Schlagwort: Giftpflanzen

  • Blühende Landschaften

    Blühende Landschaften

    Seit nunmehr sieben Jahren versuchen wir die Flächen mit Graukresse (Berteroa incana) und Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) in artenreiches Grünland umzuwandeln. Es geht dabei um einen kleinen Beitrag zum Erhalt von Biodiversität und der Schaffung einer gesunden Nahrungsgrundlage für unsere vierbeinigen Lieblinge.

    Neben dem Zurückdrängen der Graukresse und der Kanada-Goldrute sollen die Weiden mit Kräutern angereichert werden, durch Förderung der Pioniervegetation und Einsaat in offene Bodenstellen (zb Wildschweinstellen) sowie Mahdgutübertragung aus einer Einsaatfläche. Dabei verwenden wir regiozertifiziertes Saatgut aus dem Ursprungsgebiet 4 – Ostdeutsches Tiefland.

    Die (für Pferde giftige) Graukresse konnte in den letzten Jahren durch die Vermeidung von Überbeweidung bzw. Schonung der Grasnarbe, Mahd, Mulchen und vor allem durch händisches Rausreißen zurückgedrängt werden.

    Dabei haben wir beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass das Mulchen nur sinnvoll ist, wenn die Graukresse vor der Bildung von Samenkapseln/Schötchen gemulcht wird, weil sie ansonsten nachreifen kann. Auf dem folgenden Foto wurde die Graukresse im Juli gemulcht, was schon zu spät war.

    Die gleiche Fläche, aus der gleichen Perspektive in diesem Jahr fotografiert zeigt, dass unsere Maßnahmen – in Bezug auf die Graukresse – durchaus erfolgreich waren.

    Wir haben dieses Jahr Anfang Juni mulchen lassen, aber die Graukresse hat es geschafft noch einmal zur Blüte und zur Ausbildung von Samenkapseln zu kommen. Aus diesem Grund mussten wir die Graukresse noch einmal vollständig händisch rausziehen. Aktuell fragen wir uns, ob es überhaupt Sinn macht, zu mulchen oder ob man sie von vornherein rauszupfen sollte?

    Das Problem ist auch der Samenvorrat im Boden aus den letzten Jahren. Ein Schötchen enthält ca. zehn Samen und an einer Pflanze können hunderte von Schötchen sein…

    Die Graukresse ist vor allem mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt und hat in den letzten Jahren von den Dürre-Ereignissen profitiert, weil sie dadurch einen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Pflanzen hat.

    Und auch die Goldrute wurde dieses Jahr wieder „geärgert“ mit Mulchen und einer temporären Beweidung mit Schafen. Es wäre illusorisch, die Goldrute komplett loszuwerden, dafür müsste man sie rausreißen oder den Oberboden inklusive ihrer Rhizome abtragen. Das geht natürlich nicht auf zehn Hektar, deshalb können wir nur jedes Jahr immer wieder dafür sorgen, dass sie zurückgedrängt wird. Würde der Druck nachlassen, würde sie wieder 100% Deckung einnehmen. Im Folgenden der Vergleich zweier Flächen mit Goldrute im Jahr 2019 und heute.

    Wenn wir es schaffen, Goldrute und Graukresse zurückzudrängen machen wir auch Platz für Artenvielfalt und eine gesunde Grasnarbe. In den letzten Jahren sind auf den Weiden unter anderem neu dazugekommen: Labkraut (Galium mollugo agg.), Grasnelke (Armeria maritima subs. elongata), Wilde Möhre (Daucus carota), Margarite (cf. Leucanthemum ircutianum), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe subd. stoebe), Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), Lichtnelke (Silene vulgaris) usw.

    Das Ziel ist die Schaffung bunter Wiesen mit verschiedenen Gräsern und Kräutern als gesunde Nahrungsgrundlage für unsere Tiere und ein reiches Blütenangebot für Wildbienen, Tagfalter etc. – Das Generieren blühender Landschaften statt tot geweideter Paddocks oder Brachen mit Goldrute.

  • Was macht eigentlich…

    Was macht eigentlich…

    das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis)? In diesem Jahr – also fünf Jahre nach der Einrichtung – können unsere Pferde zum ersten Mal auf die Fläche, die sonst um diese Jahreszeit von Frühlings-Greiskraut dominiert wurde.

    Mai 2021
    Mai 2026

    In den letzten Jahren konnte diese Fläche nur gemulcht werden, weil es hier immer einen schönen Wechsel im Blühaspekt von gelb zu weiß gab, also von Frühlings-Greiskraut im April/Mai zu Graukresse (Berteroa incana) im Juni. Neben dem mulchen der Fläche, wurden die Pflanzen, auch das vereinzelt vorkommende Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea), mit der Hand rausgezogen. Es ging darum, das Aussamen zu verhindern, obwohl natürlich auch von Nachbarflächen immer wieder Samen einwehen können. Aber die gute Nachricht ist, Frühlings-Greiskraut ist einjährig, d.h., nach dem Aussamen stirbt die Pflanze ab und es lohnt sich ihre Reproduktion auf diese Weise zu unterbinden. Die rausgezogenen Pflanzen müssen im Hausmüll entsorgt werden, da Greis- bzw. Kreuzkräuter die Fähigkeit haben nachzureifen. Das bedeutet, wenn man sie auf den Kompost wirft, können die Samen immer noch mit dem Pappus (Haarkelch als Schirmchen) umherfliegen.

