Schlagwort: Schafe

  • Kampf gegen Windmühlen

    Kampf gegen Windmühlen

    Seit nunmehr vier Jahren bekämpfen wir nun intensiv die Kanada-Goldrute – gefühlt ohne nennenswerte Erfolge.

    Neben der Beweidung mit Schafen und Kühen, werden jedes Jahr Teilflächen gemulcht. Aber wir werden sie mit diesen Maßnahmen einfach nicht los. Man müsste theoretisch die Pflanzen inklusive ihrer Rhizome rausreißen, aber das ist natürlich unrealistisch auf zehn Hektar Weidefläche. Es ist zum verzweifeln.

    Zum Glück habe ich im September 2019 Fotopunkte eingerichtet und im Juni 2020 ein Vegetationstransekt angelegt, um den Ausgangszustand zu dokumentieren und so habe ich einen sachlichen Vergleich. Denn auch wenn die Kanada-Goldrute noch in Massen vorkommt, so hat zumindest ihre Deckung abgenommen – immerhin. Damit konnte Licht und Platz für andere Pflanzenarten geschaffen werden und an diesen kleinen Lichtpunkten versuche ich mich zu erfreuen.

    Neu hinzugekommen sind beispielsweise Sand-Grasnelke, Wiesen-Labkraut, Wiesen-Margarite, Acker-Glockenblume, Wilde Möhre, Johanneskraut, Wiesen-Flockenblume, Seifenkraut, Gamander-Ehrenpreis und Vergissmeinicht.

    Margarite und Flockenblume sind vermutlich aus dem Saatgut, dass ich immer wieder mal in den Wühlstellen der Wildschweine verteilt habe. Dabei verwende ich nur Regio-Saatgut beispielsweise von Saaten Zeller oder Rieger-Hofmann aus dem Ursprungsgebiet Ostdeutsches Tiefland in der Ausprägung Frischwiese mit einem Kräuteranteil von 30%. Die anderen Arten sind anscheinend von allein aufgelaufen, aus dem Samenvorrat des Bodens oder aus Anflug auf unsere Weiden gekommen.

    Besonders gefreut habe ich mich über die Sand-Grasnelke (Armeria maritima subsp. elongata). Sie ist eine Charakterart der trockenen, kalkreichen Sandrasen und ein Zeiger für stickstoffarme Verhältnisse, wo wir sonst nur Kanada-Goldrute, Brennnessel, Sauerampfer & co haben, die auf einen extrem überdüngten Standort hinweisen. Die Sand-Grasnelke – ein echter Hoffnungsschimmer also 🙂

    In den folgenden Bilderreihen werden die Fotopunkte im Vergleich September 2019 und 2024 gegenübergestellt. Es wird immer ein Kampf gegen Windmühlen bleiben, aber ich freue mich über jede Auflichtung der ehemals nahezu 100% Kanada-Goldrutenbestände.

    September 2019
    September 2024

  • Schafe

    Schafe

    Dieses Jahr haben wir wieder tatkräftige Unterstützung bei der Bekämpfung der Kanada-Goldrute: 43 Guteschafe knabbern auf ca. 1,3 Hektar für etwa drei Wochen an der Goldrute, bevor sie wieder ihren Job im LIFE Trockenrasen Projekt machen. Die Schafe waren vorher in den Glindower Alpen und haben quasi bei uns eine Zwischenstation eingelegt. Eine Win Win Situation, denn für uns ist es eine Form der Weidepflege, die wir sonst bezahlen müssten (wir haben immer noch keinen neuen Mulcher…) und die Schäferin wird für diese Zeit entlastet mit täglicher Sichtkontrolle, Zaunkontrolle und Wasserbottich auffüllen.

    Die Kanada-Goldrute ist ein invasiver Neophyt, der dichte Dominanzbestände bildet und damit Artenvielfalt unterdrückt. Die Pferde fressen die Goldrute nicht, aber dafür machen sich die Schafe darüber her, sie sind somit ein wichtiges „Tool“ bei unserer Weidepflege.

    Ansonsten fressen Schafe mit ihren kleinen Mäulchen, der gespaltenen Oberlippe und ihrer Zahnstellung noch selektiver als Pferde. „Aufgrund der Zahnstellung werden die Pflanzen tief am Boden abgebissen und oft auch die für die Regeneration wichtigen Basalteile mit erfasst.“ (Dierschke & Briemle, Kulturgrasland).

