Schlagwort: Kanada-Goldrute

  • Blühende Landschaften

    Blühende Landschaften

    Seit nunmehr sieben Jahren versuchen wir die Flächen mit Graukresse (Berteroa incana) und Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) in artenreiches Grünland umzuwandeln. Es geht dabei um einen kleinen Beitrag zum Erhalt von Biodiversität und der Schaffung einer gesunden Nahrungsgrundlage für unsere vierbeinigen Lieblinge.

    Neben dem Zurückdrängen der Graukresse und der Kanada-Goldrute sollen die Weiden mit Kräutern angereichert werden, durch Förderung der Pioniervegetation und Einsaat in offene Bodenstellen (zb Wildschweinstellen) sowie Mahdgutübertragung aus einer Einsaatfläche. Dabei verwenden wir regiozertifiziertes Saatgut aus dem Ursprungsgebiet 4 – Ostdeutsches Tiefland.

    Die (für Pferde giftige) Graukresse konnte in den letzten Jahren durch die Vermeidung von Überbeweidung bzw. Schonung der Grasnarbe, Mahd, Mulchen und vor allem durch händisches Rausreißen zurückgedrängt werden.

    Dabei haben wir beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass das Mulchen nur sinnvoll ist, wenn die Graukresse vor der Bildung von Samenkapseln/Schötchen gemulcht wird, weil sie ansonsten nachreifen kann. Auf dem folgenden Foto wurde die Graukresse im Juli gemulcht, was schon zu spät war.

    Die gleiche Fläche, aus der gleichen Perspektive in diesem Jahr fotografiert zeigt, dass unsere Maßnahmen – in Bezug auf die Graukresse – durchaus erfolgreich waren.

    Wir haben dieses Jahr Anfang Juni mulchen lassen, aber die Graukresse hat es geschafft noch einmal zur Blüte und zur Ausbildung von Samenkapseln zu kommen. Aus diesem Grund mussten wir die Graukresse noch einmal vollständig händisch rausziehen. Aktuell fragen wir uns, ob es überhaupt Sinn macht, zu mulchen oder ob man sie von vornherein rauszupfen sollte?

    Das Problem ist auch der Samenvorrat im Boden aus den letzten Jahren. Ein Schötchen enthält ca. zehn Samen und an einer Pflanze können hunderte von Schötchen sein…

    Die Graukresse ist vor allem mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt und hat in den letzten Jahren von den Dürre-Ereignissen profitiert, weil sie dadurch einen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Pflanzen hat.

    Und auch die Goldrute wurde dieses Jahr wieder „geärgert“ mit Mulchen und einer temporären Beweidung mit Schafen. Es wäre illusorisch, die Goldrute komplett loszuwerden, dafür müsste man sie rausreißen oder den Oberboden inklusive ihrer Rhizome abtragen. Das geht natürlich nicht auf zehn Hektar, deshalb können wir nur jedes Jahr immer wieder dafür sorgen, dass sie zurückgedrängt wird. Würde der Druck nachlassen, würde sie wieder 100% Deckung einnehmen. Im Folgenden der Vergleich zweier Flächen mit Goldrute im Jahr 2019 und heute.

    Wenn wir es schaffen, Goldrute und Graukresse zurückzudrängen machen wir auch Platz für Artenvielfalt und eine gesunde Grasnarbe. In den letzten Jahren sind auf den Weiden unter anderem neu dazugekommen: Labkraut (Galium mollugo agg.), Grasnelke (Armeria maritima subs. elongata), Wilde Möhre (Daucus carota), Margarite (cf. Leucanthemum ircutianum), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe subd. stoebe), Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), Lichtnelke (Silene vulgaris) usw.

    Das Ziel ist die Schaffung bunter Wiesen mit verschiedenen Gräsern und Kräutern als gesunde Nahrungsgrundlage für unsere Tiere und ein reiches Blütenangebot für Wildbienen, Tagfalter etc. – Das Generieren blühender Landschaften statt tot geweideter Paddocks oder Brachen mit Goldrute.

  • Geduld

    Geduld

    Es braucht viele Jahre, um artenreiche Weiden zu generieren – aber wie geduldig man sein muss, habe ich mir vor sechs Jahren mit Beginn dieses Beweidungsprojektes nicht vorstellen können. Zum einen haben wir es mit Brachen zu tun, die von Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) dominiert werden und zum anderen mit einer übernutzten Hauptwiese mit dominanter Graukresse (Berteroa incana).

    Hier Beispielbilder von der Hauptweide mit Blick auf den Unterstand. Die Fläche wird im Sommer aus der Beweidung genommen und wegen der Graukresse 1x jährlich im Juni vor der Samenreife der Graukresse gemulcht. Im Jahr 2023 waren ganz gute Niederschläge, da sah die Fläche am besten aus im Vergleich. Dieses Jahr haben wir wieder Dürrephasen von denen die Graukresse profitiert, weil sie sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist und dadurch einen Konkurrenzvorteil gegenüber den anderen Pflanzenarten hat.

    Hauptwiese Juli 2023
    Hauptwiese Juli 2026

    Es wurde dieses Jahr Anfang Juni gemulcht und leider wächst die Graukresse einfach weiter, d.h. sie bildet neue Triebe und muss wieder zusätzlich händisch rausgezogen werden.

    Ein Lichtblick ist immerhin das Auftauchen der Sichelmöhre (Falcaria vulgaris), denn sie zeigt das Potential der Flächen für die Entwicklung von kalkreichen Sandrasen bzw Steppentrocken wie auf den Kuppen der Umgebung, beispielsweise am Königsberg oder den Glindower Alpen.

    Sichelmöhre

    Und in einem Teilbereich der Hauptwiese hatte ich vor drei Jahren regio-zertifziertes Saatgut in Wildschweinstellen eingebracht und diesen Bereich seitdem 1x jährlich gemäht. Hier hat sich nun mittlerweile ein kleiner schöner Bestand aus Flockenblumen (Centaurea stoebe, C. jacea), Wilder Möhre (Daucus carota), Königskerze (Verbascum lychnitis, V. nigrum) und Margarite (Leucanthemum ircutianum) entwickelt. Ich habe diesen Bereich ausgezäunt, damit die Arten aussamen und in die umliegenden Bereiche ausstrahlen können. Im ersten Jahr nach der Aussaat dachte ich, es passiert nichts, da kommt einfach nichts, aber man muss anscheinend sehr viel Geduld haben für die Entwicklung blühender Landschaften 😉

    Auch auf einer Fläche mit dominanter Kanada-Goldrute, auf der ich ein Transekt mit Vegetationsaufnahmen angelegt habe, geht es nur sehr langsam voran mit der Artenvielfalt. Es sind ingesamt elf Aufnahmeflächen quer über die Fläche mit jeweils 2mx2m Quadraten auf denen ich nun seit 2020 Vegetationsaufnahmen durchführe, um die Entwicklung im Kampf gegen die Goldrute zu dokumentieren. Dabei wurden die Flächen gemulcht, gemäht, mit Schafen beweidet und natürlich permanent mit unserer Herde, aktuell bestehend aus sechs Pferden und zwei Kühen ganzjährig beweidet. Leider fressen auch die Kühe die Goldrute nicht, so dass wir auf das Mulchen nicht verzichten können.

    Die Deckung der Goldrute hat zwar etwas abgenommen und es sind durchaus mehr Arten dazugekommen, aber es geht nur sehr mühsam voran. Die Gesamtartenanzahl hat von 38 Arten im Jahr 2020 auf 43 im Jahr 2026 zugenommen und die mittlere Artenanzahl pro Aufnahmefläche stagniert bei 16 Arten. Eine Gestamtartenliste im Vergleich der letzten Jahre befindet sich am Ende des Beitrages.

    Aber auch hier gibt es einzelne Lichtblicke: stellenweise tauchen Margariten, Flockenblumen, Lichtnelken (Silene vulgaris) und Heidenelke (Dianthus deltoides) auf, die sicherlich aus dem Saatgut kommen, dass wir immer wieder in Wildschweinstellen einbringen.

