Schlagwort: Wurmkur

  • Ein Jahr mit Kühen

    Ein Jahr mit Kühen

    Vor einem Jahr sind die beiden Fjällrinder Finola und Lenia bei uns eingezogen. Damals war noch nicht klar, ob sie ein Teil der Herde werden und wie die Pferde mit den Rindern umgehen. Ich habe mir vor allem Sorgen gemacht, dass sie einen Tritt abbekommen könnten.

    Aber es hat wunderbar geklappt und die beiden Schönheiten gehören nun einfach dazu. Die Integration wurde schrittweise durchgeführt und bereits in dem Beitrag Finola und Lenia beschrieben. Hier ein paar Eindrücke des Zusammenlebens mit den Pferden:

    Jetzt wird es Zeit das erste Jahr mit den beiden süßen Schnuffis Revue passieren zu lassen. 🙂

    Die Ziele der Mischbeweidung mit Rindern sind Weidepflege und Weidehygiene. Durch das Abzupfen mit der Zunge können Rinder die Vegetation nicht so tief verbeissen und selektiv fressen wie Pferde. Eine reine Pferdebeweidung, also ohne andere Pflegemaßnahmen wie beispielsweise eine Mahd führt auf Dauer zur Ausbreitung von „Problempflanzen“ wie Sauerampfer einerseits und einer Schädigung der Grasnarbe andererseits. Durch die Mischbeweidung soll die Weide gleichmäßiger abgefressen werden.

    Frassverhalten der Rinder = Abzupfen der Gräser mit der Zunge

    Und die Rinder fressen die sogenannten „Geilstellen“ an den Dunghaufen der Pferde ab, an denen die Larven beispielsweise der Magen-Darm-Strongyliden darauf warten von den Pferden abgeweidet zu werden. Wenn sie jedoch im Rindermagen landen, können sich die Magen-Darm-Parasiten der Pferde im falschen Wirt nicht weiterentwickeln. Und auch umgekehrt können die Pferde die Geilstellen der Rinder abweiden und der Parasitendruck auf der Weidefläche nimmt insgesamt ab.

    Aber wenn ihr jetzt lesen wollt, ob sich die beschriebenen Effekte schon eingestellt haben, muss ich Euch leider enttäuschen. Ich kann dazu noch keine Aussagen treffen, dafür ist ein Jahr einfach zu kurz. Aber ich kann Euch versichern, dass Finola und Lenia ein absoluter Gewinn für die Artenvielfalt, die Herde, den Hof und vor allem für die Seele sind. Wann immer man sie sieht, geht einem das Herz auf und man hat stets eine nette Gesellschaft bei der Zaunkontrolle, beim Zäune freischneiden oder Giftpflanzen rupfen. Ich hätte auch nie gedacht, dass sie viel neugieriger als Pferde sind und sich immer anschauen wollen, was der komische Zweibeiner da treibt. Es ist auch einfach herzig, wenn die zwei über die Weide flitzen, spielen, miteinander rangeln, Kontakt zu den Pferden aufnehmen, im Stroh lümmeln und dabei wiederkeuen.

    Und wie schon beschrieben haben in punkto Artenvielfalt vor allem die Dungkäfer profitiert. Es sind neue Arten dazugekommen und die reine Menge beispielsweise an Wasserkäfern oder der Gelben Dungfliege sind widerum Nahrungsgrundlage für Vögel, Fledermäuse, Reptilien etc.

    Die Rinder haben auch durchaus an der Kanada-Goldrute geknabbert, aber dafür sind es wohl doch zu wenig Kühe für zu viel Fläche und begleitende Maßnahmen wie die Schafbeweidung im Sommer und das partielle Mulchen werden weiterhin notwendig sein, um diesen invasiven Neophyten einzudämmen.

    Ein großer Vorteil ist, dass die Rinder die Bäume nicht schälen und auch im Winter auf Weiden unterwegs sein können, die für die Pferde wegen dem Baumbestand tabu sind. Auf diese Weise können sie hier und da noch mal an der überständigen Vegetation knabbern. Sie sind zwar schon ganz schön gewachsen, aber passen gerade noch so unter der oberen Litze durch, so dass sie mehr Fläche zur Verfügung haben als die Pferde. Zum Glück lassen sich die Pferde von einer Litze aufhalten.