    Und dadurch, dass die Fläche endlich abgeweidet werden kann, ist eine gewisse Aushagerung möglich, weil die Biomasse abgeschöpft wird. Denn dieser Teil unserer Weideflächen ist relativ sandig, mager und hat das Potential zur Entwicklung eines Sandtrockenrasens. Es gibt immerhin schon Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Sandstrohblume (Helichrysum arenarium) und Berg-Sandglöckchen (Jasione montana) als charakteristische Arten für Sandmagerrasen. Dieses Jahr ist auch viel Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) dazu gekommen, was einen hübschen Blühaspekt ergibt.

    Das heißt, es waren zum ersten Mal nur noch so wenig Individuen vom Frühlings-Greiskraut, dass wir sie händisch rausziehen konnten. Hier noch Fotos einer Rosette vom Jakobs-Kreuzkraut, die mit einem Handstecher rausgestochen werden muss und rausgezogene Exemplare vom Frühlings-Greiskraut. Frühlings-Greiskraut blüht aktuell, ist spinnwebartig behaart und wie alle Arten der Gattung Senecio giftig, weil es Pyrrolizidinalkaloide enthält, die auf Dauer die Leber schädigen.

  • Graukresse

    Graukresse

    Im letzten Blogeintrag zur Graukresse im März diesen Jahres war ich noch sehr optimistisch, dass wir das Problem mit Rausziehen der einzelnen Pflanzen in den Griff bekommen. Denn es wäre schön, wenn man ohne Mähen oder Mulchen auskommt, um Insekten etc. zu schonen, aber in diesem Jahr hat sich die Graukresse wieder besonders stark ausgebreitet.

    Sie hat anscheinend davon profitiert, dass es erst eine Dürrephase im Mai, Juni und dann eine Regenphase im Juli gab. Sie ist durch ihre Sternhaare auf der Oberfläche sehr gut gegen Verdunstung geschützt und kommt mit Dürre super zurecht, da sie ursprünglich aus Halbwüsten-Regionen wie Mittelasien kommt. Sie kommt laut FloraWeb auf nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren vor und man kann sie aktuell in Brandenburg, (vor allem auf sandigen Standorten) häufig bewundern…

    Wir haben sie in den letzten Jahren vor der Ausbildung der Samenkapseln gemulcht und hatten sie damit ganz gut zurück gedrängt. Jetzt nach dem Regen im Juli ist sie wieder massenhaft auf unseren Weiden zurück gekehrt und hat bereits Samenkapseln ausgebildet. Nun muss die gesamte Pflanze durch rausziehen oder mähen entfernt werden, da sie sonst nachreifen kann und beim mulchen werden die kleinen Samen nicht zerschlagen, bleiben liegen und man kann sich den Maschineneinsatz sparen.

    Da es nun also zu spät zum mulchen ist, müssen wir sie per Hand rausziehen, was sehr aufwendig, mühselig und zeitraubend ist. Und jede Graukresse, die ich bisher rausgezogen habe, ist auch verbissen, d.h., sie wird (mit-)gefressen, auch wenn noch sehr viel anderes Futter da ist…

    Die ganz besonders schlimmen Flächen haben wir zunächst ausgezäunt, um sie mit einem Rasenmäher (mit Korb) zu mähen und zumindest ein weiteres Aussamen zu verhindern.

    Tja, wie sagt Bent Branderup ? „Schöne Zeit mit dem Pferd verbringen“ …

    Aktuell dürfen wir vor allem beim Graukresse rupfen schöne Zeit mit unseren Pferden verbringen 😉

  • Update Frühlings-Greiskraut

    Update Frühlings-Greiskraut

    Wie versprochen halte ich Euch auf dem Laufenden in Bezug auf das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis).

    Wir haben eine Fläche, die wir im Jahr 2021 neu eingerichtet haben, d.h. von Müll, Bewässerungs- und Wildzaunresten beräumt und einen Weidezaun gebaut. Hier kommen vereinzelt Sandstrohblume, Berg-Jasione und Kleines Habichtskraut vor, die das Potential zur Entwicklung eines mageren Trockenrasens aufzeigen. Aber bislang konnten wir diese Fläche nicht von den Pferden beweiden lassen, weil sich hier besonders viel Frühlings-Greiskraut und Graukresse breit gemacht haben. Neben dem händischen Ausreißen, konnten wir diese Fläche bislang nur mulchen, um die Giftpflanzen in den Griff zu bekommen, was einer Aushagerung und Entwicklung zum Trockenrasen natürlich im Wege steht.

    Der Folgende Bildervergleich zeigt jeweils die Fläche im Mai 2021 und Mai 2024. Ja, es gibt noch einzelne Individuen des Frühlings-Greiskrautes, Graukresse und immer wieder auch Rosetten vom Jakobs-Kreuzkraut. Aber nicht mehr in den Massen, wie wir es im ersten Jahr mit Beginn der Pflege vorgefunden haben. Das Jakobs-Kreuzkraut ist so überschaubar, dass man die Rosetten einfach ausstechen kann. Das Frühlings-Greiskraut ist wie bereits beschrieben einjährig, das heißt, wenn man es daran hindert auszusamen, kann man es in Schach halten.

