Schlagwort: Weidelandschaft

  • Synergien zwischen artgerechter Pferdehaltung und Naturschutz

    Synergien zwischen artgerechter Pferdehaltung und Naturschutz

    Am 26.05.2025 gibt es ein Live Webinar zum Thema Erhalt der Artenvielfalt durch extensive Beweidung.

    Die Veranstaltung wird ermöglicht und organisiert von Celina Skogan.

    In dem Webinar soll aufgezeigt werden, warum Beweidung mit großen Pflanzenfressern essenziell für den Erhalt der Artenvielfalt und damit eines der wichtigsten Instrumente im Naturschutz ist. Es wird darum gehen, wie Pferdehaltung gestaltet werden könnte, damit sie auch einen Mehrwert für die Natur hat und gleichzeitig unseren Pferden ein gesundes, artgerechtes Leben bieten kann.

    Wie erhalten wir in der Praxis eine struktur- und artenreiche Weidelandschaft – auch auf kleinen Flächen – die ein naturnaher Lebensraum für unsere Pferde ist und dabei Brut- Jagd- und Nahrungshabitate für viele Artengruppen wie Insekten, Vögel, Fledermäuse, Kleinsäuger oder Reptilien generiert?

    Welche Mikrohabitate und Landschaftselemente können wir aktiv auf der Pferdeweide fördern und was haben unsere Pferde davon? Und es wird darum gehen, warum eine naturnahe Pferdehaltung nicht teuer und aufwendig sein muss. Es geht eher darum auf teuren Input wie Technik, Dünger, Pestizide etc. zu verzichten und dafür natürliche Prozesse zuzulassen, zu beobachten, zu lernen – von der Natur und dem Pferd als einer Schlüsselart im Ökosystem.

  • Aktivität im Winter

    Aktivität im Winter

    Im Winter hat man das Gefühl, dass die Pferde nur noch an der Heuraufe stehen. Aber mit Hilfe von GPS Tracking zeigt sich, dass sie durchaus umherlaufen und auf den Weiden grasen gehen, wenn sie die Möglichkeit haben.

    Für das GPS Tracking habe ich Assan mit einem Garmin etrex 10 für 24 h an einem Weidehalfter ausgestattet. Es wurden insgesamt 4587 Punkte gesendet, die eine Laufstrecke von 7,5km ergeben. Dabei standen drei Weideflächen mit insgesamt 4,7 Hektar zur Verfügung. Beeinflusst sind die Daten sicherlich durch die TCM-Kräutermischung, die Assan schon in Vorbereitung auf Silvester bekommen hat, so dass er insgesamt ruhiger ist, also vermutlich weniger spielt und umherrennt. Außerdem war das Heu morgens leer, so dass die Pferde vermutlich mehr grasen gegangen sind, als sie es mit vollen Heuraufen getan hätten.

    Die folgende Karte zeigt die GPS Punkte und die zurückgelegte Strecke. Desto enger die Punkte sind, desto langsamer war die Bewegung wie beim grasen oder an der Heuraufe und desto weiter die Punkte auseinander sind, desto schneller war die Bewegung. Es gab zwei Spitzen mit ca. 30km/h, dabei ist Assan von der Fuchs- und Skuddenwiese jeweils zurück in Richtung der Heuraufen galoppiert. An der Tränke sind nur fünf Punkte in der Zeit gegen 18:30, d.h. er war in den 24h nur einmal saufen.

    Die meisten Punkte sind an den Heuraufen und im direkten Umfeld der Heuraufen. Zusammen genommen sind es ca. 2040 GPS-Punkte, das entspricht 45% der Zeit und gleichzeitg auch unserer Wahrnehmung von Pferden im Winter – fressen, dösen, wieder fressen, dösen – fast so wie wir zu Weihnachten 😉

    Die Punkte im und am Unterstand entsprechen vermutlich ebenfalls dösen, wobei Assan am liebsten windgeschützt, östlich vom Unterstand steht. Stroh in Mähne und Schweif verraten mir jedoch, dass er sich anscheinend auch in den Unterstand zum schlafen und/oder ruhen legt. Im Umfeld des Unterstandes waren es 580 GPS Punkte, das entspricht ca. 13% des Tages.