    Was auf unseren Flächen ein Vorteil ist, wenn die Kanada-Goldrute zurückgedrängt werden soll, kann jedoch nicht per se empfohlen werden, wenn man artenreiche Pferdeweiden entwickeln möchte. Denn Schafe fressen bei einer Standweide bevorzugt Kräuter und führen damit auf Dauer zu einer Vergrasung der Flächen. Eine Beweidung mit Schafen im Sinne des Naturschutzes geht in der Regel von einer Hüte- oder Koppelhaltung in relativ hoher Dichte und für kurze Zeit aus. Damit hat man einen Effekt wie bei einer Mahd, beispielsweise in hügeligem, gehölzreichen und nicht mähfähigem Gelände und die Schafe haben dann keine Gelegenheit so stark zu selektieren.

    Wenn man darüber nachdenkt, Schafe selbst zu halten, muss man sich auch überlegen, dass sie eigene „Bedürfnisse“ an die Zäune haben. Zwei oder drei stromführende Litzen wie bei Pferden reichen nicht aus, man braucht Elektronetze, die man immer wieder umstecken muss. Eine gemeinsame Haltung mit Pferden ist sicherlich möglich, wenn man sie aneinander gewöhnt. Wir haben damit noch keine Erfahrung gesammelt, weil die Schafe immer nur kurzzeitig bei uns sind. Aber ich kann mir vorstellen, dass es für die Schafe ein großes Verletzungsrisiko im Zusammenleben mit den Pferden gibt.

    Außerdem müssen Schafe mindestens einmal im Jahr geschoren werden und es gibt kaum Verwendungsmöglichkeiten für die Wolle, die also entsorgt werden muss. Nur ein paar besondere Enthusiasten wie Marco Scheel verarbeiten Schafwolle im und mit großem Stil.

  • Vegetationsaufnahmen

    Vegetationsaufnahmen

    Mein absoluter Endgegner ist die Kanada-Goldrute – ich habe ihr schon viele Blogeinträge gewidmet und im Folgenden wird es um die Dokumentation der bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung dieser invasiven Pflanzenart gehen.

    Kanada-Goldrute ist in Massen giftig und wie immer gilt: die Dosis macht das Gift. Die Pferde fressen sie nur vereinzelt, aber sie ist ein Platzräuber für Futterpflanzen und Artenvielfalt, da sie bis zu 100 Prozent Deckung einnehmen kann. Mit ihren mächtigen Streuschichtauflagen aus ihrer eigenen (im Winter) abgestorbenen Biomasse schaltet sie jegliche Konkurrenz anderer Pflanzenarten aus und wer ihre Wurzeln betrachtet, versteht, dass man den kompletten Oberboden abtragen müsste, um sie dauerhaft loszuwerden. Ansonsten kann man sie nur durch ständigen Nutzungdruck schwächen, in ihrer Deckung eindämmen und kann gewiss sein, dass sie die gesamte Fläche wieder zurück erorbern wird, wenn der Nutzungsdruck nachlässt.

    Eine Mahd kommt nicht in Frage, weil das Mahdgut nicht verfüttert werden kann und eine Entsorgung neben den Kosten für die Mahd ökonomisch für uns nicht tragbar ist. Deshalb bleibt nur eine Beweidung mit Schafen, welche die Goldrute fressen und/oder Mulchen.

    Um den Erfolg der Pflegemaßnahmen zu dokumentieren, habe ich ein Transekt (=Untersuchungslinie) quer über die Fläche mit der höchsten Deckung an Kanada-Goldrute eingerichtet. Alle 20 m erfolgt eine Vegetationsaufnahme auf einem Quadrat mit 2mx2m, mit insgesamt elf Aufnahmeflächen. Ich habe die Vegetationsaufnahmen im phänologischen Frühsommer (=Holunderblüte) im Jahr 2020 durchgeführt und dieses Jahr im Frühsommer zum Vergleich wiederholt.

    Erfreulich ist immerhin, dass die Gesamtartenanzahl von 37 auf 48 und die mittere Artenanzahl von zehn Arten auf 15 Arten pro Aufnahmefläche im Vergleich der Jahre 2020 und 2023 zugenommen hat. Was das bedeutet zeige ich an einer Beispielaufnahme, dem Transektpunkt 4. Bereits auf den Fotos kann man erkennen, dass die Kanada-Goldrute weniger Platz einnimmt und die Gräser zugenommen haben.

