Kategorie: Brutvögel

  • Strukturelemente

    Strukturelemente

    Es ist wunderbar, wenn man Lebensraumstrukturen wie Lesesteinhaufen, Totholzhaufen oder Gehölzinseln angelegt hat und diese von den zu erwartenden Arten auch tatsächlich besiedelt werden. Was für ein Glücksmoment, ein wunderschönes Zauneidechsen-Männchen nebst Weibchen auf dem Steinhaufen zu sehen, den ich vor fünf Jahren angelegt hatte.

    Zauneidechsen lassen sich mit der Anlage von Haufwerken aus Steinen und Holz als Unterschlupf und zum sonnenbaden begünstigen. Sie brauchen ein Mosaik aus lockerer und dichter Vegetation, einen grabfähigen Boden zur Eiablage und hinreichend Insekten als Nahrungsquelle.

    Wunderbar sind auch sogenannte Benjeshecken oder Totholzhaufen. Sie sind nicht nur Unterschlupf oder Nistmöglichkeit wie beispielsweise für den Neuntöter, sondern in ihnen können sich auch neue Gehölze etablieren. In dem Reisighaufen, der bei uns schon mehr als sechs Jahre liegt, haben sich Holunder, Hundsrose, Roter Hartriegel und Brombeeren etabliert. Sie werden vermutlich mit dem Vogelkot eingetragen und sind sehr gut gegen Verbiss sowie Austrocknung geschützt. Hier ein Bildervergleich der letzten Jahre und Entwicklung eines zunächst nicht so schönen Haufens zu einer wunderbaren Lebensraumstruktur.

    Reisighaufen 2020
    Reisighaufen 2024
    Reisighaufen 2026

    Und dieses Jahr ist auch wieder ein Neuntöter-Pärchen eingezogen, was mich ebenfalls sehr erfreut und zeigt, wie einfach es manchmal sein kann, Lebensräume zu schaffen. Solche Haufwerke sind auch gute Überwinterungshabitate für Reptilien, Amphibien, Insekten, Igel oder andere Kleinsäuger.

    Und es bietet sich an, das Aufwachsen von Gehölzen zu fördern, beispielsweise durch das Auszäunen von Ecken, „dem Zaun vor dem Zaun“ oder auch durch Auszäunungen innerhalb der Weideflächen zur Förderung von Gehölzinseln oder Solitärbäumen.

    In diesen – vor Verbiss geschützten – Bereichen wachsen in der Regel Gehölze von selbst auf. Das können beispielsweise sein:

    • Weißdorn (Crataegus monogyna)
    • Schlehe (Prunus spinosa)
    • Hundsrose (Rosa canina)
    • Eiche (Quercus robur, Q. petraea)
    • Roter Hartriegel (Cornus sanguinea)
    • Holunder (Sambucus nigra)

    Das ergibt nicht nur ein schöneres Landschaftsbild, strukturiert die Weideflächen, bietet Windschutz und eine gesunde Knabberei für die Pferde, solche Gebüschinseln oder Hecken bieten vor allem auch Nistmöglichkeiten für Neuntöter, Sperbergrasmücke, Amsel, Nachtigall, Mönchsgrasmücke, Dorngrasmücke etc. Und zur Blütezeit spenden sie Nektar und Pollen für Insekten und im Herbst/Winter Früchte wie beispielsweise Hagebutten für Vögel, aber natürlich auch für unsere Weidetiere – Win Win also.

  • Lebendige Zäune

    Lebendige Zäune

    Eine Hecke als Umrandung von Weiden ist wie ein „lebendiger Zaun“ und bietet viele Vorteile:

    • Sichtschutz
    • Windschutz
    • Vermeidung ungewollter Fütterung
    • Bruthabitate für Vögel
    • Unterschlupf für Kleinsäuger
    • Nahrung für Insekten
    • Biotopverbund
    • gesunde Knabberei (z.b. Hagebutten)

    Aber nach eigener Erfahrung ist es als Privatperson nicht so einfach gebietsheimische Gehölze zu bekommen, um eine Hecke zu pflanzen. Ich musste dafür nach Bad Liebenwerder zur Baumschule Fürst Pückler fahren, weil das die einzige Baumschule war, die mir gebietsheimische Gehölze anbieten konnte. Und außerdem brauchen gepflanzte Gehölze in den ersten Jahren sehr viel Pflege, also regelmäßige Wässerung und freischneiden.

    Eine kostengünstige Alternative dazu ist der „Zaun vor dem Zaun„, d.h. einen Streifen auszäunen, in dem sich Gehölze in Form von Naturverjüngung von selbst etablieren. Wir mussten im Frühjahr 2020 einen zweiten Zaun vor den anderen setzen, weil immer wieder Spaziergänger unsere Pferde gefüttert haben. Außerdem war der alte Holzzaun schon marode, nicht mehr zu erhalten und die Pappeln wurden von den Pferden geschält. Es ist faszinierend und beeindruckend, wie schnell in diesem Streifen eine Gehölzentwicklung stattfindet. Es wachsen unter anderem Eichen, Weißdorn, Roter Hartriegel und Hundsrose auf – viel schneller und vitaler als in der gepflanzten Hecke am Reitplatz.

    Der folgende Bildvergleich zeigt, wie schnell eine Hundsrose größer werden konnte seit sie vor Verbiss durch den zweiten Zaun geschützt ist. Bei einer sehr extensiven Beweidung würden Gehölze natürlich auch von allein aufwachsen und mit geringem Verbiss gut klar kommen. Aber wo es sich anbietet, kann man durch so eine einfache Maßnahme wie ein zweite Litze die Etablierung von Hecken fördern.