    Direkt an der Heuraufe waren es ca. 1150 Punkte, was einem Anteil von 25% entspricht und vermutlich Heu fressen bedeutet. Es ist ja landläufig bekannt, dass Pferde einen Großteil des Tages mit fressen verbringen (müssen). Laut Zeitler-Feicht (2015:78) – Handbuch Pferdeverhalten verbringen „sowohl verwilderte Pferde in freier Natur als auch Weidepferde etwa zehn bis 18 Stunden des 24-Stunden-Tages mit der Nahrungsaufnahme (im Durchschnitt 12,5 Stunden).“ Bei einem Anteil von 25% an den Heuraufen entspricht das sechs Stunden. Dabei wurde in mehreren Phasen an der Heuraufe verweilt: 13:00-15:30, 16:10-18:30, 20:00-20:20, 22:00-00:30, 7:00-7:30, 10:40-13:00. Um 10:40 wurden die Heuraufen aufgefüllt und um 13:00 das GPS Tracking beendet.

    Den größten Anteil mit ca. 43% nehmen die GPS-Punkte ein, die auf den Weiden verstreut sind und keiner Infrastruktur wie Heuraufe, Unterstand oder Tränke zugeordnet werden können und vermutlich hauptsächlich der Aktivität grasen entsprechen. Davon waren allein 840 GPS Punkte (18%) auf der Skuddenwiese, in mehreren Zeitfenstern von ca. 18:30-19:00, 1:10-3:00, 5:20-6:00, 9:20-10:30. Auf der Fuchswiese war Assan in der Zeit von ca. 6:00-7:10 Uhr morgens.

    Wie schon in den anderen Beiträgen zum GPS Tracking aufgezeigt, ist grasen die größte Motivation zur Bewegung. Mit 24/7 Heuzufütterung bewegen sich die Pferde hauptsächlich zwischen Unterstand, Tränke und den Heuraufen, wobei sie kaum Strecke zurück legen. Aber das ist natürlich jammern auf hohem Niveau – denn ich bin ja sehr froh, dass wir unseren Pferden überhaupt Weidegang im Winter ermöglichen können.

  • Lebensraum Totholzhaufen

    Lebensraum Totholzhaufen

    Seit kurzem sind die Neuntöter aus ihren Winterquartieren zurück und bei uns auf den Weiden gibt es mindestens drei Brutpaare. Ein Pärchen brütet auch in diesem Jahr wieder in einem Totholzhaufen.

    Bei dieser Gelegenheit schauen wir uns diesen Totholzhaufen doch mal genauer an. Er bietet Ansitzwarten und Nistmöglichkeiten für Brutvögel, Unterschlupf für Reptilien wie Zauneidechsen oder Kleinsäuger wie Igel und vielfältige Möglichkeiten zur Überwinterung von Insekten. Und in seinem Schutz können sich auch Stauden und Gehölze etablieren.

    All meine Versuche auf den Weiden Holunder, Hasel oder Sal-Weiden durch eine Pflanzung in ausgezäunten Bereichen zu etablieren sind (weitgehend) gescheitert, weil sie nicht gegossen wurden und sofort von Rehen verbissen wurden. Aber der Holunder und die Hundsrose, die sich in dem Reisighaufen von allein entwickelt haben sind gut vor Verbiss und Austrocknung geschützt. Somit sind solche Lebensraumstrukturen eine optimale Keimzelle für Kräuter, Stauden, Sträucher und Bäume, gefördert durch den Eintrag von den Vögeln, die mit ihrem Kot Samen und Kerne hierher transportiert haben.

    Diesen Reisighaufen empfinden viele sicherlich als störend oder unordentlich und er sollte ursprünglich verbrannt werden, aber ich bin froh, dass es dazu nicht gekommen ist. Denn solche Lebensraumstrukturen sind ein wichtiges Mosaiksteinchen in einer strukturreichen Weidelandschaft, die aus meiner Sicht aus Pfaden, Wälzstellen, Weiderasen, Staudenfluren, Gebüschen, Solitärbäumen bis hin zu Baumgruppen besteht.