    Vegetationsaufnahme auf dem Transektpunkt 4 am 01.06.2020
    Vegetationsaufnahme auf dem Transektpunkt 4 am 27.05.2023

    Ich habe die Deckung der Kanada-Goldrute im Jahr 2020 auf 65-75% geschätzt und in diesem Jahr auf weniger als fünf Prozent. Dafür haben Glatthafer und Wiesen-Rispengras zugelegt und es sind acht Pflanzenarten (blau markiert) dazu gekommen. Weggefallen ist der Mohn, der zwar recht hübsch ist, sich aber als ein- bis zweijährige Segetalart (=Ackerwildkraut) auf Dauer nicht halten kann.

    Besonders gefreut habe ich mich über Wiesen-Margarite, die ich in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Fläche gefunde habe, auch wenn sie nicht innerhalb der Aufnahmeflächen vorkam. Sie ist eine typische Art der Wiesen und Weiden, hier zu sehen mit Trauer-Rosenkäfer, der sich im Zuge der Erderwärmung nach Norden ausgebreitet hat.

    Im Folgenden eine Gesamtartenliste der Vegetationsaufnahmeflächen (nicht der gesamten Weidefläche) in den Jahren 2020 und 2023. Gelb sind Neophyten und grün sind Kennarten für artenreiches Grünland markiert. Nach den Roten Listen für Deutschland und Brandenburg gefährdete Pflanzenarten konnten bei uns noch gar nicht gefunden werden und auch sonst sind die Flächen noch weit entfernt „artenreich“ zu sein. Aber ein Anfang ist gemacht 🙂

  • Schafe und Ziegen…

    „knuspern“ derzeit auf unseren Flächen die Kanada-Goldrute weg und ich bin so froh, dass wir sie dieses Jahr wieder ausleihen konnten. Auf den Fotos sieht man den Effekt. Rechts waren die 43 Schafe und 5 Ziegen jetzt über eine Woche auf ca. einem Hektar. Dann wurden sie umgestellt und haben jetzt noch mal ungefähr einen Hektar zur Verfügung.

    Die Flächen waren lange verbracht und die Pferde fressen die Kanada-Goldrute nicht, sondern selektieren nur die Gräser raus. Mit dem selektiven Fraß werden die Konkurrenzverhältnisse für unbeliebte Pflanzen auf der Weide wie Giftplanzen oder Sauerampfer etc. noch weiter begünstigt. Aus diesem Grund ist es gut, wenn man die Möglichkeiten hat, die Flächen zu mähen, zu mulchen oder mit anderen Weidetieren zu pflegen. Aber nicht nur deshalb ist es mir eine besondere Freude, den Schafen und Ziegen beim Naschen zuzuschaun. Sie sind auch einfach herzig 🙂

  • Auf ewig Kanada-Goldrute

    Ursprünglich wollte ich auf diesem Blog über Artenvielfalt auf der Pferdeweide berichten, aber irgendwie treiben einen immer die gleichen Themen um. So zum Beispiel die Kanada-Goldrute, sie hat mittlerweile 11 Einträge mit Beschreibungen, warum sie so dominant ist, warum wir sie nicht haben wollen, welche Maßnahmen wir ergreifen und wie bislang der „Erfolg“ der Maßnahmen ist.

    Vor allem auf den neu eingerichteten Flächen kommt die Kanada-Goldrute flächendeckend vor. Sie wird von den Pferden nicht gefressen, raubt also den Platz für Futterpflanzen, soll in Mengen sogar giftig sein und von Artenvielfalt ist man auch weit entfernt. Was also tun? Eine Mahd ist für uns technisch nicht möglich, als Auftragsarbeit sehr teuer, wobei es ohnehin schwierig ist jemanden zu finden und das Mahdgut müsste entsorgt werden. Da hilft nur Mulchen (gefühlt mein neues Hobby) oder Beweidung mit anderen Weidetieren wie beispielsweise Schafe.

    Wobei wir dieses Jahr (bisher) sehr viel Glück mit dem Wetter hatten, so dass die Vegetation nach jedem mulchen nachgewachsen ist und man immer wieder Flächen für die Pferde vorhalten konnte. Aber da ich noch einen „richtigen“ Job habe, kann ich nicht den ganzen Tag auf dem Traktor sitzen und so haben wir wieder Schafe im Einsatz: 43 Guteschafe und 5 Ziegen sollen zumindest eine Teilfläche mit Kanada-Goldrute abfressen.