    Neben Mulchen, Mähen, Beweiden, Rausreißen und der punktuellen Einsaat steht auch die Mahdgutübertragung von einer Wiese mit flächiger Einsaat auf andere Weideflächen auf dem Programm. Und zumindest ist in diesem Jahr zum ersten Mal Margarite auf einer Weide aufgetaucht, auf der wir im letzten Jahr Mahdgut mit reichlich Margarite übertragen haben.

    Also – es bleibt weiterhin viel zu tun, um artenreiches Grünland zu generieren und mit gutem Beispiel für eine artgerechte Pferdehaltung in Verbindung mit Naturschutz voranzugehen.

    Und zum Schluss noch die Gesamtartenliste der Vegetationsaufnahmen für den interessierten Leser:

  • Schnee und Eis

    Schnee und Eis

    Endlich gibt es mal wieder einen richtigen Winter – er ist wunderschön, aber auch herausfordernd.

    Interessant finde ich zunächst, dass die Pferde trotz geschlossener Schneedecke weiterhin über alle Weiden laufen und überständige Vegetation abzuppeln. So, wie sie es tun müssten, wenn sie Wildpferde wären und niemand ihnen Heu hinstellt. Ich konnte sogar beobachten, wie sie mit den Hufen oder der Nase den Schnee weg scharren, um an die Vegetation zu kommen. Ansonsten wird beispielsweise meine Lieblingsfeindin – die Kanadische Goldrute – abgezupft und vor allem ihre Samenstände gefressen. Sehr gut!

    Bei Assan versuche ich jeden Winter, dass er ohne Decke über die Runden kommt, aber leider ist sein Fell nicht dafür ausgelegt, dass beispielsweise der Schnee darauf liegen bleibt. Bei nasskaltem Schneesturm fängt er dann doch an zu zittern und ich musste ihm eine Decke anziehen. Bei anderen Pferden kann man gut sehen, dass ihnen dieses schruppige Wetter überhaupt nichts anhaben kann. Die Pferde sind gut gelaunt, spielen miteinander, dösen gemeinsam in der Sonne oder windgeschützt an einer Hecke.

    Und es ist auffällig, dass sie vielmehr Heu fressen als sonst und ich denke, es liegt nicht nur daran, dass Schnee liegt, sondern weil Heu ihre „Heizung“ ist. Das heißt, durch die Magen-Darm-Tätigkeit entsteht Wärme im Dickdarm, die der Regulierung der Körpertemperatur dient.

    Deshalb brauchen Pferde auch mehr Wasser bei diesen Temperaturen, weil Heu keine Feuchtigkeit hat und der Wasserbedarf zur Unterstützung der Verdauung höher ist als sonst. Und da haben wir die wohl größte Herausforderung im Winter – eingefrorene Tränken und Wasserbottiche. Wir haben einen IBC Container, der bis zu einem bestimmten Grad von den Pferden an einer kleinen Stelle offen gehalten wird, aber bei Temperaturen von weniger als -10°C dann doch vollständig zufriert. Und unsere – eigentlich – frostreie Tränke ist leider auch eingefroren (defekt?). Hier haben wir zunächst mit einem zusätzlichen Begleitheizdraht nachgerüstet und ich hoffe, dass das zumindest so lange funktioniert, bis eine neue Tränke eingebaut ist…

    Das sind die nervigen Wintermomente, wenn man im Schneesturm Tränken und Zäune reparieren und beim abäppeln jeden angefrorenen Haufen mit dem Spaten lockern muss. Aber der Winter entschädigt auch mit wundervollem Licht, glitzerndem Schnee, einer besonderen Stimmung und Gedämpftheit.

  • Kanada-Goldrute

    Kanada-Goldrute

    Der Kampf gegen die Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) geht in die nächste Runde und damit schon ins fünfte Jahr. Wir sind ihr mit mulchen, Schafen und dieses Jahr auch mit einem Balkenmäher zu Leibe gerückt.

    Mahd mit Balkenmäher
    abziehen der Fäche mit einer Schleppe
    eine Teilfläche wurde gemulcht

    Manchmal hat man das Gefühl, alles ist umsonst und nichts hilft – aber leider muss man bei der Etablierung von artenreichen Wiesen und Weiden sehr viel Geduld aufbringen. Bei einer Weiterbildung meinte ein Kollege, dass er nunmehr seit 30 Jahren Trockenrasen in der Umgebung von Werder/Havel mäht und sich die ersten Erfolge nach acht Jahren (!) eingestellt haben. Er wußte aus historischen Quellen, wo es mal artenreiche Steppentrockenrasen gab und hat diese gezielt gepflegt, mit einem beeindruckenden Ergebnis.

    Aber wir haben es mit Flächen zu tun, die ehemals Fichtenforst waren, danach Gartenland und dann Brache – mit Ausbreiung der Kanada-Goldrute. Deshalb ist die einzige Chance, die wir haben, die Goldrute loswerden und immer wieder (Regio-) Saatgut oder Mahdgut von artenreichen Flächen verteilen, um eine kräuter- und artenreiche Weide zu entwickeln. Und nur eine kräuter- und artenreiche Weide kann eine gesunde Nahrungsgrundlage für unsere Weidetiere sein. Ich freue mich ja schon über jede Margarite (Leucanthemum ircutianum), Gemeines Leinkraut (Silene vulgaris) oder Flockenblume (Centaurea jacea), die hier und da mal auftauchen – aus dem vielen Saatgut, dass ich schon verteilt habe.

    Um die Entwicklung zu dokumentieren, habe ich im Jahr 2020 ein Vegetationstransekt mit elf Aufnahmeflächen (2mx2m) eingerichtet. Im Folgenden soll an einer der Aufnahmeflächen beispielhaft die Veränderung gezeigt werden:

    Vegetationsaufnahmefläche 2020
    Vegetationsaufnahmefläche 2025

    Auf den Fotos kann man nur schwerlich eine Veränderung erkennen, man muss genauer hinschauen und die Artenliste vergleichen:

    Die Deckung der Goldrute hat von 65-75% auf 15-25% abgenommen und die Artenanzahl ist von sechs auf 14 Arten angestiegen. Es sind mehr Gräser dazu gekommen, wobei vor allem Quecke und Glatthafer den frei gewordenen Platz eingenommen haben. Durch die Reduktion der mächtigen Streuschichtauflagen, die die Kanada-Goldrute bildet und damit jede Konkurrenz ausschaltet, konnten ein paar kleine Kräuter wie Feld-Klee (Trifolium campestre), Reiherschnabel (Erodium cicutarium) oder Rauhaarige Wicke (Vicia hirsuta) dazu kommen. Wenn man sich das Foto der Aufnahmefläche im Jahr 2020 genauer anschaut, kann man in der rechten, unteren Ecke die Streuschicht erkennen. Diese Streuschichtauflage wird aus der jeweils im Winter abgestorbenen Pflanzenmasse gebildet, kann bis zu 20cm mächtig werden und wird nur durch die Goldrute selbst durchwachsen.

    Die oben genannten Maßnahmen und die Beweidung haben zumindest zu einem Abbau der Streuschicht und einer Auflichtung geführt, d.h., es wurden „Lücken“ im Goldruten-Dickicht geschaffen, die andere Pflanzen nutzen können.

    Lücke mit Quecke, Schafgarbe, Feld-Klee und Reiherschnabel
    Glatthafer und Margarite (aus Saatgut?) nutzen die entstandenen Lücken
  • Faktencheck Artenvielfalt

    Faktencheck Artenvielfalt

    Mehr als 150 Wissenschaftler*innen aus 75 Institutionen haben einen beeindruckenden Bericht zur Lage der Artenvielfalt in Deutschland herausgebracht. Man kann den Bericht vollständig oder als Zusammenfassung, kostenlos herunterladen:

    https://www.feda.bio/de/das-ist-faktencheck-artenvielfalt/

    Zunächst ein paar harte Zahlen und Fakten:

    • Von den ca. 72.000 einheimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind ein Drittel gefährdet, drei Prozent sind bereits ausgestorben.
    • 60% der Lebensraumtypen sind in einem schlechten Erhaltungszustand.
    • 69% der Offenland-Biotope gelten als langfristig gefährdet, 80% davon nehmen immer weiter ab, z.b. artenreiche Äcker, intakte Hochmoore und Grünland.
    • Die Populationen von Vögeln im Agrar- und Offenland sind in knapp 40 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen.
    • 30.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel werden jährlich ausgebracht und schädigen Bodenlebewesen und Insekten.