    Reisighaufen 2020
    Reisighaufen 2024
    Hundsrose

    Einen weiteren Totholzhaufen habe ich bewusst angelegt, um eine Eiche vor dem Schälen durch die Pferde zu schützen. Sie ist in unserer Pappelreihe von allein aufgewachsen und könnte noch in vielen Jahren Schatten spenden, wenn die Pappeln längst umgefallen sind.

    Schutz einer von allein aufgewachsenen Eiche durch einen Totholzhaufen

    Die Entwicklung einer vielfältigen Weidelandschaft braucht Zeit, deshalb ist es nie zu früh, mit Weitsicht anzufangen 😉

  • Pferd und Gehölz

    Pferd und Gehölz

    Es gibt ein neues, wunderbares Buch von Dr. Renate Vanselow, das aufzeigt warum „Gehölze ein unverzichtbarer Bestandteil der Weidetierhaltung“ sind.

    Mit einem historischen Exkurs nimmt uns die Autorin mit in die Zeit der großen Pflanzenfresser die einst unsere Landschaft mitgestaltet haben wie Riesenhirsch, Auerochse, Wisent, Wildpferd & co. Damit wir zunächst verstehen, warum so viele Arten an halboffene Weidelandschaften angepasst sind und wie später Nutztiere entsprechende Schlüsselfunktionen im Ökosystem übernommen haben:

    „Das Ökosystem Fraßsavanne konnte so naturnah Jahrtausende lang überdauern. Die Gärtner, also die fressenden Tiere, waren vom Menschen einfach nur ausgetauscht worden. Die Weidelandschaft blieb das artenreiche, verbuschte Mosaik aus kurzgefressenem Rasen, staudenreichen Wiesen, einzeln stehenden Schirmbäumen, Gebüschen und Wäldern unzugänglicher Orte, durchzogen von Trampelpfaden.„

    Und sie erklärt warum gleichzeitig Weidetiere, insbesondere auch Pferde an halboffene Weidelandschaften angepasst sind: „… im Laubfutter finden sie Mineralfutter, ihre natürliche Apotheke, den Witterungsschutz, Sichtschutz für Ruhezonen, während in den Gehölzen die Insektenfresser zur Tilgung ihrer Parasiten heranwachsen.“

    Gehölze sind nicht zuletzt mineralreiches Zusatzfutter. Bereits geringe Mengen an Laub können den Bedarf an Kalzium, Magnesium, Kalium und Natrium decken, denn viele Gehölze sind (wie Kräuter ja auch) zugleich Heil- und Giftpflanze. Die Autorin listet dabei die Wirkungen der verschiedenen Gehölze und ihre Gehalte an Mineralien auf und erklärt, dass wie immer die Dosis das Gift macht.

    „Der beste Schutz gegen Viehvergiftungen ist auch der beste Schutz gegen Ausbrüche aus Viehweiden: ein ausreichendes Futterangebot.“

    Das heißt, Vielfalt auf der Weide ist der beste Schutz vor Vergiftung, Futter ist der beste Zaun und der zweitbeste Zaun ist eine zusätzliche Hecke. Und so wird ausführlich die kulturhistorische Entstehung und besondere Bedeutung der Hecken und Wallhecken (Knicks) für die Artenvielfalt, als „lebendige Zäune und Apotheke der Natur“ beschrieben. Ursprünglich angelegt, um kleine Ackerschläge vor dem Weidevieh zu schützen, später, um die Weidetiere darin zu halten. Hier eine schöne Beschreibung aus dem Jahr 1932 über die Knicks in Schlwesig-Holstein:

    „… die Tiere fressen sich wohl auch an den mancherlei bitteren Kräutern und Blättern, die der Knick bietet, bei Krankheiten wieder gesund.„

    Leider sind solche Strukturen und Landschaftselemente vielerorts der Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Deshalb wird es Zeit, wieder mehr Gehölze in unsere Kulturlandschaft zu bringen. Und dafür gibt es ein ganzes Kapitel mit Praxistipps für die Pferdehaltung, wie man wieder Gehölze auf Viehweiden etablieren kann, was man dabei hinsichtlich der Grünlandprämien, der Auswahl der Gehölze oder dem Schutz und der Pflege beachten sollte.

