernd, äußerlich gegen Bakterien, Pilze & Viren)
Rosmarin (durchblutungsfördernd, unterstützt Magen und Darm)
Salbei (entzündungshemmend, antibakteriell, äußerlich gegen Bakterien, Pilze & Viren)
Sonnenhut (stärkt Abwehrkräfte, Immunsystem, äußerlich gegen Bakterien & Viren)
Thymian (reinigt die Bronchien, schleimlösend, antibakteriell
Nun muss ich „nur“ noch ernten, trocknen, entsprechende Rezepte ausprobieren und eigene Erfahrungen zum Thema Kräuter für Pferde sammeln. Dann wird es sicherlich weitere Beiträge zu diesem Thema geben.
Aber eine Bereicherung ist der Garten auf jeden Fall jetzt schon, vor allem in Bezug auf Artenvielfalt. Beispielsweise ist der Oregano (Origanum vulgare) extrem beliebt bei Insekten. Hier eine Auswahl an Tagfaltern am Oregano:
Zugegeben, der Garten ist nicht zuletzt deshalb naturnah, weil ich gar nicht so viel Zeit in die Gartenarbeit investiere. So hatten beispielsweise Wilde Möhre, Rotklee, Mohnblume, Nachtkerze & co. leichtes Spiel, sich zu etablieren und den Garten zu bereichern. Nur hier und da habe ich eingegriffen, wenn Brombeere (Rubus armeniacus) und Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) den Garten zurückerobern wollten und um die (gekauften bzw. gewollten) Stauden etwas frei zustellen.
Und anstatt endlos „Unkraut “ zu bekämpfen, habe ich lieber noch einen Mini-Teich angelegt 🙂
Dafür hab ich eine Teichwanne (gebraucht) gekauft und Material wie Feldsteine und Totholz von den Koppeln gesammelt. Mit dem Holz und den Steinen habe ich verschiedene Höhen innerhalb des Teichbeckens modelliert und das „Ufer“ etwas naturnaher gestaltet sowie Unterschlupfmöglichkeiten geschaffen. Als Unterwasserpflanze habe ich Armleuchteralgen (Chara vulgaris) und Wasserfeder (Hottonia palustris) eingesetzt, Krebsschere (Stratiotes aloides), Wasserknöterich (Persicaria amphibia) und Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) als Schwimmblattvegetation und Schwertlilie (Iris pseudacorus) als Uferpflanze eingepflanzt. Denn auch bei Wasserpflanzen würde ich nur einheimische Arten verwenden, damit sie ins Ökosystem passen und sich nicht noch mehr invasive Neophyten wie beispielsweise Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis) verbreiten.
Dann hoffe ich noch auf den Einzug von Amphibien, zumindest vom Teichfrosch. Aber auch, wenn sich keine Amphibien einfinden sollten, bereichert so ein Miniteich jeden Garten und ist auf jeden Fall eine schöne Tränke für Insekten und Vögel an heißen Sommertagen. Wichtig ist jedoch, keine Fische einzusetzen, die den Laich der Amphibien, Larven und Wasserinsekten fressen.
Es gibt ein neues, wunderbares Buch von Dr. Renate Vanselow, das aufzeigt warum „Gehölze ein unverzichtbarer Bestandteil der Weidetierhaltung“ sind.
Mit einem historischen Exkurs nimmt uns die Autorin mit in die Zeit der großen Pflanzenfresser die einst unsere Landschaft mitgestaltet haben wie Riesenhirsch, Auerochse, Wisent, Wildpferd & co. Damit wir zunächst verstehen, warum so viele Arten an halboffene Weidelandschaften angepasst sind und wie später Nutztiere entsprechende Schlüsselfunktionen im Ökosystem übernommen haben:
„Das Ökosystem Fraßsavanne konnte so naturnah Jahrtausende lang überdauern. Die Gärtner, also die fressenden Tiere, waren vom Menschen einfach nur ausgetauscht worden. Die Weidelandschaft blieb das artenreiche, verbuschte Mosaik aus kurzgefressenem Rasen, staudenreichen Wiesen, einzeln stehenden Schirmbäumen, Gebüschen und Wäldern unzugänglicher Orte, durchzogen von Trampelpfaden.„
Und sie erklärt warum gleichzeitig Weidetiere, insbesondere auch Pferde an halboffene Weidelandschaften angepasst sind: „… im Laubfutter finden sie Mineralfutter, ihre natürliche Apotheke, den Witterungsschutz, Sichtschutz für Ruhezonen, während in den Gehölzen die Insektenfresser zur Tilgung ihrer Parasiten heranwachsen.“
Gehölze sind nicht zuletzt mineralreiches Zusatzfutter. Bereits geringe Mengen an Laub können den Bedarf an Kalzium, Magnesium, Kalium und Natrium decken, denn viele Gehölze sind (wie Kräuter ja auch) zugleich Heil- und Giftpflanze. Die Autorin listet dabei die Wirkungen der verschiedenen Gehölze und ihre Gehalte an Mineralien auf und erklärt, dass wie immer die Dosis das Gift macht.
„Der beste Schutz gegen Viehvergiftungen ist auch der beste Schutz gegen Ausbrüche aus Viehweiden: ein ausreichendes Futterangebot.“
Das heißt, Vielfalt auf der Weide ist der beste Schutz vor Vergiftung, Futter ist der beste Zaun und der zweitbeste Zaun ist eine zusätzliche Hecke. Und so wird ausführlich die kulturhistorische Entstehung und besondere Bedeutung der Hecken und Wallhecken (Knicks) für die Artenvielfalt, als „lebendige Zäune und Apotheke der Natur“ beschrieben. Ursprünglich angelegt, um kleine Ackerschläge vor dem Weidevieh zu schützen, später, um die Weidetiere darin zu halten. Hier eine schöne Beschreibung aus dem Jahr 1932 über die Knicks in Schlwesig-Holstein:
„… die Tiere fressen sich wohl auch an den mancherlei bitteren Kräutern und Blättern, die der Knick bietet, bei Krankheiten wieder gesund.„
Leider sind solche Strukturen und Landschaftselemente vielerorts der Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Deshalb wird es Zeit, wieder mehr Gehölze in unsere Kulturlandschaft zu bringen. Und dafür gibt es ein ganzes Kapitel mit Praxistipps für die Pferdehaltung, wie man wieder Gehölze auf Viehweiden etablieren kann, was man dabei hinsichtlich der Grünlandprämien, der Auswahl der Gehölze oder dem Schutz und der Pflege beachten sollte.