    Im Folgenden möchte ich zwei Auszüge zitieren, die im direkten Zusammenhang mit dem Thema Artenvielfalt (Pferde) -Weide stehen:

    „In Landlebensräumen haben vor allem die Zerstörung und Zerschneidung von Habitaten zu einer Abnahme der biologischen Vielfalt beigetragen. In der Agrar- und Offenlandschaft hat die Flurbereinigung durch die Entfernung von Hecken, Wegrändern und Kleingewässern die Habitatvielfalt stark verringert. Artenreiche Wiesen und Weiden wurden und werden für die Anlage von artenarmen Hochleistungsgrünländern oder für die Ackernutzung umgebrochen. Nahezu verschwunden sind baumarten- und strukturreiche historische Waldnutzungsformen wie Nieder-, Mittel- und Hutewälder, die für die Artenvielfalt von Insekten und Vögeln des Waldes eine große Bedeutung haben.„

    „Zur Intensivierung der Landnutzung gehören die Aufgabe von Fruchtfolgen, der Einsatz von Dünger, Pestiziden und schweren Landmaschinen, der Anbau von Kulturgräsern und der Rückgang der extensiven Beweidung.“

    Und hier sehe ich auch eine Mitverantwortung bei Pferdehaltern, weil sie einen erheblichen Anteil am Grünland nutzen und indirekt Einfluss auf die Art und Weise der Heugewinnung nehmen können. An dieser Stelle Beispiele zu nennen, würde zu weit führen und letztlich widmet sich der ganze Blog dem Themenfeld der Verbindung von Pferdehaltung und Naturschutz.

    Ich möchte nur einen Aspekt rausgreifen und dabei geht es um die einfache und bestechend logische Erkenntnis, dass mit der Anzahl der Pflanzenarten in einem Ökosystem auch die Diversität der von ihnen abhängigen Tier-, Pilz- und Mikroorganismenarten steigt. Und diese Vielfalt überträgt sich auch auf das Nahrungsnetz räuberischer Tierarten.

    Aber Pflanzenvielfalt kann es nur geben, wenn die Flächen nicht übernutzt und überdüngt werden. Außerdem dürfen sich keine invasive Neophyten wie die Kanada-Goldrute ausbreiten. Invasive Arten gehören laut dem Faktencheck zu den „Direkten Treibern“ für den Verlust von Artenvielfalt neben Verschmutzung, Klimawandel sowie Änderungen der Landschaftsstruktur und Landnutzung.

    Folgende Grafik zeigt, warum Neophyten so negative Folgen für die Biodiversität haben. Sie haben einen relativ geringen ökologischen Wert, sind aber ein Platzräuber für Pflanzenarten, die mehr Artenvielfalt generieren könnten.

    Ich würde keine Neophyten in Gärten oder Parks anpflanzen oder sogar dulden. Aber wie oft sieht man z.b. Kanada-Goldrute als dekorative Pflanze im Garten, die sie ja unzweifelhaft ist, aber von dort kann sie ihre Samen überall hin verbreiten und die letzten Refugien der Natur für sich vereinnahmen. Denn leider erobern invasive Neophyten wie Kanada-Goldrute, Japanischer Staudenknöterich, Indisches Springkraut oder Riesen-Bärenklau die restlichen verbliebenen kleinen Naturrelikte wie Brachen, wilde Ecken, Säume oder wie bei uns – extensiv genutzte Weiden…

    schmaler Saum am Ackerrand mit Kanada-Goldrute
    Schafe im Einsatz gegen die Kanada-Goldrute
    Der Mulcher im Einsatz gegen die Kanada-Goldrute
  • Kampf gegen Windmühlen

    Kampf gegen Windmühlen

    Seit nunmehr vier Jahren bekämpfen wir nun intensiv die Kanada-Goldrute – gefühlt ohne nennenswerte Erfolge.

    Neben der Beweidung mit Schafen und Kühen, werden jedes Jahr Teilflächen gemulcht. Aber wir werden sie mit diesen Maßnahmen einfach nicht los. Man müsste theoretisch die Pflanzen inklusive ihrer Rhizome rausreißen, aber das ist natürlich unrealistisch auf zehn Hektar Weidefläche. Es ist zum verzweifeln.

    Zum Glück habe ich im September 2019 Fotopunkte eingerichtet und im Juni 2020 ein Vegetationstransekt angelegt, um den Ausgangszustand zu dokumentieren und so habe ich einen sachlichen Vergleich. Denn auch wenn die Kanada-Goldrute noch in Massen vorkommt, so hat zumindest ihre Deckung abgenommen – immerhin. Damit konnte Licht und Platz für andere Pflanzenarten geschaffen werden und an diesen kleinen Lichtpunkten versuche ich mich zu erfreuen.

    Neu hinzugekommen sind beispielsweise Sand-Grasnelke, Wiesen-Labkraut, Wiesen-Margarite, Acker-Glockenblume, Wilde Möhre, Johanneskraut, Wiesen-Flockenblume, Seifenkraut, Gamander-Ehrenpreis und Vergissmeinicht.

    Margarite und Flockenblume sind vermutlich aus dem Saatgut, dass ich immer wieder mal in den Wühlstellen der Wildschweine verteilt habe. Dabei verwende ich nur Regio-Saatgut beispielsweise von Saaten Zeller oder Rieger-Hofmann aus dem Ursprungsgebiet Ostdeutsches Tiefland in der Ausprägung Frischwiese mit einem Kräuteranteil von 30%. Die anderen Arten sind anscheinend von allein aufgelaufen, aus dem Samenvorrat des Bodens oder aus Anflug auf unsere Weiden gekommen.

    Besonders gefreut habe ich mich über die Sand-Grasnelke (Armeria maritima subsp. elongata). Sie ist eine Charakterart der trockenen, kalkreichen Sandrasen und ein Zeiger für stickstoffarme Verhältnisse, wo wir sonst nur Kanada-Goldrute, Brennnessel, Sauerampfer & co haben, die auf einen extrem überdüngten Standort hinweisen. Die Sand-Grasnelke – ein echter Hoffnungsschimmer also 🙂

    In den folgenden Bilderreihen werden die Fotopunkte im Vergleich September 2019 und 2024 gegenübergestellt. Es wird immer ein Kampf gegen Windmühlen bleiben, aber ich freue mich über jede Auflichtung der ehemals nahezu 100% Kanada-Goldrutenbestände.

    September 2019
    September 2024

  • Schafe

    Schafe

    Dieses Jahr haben wir wieder tatkräftige Unterstützung bei der Bekämpfung der Kanada-Goldrute: 43 Guteschafe knabbern auf ca. 1,3 Hektar für etwa drei Wochen an der Goldrute, bevor sie wieder ihren Job im LIFE Trockenrasen Projekt machen. Die Schafe waren vorher in den Glindower Alpen und haben quasi bei uns eine Zwischenstation eingelegt. Eine Win Win Situation, denn für uns ist es eine Form der Weidepflege, die wir sonst bezahlen müssten (wir haben immer noch keinen neuen Mulcher…) und die Schäferin wird für diese Zeit entlastet mit täglicher Sichtkontrolle, Zaunkontrolle und Wasserbottich auffüllen.

    Die Kanada-Goldrute ist ein invasiver Neophyt, der dichte Dominanzbestände bildet und damit Artenvielfalt unterdrückt. Die Pferde fressen die Goldrute nicht, aber dafür machen sich die Schafe darüber her, sie sind somit ein wichtiges „Tool“ bei unserer Weidepflege.

    Ansonsten fressen Schafe mit ihren kleinen Mäulchen, der gespaltenen Oberlippe und ihrer Zahnstellung noch selektiver als Pferde. „Aufgrund der Zahnstellung werden die Pflanzen tief am Boden abgebissen und oft auch die für die Regeneration wichtigen Basalteile mit erfasst.“ (Dierschke & Briemle, Kulturgrasland).