    Es wird außerdem dargestellt, warum die Intensivierung, Überdüngung und Artenverarmung des modernen Grünlandes unsere Pferde krank macht und warum das rasante Artensterben unweigerlich mit der Trennung von Wald und Weide, der Flurbereinigung und Intensivierung der Landwirtschaft zusammenhängt.

    Mit diesem Buch wird einmal mehr deutlich, das Pferdehalter nicht nur die Verantwortung für eine artgerechte Haltung, Gesundheiterhaltung und dem Wohlbefinden unserer geliebten Vierbeiner tragen, sondern auch für den Erhalt der Biodiversität. Denn es gibt sonst kaum noch Weidetiere in der Landschaft, die Schlüsselfunktionen im Ökosystem übernehmen können. Und hier gibt uns die Autorin viele Anregungen und Tipps auf den Weg, wie wir unserer Verantwortung gerecht werden, für unsere Pferde und für die Natur.

    Und hier noch zwei Auszüge aus dem Buch Pferd und Gehölz mit freundlicher Genehmigung des Starke Pferde Verlages:

  • Hagebutten

    Hagebutten

    Es gibt unzählige Beiträge wie gesund Hagebutten, insbesondere für unsere geliebten Pferde sind. Man kann sie sogar getrocknet kaufen, z.b. eine 500g-Packung für 35€ bei Krämer…

    Hagebutten sind die Früchte der Hundsrose (Rosa canina) oder anderer Rosen und enthalten besonders viel Vitamin C, weitere Vitamine, Mineralstoffe, Gerbsäure, Fruchtsäure und sollen für Pferde folgende Wirkungen haben:

    • abwehrsteigernd
    • alle positiven Wirkungen von Vitamin C
    • entzündungshemmend
    • schmerzlindernd
    • vorbeugend gegen Arthrose und Hufrollenentzündung

    Gleichzeitig können Hundsrosen, gemeinsam mit Schlehen, Brombeeren, Weißdorn und vielen weiteren Gehölzen Gebüschinseln oder Hecken in einer Weidelandschaft bilden. Damit werden sie zum wertvollen Ökosystem und bieten:

    • Unterschlupf und Überwinterungsmöglichkeit (z.B. Schalenwild, Igel)
    • Nist- und Brutplatz (z.B. Dorngrasmücke, Klappergrasmücke, Sperbergrasmücke, Neuntöter, Amsel, Nachtigall)
    • Nahrungsquelle (Nektar und Pollen für Insekten, z.B. Wildbienen)
    • Früchte für Vögel (z.B. Amsel, Drosseln, Krähen, Elstern, Eichelhäher, Seidenschwanz, Kernbeißer, Finken, Meisen, Stare, Rotkehlchen)
    • Früchte für Säugetiere (z.B. Schalenwild, Fuchs, Dachs, Marder, Igel, Feldhase)

    Vor allem im Winter sind Vögel auf die Früchte von Hundsrose & co. als fettreiche Nahrung und Ersatz für Insekten angewiesen. Werden die Früchte dabei als Ganzes verzehrt, werden die darin enthaltenen Nüsschen als Samen mit dem Vogelkot verbreitet.

    Hundsrosen haben zwar keinen Nektar, bieten aber vielen Wildbienen- und Käferarten (z.B. Rosenkäfer) Pollen oder gar zarte Blütenteile wie die Staubblätter als Nahrung. Die Gemeine Blattschneiderbiene (Megachille versicolor) nutzt beispielsweise die Blätter und schneidet daraus „Tapiziermaterial“ für ihre Brutzellen, die in Hohlräumen angelegt werden. Die Blätter dienen auch vielen Falterraupen aus meheren Familien der Spanner (z.B. Rosen-Blattspanner), Trägspinner, Bären, Eulen (z.B. Achateule) als Nahrung. Und an den Zweigen kann man eventuell die moosartigen Gallen der Rosengallwespe (Diplolepis rosae) finden. Die Beispiele sollen verdeutlichen, wie alles zusammenhängt und wie wir auch mit kleinen Maßnahmen einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten können.