Es wird außerdem dargestellt, warum die Intensivierung, Überdüngung und Artenverarmung des modernen Grünlandes unsere Pferde krank macht und warum das rasante Artensterben unweigerlich mit der Trennung von Wald und Weide, der Flurbereinigung und Intensivierung der Landwirtschaft zusammenhängt.
Mit diesem Buch wird einmal mehr deutlich, das Pferdehalter nicht nur die Verantwortung für eine artgerechte Haltung, Gesundheiterhaltung und dem Wohlbefinden unserer geliebten Vierbeiner tragen, sondern auch für den Erhalt der Biodiversität. Denn es gibt sonst kaum noch Weidetiere in der Landschaft, die Schlüsselfunktionen im Ökosystem übernehmen können. Und hier gibt uns die Autorin viele Anregungen und Tipps auf den Weg, wie wir unserer Verantwortung gerecht werden, für unsere Pferde und für die Natur.
Und hier noch zwei Auszüge aus dem Buch Pferd und Gehölz mit freundlicher Genehmigung des Starke Pferde Verlages:
Inspiriert von dem wunderbaren Naturgarten eines lieben Arbeitskollegen wollte ich auch einen schönen Staudengarten für Insekten, Vögel und Reptilien etc. anlegen.
Im Herbst 2022 habe ich also begonnen einen ehemaligen, verwilderten Bauerngarten zumindest teilweise wieder zu ertüchtigen, um im Frühjahr 2023 Stauden zu pflanzen, die bei Insekten besonders beliebt sind und gleichzeitig mit unserer brandenburgischen Sommertrockenheit klar kommen:
Prachtscharte
Fetthenne
Färber-Kamille
Anis Ysop
Oregano
Lavendel
Steppen-Salbei
Gewöhnliche Braunelle
Graue Skabiose
Berg-Bohnenkraut
Bergminze
Im Schattenplatz, der auch durch die Vogeltränke etwas feuchter ist, habe ich verschiedene Storchschnabel- und Knötericharten wie Wald-Storchschnabel oder Schlangenknöterich gepflanzt.
Von allein kamen noch unter anderem Wilde Möhre, Mohnblume, Hopfen- und Rotklee dazu, die ich natürlich als wertvolle Ergänzung willkommen heiße.
Holzstämme, die gleichzeitig eine optische Begrenzung darstellen, wurden sofort von Holzbienen angenommen. Und wenn man mal so einen Holzstamm oder liegendes Totholz anhebt, erkennt man auch selbst den Wert, denn alle möglichen Käfer, Asseln, Würmer und Schnecken tummeln sich darunter und darin.
Und natürlich darf auch eine Lehmschale als Baumaterial für Wildbienen und Rauchschwalben sowie die obligatorische Vogeltränke nicht fehlen.
Einen Naturgarten anzulegen, Vögel und Insekten anzulocken ist dabei nicht völlig altruistisch: Neben den positiven Effekten für die Natur tut ein Garten auch uns Menschen gut. Denn es ist schön einfach nur dazusitzen, in einer kleinen Naturoase und Tagfalter, Bienen und Vögel zu beobachten:
„…und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“ (Pippi Langstrumpf)
Dieses Jahr wird der Garten noch um einen Kräutergarten erweitert. Dabei sollen vor allem Kräuter gepflanzt und ausgesät werden, die bei Husten, Stress und Magen-Darm-Problemen helfen sollen – bei Pferden. Aber sicherlich hilft es auch bei Menschen 😉
Dieser Blog enthält mittlerweile viele Einträge zur Themenwelt Artenvielfalt, Weidepflege, Insektenschutz etc., aber noch keine Gedanken zur Frage:
Was ist eigentlich eine artgerechte Pferdehaltung?
Anlass, das nachzuholen, ist das Buch von Marlitt Wendt: Die Rechte der Pferde – Ein Plädoyer für Tierwohl und Ethik.
Zunächst stellt die Autorin klar, dass es einen Unterschied zwischen „natürlich“ und „artgerecht“ gibt, weil die Natur keine Tierhaltung vorgesehen hat und wir nicht die Möglichkeit haben, „unserem Pferd seine eigene kleine Wildnis zu schaffen„.
Es gibt zwar Beweidungsprojekte im Sinne des Naturschutzes mit naturnaher Haltung von Pferden, Rindern und Wasserbüffeln auf großen Flächen (d.h. >100 Hektar) und einer vielfältigen Lebensraumausstattung aus Weiderasen, Hochstaudenfluren, Feuchtwiesen, Trockenrasen, Gebüschen, Gewässer, Wald usw., wie beispielsweise in der Döberitzer Heide oder auf den ehemaligen Rieselfeldern in Hobrechtsfelde:
Aber die „normale“ Pferdehaltung ist doch meist eher trostlos, ein fremdgesteuertes Pferdeleben mit vorgegebenen Fresszeiten, auf vegetationslosen Paddocks oder maximal reizarme, viereckige Weiden. Die einzige Abwechslung ist ein ständiges Rein, Raus neuer Pferde mit all den verbundenen Verletzungen, seelisch und körperlich …
Seit ich vor 13 Jahren in dem Beweidungsprojekt Hobrechtsfelde gearbeitet und zeitgleich selbst ein Pferd gekauft habe, ist es deshalb mein Traum, die extensive Beweidung großer Flächen und einer (aus meiner Sicht) artgerechten Pferdehaltung zu verbinden. Denn wir haben auf der einen Seite wahnsinnig viele Reiterhöfe mit zu vielen Pferden auf zu wenig Fläche und auf der anderen Seite die Erfordernisse zur extensiven Beweidung, um die Artenvielfalt zu erhalten.