    April 2019
    September 2025

    Laut Fartmann et al. (Insektensterben in Mitteleuropa) konnten in schleswig-holsteinischen Wallhecken ca. 7000 Tierarten (v.a. Insekten) nachgewiesen werden. Nach Angaben bei Westphal (Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft) wurde folgende Anzahl an Tierarten in Feldhecken gezählt:

    • 45 Säugetiere
    • 50 Vögel
    • 8 Reptilien
    • 7 Amphibien
    • 800 Käfer
    • 115 Schmetterlinge
    • 110 Schlupfwespen
    • 24 Wildbienen
    • 2000 Mücken und Fliegen
    • 86 Wanzen
    • 29 Zikaden
    • 7 Heurschrecken
    • 60 Spinnen
    • 30 Schnecken

    Von Gehölzen umrahmte Weideflächen trocknen auch während Dürrephasen nicht so schnell aus wie vom Wind und der Sonne ausgelieferte Vegetationsdecken.

    Und auch für die Weidetiere liegen die Vorteile auf der Hand. Sie haben einen Windschutz und können die Bäume und Sträucher über den Zaun beknabbern. Beispielsweise enthalten Hagebutten sehr viel Vitamin C, Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Eisen etc., Flavonide, Gerbstoffe und wirken abwehrsteigernd, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Oder Weißdorn, der bekannt ist für seine unterstützende Wirkung für das Herz-Kreislauf-System und ebenfalls reich an Mineralstoffen ist.

    Aber neben den vielen Vorteilen für den Erhalt der Artenvielfalt sowie für die Weidetiere gibt es aus meiner Sicht noch einen Aspekt von Gehölzen als Umrandung von Weideflächen – das schönere Landschaftsbild:

    Und hier noch folgende Literaturempfehlungen:

  • Lebensraum Totholzhaufen

    Lebensraum Totholzhaufen

    Seit kurzem sind die Neuntöter aus ihren Winterquartieren zurück und bei uns auf den Weiden gibt es mindestens drei Brutpaare. Ein Pärchen brütet auch in diesem Jahr wieder in einem Totholzhaufen.

    Bei dieser Gelegenheit schauen wir uns diesen Totholzhaufen doch mal genauer an. Er bietet Ansitzwarten und Nistmöglichkeiten für Brutvögel, Unterschlupf für Reptilien wie Zauneidechsen oder Kleinsäuger wie Igel und vielfältige Möglichkeiten zur Überwinterung von Insekten. Und in seinem Schutz können sich auch Stauden und Gehölze etablieren.

    All meine Versuche auf den Weiden Holunder, Hasel oder Sal-Weiden durch eine Pflanzung in ausgezäunten Bereichen zu etablieren sind (weitgehend) gescheitert, weil sie nicht gegossen wurden und sofort von Rehen verbissen wurden. Aber der Holunder und die Hundsrose, die sich in dem Reisighaufen von allein entwickelt haben sind gut vor Verbiss und Austrocknung geschützt. Somit sind solche Lebensraumstrukturen eine optimale Keimzelle für Kräuter, Stauden, Sträucher und Bäume, gefördert durch den Eintrag von den Vögeln, die mit ihrem Kot Samen und Kerne hierher transportiert haben.

    Diesen Reisighaufen empfinden viele sicherlich als störend oder unordentlich und er sollte ursprünglich verbrannt werden, aber ich bin froh, dass es dazu nicht gekommen ist. Denn solche Lebensraumstrukturen sind ein wichtiges Mosaiksteinchen in einer strukturreichen Weidelandschaft, die aus meiner Sicht aus Pfaden, Wälzstellen, Weiderasen, Staudenfluren, Gebüschen, Solitärbäumen bis hin zu Baumgruppen besteht.

    Reisighaufen 2020
    Reisighaufen 2024
    Hundsrose

    Einen weiteren Totholzhaufen habe ich bewusst angelegt, um eine Eiche vor dem Schälen durch die Pferde zu schützen. Sie ist in unserer Pappelreihe von allein aufgewachsen und könnte noch in vielen Jahren Schatten spenden, wenn die Pappeln längst umgefallen sind.

    Schutz einer von allein aufgewachsenen Eiche durch einen Totholzhaufen

    Die Entwicklung einer vielfältigen Weidelandschaft braucht Zeit, deshalb ist es nie zu früh, mit Weitsicht anzufangen 😉

  • Gartenrotschwanz

    Gartenrotschwanz

    Bei uns am Hofgelände brütet jedes Jahr ein Gartenrotschwänzchen. Es ist gut durch die weiße Stirn vom Hausrotschwänzchen zu unterscheiden, wobei das auffällige Schwanzzittern auf Ansitzwarten beide Arten zeigen. Hier ist unser wunderschönes Männchen auf einem Koppelzaun:

    Dieses Jahr haben die Gartenrotschwänzchen ihr Nest wieder in unserem „Menschenunterstand“ gebaut, direkt auf dem Schalter einer Lichterkette. Bis zum Auszug der Küken können wir dort nicht entspannt sitzen, weil die Altvögel mit Futter im Schnabel in gebührendem Abstand, aber aufgeregt warten, bis wir wieder weg sind. Also haben wir diesen Platz so lange gemieden, bis die Küken ausgezogen sind. Derzeit sind die kleinen Flauschis noch in der Nähe des Unterstandes unterwegs, auch viel am Boden und werden noch von den Altvögeln gefüttert. In dieser Phase sind sie besonders gefährdet durch die Katzen der Nachbarn, die bei uns am Hof rumstromern. Ich hoffe natürlich, dass es die kleinen schaffen und sich genug Reserven anfuttern, um die Reise in ihre Überwinterungsgebiete in Afrika überstehen.