    Und letztlich bieten Gebüschinseln und Hecken(-rosen) auch für den Pferdehalter viele Vorteile:

    • man kann Hagebutten selbst sammeln und spart sich das Geld bei Krämer, Loesdau & co.
    • Sonnenschutz, v.a. wenn auch Bäume im Schutz der Hecken aufwachsen
    • ein besseres Mikroklima, insbesondere in Dürreperioden
    • Windschutz, für die Pferde, aber auch für die Vegetation, die weniger stark austrocknet
    • Abgrenzung, z.b. zusätzlich zum Weidezaun zur Erhöhung der Hütesicherheit und als Schutz vor ungewollter Fütterung durch Spaziergänger
    • ein schöneres Landschaftsbild 😉
    Vogelnest in einer einzeln stehenden Hundsrose
    das schönere Landschaftsbild mit Gehölzreihe
    ausgezäunte Pappelreihe mit Entstehung einer Hecke

    Und warum sieht man dann eigentlich so wenig Pferdeweiden mit Hundsrose & co.? Vor allem entlang von Zäunen könnte man Gehölzreihen von allein entstehen lassen. Natürlich müssen die Zäune freigeschnitten werden, aber man könnte einen Korridor zwischen verschiedenen Weiden oder an Wegen anlegen, in dem sich die Gehölze von selbst etablieren.

    Und auch auf der Weide selbst, warum eigentlich nicht? Selbst wenn man aus verschiedenen Gründen mulchen oder mähen muss, könnte man einzelne Gebüsche verschonen. Selbst bei relativ intensiver Beweidung kommen dornige Gehölze wie Hundsrose, Brombeere, Weißdorn, Wildbirne und Schlehe von allein und bereichern nicht nur den Speiseplan der Pferde.

  • Hecken

    Hecken haben einen hohen ökologischen Wert als Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Artengruppen wie beispiesweise Insekten oder Vögel sowie für den Biotopverbund, vor allem in der „ausgeräumten“ Agrarlandschaft.

    Nach dem empfehlenswerten Buch „Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft“ von Uwe Westphal gibt es in Feldhecken ca. 800 Käferarten, über 100 Schmetterlingsarten, unzählige Wildbienen, Wespen, Mücken, Fliegen, Zikaden, Heuschrecken, Spinnen und über 50 Vogelarten. Typische Heckenbrüter sind beispielsweise Neuntöter, Sperbergrasmücke, Mönchsgrasmücke, Klappergrasmücke, Gartengrasmücke, Goldammer, Nachtigall oder Zilpzalp.

    Auch die Früchte dorniger Sträucher wie Hagebutten sind sehr beliebt bei vielen Tiergruppen und vor allem sehr gesund, auch für Pferde. Und wenn solche Gebüsche randlich von Weidetieren beknabbert werden, bilden sie ein undurchdringliches Gestrüpp und bieten auf diese Weise vielen Tieren Deckung, Versteck- sowie Nistmöglichkeiten.

    Aber warum bieten Hecken eigentlich so vielen Arten einen Lebensraum? Ursprünglich haben große Pflanzenfresser wie Wildpferd, Auerochse, Wisent & co. unsere Landschaft mitgestaltet. Dabei haben sich vor allem mit Dornen bewehrte Gehölze wie Wildrosen, Schlehen, Weißdorn, Brombeere oder Wildbirne in den Weidelandschaften durchgesetzt. Teilweise bilden sie Gebüschinseln und in hier können sich widerum Bäume etablieren (siehe Schema zur Vegetationsabfolge aus Bunzel-Drüke et al. 2008). Die Bäume können zu stattlichen Solitärbäumen heranwachsen und irgendwann stirbt das Gebüsch im Schatten ab. Und so besteht eine Weidelandschaft aus einem räumlichen und zeitlichen Mosaik aus offenen Trittstellen, Weiderasen, Krautsäumen, verschiedenen Stadien der Verbuschung, Solitärbäumen (v.a. Eichen) bis hin zu Waldinseln. Dieser reichhaltige Baukasten der Natur wurde mancherorten noch durch Tümpel, Flüsse, Überschwemmungen, Feuer, Bibertätigkeiten und viele weitere Elemente ergänzt.

    Und daran ist ein Großteil unserer heimischen Flora und Fauna angepasst. Viele Arten haben nach der Ausrottung der großen Pfanzenfresser geeignete Ersatzhabitate in der vom Menschen geformten Kulturlandschaft gefunden, zumindest bis zur Einführung der geregelten Forstwirtschaft und der industriellen Landwirtschaft.