Und da gebe ich der Autorin absolut recht, wenn wir schon Pferde halten wollen – allein um unsere Bedürfnisse nach Erfolg, Partner-Ersatz, Geltung, Followern oder was auch immer zu befriedigen – sollten es unsere geliebten Vierbeiner dann nicht so gut wie möglich haben? Denn wir brauchen Pferde ja nicht mehr vor dem Pflug, vor der Kutsche oder als Transportmittel. (An dieser Stelle sei auch gleich noch das Buch von Ulrich Raulff:Das letzte Jahrhundert der Pferde empfohlen.)
Und hier nähert Sie sich dem Thema über die Leitlinien zur Pferdehaltung sowie dem Tierschutzgesetz und interpretiert, was das für Pferde bedeutet bzw. bedeuten sollte. Beispiehaft ein Auszug aus dem TierSchG:
§1
Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen.Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
§2
Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
muss das Tier seiner Art undseinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.
Freedom from hunger or thirst by ready access to fresh water and a diet to maintain full health and vigour
Freedom from discomfort by providing an appropriate environment including shelter and a comfortable resting area
Freedom from pain, injury or disease by prevention or rapid diagnosis and treatment
Freedom to express (most) normal behaviour by providing sufficient space, proper facilities and company of the animal’s own kind
Freedom from fear and distress by ensuring conditions and treatment which avoid mental suffering
Ich finde es lohnt sich, über alle Punkte in Ruhe nachzudenken und mit der Lebenssituation des eigenen Pferdes abzugleichen. Kann ich all diese Freiheiten, auch die Freiheit von Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten gewährleisten? Wir wissen, wie schwierig es sein kann, Lahmheiten bei Pferden zu entdecken oder Schmerzen, beispielsweise Zahnschmerzen zu bemerken etc. Auch die Freiheit von Angst und Leiden, ist es fair, mit dem Pferd allein auszureiten, wenn es nicht daran gewöhnt wird und dem Menschen nicht vertraut? Wenn es Trennungsangst hat, beim Umzug, Wochenendkurs, Turnier etc.? Ist es fair, bei der Ausbildung des Pferdes grob und ungeduldig zu werden, weil man selbst Fortschritte machen möchte?
Und ich weiß auch, wie sehr man in einem Pensionsbetrieb ausgesetzt sein kann, wenn sich beispielsweise Rahmenbedingungen nach dem Einzug ändern. Will man dann jedes Mal dem Pferd einen Umzug zumuten oder soll das Pferd alles aushalten und ertragen? Müssen wir alles aushalten und ertragen? Wir müssen auf jeden Fall ständig entscheiden, was schlimmer ist, Matschpaddock, schimmliges Heu, Giftpflanzen oder ein Umzug?
Ehrlich gesagt, musste ich bei der Interpretation der Autorin der Five Freedoms ziemlich schlucken und über vieles nachdenken. Leider auch darüber, dass unsere Haltungsform nicht für alle Pferde geeignet ist und Pferde wegen Hufrehe ausziehen mussten. Es ist nicht immer alles so, wie man sich das wünscht oder sich gedacht hat und vieles hat man schlichtweg nicht in der Hand.
Dabei macht die Autorin weiterhin klar, dass es aus ihrer Sicht nicht ausreichend ist, dass Pferde keine Schmerzen haben, ihnen kein Leid zugefügt wird und sie vernünftig versorgt werden, sie geht noch einen Schritt weiter:
„Vielmehr bedeutet Wohlbefinden sowohl Abwesenheit von Leid und Krankheit als auch einen Zustand, der geprägt ist von positiven Gefühlen, Sicherheit und der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Wohlbefinden bedeutet, dass unser Pferd in möglichst vielen oder gar sämtlichen Lebensbereichen Wahlmöglichkeiten hat. Es muss selbst entscheiden können, ob es den Schatten aufsucht oder sich der Sonne zuwendet, es soll sich von einzelnen Pferden distanzieren und andere gezielt aufsuchen können oder jederzeit seinen Durst mit frischem sauberen Wasser stillen können.
Eine Vielfalt an Wahlmöglichkeiten bedeutet für das Pferd das Erleben der so wichtigen Selbstwirksamkeit. Es erfährt, in der Lage zu sein, seinen eigenen Zustand positiv zu verändern. Es lernt so, dass es sein Leben aktiv steuern kann und nicht immer wieder hilflos unabänderbaren Situationen gegenübersteht.“
Diese beiden Absätze haben mich dann wieder in unserer Art der Pferdehaltung bestätigt, auch wenn sie nicht für alle Pferde geeignet ist. Unsere Pferde können jederzeit selbstbestimmt fressen, dösen, schlafen, spielen, erkunden. Wir haben keine vorgegebenen Laufwege in Form von „Trail-Labyrinthen“, keine Fresszeiten oder sogar Futterautomaten, um das zu imitieren, was in der Natur der Pferde liegt: Langsame Nahrungsaufnahme über den Tag und die Wegstrecke verteilt in Form von Grasen 😉
Und noch eine schöne Empfehlung von Marlitt Wendt:
Jeder sollte bei sich selbst anfangen, Gutes zu tun und zu verbessern, was man selbst in der Hand hat. Es wäre schön, wenn wir aufhören könnten, mit dem Finger auf andere zu zeigen und stattdessen anfangen könnten freundlich zu sein. Freundlich zu uns selbst, freundlich zu unseren Stallkollegen, unseren Mitmenschen und allen Tieren.