    Was auf unseren Flächen ein Vorteil ist, wenn die Kanada-Goldrute zurückgedrängt werden soll, kann jedoch nicht per se empfohlen werden, wenn man artenreiche Pferdeweiden entwickeln möchte. Denn Schafe fressen bei einer Standweide bevorzugt Kräuter und führen damit auf Dauer zu einer Vergrasung der Flächen. Eine Beweidung mit Schafen im Sinne des Naturschutzes geht in der Regel von einer Hüte- oder Koppelhaltung in relativ hoher Dichte und für kurze Zeit aus. Damit hat man einen Effekt wie bei einer Mahd, beispielsweise in hügeligem, gehölzreichen und nicht mähfähigem Gelände und die Schafe haben dann keine Gelegenheit so stark zu selektieren.

    Wenn man darüber nachdenkt, Schafe selbst zu halten, muss man sich auch überlegen, dass sie eigene „Bedürfnisse“ an die Zäune haben. Zwei oder drei stromführende Litzen wie bei Pferden reichen nicht aus, man braucht Elektronetze, die man immer wieder umstecken muss. Eine gemeinsame Haltung mit Pferden ist sicherlich möglich, wenn man sie aneinander gewöhnt. Wir haben damit noch keine Erfahrung gesammelt, weil die Schafe immer nur kurzzeitig bei uns sind. Aber ich kann mir vorstellen, dass es für die Schafe ein großes Verletzungsrisiko im Zusammenleben mit den Pferden gibt.

    Außerdem müssen Schafe mindestens einmal im Jahr geschoren werden und es gibt kaum Verwendungsmöglichkeiten für die Wolle, die also entsorgt werden muss. Nur ein paar besondere Enthusiasten wie Marco Scheel verarbeiten Schafwolle im und mit großem Stil.

  • Einsaat – Sinn und Unsinn

    Einsaat – Sinn und Unsinn

    In entsprechenden Foren oder Gruppen der social media wird häufig die Frage nach der richtigen Einsaat für Pferdeweiden gestellt. Dabei lässt sich oft an den Antworten ablesen, dass sich die Erkenntnis noch nicht durchgesetzt hat, dass Weidelgras kein geeignetes Futter für Freizeitpferde ist. Weidelgras ist zu gehaltvoll für Pferde, die nicht arbeiten und dazu noch sehr gute Futterverwerter sind, vor allem für die Robustrassen unter den Freizeitponys.

    Weidelgras ist ein protein- und zuckerreiches Futtergras für Rinder und Pferde, die Leistungen erbringen müssen und ansonsten bildet es den typischen englischen Rasen aus. Schauen wir uns beispielsweise die Zusammensetzung der Pferdeweide Universal an:

    15 % Wiesenlieschgras, 5 % Rotschwingel, 5 % Wiesenrispengras, 75 % Deutsches Weidelgras

    Weidelgras bildet schnell eine Grasnarbe und sieht schön grün aus, funktioniert aber auf Dauer nur, wenn die Flächen nicht wieder hoffnungslos übernutzt werden und es keine Dürreperioden gibt. Und Kräuter, die der Pferdegesundheit und der Biodiversität gleichermaßen zuträglich wären, sucht man in dieser Mischung vergeblich. Wiesenlieschgras und Wiesenrispengras sind eher für frische Standorte geeignet, eigentlich kommt nur der Rotschwingel für die märkische Streusandbüchse in Frage. Und auch die Zusammensetzung der Brandenburger Pferdeweide hat genau die gleichen Arten, nur weniger Weidelgras und dafür Wiesenschwingel, eine Art der frischen bis feuchten Standorte:

    5 % Wiesenschwingel, 20 % Wiesenrispengras, 18 % Wiesenlieschgras, 23 % Rotschwingel, 24% Deutsches Weidelgras

    Da muss man sich gut überlegen, ob die Kosten für das Saatgut und die Einsaat im Verhältnis zum gewünschten Ergebnis stehen. Und nur um eine Übernutzung kaschieren zu wollen, halte ich es ohnehin für zwecklos, wenn die Flächen auf Dauer nicht geschont werden können. Da sollte man lieber auf Pioniervegetation setzen, die ist auch schön grün und sicherlich gesünder als Weidelgras. Im Folgenden ein Fotovergleich einer intensiv genutzten Heustelle mit offenem Boden, die sich mit Vogelknöterich, Portulak, Amarant und Weißen Gänsefuss selbst wieder begrünt hat.

    Und obwohl ich ein Verfechter von Pioniervegetation bin, habe ich auch schon oft versucht Pflanzen aus Saatgut zu etablieren. Warum? Weil ich den Eindruck habe, dass sich bei uns keine Grünlandarten in der Samenbank befinden. Die Flächen wurden früher als Fichtenplantage und nach ihrer Abholzung (für die Ziegelei in Glindow) vornehmlich als Gartenland genutzt. Danach sind diese Flächen vermutlich brach gefallen und es haben sich Dominanzbestände mit Kanada-Goldrute entwickelt.

    Das Ausbringen von Saatgut hat in diesem Fall also den Sinn, die Flächen naturschutzfachlich aufzuwerten und dem Ziel einer artenreichen Pferdenweide ein Stückchen näher zu kommen. Dafür kommt für mich nur standortangepasstes, regiozertifiziertes Saatgut in Frage. Bislang war jedoch noch nie etwas von dem Saatgut aufgelaufen, das ich in den Rillen der Wiesenschleppe oder „von Wildschweinen vorbereiten Stellen“ ausgebracht habe. Die schönen, offenen Wildschweinstellen wurden, inklusive Saatgut schnell von Brennnessel, Graukresse, Beifuß, Rainfarn & co. wieder überwuchert.

    Nun hat sich dieses Jahr die Chance ergeben, eine neu einzurichtende Fläche mit ca. 2000qm komplett einzusäen. Eingesät wurde dabei eine regiozertifizierte Saatgutmischung mit einem Kräuteranteil von 30% (siehe unten stehende Artenliste). Dieses Mal wollte ich es richtig machen (lassen), mit kombinierter Saatbettvorbereitung und anwalzen durch einen ortsansässigen Landwirt.

    Einsaat im April
    Anwalzen direkt nach der Einsaat
    Mitte Juli, es dominieren Arten der Äcker und Unkrautfluren

    Anfang Juli habe ich den ersten Pflegeschnitt händisch mit Freischneider und abharken des Mahdgutes durchgeführt, weil sich aufgrund des hohen Anteils an Graukresse kein Heu daraus gewinnen ließ. Die Graukresse war natürlich nicht im Saatgut, aber offensichtlich in der Samenbank. Ein bis zwei Pflegeschnitte sind je nach Aufwuchs notwendig, um ungewollte „Ackerunkräuter“ wie Graukresse oder Kanadisches Berufkraut zu minimieren und die Arten im Saatgut zu bevorteilen.

    durchaus erkennbare Drillreihen im Mai mit Graukresse-Rosetten
    Graukresse wie gesät im Juni
    zweiter Pflegeschnitt Ende Juli

    Eine Artenliste der Saatgutmischung im Vergleich zu den Arten, die ich im Juli aufgenommen habe, zeigt, dass bislang nur wenig Pflanzen aus dem Saatgut aufgelaufen sind. Die Pflanzenarten aus dem Saatgut sind grün und die Pflanzenarten, die sich auch etabliert haben sind dunkelgrün markiert. Der Anteil Juli 2023 in Prozent ist dabei eine reine Schätzangabe und die Stickstoffzahl nach Ellenbergs Zeigerwerten (x=indifferent).

    Viele Pflanzenarten, die von allein aufgelaufen sind, sind Arten der Äcker und kurzlebigen Unkrautfluren wie Küsten-Kamille, Kanadisches Berufkraut oder Hohe Rauke und Stickstoffzeiger (gelb markiert) wie Brennnessel, Beifuß oder Weißer Gänsefuß.

