Geduld

Es braucht viele Jahre, um artenreiche Weiden zu generieren – aber wie geduldig man sein muss, habe ich mir vor sechs Jahren mit Beginn dieses Beweidungsprojektes nicht vorstellen können. Zum einen haben wir es mit Brachen zu tun, die von Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) dominiert werden und zum anderen mit einer übernutzten Hauptwiese mit dominanter Graukresse (Berteroa incana).

Hier Beispielbilder von der Hauptweide mit Blick auf den Unterstand. Die Fläche wird im Sommer aus der Beweidung genommen und wegen der Graukresse 1x jährlich im Juni vor der Samenreife der Graukresse gemulcht. Im Jahr 2023 waren ganz gute Niederschläge, da sah die Fläche am besten aus im Vergleich. Dieses Jahr haben wir wieder Dürrephasen von denen die Graukresse profitiert, weil sie sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist und dadurch einen Konkurrenzvorteil gegenüber den anderen Pflanzenarten hat.

Hauptwiese Juli 2023
Hauptwiese Juli 2026

Es wurde dieses Jahr Anfang Juni gemulcht und leider wächst die Graukresse einfach weiter, d.h. sie bildet neue Triebe und muss wieder zusätzlich händisch rausgezogen werden.

Ein Lichtblick ist immerhin das Auftauchen der Sichelmöhre (Falcaria vulgaris), denn sie zeigt das Potential der Flächen für die Entwicklung von kalkreichen Sandrasen bzw Steppentrocken wie auf den Kuppen der Umgebung, beispielsweise am Königsberg oder den Glindower Alpen.

Sichelmöhre

Und in einem Teilbereich der Hauptwiese hatte ich vor drei Jahren regio-zertifziertes Saatgut in Wildschweinstellen eingebracht und diesen Bereich seitdem 1x jährlich gemäht. Hier hat sich nun mittlerweile ein kleiner schöner Bestand aus Flockenblumen (Centaurea stoebe, C. jacea), Wilder Möhre (Daucus carota), Königskerze (Verbascum lychnitis, V. nigrum) und Margarite (Leucanthemum ircutianum) entwickelt. Ich habe diesen Bereich ausgezäunt, damit die Arten aussamen und in die umliegenden Bereiche ausstrahlen können. Im ersten Jahr nach der Aussaat dachte ich, es passiert nichts, da kommt einfach nichts, aber man muss anscheinend sehr viel Geduld haben für die Entwicklung blühender Landschaften 😉

Auch auf einer Fläche mit dominanter Kanada-Goldrute, auf der ich ein Transekt mit Vegetationsaufnahmen angelegt habe, geht es nur sehr langsam voran mit der Artenvielfalt. Es sind ingesamt elf Aufnahmeflächen quer über die Fläche mit jeweils 2mx2m Quadraten auf denen ich nun seit 2020 Vegetationsaufnahmen durchführe, um die Entwicklung im Kampf gegen die Goldrute zu dokumentieren. Dabei wurden die Flächen gemulcht, gemäht, mit Schafen beweidet und natürlich permanent mit unserer Herde, aktuell bestehend aus sechs Pferden und zwei Kühen ganzjährig beweidet. Leider fressen auch die Kühe die Goldrute nicht, so dass wir auf das Mulchen nicht verzichten können.

Die Deckung der Goldrute hat zwar etwas abgenommen und es sind durchaus mehr Arten dazugekommen, aber es geht nur sehr mühsam voran. Die Gesamtartenanzahl hat von 38 Arten im Jahr 2020 auf 43 im Jahr 2026 zugenommen und die mittlere Artenanzahl pro Aufnahmefläche stagniert bei 16 Arten. Eine Gestamtartenliste im Vergleich der letzten Jahre befindet sich am Ende des Beitrages.

Aber auch hier gibt es einzelne Lichtblicke: stellenweise tauchen Margariten, Flockenblumen, Lichtnelken (Silene vulgaris) und Heidenelke (Dianthus deltoides) auf, die sicherlich aus dem Saatgut kommen, dass wir immer wieder in Wildschweinstellen einbringen.

Neben Mulchen, Mähen, Beweiden, Rausreißen und der punktuellen Einsaat steht auch die Mahdgutübertragung von einer Wiese mit flächiger Einsaat auf andere Weideflächen auf dem Programm. Und zumindest ist in diesem Jahr zum ersten Mal Margarite auf einer Weide aufgetaucht, auf der wir im letzten Jahr Mahdgut mit reichlich Margarite übertragen haben.

Also – es bleibt weiterhin viel zu tun, um artenreiches Grünland zu generieren und mit gutem Beispiel für eine artgerechte Pferdehaltung in Verbindung mit Naturschutz voranzugehen.

Und zum Schluss noch die Gesamtartenliste der Vegetationsaufnahmen für den interessierten Leser:

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