Heu aus spätem Schnitt kann eine echte Win Win Strategie zwischen artgerechter (Freizeit-) Pferdehaltung und Naturschutz sein. Warum?
Wenn das Heu erst verhältnismäßig spät, also Anfang bis Mitte Juli gemäht wird, steigt die Überlebensrate bei Insekten und am Boden brütende Vogelarten wie beispielsweise beim Braunkehlchen oder der Feldlerche. Außerdem können verschiedene Kräuter und Gräser aussamen, d.h., es werden nicht immer die gleichen Gräser begünstigt und es gibt einen längeren Blühaspekt – oder vielmehr: es gibt überhaupt einen Blühaspekt. Und mit Blütenreichtum = Insektenreichtum können Nahrungsketten im Lebensraum Wiese überhaupt erst entstehen.
Nest einer Feldlerche (10.7.2023)
Heupferd (12.08.2023
Kleiner Feuerfalter (21.06.2023)
Dabei hört man als Naturschützer immer das Argument, dass Landwirte das Heu nicht so spät schneiden können, weil es dann ja keinen Futterwert mehr hat und sie keinen Abnehmer dafür finden würden.
Und hier ist aus meiner Sicht die ideale Verbindung zur Freizeit-pferdehaltung. Denn in der Regel haben wir es ja hier mit adipösen Ponys zu tun, denen spät geschnittenes Heu gut tun würde. Und vor allem sogenannte Robustrassen wie Tinker, Isländer, Fjordpferde etc., aber auch die Iberischen Rassen haben mit Fettleibigkeit zu kämpfen und müssen am Ende wegen Hufrehe ganz aus einer natürlichen Pferdehaltung mit Weidezugang genommen werden. Auf dem Weg dahin gibt es viele (eigentlich schon tierschutzrelevante) Maßnahmen wie dauerhaftes Tragen von Fressbremsen in Verbindung mit engmaschigen Heunetzen, extrem lange Fresspausen oder die Pferde werden mit der Trennung von ihrer Herde und einem Verbleib auf einem langweiligen Paddock gegängelt.
Und an dieser Stelle möchte ich Werbung für spät geschnittenes Heu mit einem geringeren Protein- und Zuckergehalt machen. So zeigt beispielsweise eine Grafik aus Dierschke & Briemle (2008): Kulturgrasland einen ganz einfachen Zusammenhang zwischen Futterwert und Schnittzeitpunkt:
Oder folgendes Zitat aus Meyer & Coenen (2013:115ff): Pferdefütterung: „Mit fortschreitendem Alter der Pflanzen nehmen der Rohfasergehalt zu und damit ihre Verdaulichkeit ab. Der Aufwuchs im Frühjahr, aber auch im Spätsommer (nachwachsendes Grünfutter ab September) und Herbst ist am rohfaserärmsten (mehr Blätter, weniger Stängel), aber am eiweiß- und energiereichsten, während im Sommer bei starker Halmbildung umgekehrte Verhältnisse vorliegen.„
Und dieses Jahr hatten wir nun zum ersten Mal selbst die Gelegenheit Heu aus spätem Schnitt zu beziehen. Neben dem Vorteil, dass die Ballen viel günstiger waren als das „gute Heu“, dass wir schon Anfang Juni bekommen haben, zeigt auch die Futtermittelanalyse beim LKV BB eV., dass der Protein- und Zuckergehalt sowie der Futterwert (ME MJ) beim Heu aus spätem Schnitt geringer sind.
Parameter
Schnitt Ende Mai
Schnitt Anfang Juli
g/kg TS
g/kg OS
g/kg TS
g/kg OS
Trockensubstanz
1000
845
1000
754
Feuchte %
15,5
24,6
Rohasche
38
32
45
34
Rohprotein
95
80
75
57
Rohfaser
301
254
340
256
Zucker
117
99
63
48
Rohfett
20
17
14
10
verdauliches Rohprotein
60
51
43
32
Energieberechnung
je kg TS
je kg OS
je kg TS
je kg OS
umsetzbare Energie in Mega-Joule(ME MJ)
8,0
6,8
7,1
5,4
Futtermittelanalysen beim Landeskontrollverband Berlin-Brandenburg eV.; TS = Trockensubstanz, OS = Originalsubstanz
Wobei neben dem Schnittzeitpunkt auch der Standort und damit die Artenzusammensetzung eine Rolle beim Futterwert spielt. Beim Heu, dass Ende Mai auf einer Glatthaferwiese geschnitten wurde, dominieren Gräser mit hohen Futterwertzahlen wie Glatthafer, Knaulgras, Wiesen-Fuchsschwanz und Wiesen-Rispengras.
Glatthaferwiese, Ende Mai geschnitten
Feuchtwiese, Anfang Juli geschnitten
Das Heu, dass Anfang Juli geschnitten wurde, stammt von seggenreichen Feuchtwiesen auf Naturschutzflächen im Naturpark Westhavelland. Es enthält neben Seggen bzw. Sauergräsern (vermutlich Sumpfsegge, Schlanksegge, behaarte Segge), Straußgras und Landreitgras, die relativ geringe Futterwertzahlen haben. Solche Flächen werden in der Regel aus Naturschutzgründen offen gehalten für Wiesenbrüter, Limikolen oder der Großtrappe und haben deshalb die Auflage, dass sie erst ab Juli gemäht werden dürfen. Ganz ohne Nutzung würden die Lebensräume für diese Arten verschwinden.