    Ich bin so froh, dass es dieses Jahr wieder geklappt hat, sich Schafe „auszuleihen“. Und für mein neues Hobby bleibt immer noch genug Fläche…

  • Fotopunkte IV

    Fotopunkte IV

    Wir haben einige Flächen mit Dominanzbeständen aus Kanada-Goldrute und mit dem folgenden Fotopunkt möchte ich zeigen, wir wir bisher damit umgegangen sind.

    Diese Fläche war im letzten Jahr fast vollständig von Kanada-Goldrute und Landreitgras bedeckt. Als erstes kamen Ende 2019 24 Skudden zum Einsatz. Im Januar, an einem relativ kalten Tag wurde die Fläche geschleppt, um die Stängel der Goldrute zu brechen. Im Frühjahr kamen dann die Pferde auf die Fläche, aber sie fressen die Kanada-Goldrute nicht wirklich und in Massen ist sie auch giftig. Da auch die Mahd nicht geklappt hat, haben wir noch mal Schafe als Leihgabe bekommen, 96 Guteschafe.

    Dezember 2019
    Juli 2020
    November 2020

    Nach den Schafen wurden die stehen gebliebenen Stängel im Juli gemulcht. Im August gab es dann eine Hitzeperiode, in der alles verbrannt ist und ich mich zunächst über das mulchen geärgert habe. Aber dann nach einigen schönen Regenfällen ist alles wieder grün geworden und die Pferde konnten seit September wieder auf die Fläche. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Man sieht im letzen Bild zwei Streifen, die ich wegen der Gehölze stehen gelassen habe.

    Natürlich wird die Kanada-Goldrute im nächsten Jahr wieder kommen. Es braucht Jahre, um sie loszuwerden. Es wird empfohlen solche Flächen mehrmals im Jahr zu mulchen. Mahd wäre natürlich schöner, aber niemand kann so ein Mahdgut gebrauchen. Vielleicht helfen uns im nächsten Jahr wieder Schafe, um die Goldrute in den Griff zu bekommen. Die Strategie bei der Goldrute kann nach dem Bundesamt für Naturschutz nur lauten, sie durch mehrmaliges Mulchen und/oder Abweiden im Jahresverlauf zu schwächen. Das kann einige Jahre dauern, wobei die Rhizome für immer im Boden bleiben. Das heisst, wenn die Nutzung ausbleibt, breitet sie sich wieder aus und verdrängt alle anderen Pflanzenarten, mit Ausnahme vom Landreitgras, das selbst sehr dominant ist….

    Skudden helfen bei der „Ersteinrichtung“
    Die Schleppe bricht die Stängel, aber es bleibt eine dicke Streuschicht liegen
    Im Frühjahr können die Pferde auf die Weide, die Kanada-Goldrute ist noch ganz jung und tritt deshalb noch nicht so in Erscheinung
    Guteschafe weiden die Goldrute weitgehend ab, es bleiben nur Stängel stehen

  • Fotopunkte

    Für die Dokumentation der Entwicklung der Flächen habe ich, neben einem Vegetationstransekt auch Fotopunkte angelegt…

    Hier möchte ich einen dieser Fotopunkte vorstellen:

    September 2019
    April 2020
    Juni 2020
    August 2020

    Dabei handelt es sich um eine Fläche, die erst 2019 für die Beweidung von meinem Vorgänger eingezäunt und durch Mulchen „erst eingerichtet“ wurde. Sie wird von Kanada-Goldrute, Rainfarn und im hinteren Teil von Glatthafer dominiert.

    Im Winter 2019/2020 wurde die Fläche von Schafen abgeweidet und im Frühjahr kamen die Pferde auf die Fläche, um gleich wieder den frischen Aufwuchs abzufressen. Im Juni kamen noch mal Schafe auf die Fläche, damit man im Spätsommer wieder eine Fläche für die Pferde zum abweiden hat. Ohne die Zwischenbeweidung oder eine andere Form der Bearbeitung wie Mahd, wäre hier nur überständiges Gras und Kanada-Goldrute, was die Pferde nicht gern fressen.