    Die Körpergröße der Kühe ist einerseits ein Vorteil, aber andererseits auch eine Herausforderung, vor allem jetzt im Winter. Beispielsweise können sie nicht aus der Heuraufe der Pferde fressen, wenn das Heu zu weit runter gefressen ist und brauchen ihre eigene Raufe. Und die frostfreie Tränke ist für die Kühe leider zu hoch angebaut, so dass sie auch ihre eigenen Wasserbottiche brauchen. Und bei Minusgraden frieren die Mörtelwannen schnell zu. Das heißt, Heu und Wasser auffüllen für die Kühe sind zusätzliche Arbeiten, die aber aus meiner Sicht schnell erledigt sind.

    Insgesamt sind Finola und Lenia nicht mehr wegzudenken, sie gehören einfach dazu und ich möchte sie nicht mehr missen. 🙂

  • Dungkäfer Bufet

    Dungkäfer Bufet

    Aktuell ist wieder die Zeit, in der Tausende von Dungkäfern der Gattung Aphodius die Pferdehaufen innerhalb kürzester Zeit zersetzen. Sie ernähren sich von Pferde- und Rinderdung, legen ihre Eier in den Haufen ab und auch die Larven ernähren sich widerum vom Kot unserer Weidetiere.

    Massenvorkommen von Dungkäfern aus der Gattung Aphodius

    Und besonders auffällig sind derzeit auch wieder die Löcher des Stierkäfers (Typhaeus typhoeus). Fast an jedem Haufen befindet sich ein ca. 1cm großes Loch, der Eingang zur Brutkammer des Stierkäfers. Er legt bis zu 1,5m tiefe Stollen mit mehreren Brutkammern an, in denen er seiner Eier und Kotpillen als Vorrat für die Larven ablegt. Die Entwicklung der Larven dauert zwei bis drei Jahre, während die adulten Käfer nach der Brutvorsorge und Eiablage absterben.

    Was sonst noch so alles in einem Kuhfladen wimmelt und wie sich die Nahrungsketten von Dungfliegen, Dungkäfern, Kurzflüglern, Regenwürmern, bis hin zu Kleinsäugern, Vögeln und Fledermäusen aufbauen, erklärt das wunderbare Kinderbuch „Party im Kuhfladen„.

    Das folgende Video soll einen Eindruck vermitteln, wie so ein Kuhfladen besiedelt wird. Es sind Wasserkäfer der Gattung Sphaeridium und auch zwei hübsche Kurzflügler (Ontholestes murinus) mit weißen Streifen auf dem Hinterleib zu erkennen:

    Wasserkäfer der Gattung Sphaeridium und Kurzflügler Ontholestes murinus

    Die Wasser- und Kurzflügelkäfer ernähren sich von den Larven der Fliegen, die schon ihre Eier in dem Fladen abgelegt haben und so können die Kreisläufe beginnen…

    Diese Käfer und auch die Gelbe Dungfliege (Scathophaga stercoraria) sind mir übrigens erst aufgefallen, seit Finola und Lenia bei uns sind. Die Larven der Gelben Dungfliege ernähren sich ebenfalls von anderen Insektenlarven im Dunghaufen.

    Damit die Dunghaufen unserer Weidetiere nicht (unnötig) zur ökologischen Falle werden, in dem die Larven der Insekten in den Haufen durch den Einsatz von Antiparasitika absterben, haben wir auf Selektive Entwurmung umgestellt. Seit Sommer 2022 werden wir dafür von einem zertifizierten Kotlabor der Arbeitsgemeinschaft Zeitgemäße Selektive Entwurmung (ZSE) betreut und mit KnowHow unterstützt.

    Der Vorteil liegt darin, dass man mit Hilfe einer Online-Datenbank stets den gesamten Bestand im Überblick hat, sich jederzeit von jedem Pferd die „Wurmkurven“ anschauen kann und dokumentiert wird, wer wann welche Wurmkur bekommen hat. Man bekommt Erinnerungen für die nächsten Kotprobe, Empfehlungen für einen Wirkstoff und – besonders wertvoll wie ich finde – man kann jede noch so „dumme“ Frage stellen 😉

    Das heißt, es geht nicht nur um das Ergebnis der Kotproben, sondern auch um den Service und die gute Beratung. Natürlich ist der Aufwand ersteinmal größer als einfach Wurmkuren zu geben, aber wenn dafür nur die Pferde eine Wurmkur bekommen, die auch eine brauchen, hat man am Ende die Umwelt geschont und beugt Resistenzen bei den Magen-Darm-Parasiten vor. Und vor allem: Das Bufet auf der Weide kann eröffnet werden.