Im Naturschutz führen wir manchmal Diskussionen darüber, ob Seggenwiesen früher nur „Streuwiesen“ waren, also für eine Einstreu gemäht wurden. Jeder der einmal selbst mit der Sense gemäht und das Schnittgut geworben hat, wird verstehen, was für ein Unfug das ist. Und folgendes lesen wir bei Theodor Fontane über das Havelländische Luch (1872):
„Die umliegenden Ortschaften versuchten es, dem Luche dadurch einigen Nutzen abzugewinnen, dass sie ihre Kühe darin weiden ließen und das freilich schlechte und saure Gras, so gut es ging, mähten. Beides war nur mit großer Mühseligkeit zu erreichen. Das Vieh musste häufig durch die Lanken schwimmen, um Grasstellen zu finden…. Nur im hohen Sommer und bei trockener Witterung war der größte Teil des Luches zu passieren; dann mähte man das Gras… Unter allen Umständen war das Gras schlecht und eine kümmerliche Nahrung.“
Ich möchte unseren Pferden Heu zur freien Verfügung gewähren und keine Fresszeiten vorgeben oder das Heu in kleinen Netzen portionieren, was wir als Haltergemeinschaft auch gar nicht leisten könnten. Mir gefällt es, dass die Pferde ihren eigenen Tagesrhythmus ausleben und selbst entscheiden können, wann sie fressen und wann sie dösen, spielen, schlafen wollen.
Wer mehr zu diesem spannenden Thema lesen möchte, dem sei die Broschüre Pferd und Heu der VFD empfohlen.
Aktuell ist wieder die Zeit, in der Tausende von Dungkäfern der Gattung Aphodius die Pferdehaufen innerhalb kürzester Zeit zersetzen. Sie ernähren sich von Pferde- und Rinderdung, legen ihre Eier in den Haufen ab und auch die Larven ernähren sich widerum vom Kot unserer Weidetiere.
Massenvorkommen von Dungkäfern aus der Gattung Aphodius
Und besonders auffällig sind derzeit auch wieder die Löcher des Stierkäfers (Typhaeus typhoeus). Fast an jedem Haufen befindet sich ein ca. 1cm großes Loch, der Eingang zur Brutkammer des Stierkäfers. Er legt bis zu 1,5m tiefe Stollen mit mehreren Brutkammern an, in denen er seiner Eier und Kotpillen als Vorrat für die Larven ablegt. Die Entwicklung der Larven dauert zwei bis drei Jahre, während die adulten Käfer nach der Brutvorsorge und Eiablage absterben.
Was sonst noch so alles in einem Kuhfladen wimmelt und wie sich die Nahrungsketten von Dungfliegen, Dungkäfern, Kurzflüglern, Regenwürmern, bis hin zu Kleinsäugern, Vögeln und Fledermäusen aufbauen, erklärt das wunderbare Kinderbuch „Party im Kuhfladen„.
Das folgende Video soll einen Eindruck vermitteln, wie so ein Kuhfladen besiedelt wird. Es sind Wasserkäfer der Gattung Sphaeridium und auch zwei hübsche Kurzflügler (Ontholestes murinus) mit weißen Streifen auf dem Hinterleib zu erkennen:
Wasserkäfer der Gattung Sphaeridium und Kurzflügler Ontholestes murinus
Die Wasser- und Kurzflügelkäfer ernähren sich von den Larven der Fliegen, die schon ihre Eier in dem Fladen abgelegt haben und so können die Kreisläufe beginnen…
Diese Käfer und auch die Gelbe Dungfliege (Scathophaga stercoraria) sind mir übrigens erst aufgefallen, seit Finola und Lenia bei uns sind. Die Larven der Gelben Dungfliege ernähren sich ebenfalls von anderen Insektenlarven im Dunghaufen.
Damit die Dunghaufen unserer Weidetiere nicht (unnötig) zur ökologischen Falle werden, in dem die Larven der Insekten in den Haufen durch den Einsatz von Antiparasitika absterben, haben wir auf Selektive Entwurmung umgestellt. Seit Sommer 2022 werden wir dafür von einem zertifizierten Kotlabor der Arbeitsgemeinschaft Zeitgemäße Selektive Entwurmung (ZSE) betreut und mit KnowHow unterstützt.
Der Vorteil liegt darin, dass man mit Hilfe einer Online-Datenbank stets den gesamten Bestand im Überblick hat, sich jederzeit von jedem Pferd die „Wurmkurven“ anschauen kann und dokumentiert wird, wer wann welche Wurmkur bekommen hat. Man bekommt Erinnerungen für die nächsten Kotprobe, Empfehlungen für einen Wirkstoff und – besonders wertvoll wie ich finde – man kann jede noch so „dumme“ Frage stellen 😉
Das heißt, es geht nicht nur um das Ergebnis der Kotproben, sondern auch um den Service und die gute Beratung. Natürlich ist der Aufwand ersteinmal größer als einfach Wurmkuren zu geben, aber wenn dafür nur die Pferde eine Wurmkur bekommen, die auch eine brauchen, hat man am Ende die Umwelt geschont und beugt Resistenzen bei den Magen-Darm-Parasiten vor. Und vor allem: Das Bufet auf der Weide kann eröffnet werden.
Hecken haben einen hohen ökologischen Wert als Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Artengruppen wie beispiesweise Insekten oder Vögel sowie für den Biotopverbund, vor allem in der „ausgeräumten“ Agrarlandschaft.
Nach dem empfehlenswerten Buch „Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft“ von Uwe Westphal gibt es in Feldhecken ca. 800 Käferarten, über 100 Schmetterlingsarten, unzählige Wildbienen, Wespen, Mücken, Fliegen, Zikaden, Heuschrecken, Spinnen und über 50 Vogelarten. Typische Heckenbrüter sind beispielsweise Neuntöter, Sperbergrasmücke, Mönchsgrasmücke, Klappergrasmücke, Gartengrasmücke, Goldammer, Nachtigall oder Zilpzalp.