    Ich hoffe, dass spricht für sich, dass es auch Unsinn wäre, zu düngen. Wir haben ohnehin schon eine extrem überdüngte Landschaft und artenreiches Grünland lässt sich nur bei einer Aushagerung entwickeln, weil sonst konkurrenzstarke Arten dominieren. Gefährdete Arten der Roten Liste wie beispielsweise Heide-Nelke, die auch im Saatgut war, sind an nährstoffarme Verhältnisse angepasst und verschwinden bei Überdüngung bzw. werden von den konkurrenzstärkeren Arten verdrängt.

    Immerhin habe ich mich über einzelne Wiesen-Margariten und Gewöhnliches Leimkraut freuen können, die ich teilweise beim mähen stehen gelassen habe. „Allerweltsarten“ wie Schafgarbe, Wilde Möhre, Weiße Lichtnelke, Wegwarte oder Spitzwegerich wären vermutlich auch ohne Einsaat gekommen, aber ich heiße sie willkommen. Ich würde mich freuen, wenn noch Heide-Nelke, Wiesen-Flockenblume und Kleine Braunelle auftauchen – vielleicht im nächsten Jahr?

    Insgesamt muss man sich auch hier fragen, ob der Input an Kosten, Diesel und Arbeit im Verhältnis zum Ergebnis stehen? Denn der Zweck der Einsaat war eigentlich via Mahdgutübertragung die Weideflächen aufzuwerten, davon muss man jedoch aktuell noch Abstand nehmen und das Mahdgut wegen dem hohen Graukresse-Anteil entsorgen. Immerhin ein paar schöne Blühaspekte gibt es:

  • Brennnessel

    Brennnessel

    Unsere Flächen sind extrem nährstoffreich, was sich an dem massenhaften Vorkommen von Stickstoffzeigern wie Brennnessel, Sauerampfer, Kanada-Goldrute und Glatthafer zeigt.

    Woran liegt das? Wir düngen nicht, außer natürlich in Form von Dunghaufen. Wenn man jedoch keine großen Menge Heu zufüttert, hat man theoretisch eine „negative“ Nährstoffbilanz, da die Biomasse durch die Weidetiere verstoffwechselt wird und man langfristig eine Aushagerung herbeiführt.

    Eines der größten Herausforderungen im Naturschutz ist jedoch die Überdüngung der Landschaft mit Stickstoffeinträgen aus der Luft. Eine Aushagerung in Form von Mahd und Beweidung zur Förderung der Artenvielfalt kann somit Jahre dauern und man braucht anscheinend viel Geduld…

    Wenigstens ist die Brennnessel gesund, weil sie viele Vitamine, vor allem viel Vitamin C und Mineralien wie Calcium, Kalium, Magnesium und Natrium enthält. Sie wird nur aufgrund der Brennhaare vom Weidevieh gemieden und in der Regel erst bei Frost abgeweidet. Man kann jedoch sehr leicht nachhelfen, in dem man die Brennnesselhorste abschneidet und das Material einfach liegen lässt. Ich verwende dafür eine Sense, was jedoch nicht so entscheidend ist, womit man die Brennnessel abschneidet. Letztlich geht es nur darum, dass die Brennnessel leicht angewelkt ist. Schon wenige Zeit später machen sich die Pferde darüber her und genießen einen gesunden Snack.

    Aber keine Sorge, es bleiben immer noch genug Raupenpflanzen für das Tagpfauenauge übrig, das dann im Herbst gern an den Blüten der Kanada-Goldrute saugt. Und das ist wieder ein schönes Beispiel dafür, dass es nie darum geht, etwas komplett „auszurotten“, sondern eher darum ein Mosaik an verschiedenen Habitaten zu fördern. Hier und da nachhelfen, aber auch mal nichts zu tun und abwarten, was von Natur aus passiert.

  • Vegetationsaufnahmen

    Vegetationsaufnahmen

    Mein absoluter Endgegner ist die Kanada-Goldrute – ich habe ihr schon viele Blogeinträge gewidmet und im Folgenden wird es um die Dokumentation der bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung dieser invasiven Pflanzenart gehen.

    Kanada-Goldrute ist in Massen giftig und wie immer gilt: die Dosis macht das Gift. Die Pferde fressen sie nur vereinzelt, aber sie ist ein Platzräuber für Futterpflanzen und Artenvielfalt, da sie bis zu 100 Prozent Deckung einnehmen kann. Mit ihren mächtigen Streuschichtauflagen aus ihrer eigenen (im Winter) abgestorbenen Biomasse schaltet sie jegliche Konkurrenz anderer Pflanzenarten aus und wer ihre Wurzeln betrachtet, versteht, dass man den kompletten Oberboden abtragen müsste, um sie dauerhaft loszuwerden. Ansonsten kann man sie nur durch ständigen Nutzungdruck schwächen, in ihrer Deckung eindämmen und kann gewiss sein, dass sie die gesamte Fläche wieder zurück erorbern wird, wenn der Nutzungsdruck nachlässt.

    Eine Mahd kommt nicht in Frage, weil das Mahdgut nicht verfüttert werden kann und eine Entsorgung neben den Kosten für die Mahd ökonomisch für uns nicht tragbar ist. Deshalb bleibt nur eine Beweidung mit Schafen, welche die Goldrute fressen und/oder Mulchen.

    Um den Erfolg der Pflegemaßnahmen zu dokumentieren, habe ich ein Transekt (=Untersuchungslinie) quer über die Fläche mit der höchsten Deckung an Kanada-Goldrute eingerichtet. Alle 20 m erfolgt eine Vegetationsaufnahme auf einem Quadrat mit 2mx2m, mit insgesamt elf Aufnahmeflächen. Ich habe die Vegetationsaufnahmen im phänologischen Frühsommer (=Holunderblüte) im Jahr 2020 durchgeführt und dieses Jahr im Frühsommer zum Vergleich wiederholt.

    Erfreulich ist immerhin, dass die Gesamtartenanzahl von 37 auf 48 und die mittere Artenanzahl von zehn Arten auf 15 Arten pro Aufnahmefläche im Vergleich der Jahre 2020 und 2023 zugenommen hat. Was das bedeutet zeige ich an einer Beispielaufnahme, dem Transektpunkt 4. Bereits auf den Fotos kann man erkennen, dass die Kanada-Goldrute weniger Platz einnimmt und die Gräser zugenommen haben.

    Vegetationsaufnahme auf dem Transektpunkt 4 am 01.06.2020
    Vegetationsaufnahme auf dem Transektpunkt 4 am 27.05.2023

    Ich habe die Deckung der Kanada-Goldrute im Jahr 2020 auf 65-75% geschätzt und in diesem Jahr auf weniger als fünf Prozent. Dafür haben Glatthafer und Wiesen-Rispengras zugelegt und es sind acht Pflanzenarten (blau markiert) dazu gekommen. Weggefallen ist der Mohn, der zwar recht hübsch ist, sich aber als ein- bis zweijährige Segetalart (=Ackerwildkraut) auf Dauer nicht halten kann.

    Besonders gefreut habe ich mich über Wiesen-Margarite, die ich in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Fläche gefunde habe, auch wenn sie nicht innerhalb der Aufnahmeflächen vorkam. Sie ist eine typische Art der Wiesen und Weiden, hier zu sehen mit Trauer-Rosenkäfer, der sich im Zuge der Erderwärmung nach Norden ausgebreitet hat.

    Im Folgenden eine Gesamtartenliste der Vegetationsaufnahmeflächen (nicht der gesamten Weidefläche) in den Jahren 2020 und 2023. Gelb sind Neophyten und grün sind Kennarten für artenreiches Grünland markiert. Nach den Roten Listen für Deutschland und Brandenburg gefährdete Pflanzenarten konnten bei uns noch gar nicht gefunden werden und auch sonst sind die Flächen noch weit entfernt „artenreich“ zu sein. Aber ein Anfang ist gemacht 🙂

  • Fjäll-Rinder

    Herzlich willkommen Lenia und Finola! Ab sofort unterstützten uns diese zwei wunderschönen Fjäll-Rind-Färsen bei der Weidepflege.

    Fjäll-Rinder sind eine robuste, kleinrahmige und vom Aussterben bedrohte Haustierrasse aus Schweden, die es wohl schon zur Wikingerzeit gegeben hat. Im Vergleich zur modernen Hochleistungskuh können Robustrinder auch auf kargen Weiden hinreichend Futter finden.