    Das Gartenrotschwänzchen brütete ursprünglich in Baumhöhlen lichter Wäldern mit aufgelockerter Strauch- und Krautschicht. Heute kommt es auch in abwechslungsreichen Gärten, Parkanlagen oder Streuobstwiesen vor und brütet in Holzstapeln, Mauerlöchern, Holzverschalungen, Nistkästen oder was es eben geschützt vorfindet.

    Wichtig ist eine ausreichende Nahrungsgrundlage, d.h. ein reich gedecktes Insektenbüfett. Bei uns sind relativ viele Insekten, allein durch die Anwesenheit der Pferde und Kühe wie beispielsweise Mücken, Bremsen, Dungfliegen oder Dungkäfer.

    Weitere hübsche Insektenquellen stellen die vielen kleinen wilden Ecken dar, wie beispielsweise am Schuppen. Hier kam die Hundskamille von allein, die Brombeere rankelt daneben auf einem Steinhaufen und ich habe noch mit Geißblatt, Esparsette, kleinem Wiesenknopf und Salbei nachgeholfen. Es ist auch einfach schön, den Hummeln Wildbienen, Schmetterlingen, Schwebfliegen & co. zuzuschaun, aber dazu ein anderes mal mehr 😉

  • Neuntöter

    Neuntöter

    Das hier ist der 100. Blogeintrag und ich widme ihn gern dem Neuntöter – Ein typischer Brutvogel der Weidelandschaften, der jetzt im Mai aus den Überwinterungsgebieten in Afrika zurückgekehrt ist.

    Seinen Namen verdankt dieser verwegene Vogel mit der Zorro-Maske seinem ungewöhnlichen Beuteverhalten. Er spießt größere Insekten wie beispielsweise Dungkäfer, aber auch Mäuse oder kleinere Vögel als Nahrungsreserve auf Dornen auf. Das heißt, er ist angewiesen auf dornige Sträucher und brütet vor allem in Schlehen und Weißdorn. Entscheidend ist für seinen Lebensraum eine strukturreiche Landschaft mit extensiver Grünlandnutzung, einem reichhaltigen Insektenangebot, in Nachbarschaft zu dichten Gebüschen aus Brombeeren, Rosen, Schlehen und Weißdorn.

    Bei uns am Hof konnte ich ihn schon öfter beobachten und vielleicht brütet er in einer der Hecken am Rand oder in diesem Reisighaufen, auf dem ich ihn mit zwei Bluthänflingen fotografieren konnte.

  • Hecken

    Hecken haben einen hohen ökologischen Wert als Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Artengruppen wie beispiesweise Insekten oder Vögel sowie für den Biotopverbund, vor allem in der „ausgeräumten“ Agrarlandschaft.

    Nach dem empfehlenswerten Buch „Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft“ von Uwe Westphal gibt es in Feldhecken ca. 800 Käferarten, über 100 Schmetterlingsarten, unzählige Wildbienen, Wespen, Mücken, Fliegen, Zikaden, Heuschrecken, Spinnen und über 50 Vogelarten. Typische Heckenbrüter sind beispielsweise Neuntöter, Sperbergrasmücke, Mönchsgrasmücke, Klappergrasmücke, Gartengrasmücke, Goldammer, Nachtigall oder Zilpzalp.

    Auch die Früchte dorniger Sträucher wie Hagebutten sind sehr beliebt bei vielen Tiergruppen und vor allem sehr gesund, auch für Pferde. Und wenn solche Gebüsche randlich von Weidetieren beknabbert werden, bilden sie ein undurchdringliches Gestrüpp und bieten auf diese Weise vielen Tieren Deckung, Versteck- sowie Nistmöglichkeiten.

    Aber warum bieten Hecken eigentlich so vielen Arten einen Lebensraum? Ursprünglich haben große Pflanzenfresser wie Wildpferd, Auerochse, Wisent & co. unsere Landschaft mitgestaltet. Dabei haben sich vor allem mit Dornen bewehrte Gehölze wie Wildrosen, Schlehen, Weißdorn, Brombeere oder Wildbirne in den Weidelandschaften durchgesetzt. Teilweise bilden sie Gebüschinseln und in hier können sich widerum Bäume etablieren (siehe Schema zur Vegetationsabfolge aus Bunzel-Drüke et al. 2008). Die Bäume können zu stattlichen Solitärbäumen heranwachsen und irgendwann stirbt das Gebüsch im Schatten ab. Und so besteht eine Weidelandschaft aus einem räumlichen und zeitlichen Mosaik aus offenen Trittstellen, Weiderasen, Krautsäumen, verschiedenen Stadien der Verbuschung, Solitärbäumen (v.a. Eichen) bis hin zu Waldinseln. Dieser reichhaltige Baukasten der Natur wurde mancherorten noch durch Tümpel, Flüsse, Überschwemmungen, Feuer, Bibertätigkeiten und viele weitere Elemente ergänzt.

