Schlagwort: Insekten

  • Gartenrotschwanz

    Gartenrotschwanz

    Bei uns am Hofgelände brütet jedes Jahr ein Gartenrotschwänzchen. Es ist gut durch die weiße Stirn vom Hausrotschwänzchen zu unterscheiden, wobei das auffällige Schwanzzittern auf Ansitzwarten beide Arten zeigen. Hier ist unser wunderschönes Männchen auf einem Koppelzaun:

    Dieses Jahr haben die Gartenrotschwänzchen ihr Nest wieder in unserem „Menschenunterstand“ gebaut, direkt auf dem Schalter einer Lichterkette. Bis zum Auszug der Küken können wir dort nicht entspannt sitzen, weil die Altvögel mit Futter im Schnabel in gebührendem Abstand, aber aufgeregt warten, bis wir wieder weg sind. Also haben wir diesen Platz so lange gemieden, bis die Küken ausgezogen sind. Derzeit sind die kleinen Flauschis noch in der Nähe des Unterstandes unterwegs, auch viel am Boden und werden noch von den Altvögeln gefüttert. In dieser Phase sind sie besonders gefährdet durch die Katzen der Nachbarn, die bei uns am Hof rumstromern. Ich hoffe natürlich, dass es die kleinen schaffen und sich genug Reserven anfuttern, um die Reise in ihre Überwinterungsgebiete in Afrika überstehen.

    Das Gartenrotschwänzchen brütete ursprünglich in Baumhöhlen lichter Wäldern mit aufgelockerter Strauch- und Krautschicht. Heute kommt es auch in abwechslungsreichen Gärten, Parkanlagen oder Streuobstwiesen vor und brütet in Holzstapeln, Mauerlöchern, Holzverschalungen, Nistkästen oder was es eben geschützt vorfindet.

    Wichtig ist eine ausreichende Nahrungsgrundlage, d.h. ein reich gedecktes Insektenbüfett. Bei uns sind relativ viele Insekten, allein durch die Anwesenheit der Pferde und Kühe wie beispielsweise Mücken, Bremsen, Dungfliegen oder Dungkäfer.

    Weitere hübsche Insektenquellen stellen die vielen kleinen wilden Ecken dar, wie beispielsweise am Schuppen. Hier kam die Hundskamille von allein, die Brombeere rankelt daneben auf einem Steinhaufen und ich habe noch mit Geißblatt, Esparsette, kleinem Wiesenknopf und Salbei nachgeholfen. Es ist auch einfach schön, den Hummeln Wildbienen, Schmetterlingen, Schwebfliegen & co. zuzuschaun, aber dazu ein anderes mal mehr 😉

  • Hecken

    Hecken haben einen hohen ökologischen Wert als Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Artengruppen wie beispiesweise Insekten oder Vögel sowie für den Biotopverbund, vor allem in der „ausgeräumten“ Agrarlandschaft.

    Nach dem empfehlenswerten Buch „Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft“ von Uwe Westphal gibt es in Feldhecken ca. 800 Käferarten, über 100 Schmetterlingsarten, unzählige Wildbienen, Wespen, Mücken, Fliegen, Zikaden, Heuschrecken, Spinnen und über 50 Vogelarten. Typische Heckenbrüter sind beispielsweise Neuntöter, Sperbergrasmücke, Mönchsgrasmücke, Klappergrasmücke, Gartengrasmücke, Goldammer, Nachtigall oder Zilpzalp.

    Auch die Früchte dorniger Sträucher wie Hagebutten sind sehr beliebt bei vielen Tiergruppen und vor allem sehr gesund, auch für Pferde. Und wenn solche Gebüsche randlich von Weidetieren beknabbert werden, bilden sie ein undurchdringliches Gestrüpp und bieten auf diese Weise vielen Tieren Deckung, Versteck- sowie Nistmöglichkeiten.

    Aber warum bieten Hecken eigentlich so vielen Arten einen Lebensraum? Ursprünglich haben große Pflanzenfresser wie Wildpferd, Auerochse, Wisent & co. unsere Landschaft mitgestaltet. Dabei haben sich vor allem mit Dornen bewehrte Gehölze wie Wildrosen, Schlehen, Weißdorn, Brombeere oder Wildbirne in den Weidelandschaften durchgesetzt. Teilweise bilden sie Gebüschinseln und in hier können sich widerum Bäume etablieren (siehe Schema zur Vegetationsabfolge aus Bunzel-Drüke et al. 2008). Die Bäume können zu stattlichen Solitärbäumen heranwachsen und irgendwann stirbt das Gebüsch im Schatten ab. Und so besteht eine Weidelandschaft aus einem räumlichen und zeitlichen Mosaik aus offenen Trittstellen, Weiderasen, Krautsäumen, verschiedenen Stadien der Verbuschung, Solitärbäumen (v.a. Eichen) bis hin zu Waldinseln. Dieser reichhaltige Baukasten der Natur wurde mancherorten noch durch Tümpel, Flüsse, Überschwemmungen, Feuer, Bibertätigkeiten und viele weitere Elemente ergänzt.

    Und daran ist ein Großteil unserer heimischen Flora und Fauna angepasst. Viele Arten haben nach der Ausrottung der großen Pfanzenfresser geeignete Ersatzhabitate in der vom Menschen geformten Kulturlandschaft gefunden, zumindest bis zur Einführung der geregelten Forstwirtschaft und der industriellen Landwirtschaft.

    Heute bleibt uns aus dem ehemals gut bestückten Baukasten der Natur oft nur noch das „Werkzeug“ der Gebüsche in Form von angepflanzten Hecken als Lebensraumstruktur. Aber wer Weideland und auch die Möglichkeiten hat, könnte Bäume und Sträucher wieder mehr fördern, beispielsweise durch partielles Auszäunen, dem Verzicht auf Mulchen von Weideresten oder durch ein gezieltes Anpflanzen von gebietsheimischen Gehölzen. Ideal wäre dabei die Anlage einer mehrreihigen Hecke oder einer Baumreihe am Paddock, am Reitplatz oder entlang eines Trails.

    Bäume und Sträucher haben außerdem viele Vorteile für Pferd und Mensch: ein angenehmeres Mikroklima (vor allem im Sommer bei extrem hohen Temperaturen), Sonnenschutz, Windschutz, Erosionsschutz, gesunde Snacks in Form von Früchten und Zweigen.

    Und so haben wir auch eine Wildrosenreihe am Reitplatz angelegt und dabei folgende Arten verwendet:

    • Wildrosen (Rosa canina, R. corymbifera, R. rubiginosa, R. tomentosa, R. elliptica, Hagebutten enthalten viel Vitamin C, über 100 phytophage Insektenarten profitieren)
    • Weißdorn (Crataegus monogyna, Früchte sind gesund, vor allem für das Herz-Kreislaufsystem, über 300 phytophage Insekten)
    • Roter Hartriegel (Cornus sanguinea, die Blüten sind eine Bienenweide und ich finde einfach die Färbung schön, vor allem im Herbst ;-))

    Es hat übrigens unheimlich viel Spaß gemacht, die Sträucher zu pflanzen und es erdet ungemein. Dieses Bedürfnis im Frühjahr in der Erde zu wühlen und etwas anzupflanzen scheint ebenso fest in uns verankert zu sein, wie das Bedürfnis Tiere zu versorgen.

    Und wenn man die Möglichkeit hat, Gehölze zu pflanzen, ist es aus naturschutzfachlicher Sicht wichtig, gebietsheimische Gehölze zu pflanzen. So lockt beispielsweise der im Garten beliebte Schmetterlingsflieder (Buddleja spec.) zwar viele Schmetterlinge an, aber an ihm können sich keine Raupen entwickeln. Dagegen bietet Schlehe (Prunus spinosa) 126 Schmetterlingsarten eine Nektar- und Raupenfutterquelle oder Brombeere immerhin 77 Schmetterlingsarten. Oder der Zitronenfalter, einer der ersten Falter im Frühjahr: seine Raupen fressen nur am Laub vom Faulbaum (Frangula alnus) oder Kreuzdorn (Rhamnus cathartica).

    Falls jemand Lust bekommen hat, Bäume und Sträucher zu pflanzen, dem seien die zahlreichen Tipps des NABU, das oben genannte Buch über Hecken oder auch der Leitfaden zur Verwendung gebietseigener Gehölze empfohlen.

    Es gibt nichts gutes, außer man tut es. (Erich Kästner)

  • Schmetterlinge

    „[…] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen…“

    Annette von Droste-Hülshoff (1840)

    (Ernst Haeckel: Schmetterlinge – Mitteleuropäer, 1914, Wien)

    Solch eine Fülle an Insekten können wir uns nicht mehr vorstellen und nur staunen über historische Beschreibungen oder Bilder. Und so schauen wir heute jedem einzelnen zarten Farbtupfer hinterher, der durch die Gegend zappelt.

    Selbst im Vergleich zu meiner eigenen Kindheit habe ich den Eindruck, dass es immer weniger Schmetterlinge – und wenn dann nur noch Weißlinge gibt. Dass der Verlust von Insekten nicht nur ein diffuses Gefühl ist, kann spätestens seit der Veröffentlichung des Entomologischen Vereins Krefeld niemand mehr leugnen.

    Ursachen sind unter anderem die Intensivierung der Landwirtschaft bei gleichzeitiger Aufgabe der Beweidung nicht mehr rentabler Standorte wie Trockenrasen, Feuchtwiesen oder Hutewälder, der Verlust an Lebensraumstrukturen und der massive, man möchte schon sagen unbekümmerte Einsatz von Pestiziden, künstlichen Düngemitteln und Antiparasitika.

    Mit dem Projekt Artenvielfalt auf der Pferdeweide versuche ich seit Herbst 2019 zumindest dieses Kleinod mit zehn Hektar extensiver Beweidung gegen den allgemeinen Trend zu stellen. Um die Effekte zu dokumentieren habe ich Fotopunkte, ein Vegetationstransekt und ein Tagfalter-Transekt eingerichtet.

    Folgende Tabelle listet die Arten mit ihrer jeweiligen Individuenanzahl bei etwa zehn Begehungen im Jahresverlauf zwischen April und Ende September auf.

    Dabei sind die Zahlen nicht ganz repräsentativ, da ich zum Einen das Transekt nicht so oft begehen konnte, wie man sollte (1x Pro Woche) und zum Anderen auch Sichtungen außerhalb des Transektes in die Auswertung eingegangen sind. Insbesondere in diesem Jahr wären die Zahlen sonst zu deprimierend, da auf dem Transekt aufgrund der anhaltenden Dürre nichts mehr geblüht hat. Insgesamt muss man sagen, dass die Graukresse (ansonsten Staatsfeind Nr. 1) fast die einzige verbliebene Nektarpflanze im letzten Sommer war…

    Insgesamt habe ich auf den Weiden in den letzten drei Jahren 16 Tagfalterarten gesichtet. Das ist ziemlich wenig und man sieht auch die verschwindend geringe Anzahl der Individuen, abgesehen von den Weißlingen. Um es positiv zu umschreiben, da ist noch sehr viel Luft nach oben…

    Laut des Verbreitungsatlas gibt es in Berlin und Brandenburg 118 Tagfalterarten, von denen ca. 35% gefährdet sind und einige bereits ausgestorben sind. Um die 30 Arten gelten noch als weit verbreitet, zeigen jedoch auch einen negativen Bestandstrend.

    Also, es gibt noch viel zu tun! Und jeder der Grünland bewirtschaftet trägt eine Verantwortung. Mit folgenden Maßnahmen kann man Schmetterlingen und anderen Insektengruppen helfen:

    • Verzicht auf Mulchen von Weideresten und wenn gemulcht wird, Bereiche für Insekten stehen lassen, da die Eier und Puppen vieler Arten an der überständigen Vegetation überwintern
    • Verzicht auf Pestizide aller Art, auch Simplex & co., denn Gift ist giftig
    • Selektive Entwurmung
    • Vermeidung von Überbeweidung beispielsweise durch Umtriebsbeweidung und damit Förderung von blütenreichen Weiden
    • wenn sich eine Überbeweidung nicht vermeiden lässt, kann man zumindest „wilde Ecken“ schaffen, in dem man Koppelecken auszäunt und gleichzeitig als „Falle“ für rangniedrige Pferde entschärft
  • Die Wüste lebt

    Wie in dem berühmten Disney Klassiker, in dem alles zu neuem Leben erweckt wird, wenn es nach lang anhaltender Dürre regnet, so werden auch unsere Weiden wieder lebendig…

    Man kann es sich nicht vorstellen, dass jemals wieder etwas wächst, wenn man über die vollkommen vertrockneten Flächen geht und nur noch Heuschrecken umherspringen. Keine Blüten, keine Tagfalter, Bienen oder sonstigen Insekten, alles ist braun, trostlos und man kommt sich vor, wie in einer Steppen- oder Wüstenregion. Die Bäume haben angefangen, Laub abzuwerfen und man macht sich ernsthafte Sorgen, um die schattenspenden Pappeln und anderen Gehölze. Die Bäume und Sträucher spenden nicht nur Schatten, sie schaffen auch durch Verdunstung ein kühleres Mikroklima und brechen den Wind, der die Flächen zusätzlich zur brennenden Sonne austrocknet. Ohne sie wäre die Hitze noch unerträglicher auf den Weiden. Ich hoffe, dass uns die Pappeln noch lange erhalten bleiben.

    Und es ist natürlich auch ein ökonomischer Schaden, wenn man schon im Juli Heu füttern muss, obwohl man mit der Flächengröße über den ganze Sommer kommen sollte. Gleichzeitig ist der zweite Schnitt komplett ausgefallen und ich bin froh, dass uns unser Heulieferant im September überhaupt noch mal Heu bringen kann…

    Nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Tage wird nun alles wieder grün. Wegwarte, Schafgarbe, Ochsenzunge und Weiße Lichtnelke blühen und es kehrt das Leben auf unseren Weiden zurück. Dann staunt man wieder, mit welcher Kraft, sich die Natur auch wieder erholen kann.

    Die folgenden Bilder zeigen drei unserer Flächen im Vergleich vom 07.08.2022 und dem 30.08.2022. Zum Einen werden sie wieder grün und zum Anderen sind die Pappeln ziemlich ausgedünnt.

    Lang anhaltende Dürrephasen und Hitze, im Wechsel mit Starkregen ist das neue Normal und wir müssen lernen damit umzugehen. In Bezug auf unsere Weiden ziehe ich die Leere aus diesem Sommer noch schonender mit der Grasnarbe umzugehen und Flächen für den Juli, August vorzuhalten. Und wenn es sein muss, die Vegetation sogar zu Rohfaser werden zu lassen und nicht vorher zu mulchen. Denn die Pferde haben durchaus alles gefressen, auch wenn sie Heu hatten, wurde noch jeder vertrocknete Halm abgegrast.

    Das war für mich wirklich eine neue Erfahrung und alles Lehrbuchwissen, dass man im Juni den „Heuberg“ abschöpfen muss, schon allein um wieder frisch nachwachsende Flächen zur Verfügung zu stellen, funktioniert nicht mehr. Gleichzeitig braucht man eine gewisse Pflege durch Mahd, Mulchen oder Beweidung mit anderen Weidetieren, um die Ausbreitung von unbeliebten Pflanzen wie Graukresse, Kanada-Goldrute oder Sauerampfer und den Parasitendruck einzudämmen.

    Eine Lösung für dieses Problem fällt mir aktuell nicht ein…

  • Farbtupfer

    Frühjahrsblüher sind die ersten Farbtupfer in der Landschaft und öffnen einem das Herz.

    Scharbockskraut, Finger-Ehrenpreis, Rote Taubnessel und Blaustern sind die ersten Blühaspekte auf unserer Pferdeweide und bieten Hummeln, Wildbienen & co. erste Nahrungsquellen.

    Nachdem es im März keinen einzigen Tropfen Regen gab, kommt nun endlich der April mit typischem Aprilwetter:

    Mal Regen und mal Sonnenschein,
    Dann schneit’s auch wieder zwischendrein.
    April, April, der weiß nicht was er will.

    Mit den Niederschlägen und der Sonne im Wechsel erholen sich auch unsere Weiden wieder und das Gras kann schön wachsen 🙂

    Vor allem im Wald nutzen Frühjahrsblüher wie Lerchensporn, Weiße und Gelbe Buschwindröschen, Lungenkraut und Leberblümchen die ersten Sonnenstrahlen, bevor sich ein geschlossenes Blätterdach ausgebildet hat. Wie beispielsweise hier in einem Buchenwald in der Uckermark:

    Die Winterlinge, beispielsweise an der Kirche in Petzow, an der ich immer auf dem Weg zum Ponyhof vorbei fahre, sind aktuell sogar schon verblüht.

  • Selektive Entwurmung?

    Seit einem Jahr versuche ich auf unserem Ponyhof eine Selektive Entwurmung zu etablieren. Dabei ist die größte Hürde, alle Pferdehalter davon zu überzeugen, dass das sinnvoll ist und entsprechend Kotproben zu sammeln…

    Das Motto ist dabei so wenig wie möglich und so viel wie nötig, um die Gesundheit der Pferde zu schonen, die Bildung von Resistenzen zu vermeiden, die Umwelt und vor allem Dungkäfer, nicht zuletzt auch als wichtige Nahrungsressource für Vögel, Fledermäuse etc. zu schonen. Es wurde bereits in vorangegangen Einträgen dargelegt, welche Auswirkungen Entwurmungsmittel auf Natur und Landschaft, insbesondere auf Dungkäfer haben und wie gefährdet diese Artengruppe heute ist.

    Besonders stolz bin ich ja auf den Fund des selten gewordenen Stierkäfers bei uns auf den Flächen, der relativ auffällige Löcher gräbt. Der Stierkäfer legt 1-1,5 m tiefe Erdstollen an, in die er zur Ernährung seiner Brut längliche Kotpillen einträgt. Von dem Hauptstollen gehen zahlreiche Nebenstollen ab und das Bauwerk wird von Männchen und Weibchen gemeinsam angelegt.

    Aber wie auch immer, letztes Wochenende haben wir die „klassische Nikolaus-Entwurmung“ (ohne vorherige Kotproben) gegeben, um die Entwicklung der Dasselfliege zu unterbinden und mit Equimax auch ein Mittel (Wirkstoff Praziquantel) gegen Bandwürmer zu geben, welche man wohl nur als Zufallsbefund mit Kotproben nachweisen kann. Dafür haben wir die Pferde wieder in ihrer Freitheit eingeschränkt, enger gekoppelt und alle Pferdeäppel entfernt.

    Bei ziemlich vielen Haufen, definitv auch einem von Assan konnte man viele, kleine, weiße Würmer sehen, teilweise noch lebend. Nach Expertenmeinung handelt es sich sehr wahrscheinlich um die so genannten kleinen Strongyliden (Cyathostominen). Sie haben die Fähigkeit, sich als Larve in der Darmwand einzukapseln, d.h., wenn genug eierlegende Würmer vorhanden sind, können die Larven bis zu 3 Jahre ruhen und erst bei „Bedarf“ die Entwicklung zum ausgewachsenen Wurm fortsetzen… Diese eingekapselten Larven kann man wohl auch nicht mit dem gängigen Wirkstoff Ivermectin bekämpfen.

    Will heißen, auch wenn wir versuchen, die Pferde möglichst extensiv zu halten, auf verschieden Weiden umkoppeln und im Winter die Pferdeäppel an den Heuraufen entfernen, werden wir wohl immer einen gewissen Parasitendruck haben. Aber die Mittel, die uns gegen diese Parasiten zur Verfügung stehen, sollten wir mit Bedacht einsetzen und die Bildung von Resistenzen vermeiden. Der Weg, den ich dabei einschlagen möchte, ist eine Gratwanderung zwischen Gesunderhaltung der Pferde und ein kleinen Beitrag zum Naturschutz, vor allem dem Schutz der Dungkäfer zu leisten. Da heute vor allem Pferde als Nutztiere „draußen“ gehalten werden, sehe ich eine besondere Verantwortung der Pferdehalter für den Erhalt von artenreichem Grünland und der Biodiversität. Natürlich ist dieser Weg unbequemer, aufwendiger und komplizierter als einfach prophylaktisch zu entwurmen, aber auch spannender und wie immer lernt man nie aus…

  • Der Wiedehopf – Vogel des Jahres 2022

    Ich habe ihn auch gewählt – diesen hübschen Punker der Hutelandschaften.

    Nach der Monographie aus dem Jahr 1952 von Hans Münch bevorzugt der Wiedehopf offenes Gelände mit alten Bäumen wie Viehweiden, Obstplantagen oder Wiesen und Weiden am Rande alter Laubwälder. Er ist ein Höhlenbrüter, der in unseren Breiten vor allem in Baumhöhlen beispielsweise in verlassenen Spechthöhlen brütet, in Südeuropa allerdings auch in Mauern nistet. Dabei sind ausreichende Mengen an Großinsekten als Nahrung für sich und seinen Nachwuchs entscheidend für seinen Lebensraum und die Brutplatzwahl, d.h. er braucht beides: artenreiches Grünland und alte Bäume.

    Bei Münch waren eine seiner Hauptsnahrungsquellen noch Maulwurfsgrillen, welche er heute wohl kaum noch finden wird. Er nimmt auch Heuschrecken, Käfer, Würmer, Schnecken, Spinnen, Raupen oder sogar kleine Zauneidechsen. Aber weil die Masse an Insekten in unserer intensiv genutzten Landschaft extrem abgenommen hat, wird er heute fast nur noch in Weidelandschaften wie der Döberitzer Heide mit Dunghaufen (ohne zu häufigen Einsatz von Ivermectin) fündig….

    Münch schrieb (1952!), dass der Wiedehopf „früher“ ein häufiger und allgemein weit verbreiteter Vogel war und sah die Hauptursachen für sein Aussterben im Rückgang der Viehhaltung und dem Mangel an geeigneten alten Bäumen mit Höhlen.

    In den letzten Jahren hat man im Naturschutz immer mehr Erfahrung mit künstlichen Nisthilfen gesammelt, um dem Wiedehopf zu helfen. Und so wollte ich auch gern einen Wiedehopf bei uns auf den Flächen ansiedeln und habe einen Wiedehopfkasten gebaut. Leider hat er ihn dieses Jahr noch nicht angenommen, vielleicht gefällt es ihm doch nicht so richtig bei uns. Eventuell sind die Flächen zu klein, die Insektenmasse zu gering oder ich muss noch etwas Geduld haben.

    Eine schöne Sammlung von Bauanleitungen für künstliche Nisthilfen für verschiedene Vogelarten, aber auch Fledermäuse, Insekten oder einen Igelunterschlupf findet man hier.

  • Artenvielfalt für alle

    Jeder kann etwas tun, um die Artenvielfalt zu erhalten, im Garten, auf dem Balkon und rund um dem Ponyhof. Besonders schön ist es, wenn man andere Menschen inspirieren kann. So haben unsere Vermieter für ihren Gartenteich ein Entenhaus gebaut, dass auch gleich von einem Stockentenpärchen angenommen wurde. Zehn Küken konnten wir zählen, die ihre ersten Runden auf dem Teich gedreht haben 🙂

    Und ein Insektenhotel war natürlich schon längst überfällig! Aber weil ich noch keine Zeit hatte, eins selbst zu bauen, haben unsere Vermieter ein fertiges Insektenhotel gekauft, was auch sofort von Wildbienen wie beispielsweise der Roten Mauerbiene angesteuert wurde. Eine kleine Schale mit Lehm, die eigentlich für Rauchschwalben gedacht war, ist dabei besonders hiflreich, damit die Wildbienen auch gleich Material zum verschließen der Bruthöhlen haben.

    Ein paar „wilde Ecken“ zulassen, heimische Wildblumen und Sträucher wie Brombeere, Weißdorn oder Schlehe wachsen lassen kann sicherlich jeder auf seiner Pferdeweide, auf dem Hofgelände oder im Garten. Tipps für summende, brummende Gärten, in denen es zwitschert und gedeiht findet ihr hier:

  • Magen-Darm-Strongyliden…

    gehören zu den häufigsten Würmern bei Pferden und leider hatte Assan einen extrem hohen Befall.

    Im Dezember letzten Jahres haben wir eine Wurmkur gegeben, die klassische „Nikolaus-Entwurmung“ mit Bekämpfung der Dasselfliege. Wie bereits in einem Eintrag ausgeführt, ist mein Ziel die Wurmkurgabe auf ein notwendiges Maß zu reduzieren, um Dungkäfer und allgemein Insekten, auch als Nahrungsquelle für Vögel, Fledermäuse etc. weitgehend zu schonen. Nicht zuletzt wegen der Bildung von Resistenzen bei den Würmern ist eine strategische oder selektive Entwurmung sogar die Empfehlung der FN.

    Im April hatte ich bei Assan Kotproben gesammelt und beim Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin eingeschickt. Laut Befund hatte Assan 880 Eier von Magen-Darm-Strongyliden pro Gramm Kot, eine Menge, die ich mir gar nicht richtig vorstellen kann. Ab 200 Eiern/g Kot soll man eine Wurmkur geben und vom Labor wurde außerdem ein Pyrantel-haltiges Präparat empfohlen.

    Bei vier weiteren Pferden wurden dann Kotproben gesammelt, davon waren zwei ohne Befund und zwei mit Ausscheidung von Wurmeiern. In Zukunft soll bei allen Pferden eine Kotprobe gesammelt werden, um nur noch die Pferde zu entwurmen, die auch Würmer haben.

    Damit die Dunghaufen nicht zur ökologischen Falle werden, haben wir die Pferde am Samstag auf einer kleinen Fläche „eingesperrt“, die Wurmkur gegeben und alles abgeäppelt. Gestern konnten die Pferde dann auf die „Dreieckswiese“, die seit dem letzten Sommer ungenutzt war. Ich möchte die Pferde so lange es geht von der – mit Würmern kontaminierten – Hauptweide fernhalten. Diese Fläche ist im Prinzip unsere Winterkoppel mit Unterstand, beheizbarer Tränke, die am meisten beansprucht wird und sie soll sich im Sommer etwas erholen können.

    Eng gekoppelt mit Heuraufe
    Alles abäppeln…
    Ab auf die Dreieckswiese – meine persönliche Lieblingsfläche 😉

    Da die Würmer Monate und sogar den Winter überleben können, wird man sie wohl nie loswerden, so lange man Pferde immer wieder auf die gleichen Flächen stellen muss. Man kann nur versuchen, den Parasitendruck möglichst gering zu halten. Empfehlungen dazu sind beispielsweise alles abzuäppeln und Weidereste zu mulchen, was aus naturschutzfachlicher Sicht nicht in Frage kommt und auch arbeitstechnisch von uns nicht zu leisten ist. Optimal wäre auch eine Mischbeweidung mit Rindern, in deren Magen die Pferdewürmer sterben und umgekehrt.

    Die zwei Pferde, die nicht verwurmt waren, werden schon länger selektiv entwurmt und bekommen außerdem Ewalia Parasitensaft. Das zeigt, dass nicht zwangsläufig alle Pferde verwurmt sein müssen und das mit dem Kräutersaft werde ich auch ausprobieren. Bislang kannte ich nur die entwurmende Wirkung von Rainfarn (Tanacetum vulgare), den es auch auf unseren Flächen gibt und durchaus von den Pferden gefressen wird. Hier ein Auszug aus einem alten Kräuterbuch (für Menschen):

    Falls man den Text nicht lesen kann:

    „Verwendet werden Kraut, Blütenköpfe, Samen (…). Sie enthalten ätherisches Öl, etwas Bitterstoff und Gerbstoff.

    Rainfarn wirkt gegen Spul- und Madenwürmer.

    Man brüht 2 Teelöffeln voll mit einer Tasse Wasser an und trinkt nach längerem Ziehen. Einige Tage hintereinander zu nehmen. Unterstützend: roh geriebene Möhren mit Kümmel und Anis. Für guten Stuhlgang sorgen (Faulbaumtee).“

  • Naturschutz auf der Pferdeweide

    Wie geht das denn? Und nützt das auch den Pferden?

    Das aktuelle Heft der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ der VFD widmet sich dem „Thema Pferde halten – Natur schützen“ und zeigt Wege auf, wie sich Pferdehalter ihrer Verantwortung für den Naturschutz stellen können. In guten Beiträgen werden komplexe Zusammenhänge auf den Punkt gebracht und konkrete Anregungen für eine artgerechte Pferdehaltung, gesunde Weiden als Futtergrundlage und dem Schutz der Artenvielfalt aufgezeigt.

    Die Artikel sprechen mir dabei förmlich aus der Seele. Es wird beispielsweise erklärt, warum es eine WinWin-Situation wäre, wenn Freizeit-Pferdehalter Heu aus ungedüngten, spät geschnittenem, also proteinarmen, dafür kräuterreichen Wiesen füttern würden. Und auch eine extensiv genutzte, arten- und kräuterreiche Weide wäre für die meisten unserer Pferde besser geeignet als fruktanreiche Intensivgraslandschaften, die eher Rinderfutter sind. Pflanzenvielfalt, Blütenreichtum und auch mal was stehen lassen nützen dabei auch dem Insektenschutz. Ein ganzer Artikel widmt sich sogar speziell dem Insektensterben und was man auf der Weide dagegen tun kann. Zusammengefasst und stark vereinfacht:

    • Verzicht auf prophylaktische Wurmkuren
    • Verzicht auf Bremsenfallen
    • Verzicht auf Nachpflege, denn „Mähen tötet den Nachwuchs“ (Puppen- und Raupenstadien)
    • Verzicht auf rotierende Mähwerke und Mulchsammler
    • eine möglichst angepasste Anzahl an Pferden, damit Pflanzen Blüten ausbilden können

    Auch der Mehrwert von Hecken als Lebensraum, Biotopverbund, Windschutz und Knabberei für die Pferde wird aufgezeigt und welche Gehölze sich eignen, welche für Pferde giftig sind. Hecken und Gehölzreihen schützen die Weide auch vor Austrocknung in Dürreperioden. Und natürlich wird auch das Thema Giftpflanzen behandelt mit Tipps zur Eindämmung von Jakobskreuzkraut, Graukresse & co.

    Es wird beispielsweise beschrieben, dass die Graukresse in den letzten Jahren von der Trockenheit profitiert hat und sich vor allem auf übernutzten Weiden ausbreitet. Dagegen hilft nur eine nachhaltige Nutzung und wenn sie sich schon auf größeren Flächen ausgebreitet hat, ein Mulchen vor der Samenbildung im Juni.

    Auch die Themen Herbizid- und Düngemitteleinsatz sowie deren Nachteile für die Pferdegesundheit und Umwelt werden behandelt. Dabei kann man einen ganz einfachen Zusammenhang nicht oft genug betonen. Nur auf ungedüngten Wiesen und Weiden gibt es eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern, da sich ansonsten nur einige wenige konkurrenzstarke Arten ausbreiten und das nützt auch der Pferdegesundheit, denn „Wo Pferde gesund bleiben, herrscht bunte Vielfalt„.

  • Insektensterben

    Insektensterben

    „… wo Schafe weiden und Pferde für Rennen trainiert werden; und alle spenden Manna für die jubelnden Mistkäfer. Hier sind die Straßenkehrer am Werk – Käfer, die das wichtigste Amt haben, den Erdboden rein zu halten. Man kann die Vielfalt der Werkzeuge gar nicht genug bewundern, mit denen sie den Unrat bewegen, zerkleinern, formen oder tiefe Höhlen graben, in denen sie sich samt ihrer Beute einschließen.„

    So liebevoll beschreibt Jean-Henri Fabre 1879 in seinem ersten Band „Erinnerungen eines Insektenforschers„ das Werk der Dungkäfer.

    Und wie ist es heute auf einer Pferdekoppel um den wertvollen Manna bestellt? Der Umweltforscher, Agrarexperte und Leiter des Tagfalter-Monitoring Deutschland Josef Settele beschreibt Kuhfladen und Pferdeäpfel 2020 in seinem Buch „Die Triple Krise – Artensterben, Klimawandel, Pandemien“ als giftige Betonfladen:

    „Finden Insekten doch noch Nutztierexkremente als Unterschlupf, riskieren sie, in eine Giftfalle zu tappen. Kühen und Pferden werden oft über Kraftfutter Medikamente verabreicht, die vor Erkrankungen und Insektenbefall schützen. Aus Sicht der Landwirte und Züchter ist das nachvollziehbar…. Da die giftigen Mittel auch noch im Kot ihre Wirkung entfalten, werden Kuhfladen und Pferdeäppel für kleine Krabbeltiere nicht mehr verzehrbar. Dung- und Mistkäfer können die tierische Hinterlassenschaft nicht mehr zersetzen, sie bleibt, wie sie ist, und wird hart wie Stein. …40 Prozent der Dung- und Mistkäfer hierzulande sind ausgestorben oder zählen zu den am stärksten bedrohten Insektenarten.“

    Vom Artenschwund sind fast alle Insektengruppen betroffen. Eine erste, ernsthafte breite mediale Aufmerksamkeit hat dieses Phänomen mit der Studie der Krefelder Entomologen erfahren, die anhand von Fluginsekten einen Rückgang der Biomasse um bis zu 80% nachweisen konnten. Die Probeflächen befanden sich ausnahmslos in Schutzgebieten…

    Die Ursachen für das Insektensterben sind sicherlich ein Zusammenspiel von vielfältigen Faktoren. Aber die Hauptursache ist wohl die Intensivierung der Landwirtschaft mit einer meist flächendeckenden, prophylaktischen Nutzung von Pestiziden (Gift ist nunmal giftig), Überdüngung, Verlust von artenreichem Grünland und einer vielfältigen, strukturreichen Kulturlandschaft. Die wichtigste Stellschraube ist hier der gleichzeitig größte Fördertopf der EU – die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Sie zielte jahrzehntelang auf steigende Ernten, ohne Rücksicht auf Tierwohl oder Naturschutz ab.

    Aktuell wird diese „Subventionsmaschine“ (Die Zeit; Letzte Chance) mit einem Budget von 347 Milliarden Euro für eine Förderperiode bis 2027 umgestellt. Es gab große Hoffnungen in diese GAP-Reform und dass es zukünftig mehr Geld für ökologische Dienstleistungen, Tierwohl und klimaschonende Anbauweisen gibt. Landwirte wären sicherlich bereit „Schmetterlinge zu produzieren“, wenn sie dafür entsprechend bezahlt werden. Hier eine kleine Einführung zum Thema Agrarreform:

    Aber zurück auf die Pferdeweide, auf der jeder Selbstversorger und jede Haltergemeinschaft selbst Einfluss nehmen kann, um Insekten wieder Lebensräume zu bieten, u.a. im Pferdehaufen. Hier ein paar Anregungen für mehr Artenvielfalt auf der Pferdeweide:

    • Verzicht auf prophylaktische Wurmkurgaben
    • Verzicht auf Düngemittel und Pestizide
    • Herstellung von Habitatmosaiken (auch mal was stehen lassen, ggf. Teilflächen auszäunen, die Nutzung räumlich und zeitlich variieren)
    • bei der Mahd oder dem Mulchen Teilflächen stehen lassen
    • Anlegen oder Belassen von „Wilden Ecken“, Totholzhaufen, Lesesteinhaufen
    • bei der Neuanlage oder Nachsaat regio-zertifziertes Saatgut verwenden, ansonsten lieber auf die Pioniervegetation setzen

  • Wintervögel

    Endlich hat es geschneit und der Winter ist da 🙂

    Jetzt im Winter zeigt sich, ob unsere Weiden noch genug hergeben für Vögel, die im Winter bei uns bleiben. Amsel, Meisen, Sperling, Zaunkönig, Eichelhäher und viele weitere Vögel kann man im Winter sehr gut beobachten, wenn man ihnen Nahrung bietet. Die Hundsrose beispielsweise trägt noch im Winter beliebte, rote Früchte. Hagebutten sind nicht nur für die Pferde sehr gesund, da sie viel Vitamin C enthalten, sondern dienen auch unseren Wintervögeln als wichtige Nahrungsquelle. Folgende Abbildungen stammen aus dem Tagebuch der Edith Holden und verdeutlichen wunderbar den Wert von „Wilden Ecken“ – auch auf der Pferdeweide.

    Sehr wichtig ist auch überständige Vegetation mit Sämereien, von denen sich die Vögel im Winter, wenn es keine Insekten gibt, ernähren können. Bei uns gibt es noch einige Bereiche mit überständiger Vegetation und Sträuchern wie Hundsrose, Brombeere oder Weißdorn. Wenn die Pferde nicht so extensiv gehalten werden können, wäre es auch hilfreich, Teilbereiche auszuzäunen.

    Ich habe jetzt auch einen Bereich mit insgesamt fünf Eichen auszäunen müssen, weil der Verbiss und das Schälen durch die Pferde so stark ist, dass die Gefahr bestand, dass die Eichen eingehen. Solche ausgezäunten Bereiche haben auch den Vorteil, dass die Vegetation über den Winter stehen bleiben kann, als Überwinterungsmöglichkeit für Insekten und mit Nahrungsangebot für Vögel.

    Ansonsten ist es natürlich auch legitim Vögel einfach zu füttern, wenn man sie im Winter unterstützen und beobachten will. Tipps zur Vogelfütterung findet man beispielsweise beim NABU.

    Und nächstes Wochenende ist auch wieder Stunde der Wintervögel – eine gute Gelegenheit mal die Vögel auf der eigenen Weide, im Garten oder am Haus zu beobachten. Viel Spaß dabei 🙂

  • Der Haufen lebt

    Bei uns sind aktuell viele Dungkäfer aktiv und zersetzen die Äppelhaufen in kürzester Zeit…

    Momentan ist auffällig, dass die Pferdehaufen ziemlich schnell ihre Form verlieren, breite Fladen werden und es darin wimmelt wie nur was. Ich konnte natürlich nicht anders, als in den Haufen rumzuwühlen, um zu sehen, was da kreucht und fleucht. Jede Menge Dungkäfer:

    Es sind wohl vor allem Gefleckte Dungkäfer und einige Gemeine Dungkäfer, aber leider kenne ich mich mit Dungkäfern überhaupt nicht aus.

    Jetzt im Herbst kommt es mancherorts zu massenhaftem Auftreten der Dungkäfer. Sie ernähren sich nicht nur vom Kot, einige Arten legen Tunnel im Boden an, befördern den Kot in den Untergrund, je nach Art unterschiedlich tief, um dort die Eier abzulegen. Auf diese Weise belüften und düngen sie den Boden und zersetzen die Haufen, die sonst ewig auf der Weide liegen bleiben würden. Dungkäfer sind aber vor allem auch wichtig für den Erhalt der Biodiversität, denn sie sind Nahrung für andere Artengruppen wie Vögel oder Fledermäuse.

    In Europa gibt es 269 Dungkäferarten und in Deutschland 82 Arten, die sich in zwei Unterfamilien mit 46 Gattungen gliedern. Davon sind ca. 30% ausgestorben und 40% gefährdet. Die koprophagen Blatthornkäfer gehören laut dem NABU sogar „zu den am stärksten gefährdeten ökologischen Gilden innerhalb der Gesamtfauna„.

    Die Ursachen für den Rückgang der Dungkäfer sind zum Einen die Ablösung traditioneller Weidetierhaltung durch intensive Massentierhaltung in Stallanlagen und zum Anderen der massive Einsatz von Entwurmungsmitteln in der Freilandhaltung. Es wurde mittlerweile vielfach nachgewiesen, dass Wirkstoffe wie Ivermectin die Larvenentwicklung von Dungkäfern beeinträchtigen. Die adulten Käfer reagieren weniger empfindlich auf die Antiparasitika, aber die Eier und Larven sterben ab und der Kothaufen wird auf diese Weise zur ökologischen Falle….

    Wir haben diese Woche selbst eine Wurmkur gegeben, weil zumindest Assan einen hohen Befall mit Magen-Darm-Strongyliden hatte. Zwei unserer Einsteller haben selbst noch mal Kotproben genommen und ihre Pferde haben keinen Befall. Alle anderen Pferde haben eine Wurmkur bekommen, obwohl es mir natürlich angesichts der vielen Dungkäfer aktuell wahrhaft in der Seele weh tut…

    Eigentlich wollte ich nur noch die „klassische Nikolauswurmkur“ mit Dasselfliege geben und ansonsten nur nach Bedarf, wenn es einen Befall gibt. Ich frage mich auch nach dem Sinn, die Pferde gemeinschaftlich zu entwurmen, eng zu koppeln, alles abzuäppeln, obwohl sie ohnehin schon die ganze Zeit mit Eiern in den Äppelhaufen die Weiden „kontaminiert“ haben? Ich denke, wir werden das nächstes Jahr anders handhaben, nur noch im Winter eine Wurmkur, ansonsten nach Bedarf, einzeln und gezielt nach Befund.

    Ansonsten hoffe ich, dass durch das Abäppeln an den Heuraufen und längere Ruhepausen für die Weiden der Parasitendruck abnimmt. Ich bin gespannt…

  • Wilde Ecken

    Auch mal was stehen lassen für die Insekten – das ist gar nicht so leicht....

    Man möchte es ja gern sauber und ordentlich haben und wenn man schon mulcht, ist natürlich der Impuls da, gleich die ganze Fläche zu putzen. Aber ich konnte mich zusammenreißen und einen ca. 20m breiten Streifen stehen lassen. Hier haben wir schon angefangen, die Graukresse per Hand rauszureissen und der Rest muss noch nachgearbeitet werden. Ansonsten wachsen hier typische Arten der Ruderalfluren wie Weißer Gänsefuss, Amaranth, Rainfarn, Wegwarte, Brennnessel, Kanada-Goldrute, Kratzdistel, Große Klette, Sauerampfer, Beifuss und Schafgarbe. Sie bieten den Insekten noch ein wenig Nahrung als Nektarpflanzen und den Vögeln Samen über den Winter.

    Aber vor allem sind diese überständigen Vegetationsstrukturen wichtige Überwinterungslebensräume für Insekten. Beispielsweise legen Heuschrecken ihre Eier in Pflanzenstängel oder in der Bodenstreu ab, so dass sie auf mehrjährige Ackerbrachen, Blühstreifen oder Altgrasstreifen angewiesen sind. Auch Tagfalter legen meist ihre Eier an Pflanzenteilen ab, in der Regel der Futterpflanze der Raupen. Viele Insekten brauchen eine vom Herbst bis zum Frühjahr ungestörte Streuschicht am Boden oder überständige Vegetation zur Überwinterung der Larven und Puppen.

    Deshalb sollte man im Garten und auf dem Ponyhof nicht allzu ordentlich sein und auch mal ein paar Wilde Ecken zulassen und einfach mal was stehen lassen.

  • Von Vögeln & Insekten

    Unser Hausrotschwänzchen ist fleißig dabei seine Jungen zu füttern. Gestern konnte ich es dabei beobachten, wie es eine besonders fette Raupe zum Nest getragen hat.

    Aus dieser Raupe wäre vielleicht mal ein Schmetterling geworden. Und so leicht kann man eigentlich nachvollziehen, wie alles zusammen hängt: ohne Insekten keine Vögel, keine Fledermäuse, keine Amphibien, keine….

    Natürlich gibt es viele Ursachen für den Artenschwund, die sicherlich alle zusammen spielen. Die ausgeräumte Agrarlandschaft, in der jegliche Strukturen fehlen – sogar einfache Feldwege mit natürlichen Blühstreifen werden umgebrochen. Großflächig wird Gift gespritzt, was beschönigt „Pflanzenschutzmittel“ genannt wird. Klimawandel, invasive Arten die andere verdrängen wie Waschbär & co., zu aufgeräumte Gärten mit englischem Rasen und Gehölzen, die keinen Nutzen für unsere heimische Fauna haben. Bis hin zu Hauskatzen, die den Vögeln den letzten Rest geben…

    Aber was kann jeder selbt tun, um der Natur ein kleines Stück wieder zurückzugeben? Vielleicht eine kleine wilde Ecke lassen, eine kleine Bienenweide anlegen. Schwalben, Mauersegler und Rotschwänzen gewähren lassen, sich an ihrem Gesang erfreuen und nicht über ihre Hinterlassenschaften ärgern. Ein einfaches Brett unter einem Schwalbennest kann schon helfen, dass man nicht „angeschissen“ wird ;-).