    Der Vorteil einer Mischbeweidung mit Rindern ist vor allem das unterschiedliche Fraßverhalten von Pferden und Rindern. Eine reine Pferdebeweidung ohne andere Weidetiere oder einer Pflegemahd führt auf Dauer zu einer Verschlechterung des Grünlandes mit Ausbreitung von Gift- und „Problempflanzen“, wie bei uns der Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) oder der Graukresse (Berteroa incana).

    Denn Pferde können mit ihren Schneidezähnen die Vegetation extrem tief verbeißen, fressen dadurch sehr selektiv und ungeliebte Pflanzen können sich ausbreiten. Rinder hingegeben rupfen die Pflanzen mit ihrer Zunge ab und haben dadurch ein anderes Nahrungsspektrum.

    Und so ist der Plan, dass Finola und Lenia dabei helfen die Weiden artenreicher zu gestalten und die Dominanzbestände mit Glatthafer (Arrhenatherum elatius) und Kanada-Goldrute aufzulichten. Glatthafer ist zwar ein gutes Futtergras im Heu, wird aber am Halm von unseren Pferden komplett gemieden und so musste ich die Glatthafer-Fläche entweder „runtermulchen“ oder mähen. Da wir aber keine entsprechende Technik dafür besitzen, haben wir die Fläche letztes Jahr per Hand mit Sense und Freischneider gemäht. Auch wenden konnten wir noch selbst, aber auf den Schwad legen und Ballen pressen, dafür musste dann doch ein benachbarter Bauer vorbeikommen. Aber er sagte, das war das erste und das letzte Mal, weil die Fläche zu uneben und klein ist…. Außerdem muss man eine Fläche, die man mähen möchte, entsprechend lange vorhalten, damit keine Pferdeäppel in die Ballen eingearbeitet werden. Will sagen, alles nicht so leicht.

    Und die Kanada-Goldrute kann man tatsächlich nur mulchen, sie ist nicht als Futter geeignet, ein Platzräuber und mit ihrer Eigenschaft dichte Dominanzbestände zu bilden verhindert sie die Entwicklung von Artenvielfalt auf der Pferdeweide.

    Da aber nun unser Mulcher kaputt ist und beim mulchen zum Einen die Biomasse liegen bleibt und Insekten sowie alle Kleinstlebewesen mitgeschreddert werden, musste eine andere Lösung her – deshalb die Mischbeweidung mit Rindern 🙂

    Ein weiterer großer Vorteil ist neben der Weidepflege die Weidehygiene, sprich das Eindämmen von Magen-Darm-Parasiten wie beispielsweise Strongyliden. Rinder fressen an den sogenannten „Geilstellen“ der Pferde, also die Bereiche, an denen Pferdeäppel liegen und die Wurmlarven in den Grasspitzen darauf warten gefressen zu werden. Wenn Pferde die Möglichkeit haben meiden sie diese Bereiche enstprechend. Aber Rinder können die Magen-Darm-Parasiten der Pferde getrost mitfressen, weil diese in dem falschen Wirt nicht gedeihen können. Und auch anders herum können die Pferde die Würmer der Rinder mitfressen und beide Weidetiere halten auf diese Weide den Parasitendruck auf der Weidefläche niedrig.

    Soweit die Theorie, wie es sich bewähren wird, diese zwei Schönheiten mitlaufen zu lassen, werden wir sehen und ich werde sicherlich noch viel von Finola und Lenia berichten.

    Erst einmal sind sie auf einer separaten Fläche, um sich einzuleben. Eine Integration in die Herde ist – wie schon beschrieben – nicht mehr so leicht, außerdem brauchen sie ihre eigene, kleinere Heuraufe, vor allem ohne Heunetz und sie können nicht aus dem großen Wasserbottich oder den hohen Tränken der Pferde saufen. Es bleibt mal wieder spannend am Ponyhof.

  • Mineralstoffe und Spurenelemente

    Ich gebe es zu, ich bin süchtig nach Blutbildern… Von Assan natürlich 😉

    Als ich ihn gekauft habe, war er in schlechtem Zustand, abgemagert, stumpfes Fell, körperlich und seelisch neben der Spur. Auf Empfehlung eines Tierarztes, wurde ein großes Blutbild erstellt, um eventuelle Mangelerscheinungen und/oder Auffälligkeiten der Leberwerte festzustellen. Seitdem lasse ich jährlich ein großes Blutbild oder eine Mähnenanalyse durchführen und gebe entsprechend Mineralfutter dazu.

    JahrAnalyseüber dem Referenzbereichunter dem Referenzbereich
    2013Bluty-GT1, CK2, KaliumSelen3
    2014Bluty-GT, CK, Kalium, Eosinophile4Selen, Zink
    2015BlutCK, Kalium, EosinophileZink
    2016MähneKupferSelen, Magnesium, Cobalt, Molybdän, Zinn
    2017BlutCKSelen
    2018Bluty-GT, CK, Eosinophile
    2019BlutEosinophile
    2020Bluty-GT, CK
    2021BlutCK,
    2022MähneKalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Eisen, Mangan, Selen, Cobalt, Molybdän, Zinn
    1= Gamma-Glutamyltransferase, Hinweis auf eine Vergiftung beispielsweise durch Jakobs-Kreuzkraut, tatsächlich großen Mengen in dieser Zeit auf den Weiden, kein oder nur wenig Jakobs-Kreuzkraut auf den Weiden ab 2016, dafür Graukresse, 2= Creatin Kinase, Muskelenzym, kann durch „Muskelkater“ ausgelöst werden, 3 = es heißt immer, unsere Böden sind selenarm, über den Sinn oder Unsinn, Referenzbereiche für Selenwerte etc. werden ganze Glaubenskriege geführt, 4 = Hinweis auf einen Parasitenbefall, tatsächlich haben anschließende Kotproben einen hohen Befall mit Magen-Darm-Strongyliden ergeben

    Auffällig ist, dass Assan mit den Blutbildern in punkto Mineralstoffen und Spurenelementen deutlich besser weg kommt, als mit den Mähnenanalysen, welche wohl die letzten drei Monate abbilden. Leber-, Muskel- und Blutwerte werden bei dieser Methode nicht ermittelt. Nun sollte man sicher nicht in Panik verfallen, wenn einige Mineralstoffe und Spurenelemente „im Keller sind“ und man kann auch darüber streiten, wie Referenzbereiche entstehen und wie groß wirklich die Aussagekraft solcher Analysen sind. Letztlich ist aus meiner Sicht entscheidend, wie das Pferd aussieht und welchen Eindruck es macht, ob es fit ist, glänzendes Fell und gute Hufe hat.

    Aber davon abgesehen, bin ich davon überzeugt, dass sich Pferde in den meisten Haltungsformen nicht mit allen Mineralstoffen und Spurenelementen aus der Weide und dem Heu selbst versorgen können. Warum? Weil wir ihnen nicht die Möglichkeit geben können, sich in weitläufigen Landschaften mit unterschiedlichen Biotopen zu bewegen und unsere Weiden sowie das Heu in der Regel relativ artenarm sind.

    Wenn man sich zum Beispiel unser aktuelles Heu genauer angeschaut, ist das zwar von guter Qualität, riecht gut, ist schön grün, keine Anzeichen für Schimmel und die Pferde lieben es. Es ist ja auch relativ zucker- und proteinhaltig und für unsere „Fettis“ eigentlich zu gehaltvoll, dafür dass sie 24/7 Zugang zur Weide plus Heu ad libitum haben. Wenn man sich die Beispielrechnung in der Tabelle für ein Pferd mit 500kg und dem Erhaltungsbedarf anschaut, unter Berücksichtigung, dass unsere Freizeitpferde kaum „arbeiten“ müssen, ist es kein Wunder, dass wir pumelige Wohlstandspferde haben.

    Aber wenn man sich gleichzeitig die Artenzusammentzung des Heus anschaut, kommt man in unserem Beispiel auf nur fünf Arten: Gemeines Rispengras (Poa triviales), Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera), Wasser-Knöterich (Persicaria amphibia, Landform), Ampfer (Rumex spec.) und Wolliges Honiggras (Holcus lanatus).