Auch die Früchte dorniger Sträucher wie Hagebutten sind sehr beliebt bei vielen Tiergruppen und vor allem sehr gesund, auch für Pferde. Und wenn solche Gebüsche randlich von Weidetieren beknabbert werden, bilden sie ein undurchdringliches Gestrüpp und bieten auf diese Weise vielen Tieren Deckung, Versteck- sowie Nistmöglichkeiten.
Aber warum bieten Hecken eigentlich so vielen Arten einen Lebensraum? Ursprünglich haben große Pflanzenfresser wie Wildpferd, Auerochse, Wisent & co. unsere Landschaft mitgestaltet. Dabei haben sich vor allem mit Dornen bewehrte Gehölze wie Wildrosen, Schlehen, Weißdorn, Brombeere oder Wildbirne in den Weidelandschaften durchgesetzt. Teilweise bilden sie Gebüschinseln und in hier können sich widerum Bäume etablieren (siehe Schema zur Vegetationsabfolge aus Bunzel-Drüke et al. 2008). Die Bäume können zu stattlichen Solitärbäumen heranwachsen und irgendwann stirbt das Gebüsch im Schatten ab. Und so besteht eine Weidelandschaft aus einem räumlichen und zeitlichen Mosaik aus offenen Trittstellen, Weiderasen, Krautsäumen, verschiedenen Stadien der Verbuschung, Solitärbäumen (v.a. Eichen) bis hin zu Waldinseln. Dieser reichhaltige Baukasten der Natur wurde mancherorten noch durch Tümpel, Flüsse, Überschwemmungen, Feuer, Bibertätigkeiten und viele weitere Elemente ergänzt.
Und daran ist ein Großteil unserer heimischen Flora und Fauna angepasst. Viele Arten haben nach der Ausrottung der großen Pfanzenfresser geeignete Ersatzhabitate in der vom Menschen geformten Kulturlandschaft gefunden, zumindest bis zur Einführung der geregelten Forstwirtschaft und der industriellen Landwirtschaft.
Heute bleibt uns aus dem ehemals gut bestückten Baukasten der Natur oft nur noch das „Werkzeug“ der Gebüsche in Form von angepflanzten Hecken als Lebensraumstruktur. Aber wer Weideland und auch die Möglichkeiten hat, könnte Bäume und Sträucher wieder mehr fördern, beispielsweise durch partielles Auszäunen, dem Verzicht auf Mulchen von Weideresten oder durch ein gezieltes Anpflanzen von gebietsheimischen Gehölzen. Ideal wäre dabei die Anlage einer mehrreihigen Hecke oder einer Baumreihe am Paddock, am Reitplatz oder entlang eines Trails.
Bäume und Sträucher haben außerdem viele Vorteile für Pferd und Mensch: ein angenehmeres Mikroklima (vor allem im Sommer bei extrem hohen Temperaturen), Sonnenschutz, Windschutz, Erosionsschutz, gesunde Snacks in Form von Früchten und Zweigen.
Und so haben wir auch eine Wildrosenreihe am Reitplatz angelegt und dabei folgende Arten verwendet:
Wildrosen (Rosa canina, R. corymbifera, R. rubiginosa, R. tomentosa, R. elliptica, Hagebutten enthalten viel Vitamin C, über 100 phytophage Insektenarten profitieren)
Weißdorn (Crataegus monogyna, Früchte sind gesund, vor allem für das Herz-Kreislaufsystem, über 300 phytophage Insekten)
Roter Hartriegel (Cornus sanguinea, die Blüten sind eine Bienenweide und ich finde einfach die Färbung schön, vor allem im Herbst ;-))
Es hat übrigens unheimlich viel Spaß gemacht, die Sträucher zu pflanzen und es erdet ungemein. Dieses Bedürfnis im Frühjahr in der Erde zu wühlen und etwas anzupflanzen scheint ebenso fest in uns verankert zu sein, wie das Bedürfnis Tiere zu versorgen.
Und wenn man die Möglichkeit hat, Gehölze zu pflanzen, ist es aus naturschutzfachlicher Sicht wichtig, gebietsheimische Gehölze zu pflanzen. So lockt beispielsweise der im Garten beliebte Schmetterlingsflieder (Buddleja spec.) zwar viele Schmetterlinge an, aber an ihm können sich keine Raupen entwickeln. Dagegen bietet Schlehe (Prunus spinosa) 126 Schmetterlingsarten eine Nektar- und Raupenfutterquelle oder Brombeere immerhin 77 Schmetterlingsarten. Oder der Zitronenfalter, einer der ersten Falter im Frühjahr: seine Raupen fressen nur am Laub vom Faulbaum (Frangula alnus) oder Kreuzdorn (Rhamnus cathartica).
Falls jemand Lust bekommen hat, Bäume und Sträucher zu pflanzen, dem seien die zahlreichen Tipps des NABU, das oben genannte Buch über Hecken oder auch der Leitfaden zur Verwendung gebietseigener Gehölze empfohlen.
Es gibt nichts gutes, außer man tut es. (Erich Kästner)
Ich habe ihn auch gewählt – diesen hübschen Punker der Hutelandschaften.
Nach der Monographie aus dem Jahr 1952 von Hans Münch bevorzugt der Wiedehopf offenes Gelände mit alten Bäumen wie Viehweiden, Obstplantagen oder Wiesen und Weiden am Rande alter Laubwälder. Er ist ein Höhlenbrüter, der in unseren Breiten vor allem in Baumhöhlen beispielsweise in verlassenen Spechthöhlen brütet, in Südeuropa allerdings auch in Mauern nistet. Dabei sind ausreichende Mengen an Großinsekten als Nahrung für sich und seinen Nachwuchs entscheidend für seinen Lebensraum und die Brutplatzwahl, d.h. er braucht beides: artenreiches Grünland und alte Bäume.
