Schlagwort: Kanada-Goldrute

  • Fotomonitoring

    Fotomonitoring

    Im September 2019 hab ich einige Fotos von den verschiedenen Weiden gemacht, um die Entwicklung der Flächen zu dokumentieren.

    Mein Oberziel für den Ponyhof Glindow ist/war die Verbindung einer artgerechten Pferdehaltung mit Naturschutz. Aber man muss dann doch sehr viele Kompromisse eingehen, immer wieder umdenken, nachjustieren, Pläne verwerfen, den Frust runterschlucken, weiter machen. Man bewegt sich in den engen Grenzen zwischen den Bedürfnissen der Pferdehalter, des Verpächters, den Rahmenbedingungen der Agrarförderung und dem eigenen Anspruch. Nach zwei Jahren Ponyhof muss ich an vielen Punkten kapitulieren, aber kann mich zumindest an dem Glück erfreuen, dass ich Assan ein schönes Leben ermögliche.

    Unterziele waren die Eindämmung der Kanada-Goldrute, der Graukresse und der offenen Bodenstellen. Mit der Umstellung auf eine Umtriebsbeweidung, sollten die Flächen sich immer wieder erholen können und mit Mulchen und Schafbeweidung die unbeliebten Vegetationsbestände zurückgedrängt werden. Ich denke, eine Verbesserung der Futterqualität ist auf den Flächen durchaus erkennbar, wobei man bei dem Fotovergleich auch die geringen Niederschlägen in den Jahren 2018/2019 berücksichtigen muss.

    Hauptweide September 2019
    Hauptweide September 2021
    Skuddenwiese September 2019
    Skuddenwiese September 2021
    Fuchwiese/Jägerwiese September 2019
    Fuchwiese/Jägerwiese Septmeber 2021
    Jägerwiese (vom Hochstand) September 2019
    Jägerwiese September 2021
    Dreieckswiese September 2019
    Dreieckswiese September 2021
  • Schafe und Ziegen…

    „knuspern“ derzeit auf unseren Flächen die Kanada-Goldrute weg und ich bin so froh, dass wir sie dieses Jahr wieder ausleihen konnten. Auf den Fotos sieht man den Effekt. Rechts waren die 43 Schafe und 5 Ziegen jetzt über eine Woche auf ca. einem Hektar. Dann wurden sie umgestellt und haben jetzt noch mal ungefähr einen Hektar zur Verfügung.

    Die Flächen waren lange verbracht und die Pferde fressen die Kanada-Goldrute nicht, sondern selektieren nur die Gräser raus. Mit dem selektiven Fraß werden die Konkurrenzverhältnisse für unbeliebte Pflanzen auf der Weide wie Giftplanzen oder Sauerampfer etc. noch weiter begünstigt. Aus diesem Grund ist es gut, wenn man die Möglichkeiten hat, die Flächen zu mähen, zu mulchen oder mit anderen Weidetieren zu pflegen. Aber nicht nur deshalb ist es mir eine besondere Freude, den Schafen und Ziegen beim Naschen zuzuschaun. Sie sind auch einfach herzig 🙂

  • Auf ewig Kanada-Goldrute

    Ursprünglich wollte ich auf diesem Blog über Artenvielfalt auf der Pferdeweide berichten, aber irgendwie treiben einen immer die gleichen Themen um. So zum Beispiel die Kanada-Goldrute, sie hat mittlerweile 11 Einträge mit Beschreibungen, warum sie so dominant ist, warum wir sie nicht haben wollen, welche Maßnahmen wir ergreifen und wie bislang der „Erfolg“ der Maßnahmen ist.

    Vor allem auf den neu eingerichteten Flächen kommt die Kanada-Goldrute flächendeckend vor. Sie wird von den Pferden nicht gefressen, raubt also den Platz für Futterpflanzen, soll in Mengen sogar giftig sein und von Artenvielfalt ist man auch weit entfernt. Was also tun? Eine Mahd ist für uns technisch nicht möglich, als Auftragsarbeit sehr teuer, wobei es ohnehin schwierig ist jemanden zu finden und das Mahdgut müsste entsorgt werden. Da hilft nur Mulchen (gefühlt mein neues Hobby) oder Beweidung mit anderen Weidetieren wie beispielsweise Schafe.