    Aktuell dominiert aus diesem Blickwinkel die Taube Trespe, eine Art der trocken-warmen Ruderalstandorte auf Sandböden und ein mäßiger Stickstoffzeiger. Das heißt die Fläche kann und sollte nun auch in die Beweidung einbezogen werden, um sie auszuhagern und um sie in einen arten- und blütenreichen Trockenrasen zu entwickeln. Wünschenswerte Kennarten wären beispielsweise:

    • Grasnelke (Armeria elongata)
    • Rispen-Flockenblume (Centaure stoebe)
    • Karthäuser Nelke (Dianthus carthusianorum)
    • Sandstrohblume (Helichrysum arenarium)
    • Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella)
    • Berg-Sandglöckchen (Jasione montana)
    • Duft-Scabiose (Scabiosa canescens)
    • Sand-Thymian (Thymus serpyllum)

  • Einsaat – Sinn und Unsinn

    Einsaat – Sinn und Unsinn

    In entsprechenden Foren oder Gruppen der social media wird häufig die Frage nach der richtigen Einsaat für Pferdeweiden gestellt. Dabei lässt sich oft an den Antworten ablesen, dass sich die Erkenntnis noch nicht durchgesetzt hat, dass Weidelgras kein geeignetes Futter für Freizeitpferde ist. Weidelgras ist zu gehaltvoll für Pferde, die nicht arbeiten und dazu noch sehr gute Futterverwerter sind, vor allem für die Robustrassen unter den Freizeitponys.

    Weidelgras ist ein protein- und zuckerreiches Futtergras für Rinder und Pferde, die Leistungen erbringen müssen und ansonsten bildet es den typischen englischen Rasen aus. Schauen wir uns beispielsweise die Zusammensetzung der Pferdeweide Universal an:

    15 % Wiesenlieschgras, 5 % Rotschwingel, 5 % Wiesenrispengras, 75 % Deutsches Weidelgras

    Weidelgras bildet schnell eine Grasnarbe und sieht schön grün aus, funktioniert aber auf Dauer nur, wenn die Flächen nicht wieder hoffnungslos übernutzt werden und es keine Dürreperioden gibt. Und Kräuter, die der Pferdegesundheit und der Biodiversität gleichermaßen zuträglich wären, sucht man in dieser Mischung vergeblich. Wiesenlieschgras und Wiesenrispengras sind eher für frische Standorte geeignet, eigentlich kommt nur der Rotschwingel für die märkische Streusandbüchse in Frage. Und auch die Zusammensetzung der Brandenburger Pferdeweide hat genau die gleichen Arten, nur weniger Weidelgras und dafür Wiesenschwingel, eine Art der frischen bis feuchten Standorte:

    5 % Wiesenschwingel, 20 % Wiesenrispengras, 18 % Wiesenlieschgras, 23 % Rotschwingel, 24% Deutsches Weidelgras

    Da muss man sich gut überlegen, ob die Kosten für das Saatgut und die Einsaat im Verhältnis zum gewünschten Ergebnis stehen. Und nur um eine Übernutzung kaschieren zu wollen, halte ich es ohnehin für zwecklos, wenn die Flächen auf Dauer nicht geschont werden können. Da sollte man lieber auf Pioniervegetation setzen, die ist auch schön grün und sicherlich gesünder als Weidelgras. Im Folgenden ein Fotovergleich einer intensiv genutzten Heustelle mit offenem Boden, die sich mit Vogelknöterich, Portulak, Amarant und Weißen Gänsefuss selbst wieder begrünt hat.

    Und obwohl ich ein Verfechter von Pioniervegetation bin, habe ich auch schon oft versucht Pflanzen aus Saatgut zu etablieren. Warum? Weil ich den Eindruck habe, dass sich bei uns keine Grünlandarten in der Samenbank befinden. Die Flächen wurden früher als Fichtenplantage und nach ihrer Abholzung (für die Ziegelei in Glindow) vornehmlich als Gartenland genutzt. Danach sind diese Flächen vermutlich brach gefallen und es haben sich Dominanzbestände mit Kanada-Goldrute entwickelt.

    Das Ausbringen von Saatgut hat in diesem Fall also den Sinn, die Flächen naturschutzfachlich aufzuwerten und dem Ziel einer artenreichen Pferdenweide ein Stückchen näher zu kommen. Dafür kommt für mich nur standortangepasstes, regiozertifiziertes Saatgut in Frage. Bislang war jedoch noch nie etwas von dem Saatgut aufgelaufen, das ich in den Rillen der Wiesenschleppe oder „von Wildschweinen vorbereiten Stellen“ ausgebracht habe. Die schönen, offenen Wildschweinstellen wurden, inklusive Saatgut schnell von Brennnessel, Graukresse, Beifuß, Rainfarn & co. wieder überwuchert.

    Nun hat sich dieses Jahr die Chance ergeben, eine neu einzurichtende Fläche mit ca. 2000qm komplett einzusäen. Eingesät wurde dabei eine regiozertifizierte Saatgutmischung mit einem Kräuteranteil von 30% (siehe unten stehende Artenliste). Dieses Mal wollte ich es richtig machen (lassen), mit kombinierter Saatbettvorbereitung und anwalzen durch einen ortsansässigen Landwirt.

    Einsaat im April
    Anwalzen direkt nach der Einsaat
    Mitte Juli, es dominieren Arten der Äcker und Unkrautfluren

    Anfang Juli habe ich den ersten Pflegeschnitt händisch mit Freischneider und abharken des Mahdgutes durchgeführt, weil sich aufgrund des hohen Anteils an Graukresse kein Heu daraus gewinnen ließ. Die Graukresse war natürlich nicht im Saatgut, aber offensichtlich in der Samenbank. Ein bis zwei Pflegeschnitte sind je nach Aufwuchs notwendig, um ungewollte „Ackerunkräuter“ wie Graukresse oder Kanadisches Berufkraut zu minimieren und die Arten im Saatgut zu bevorteilen.

    durchaus erkennbare Drillreihen im Mai mit Graukresse-Rosetten
    Graukresse wie gesät im Juni
    zweiter Pflegeschnitt Ende Juli

    Eine Artenliste der Saatgutmischung im Vergleich zu den Arten, die ich im Juli aufgenommen habe, zeigt, dass bislang nur wenig Pflanzen aus dem Saatgut aufgelaufen sind. Die Pflanzenarten aus dem Saatgut sind grün und die Pflanzenarten, die sich auch etabliert haben sind dunkelgrün markiert. Der Anteil Juli 2023 in Prozent ist dabei eine reine Schätzangabe und die Stickstoffzahl nach Ellenbergs Zeigerwerten (x=indifferent).