    Schafe haben dafür den Vorteil, dass sie bevorzugt Kräuter abweiden und damit Gräser bevorteilen. Damit ergänzen sie sich wunderbar mit den Pferden, welche widerum lieber Gräser fressen und Kräuter oder Stauden wie Kanada-Goldrute stehen lassen.

    Im September werde ich diesen Fotopunkt noch einmal aufsuchen, ich bin schon gespannt, ob man einen Unterschied sieht, denn die Kanada-Goldrute kommt erst im Herbst so richtig zur Geltung, wenn sie blüht.

  • Kanada-Goldrute

    …. blüht zwar hübsch gelb und ist eine gute Bienenweide, aber leider auch ein invasiver Neophyt, der artenarme Dominanzbestände ausbildet.

    Und wir haben leider ziemlich viel davon. Zum Einen ist Kanada-Goldrute in Massen kein vernünftiges Pferdefutter, wird von den Pferden auch kaum verbissen und raubt Futterpflanzen den Platz. Zum Anderen breitet sie sich immer weiter aus, wenn man sie nicht bekämpft und ist der Feind jeglicher Artenvielfalt auf der Weide.

    Deshalb sind nun seit fast drei Wochen wieder Schafe bei uns im Einsatz, um die Kanada-Goldrute zu verbeissen. Heute werden die Schafe noch einmal umgestellt, bevor sie demächst wieder abgeholt werden, um woanders ihren Job zu erledigen.

    In Deutschland kommen nach Kowarik zwei Goldrutenarten (Solidago canadensis, S. gigantea) als Neophyten vor, beide stammen ursprünglich aus Nordamerika. Die Kanadische Goldrute ist seit 1645 in England bekannt und die Riesen-Goldrute wurde 1758 eingeführt. Die Kanada-Goldrute ist damit eine der ältesten, aus Nordamerika eingeführten Gartenpflanzen.

    Beide Goldrutenarten sind mehrjährig und können ein breites Spektrum an Standorten, von trocken bis feucht, nährstoffarm bis nährstoffreich besiedeln. Dabei kommen sie vor allem auf ruderalen Standorten und Brachen vor, z.B. in aufgegebenen Gärten (wie bei uns). Laut Kowarik kennzeichnen drei Schlagwörter den Erfolg der Goldrute: Schnelligkeit, Dominanz und Persistenz. Pro Blütenstand werden bis zu 20.700 Früchte produziert, die vom Herbst bis ins Frühjahr hinein vom Wind sehr weit verbreitet werden können. Gleichzeitig kann sie sich hervorragend über Rhizome bzw. klonales Wachstum ausbreiten. Die Rhizome wachsen im Sommer parallel zur Bodenoberfläche und bilden im Herbst oder Frühjahr neue Luftsprosse. Die Bildung der Rhizome wird natürlich durch eine gute Wasser- und Nährstoffversorgung gefördert.

    Ein Zurückdrängen der Goldrute hat aus diesem Grund nur Erfolg, wenn man über mehrere Jahre intensive Maßnahmen ergreift und auch anschließend jegliche neue Etablierung unterbunden wird. Empfohlen werden eine zwei- bis dreimalige Mahd in Kombination mit einer Beweidung. Denn zu Beginn der Vegetationsperiode wird Stickstoff aus den Rhizomen mobilisiert und im Herbst zurück verlagert, d.h. man nimmt ihr die Reserven, wenn die oberirdische Biomasse entfernt wird. Eine alleiniges Abschneiden der Pflanze führt nur zu weiteren Klonen….

    Das bedeutet auch, dass man selbst durch intensive Nutzung lediglich geringere Deckungsgrade (z.B. von 100% auf 40%) erreicht, so dass andere Arten die Chance haben sich zu etablieren. Aber man wird sie nicht vollständig aus dem Boden entfernen können, dafür müsste man die Rhizome komplett ausgraben. Mehrmaliges Mulchen ist auch möglich, behindert jedoch durch die Streuauflage das Keimen anderer Arten.

    Puh, das macht nicht grad Mut, aber man darf niemals aufgeben!

  • Guteschafe

    Bei uns sind seit einer Woche 96 Guteschafe und sie sind wirklich ziemlich gute Schafe….

    Es ist einfach der Wahnsinn, wie sie an die Kanada-Goldrute rangehen! Wir dachten eigentlich, dass sie sich nur über den Glatthafer her machen, der von den Pferden aus den Goldruten-Beständen gezielt rausgenascht wird. Aber nein, den Glatthafer haben sie zunächst stehen lassen und auch der Schäfer erklärte mir, dass Schafe lieber Kräuter als Gräser fressen. Auf diese Weise ergänzen sich die Pferde und Schafe wunderbar.