Bei Münch waren eine seiner Hauptsnahrungsquellen noch Maulwurfsgrillen, welche er heute wohl kaum noch finden wird. Er nimmt auch Heuschrecken, Käfer, Würmer, Schnecken, Spinnen, Raupen oder sogar kleine Zauneidechsen. Aber weil die Masse an Insekten in unserer intensiv genutzten Landschaft extrem abgenommen hat, wird er heute fast nur noch in Weidelandschaften wie der Döberitzer Heide mit Dunghaufen (ohne zu häufigen Einsatz von Ivermectin) fündig….
Münch schrieb (1952!), dass der Wiedehopf „früher“ ein häufiger und allgemein weit verbreiteter Vogel war und sah die Hauptursachen für sein Aussterben im Rückgang der Viehhaltung und dem Mangel an geeigneten alten Bäumen mit Höhlen.
In den letzten Jahren hat man im Naturschutz immer mehr Erfahrung mit künstlichen Nisthilfen gesammelt, um dem Wiedehopf zu helfen. Und so wollte ich auch gern einen Wiedehopf bei uns auf den Flächen ansiedeln und habe einen Wiedehopfkasten gebaut. Leider hat er ihn dieses Jahr noch nicht angenommen, vielleicht gefällt es ihm doch nicht so richtig bei uns. Eventuell sind die Flächen zu klein, die Insektenmasse zu gering oder ich muss noch etwas Geduld haben.
Eine schöne Sammlung von Bauanleitungen für künstliche Nisthilfen für verschiedene Vogelarten, aber auch Fledermäuse, Insekten oder einen Igelunterschlupf findet man hier.
Das aktuelle Heft der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ der VFD widmet sich dem „Thema Pferde halten – Natur schützen“ und zeigt Wege auf, wie sich Pferdehalter ihrer Verantwortung für den Naturschutz stellen können. In guten Beiträgen werden komplexe Zusammenhänge auf den Punkt gebracht und konkrete Anregungen für eine artgerechte Pferdehaltung, gesunde Weiden als Futtergrundlage und dem Schutz der Artenvielfalt aufgezeigt.
Die Artikel sprechen mir dabei förmlich aus der Seele. Es wird beispielsweise erklärt, warum es eine WinWin-Situation wäre, wenn Freizeit-Pferdehalter Heu aus ungedüngten, spät geschnittenem, also proteinarmen, dafür kräuterreichen Wiesen füttern würden. Und auch eine extensiv genutzte, arten- und kräuterreiche Weide wäre für die meisten unserer Pferde besser geeignet als fruktanreiche Intensivgraslandschaften, die eher Rinderfutter sind. Pflanzenvielfalt, Blütenreichtum und auch mal was stehen lassen nützen dabei auch dem Insektenschutz. Ein ganzer Artikel widmt sich sogar speziell dem Insektensterben und was man auf der Weide dagegen tun kann. Zusammengefasst und stark vereinfacht:
Verzicht auf Nachpflege, denn „Mähen tötet den Nachwuchs“ (Puppen- und Raupenstadien)
Verzicht auf rotierende Mähwerke und Mulchsammler
eine möglichst angepasste Anzahl an Pferden, damit Pflanzen Blüten ausbilden können
Auch der Mehrwert von Hecken als Lebensraum, Biotopverbund, Windschutz und Knabberei für die Pferde wird aufgezeigt und welche Gehölze sich eignen, welche für Pferde giftig sind. Hecken und Gehölzreihen schützen die Weide auch vor Austrocknung in Dürreperioden. Und natürlich wird auch das Thema Giftpflanzen behandelt mit Tipps zur Eindämmung von Jakobskreuzkraut, Graukresse & co.
Es wird beispielsweise beschrieben, dass die Graukresse in den letzten Jahren von der Trockenheit profitiert hat und sich vor allem auf übernutzten Weiden ausbreitet. Dagegen hilft nur eine nachhaltige Nutzung und wenn sie sich schon auf größeren Flächen ausgebreitet hat, ein Mulchen vor der Samenbildung im Juni.
Auch die Themen Herbizid- und Düngemitteleinsatz sowie deren Nachteile für die Pferdegesundheit und Umwelt werden behandelt. Dabei kann man einen ganz einfachen Zusammenhang nicht oft genug betonen. Nur auf ungedüngten Wiesen und Weiden gibt es eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern, da sich ansonsten nur einige wenige konkurrenzstarke Arten ausbreiten und das nützt auch der Pferdegesundheit, denn „Wo Pferde gesund bleiben, herrscht bunte Vielfalt„.
Ich stelle immer wieder fest, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was „Natur“ ist. Und dementsprechend auch viele Missverständnisse, was dann eigentlich „Natur-Schutz“ ist….
Für viele Menschen ist Wald die einzig wahre Natur. Aber kennen wir einen „natürlich“ aufgewachsenen Wald? Abgesehen von den Heiligen Hallen – ein 25Hektar kleines Waldstück, das sich seit dem 30-jährigen Krieg vermutlich selbst etabliert hat und zumindest seit Ende des 19. Jahrhunderts ohne menschlichen Einfluss, also sich selbst überlassen ist. Ansonsten kennen wir nur geregelte Forstwirtschaft, Holzplantagen angelegt in viereckigen Forstrevieren, meist auf Flächen, die bis zum 19. Jahrhundert noch Offenland waren. In Brandenburg wurden in der Regel Kiefern angepflanzt. Sicherlich gibt es hier und dort kleine Inseln aus Buchenwäldern, reliktartig eingestreute Eichenwälder, Moorwälder, Ulmen-Hang- oder Auenwälder aus natürlicher Sukzession.
Aber wie würde unsere Landschaft aussehen, wenn nicht mehr als die Hälfte des Landes landwirtschaftlich genutzt wäre, wenn nicht alle Flüsse begradigt und eingedeicht wären, Niedermoore entwässert, Wälder angepflanzt? Wenn Biber machen könnten, was sie wollen, wenn sich Feuer ausbreiten könnten und der Mensch nicht alle großen Säugetiere wie Auerochsen, Wisente, Pferde, Wölfe und Bären ausgerottet oder verdrängt hätte?