    Mehr Arten konnte ich beim besten Willen nicht finden und so erklärt sich, dass man auch noch Futter in Form von Heucobs, Mash, was immer, dazugeben muss, um das Mineralfutter ins Pferd zu bekommen. Obwohl es zusätzliches Futter vom Energiebedarf her nicht braucht. Also eigentlich wie bei uns Menschen, Essen mit zu hoher Energiedichte für Bürotätigkeit mit zu wenig Bewegung 😉

    Und auch unsere Weiden bestehen aus wenig Pflanzenarten wie Weidelgras (dominiert auf der Hauptweide), Glatthafer (dominiert auf der Skuddenwiese) oder Landreitgras, dafür mit „Problempflanzen“ wie Graukresse und Kanada-Goldrute und nur einer Handvoll Beikräutern wie Schafgarbe, Brennnessel, Rainfarn oder Wegwarte. Um die Veränderung der Pflanzenzusammensetzung zu dokumentieren habe ich auf einer Weide ein Vegetationstransekt angelegt.

    Aber mit der Artenvielfalt auf der Weide ist es wie mit der Ausbildung des Pferdes: man braucht Geduld. Man braucht Jahre der kontinuierlichen Pflege, um artenreiche Weiden zu generieren, wobei die Stickstoffeinträge aus der Luft der größte Feind der Artenvielfalt sind. Pflanzenvielfalt und damit auch die Vielfalt bei Insekten etc. entsteht erst durch eine Aushagerung, ansonsten dominieren einige wenige konkurrenzstarke Arten wie eben die Kanada-Goldrute oder Brennnessel.

    Arten- und Kräuterreiche Wiesen und Weiden mit langer Tradition wie beispielsweise Bergalmen oder Flächen in seit Jahrzehnten gepflegten Naturschutzgebieten, meist auf Sonderstandorten wie Trockenrasen oder Feuchtwiesen sind heute nur noch kleine Ausschnitte einer ehemals vielfältigen Kulturlandschaft.

    Aber wir brauchen diese Reliktvorkommen – untere anderem als Referenzbereiche für Artenvielfalt.

  • Fotopunkte

    Mein Ziel ist vor allem die Förderung der Artenvielfalt durch eine Umtriebsbeweidung und durch das Zurückdrängen von Dominanzbeständen der Kanada-Goldrute, Brennessel und Graukresse.

    Seit zwei Jahren versuche ich eine kräuter- und blütenreiche Weide zu etablieren, um mehr Artenvielfalt innerhalb der Pflanzenzusammensetzung und in der Folge natürlich auch bei Insekten, Brutvögel oder Fledermäusen zu erreichen. Da eine Neueinsaat aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommt, kann man nur auf das setzen, was die Samenbank des Bodens hergibt. Dabei braucht die Entwicklung von Artenvielfalt Zeit und Kontinuität, sie lässt sich nicht von heute auf morgen erzwingen. Deshalb muss ich mich in Geduld üben und an den kleinen Dingen erfreuen wie beispielsweise einzelne Blühaspekte mit Weißer Lichtnelke, Flockenblume, Wegwarte, Rainfarn oder Strandkamille:

    Um die Entwicklung der Flächen zu dokumentieren, habe ich im September 2019 bestimmte Fotopunkte festgelegt. Ansonsten könnte man sich immer die Filetstückchen raussuchen, die besten Fotorichtungen -oder einstellungen wählen und die „Schmuddelecken“ weglassen.

    Die größte Herausforderung dieses Jahr war natürlich die Dürre. Unsere Flächen konnten sich erst im September nach ergiebigen Regenfällen wieder erholen. Das folgende Fotopaar zeigt beispielsweise unsere Hauptweide, die am meisten beansprucht wird. Sie muss im Winter genutzt werden, damit die Pferde Zugang zur beheizbaren Tränke und dem Unterstand haben. Hier versuche ich die Pferde zumindest im Sommer so lange wie möglich fernzuhalten und die Fläche einmal vor der Samenreife der Graukresse zu mulchen. Dabei ist nach dem Mulchen (bis vor kurzem) nichts nachgewachsen, aber zumindest der Vogelknöterich vermag die Fläche wieder grün erscheinen zu lassen…

    Hauptweide September 2019
    Hauptweide September 2022

    Tja und da haben wir auch schon eine Schmuddelecke, die sich im folgenden Bildpaar zeigt. Denn irgendwo nimmt man zwar den Beweidungsdruck weg, aber irgendwo müssen die Pferde auch fressen können und wir mussten schon ab Juli Heu dazufüttern. Diese Fläche wird in einem Teilbereich von Brennnessel und Kanada-Goldrute und in einem Bereich von Glatthafer dominiert. Die Teilfläche mit dem Glatthafer haben wir gemäht und zwei kleine Heuballen generieren können. Teilbereiche mit Kanada-Goldrute habe ich gemulcht, aber auch bewußt Streifen stehen lassen. Die Kanada-Goldrute ist mit ihren gelben Blüten gut auf den Fotos zu erkennen.

    Skuddenwiese September 2019
    Skuddenwiese September 2022

    Wir haben die Heuraufen insgesamt dreimal umgestellt und die Heustellen danach abgeschleppt, weil wir noch nicht mit abäppeln anfangen wollten. Ab heute kommen die Heuraufen in die Nähe der Mistplatte und dann beginnt wieder die Zeit mit täglichem Abäppeln….

    Folgender Blickwinkel zeigt die Grenze zwischen der Fuchswiese auf der linken Seite des Zauns und der Jägerwiese auf der rechten Seite. Man kann erkennen, dass die Kanada-Goldrute nicht mehr vollständig dominiert und die Bestände zumindest aufgelockert wurden. Hier war dieses Jahr die einzige „Pflege“ die Beweidung mit den Pferden und ein abschleppen der Heustellen. Weitere Maßnahmen wie Mulchen oder Beweidung mit anderen Weidetieren haben leider nicht geklappt, aber es wäre auch ohnehin nichts mehr nachgewachsen….

    Fuchs- und Jägerwiese September 2019
    Fuchs- und Jägerwiese September 2022

    Die folgenden Bildpaare zeigen ebenfalls die Jägerwiese, wobei ich die Fotos im Jahr 2019 noch von einem Hochstand aus machen konnte. Der Hochstand wurde in der Zwischenzeit entfernt, weil die Wildschweine keine Deckung mehr in der hohen Vegetation finden können und sich die Jagd auf unseren Flächen nicht mehr lohnt.

    Jägerwiese September 2019
    Jägerwiese September 2022
    Jägerwiese September 2019
    Jägerwiese September 2022

    Und zu guter Letzt unsere Dreieckswiese, die als einzige Fläche keine „Problempflanzen“ aufweist. Damit das auch so bleibt, können die Pferde hier nur zweimal im Jahr für ca. eine Woche bleiben. Aber es gibt auch immer wieder Zwänge wie die Integration neuer Pferde oder aktuell die Seperation eines erblindeten Pferdes, die eine Nutzung dieser Fläche notwendig machen.

    Dreieckswiese September 2019
    Dreieckswiese September 2022

    Wie auch in den Jahren 2020 und 2021 hat nicht alles geklappt, was ursprünglich geplant war, es gab neue Herausforderungen und man musste flexibel reagieren. Aber langsam und kontinuierlich versuche ich weiter die Ziele umzusetzen.

  • Umgang mit Giftpflanzen

    Wir haben auf unseren Weideflächen natürlich auch mit Giftpflanzen wie Graukresse, Kanada-Goldrute, Zypressen-Wolfsmilch, Frühlings-Greiskraut und seit neuestem auch mit Jakobs-Kreuzkraut zu tun.