  • Finola und Lenia

    Die Fjällrinder-Kinder Finola und Lenia sind nun schon seit über zwei Monaten bei uns am Hof. Da wird es Zeit, zu berichten, wie es Ihnen bislang ergangen ist und vor allem wie sie in die Herde integriert werden können.

    Sie standen zunächst auf einer seperaten Fläche mit ihrer eigenen, kleinen Heuraufe und Wasserbottichen, neben den Pferden mit doppeltem Zaun. Zum einen hatte ich Angst, dass sie von den Pferden gejagd und verletzt werden und zum anderen sind sie schlicht zu klein, um an die Tränke zu kommen oder aus dem Wasserbottich der Pferde trinken zu können. Den doppelten Zaun habe ich irgendwann abgebaut und so konnte schon hier und da eine kleine Kontaktaufnahme durch den Zaun stattfinden.

    Schnell haben Finola und Lenia gemerkt, dass diese komischen Zweibeiner die Heuraufe auffüllen und mit Leckereien vorbei schaun und wir haben immer wieder versucht, diese Gelegenheiten zu nutzen, dass man an sie heran kommt, sie anfassen und zumindest am Kopf streicheln kann. Es wäre schön, wenn wir es schaffen, dass sie halfterführig werden, für Tierarzt, Blutabnahme, ggf. Klauenpflege etc. Soweit ist es aber noch nicht, dennoch kann man sie zumindest mit Futter „lenken“ und die Pferde haben auch akzeptiert, dass die Futterschüsseln zu den Kühen wandern und nicht für sie bestimmt sind. Vor allem Assan fand es unerhört, dass ich mit seinen Futterschüsseln an ihm vorbei laufe…

    Der nächste Schritt war, den Kühen beizubringen „durch den Zaun zu gehen„, was ja normalerweise keine so gute Idee ist. Der Plan war dabei, dass Finola und Lenia lernen, dass sie unter der Litze durchlaufen können, sich auf diese Weise vor den Pferden in Sicherheit bringen können und nach und nach in die Herde diffundieren. Im folgenden Video sieht man, welche Barriere so ein etablierter Zaun sein kann und man sie zunächst mit Futter durchlocken musste.

    Dann haben wir die Gelegenheit genutzt, dass ein Großteil der Pferde und vor allem der Wallach-Chef wegen der Wurmkur-Gabe seperat standen und nur zwei Stuten auf der Hauptkoppel waren. Jetzt konnten die Kühe durch den Zaun auf die Hauptkoppel. Eine der Stuten – „Cordy“ hatte bereits Fohlen und fühlte sich wohl schon verantwortlich für die Kleinen. Sie suchte bereits vorher immer wieder mal die Nähe zu den Kühen und hat sie gleich adoptiert als sie zu den beiden Stuten konnten.

    Nach der Wurmkur kamen die Pferde auf die Fläche, die Winterruhe hatte und auf der nur die Kühe waren die letzten zwei Monate. Diese Fläche sollte nicht so einen hohen Parasitendruck haben und die Kühe kennen sich schon gut aus auf dieser Weide. Überhaupt ist es interessant zu erwähnen, dass sie als erstes den Zaun abgelaufen sind, sich alles genau anschauen, checken wo Wasser und Heu stehen.

    Derzeit habe ich noch einen mobilen Zaun mit einer oberen Litze vor dem eigentlichen Zaun gezogen, so dass Finola und Lenia zu den Pferden grasen gehen können, sich aber auch wieder in Sicherheit bringen können. Ich hoffe, alles geht gut und die beiden können Teil der Herde werden.

  • Fjäll-Rinder

    Herzlich willkommen Lenia und Finola! Ab sofort unterstützten uns diese zwei wunderschönen Fjäll-Rind-Färsen bei der Weidepflege.

    Fjäll-Rinder sind eine robuste, kleinrahmige und vom Aussterben bedrohte Haustierrasse aus Schweden, die es wohl schon zur Wikingerzeit gegeben hat. Im Vergleich zur modernen Hochleistungskuh können Robustrinder auch auf kargen Weiden hinreichend Futter finden.