    Heute bleibt uns aus dem ehemals gut bestückten Baukasten der Natur oft nur noch das „Werkzeug“ der Gebüsche in Form von angepflanzten Hecken als Lebensraumstruktur. Aber wer Weideland und auch die Möglichkeiten hat, könnte Bäume und Sträucher wieder mehr fördern, beispielsweise durch partielles Auszäunen, dem Verzicht auf Mulchen von Weideresten oder durch ein gezieltes Anpflanzen von gebietsheimischen Gehölzen. Ideal wäre dabei die Anlage einer mehrreihigen Hecke oder einer Baumreihe am Paddock, am Reitplatz oder entlang eines Trails.

    Bäume und Sträucher haben außerdem viele Vorteile für Pferd und Mensch: ein angenehmeres Mikroklima (vor allem im Sommer bei extrem hohen Temperaturen), Sonnenschutz, Windschutz, Erosionsschutz, gesunde Snacks in Form von Früchten und Zweigen.

    Und so haben wir auch eine Wildrosenreihe am Reitplatz angelegt und dabei folgende Arten verwendet:

    • Wildrosen (Rosa canina, R. corymbifera, R. rubiginosa, R. tomentosa, R. elliptica, Hagebutten enthalten viel Vitamin C, über 100 phytophage Insektenarten profitieren)
    • Weißdorn (Crataegus monogyna, Früchte sind gesund, vor allem für das Herz-Kreislaufsystem, über 300 phytophage Insekten)
    • Roter Hartriegel (Cornus sanguinea, die Blüten sind eine Bienenweide und ich finde einfach die Färbung schön, vor allem im Herbst ;-))

    Es hat übrigens unheimlich viel Spaß gemacht, die Sträucher zu pflanzen und es erdet ungemein. Dieses Bedürfnis im Frühjahr in der Erde zu wühlen und etwas anzupflanzen scheint ebenso fest in uns verankert zu sein, wie das Bedürfnis Tiere zu versorgen.

    Und wenn man die Möglichkeit hat, Gehölze zu pflanzen, ist es aus naturschutzfachlicher Sicht wichtig, gebietsheimische Gehölze zu pflanzen. So lockt beispielsweise der im Garten beliebte Schmetterlingsflieder (Buddleja spec.) zwar viele Schmetterlinge an, aber an ihm können sich keine Raupen entwickeln. Dagegen bietet Schlehe (Prunus spinosa) 126 Schmetterlingsarten eine Nektar- und Raupenfutterquelle oder Brombeere immerhin 77 Schmetterlingsarten. Oder der Zitronenfalter, einer der ersten Falter im Frühjahr: seine Raupen fressen nur am Laub vom Faulbaum (Frangula alnus) oder Kreuzdorn (Rhamnus cathartica).

    Falls jemand Lust bekommen hat, Bäume und Sträucher zu pflanzen, dem seien die zahlreichen Tipps des NABU, das oben genannte Buch über Hecken oder auch der Leitfaden zur Verwendung gebietseigener Gehölze empfohlen.

    Es gibt nichts gutes, außer man tut es. (Erich Kästner)

  • Was ist Natur (-schutz)?

    Ich stelle immer wieder fest, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was „Natur“ ist. Und dementsprechend auch viele Missverständnisse, was dann eigentlich „Natur-Schutz“ ist….

    Für viele Menschen ist Wald die einzig wahre Natur. Aber kennen wir einen „natürlich“ aufgewachsenen Wald? Abgesehen von den Heiligen Hallen – ein 25Hektar kleines Waldstück, das sich seit dem 30-jährigen Krieg vermutlich selbst etabliert hat und zumindest seit Ende des 19. Jahrhunderts ohne menschlichen Einfluss, also sich selbst überlassen ist. Ansonsten kennen wir nur geregelte Forstwirtschaft, Holzplantagen angelegt in viereckigen Forstrevieren, meist auf Flächen, die bis zum 19. Jahrhundert noch Offenland waren. In Brandenburg wurden in der Regel Kiefern angepflanzt. Sicherlich gibt es hier und dort kleine Inseln aus Buchenwäldern, reliktartig eingestreute Eichenwälder, Moorwälder, Ulmen-Hang- oder Auenwälder aus natürlicher Sukzession.