    Eine typische Art der Trockenrasen ist Zypressen-Wolfsmilch, die wie alle Wolfsmilchgewächse Euphorbon als Giftstoff in ihrem Milchsaft enthält. Sie wird allerdings im frischen Zustand aufgrund ihres scharfen Geschmacks nicht gefressen, was ich bei unseren Pferden bestätigen kann. Aus diesem Grund ergreifen wir aktuell noch keine Maßnahmen gegen sie. Im Heu wird Wolfsmilch jedoch mitgefressen, obwohl es seine Wirkung bei der Trocknung nicht verliert. Aus meiner Sicht, ein gutes Beispiel dafür, keine Angst vor der Weide haben zu müssen. Denn die Pferde meiden in der Regel Giftpflanzen, können hier viel eher selektiv fressen als an der Heuraufe, wenn sie denn die Auswahl haben…

    Außerdem hab ich bei einem Rundgang zufällig Jakobs-Kreuzkraut entdeckt und natürlich gleich einen Ausstecher geholt. Es waren ca. 30 Rosetten an einer Stelle, die sofort ausgestochen wurden. Hier ist die Taktik ganz klar: „Wehret den Anfängen“!

    Eine Fläche, die letztes Jahr wegen einem Massenvorkommen von Frühlings-Greiskraut gemulcht werden musste, hat sich dabei sehr gut entwickelt. Es sind dieses Jahr nur noch einzelne Exemplare, die per Hand rausgerissen werden können, so dass die Fläche beweidet werden kann. Ein schönes Beispiel dafür, dass sich der Aufwand, Giftpflanzen in Schach zu halten, auch lohnt. Hier war die Idee diese einjährige Pflanze frühzeitig daran zu hindern, dass sie aussamen kann. Ob sie von den Pferden gefressen wird, weiß ich nicht. Das habe ich noch nicht beobachten können und es noch nicht darauf ankommen lassen.

    Die Kanada-Goldrute hingegen wird uns noch weiterhin auf Trab halten, wobei sie zumindest nicht von den Pferden gefressen wird, aber ein Platzräuber für Futterpflanzen darstellt. Hier sollen uns dieses Jahr wieder Schafe und erstmalig auch Rinder bei der Weidepflege helfen.

    Und ich bin schon sehr auf die Entwicklung der Winterweide mit dem Massenvorkommen von Graukresse gespannt. Während die Kanada-Goldrute schon in den Startlöchern steht, ist die Graukresse noch nicht in Erscheinung getreten, aber mit Sicherheit noch nicht veschwunden. Diese Fläche soll dieses Jahr wieder vor der Samenreife der Graukresse im Juli gemulcht werden. Ich hoffe, dass sich auch hier der Aufwand lohnt, diese Giftpflanze zumindest in Schach zu halten.

    Aktuell ist jedoch meine größte Sorge der seit Februar ausbleibende Regen, der allen Pflanzen fehlt….

  • Tagfalter Monitoring III

    Aktuell findet man relativ viele Tagpfauenaugen auf unseren Pferdeweiden. Die Raupen konnten sich satt fressen an den zahlreichen Brennnesseln und die adulten Tiere finden jetzt noch genug Nektar an den Blüten der Kanada-Goldrute, um gestärkt in die Winterruhe zu gehen.

    Es hat sich also zumindest für das Tagpfauenauge gelohnt, dass ich beim Mulchen immer auch Streifen stehen lasse. Wenn man aktuell sieht, was an den Blüten der Goldrute schwirrt und surrt, muss man zugeben, dass sie durchaus ihren Wert für die Natur, auf jeden Fall für Insekten im Herbst hat.

    Tagpfauenaugen überwintern in Dachböden, Kellern, Holzstapeln oder anderen geschützten Nischen. Nach der Überwinterung ab März sind sie auf Frühblüher zur Nahrungsaufnahme angewiesen und die Weibchen legen nach der Paarung die Eier an sonnig stehenden Brennnesseln ab. Es werden ca. 50-200 (gut getarnte) Eier an der Blattunterseite angeheftet. Die Raupen schlüpfen nach etwa 2-3 Wochen und nach mehreren Häutungen schlüpfen die Falter meist ab Ende Juli. Sie treten eine Art „Sommerpause“ an und werden im September noch mal richtig aktiv, bevor sie in die Winterruhe gehen.

    Wie auch bei anderen Tagfaltern, gibt es – durch die verlängerte Vegetationsperiode als Auswirkung des Klimawandels – auch beim Tagpfauenauge mittlerweile „verpätete, unvollständige Generationen“. Das heisst, die Tiere legen noch mal Eier im Spätsommer/Herbst ab. Aber wenn die Falter dann geschlüpft sind, finden sie keine oder nicht mehr genügend Nahrung. Und so kommen viele Faktoren wie der Einsatz von Pestiziden, das Verschwinden von Strukturen wie Ackerränder, Säume oder Brachen, das exzessive Mulchen im Herbst von Straßenböschungen, Wegrändern etc. zusammen und verursachen das Insektentsterben. Es muss nur mal jeder kurz darüber nachdenken, wie normal Tagfalter in der Kindheit waren und wie oft man heute noch ein Tagpfauenauge sieht.

    Auf dem Tagfalter-Transekt auf unseren Pferdeweiden konnte ich dieses Jahr 12 Arten und 53 Individuen aufnehmen. Es waren insgesamt zehn Begehungen von April bis September. Hier eine kurze Zusammenfassung:

    • 17x Grünader-Weißling
    • 12x Kleiner Kohlweißling
    • 5x Tagpfauenauge
    • 5x Kleines Wiesenvögelchen
    • 3x Resedafalter
    • 3x Brauner Feuerfaler
    • 2x Großes Ochsenauge
    • 2x Hauhechelbläuling
    • 1x Kleiner Feuerfalter
    • 1x Admiral
    • 1x Schachbrettfaler
    • 1x Aurorafalter

    Das ist eine erhebliche Steigerung zum letzten Jahr. Ich denke, es liegt zum Einen daran, dass mein Transekt nicht wieder als Trail herhalten musste und zum Anderen, dass es nicht so extrem trocken war. Am häufigsten kam dabei der Grünader-Weißling mit insgesamt 17 Individuen und der Kleine Kohlweißling mit 12 Tieren vor.

    Die Kohlweißlinge gehören zu den häufigsten Tagfaltern und kommen in allen Habitaten bzw. Biotopen vor. Vor allem der Große Kohlweißling konnte früher in großen Wander-Schwärmen vorkommen und in Kohl-Kulturen beträchtliche Schäden anrichten. Solche Massenvermehrungen werden jedoch seit 1990 nicht mehr beobachtet und in einigen Bundesländern wie NRW steht diese Art bereits auf der Roten Liste…. Sie finden heute Rückzugsräume in Regionen mit Ökolandbau wie beispielsweise in Brodowin.

    Wie man auch den folgenden Fotos erkennen kann, finden die Tagfalter auf unseren Pferdeweiden vor allem an der Graukresse Nektar….

    So ist zwar auch die Graukresse aus Pferdehaltersicht „der Endfeind“, aber sie hat als Nahrungsquelle durchaus ihren Mehrwert. Lieber wären mir jedoch arten- und kräuterreiche Weiden ohne Graukresse und – na sagen wir mal mit weniger – Kanada-Goldrute.

    Zum Thema noch eine Beschreibung von Annette von Droste-Hülshoff aus dem Buch „Bilder aus Westfalen“ (1840):

    „Wenige Landschaften mögen […] so voll Nachtigallenschlag und Blumenflor angetroffen werden, und aus der minder feuchten Gegenden Einwandernde wird fast betäubt vom Geschmetter der zahllosen Singvögel, die ihre Nahrung in dem weichen Kleiboden finden. […] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen, während die der größeren Art bis auf die Mitte des Weihers schnurren.“

    Das Zitat stammt aus dem Vorwort für das Buch „Insektensterben in Mitteleuropa“ und gibt eine ungefähre Vorstellung von dem, wie es mal war. Des Weiteren wurde folgende Literatur für den Eintrag verwendet und kann für die Tagfalter-Bestimmung empfohlen werden:

    Bellmann (2009): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer – Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen, Kosmos Verlag

    Gelbrecht et al. (2016): Die Tagfalter von Brandenburg und Berlin (Lepidoptera: Rhopalocera und Hesperiidae), Naturschutz und Landschaftspflege in Deutschlad, Beiträge zu Ökologie und Naturschutz Heft 3,4 2016

    Settele et al. (2008): Schmetterlinge – Die Tagfalter Deutschlands, Ulmer Verlag