    Der Vorteil einer Mischbeweidung mit Rindern ist vor allem das unterschiedliche Fraßverhalten von Pferden und Rindern. Eine reine Pferdebeweidung ohne andere Weidetiere oder einer Pflegemahd führt auf Dauer zu einer Verschlechterung des Grünlandes mit Ausbreitung von Gift- und „Problempflanzen“, wie bei uns der Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) oder der Graukresse (Berteroa incana).

    Denn Pferde können mit ihren Schneidezähnen die Vegetation extrem tief verbeißen, fressen dadurch sehr selektiv und ungeliebte Pflanzen können sich ausbreiten. Rinder hingegeben rupfen die Pflanzen mit ihrer Zunge ab und haben dadurch ein anderes Nahrungsspektrum.

    Und so ist der Plan, dass Finola und Lenia dabei helfen die Weiden artenreicher zu gestalten und die Dominanzbestände mit Glatthafer (Arrhenatherum elatius) und Kanada-Goldrute aufzulichten. Glatthafer ist zwar ein gutes Futtergras im Heu, wird aber am Halm von unseren Pferden komplett gemieden und so musste ich die Glatthafer-Fläche entweder „runtermulchen“ oder mähen. Da wir aber keine entsprechende Technik dafür besitzen, haben wir die Fläche letztes Jahr per Hand mit Sense und Freischneider gemäht. Auch wenden konnten wir noch selbst, aber auf den Schwad legen und Ballen pressen, dafür musste dann doch ein benachbarter Bauer vorbeikommen. Aber er sagte, das war das erste und das letzte Mal, weil die Fläche zu uneben und klein ist…. Außerdem muss man eine Fläche, die man mähen möchte, entsprechend lange vorhalten, damit keine Pferdeäppel in die Ballen eingearbeitet werden. Will sagen, alles nicht so leicht.

    Und die Kanada-Goldrute kann man tatsächlich nur mulchen, sie ist nicht als Futter geeignet, ein Platzräuber und mit ihrer Eigenschaft dichte Dominanzbestände zu bilden verhindert sie die Entwicklung von Artenvielfalt auf der Pferdeweide.

    Da aber nun unser Mulcher kaputt ist und beim mulchen zum Einen die Biomasse liegen bleibt und Insekten sowie alle Kleinstlebewesen mitgeschreddert werden, musste eine andere Lösung her – deshalb die Mischbeweidung mit Rindern 🙂

    Ein weiterer großer Vorteil ist neben der Weidepflege die Weidehygiene, sprich das Eindämmen von Magen-Darm-Parasiten wie beispielsweise Strongyliden. Rinder fressen an den sogenannten „Geilstellen“ der Pferde, also die Bereiche, an denen Pferdeäppel liegen und die Wurmlarven in den Grasspitzen darauf warten gefressen zu werden. Wenn Pferde die Möglichkeit haben meiden sie diese Bereiche enstprechend. Aber Rinder können die Magen-Darm-Parasiten der Pferde getrost mitfressen, weil diese in dem falschen Wirt nicht gedeihen können. Und auch anders herum können die Pferde die Würmer der Rinder mitfressen und beide Weidetiere halten auf diese Weide den Parasitendruck auf der Weidefläche niedrig.

    Soweit die Theorie, wie es sich bewähren wird, diese zwei Schönheiten mitlaufen zu lassen, werden wir sehen und ich werde sicherlich noch viel von Finola und Lenia berichten.

    Erst einmal sind sie auf einer separaten Fläche, um sich einzuleben. Eine Integration in die Herde ist – wie schon beschrieben – nicht mehr so leicht, außerdem brauchen sie ihre eigene, kleinere Heuraufe, vor allem ohne Heunetz und sie können nicht aus dem großen Wasserbottich oder den hohen Tränken der Pferde saufen. Es bleibt mal wieder spannend am Ponyhof.

  • Selektive Entwurmung?