Wir können es uns nicht vorstellen, aber mit Sicherheit wäre Mitteleuropa nicht vollständig von Wald bedeckt. Und der Großteil unserer Artenvielfalt, die wir im Naturschutz erhalten wollen, ist an offene Lebensräume und Habitatkomplexe gebunden. Artenvielfalt braucht ein zeitliches und räumliches Mosaik aus offenem Boden, Weiderasen, Hochstaudenfluren, Röhrichten, Gebüschen, Baumgruppen bis hinzu geschlossenen Wäldern. Beispielsweise sind die meisten Tagfalterarten an Offenland und Säume gebunden. Aber genau diese Bereiche fehlen uns heute durch die strikte Trennung von Wald, Wiese und Acker.
Noch bis zur Einführung der industriellen Land- und Forstwirtschaft sowie der Entwässerung der Moore und Begradigung all unserer großen Flüsse haben viele Arten durchaus Ersatzhabitate in den von Menschen geschaffenen Lebensräumen gefunden. „Kulturfolger“ fanden neue Nischen in den anthropogen geprägten Landschaften mit ihren Äckern, Wiesen, Weiden, Wegsäumen, Hecken, Streuobstwiesen und Hutewäldern.
Aber mit der Intensivierung der Landnutzung, der Einführung von Großtechnik, Pestiziden, Mineraldünger und der Trennung von Wald und Offenland nahm die Artenvielfalt rapide ab.
Von den Pflanzenfressern, die einst die Landschaft mitgestaltet haben, sind uns nur noch Reh und Hirsch geblieben, die anderen kennen wir nur als fossile Reste oder Höhlenmalerei. Wildschweine und Biber gestalten noch in kleinem Rahmen ihre Umgebung. Und ansonsten versuchen Naturschützer mit viel Arbeit, größtenteils im Ehrenamt Artenvielfalt zu bewahren. Dabei besteht der praktische Naturschutz meist aus der Pflege von Wiesen und Weiden.
Gleichzeitig haben wir sehr viel Grünland, das von Pferdehaltern genutzt wird und durchaus das Potential hätte, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten:
Wenn Pferdeweiden nicht so stark überbeweidet werden und es im Sommer auch Blühaspekte gibt.
Wenn auch mal Weidereste von Brennnesseln, Disteln oder Beifuss über den Winter stehen bleiben können.
Wenn man Wilde Ecken und ggf. auch auf das Aufwachsen von Sträuchern wie Wildrose oder Weißdorn zulassen kann.
Wenn man bestehende Lebensraumstrukturen wie Gehölzgruppen, Kleingewässer oder Totholzhaufen erhält und/oder gezielt fördert.
Wenn man sich als Pferdehalter mit Wurmkuren zurückhalten würde, nur im Winter eine Wurmkur gibt und ansonsten nur selektiv entwurmt.
Wenn man auf Schleppen, Walzen und Mulchen während der Brutsaion (Anfang März bis Juli/August) verzichtet.
Wenn man auf Mineraldünger und Pestizide verzichtet.
Wenn man auf Nachsaat mit konventionellem Saatgut verzichtet (Ausnahme ist natürlich regiozertifiziertes Saatgut) und lieber auf Pioniervegetation setzt.
So könnten alle Pferdehalter zum aktiven Naturschützer werden. 🙂
Noch mehr konkrete Tipps für Pferdehalter gibt es hier:
So lautet das Titelthema der aktuellen Ausgabe der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ des VFD.
In diesem Heft ist der Auslauf Schwerpunktthema und behandelt alles rund um Mindestmaße, Stressvermeidung, Hütesicherheit, Befestigung, Trail-Ideen, Matschpaddocks und wie man auch auf einem intensiv genutzten Paddock kleine Naturoasen schaffen kann.
Zum Beispiel kann man Ecken abrunden und damit kleine Habitate schaffen. Wie im Bild oben rechts. Hier hat sich in einer ausgezäunten Ecke eine Birke etabliert. Im Hintergrund sieht man außerdem einen Holunder, der zwischen zwei Baumstämmen aufwachsen konnte und von den Pferden „geformt“ und gern als Schattenplatz genutzt wird. Unten rechts ist ein ausgezäunter Bereich mit angepflanzten Gehölzen, der sporadisch genutzt wird, z.B. wenn man mal Pferde zwischenparken muss.
Die Bilder sind nicht in Glindow entstanden. Wir haben keinen Paddock, aber ich fand auf dieser Anlage sehr beeindruckend, wie mit einfachen Mitteln auch auf einem intensiv genutzten Auslauf wertvolle Lebensräume geschaffen wurden.
Weitere Empfehlungen der Autorin sind die Anlage von Lesesteinhaufen, Totholzhaufen, das Zulassen von Wilden Ecken, der Aufwuchs von Sträuchern beispielsweise zwischen Doppelzäunen und die Förderung von Schwalben durch das Anbieten von feuchtem Lehm.
Wilde Ecken haben wir mehr als genug, im Prinzip sind unsere ganzen Weiden ziemlich wild. Bei uns ist eher die Herausforderung „einen Grund reinzukriegen“. Dennoch habe ich auch ein Bild aus Glindow mit einer „verlotterten Ecke“, nämlich auf dem Reitplatz. Hier wachsen hinter dem Hufschlag Mohnblumen, Wicken, Sauerampfer, Rainfarn, Beifuss, Brennnessel, Hirtentäschel, Erdrauch, Knaulgras, Weiche Trespe, Rispengras und sicher noch einiges mehr. Eine kleine Bienen- und Augenweide, die sich selbst etabliert hat.