    Die Schafe beginnen mit dem Glatthafer….

    Von der Kanada-Goldrute bleiben nur noch die Stängel stehen.
    Sogar die Brennnessel wird angefressen.

    Erst nachdem die Goldrute weitgehend abgefressen war, haben die Schafe angefangen, Brennnessel und Glatthafer zu fressen. Hier eine kleine Bilderreihe vom Glatthaferbestand, der von den Pferden zwar gern gefressen wird, aber aufgrund der zu geringen Besatzstärke stehen blieb:

    24.04.2020
    01.06.2020
    26.06.2020

    Schafe sind besser als jeder Rasenmäher, Mulcher oder eine Mahd mit dem Traktor. Sie hinterlassen die Fläche ziemlich sauber, ohne dabei Insekten, Vogelnester, Rehkitze etc. zu schreddern. In den Vegetationsstrukturen, die sie stehen lassen finden Heuschrecken & co. Lebensräume und die Biomasse wurde sinnvoll verwertet. Ich bin ziemlich froh, dass diese Kooperation mit dem Schäfer so schnell geklappt hat. Am Wochenende kommen sie auf eine neue, „schöne“ Fläche mit Kanada-Goldrute.

  • … und dann klappt doch wieder was

    Die letzten Wochen waren ziemlich anstrengend, weil vieles nicht so geklappt hat, wie geplant. Aber jetzt scheint es wieder etwas bergauf zu gehen.

    Eine Fläche konnte noch ziemlich spontan von einem ortsansässigen Landwirt gemäht werden. Er guckte sich die Flächen an, fuhr nach Hause und holte seinen Traktor. Noch vor dem Regen am Wochenende schaffte er es, die Fläche zu mähen, das Mahdgut zu wenden und Ballen zu pressen.

    Für eine andere Fläche, die eigentlich gemäht werden sollte, konnte auch ziemlich spontan eine Lösung gefunden werden: 96 Guteschafe sind bei uns eingezogen und helfen, die Weide zu pflegen. Sie knabbern schön an der Kanada-Goldrute die Spitzen und Blätter ab. An den Glatthafer sind sie bisher überhaupt noch nicht rangegangen, vielleicht ist er schon zu überständig und rohfaserreich? Die Reste könnten dann jedenfalls nach dem Einsatz der Schafe „runter gemulcht“ werden und dann mal sehen, ob man erste Erfolge bei der Bekämpfung der Kanada-Goldrute erkennen kann.

  • Tschüss Schafe, Tschüss Fridolin

    Gestern wurden die Schafe wieder abgeholt. Sie waren als Leihgabe seit November bei uns, haben einen Wahnsinns-Einsatz in der Weidepflege geleistet und freuen sich jetzt sicherlich wieder nach Hause zu kommen….

    Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, dass sie bei uns waren, aber man sollte nie den Aufwand und die Arbeit mit Tieren unterschätzen – so wie ich damals. Am Anfang ist man ja immer naiv. Ich dachte, man stellt sie auf 1,5ha und dort werden sie zwei, drei Monate genug zu fressen finden. Man sagte mir, einmal in der Woche brauchen die Schafe eine Mörtelwanne voll Wasser, ansonsten das übliche in der Tierhaltung: tägliche Sichtkontrolle (also Schäfchen zählen) und Zaunkontrolle. Vor allem in den ersten Tagen, wenn der Zaun neu aufgestellt wurde, muss er gründlich abgelaufen werden, ob er an Wechseln von Wildschweinen etc. Löcher hat. Ansonsten laufen die so nebenbei….

    Naja, also am aufwendigsten ist schon mal der Zaunbau, d.h., wenn man die Schafe umstellen will, kann man mal locker einen Tag einplanen. Wenn man diese Arbeit scheut und meint, ach dann bekommen die Schafe halt Heu, müssen sie täglich Heu und Wasser bekommen. Dann überlegt man sich doch, sie noch mal umzustellen. In der Zeit von November bis gestern wurden die Schafe sechs mal umgestellt….