    Seit einem Jahr versuche ich auf unserem Ponyhof eine Selektive Entwurmung zu etablieren. Dabei ist die größte Hürde, alle Pferdehalter davon zu überzeugen, dass das sinnvoll ist und entsprechend Kotproben zu sammeln…

    Das Motto ist dabei so wenig wie möglich und so viel wie nötig, um die Gesundheit der Pferde zu schonen, die Bildung von Resistenzen zu vermeiden, die Umwelt und vor allem Dungkäfer, nicht zuletzt auch als wichtige Nahrungsressource für Vögel, Fledermäuse etc. zu schonen. Es wurde bereits in vorangegangen Einträgen dargelegt, welche Auswirkungen Entwurmungsmittel auf Natur und Landschaft, insbesondere auf Dungkäfer haben und wie gefährdet diese Artengruppe heute ist.

    Besonders stolz bin ich ja auf den Fund des selten gewordenen Stierkäfers bei uns auf den Flächen, der relativ auffällige Löcher gräbt. Der Stierkäfer legt 1-1,5 m tiefe Erdstollen an, in die er zur Ernährung seiner Brut längliche Kotpillen einträgt. Von dem Hauptstollen gehen zahlreiche Nebenstollen ab und das Bauwerk wird von Männchen und Weibchen gemeinsam angelegt.

    Aber wie auch immer, letztes Wochenende haben wir die „klassische Nikolaus-Entwurmung“ (ohne vorherige Kotproben) gegeben, um die Entwicklung der Dasselfliege zu unterbinden und mit Equimax auch ein Mittel (Wirkstoff Praziquantel) gegen Bandwürmer zu geben, welche man wohl nur als Zufallsbefund mit Kotproben nachweisen kann. Dafür haben wir die Pferde wieder in ihrer Freitheit eingeschränkt, enger gekoppelt und alle Pferdeäppel entfernt.

    Bei ziemlich vielen Haufen, definitv auch einem von Assan konnte man viele, kleine, weiße Würmer sehen, teilweise noch lebend. Nach Expertenmeinung handelt es sich sehr wahrscheinlich um die so genannten kleinen Strongyliden (Cyathostominen). Sie haben die Fähigkeit, sich als Larve in der Darmwand einzukapseln, d.h., wenn genug eierlegende Würmer vorhanden sind, können die Larven bis zu 3 Jahre ruhen und erst bei „Bedarf“ die Entwicklung zum ausgewachsenen Wurm fortsetzen… Diese eingekapselten Larven kann man wohl auch nicht mit dem gängigen Wirkstoff Ivermectin bekämpfen.

    Will heißen, auch wenn wir versuchen, die Pferde möglichst extensiv zu halten, auf verschieden Weiden umkoppeln und im Winter die Pferdeäppel an den Heuraufen entfernen, werden wir wohl immer einen gewissen Parasitendruck haben. Aber die Mittel, die uns gegen diese Parasiten zur Verfügung stehen, sollten wir mit Bedacht einsetzen und die Bildung von Resistenzen vermeiden. Der Weg, den ich dabei einschlagen möchte, ist eine Gratwanderung zwischen Gesunderhaltung der Pferde und ein kleinen Beitrag zum Naturschutz, vor allem dem Schutz der Dungkäfer zu leisten. Da heute vor allem Pferde als Nutztiere „draußen“ gehalten werden, sehe ich eine besondere Verantwortung der Pferdehalter für den Erhalt von artenreichem Grünland und der Biodiversität. Natürlich ist dieser Weg unbequemer, aufwendiger und komplizierter als einfach prophylaktisch zu entwurmen, aber auch spannender und wie immer lernt man nie aus…

  • Magen-Darm-Strongyliden…

    gehören zu den häufigsten Würmern bei Pferden und leider hatte Assan einen extrem hohen Befall.

    Im Dezember letzten Jahres haben wir eine Wurmkur gegeben, die klassische „Nikolaus-Entwurmung“ mit Bekämpfung der Dasselfliege. Wie bereits in einem Eintrag ausgeführt, ist mein Ziel die Wurmkurgabe auf ein notwendiges Maß zu reduzieren, um Dungkäfer und allgemein Insekten, auch als Nahrungsquelle für Vögel, Fledermäuse etc. weitgehend zu schonen. Nicht zuletzt wegen der Bildung von Resistenzen bei den Würmern ist eine strategische oder selektive Entwurmung sogar die Empfehlung der FN.

    Im April hatte ich bei Assan Kotproben gesammelt und beim Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin eingeschickt. Laut Befund hatte Assan 880 Eier von Magen-Darm-Strongyliden pro Gramm Kot, eine Menge, die ich mir gar nicht richtig vorstellen kann. Ab 200 Eiern/g Kot soll man eine Wurmkur geben und vom Labor wurde außerdem ein Pyrantel-haltiges Präparat empfohlen.

    Bei vier weiteren Pferden wurden dann Kotproben gesammelt, davon waren zwei ohne Befund und zwei mit Ausscheidung von Wurmeiern. In Zukunft soll bei allen Pferden eine Kotprobe gesammelt werden, um nur noch die Pferde zu entwurmen, die auch Würmer haben.

    Damit die Dunghaufen nicht zur ökologischen Falle werden, haben wir die Pferde am Samstag auf einer kleinen Fläche „eingesperrt“, die Wurmkur gegeben und alles abgeäppelt. Gestern konnten die Pferde dann auf die „Dreieckswiese“, die seit dem letzten Sommer ungenutzt war. Ich möchte die Pferde so lange es geht von der – mit Würmern kontaminierten – Hauptweide fernhalten. Diese Fläche ist im Prinzip unsere Winterkoppel mit Unterstand, beheizbarer Tränke, die am meisten beansprucht wird und sie soll sich im Sommer etwas erholen können.

    Eng gekoppelt mit Heuraufe
    Alles abäppeln…
    Ab auf die Dreieckswiese – meine persönliche Lieblingsfläche 😉

    Da die Würmer Monate und sogar den Winter überleben können, wird man sie wohl nie loswerden, so lange man Pferde immer wieder auf die gleichen Flächen stellen muss. Man kann nur versuchen, den Parasitendruck möglichst gering zu halten. Empfehlungen dazu sind beispielsweise alles abzuäppeln und Weidereste zu mulchen, was aus naturschutzfachlicher Sicht nicht in Frage kommt und auch arbeitstechnisch von uns nicht zu leisten ist. Optimal wäre auch eine Mischbeweidung mit Rindern, in deren Magen die Pferdewürmer sterben und umgekehrt.

    Die zwei Pferde, die nicht verwurmt waren, werden schon länger selektiv entwurmt und bekommen außerdem Ewalia Parasitensaft. Das zeigt, dass nicht zwangsläufig alle Pferde verwurmt sein müssen und das mit dem Kräutersaft werde ich auch ausprobieren. Bislang kannte ich nur die entwurmende Wirkung von Rainfarn (Tanacetum vulgare), den es auch auf unseren Flächen gibt und durchaus von den Pferden gefressen wird. Hier ein Auszug aus einem alten Kräuterbuch (für Menschen):

    Falls man den Text nicht lesen kann:

    „Verwendet werden Kraut, Blütenköpfe, Samen (…). Sie enthalten ätherisches Öl, etwas Bitterstoff und Gerbstoff.

    Rainfarn wirkt gegen Spul- und Madenwürmer.

    Man brüht 2 Teelöffeln voll mit einer Tasse Wasser an und trinkt nach längerem Ziehen. Einige Tage hintereinander zu nehmen. Unterstützend: roh geriebene Möhren mit Kümmel und Anis. Für guten Stuhlgang sorgen (Faulbaumtee).“

  • Wurmkur

    Unsere Pferde haben heute ihre „klassische Nikolaus-Entwurmung“ bekommen…

    Aus Naturschutzgründen möchte ich unsere Pferde nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich entwurmen. Ob wir dabei alles richtig machen, weiß ich auch noch nicht. Aktuell kann ich nur beschreiben, welchen Weg wir dabei beschreiten. Um das Grundwasser und den Boden nicht zu belasten und vor allem die Dungkäfer nicht zu beeinträchtigen versuchen wir möglichst selektiv zu entwurmen, d.h. nur nach Befund durch Kotproben.

    »Dung- und Mistkäfer gehören zu den am stärksten bedrohten Gruppen unter den Insekten.« Ungefähr 40 Prozent der Dungkäfer sind ausgestorben oder stark gefährdet. Die Hauptursache ist die Anwendung von Parasitenmitteln, vor allem mit dem Wirkstoff Ivermectin. Mit dem Rückgang der Dungkäfer werden auch insbesondere die Nahrungsressourcen für Vögel, Amphibien, Reptilien und Fledermäuse reduziert. Und da es kaum noch Weidehaltung in Deutschland gibt, haben Pferdehalter eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität, aber auch die Chance einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten.