    Viele Pflanzenarten, die von allein aufgelaufen sind, sind Arten der Äcker und kurzlebigen Unkrautfluren wie Küsten-Kamille, Kanadisches Berufkraut oder Hohe Rauke und Stickstoffzeiger (gelb markiert) wie Brennnessel, Beifuß oder Weißer Gänsefuß.

    Ich hoffe, dass spricht für sich, dass es auch Unsinn wäre, zu düngen. Wir haben ohnehin schon eine extrem überdüngte Landschaft und artenreiches Grünland lässt sich nur bei einer Aushagerung entwickeln, weil sonst konkurrenzstarke Arten dominieren. Gefährdete Arten der Roten Liste wie beispielsweise Heide-Nelke, die auch im Saatgut war, sind an nährstoffarme Verhältnisse angepasst und verschwinden bei Überdüngung bzw. werden von den konkurrenzstärkeren Arten verdrängt.

    Immerhin habe ich mich über einzelne Wiesen-Margariten und Gewöhnliches Leimkraut freuen können, die ich teilweise beim mähen stehen gelassen habe. „Allerweltsarten“ wie Schafgarbe, Wilde Möhre, Weiße Lichtnelke, Wegwarte oder Spitzwegerich wären vermutlich auch ohne Einsaat gekommen, aber ich heiße sie willkommen. Ich würde mich freuen, wenn noch Heide-Nelke, Wiesen-Flockenblume und Kleine Braunelle auftauchen – vielleicht im nächsten Jahr?

    Insgesamt muss man sich auch hier fragen, ob der Input an Kosten, Diesel und Arbeit im Verhältnis zum Ergebnis stehen? Denn der Zweck der Einsaat war eigentlich via Mahdgutübertragung die Weideflächen aufzuwerten, davon muss man jedoch aktuell noch Abstand nehmen und das Mahdgut wegen dem hohen Graukresse-Anteil entsorgen. Immerhin ein paar schöne Blühaspekte gibt es:

  • Jakobs-Kreuzkraut

    Jakobs-Kreuzkraut

    Na wunderbar, noch so ein Kandidat…

    Obwohl ich letztes Jahr alle Rosetten des Jakobs-Kreuzkrautes rausgezogen habe, zumindest die ich gesehen habe, hat sich mindestens die doppelte Menge mit schönen Blüten und durchaus vielen Schmetterlingen daran etabliert. Nun möchte ich mich ja an Artenvielfalt auf unseren Weiden erfreuen und jede Blüte ist für Insekten willkommen in unserem sonstigen Einheitsbrei aus Glatthafer, Kanada-Goldrute und Landreitgras. Aber müssen es ausgerechnet Graukresse, Frühlings- und Jakobs-Kreuzkraut sein, die für einen Blühaspekt sorgen?

    Wir haben diese Fläche vor zwei Jahren neu eingerichtet, d.h. einen eingewachsenen Wildzaun abgebaut, einen Weidezaun aufgebaut und Müll sowie Schläuche einer Tröpchenbewässerung abgesammelt. Da die Fläche erst in Form einer Gärtnerei genutzt wurde und dann jahrelang brach lag, ist sie eigentlich nicht als Grünland oder Pferdeweide geeignet. Sie konnte bislang nur gemulcht werden, im Wechsel wegen Graukresse, Frühlings-Greiskraut, Graukresse, Frühlings-Greiskraut usw.

    Aber zumindest ein Teil mit Landreitgras und Kanada-Goldrute kann beweidet werden und ich dachte, ich falle hinten über, als ich sah, dass sich in diesem Teil ausgerechnet das Jakobs-Kreuzkraut breit macht. Noch ist die Anzahl an Individuen überschaubar und lässt sich schnell per Hand rausziehen. Es kam ein 80 Liter Müllsack mit Jakobs-Kreuzkraut zusammen, aber mehr sollte es nicht unbedingt werden. Wie schon letztes Jahr beschrieben, muss die Strategie hier ganz klar lauten: Wehret den Anfängen!

    Gleichzeitig möchte ich dafür plädieren, nicht in völlige Panik zu verfallen, es ist weder notwendig, die ganze Fläche zu mulchen, noch irgendein Gift zu spritzen, so lange es sich um Einzelexemplare handelt. Ich werde oft gefragt: „Na fressen die Pferde das denn?“ Da kann ich ich nur mit einem eindeutigen JEIN antworten. Nach meiner Beobachtung auf anderen Pferdeweiden, auf denen Assan bislang stand, wurde das Jakobs-Kreuzkraut bis in den Hochsommer gemieden, konnte aussamen und wurde dann doch gefressen, wenn alles andere abgenagt war… Das befördert die Ausbreitung natürlich noch, zumal Jakobs-Kreuzkraut auch sehr trittresistent ist.

    In dieser Zeit hatte Assan auch schlechte Leberwerte. Aber es ist eben wie mit Alkohol und das ist es ja, was in den Kreuzkräutern drin steckt (Alkaloide): Die Dosis macht das Gift, jeder verträgt andere Mengen und wieviel Kreuzkräuter müssen Pferde fressen, bis sich die Leber nicht mehr regenieren kann? Dass sich Alkaloide ansammeln und nicht mehr abgebaut werden, kann ich nicht bestätigen, denn Assans Leberwerte haben sich wieder verbessert, als er auf einen anderen Hof kam.