    Aber wie würde unsere Landschaft aussehen, wenn nicht mehr als die Hälfte des Landes landwirtschaftlich genutzt wäre, wenn nicht alle Flüsse begradigt und eingedeicht wären, Niedermoore entwässert, Wälder angepflanzt? Wenn Biber machen könnten, was sie wollen, wenn sich Feuer ausbreiten könnten und der Mensch nicht alle großen Säugetiere wie Auerochsen, Wisente, Pferde, Wölfe und Bären ausgerottet oder verdrängt hätte?

    https://www.abu-naturschutz.de/veroeffentlichungen/wilde-weiden

    Wir können es uns nicht vorstellen, aber mit Sicherheit wäre Mitteleuropa nicht vollständig von Wald bedeckt. Und der Großteil unserer Artenvielfalt, die wir im Naturschutz erhalten wollen, ist an offene Lebensräume und Habitatkomplexe gebunden. Artenvielfalt braucht ein zeitliches und räumliches Mosaik aus offenem Boden, Weiderasen, Hochstaudenfluren, Röhrichten, Gebüschen, Baumgruppen bis hinzu geschlossenen Wäldern. Beispielsweise sind die meisten Tagfalterarten an Offenland und Säume gebunden. Aber genau diese Bereiche fehlen uns heute durch die strikte Trennung von Wald, Wiese und Acker.

    Noch bis zur Einführung der industriellen Land- und Forstwirtschaft sowie der Entwässerung der Moore und Begradigung all unserer großen Flüsse haben viele Arten durchaus Ersatzhabitate in den von Menschen geschaffenen Lebensräumen gefunden. „Kulturfolger“ fanden neue Nischen in den anthropogen geprägten Landschaften mit ihren Äckern, Wiesen, Weiden, Wegsäumen, Hecken, Streuobstwiesen und Hutewäldern.

    Aber mit der Intensivierung der Landnutzung, der Einführung von Großtechnik, Pestiziden, Mineraldünger und der Trennung von Wald und Offenland nahm die Artenvielfalt rapide ab.

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    WIJNGAERDT, ANTHONIE JACOBUS VAN
    (Rotterdam 1808 – 1887 Haarlem)
    Weidelandschaft.
    Naturschutz mit Wasserbüffel und Koniks in der Döberitzer Heide

    Von den Pflanzenfressern, die einst die Landschaft mitgestaltet haben, sind uns nur noch Reh und Hirsch geblieben, die anderen kennen wir nur als fossile Reste oder Höhlenmalerei. Wildschweine und Biber gestalten noch in kleinem Rahmen ihre Umgebung. Und ansonsten versuchen Naturschützer mit viel Arbeit, größtenteils im Ehrenamt Artenvielfalt zu bewahren. Dabei besteht der praktische Naturschutz meist aus der Pflege von Wiesen und Weiden.

    Gleichzeitig haben wir sehr viel Grünland, das von Pferdehaltern genutzt wird und durchaus das Potential hätte, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten:

    • Wenn Pferdeweiden nicht so stark überbeweidet werden und es im Sommer auch Blühaspekte gibt.
    • Wenn auch mal Weidereste von Brennnesseln, Disteln oder Beifuss über den Winter stehen bleiben können.
    • Wenn man Wilde Ecken und ggf. auch auf das Aufwachsen von Sträuchern wie Wildrose oder Weißdorn zulassen kann.
    • Wenn man bestehende Lebensraumstrukturen wie Gehölzgruppen, Kleingewässer oder Totholzhaufen erhält und/oder gezielt fördert.
    • Wenn man sich als Pferdehalter mit Wurmkuren zurückhalten würde, nur im Winter eine Wurmkur gibt und ansonsten nur selektiv entwurmt.
    • Wenn man auf Schleppen, Walzen und Mulchen während der Brutsaion (Anfang März bis Juli/August) verzichtet.
    • Wenn man auf Mineraldünger und Pestizide verzichtet.
    • Wenn man auf Nachsaat mit konventionellem Saatgut verzichtet (Ausnahme ist natürlich regiozertifiziertes Saatgut) und lieber auf Pioniervegetation setzt.