    Aus diesem Grund sollten Wurmkuren nicht unbedacht mehrmals im Jahr gegeben werden. Vor allem im Frühjahr, wenn Vögel die Dungkäfer brauchen, um ihre Jungen zu füttern ist eine Wurmkur-Gabe fatal.

    Aber jetzt im Winter haben wir eine Wurmkur gegeben, um auch die Entwicklung der Dasselfliege zu unterbrechen, die ihre Eier im Sommer bevorzugt an den Vorderbeinen der Pferde ablegen. Von hier werden sie durch das Maul durch lecken und kratzen aufgenommen, gelangen in den Magen, entwickeln sich weiter und können dabei das Pferd gesundheitlich schädigen.

    Da es auch im Winter aktive Dungkäfer gibt und um die Weiden nicht mit dem Wirkstoff zu kontaminieren, haben wir die Pferde relativ eng gekoppelt, um in den nächsten Tagen alle Pferdeäppel ordentlich absammeln zu können. Der Wirkstoff lähmt die Würmer, die sich nicht mehr an den Schleimhäuten des Magens festhalten können und mit dem Kot ausgeschieden werden. Da die Würmer zunehmend resistent gegen Wurmkuren sind, überleben es einige Individuen. Nicht mehr prophylaktisch zu entwurmen, um Resistenzen zu vermeiden, sondern Pferde selektiv oder strategisch zu behandeln, ist sogar Haltung und Empfehlung der FN.

    Schon vor zwei Wochen wurde in Vorbereitung auf die Wurmkur ein Teil der Weide abgetrennt und sauber abgeäppelt. Heute haben wir die Heuraufen und einen IBC-Container mit Wasser dorthin gestellt. Nun müssen die Pferde für ein paar Tage auf die weitläufgen Koppeln, die wir ihnen sonst zur Verfügung stellen, verzichten. Diese Fläche soll dann vollständig von Pferdeäppeln befreit werden.

    Alle Flächen mit insgesamt fast neun Hektar Größe können schlichtweg nicht abgeäppelt werden, so dass wir im Winter nur die Bereiche um die Heuraufen sauber halten. Aber auch aus den oben genannten Gründen, zum Wohle der Dungkäfer sollen nicht alle Pferdeäppel entfernt werden. So versuchen wir einen Kompromiss zwischen Pferdegesundheit und dem Erhalt der Artenvielfalt zu finden. Neben dem regelmäßigen Abäppeln von Pferdeweiden, der Umtreibsweide und extensiven Haltung wird beispielsweise auch ein Mähen oder Mulchen von Geilstellen im Frühjahr empfohlen. Dadurch würde man die Larven der Würmer, die am Grashalm darauf warten, von den Pferden aufgenommen zu werden, reduzieren. Aber dadurch würde man gleichzeitig die Überwinterungsstadien von Insekten und ggf. Gelege von Wiesenbrütern zerstören.

    Aber ich habe die Hoffnung durch eine relativ extensive Haltung von aktuell acht Pferden, dem häufigen Umkoppeln und dem Abäppeln an den Heuraufen den Parasitendruck insgesamt gering zu halten. So wenig wie möglich und so viel wie nötig zu entwurmen soll dabei die Pferdegesundheit und gleichzeitig die Artenvielfalt erhalten. Ich werde weiterhin regelmäßg Kotproben sammeln und bin gespannt, ob man auf Wurmkuren weitgehend verzichten kann….

  • Der Haufen lebt

    Bei uns sind aktuell viele Dungkäfer aktiv und zersetzen die Äppelhaufen in kürzester Zeit…

    Momentan ist auffällig, dass die Pferdehaufen ziemlich schnell ihre Form verlieren, breite Fladen werden und es darin wimmelt wie nur was. Ich konnte natürlich nicht anders, als in den Haufen rumzuwühlen, um zu sehen, was da kreucht und fleucht. Jede Menge Dungkäfer:

    Es sind wohl vor allem Gefleckte Dungkäfer und einige Gemeine Dungkäfer, aber leider kenne ich mich mit Dungkäfern überhaupt nicht aus.

    Jetzt im Herbst kommt es mancherorts zu massenhaftem Auftreten der Dungkäfer. Sie ernähren sich nicht nur vom Kot, einige Arten legen Tunnel im Boden an, befördern den Kot in den Untergrund, je nach Art unterschiedlich tief, um dort die Eier abzulegen. Auf diese Weise belüften und düngen sie den Boden und zersetzen die Haufen, die sonst ewig auf der Weide liegen bleiben würden. Dungkäfer sind aber vor allem auch wichtig für den Erhalt der Biodiversität, denn sie sind Nahrung für andere Artengruppen wie Vögel oder Fledermäuse.

    In Europa gibt es 269 Dungkäferarten und in Deutschland 82 Arten, die sich in zwei Unterfamilien mit 46 Gattungen gliedern. Davon sind ca. 30% ausgestorben und 40% gefährdet. Die koprophagen Blatthornkäfer gehören laut dem NABU sogar „zu den am stärksten gefährdeten ökologischen Gilden innerhalb der Gesamtfauna„.

    Die Ursachen für den Rückgang der Dungkäfer sind zum Einen die Ablösung traditioneller Weidetierhaltung durch intensive Massentierhaltung in Stallanlagen und zum Anderen der massive Einsatz von Entwurmungsmitteln in der Freilandhaltung. Es wurde mittlerweile vielfach nachgewiesen, dass Wirkstoffe wie Ivermectin die Larvenentwicklung von Dungkäfern beeinträchtigen. Die adulten Käfer reagieren weniger empfindlich auf die Antiparasitika, aber die Eier und Larven sterben ab und der Kothaufen wird auf diese Weise zur ökologischen Falle….

    Wir haben diese Woche selbst eine Wurmkur gegeben, weil zumindest Assan einen hohen Befall mit Magen-Darm-Strongyliden hatte. Zwei unserer Einsteller haben selbst noch mal Kotproben genommen und ihre Pferde haben keinen Befall. Alle anderen Pferde haben eine Wurmkur bekommen, obwohl es mir natürlich angesichts der vielen Dungkäfer aktuell wahrhaft in der Seele weh tut…

    Eigentlich wollte ich nur noch die „klassische Nikolauswurmkur“ mit Dasselfliege geben und ansonsten nur nach Bedarf, wenn es einen Befall gibt. Ich frage mich auch nach dem Sinn, die Pferde gemeinschaftlich zu entwurmen, eng zu koppeln, alles abzuäppeln, obwohl sie ohnehin schon die ganze Zeit mit Eiern in den Äppelhaufen die Weiden „kontaminiert“ haben? Ich denke, wir werden das nächstes Jahr anders handhaben, nur noch im Winter eine Wurmkur, ansonsten nach Bedarf, einzeln und gezielt nach Befund.

    Ansonsten hoffe ich, dass durch das Abäppeln an den Heuraufen und längere Ruhepausen für die Weiden der Parasitendruck abnimmt. Ich bin gespannt…

  • Pferdeäppel als Lebensraum

    Wenn man auf häufige Wurmkuren verzichtet und mal einen Pferdehaufen ausbreitet, kann man ein kleines Wunder erleben. Es kreucht und fleucht, wimmelt und lebt….

    Jetzt wo die Vögel ihre Jungen mit Nahrung versorgen müssen, ist es besonders wichtig, dass es genug Insekten gibt. Und so ein Pferdehaufen ist dabei eine wichtige Quelle. Beim allgemeinen Insektenrückgang können wir Pferdehalter zumindest einen kleinen Beitrag leisten, in dem wir Dungkäfer und andere Insekten, welche sich an den Kothaufen laben, fördern. In der Zeit gab es mal einen schönen Artikel zu diesen Thema: Der Fladen des Lebens. Hier ein Bildausschnitt:

    Ein wichtiger Baustein ist dabei der Verzicht auf prophylaktische Wurmkur-Gaben, vor allem im Frühjahr. Der Wirkstoff Ivermectin führt zur Reduktion der Eizahlen von Dungkäfern und einem Absterben der Larven. Das bedeutet, dass der Kothaufen für die Dungkäfer zur ökologischen Falle wird….

    Gestern habe ich mal bei uns auf der Weide ein paar Haufen umgedreht und geschaut, was ich dort entdecken konnte. Leider kenne ich mich nicht mit Dungkäfer aus, aber ich meine drei unterschiedliche Arten entdeckt zu haben:

    Gemeiner Dungkäfer (Aphodius fimetarius)
    Hellrandiger Dungkäfer (Melinopterus prodromus)?
    Gefleckter Dungkäfer (Aphodius distinctus)?