    Wobei wir dieses Jahr (bisher) sehr viel Glück mit dem Wetter hatten, so dass die Vegetation nach jedem mulchen nachgewachsen ist und man immer wieder Flächen für die Pferde vorhalten konnte. Aber da ich noch einen „richtigen“ Job habe, kann ich nicht den ganzen Tag auf dem Traktor sitzen und so haben wir wieder Schafe im Einsatz: 43 Guteschafe und 5 Ziegen sollen zumindest eine Teilfläche mit Kanada-Goldrute abfressen.

    Ich bin so froh, dass es dieses Jahr wieder geklappt hat, sich Schafe „auszuleihen“. Und für mein neues Hobby bleibt immer noch genug Fläche…

  • Wettersüchtig

    Wettersüchtig

    Wenn man versucht zehn Pferde über den Sommer ohne Heu zu bekommen, wird man wohl zwangsläufig Wetter-App-süchtig…

    Direkt nach dem Aufwachen ist das Erste, was ich mache, Wetteronline checken. Wenn Regen in Aussicht ist, hebt sich meine Laune, wenn der Regen, der schon mal in Aussicht gestellt wurde, „weg ist“, verfinstert sich meine Miene. Dann kann man noch mal andere Wetterberichte ausprobieren, aber es bleibt dabei, man muss einfach abwarten, ob Regen kommt oder nicht. Der Mai war wunderbar nass und kalt. Ich weiß, das hört sich schräg an, aber mittlerweile sieht man das Wetter (fast) nur noch aus Sicht der Entwicklung der Weiden. Und nun zeichnet sich wieder ein Jahr mit Dürren und Unwetter wie kurzen Starkregen, Hagel, Gewitter etc. ab.

    Im Mai ist alles schön hoch gewachsen, seit Juni ist es heiss und trocken. Es müsste also eine phantastische Heuernte geben, zumindest für den ersten Schnitt. Leider haben wir nicht die Möglichkeit Heu selbst zu machen und es ist schwer jemanden zu finden, der das für uns macht. Da die Pferde nicht alles auf einmal auffressen können, haben wir nun extrem viel überständige Vegetation. Vor allem viel Glatthafer, der ausgesamt, seine Nährstoffe in den Boden gezogen hat und nur noch als gelbe Rohfaser rumsteht. Im Prinzip kommen zwei Probleme auf unseren Flächen zusammen, wir können im Juni, wenn es den „Heuberg“ gibt, nicht selbst ernten, sondern nur mulchen. Und beim Mulchen ist man davon abhängig, dass es regnet und noch mal Gras nachwächst, so dass man wieder genug Futter hat.

    Fuchwiese am 19.05.2021
    Fuchswiese am 06.06.2021
    Fuchswiese am 20.06.2021

    Und wir haben nur wenig Pflanzenarten: Da ist zum Einen die Kanada-Goldrute, die von den Pferden nicht gefressen wird und zum Anderen der Glatthafer, der vor allem für Heu, aber nicht als frisches Weidegras geeignet ist. Aktuell kommt auch die Graukresse wieder zum Vorschein. Schön wäre hingegen eine kräuterreiche Weide mit verschiedenen Pflanzenarten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten grün sind. Beispielsweise würde ich mir mehr Luzerne, Schafgarbe, Margarite, Wilde Möhre, Skabiosen, Flockenblumen, Schwingel, Fuchsschwanz und all die Arten wünschen, die auf eine artenreiche Wiese oder Weide gehören. (Alle Versuche einer Aussaat mit standortheimischem, regiozertifizierten Saatgut sind gescheitert…). Das würde beispielsweise so aussehen:

    Aber uns bleibt zunächst nichts anderes übrig, als den vertrockneten Glatthafer und die Kanada-Goldrute „runter zu mulchen“, in der Hoffnung auf Regen und neues Futter. Ich hoffe, dass wir noch mal Schafe bekommen, damit sie die Kanada-Goldrute fressen…

    31.05.2021, die Jägerwiese steht noch im Saft
    27.06.2021, die Jägerwiese besteht nur noch aus Kanada-Goldrute und vertrocknetem Gras
  • Vegetationstransekt

    Um zu dokumentieren, wie sich die Flächen in Glindow, vor allem unter den Aspekten Artenvielfalt und kräuterreiches Grünland für eine gesunde Pferdehaltung entwickeln, habe ich ein Vegetationstransekt eingerichtet. Ein Transekt ist eine Untersuchungslinie, in diesem Fall mit zehn Vegetationsaufnahmeflächen mit je 2x2m, auf einer Fläche, die von Kanada-Goldrute dominiert wird und erst Ende 2019 eingerichtet wurde. Hier noch mal zusammengefasst, was bisher gemacht wurde:

    • Schafbeweidung mit Skudden im Winter 2019/2020
    • Abschleppen im Frühjahr 2020, um die Streuauflage abzuziehen
    • Schafbeweidung mit Guteschafen im Juni 2020
    • Mulchen der Reste im Juli 2020
    • ansonsten Beweidung mit unseren Pferden (die die Kanada-Goldrute nicht fressen)

    Was man beim Vergleich der Vegetationsaufnahmen feststellen kann, ist eine Abnahme der Deckung der Kanada-Goldrute und Zunahme der Deckung von Futtergräsern wie dem Glatthafer und dem Wiesenrispengras. Ich denke, dass man das auch auf den Fotos erkennen kann. Links die Aufnahmeflächen im Juni 2020, rechts Juni 2021.

    Daneben hat auch die Artenanzahl zugenommen. Insgesamt ist die Artenanzahl zwar fast gleich (35 Arten 2020; 38 Arten 2021), jedoch gibt es eine Zunahme der mittleren Artenanzahl (Median = schwarze Linie im Boxplot) pro Aufnahmefläche. Ich denke, die Zunahme lässt sich durch die Auflichtung der Dominanzbestände der Goldrute und der Verringerung der Streuschicht erklären. Die mittlere Artenanzahl lag 2020 bei 11 Arten pro Aufnahmefläche und 2021 bei 14 Arten.

    Diese Fläche, die wir aufgrund von Fuchsbauen „Fuchswiese“ genannt haben, ist zwar noch weit entfernt von artenreichem Grünland, aber dennoch zeigt sich ein leichtes Zurückdrängen der invasiven Kanadagoldrute.

    Hier noch eine Gesamtartenliste für den interessierten Leser ;-).

    Wissenschaftlicher NameDeutscher Name20202021
    Achillea millefoliumGewöhnliche Schafgarbexx
    Agropyron repensGewöhnliche Queckexx
    Arrhenatherum elatiusGlatthaferxx
    Berteroa incanaGraukressexx
    Bromus hordeaceusWeiche Trespexx
    Bromus sterilisTaube Trespexx
    Calamagrostis epigejosLand-Reitgrasxx
    Capsella bursa-pastorisGewöhnliches Hirtentäschel x
    Carex hirtaBehaarte Seggexx
    Cerastium holosteoidesGewöhnliches Hornkrautxx
    Cirsium arvenseAcker-Kratzdistelx 
    Convolvulus arvensisAcker-Windexx
    Dactylis glomerataWiesen-Knäuelgrasxx
    Daucus carotaWilde Möhrexx
    Descurainia sophiaBesenrauke, Sophienkrautx 
    Erigeron annuusEinjähriges Berufkraut x
    Equisetum arvenseAcker-Schachtelhalmx 
    Erodium cicutariumGewöhnlicher Reiherschnabelxx
    Galium aparineKletten-Labkraut x
    Galium mollugoWiesen-Labkrautxx
    Holcus lanatusWolliges Honiggrasxx
    Hypericum perforatumTüpfel-Johanniskrautxx
    Lactuca serriolaKompaß-Lattichxx
    Lathyrus pratensisWiesen-Platterbsexx
    Medicago lupulinaHopfen-Schneckenkleexx
    Moehringia trinerviaDreinervige Nabelmiere x
    Myosotis arvensisAcker-Vergißmeinnichtxx
    Papaver rhoeasKlatsch-Mohnxx
    Poa pratensisWiesen-Rispengrasxx
    Poa trivialisGewöhnliches Rispengras x
    Quercus roburStiel-Eiche (Naturverjüngung)x 
    Potentilla argenteaSilber-Fingerkraut x
    Rumex thyrsiflorusStraußblütiger Sauerampferxx
    Senecio vernalisFrühlings-Greiskraut x
    Solidago canadensisKanadische Goldrutexx
    Taraxacum officinale agg.Agg. Wiesen-Löwenzahnxx
    Trifolium arvenseHasen-Kleex 
    Urtica dioicaGroße Brennesselxx
    Veronica arvensisFeld-Ehrenpreisxx
    Veronica chamaedrysGamander-Ehrenpreisxx
    Vicia angustifoliaSchmalblättrige Wickexx
    Vicia craccaVogel-Wicke x
    Vicia hirsutaRauhhaarige Wickexx
  • Neue Flächen einrichten

    Eine neue Fläche zu bekommen ist Segen und Fluch zugleich. Es macht viel Arbeit, aber natürlich braucht man immer neue Flächen 😉

    Wir haben seit Herbst 2019 Flächen – die brachgefallen waren – durch Beweidung mit Schafen, durch Mulchen, Schleppen, Müll absammeln und Zäune aufbauen oder erneuern urbar gemacht. Das Problem auf den brachgefallenen Weiden war vor allem die Ausbreitung von Dominanzbeständen aus Kanada-Goldrute, die in Massen wohl auch giftig für Pferde sein kann.

    Als Beispiel sei noch mal unsere „Fuchswiese“ genannt, die intensiv bearbeitet wurde, um sie als Pferdeweide nutzen zu können:

    • Schafbeweidung mit Skudden im Winter 2019/2020
    • Abschleppen im Frühjahr 2020, um die Streuauflage abzuziehen
    • Schafbeweidung mit Guteschafen im Juni 2020
    • Mulchen der Reste im Juli 2020
    • Auszäunen von Fuchsbauen

    Dezember 2019
    Beweidung mit Guteschafen im Juni 2020
    Mulchen der Weidereste im Juli 2020
    April 2021

    Dieses Jahr haben wir wieder eine neue Fläche eingerichtet, die mal von einer Gärtnerei genutzt wurde. Sie wurde im Juli 2020 schon mal provisorisch eingezäunt und beweidet, im Herbst 2020 gemulcht und im März 2021 abgeschleppt. In einem Arbeitseinsatz wurde der Zaun aufgebaut, ein alter, halb eingewachsener Wildzaun abgeräumt und Müll abgesammelt. Es müssen noch Zierpflanzen wie Schwertlilien etc. und Folie unter der Erde ausgebuddelt werden. Dann können die Pferde ab Mai oder Juni auf die neue Fläche.

    Ein schmaler Brachestreifen, der wegen dem Wildzaun nicht gemulcht werden konnte zeigt den Unterschied: links die Fuchswiese, in der Mitte der Brachestreifen mit überständiger Vegetation aus dem letzten Jahr mit Landreitgras, Rainfarn und Kanada-Goldrute und rechts die neue Fläche. So ein Brachestreifen ist natürlich wertvoll aus naturschutzfachlicher Sicht und man sollte sich viel öfter dazu zwingen, auch mal was stehen zu lassen…

    Juli 2020, die neue Fläche mit Kanada-Goldrute und Landreitgras
    Abschleppen im März 2021, um die Streuschicht abzuziehen und damit der Müll „hochkommt“
    Zaunbau mit T-Pfosten und Kordel
    Brachstreifen
  • Fotopunkte IV

    Fotopunkte IV

    Wir haben einige Flächen mit Dominanzbeständen aus Kanada-Goldrute und mit dem folgenden Fotopunkt möchte ich zeigen, wir wir bisher damit umgegangen sind.

    Diese Fläche war im letzten Jahr fast vollständig von Kanada-Goldrute und Landreitgras bedeckt. Als erstes kamen Ende 2019 24 Skudden zum Einsatz. Im Januar, an einem relativ kalten Tag wurde die Fläche geschleppt, um die Stängel der Goldrute zu brechen. Im Frühjahr kamen dann die Pferde auf die Fläche, aber sie fressen die Kanada-Goldrute nicht wirklich und in Massen ist sie auch giftig. Da auch die Mahd nicht geklappt hat, haben wir noch mal Schafe als Leihgabe bekommen, 96 Guteschafe.

    Dezember 2019
    Juli 2020
    November 2020

    Nach den Schafen wurden die stehen gebliebenen Stängel im Juli gemulcht. Im August gab es dann eine Hitzeperiode, in der alles verbrannt ist und ich mich zunächst über das mulchen geärgert habe. Aber dann nach einigen schönen Regenfällen ist alles wieder grün geworden und die Pferde konnten seit September wieder auf die Fläche. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Man sieht im letzen Bild zwei Streifen, die ich wegen der Gehölze stehen gelassen habe.

    Natürlich wird die Kanada-Goldrute im nächsten Jahr wieder kommen. Es braucht Jahre, um sie loszuwerden. Es wird empfohlen solche Flächen mehrmals im Jahr zu mulchen. Mahd wäre natürlich schöner, aber niemand kann so ein Mahdgut gebrauchen. Vielleicht helfen uns im nächsten Jahr wieder Schafe, um die Goldrute in den Griff zu bekommen. Die Strategie bei der Goldrute kann nach dem Bundesamt für Naturschutz nur lauten, sie durch mehrmaliges Mulchen und/oder Abweiden im Jahresverlauf zu schwächen. Das kann einige Jahre dauern, wobei die Rhizome für immer im Boden bleiben. Das heisst, wenn die Nutzung ausbleibt, breitet sie sich wieder aus und verdrängt alle anderen Pflanzenarten, mit Ausnahme vom Landreitgras, das selbst sehr dominant ist….

    Skudden helfen bei der „Ersteinrichtung“
    Die Schleppe bricht die Stängel, aber es bleibt eine dicke Streuschicht liegen
    Im Frühjahr können die Pferde auf die Weide, die Kanada-Goldrute ist noch ganz jung und tritt deshalb noch nicht so in Erscheinung
    Guteschafe weiden die Goldrute weitgehend ab, es bleiben nur Stängel stehen

  • Fotopunkte II

    Neben dem Vegetations- und Tagfaltertransekt habe ich letztes Jahr im Herbst ein paar Fotopunkte eingerichtet.

    Im Folgenden möchte ich zwei davon zeigen und beschreiben, was auf diesen Flächen in punkto Weidepflege passiert ist.

    September 2019
    März 2020

    Juni 2020
    Juli 2020
    August 2020
    September 2020

    Der Fotopunkt ist auf einem Hochstand auf unserer „Jägerwiese“ mit Blick auf die „Fuchswiese“ entstanden. Auf der Fuchswiese ist ein Fuchsbau – daher der Name – und Jägerwiese hat sich natürlich aufgrund der Jagdkanzel angeboten. Von diesem Punkt aus soll über die Zeit beobachtet werden, wie wir hoffentlich die Kanada-Goldrute in den Griff bekommen.

    Über den Winter hatten wir die Skudden, welche die Goldrute ganz gut abgefressen haben und alles schön kurz gehalten haben. Im Frühjahr kamen dann die Pferde auf diese beiden Weiden und im Juli habe ich die Flächen gemulcht. Das Mulchen war ja leider etwas nach hinten losgegangen, wie bereits in dem Beitrag „Verbrannt“ beschrieben. Es blieb nichts anderes übrig als mit der Zufütterung von Heu zu beginnen, was eigentlich erst für Oktober geplant war. Mit den Niederschlägen Anfang September ist jedoch innerhalb kurzer Zeit alles wieder grün geworden und wir konnten die Pferde wieder auf diese beiden Weiden lassen.

    Eine andere Perspektive auf die Fuchs- und Jägerwiese zeigen folgende Bilder:

    September 2019
    Juli 2020
    September 2020

  • Verbrannt

    Verbrannt

    Eine Woche Hitze hat gereicht, um die Weiden förmlich zu „verbrennen“…

    Während es im April extrem trocken war, hatte es im Mai, Juni und Juli eigentlich ganz gut geregnet. Die Bilanz der ersten Jahreshälfte sind 300mm für die Station Potsdam. Das langjährige Mittel liegt bei fast 600mm im Jahr. Einen Jahresvergleich kann man natürlich erst machen, wenn das Jahr 2020 zu Ende ist, aber es gab doch Grund zum Optimismus dieses Jahr. (Die Daten können beim DWD runter geladen werden. )

    Die Wiesen und Weiden waren schön grün und so habe ich in meinem Optimismus die Kanada-Goldruten-Fluren von Schafen abfressen lassen und Mitte Juli gemulcht. Es ging darum, im Spätsommer/ Herbst wieder Flächen mit frischem Aufwuchs zur Verfügung zustellen und natürlich die Kanada-Goldrute langfristig loszuwerden. Aber auf zwei großen Flächen mit fast 3 Hektar ist nix mehr gewachsen. Es ist einfach alles vertrocknet, was bleibt ist die Graukresse….

    Juli 2020 – Mulchen der Kanada-Goldrute

    August 2020 – ohne Worte

    War es ein Fehler zu mulchen? Ich weiß es nicht, die Kanada-Goldrute hat zumindest für ein besseres Mikroklima gesorgt und es wäre noch überständiges Landreitgras da. Aber überständiges Landreitgras und Kanada-Goldrute haben auch keinen Futterwert. Das Ziel war eigentlich frisches Grün zu produzieren, stattdessen müssen wir bald wieder anfangen Heu zu zufüttern.

    Was ist die Lehre daraus? Nicht mehr im Sommer zu mulchen, lieber im Herbst/Winter? Das wäre definitiv auch besser für die Insekten….

    Vielleicht klappt nächstes Jahr die Mahd Anfang Juni, so wie es auch eigentlich geplant war.

  • Fotopunkte

    Für die Dokumentation der Entwicklung der Flächen habe ich, neben einem Vegetationstransekt auch Fotopunkte angelegt…

    Hier möchte ich einen dieser Fotopunkte vorstellen:

    September 2019
    April 2020
    Juni 2020
    August 2020

    Dabei handelt es sich um eine Fläche, die erst 2019 für die Beweidung von meinem Vorgänger eingezäunt und durch Mulchen „erst eingerichtet“ wurde. Sie wird von Kanada-Goldrute, Rainfarn und im hinteren Teil von Glatthafer dominiert.

    Im Winter 2019/2020 wurde die Fläche von Schafen abgeweidet und im Frühjahr kamen die Pferde auf die Fläche, um gleich wieder den frischen Aufwuchs abzufressen. Im Juni kamen noch mal Schafe auf die Fläche, damit man im Spätsommer wieder eine Fläche für die Pferde zum abweiden hat. Ohne die Zwischenbeweidung oder eine andere Form der Bearbeitung wie Mahd, wäre hier nur überständiges Gras und Kanada-Goldrute, was die Pferde nicht gern fressen.

    Schafe haben dafür den Vorteil, dass sie bevorzugt Kräuter abweiden und damit Gräser bevorteilen. Damit ergänzen sie sich wunderbar mit den Pferden, welche widerum lieber Gräser fressen und Kräuter oder Stauden wie Kanada-Goldrute stehen lassen.

    Im September werde ich diesen Fotopunkt noch einmal aufsuchen, ich bin schon gespannt, ob man einen Unterschied sieht, denn die Kanada-Goldrute kommt erst im Herbst so richtig zur Geltung, wenn sie blüht.

  • Mulchen

    Ich bin nun wirklich kein Fan vom Mulchen, aber aktuell geht es leider nicht anders….

    Beim Mulchen werden zum Einen Insekten, deren Überwinterungsstadien, Vogelnester, Kleinsäuger, Reptilien etc. mitgeschreddert und zum Anderen bleibt die Biomasse als Streuschicht liegen. Das bedeutet, dass die ohnehin schon zu nährstoffreichen Flächen zusätzlich gedüngt werden. Von Artenvielfalt ist man also noch weit entfernt. Denn artenreiches Grünland gibt es nur auf ausgehagerten Flächen.

    Ein Abweiden wäre mir lieber gewesen oder wenigstens eine Mahd, aber leider bekommen wir ohne Mulchen die Kanada-Goldrute nicht in den Griff. Die Pferde fressen die Kanada-Goldrute nicht und wir haben ja auch das Luxusproblem, dass wir zu wenig Pferde für zu viel Fläche haben. Als Mahdgut ist es auch ungeeignet, höchstens als Einstreu und die Schafe haben nun wirklich ihr bestes gegeben. Aber die Goldrute kommt in den ersten Jahren der „Bekämpfung“ immer wieder und da heisst es jetzt dran bleiben….

    September 2019 – im Hintergrund sieht man die gelben Blüten der Kanada-Goldrute
    März 2020 – die Schafe haben die jungen Triebe abgefressen

    Juni 2020 – die Pferde haben sich nur auf die „Schokolade“ gestürzt und die Kanada-Goldrute verschmäht
    Juli 2020 – die „Weidereste“ muss nun der Mulcher erledigen

  • Kanada-Goldrute

    …. blüht zwar hübsch gelb und ist eine gute Bienenweide, aber leider auch ein invasiver Neophyt, der artenarme Dominanzbestände ausbildet.

    Und wir haben leider ziemlich viel davon. Zum Einen ist Kanada-Goldrute in Massen kein vernünftiges Pferdefutter, wird von den Pferden auch kaum verbissen und raubt Futterpflanzen den Platz. Zum Anderen breitet sie sich immer weiter aus, wenn man sie nicht bekämpft und ist der Feind jeglicher Artenvielfalt auf der Weide.

    Deshalb sind nun seit fast drei Wochen wieder Schafe bei uns im Einsatz, um die Kanada-Goldrute zu verbeissen. Heute werden die Schafe noch einmal umgestellt, bevor sie demächst wieder abgeholt werden, um woanders ihren Job zu erledigen.

    In Deutschland kommen nach Kowarik zwei Goldrutenarten (Solidago canadensis, S. gigantea) als Neophyten vor, beide stammen ursprünglich aus Nordamerika. Die Kanadische Goldrute ist seit 1645 in England bekannt und die Riesen-Goldrute wurde 1758 eingeführt. Die Kanada-Goldrute ist damit eine der ältesten, aus Nordamerika eingeführten Gartenpflanzen.

    Beide Goldrutenarten sind mehrjährig und können ein breites Spektrum an Standorten, von trocken bis feucht, nährstoffarm bis nährstoffreich besiedeln. Dabei kommen sie vor allem auf ruderalen Standorten und Brachen vor, z.B. in aufgegebenen Gärten (wie bei uns). Laut Kowarik kennzeichnen drei Schlagwörter den Erfolg der Goldrute: Schnelligkeit, Dominanz und Persistenz. Pro Blütenstand werden bis zu 20.700 Früchte produziert, die vom Herbst bis ins Frühjahr hinein vom Wind sehr weit verbreitet werden können. Gleichzeitig kann sie sich hervorragend über Rhizome bzw. klonales Wachstum ausbreiten. Die Rhizome wachsen im Sommer parallel zur Bodenoberfläche und bilden im Herbst oder Frühjahr neue Luftsprosse. Die Bildung der Rhizome wird natürlich durch eine gute Wasser- und Nährstoffversorgung gefördert.

    Ein Zurückdrängen der Goldrute hat aus diesem Grund nur Erfolg, wenn man über mehrere Jahre intensive Maßnahmen ergreift und auch anschließend jegliche neue Etablierung unterbunden wird. Empfohlen werden eine zwei- bis dreimalige Mahd in Kombination mit einer Beweidung. Denn zu Beginn der Vegetationsperiode wird Stickstoff aus den Rhizomen mobilisiert und im Herbst zurück verlagert, d.h. man nimmt ihr die Reserven, wenn die oberirdische Biomasse entfernt wird. Eine alleiniges Abschneiden der Pflanze führt nur zu weiteren Klonen….

    Das bedeutet auch, dass man selbst durch intensive Nutzung lediglich geringere Deckungsgrade (z.B. von 100% auf 40%) erreicht, so dass andere Arten die Chance haben sich zu etablieren. Aber man wird sie nicht vollständig aus dem Boden entfernen können, dafür müsste man die Rhizome komplett ausgraben. Mehrmaliges Mulchen ist auch möglich, behindert jedoch durch die Streuauflage das Keimen anderer Arten.

    Puh, das macht nicht grad Mut, aber man darf niemals aufgeben!

  • Guteschafe

    Bei uns sind seit einer Woche 96 Guteschafe und sie sind wirklich ziemlich gute Schafe….

    Es ist einfach der Wahnsinn, wie sie an die Kanada-Goldrute rangehen! Wir dachten eigentlich, dass sie sich nur über den Glatthafer her machen, der von den Pferden aus den Goldruten-Beständen gezielt rausgenascht wird. Aber nein, den Glatthafer haben sie zunächst stehen lassen und auch der Schäfer erklärte mir, dass Schafe lieber Kräuter als Gräser fressen. Auf diese Weise ergänzen sich die Pferde und Schafe wunderbar.

    Die Schafe beginnen mit dem Glatthafer….

    Von der Kanada-Goldrute bleiben nur noch die Stängel stehen.
    Sogar die Brennnessel wird angefressen.

    Erst nachdem die Goldrute weitgehend abgefressen war, haben die Schafe angefangen, Brennnessel und Glatthafer zu fressen. Hier eine kleine Bilderreihe vom Glatthaferbestand, der von den Pferden zwar gern gefressen wird, aber aufgrund der zu geringen Besatzstärke stehen blieb:

    24.04.2020
    01.06.2020
    26.06.2020

    Schafe sind besser als jeder Rasenmäher, Mulcher oder eine Mahd mit dem Traktor. Sie hinterlassen die Fläche ziemlich sauber, ohne dabei Insekten, Vogelnester, Rehkitze etc. zu schreddern. In den Vegetationsstrukturen, die sie stehen lassen finden Heuschrecken & co. Lebensräume und die Biomasse wurde sinnvoll verwertet. Ich bin ziemlich froh, dass diese Kooperation mit dem Schäfer so schnell geklappt hat. Am Wochenende kommen sie auf eine neue, „schöne“ Fläche mit Kanada-Goldrute.

  • … und dann klappt doch wieder was

    Die letzten Wochen waren ziemlich anstrengend, weil vieles nicht so geklappt hat, wie geplant. Aber jetzt scheint es wieder etwas bergauf zu gehen.

    Eine Fläche konnte noch ziemlich spontan von einem ortsansässigen Landwirt gemäht werden. Er guckte sich die Flächen an, fuhr nach Hause und holte seinen Traktor. Noch vor dem Regen am Wochenende schaffte er es, die Fläche zu mähen, das Mahdgut zu wenden und Ballen zu pressen.

    Für eine andere Fläche, die eigentlich gemäht werden sollte, konnte auch ziemlich spontan eine Lösung gefunden werden: 96 Guteschafe sind bei uns eingezogen und helfen, die Weide zu pflegen. Sie knabbern schön an der Kanada-Goldrute die Spitzen und Blätter ab. An den Glatthafer sind sie bisher überhaupt noch nicht rangegangen, vielleicht ist er schon zu überständig und rohfaserreich? Die Reste könnten dann jedenfalls nach dem Einsatz der Schafe „runter gemulcht“ werden und dann mal sehen, ob man erste Erfolge bei der Bekämpfung der Kanada-Goldrute erkennen kann.