    Dennoch werden wir sie wohl vermissen. Wenn die Schafe auf Pfeifen angerannt kommen, die Lämmer rumspringen und spielen geht einem einfach das Herz auf. Und selbst Fridolin (Bild oben links), der einen gern mal geboxt hat, wenn man nicht schnell genug mit dem Futter war, der von uns liebevoll in Rambo umbenannt wurde, ihn werden wir wohl am meisten vermissen. Ein wahres Charakterschaf und wichtig, um die Herde händelbar zu machen. Die Skudden sind sehr scheu, aber Rambo, äh Fridolin macht sie mit seiner Gierigkeit auf Pellets und „Menschenzugewandheit“ – oder sagen wir besser, er ist ganz klar der Chef – lenkbar. Er gibt den Ton an und war unverzichtbar, beim Schafe umstellen.

    Danke an Alina für die schönen Fotos.

  • Weidepflege

    Eine der Herausforderungen in Glindow ist die „Ersteinrichtung“ von Weideflächen, zumindest für unsere verwöhnten Pferdchen….

    Ein Teil unserer Weiden wurde bislang wenig bis gar nicht genutzt und es haben sich Dominanzbestände aus Landreitgras, Brennessel und Kanada-Goldrute breit gemacht. Diese könnten theoretisch auch von Pferden gefressen werden und das wäre ihr Job, wenn es „Landschaftspflege-Pferde“ wären. So wie beispielsweise die Koniks in Hobrechtsfelde oder in der Döberitzer Heide.

    Aber unsere Pferde wollten da bisher nicht so richtig ran und deshalb kamen über den Winter über 20 Skudden zum Einsatz, die uns bei der Ersteinrichtung der Weiden geholfen haben. Man wird sehen, wie sich diese Flächen weiter entwickeln, ich halte Euch dazu auf dem Laufenden. Aber schon jetzt konnte eine der Weiden für die Pferde geöffnet werden , welche sich auf das frische, zarte Grün gestürzt haben.

    Alternativ könnte man natürlich auch – je nach technischen Möglichkeiten – Mähen oder Mulchen. Aber diese Fläche ist relativ uneben und mit einigen Gehölzen bestanden, die ich gern erhalten möchte. Für eine Mahd war es im Herbst auch schon zu spät. Mulchen wäre sicherlich als Ersteinrichtung legitim, ist jedoch aus naturschutzfachlicher Sicht nicht so wertvoll wie das „Abschöpfen“ der Biomasse. Nur bei einer gewissen Aushagerung der Flächen stellt sich eine arten- und kräuterreiche Wiese/Weide ein. Die Brennessel im ersten Bild zeigt uns jedoch, wie nährstoffreich dieser Standort ohnehin schon ist.

  • Ein Traum wird wahr…

    Seit Januar 2020 darf ich eine kleine Haltergemeinschaft in der schönen Baumblütenstadt Werder im Ortsteil Glindow leiten. Wir haben zehn Pferde auf ca. 8 ha Weide und jeder packt mit an. In den letzten Monaten gab es auch richtig viel zu tun:

    • Unterstand fertig bauen
    • Zäune freischneiden
    • Zäune reparieren
    • Graukresse entfernen
    • Tränken erneuern
    • Tagesgeschäft mit Heu fahren, abäppeln etc.

    Ich hatte zwar fast keine Zeit mehr für mein Pferdchen, aber ich denke es hat sich gelohnt.

    Um, die teilweise noch nicht eingerichteten Flächen auf eine Beweidung mit unseren verwöhnten Pferden vorzubereiten, haben uns zum Glück Schafe geholfen. Die Flächen wurden weitgehend von Landreitgras und Kanada-Goldrute dominiert – was die Pferde bislang verschmäht haben. Die Schafe haben die Dominanzbestände jedoch schön aufgelichtet und die alte Streu teilweise mit ihren kleinen Hufen eingearbeitet.

    Nach den Schafen wurde das verbliebene Altgras mit der Schleppe abgezogen und Ende Mai, Anfang Juni soll diese Weide zusätzlich gemäht werden. Dann wird sie hoffentlich auch für die Pferde nutzbar sein und man kommt ohne einen Umbruch und eine Neuansaat aus. Das Ziel ist hier vor allem das Zurückdrängen der Kanada-Goldrute und des Landreitgrases und dabei auf das zu vertrauen, was von Natur aus wächst. Denn das was die Samenbank des Bodens auf natürliche Weise hergibt, wird am Ehesten Bestand haben und standortgerecht sein….