    Viele Pferde werden importiert, kennen die Pflanzen hier nicht, werden hin- und hergestellt, wachsen in der Regel nicht in Herden auf vielfältigen Weiden auf, leben nicht in Familienverbänden. Sie haben somit keine Chance sich ein traditionelles Wissen über ihren Lebensraum, seine Ressourcen und welche Pflanzen giftig sind etc. anzueignen. Und dann staunt man immer wieder, wie ursprünglich unsere Hauspferde dann doch sind und ich bin davon überzeugt, dass sie in der Wildnis überleben könnten, wenn man alle Zäune aufmacht. Pferde meiden in der Regel Giftpflanzen, wenn sie genug Auswahl haben und wenn sie doch mal hier und da naschen, muss man sich keine Sorgen machen, dass sie davon gleich tot umfallen.

    Aber im Blick sollte man die Giftpflanzen schon haben, ihre Ausbreitung verhindern und lieber für ein artenreiches Grünland sorgen, dass auch für die Pferde gesünder ist:

    • Angepasstes Weidemanagement mit einer Vermeidung von Unter- oder Überbeweidung, beispielsweise in Form einer Umtriebsbeweidung
    • Mischbeweidung, beispielsweise mit Rindern (anderes Fraßverhalten)
    • Pflegemahd von Teilflächen
    • Aushagerung zur Förderung von Artenvielfalt durch Beweidung und/oder Mahd
    • keine Düngung, denn Stickstoffeinträge gibt es schon genug aus der Luft

  • Graukresse 4.0

    Graukresse 4.0

    Hier kommt das jährliche Update zur Entwicklung der Graukresse auf unserer Hauptweide bzw. Winterkoppel. Seit 2020 geht diese Fläche zur Erholung der Grasnarbe in eine Sommerpause, d.h. der Beweidungsdruck durch die Pferde wird hier runtergenommen. Dafür wird sie – quasi als Erfrischungskur – vor der Samenreife der Graukresse gemulcht.

    Dabei zeigt sich, dass die Pflegemaßnahmen der letzten Jahre tatsächlich zur Eindämmung der Graukresse geführt haben. Denn zum Glück ist sie zweijährig, d.h. die Pflanze stirbt nach der Samenreife im zweiten Jahr ab und es macht durchaus Sinn, sie vorher rauszureißen, zu mähen oder zu mulchen. Man wird immer noch ein großes Samenpotential im Boden haben, aber es scheint wirklich eine gute Methode zu sein, um diese Giftpflanze auf Dauer in Schach zu halten. Hier ein Vergleich der Entwicklung im Laufe der Jahre:

    Juli 2019
    Juli 2021
    Juli 2023

    Die reichhaltigen Niederschläge der letzten Monate haben außerdem zu einer üppigen Vegetationsentwicklung mit Schafgarbe, Hundskamille, Hundszunge, Ochsenzunge, Malve, Wegwarte, Natternkopf, Lichtnelke, Luzerne etc. gesorgt. So bleibt der Graukresse auch nicht mehr viel Platz und sie kann ihren Konkurrenzvorteil, dass sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist, nicht mehr ausspielen. An einer Stelle hat sich sogar Wiesen-Flockenblume etabliert, darüber hab ich mich besonders gefreut. Sie ist vermutlich aus Saatgut hervorgegangen, dass ich mal vor zwei Jahren ausgebracht hatte. Aktuell macht es wirklich viel Freude über unsere Hauptweide zu laufen, denn überall fliegen Wildbienen und Schmetterlinge umher, saugen an den Blüten und die Heuschrecken zirpen dazu. Es wäre deshalb auch ökologischer Wahnsinn, in diese Fülle reinzumulchen.

    Und zum Glück sind die Stellen mit Graukresse überschaubar geworden und können entweder mit Freischneider oder Sense partiell gemäht oder einzeln per Hand rausgezogen werden. Vor allem jetzt, wo der Boden noch gut feucht ist, kann man die Pflanzen mit Wurzel rausziehen und hat teilweise ganze Büschel in der Hand. Dadurch haben wir eine weitgehend Graukressenfreie und dennoch blütenreiche Hauptweide. So kann sich nun im vierten Jahr seit Beginn dieser Maßnahmen Artenvielfalt auf der Pferdeweide ohne „Insektenschreddern“ entwickeln.

  • Alles gelb?

    Ich hatte schon in den letzten beiden Jahren den Eindruck, dass es im Frühjahr überdurchschnittlich viel Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis) gibt. EineTheorie für diese starke Ausbreitung ist, dass die Grasnarbe durch die trockenen Jahre so lückig geworden ist, dass vor allem ephemere Pflanzen, also einjährige Acker-(Un)-Kräuter wie eben das Frühlings-Greiskraut oder auch der (ungiftige), rosa blühende Reiherschnabel (Erodium cicutarium) gute Keimbedingungen vorfinden, wenn es im Frühjahr regnet.

    Aber dieses Jahr „sehe ich nur noch gelb„, vor allem an Straßenböschungen, auf sandigen Brachen und auch auf Pferdeweiden…

    Das Frühlings-Greiskraut ist ein Korbblütler (Familie Asteraceae) mit gelben Zungen- und Röhrenblüten, oft rötlich angelaufenem Stängel und spinnenweb-artig behaarten Blättern. Wie alle Kreuzkräuter (Gattung Senecio) enthält es Alkaloide, also ein Gift, dass auf Dauer die Leber schädigt.