    Und daran ist ein Großteil unserer heimischen Flora und Fauna angepasst. Viele Arten haben nach der Ausrottung der großen Pfanzenfresser geeignete Ersatzhabitate in der vom Menschen geformten Kulturlandschaft gefunden, zumindest bis zur Einführung der geregelten Forstwirtschaft und der industriellen Landwirtschaft.

    Heute bleibt uns aus dem ehemals gut bestückten Baukasten der Natur oft nur noch das „Werkzeug“ der Gebüsche in Form von angepflanzten Hecken als Lebensraumstruktur. Aber wer Weideland und auch die Möglichkeiten hat, könnte Bäume und Sträucher wieder mehr fördern, beispielsweise durch partielles Auszäunen, dem Verzicht auf Mulchen von Weideresten oder durch ein gezieltes Anpflanzen von gebietsheimischen Gehölzen. Ideal wäre dabei die Anlage einer mehrreihigen Hecke oder einer Baumreihe am Paddock, am Reitplatz oder entlang eines Trails.

    Bäume und Sträucher haben außerdem viele Vorteile für Pferd und Mensch: ein angenehmeres Mikroklima (vor allem im Sommer bei extrem hohen Temperaturen), Sonnenschutz, Windschutz, Erosionsschutz, gesunde Snacks in Form von Früchten und Zweigen.

    Und so haben wir auch eine Wildrosenreihe am Reitplatz angelegt und dabei folgende Arten verwendet:

    • Wildrosen (Rosa canina, R. corymbifera, R. rubiginosa, R. tomentosa, R. elliptica, Hagebutten enthalten viel Vitamin C, über 100 phytophage Insektenarten profitieren)
    • Weißdorn (Crataegus monogyna, Früchte sind gesund, vor allem für das Herz-Kreislaufsystem, über 300 phytophage Insekten)
    • Roter Hartriegel (Cornus sanguinea, die Blüten sind eine Bienenweide und ich finde einfach die Färbung schön, vor allem im Herbst ;-))

    Es hat übrigens unheimlich viel Spaß gemacht, die Sträucher zu pflanzen und es erdet ungemein. Dieses Bedürfnis im Frühjahr in der Erde zu wühlen und etwas anzupflanzen scheint ebenso fest in uns verankert zu sein, wie das Bedürfnis Tiere zu versorgen.

    Und wenn man die Möglichkeit hat, Gehölze zu pflanzen, ist es aus naturschutzfachlicher Sicht wichtig, gebietsheimische Gehölze zu pflanzen. So lockt beispielsweise der im Garten beliebte Schmetterlingsflieder (Buddleja spec.) zwar viele Schmetterlinge an, aber an ihm können sich keine Raupen entwickeln. Dagegen bietet Schlehe (Prunus spinosa) 126 Schmetterlingsarten eine Nektar- und Raupenfutterquelle oder Brombeere immerhin 77 Schmetterlingsarten. Oder der Zitronenfalter, einer der ersten Falter im Frühjahr: seine Raupen fressen nur am Laub vom Faulbaum (Frangula alnus) oder Kreuzdorn (Rhamnus cathartica).

    Falls jemand Lust bekommen hat, Bäume und Sträucher zu pflanzen, dem seien die zahlreichen Tipps des NABU, das oben genannte Buch über Hecken oder auch der Leitfaden zur Verwendung gebietseigener Gehölze empfohlen.

    Es gibt nichts gutes, außer man tut es. (Erich Kästner)

  • Vögel füttern

    Es liegt in unserer Natur, dass wir Tiere gern füttern möchten. Wir Pferdehalter kennen das, wollen wir doch selbst ständig Lecker und Möhrchen verteilen, das Futter zubereiten, als würde man seinen Liebling bekochen. Aber gleichzeitig wollen wir natürlich nicht, dass Pferde am Zaun von Fremden gefüttert werden. Sei es, weil wir nicht wollen, dass sie sich um das Futter prügeln, wir nicht wissen, was da gefüttert wird, ob die Pferde das vertragen, zu viel Fruchtzucker, was immer – nur wir wissen, was gut für unser Pferdchen ist!

    Und so gehört auch das Vögel zu füttern zu den Themen, die im Naturschutz kontrovers diskutiert werden, dabei ist es eine der einfachsten Möglichkeiten Vögel in naher Umgebung zu beobachten und uns das gute Gefühl zu geben, „Tieren zu helfen„. Vor allem für Kinder ist es eine schöne Naturerfahrung, egal ob in der Stadt oder auf dem Land.

    Aber leider kann man auch da so viel falsch machen, dass man widerum verunsichert ist, ob man überhaupt Vögel füttern sollte? Warum beispielsweise immer noch Meisenknödel in Plastiknetzen verkauft werden, in denen die Vögel mit ihren Beinchen hängen bleiben können, ist mir völlig schleierhaft. Auch mit den Fragen der Hygiene an der Futterstelle bzw. der Übertragung von Krankheiten und die Wahl des Futters sollten wir uns ein wenig beschäftigen, bevor wir dieses kleine Naturschauspiel erleben können.

    Zum Glück gibt es so viele gute Tipps und Möglichkeiten sich zu informieren, zum Beispiel beim NABU. Und eine der Tipps zum selbst gemachten Vogelfutter, wie im Video erklärt, habe ich mal ausprobiert.

