Schlagwort: Wildtiere

  • Barrierefreiheit für Wildtiere

    Barrierefreiheit für Wildtiere

    Wir haben auf einer Länge von ca. 140 Meter einen alten Maschendrahtzaun, der teilweise mit Stacheldraht gemischt war, entfernt. Der Zaun wurde entlang einer Windschutzreihe aus Hybrid-Pappeln (cf Populus × canadensis) angelegt und hatte schon lange keine Funktion mehr. In der Pappelreihe sind Gehölze von allein aufgewachsen, vor allem die – ursprünglich aus wärmeren Regionen Mitteleuropas stammende – Felsenkirsche (Prunus mahaleb) und Eichen (Quercus spec.), die ich gern für die Zukunft fördern möchte. Die Gehölze sind durch den Maschendraht gewachsen und waren schon sehr stark mit ihm verwoben.

    Alte Zäune sind auch immer Barrieren, Hindernisse und können ein Verletzungsrisiko für Wildtiere darstellen, wenn sie aus Panik darin hängen bleiben und zum Anderen sieht es einfach nicht schön aus. Nicht mehr gebrauchte Zäune sollten aus meiner Sicht wieder aus der Landschaft entfernt werden.

    Unser Weidezaun, in dem die Pappelreihe vor dem Verbiss der Pferde geschützt wird, besteht aus drei stromführenden Litzen und ist wilddurchlässig.

    Mit Hilfe einer Wildkamera bekommen wir einen Einblick in das Leben der Wildtiere. Die Wildkamera war auf die Pappelreihe ausgerichtet, die nun vom Maschendraht befreit ist.

    Auf unseren Weiden tummeln sich Fuchs, Dachs, Reh, Hase, Wildschwein und alle sind willkommen. Und auch unsere Pferde sind in die Kamera getappt, sie waren um zwei Uhr nachts auf der Weide unterwegs.

  • Hagebutten

    Hagebutten

    Es gibt unzählige Beiträge wie gesund Hagebutten, insbesondere für unsere geliebten Pferde sind. Man kann sie sogar getrocknet kaufen, z.b. eine 500g-Packung für 35€ bei Krämer…

    Hagebutten sind die Früchte der Hundsrose (Rosa canina) oder anderer Rosen und enthalten besonders viel Vitamin C, weitere Vitamine, Mineralstoffe, Gerbsäure, Fruchtsäure und sollen für Pferde folgende Wirkungen haben:

    • abwehrsteigernd
    • alle positiven Wirkungen von Vitamin C
    • entzündungshemmend
    • schmerzlindernd
    • vorbeugend gegen Arthrose und Hufrollenentzündung

    Gleichzeitig können Hundsrosen, gemeinsam mit Schlehen, Brombeeren, Weißdorn und vielen weiteren Gehölzen Gebüschinseln oder Hecken in einer Weidelandschaft bilden. Damit werden sie zum wertvollen Ökosystem und bieten:

    • Unterschlupf und Überwinterungsmöglichkeit (z.B. Schalenwild, Igel)
    • Nist- und Brutplatz (z.B. Dorngrasmücke, Klappergrasmücke, Sperbergrasmücke, Neuntöter, Amsel, Nachtigall)
    • Nahrungsquelle (Nektar und Pollen für Insekten, z.B. Wildbienen)
    • Früchte für Vögel (z.B. Amsel, Drosseln, Krähen, Elstern, Eichelhäher, Seidenschwanz, Kernbeißer, Finken, Meisen, Stare, Rotkehlchen)
    • Früchte für Säugetiere (z.B. Schalenwild, Fuchs, Dachs, Marder, Igel, Feldhase)

    Vor allem im Winter sind Vögel auf die Früchte von Hundsrose & co. als fettreiche Nahrung und Ersatz für Insekten angewiesen. Werden die Früchte dabei als Ganzes verzehrt, werden die darin enthaltenen Nüsschen als Samen mit dem Vogelkot verbreitet.

    Hundsrosen haben zwar keinen Nektar, bieten aber vielen Wildbienen- und Käferarten (z.B. Rosenkäfer) Pollen oder gar zarte Blütenteile wie die Staubblätter als Nahrung. Die Gemeine Blattschneiderbiene (Megachille versicolor) nutzt beispielsweise die Blätter und schneidet daraus „Tapiziermaterial“ für ihre Brutzellen, die in Hohlräumen angelegt werden. Die Blätter dienen auch vielen Falterraupen aus meheren Familien der Spanner (z.B. Rosen-Blattspanner), Trägspinner, Bären, Eulen (z.B. Achateule) als Nahrung. Und an den Zweigen kann man eventuell die moosartigen Gallen der Rosengallwespe (Diplolepis rosae) finden. Die Beispiele sollen verdeutlichen, wie alles zusammenhängt und wie wir auch mit kleinen Maßnahmen einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten können.