    Ich bin froh, dass wir auf einer unseren Flächen schon in den letzten beiden Jahren Maßnahmen wie Mulchen und Rausreißen per Hand ergriffen haben. Denn es gibt eine Hoffnung: wenn man den Samenaustrag dieser einjährigen Kräuter verhindert, verringert man die Samenlast im Boden für das kommende Jahr und vermeidet die weitere Ausbreitung durch Wind. Dabei sollte man möglichst früh – vor der Büte – mulchen, weil das Frühlings-Greiskraut wohl in der Lage ist, ihre Samen noch nachreifen zu lassen.

    Mulchen Mai 2021
    Entfernen per Hand Mai 2023
    Frühlings-Greiskraut im Hintergrund und Reiherschnabel im Vordergrund

    Es ist natürlich frustrierend, wenn man großflächig Frühlings-Greiskraut auf seinen Flächen hat und es unmöglich ist, alles per Hand rauszureißen. Bei unseren kleinen Flächen ist das noch mit ein paar Helfern machbar, weil es bislang nur auf ca. einem Hektar neu eingerichteter Weide vorkommt. Es lässt sich auch sehr gut per Hand rausziehen, da es kaum ausgebildete Wurzeln hat und der Boden aktuell noch gut feucht ist.

    Was aber völlig nach hinten losgehen kann, ist Gift zu spritzen oder ein kompletter Umbruch mit Neueinsaat. Bei uns kommt das ohnehin nicht in Frage. Zum Einen sind wir bio-zertifiziert und zum Anderen bräuchte man eine Ausnahme-Genehmigung für einen Grünlandumbruch.

    Außerdem schafft man dadurch ein noch größeres Saatbett für genau solche ein- bis zweijährigen Arten der nährstoffreichen, ruderalen Pionierstandorte bzw. für Acker-Unkräuter. Es gibt kein selektiv wirkendes Gift gegen Frühlings-Greiskraut, man würde damit alle krautigen Pflanzen auf der Weide vernichten und noch mehr kahle Stellen schaffen.

    Das Ziel sollte eher (wie auch beim Jakobs-Kreuzkraut und der Graukresse) sein:

    • eine gesunde Grasnarbe schaffen
    • ein standortangepasstes Grünland etablieren
    • Überbeweidung vermeiden
  • Umgang mit Giftpflanzen

    Wir haben auf unseren Weideflächen natürlich auch mit Giftpflanzen wie Graukresse, Kanada-Goldrute, Zypressen-Wolfsmilch, Frühlings-Greiskraut und seit neuestem auch mit Jakobs-Kreuzkraut zu tun.

    Eine typische Art der Trockenrasen ist Zypressen-Wolfsmilch, die wie alle Wolfsmilchgewächse Euphorbon als Giftstoff in ihrem Milchsaft enthält. Sie wird allerdings im frischen Zustand aufgrund ihres scharfen Geschmacks nicht gefressen, was ich bei unseren Pferden bestätigen kann. Aus diesem Grund ergreifen wir aktuell noch keine Maßnahmen gegen sie. Im Heu wird Wolfsmilch jedoch mitgefressen, obwohl es seine Wirkung bei der Trocknung nicht verliert. Aus meiner Sicht, ein gutes Beispiel dafür, keine Angst vor der Weide haben zu müssen. Denn die Pferde meiden in der Regel Giftpflanzen, können hier viel eher selektiv fressen als an der Heuraufe, wenn sie denn die Auswahl haben…

    Außerdem hab ich bei einem Rundgang zufällig Jakobs-Kreuzkraut entdeckt und natürlich gleich einen Ausstecher geholt. Es waren ca. 30 Rosetten an einer Stelle, die sofort ausgestochen wurden. Hier ist die Taktik ganz klar: „Wehret den Anfängen“!

    Eine Fläche, die letztes Jahr wegen einem Massenvorkommen von Frühlings-Greiskraut gemulcht werden musste, hat sich dabei sehr gut entwickelt. Es sind dieses Jahr nur noch einzelne Exemplare, die per Hand rausgerissen werden können, so dass die Fläche beweidet werden kann. Ein schönes Beispiel dafür, dass sich der Aufwand, Giftpflanzen in Schach zu halten, auch lohnt. Hier war die Idee diese einjährige Pflanze frühzeitig daran zu hindern, dass sie aussamen kann. Ob sie von den Pferden gefressen wird, weiß ich nicht. Das habe ich noch nicht beobachten können und es noch nicht darauf ankommen lassen.

    Die Kanada-Goldrute hingegen wird uns noch weiterhin auf Trab halten, wobei sie zumindest nicht von den Pferden gefressen wird, aber ein Platzräuber für Futterpflanzen darstellt. Hier sollen uns dieses Jahr wieder Schafe und erstmalig auch Rinder bei der Weidepflege helfen.

    Und ich bin schon sehr auf die Entwicklung der Winterweide mit dem Massenvorkommen von Graukresse gespannt. Während die Kanada-Goldrute schon in den Startlöchern steht, ist die Graukresse noch nicht in Erscheinung getreten, aber mit Sicherheit noch nicht veschwunden. Diese Fläche soll dieses Jahr wieder vor der Samenreife der Graukresse im Juli gemulcht werden. Ich hoffe, dass sich auch hier der Aufwand lohnt, diese Giftpflanze zumindest in Schach zu halten.

    Aktuell ist jedoch meine größte Sorge der seit Februar ausbleibende Regen, der allen Pflanzen fehlt….

  • Auf ewig Kanada-Goldrute

    Ursprünglich wollte ich auf diesem Blog über Artenvielfalt auf der Pferdeweide berichten, aber irgendwie treiben einen immer die gleichen Themen um. So zum Beispiel die Kanada-Goldrute, sie hat mittlerweile 11 Einträge mit Beschreibungen, warum sie so dominant ist, warum wir sie nicht haben wollen, welche Maßnahmen wir ergreifen und wie bislang der „Erfolg“ der Maßnahmen ist.

    Vor allem auf den neu eingerichteten Flächen kommt die Kanada-Goldrute flächendeckend vor. Sie wird von den Pferden nicht gefressen, raubt also den Platz für Futterpflanzen, soll in Mengen sogar giftig sein und von Artenvielfalt ist man auch weit entfernt. Was also tun? Eine Mahd ist für uns technisch nicht möglich, als Auftragsarbeit sehr teuer, wobei es ohnehin schwierig ist jemanden zu finden und das Mahdgut müsste entsorgt werden. Da hilft nur Mulchen (gefühlt mein neues Hobby) oder Beweidung mit anderen Weidetieren wie beispielsweise Schafe.

    Wobei wir dieses Jahr (bisher) sehr viel Glück mit dem Wetter hatten, so dass die Vegetation nach jedem mulchen nachgewachsen ist und man immer wieder Flächen für die Pferde vorhalten konnte. Aber da ich noch einen „richtigen“ Job habe, kann ich nicht den ganzen Tag auf dem Traktor sitzen und so haben wir wieder Schafe im Einsatz: 43 Guteschafe und 5 Ziegen sollen zumindest eine Teilfläche mit Kanada-Goldrute abfressen.

    Ich bin so froh, dass es dieses Jahr wieder geklappt hat, sich Schafe „auszuleihen“. Und für mein neues Hobby bleibt immer noch genug Fläche…

  • Auf ewig Graukresse

    Auf ewig Graukresse

    Hoffnung, dass die Graukresse dieses Jahr nicht so dominant ist, gibt es nicht mehr…

    Vor einem Jahr gab es auf diesem Blog schon mal einen Eintrag zur Graukresse und ich habe versprochen meine Leser auf dem Laufenden zu halten. Ich gehe davon aus, dass die Graukresse vor allem von den trockenen Jahren 2018 und 2019 profitiert hat, weil sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist und damit einen großen Konkurrenzvorteil hat. Außerdem kann sie sich vor allem auf nährstoffreichen, offenen Böden wie beispielsweise auf einer Ackerbrache oder eben auf übernutzten Pferdeweiden etablieren. Einmal ausgebreitet, scheint es extrem schwer zu sein, sie wieder loszuwerden. Eine Graukresse-Pflanze kann bis zu 7000 Samen produzieren, d.h., selbst nach Rausreißen und Mulchen hat man auf Ewig das Samenpotential im Boden….

    Als Maßnahmen zur Eindämmung werden eine geschlossene Grasnarbe, Mulchen vor der Samenreife und Rausreißen empfohlen. Seit dem letztem Jahr versuchen wir deshalb die Pferde über den Sommer möglichst von der Hauptkoppel und der gleichzeitig am schlimmsten betroffenen Fläche fernzuhalten. Durch die Schonung der Fläche kann sich wieder eine geschlossene Grasnarbe bilden. Außerdem wurde die Hauptwiese im Herbst 2019 gemulcht und im Juli 2020 wurden die schlimmsten Graukresse-Nester per Hand ausgestochen. Im August wurde sie noch mal gemulcht, was leider zu spät war, um die Graukresse an der Aussamung zu hindern.

    09.07.2019
    10.07.2021
    11.07.2021

    Dieses Jahr sind die Pferde seit Mitte Mai runter von der Fläche und kamen nur für ein paar Tage Anfang Juli noch mal rauf, um ein paar Gräser kurz vor dem Vertrocknen rauszunaschen. Letztes Wochenende habe ich dann die komplette Fläche, abgesehen von einem kleinen Insektenstreifen gemulcht. Mal sehen wie es weitergeht, die Hoffnung stirbt zuletzt….

    14.07.2019
    10.07.2021
    11.07.2021
  • Frühlings-Greiskraut

    Wie alle Greiskräuter enthält auch das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis) Pyrrolizidinalkaloide und ist für Pferde giftig…

    Nach meinem subjektiven Eindruck gibt es dieses Jahr besonders viel Frühlings-Greiskraut an Straßenrändern, Ackerstreifen, auf Brachen und sogar auf Grünland. Wo man auch hinsieht, alles ist gelb, zumindest „gefühlt“ und als Pferdehalter sieht man ja Giftpflanzen auch noch bei 130km/ha auf der Autobahn, quasi im vorbeifahren. Und auch auf unserer neuen Fläche, die wir gerade erst Ende März eingerichtet haben, ist „alles gelb“.

    Ich weiß nicht, ob unsere Pferde schlau genug sind und das Greiskraut stehen lassen würden, aber bei der Menge wäre mir das Risiko einfach zu groß. Assan stand schon einmal auf einem Reiterhof mit extrem viel Jakobs-Greiskraut. Dort wurde es von den Pferden zunächst stehen gelassen (so dass es schön aussamen konnte) und wurde dann irgendwann, wenn die Weide abgenagt war, doch mitgefressen. Bekämpft wurde es dort mit einem Herbizid, das jedoch alle Zweikeimblättrigen Pflanzen, also alle Kräuter vernichtet, d.h. jeden Löwenzahn, jeden Spitzwegerich, jede Schafgarbe etc. Das führt zu noch mehr Kahlstellen und die Giftpflanzen haben dann noch mehr Platz, um sich auszubreiten. Bei uns verbietet es sich ohnehin schon aus Naturschutzgründen und man sollte eher für eine geschlossene Grasnarbe sorgen, anstatt Gift auf Flächen zu spritzen, die Nahrung für Weidetiere sein sollen.