    Ich konnte mir erst nicht vorstellen, dass die Schnüre im Knödel hält, aber es geht. Es ist schnell gemacht und angerichtet. So kann ich nun Kohlmeisen, Blaumeisen, Spatzen, Amseln & co. gemütlich vom Bauwagen aus gut beobachten 😉

    Vögel im Winter zu füttern, finde ich durchaus gut und richtig, weil sie in der Regel in unserer ausgeräumten Agrarlandschaft nicht genügend Futter wie Sämereien aus überständiger Vegetation oder Früchte von Sträuchern etc. finden können.

  • Der Wiedehopf – Vogel des Jahres 2022

    Ich habe ihn auch gewählt – diesen hübschen Punker der Hutelandschaften.

    Nach der Monographie aus dem Jahr 1952 von Hans Münch bevorzugt der Wiedehopf offenes Gelände mit alten Bäumen wie Viehweiden, Obstplantagen oder Wiesen und Weiden am Rande alter Laubwälder. Er ist ein Höhlenbrüter, der in unseren Breiten vor allem in Baumhöhlen beispielsweise in verlassenen Spechthöhlen brütet, in Südeuropa allerdings auch in Mauern nistet. Dabei sind ausreichende Mengen an Großinsekten als Nahrung für sich und seinen Nachwuchs entscheidend für seinen Lebensraum und die Brutplatzwahl, d.h. er braucht beides: artenreiches Grünland und alte Bäume.

    Bei Münch waren eine seiner Hauptsnahrungsquellen noch Maulwurfsgrillen, welche er heute wohl kaum noch finden wird. Er nimmt auch Heuschrecken, Käfer, Würmer, Schnecken, Spinnen, Raupen oder sogar kleine Zauneidechsen. Aber weil die Masse an Insekten in unserer intensiv genutzten Landschaft extrem abgenommen hat, wird er heute fast nur noch in Weidelandschaften wie der Döberitzer Heide mit Dunghaufen (ohne zu häufigen Einsatz von Ivermectin) fündig….

    Münch schrieb (1952!), dass der Wiedehopf „früher“ ein häufiger und allgemein weit verbreiteter Vogel war und sah die Hauptursachen für sein Aussterben im Rückgang der Viehhaltung und dem Mangel an geeigneten alten Bäumen mit Höhlen.

    In den letzten Jahren hat man im Naturschutz immer mehr Erfahrung mit künstlichen Nisthilfen gesammelt, um dem Wiedehopf zu helfen. Und so wollte ich auch gern einen Wiedehopf bei uns auf den Flächen ansiedeln und habe einen Wiedehopfkasten gebaut. Leider hat er ihn dieses Jahr noch nicht angenommen, vielleicht gefällt es ihm doch nicht so richtig bei uns. Eventuell sind die Flächen zu klein, die Insektenmasse zu gering oder ich muss noch etwas Geduld haben.

    Eine schöne Sammlung von Bauanleitungen für künstliche Nisthilfen für verschiedene Vogelarten, aber auch Fledermäuse, Insekten oder einen Igelunterschlupf findet man hier.

  • Nisthilfen

    Nisthilfen

    Künstliche Nisthilfen für Insekten, Vögel oder Fledermäuse können Lücken in unseren Ökosystemen schließen und manchen Arten helfen in unserer Kulturlandschaft zu überleben.

    Ein typisches Beispiel sind Rauchschwalben, die eigentlich schon immer zu einem Reiterhof dazu gehörten. Der Gesang von Rauschwalben ist für mich ein wichtiger Teil des Sommerkonzertes aus Pferdeschnauben, Hufgetrappel, Gekicher und dem Fegen von Besen.

    Rauchschwalben waren ursprünglich Höhlenbewohner (an Felswänden oder Steilküsten), haben aber gelernt sich Nester aus Lehm selbst zu bauen und suchen die Nähe zu Nutztieren. Viehställe haben dabei höhlenähnliche Bedingungen und genügend Mücken und Fliegen als Hauptnahrungsquelle geliefert. Aber selbst Rauchschwalben, die sich so gut an den Menschen angepasst haben, sind heute bedroht. Sie finden zwar immer noch genügend Fliegen und Mücken auf einem Pferdehof, manchmal aber nicht genug feuchten Lehm im Frühjahr oder überhaupt offene Ställe, um Nester anzulegen.

    Ich höre immer wieder, dass Schwalbennester auf manchen Reiterhöfen sogar entfernt werden, was nicht nur gegen das Naturschutzgesetz verstößt, sondern aus meiner Sicht absolut unverständlich ist. Ich hätte gern Rauchschwalben in Glindow, schon allein, weil ich ihren Gesang vermisse. Und es gilt: „In dem Haus, in dem Schwalben ihre Nester bauen, zieht das Glück ein“. 😉

    Bereits im letzten Frühjahr habe ich deshalb eine künstliche Nisthilfe am Unterstand angebracht. Diese Nisthilfe wurde allerdings nicht angenommen, weil der Standort wohl zu zugig und zu wenig „höhlenähnlich“ war…

    Dieses Jahr starte ich einen neuen Versuch, Rauchschwalben bei uns anzusiedeln.

    Falsch angebrachtes künstliches Rauchschwalbennest
    Neuer Versuch

    Auch Fledermäuse sollten eigentlich hinreichend Nahrung auf Pferdeweiden finden können, aber oft fehlen geeignete Quartiere wie Baumhöhlen oder lose Rinde, weil es zu wenig alte Bäume mit solchen Habitatstrukturen gibt. Dabei nutzen Spaltenbewohnende Fledermausarten auch gern Holz-Verschalungen oder Fensterläden der menschenlichen Siedlungen. Wie bei der Rauchschwalbe sind auch selbst Fledermausarten, die sich an den Menschen und seine Umgebung angepasst haben, vom Aussterben bedroht. Gebäudesanierung, glatte Fassaden und der Insektenrückgang macht unseren „Kulturfolgern“ wie Mauersegler, Schwalben oder bestimmten Fledermausarten zu schaffen.

    Zumindest den Spaltenbewohnenden Fledermausarten wie Breitflügel- oder Zwergfledermaus kann jedoch mit künstlichen Ersatzquartieren geholfen werden.

    Ich habe die Fledermauskästen und Rauchschwalbennester einfach beim NABU-Shop bestellt. Aber wer Spaß am Basteln hat, findet auch sehr viele Anleitungen zum selbst bauen von Nisthilfen. Eine gute, umfangreiche Broschüre mit Bauanleitungen, Artportraits, Lebensräumen, Nahrung und Hinweisen zum Anbringen der Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten findet man hier.

  • Wintervögel

    Endlich hat es geschneit und der Winter ist da 🙂

    Jetzt im Winter zeigt sich, ob unsere Weiden noch genug hergeben für Vögel, die im Winter bei uns bleiben. Amsel, Meisen, Sperling, Zaunkönig, Eichelhäher und viele weitere Vögel kann man im Winter sehr gut beobachten, wenn man ihnen Nahrung bietet. Die Hundsrose beispielsweise trägt noch im Winter beliebte, rote Früchte. Hagebutten sind nicht nur für die Pferde sehr gesund, da sie viel Vitamin C enthalten, sondern dienen auch unseren Wintervögeln als wichtige Nahrungsquelle. Folgende Abbildungen stammen aus dem Tagebuch der Edith Holden und verdeutlichen wunderbar den Wert von „Wilden Ecken“ – auch auf der Pferdeweide.

    Sehr wichtig ist auch überständige Vegetation mit Sämereien, von denen sich die Vögel im Winter, wenn es keine Insekten gibt, ernähren können. Bei uns gibt es noch einige Bereiche mit überständiger Vegetation und Sträuchern wie Hundsrose, Brombeere oder Weißdorn. Wenn die Pferde nicht so extensiv gehalten werden können, wäre es auch hilfreich, Teilbereiche auszuzäunen.

    Ich habe jetzt auch einen Bereich mit insgesamt fünf Eichen auszäunen müssen, weil der Verbiss und das Schälen durch die Pferde so stark ist, dass die Gefahr bestand, dass die Eichen eingehen. Solche ausgezäunten Bereiche haben auch den Vorteil, dass die Vegetation über den Winter stehen bleiben kann, als Überwinterungsmöglichkeit für Insekten und mit Nahrungsangebot für Vögel.

    Ansonsten ist es natürlich auch legitim Vögel einfach zu füttern, wenn man sie im Winter unterstützen und beobachten will. Tipps zur Vogelfütterung findet man beispielsweise beim NABU.

    Und nächstes Wochenende ist auch wieder Stunde der Wintervögel – eine gute Gelegenheit mal die Vögel auf der eigenen Weide, im Garten oder am Haus zu beobachten. Viel Spaß dabei 🙂

  • Koppel aufräumen

    Koppel aufräumen

    Jetzt wo man langsam „Land sieht“ auf unseren Flächen, habe ich angefangen Steine zu sammeln…

    Der Plan war eigentlich große Steine für einen Lesesteinhaufen zu sammeln. Mit jeder Bearbeitung wie schleppen oder mulchen kommen auch immer wieder mehr oder weniger große Steine hoch. Seit jeher werden solche Steine, die mit der letzten Eiszeit transportiert wurden, am Feldrand abgelegt.

    Lesesteinhaufen sind Versteckmöglichkeiten, Sonnplätze und Überwinterungs-möglichkeiten für eine Vielzahl von Artengruppen wie Insekten, Spinnen, Reptilien, Amphibien oder auch Brutplätze beispielsweise für den Steinschmätzer.

    Aber als ich mich mit meiner Schubkarre aufgemacht habe, um Steine von unseren Flächen zu sammeln, habe ich auch gleich noch viel mehr gefunden, was durch die Bearbeitung zu Tage kam. Eine vielfältige Auswahl an Glas, Metall, Stoff und Plastik. Es ist also eine gute Gelegenheit mal die Koppel aufzuräumen 😉

    Eine gute Anregung wie man Lesesteinhaufen anlegt, findet man hier.

    Dabei macht es auch durchaus Sinn, Holz das verstreut rumliegt auf einen Haufen zu schichten. Zum Einen schafft man dadurch Lebensraumstrukturen und zum Anderen stören die Holzstämme nicht bei der nächsten Bearbeitung wie Mahd, Mulchen oder Schleppen. Hier habe ich beispielsweise Holzteile kurzerhand zu einem kleinen Haufen zwischen zwei Sträuchern aufgeschichtet.

    Auch die Vielzahl an Ästen, die zusammen kam, als wir Sträucher und alte Obstbäume entastet haben – vor allem zum Schutz der Pferdeaugen – wurden als Totholzhaufen liegen gelassen. Oder wenn mal die eine oder andere alte Pappel umfällt, bietet sie sicherlich auch Brennholz, aber nicht im Ganzen, es darf auch gern etwas liegen bleiben…

    Bereits durch meinen Vorgänger aufgestalpeter Holzhaufen aus Ästen, die wegen der Verletzungsgefahr von den Sträuchern entfernt wurden.
    Umgestürzte Pappel, die teilweise aufgearbeitet wurde. Der Stubben blieb als stehendes Totholz erhalten und die Reste wurden als Haufen innerhalb der Baumreihe aufgeschichtet.
    Ebenfalls durch meine Vorgänger am Rand abgelegte Stämme von umgefallenen Pappeln als wertvolle Lebensraumstruktur und Mikrohabitat

  • Was ist Natur (-schutz)?

    Ich stelle immer wieder fest, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was „Natur“ ist. Und dementsprechend auch viele Missverständnisse, was dann eigentlich „Natur-Schutz“ ist….

    Für viele Menschen ist Wald die einzig wahre Natur. Aber kennen wir einen „natürlich“ aufgewachsenen Wald? Abgesehen von den Heiligen Hallen – ein 25Hektar kleines Waldstück, das sich seit dem 30-jährigen Krieg vermutlich selbst etabliert hat und zumindest seit Ende des 19. Jahrhunderts ohne menschlichen Einfluss, also sich selbst überlassen ist. Ansonsten kennen wir nur geregelte Forstwirtschaft, Holzplantagen angelegt in viereckigen Forstrevieren, meist auf Flächen, die bis zum 19. Jahrhundert noch Offenland waren. In Brandenburg wurden in der Regel Kiefern angepflanzt. Sicherlich gibt es hier und dort kleine Inseln aus Buchenwäldern, reliktartig eingestreute Eichenwälder, Moorwälder, Ulmen-Hang- oder Auenwälder aus natürlicher Sukzession.

    Aber wie würde unsere Landschaft aussehen, wenn nicht mehr als die Hälfte des Landes landwirtschaftlich genutzt wäre, wenn nicht alle Flüsse begradigt und eingedeicht wären, Niedermoore entwässert, Wälder angepflanzt? Wenn Biber machen könnten, was sie wollen, wenn sich Feuer ausbreiten könnten und der Mensch nicht alle großen Säugetiere wie Auerochsen, Wisente, Pferde, Wölfe und Bären ausgerottet oder verdrängt hätte?

    https://www.abu-naturschutz.de/veroeffentlichungen/wilde-weiden

    Wir können es uns nicht vorstellen, aber mit Sicherheit wäre Mitteleuropa nicht vollständig von Wald bedeckt. Und der Großteil unserer Artenvielfalt, die wir im Naturschutz erhalten wollen, ist an offene Lebensräume und Habitatkomplexe gebunden. Artenvielfalt braucht ein zeitliches und räumliches Mosaik aus offenem Boden, Weiderasen, Hochstaudenfluren, Röhrichten, Gebüschen, Baumgruppen bis hinzu geschlossenen Wäldern. Beispielsweise sind die meisten Tagfalterarten an Offenland und Säume gebunden. Aber genau diese Bereiche fehlen uns heute durch die strikte Trennung von Wald, Wiese und Acker.

    Noch bis zur Einführung der industriellen Land- und Forstwirtschaft sowie der Entwässerung der Moore und Begradigung all unserer großen Flüsse haben viele Arten durchaus Ersatzhabitate in den von Menschen geschaffenen Lebensräumen gefunden. „Kulturfolger“ fanden neue Nischen in den anthropogen geprägten Landschaften mit ihren Äckern, Wiesen, Weiden, Wegsäumen, Hecken, Streuobstwiesen und Hutewäldern.

    Aber mit der Intensivierung der Landnutzung, der Einführung von Großtechnik, Pestiziden, Mineraldünger und der Trennung von Wald und Offenland nahm die Artenvielfalt rapide ab.

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    WIJNGAERDT, ANTHONIE JACOBUS VAN
    (Rotterdam 1808 – 1887 Haarlem)
    Weidelandschaft.
    Naturschutz mit Wasserbüffel und Koniks in der Döberitzer Heide

    Von den Pflanzenfressern, die einst die Landschaft mitgestaltet haben, sind uns nur noch Reh und Hirsch geblieben, die anderen kennen wir nur als fossile Reste oder Höhlenmalerei. Wildschweine und Biber gestalten noch in kleinem Rahmen ihre Umgebung. Und ansonsten versuchen Naturschützer mit viel Arbeit, größtenteils im Ehrenamt Artenvielfalt zu bewahren. Dabei besteht der praktische Naturschutz meist aus der Pflege von Wiesen und Weiden.

    Gleichzeitig haben wir sehr viel Grünland, das von Pferdehaltern genutzt wird und durchaus das Potential hätte, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten:

    • Wenn Pferdeweiden nicht so stark überbeweidet werden und es im Sommer auch Blühaspekte gibt.
    • Wenn auch mal Weidereste von Brennnesseln, Disteln oder Beifuss über den Winter stehen bleiben können.
    • Wenn man Wilde Ecken und ggf. auch auf das Aufwachsen von Sträuchern wie Wildrose oder Weißdorn zulassen kann.
    • Wenn man bestehende Lebensraumstrukturen wie Gehölzgruppen, Kleingewässer oder Totholzhaufen erhält und/oder gezielt fördert.
    • Wenn man sich als Pferdehalter mit Wurmkuren zurückhalten würde, nur im Winter eine Wurmkur gibt und ansonsten nur selektiv entwurmt.
    • Wenn man auf Schleppen, Walzen und Mulchen während der Brutsaion (Anfang März bis Juli/August) verzichtet.
    • Wenn man auf Mineraldünger und Pestizide verzichtet.
    • Wenn man auf Nachsaat mit konventionellem Saatgut verzichtet (Ausnahme ist natürlich regiozertifiziertes Saatgut) und lieber auf Pioniervegetation setzt.