    Und letztlich bieten Gebüschinseln und Hecken(-rosen) auch für den Pferdehalter viele Vorteile:

    • man kann Hagebutten selbst sammeln und spart sich das Geld bei Krämer, Loesdau & co.
    • Sonnenschutz, v.a. wenn auch Bäume im Schutz der Hecken aufwachsen
    • ein besseres Mikroklima, insbesondere in Dürreperioden
    • Windschutz, für die Pferde, aber auch für die Vegetation, die weniger stark austrocknet
    • Abgrenzung, z.b. zusätzlich zum Weidezaun zur Erhöhung der Hütesicherheit und als Schutz vor ungewollter Fütterung durch Spaziergänger
    • ein schöneres Landschaftsbild 😉
    Vogelnest in einer einzeln stehenden Hundsrose
    das schönere Landschaftsbild mit Gehölzreihe
    ausgezäunte Pappelreihe mit Entstehung einer Hecke

    Und warum sieht man dann eigentlich so wenig Pferdeweiden mit Hundsrose & co.? Vor allem entlang von Zäunen könnte man Gehölzreihen von allein entstehen lassen. Natürlich müssen die Zäune freigeschnitten werden, aber man könnte einen Korridor zwischen verschiedenen Weiden oder an Wegen anlegen, in dem sich die Gehölze von selbst etablieren.

    Und auch auf der Weide selbst, warum eigentlich nicht? Selbst wenn man aus verschiedenen Gründen mulchen oder mähen muss, könnte man einzelne Gebüsche verschonen. Selbst bei relativ intensiver Beweidung kommen dornige Gehölze wie Hundsrose, Brombeere, Weißdorn, Wildbirne und Schlehe von allein und bereichern nicht nur den Speiseplan der Pferde.

  • Wildtiere

    Naturnahe Weiden mit Lebensraumstrukturen bieten nicht nur für Pferde eine artgerechte Haltungsform, sondern sind auch Lebensraum für Wildtiere.

    Und so wollte ich mal wissen, wer sich auf unseren Flächen rumtreibt und habe eine Wildkamera aufgehangen. Vor allem nachts, vor unseren Augen verborgen, schleichen beispielsweise Rehe und Füchse umher, auf der Suche nach Nahrung. Wildtiere haben ihre Aktivitäten in die Nacht verlegt und schlafen tagsüber in Verstecken, um sich vor der Verfolgung durch den Menschen zu schützen.

    Es gibt einige Fuchs- und/oder Dachsbaue (?) auf unseren Flächen, die ausgezäunt wurden, um das Verletzungsrisiko für die Pferde zu minimieren, aber ansonsten gehören Füchse aus meiner Sicht genauso in unsere Weide-Landschaften wie Dachs, Hase, Reh oder Wildschwein. Leben und leben lassen.

    Dafür scheint es aktuell keine Wildschweine mehr bei uns zu geben, sie sind wohl durch die Schweinepest-Maßnahmen extrem dezimiert worden. Zumindest habe ich in diesem Herbst noch keine Wühlstellen von Wildschweinen auf unseren Weiden gesehen. Für mich sind das ja keine „Wildschäden„, sondern wichtige Mikrohabitate und Pionierstandorte für mehr Pflanzenvielfalt, weil sie neue Keimbedingungen schaffen.

    Rehe sind neben Hirschen die einzigen Pflanzenfresser, die es noch in freier Wildbahn bei uns gibt. Alle anderen Pflanzenfresser wie Wildpferde, Wisente, Auerochsen, Elche oder Riesenhirsche wurden ausgerottet oder verdrängt. Und weil uns diese wichtigen Akteure in der Landschaftsgestaltung verloren gegangen sind und mit ihnen ihre Schlüsselfunktionen für den Erhalt der Artenvielfalt, sind naturnahe Weiden so wichtig.

    Aber die Betonung liegt auf naturnah, d.h. arten- und strukturreiche Weiden mit Bäumen, Sträuchern und vor allem auch Weideresten, die im Winter stehen bleiben, um Wildtieren Deckungsmöglichkeiten und Nahrung zu bieten.

    Rehe werden häufig als „Schädlinge“ wahrgenommen, weil sie die Naturverjüngung oder den Unterbau in den Kiefernplantagen wegfressen. Dabei bevorzugen Rehe eigentlich leicht verdauliche Nahrung wie Gräser, Knospen, Kräuter und im Winter die grünen Blätter von Brombeeren. Wenn jedoch im Herbst alle Felder abgeerntet, Wiesen gemäht und Straßenböschungen gemulcht sind, bleibt ihnen nichts anderes übrig als die jungen Gehölze in den Wäldern zu verbeißen. Wobei auch das nur wieder ein „Schaden“ aus menschlicher Sicht ist. Einer Eiche oder Buche schadet es nicht, wenn sie verbissen wurde, sie wächst einfach weiter, nur eben verzweigter….

    Tagsüber sind dann auch noch zwei Tiere in die Falle getappt: ein Fasan und Nachbars Katze. Der Umstand, dass Fasane bei uns auf den Weiden leben und immer wieder mal mit viel Getöse auffliegen, härtet unsere Pferde ab und macht sie geländesicher. Nur Katzen hab ich nicht so gern auf den Weidenflächen…