    Eine große Menge an Greiskräutern schädigt die Leber und kann letztlich zu einer Leberzirrhose führen. Assan hatte in dieser Zeit auch entsprechend schlechte Leberwerte. Als er umgestellt wurde und auf Weiden kam, auf denen nur vereinzelt Jakobs-Greiskraut vorkam, hat sich seine Leber wieder erholt. Was aus meiner Sicht dafür spricht, dass die Alkoloide bis zu einem gewissen Grad wieder abgebaut werden können und nicht wie in der Literatur beschrieben, kumulativ wirken.

    Zum Glück ist das Frühlings-Greiskraut einjährig, so dass es reichen sollte, es am aussamen zu hindern. Im Gegensatz zum Jakobs-Greiskraut oder zur Graukresse, die zweijährig sind und man die Rosetten ausstechen sollte. Wobei es ja sowieso auch immer einen riesigen Samenvorrat im Boden gibt… Naja, wie auch immer, was können wir tun?

    Wir haben die Hälfte der Fläche gemulcht und ausgezäunt. Und auf der anderen Hälfte, auf der nicht ganz so viel Greiskraut steht, ziehen wir die Giftpflanzen per Hand raus, so dass wir wenigstens noch einen Teil der Fläche als Weide nutzen können. Wir werden dann sehen, was passiert und wie es sich entwickelt.

  • Graukresse – die Dürre-Queen

    Manchmal muss ich an meinen Dozenten für Ökolandbau denken, der immer gesagt hat: Luzerne ist die Futter-Queen….

    Ich hätte wirklich gern mehr Luzerne auf den Flächen in Glindow, aber stattdessen haben wir Graukresse – eine wahre Dürre-Queen! Nachdem die Mahd im Juni nicht geklappt hat und ich im Juli, als endlich der Mulcher repariert war, voller Optimismus gemulcht habe, ist nun alles verbrannt. Nur die Graukresse erhebt sich wie Phönix aus der Asche! Der Mulcher konnte ihr nichts anhaben, weil sie einfach zu niedrig am Boden wächst, nur umgeklappt wird bzw. erfasste Stengel einfach neu austreiben und sie am Ende noch buschiger wächst.

    Und jetzt wo sämtliche Vegetation verdorrt ist, kann sich die Graukresse – die ja mit Sternhaaren super gegen Verdunstung geschützt ist – so richtig breit machen. Eine Wahl zwischen Pest und Cholera bzw. Kanada-Goldrute und Graukresse, wobei mir im Nachhinein die Kanada-Goldrute lieber gewesen wäre. Nun heisst es wieder rausreißen, rausreißen, rausreißen….

    Wir haben noch Futter-.Reserven für eine Handvoll Tage, aber dann müssen wir anfangen wieder Heu zuzufüttern.

    Die letzten Futter-Reserven
  • Graukresse

    Leider haben auch wir ein Graukresse-Problem….

    Wie viele andere Pferdehalter auch, macht uns die massive Ausbreitung der Graukresse zu schaffen. Sie ist für Pferde giftig und gilt in Deutschland als eingebürgerter Neophyt. Das heisst Graukresse kommt eigentlich aus südlicheren Gefilden und ist mit ihren Sternhaaren bestens gegen Verdunstung geschützt. Aus diesem Grund hatte die Graukresse in den letzten beiden trockenen Jahren mit ihrer guten Anpassung an Trockenheit Konkurrenzvorteile. Sie hat sich extrem ausgebreitet und ich sehe oft Pferdekoppel die komplett weiß blühen…

    Auch bei uns hat sie sich breit gemacht und wir müssen das Problem angehen, aber wie? Die schlimmste Graukresse-Fläche wurden im Herbst gemulcht, aber sie kommt natürlich wieder. Graukresse ist eine typische Art der „nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren (neophytische Vorkommen)“. Das heisst, sie kann sich vor allem dort ausbreiten, wo überbeweidet wurde, viel Pferdedung und offene Bodenstellen sind. In gepflegten Grünland hat sie eigentlich keine Chance.

    Außerdem ist sie ein- bis zweijährig, sommer- und winterannuell, blüht von Juni bis September und bildet Schötchen mit vielen tausenden von Samen aus. Eine Pflanze kann bis zu 7000 Samen produzieren. Zweijährig und winterannuell bedeutet, dass sich die Pflanze im ersten Jahr vegetativ ausbreitet, also Rosetten bildet. Diese Rosetten überwintern und sind bei der Graukresse extrem trittfest. Im Frühjahr werden dann Blüten und die Schötchen ausgebildet. Nach dem Aussamen stirbt die Pflanze ab! Das bedeutet, dass es durchaus Sinn macht, die Graukresse am Aussamen zu hindern, wenn man eine weitere Ausbreitung verhindern und sie langfristig eindämmen will.

    Wir haben nun den Versuch gestartet, besonders schlimme Graukresse-Nester auszuzäunen und dort zu beginnen, sie rauszustechen. Sonst sieht man keine Sonne, wenn man ziellos auf der Koppel anfängt die Graukresse rauszuzupfen. Gleichzeitig muss natürlich der Beweidungsdruck von solchen Flächen genommen werden, um offene Bodenstellen zu vermeiden. Und es muss rechtzeitig gemulcht oder gemäht werden, um die Aussamung zu verhindern. Ich bin gespannt, wie wir das Problem in den Griff bekommen. Ich halte Euch natürlich auf dem Laufenden.