    So könnten alle Pferdehalter zum aktiven Naturschützer werden. 🙂

    Noch mehr konkrete Tipps für Pferdehalter gibt es hier:

  • Wilde Ecken

    Auch mal was stehen lassen für die Insekten – das ist gar nicht so leicht....

    Man möchte es ja gern sauber und ordentlich haben und wenn man schon mulcht, ist natürlich der Impuls da, gleich die ganze Fläche zu putzen. Aber ich konnte mich zusammenreißen und einen ca. 20m breiten Streifen stehen lassen. Hier haben wir schon angefangen, die Graukresse per Hand rauszureissen und der Rest muss noch nachgearbeitet werden. Ansonsten wachsen hier typische Arten der Ruderalfluren wie Weißer Gänsefuss, Amaranth, Rainfarn, Wegwarte, Brennnessel, Kanada-Goldrute, Kratzdistel, Große Klette, Sauerampfer, Beifuss und Schafgarbe. Sie bieten den Insekten noch ein wenig Nahrung als Nektarpflanzen und den Vögeln Samen über den Winter.

    Aber vor allem sind diese überständigen Vegetationsstrukturen wichtige Überwinterungslebensräume für Insekten. Beispielsweise legen Heuschrecken ihre Eier in Pflanzenstängel oder in der Bodenstreu ab, so dass sie auf mehrjährige Ackerbrachen, Blühstreifen oder Altgrasstreifen angewiesen sind. Auch Tagfalter legen meist ihre Eier an Pflanzenteilen ab, in der Regel der Futterpflanze der Raupen. Viele Insekten brauchen eine vom Herbst bis zum Frühjahr ungestörte Streuschicht am Boden oder überständige Vegetation zur Überwinterung der Larven und Puppen.

    Deshalb sollte man im Garten und auf dem Ponyhof nicht allzu ordentlich sein und auch mal ein paar Wilde Ecken zulassen und einfach mal was stehen lassen.

  • Von Vögeln & Insekten

    Unser Hausrotschwänzchen ist fleißig dabei seine Jungen zu füttern. Gestern konnte ich es dabei beobachten, wie es eine besonders fette Raupe zum Nest getragen hat.

    Aus dieser Raupe wäre vielleicht mal ein Schmetterling geworden. Und so leicht kann man eigentlich nachvollziehen, wie alles zusammen hängt: ohne Insekten keine Vögel, keine Fledermäuse, keine Amphibien, keine….

    Natürlich gibt es viele Ursachen für den Artenschwund, die sicherlich alle zusammen spielen. Die ausgeräumte Agrarlandschaft, in der jegliche Strukturen fehlen – sogar einfache Feldwege mit natürlichen Blühstreifen werden umgebrochen. Großflächig wird Gift gespritzt, was beschönigt „Pflanzenschutzmittel“ genannt wird. Klimawandel, invasive Arten die andere verdrängen wie Waschbär & co., zu aufgeräumte Gärten mit englischem Rasen und Gehölzen, die keinen Nutzen für unsere heimische Fauna haben. Bis hin zu Hauskatzen, die den Vögeln den letzten Rest geben…

    Aber was kann jeder selbt tun, um der Natur ein kleines Stück wieder zurückzugeben? Vielleicht eine kleine wilde Ecke lassen, eine kleine Bienenweide anlegen. Schwalben, Mauersegler und Rotschwänzen gewähren lassen, sich an ihrem Gesang erfreuen und nicht über ihre Hinterlassenschaften ärgern. Ein einfaches Brett unter einem Schwalbennest kann schon helfen, dass man nicht „angeschissen“ wird ;-).

  • Pferdeäppel als Lebensraum

    Wenn man auf häufige Wurmkuren verzichtet und mal einen Pferdehaufen ausbreitet, kann man ein kleines Wunder erleben. Es kreucht und fleucht, wimmelt und lebt….

    Jetzt wo die Vögel ihre Jungen mit Nahrung versorgen müssen, ist es besonders wichtig, dass es genug Insekten gibt. Und so ein Pferdehaufen ist dabei eine wichtige Quelle. Beim allgemeinen Insektenrückgang können wir Pferdehalter zumindest einen kleinen Beitrag leisten, in dem wir Dungkäfer und andere Insekten, welche sich an den Kothaufen laben, fördern. In der Zeit gab es mal einen schönen Artikel zu diesen Thema: Der Fladen des Lebens. Hier ein Bildausschnitt:

    Ein wichtiger Baustein ist dabei der Verzicht auf prophylaktische Wurmkur-Gaben, vor allem im Frühjahr. Der Wirkstoff Ivermectin führt zur Reduktion der Eizahlen von Dungkäfern und einem Absterben der Larven. Das bedeutet, dass der Kothaufen für die Dungkäfer zur ökologischen Falle wird….

    Gestern habe ich mal bei uns auf der Weide ein paar Haufen umgedreht und geschaut, was ich dort entdecken konnte. Leider kenne ich mich nicht mit Dungkäfer aus, aber ich meine drei unterschiedliche Arten entdeckt zu haben:

    Gemeiner Dungkäfer (Aphodius fimetarius)
    Hellrandiger Dungkäfer (Melinopterus prodromus)?
    Gefleckter Dungkäfer (Aphodius distinctus)?