    So könnten alle Pferdehalter zum aktiven Naturschützer werden. 🙂

    Noch mehr konkrete Tipps für Pferdehalter gibt es hier:

  • Hute-Eichen

    Die Eiche ist mein Lieblingsbaum – ich denke dabei gern an Gemälde von Caspar David Friedrich…

    Zum Beispiel das Bild „Der Einsame Baum“ von 1822. Es zeigt eine Weidelandschaft mit einzelnen Alteichen und einem Schäfer, der sich an den riesigen Baum lehnt. Eichen werden rund 500 Jahre alt, können aber auch älter werden. Gern werben Ortschaften mit „1000-jährigen“ Eichen wie beispielsweise die Ivenacker Eichen, die rund 600 bis 800 Jahre alt sind. Meist haben sich bis heute sogenannte Weide- oder Huteeichen mit ausladenden Kronen erhalten, die beeindruckende Zeugen der Zeit und Relikte früherer Weidelandschaften sind.

    Eichen sind lichtbedürftig und können sich beispielsweise nicht unter dem dunklen Blätterdach eines Buchenwaldes verjüngen. In Weidelandschaften können sie sich jedoch im Schutz dorniger Sträucher etablieren. Hilfe leistet dabei der Eichelhäher, der Eicheln gern in „Gestrüpp“ wie beispielsweise in Brombeeren versteckt.

    Die folgenden Bilder zeigen zwar keine Weide, sondern eine Hecke am Wegrand mit Brombeere und aufwachsenden Eichen in unterschiedlichen Alterklassen, aber so kann das Prinzip verdeutlicht werden. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auf diese Weise die heutigen, in Brandenburg typischen Baumreihen und Alleen entstanden sind.

    Zwischen Pflanzen und Weidetieren gibt es natürlich eine jahrhundertealte Anpassung und so verwundert es nicht, dass auf Weiden dornige Sträucher aufwachsen, welche gut gegen Verbiss geschützt sind. Und das Weidetiere sehr gern an Eichen knabbern und Eicheln, Eichenrinde oder Blätter in Maßen sogar gesund sind. Beispielsweise können Fruktane in den Gräsern, die im Herbst vermehrt eingelagert werden, durch die Gerbsäure der Eicheln ausgeglichen werden.

    Aber leider musste ich am Wochenende feststellen, dass unsere Pferde die Eichen etwas zu gern haben. Ich bin froh, dass ich zumindest eine Eiche, gemeinsam mit einem Fuchsbau ausgezäunt habe. Und auch im Schutz einer Baumreihe, die ausgezäunt ist, haben sich einige Eichen etablieren können. Bei den geschälten Eichen bin ich gespannt, ob sie das überleben werden. Es wäre doch eigentlich schade um diese Bäume. Aber gut, nun wird man sehen, wie gut die Eiche mit Beweidung klar kommt….

    Und vielleicht muss man doch, bei aller Liebe zur „Wildnis“ bzw. die Pferde machen lassen, doch das eine oder andere vor ihrem Verbiss schützen…

  • Hundsrose, Eiche & co.

    Am Wochenende habe ich die Pferde dabei erwischt, wie sie an den Gehölzen geknabbert haben, die ich neulich schon beschrieben habe. Besonders beliebt war ein Strauch mit Hundsrose. Auch der Schatten der Bäume ist jetzt schon willkommen.

    Im Schutz solcher dornigen Sträucher, welche durch das Anknabbern richtig verdichtet werden, können Vögel brüten und langfristig sogar Eichen aufwachsen. Denn der Eichelhäher versteckt die Eicheln bevorzugt im „Dornengestrüpp“, in dem sie am besten vor anderen Fressfeinden geschützt sind. So kann, wenn man es zulässt, eine halboffene, artenreiche Weidelandschaft entstehen.

    Mehr zu diesem Thema kann man im „Praxisleitfaden für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung“ (Bunzel-Drüke et al. 2008) nachlesen. Der Praxisleitfaden ist die Bibel der Anhänger von Weidelandschaften und kann kostenlos als PDF runtergeladen werden.

    Hier eine schematische Darstellung zur Entstehung einer halboffenen Weidelandschaft: