Kategorie: Artenvielfalt

  • Painted Lady

    Painted Lady

    Der Herbst hält Einzug und es wird Zeit einen Blick auf die diesjährige Tagfaltersaison zu werfen.

    Von April bis Ende September habe ich 14 Begehungen auf dem 300m langen Transekt im Rahmen des Tagfalter Monitoring Deutschland (TMD) durchgeführt. Dabei konnten 16 Arten mit insgesamt 92 Individuen erfasst werden. Im Folgenden eine Tabelle mit den Arten im Vergleich der letzten sechs Jahre.

    Im letzten Jahr war der Segelfalter (Iphiclides podalirius) mein absolutes Highlight und dieses Jahr habe ich mich besonders über den Distelfalter (Vanessa cardui) gefreut, der neu erfasst werden konnte. Der wissenschaftliche Name verweist auf die Haupt-Raupenfutterpflanze: Carduus = Distel.

    Im Englischen heißt der Distelfalter „Painted Lady„, was für ein treffender Name für diesen wunderschön gezeichneten Tagfalter, insbesondere auf der Unterseite der Flügel.

    Und was den Distelfalter so besonders macht, ist außerdem, dass er jährlich – in mehreren Generationen – im Frühling aus Afrika nach Europa und im Herbst wieder zurück fliegt. In manchen Jahren kommt es zu regelrechten Massenvorkommen während der Wanderung.

    Isabella Tree beschreibt in ihrem wunderbaren Buch „Wildes Land“ ein Massenvorkommen der „Painted Lady„, nachdem sie die Ausbreitung der Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) geduldet und trotz der Kritik der Nachbarn ausgehalten hat. Denn während die adulten Distelfalter ein breites Spektrum an Nektarpflanzen nutzen können, fressen die Raupen vor allem an Disteln der Gattung Cirsium und Carduus.

    „Draußen im Park hatten sich Tausende und Abertausende von Distelfaltern auf den Ackerkratzdiesteln niedergelassen wie zitternder Nebel. …Mit geschlossenen Augen inmitten eines Schmetterlingssturmes zu stehen, wie ich an jenem außergewöhnlichen Tag, ist eine verwirrende Erfahrung. Das Geräusch eines einzelnen Schmetterlings ist unhörbar. Aber Zehntausende von ihnen haben ihren eigenen Atem…“ (Isabelle Tree, Wildes Land)

    Auf unseren Weiden sind Disteln ebenfalls willkommen, schon allein als wichtige Nektarpflanze. Beispielsweise ist die Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) laut NaturaDB Nahrungsquelle für zehn spezialisierte Wildbienenarten, 95 Wildbienen, 40 Schmetterlinge, 20 Raupenarten und 36 Schwebfliegenarten.

    Und auch der überaus bunte Stieglitz, der im Winter die Samen aus den überständigen Stauden rauspickt, heißt nicht umsonst Distelfink (Carduelis carduelis) 😉

  • Blühende Landschaften

    Blühende Landschaften

    Seit nunmehr sieben Jahren versuchen wir die Flächen mit Graukresse (Berteroa incana) und Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) in artenreiches Grünland umzuwandeln. Es geht dabei um einen kleinen Beitrag zum Erhalt von Biodiversität und der Schaffung einer gesunden Nahrungsgrundlage für unsere vierbeinigen Lieblinge.

    Neben dem Zurückdrängen der Graukresse und der Kanada-Goldrute sollen die Weiden mit Kräutern angereichert werden, durch Förderung der Pioniervegetation und Einsaat in offene Bodenstellen (zb Wildschweinstellen) sowie Mahdgutübertragung aus einer Einsaatfläche. Dabei verwenden wir regiozertifiziertes Saatgut aus dem Ursprungsgebiet 4 – Ostdeutsches Tiefland.

    Die (für Pferde giftige) Graukresse konnte in den letzten Jahren durch die Vermeidung von Überbeweidung bzw. Schonung der Grasnarbe, Mahd, Mulchen und vor allem durch händisches Rausreißen zurückgedrängt werden.

    Dabei haben wir beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass das Mulchen nur sinnvoll ist, wenn die Graukresse vor der Bildung von Samenkapseln/Schötchen gemulcht wird, weil sie ansonsten nachreifen kann. Auf dem folgenden Foto wurde die Graukresse im Juli gemulcht, was schon zu spät war.

    Die gleiche Fläche, aus der gleichen Perspektive in diesem Jahr fotografiert zeigt, dass unsere Maßnahmen – in Bezug auf die Graukresse – durchaus erfolgreich waren.

    Wir haben dieses Jahr Anfang Juni mulchen lassen, aber die Graukresse hat es geschafft noch einmal zur Blüte und zur Ausbildung von Samenkapseln zu kommen. Aus diesem Grund mussten wir die Graukresse noch einmal vollständig händisch rausziehen. Aktuell fragen wir uns, ob es überhaupt Sinn macht, zu mulchen oder ob man sie von vornherein rauszupfen sollte?

    Das Problem ist auch der Samenvorrat im Boden aus den letzten Jahren. Ein Schötchen enthält ca. zehn Samen und an einer Pflanze können hunderte von Schötchen sein…

    Die Graukresse ist vor allem mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt und hat in den letzten Jahren von den Dürre-Ereignissen profitiert, weil sie dadurch einen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Pflanzen hat.

    Und auch die Goldrute wurde dieses Jahr wieder „geärgert“ mit Mulchen und einer temporären Beweidung mit Schafen. Es wäre illusorisch, die Goldrute komplett loszuwerden, dafür müsste man sie rausreißen oder den Oberboden inklusive ihrer Rhizome abtragen. Das geht natürlich nicht auf zehn Hektar, deshalb können wir nur jedes Jahr immer wieder dafür sorgen, dass sie zurückgedrängt wird. Würde der Druck nachlassen, würde sie wieder 100% Deckung einnehmen. Im Folgenden der Vergleich zweier Flächen mit Goldrute im Jahr 2019 und heute.

    Wenn wir es schaffen, Goldrute und Graukresse zurückzudrängen machen wir auch Platz für Artenvielfalt und eine gesunde Grasnarbe. In den letzten Jahren sind auf den Weiden unter anderem neu dazugekommen: Labkraut (Galium mollugo agg.), Grasnelke (Armeria maritima subs. elongata), Wilde Möhre (Daucus carota), Margarite (cf. Leucanthemum ircutianum), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe subd. stoebe), Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), Lichtnelke (Silene vulgaris) usw.

    Das Ziel ist die Schaffung bunter Wiesen mit verschiedenen Gräsern und Kräutern als gesunde Nahrungsgrundlage für unsere Tiere und ein reiches Blütenangebot für Wildbienen, Tagfalter etc. – Das Generieren blühender Landschaften statt tot geweideter Paddocks oder Brachen mit Goldrute.

  • Geduld

    Geduld

    Es braucht viele Jahre, um artenreiche Weiden zu generieren – aber wie geduldig man sein muss, habe ich mir vor sechs Jahren mit Beginn dieses Beweidungsprojektes nicht vorstellen können. Zum einen haben wir es mit Brachen zu tun, die von Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) dominiert werden und zum anderen mit einer übernutzten Hauptwiese mit dominanter Graukresse (Berteroa incana).

    Hier Beispielbilder von der Hauptweide mit Blick auf den Unterstand. Die Fläche wird im Sommer aus der Beweidung genommen und wegen der Graukresse 1x jährlich im Juni vor der Samenreife der Graukresse gemulcht. Im Jahr 2023 waren ganz gute Niederschläge, da sah die Fläche am besten aus im Vergleich. Dieses Jahr haben wir wieder Dürrephasen von denen die Graukresse profitiert, weil sie sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist und dadurch einen Konkurrenzvorteil gegenüber den anderen Pflanzenarten hat.

    Hauptwiese Juli 2023
    Hauptwiese Juli 2026

    Es wurde dieses Jahr Anfang Juni gemulcht und leider wächst die Graukresse einfach weiter, d.h. sie bildet neue Triebe und muss wieder zusätzlich händisch rausgezogen werden.

    Ein Lichtblick ist immerhin das Auftauchen der Sichelmöhre (Falcaria vulgaris), denn sie zeigt das Potential der Flächen für die Entwicklung von kalkreichen Sandrasen bzw Steppentrocken wie auf den Kuppen der Umgebung, beispielsweise am Königsberg oder den Glindower Alpen.

    Sichelmöhre

    Und in einem Teilbereich der Hauptwiese hatte ich vor drei Jahren regio-zertifziertes Saatgut in Wildschweinstellen eingebracht und diesen Bereich seitdem 1x jährlich gemäht. Hier hat sich nun mittlerweile ein kleiner schöner Bestand aus Flockenblumen (Centaurea stoebe, C. jacea), Wilder Möhre (Daucus carota), Königskerze (Verbascum lychnitis, V. nigrum) und Margarite (Leucanthemum ircutianum) entwickelt. Ich habe diesen Bereich ausgezäunt, damit die Arten aussamen und in die umliegenden Bereiche ausstrahlen können. Im ersten Jahr nach der Aussaat dachte ich, es passiert nichts, da kommt einfach nichts, aber man muss anscheinend sehr viel Geduld haben für die Entwicklung blühender Landschaften 😉

    Auch auf einer Fläche mit dominanter Kanada-Goldrute, auf der ich ein Transekt mit Vegetationsaufnahmen angelegt habe, geht es nur sehr langsam voran mit der Artenvielfalt. Es sind ingesamt elf Aufnahmeflächen quer über die Fläche mit jeweils 2mx2m Quadraten auf denen ich nun seit 2020 Vegetationsaufnahmen durchführe, um die Entwicklung im Kampf gegen die Goldrute zu dokumentieren. Dabei wurden die Flächen gemulcht, gemäht, mit Schafen beweidet und natürlich permanent mit unserer Herde, aktuell bestehend aus sechs Pferden und zwei Kühen ganzjährig beweidet. Leider fressen auch die Kühe die Goldrute nicht, so dass wir auf das Mulchen nicht verzichten können.

    Die Deckung der Goldrute hat zwar etwas abgenommen und es sind durchaus mehr Arten dazugekommen, aber es geht nur sehr mühsam voran. Die Gesamtartenanzahl hat von 38 Arten im Jahr 2020 auf 43 im Jahr 2026 zugenommen und die mittlere Artenanzahl pro Aufnahmefläche stagniert bei 16 Arten. Eine Gestamtartenliste im Vergleich der letzten Jahre befindet sich am Ende des Beitrages.

    Aber auch hier gibt es einzelne Lichtblicke: stellenweise tauchen Margariten, Flockenblumen, Lichtnelken (Silene vulgaris) und Heidenelke (Dianthus deltoides) auf, die sicherlich aus dem Saatgut kommen, dass wir immer wieder in Wildschweinstellen einbringen.

    Neben Mulchen, Mähen, Beweiden, Rausreißen und der punktuellen Einsaat steht auch die Mahdgutübertragung von einer Wiese mit flächiger Einsaat auf andere Weideflächen auf dem Programm. Und zumindest ist in diesem Jahr zum ersten Mal Margarite auf einer Weide aufgetaucht, auf der wir im letzten Jahr Mahdgut mit reichlich Margarite übertragen haben.

    Also – es bleibt weiterhin viel zu tun, um artenreiches Grünland zu generieren und mit gutem Beispiel für eine artgerechte Pferdehaltung in Verbindung mit Naturschutz voranzugehen.

    Und zum Schluss noch die Gesamtartenliste der Vegetationsaufnahmen für den interessierten Leser:

  • Strukturelemente

    Strukturelemente

    Es ist wunderbar, wenn man Lebensraumstrukturen wie Lesesteinhaufen, Totholzhaufen oder Gehölzinseln angelegt hat und diese von den zu erwartenden Arten auch tatsächlich besiedelt werden. Was für ein Glücksmoment, ein wunderschönes Zauneidechsen-Männchen nebst Weibchen auf dem Steinhaufen zu sehen, den ich vor fünf Jahren angelegt hatte.

    Zauneidechsen lassen sich mit der Anlage von Haufwerken aus Steinen und Holz als Unterschlupf und zum sonnenbaden begünstigen. Sie brauchen ein Mosaik aus lockerer und dichter Vegetation, einen grabfähigen Boden zur Eiablage und hinreichend Insekten als Nahrungsquelle.

    Wunderbar sind auch sogenannte Benjeshecken oder Totholzhaufen. Sie sind nicht nur Unterschlupf oder Nistmöglichkeit wie beispielsweise für den Neuntöter, sondern in ihnen können sich auch neue Gehölze etablieren. In dem Reisighaufen, der bei uns schon mehr als sechs Jahre liegt, haben sich Holunder, Hundsrose, Roter Hartriegel und Brombeeren etabliert. Sie werden vermutlich mit dem Vogelkot eingetragen und sind sehr gut gegen Verbiss sowie Austrocknung geschützt. Hier ein Bildervergleich der letzten Jahre und Entwicklung eines zunächst nicht so schönen Haufens zu einer wunderbaren Lebensraumstruktur.

    Reisighaufen 2020
    Reisighaufen 2024
    Reisighaufen 2026

    Und dieses Jahr ist auch wieder ein Neuntöter-Pärchen eingezogen, was mich ebenfalls sehr erfreut und zeigt, wie einfach es manchmal sein kann, Lebensräume zu schaffen. Solche Haufwerke sind auch gute Überwinterungshabitate für Reptilien, Amphibien, Insekten, Igel oder andere Kleinsäuger.

    Und es bietet sich an, das Aufwachsen von Gehölzen zu fördern, beispielsweise durch das Auszäunen von Ecken, „dem Zaun vor dem Zaun“ oder auch durch Auszäunungen innerhalb der Weideflächen zur Förderung von Gehölzinseln oder Solitärbäumen.

    In diesen – vor Verbiss geschützten – Bereichen wachsen in der Regel Gehölze von selbst auf. Das können beispielsweise sein:

    • Weißdorn (Crataegus monogyna)
    • Schlehe (Prunus spinosa)
    • Hundsrose (Rosa canina)
    • Eiche (Quercus robur, Q. petraea)
    • Roter Hartriegel (Cornus sanguinea)
    • Holunder (Sambucus nigra)

    Das ergibt nicht nur ein schöneres Landschaftsbild, strukturiert die Weideflächen, bietet Windschutz und eine gesunde Knabberei für die Pferde, solche Gebüschinseln oder Hecken bieten vor allem auch Nistmöglichkeiten für Neuntöter, Sperbergrasmücke, Amsel, Nachtigall, Mönchsgrasmücke, Dorngrasmücke etc. Und zur Blütezeit spenden sie Nektar und Pollen für Insekten und im Herbst/Winter Früchte wie beispielsweise Hagebutten für Vögel, aber natürlich auch für unsere Weidetiere – Win Win also.

  • Was macht eigentlich…

    Was macht eigentlich…

    das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis)? In diesem Jahr – also fünf Jahre nach der Einrichtung – können unsere Pferde zum ersten Mal auf die Fläche, die sonst um diese Jahreszeit von Frühlings-Greiskraut dominiert wurde.

    Mai 2021
    Mai 2026

    In den letzten Jahren konnte diese Fläche nur gemulcht werden, weil es hier immer einen schönen Wechsel im Blühaspekt von gelb zu weiß gab, also von Frühlings-Greiskraut im April/Mai zu Graukresse (Berteroa incana) im Juni. Neben dem mulchen der Fläche, wurden die Pflanzen, auch das vereinzelt vorkommende Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea), mit der Hand rausgezogen. Es ging darum, das Aussamen zu verhindern, obwohl natürlich auch von Nachbarflächen immer wieder Samen einwehen können. Aber die gute Nachricht ist, Frühlings-Greiskraut ist einjährig, d.h., nach dem Aussamen stirbt die Pflanze ab und es lohnt sich ihre Reproduktion auf diese Weise zu unterbinden. Die rausgezogenen Pflanzen müssen im Hausmüll entsorgt werden, da Greis- bzw. Kreuzkräuter die Fähigkeit haben nachzureifen. Das bedeutet, wenn man sie auf den Kompost wirft, können die Samen immer noch mit dem Pappus (Haarkelch als Schirmchen) umherfliegen.

    Und dadurch, dass die Fläche endlich abgeweidet werden kann, ist eine gewisse Aushagerung möglich, weil die Biomasse abgeschöpft wird. Denn dieser Teil unserer Weideflächen ist relativ sandig, mager und hat das Potential zur Entwicklung eines Sandtrockenrasens. Es gibt immerhin schon Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Sandstrohblume (Helichrysum arenarium) und Berg-Sandglöckchen (Jasione montana) als charakteristische Arten für Sandmagerrasen. Dieses Jahr ist auch viel Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) dazu gekommen, was einen hübschen Blühaspekt ergibt.

    Das heißt, es waren zum ersten Mal nur noch so wenig Individuen vom Frühlings-Greiskraut, dass wir sie händisch rausziehen konnten. Hier noch Fotos einer Rosette vom Jakobs-Kreuzkraut, die mit einem Handstecher rausgestochen werden muss und rausgezogene Exemplare vom Frühlings-Greiskraut. Frühlings-Greiskraut blüht aktuell, ist spinnwebartig behaart und wie alle Arten der Gattung Senecio giftig, weil es Pyrrolizidinalkaloide enthält, die auf Dauer die Leber schädigen.

  • Frühling

    Frühling

    Wir hatten einen recht harten – naja oder vielleicht seit langem mal wieder normalen Winter? Auf jeden Fall war es für Tierhalter eine Herausforderung, mit anhaltenden Minusgraden, Eisregen und geschlossener Schneedecke umzugehen.

    Aber aktuell merkt man, dass die Pferde lieber grasen wollen und wir weniger Heu anbieten müssen. Als es richtig knackig kalt war, musste man zweimal in der Woche zwei Heuballen fahren, aktuell reichen zwei Ballen für sieben Pferde und zwei Kühe über eine Woche. Wenn noch etwas mehr Regen kommen würde, könnte das Gras auch noch besser wachsen und wir könnten das Heu ganz ausschleichen lassen. Laut meinem Regenmesser hatten wir in diesem Jahr bisher nur 66mm. Letztes Jahr war es auch schon mit 68mm zu trocken für diese Jahreszeit. Im Jahr 2023 hatten wir 125mm und im Jahr 2024 122mm, was auch eher im langjährigen Mittel (laut Wetterstation Potsdam) mit 100-130mm für die Monate Januar bis März liegt.

    Ich kenne meinen Assan nun seit 2011 und ich weiß ja nun mittleweile, dass er ab März/April kein Heu mehr fressen möchte, er will dann lieber das frische Grün abnagen. Deshalb habe ich vor der Zeit in Glindow viele Stunden mit grasen an der Hand verbracht. Das muss ich nun zwar nicht mehr, dafür hat man natürlich vieles andere zu tun 😉

    Und leider haben wir auch in diesem Frühling keinen leichten, unbeschwerten Start in die Weidesaison. Theoretisch können unsere Pferde ganzjährig grasen gehen, das heißt, wir haben eigentlich kein Thema mit an- und abweiden. Aber irgendwas ist ja immer….

    Dieses Jahr haben wir eine Ponystute, die mit einer Ataxie (mit unklarer Ursache) in die Klink musste, ohne Befund wieder zurück kam und seperat untergebracht werden muss. Sie steht nun im Unterstand mit einem kleinen Auslauf davor und muss neu angeweidet und in die Herde integriert werden.

    Das Problem daran ist außerdem, dass ich die Weiden, auf denen die Ponystute die anderen Pferde nicht mehr sehen würde, schließen musste, damit sie nicht in Panik gerät. Und irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, in dem die nahegelegenen Flächen abgegrast sind und die anderen Pferde wieder angeweidet werden müssten. Eine unklomplizierte Jahreszeit gibt es wohl nicht, aber auch hier werden wir wieder Lösungen finden (müssen), die für alle passen.

    Schön und wohltuend sind jedenfalls die ersten warmen Sonnenstrahlen, das Vogelgezwitscher und der Beginn der Blüten bei Wildbirne, Schlehe und Kirschpflaume. Auch die Pappeln haben derzeit schöne, lilafarbende Kätzchen als Blütenstände und die ersten Frühblüher wie Rote Taubnessel, Ehrenpreis oder Lerchensporn erfreuen das Herz.

    Der Plan ist für dieses Jahr die Hauptweide wieder nach dem Ausschleichen des Heus komplett zu schließen, wegen der vielen Kothaufen abzuschleppen und Ende Mai/Anfang Juni zu mulchen. Nicht weil ich ein großer Fan des Mulchens wäre, aber um die Graukresse (vor Samenreife) und den Endoparasiten Einhalt zu gebieten. Und wie jedes Jahr wird sich wohl zeigen, dass nichts so beständig ist wie die Planänderung…

  • GPS-Tracking im Jahresvergleich

    GPS-Tracking im Jahresvergleich

    Mittlerweile gibt es schon eine richtige Zeitreihe beim GPS-Tracking der letzten fünf Jahre.

    Aber erst einmal steigen wir in den aktuellen Track vom 30.11.2025 ein. Assan hat wieder ein Garmin etrex 10 am Weidehalfter 24h umhergetragen. Er hat dieses Mal eine Strecke von 6,7km zurückgelegt und alle Weiden mindestens einmal besucht. Die folgende Karte zeigt unsere Weiden, die Lage der Tränke, Heuraufen und Unterstand und die GPS-Punkte. Die blaue Linie zeigt den daraus generierten Track, also die von Assan zurückgelegte Strecke.

    Es standen acht Hektar zur Verfügung und man kann erkennen, wie Assan über die Flächen mäandriert ist. Desto enger die GPS-Punkte sind, desto langsamer hat er sich vorwärts bewegt, also vermutlich grasend. Zwischen der „Ponderosa“ und der „Hauptweide“ sind die Punkte – entlang der Pappelreihe – weit auseinander gezogen, hier hat er die maximale Geschwindigkeit von 32km/h erreicht, ist also galoppiert.

    Die meisten Punkte sind an den Heuraufen und im/am Unterstand. Die folgende Grafik zeigt den Anteil der GPS-Punkte in Bezug auf ihre Lage.

    Dabei ist ein Drittel an den Heuraufen und ein weiteres Drittel auf der Hauptwiese. Bei dem Drittel auf der Hauptwiese handelt es sich um Aktivitäten wie grasen, aber auch Dösen in der Nähe der Heuraufen. An der Tränke war er in den 24h zweimal.

    Bei der Punktwolke am Unterstand kann es sich um schlafen oder dösen handeln. Aber bei den Punkten auf den Wiesen handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um grasen bei langsamer Fortbewegung. Obwohl die Pferde im Sommer auch oft auf den Weiden schlafen und dösen, verbringen sie im Winter einen Großteil in der Nähe der Heuraufen. Beispielsweise dösen sie gern im Windschutz der Hecke, grasen im näheren Umfeld und bleiben dabei in der Nähe der anderen Herdenmitglieder, die Heu fressen.

    Wenn man noch weiter in die Zeiten der jeweiligen GPS-Punkte und ihrer Lage auf den Flächen einsteigt, bestätigt sich einmal mehr, das Pferde einen anderen Rhythmus haben als wir. Sie schlafen nicht 8h am Stück wie wir, es ist eher ein zwei Stunden-Rhythmus mit schlafen, fressen, dösen, fressen. Beispielsweise war Assan von 16:00-18:20 Uhr an der Heuraufe, war dann bis 19:00 Uhr grasen, von 19:00-20:00 Uhr im Unterstand, dann bis 22:20 auf der Skuddenwiese. Von 22:20-23:00 Uhr an der Heuraufe und danach wieder im Unterstand. Gegen Mitternacht hat er überlegt, auf die Jägerwiese zu gehen, kam aber gleich wieder zurück und ist lieber noch einmal auf die Skuddenwiese gegangen. Dann war er von 1:00-3:20 Uhr im Unterstand, war danach bis 4:20 an der Heuraufe, dann noch mal bis kurz vor sieben Uhr morgens im Unterstand und dann eine Stunde auf der Hauptwiese grasen.

    Wie auch in den anderen Beiträgen zum GPS-Tracking möchte ich die These aufrecht erhalten, dass die Länge der Laufstrecke vor allem durch die Möglichkeit zum grasen beeinflusst wird. Dabei hat die Größe der Fläche nur indirekt einen Einfluss, d.h. es wird nicht mehr Strecke zurückgelegt, weil größere Flächen zur Verfügung stehen. Entscheidender ist wohl eher, dass durch die extensive Haltungsform auch im Winter noch genügend Futter auf den Weiden vorhanden ist, dass es sich trotz Heu lohnt „umherzutingeln“.

    In dem folgenden Diagramm sind die Laufwege in km und die Größe der Flächen in Hektar dargestellt. Beispielsweise war die zurückgelegte Distanz im November 2025 kürzer als im November 2024, obwohl mehr Fläche zur Verfügung stand. Aus meiner Sicht hat die Zufütterung mit Heu den größeren Effekt als die Flächengröße. Denn wenn die Pferde im Sommer kein Heu bekommen, müssen sie sich ihr Futter grasend auf den Flächen zusammen suchen. Die längsten Distanzen mit über 8km waren im August 2023 und im Juli 2021 (ohne Heu) und die kürzesten Distanzen im November 2023 und März 2023 (mit Heu).

    Aber auch mit Heu lohnt es sich offenbar für die Pferde auf allen Weiden umher zu laufen und gemäß ihrer Natur zu grasen sowie Laubblätter, Rinde, Früchte etc. zu naschen. Und das geht natürlich nur, wenn genügend Flächen zur Verfügung stehen, dass man es sich leisten kann, dass alle Weiden auch im Winter offen sind ohne sie zu übernutzen. So gesehen hat die Flächengröße doch einen entscheidenden Einfluss auf die Distanzen, die die Pferde zurücklegen. Das was wir also den Pferden bieten können, muss ansonsten mit Trails, Futterstationen, Laufstallkonzepten etc. imitiert werden. Ich bin sehr glücklich, dass wir unseren Pferden diese naturnahe Haltung bieten können.

  • Lebendige Zäune

    Lebendige Zäune

    Eine Hecke als Umrandung von Weiden ist wie ein „lebendiger Zaun“ und bietet viele Vorteile:

    • Sichtschutz
    • Windschutz
    • Vermeidung ungewollter Fütterung
    • Bruthabitate für Vögel
    • Unterschlupf für Kleinsäuger
    • Nahrung für Insekten
    • Biotopverbund
    • gesunde Knabberei (z.b. Hagebutten)

    Aber nach eigener Erfahrung ist es als Privatperson nicht so einfach gebietsheimische Gehölze zu bekommen, um eine Hecke zu pflanzen. Ich musste dafür nach Bad Liebenwerder zur Baumschule Fürst Pückler fahren, weil das die einzige Baumschule war, die mir gebietsheimische Gehölze anbieten konnte. Und außerdem brauchen gepflanzte Gehölze in den ersten Jahren sehr viel Pflege, also regelmäßige Wässerung und freischneiden.

    Eine kostengünstige Alternative dazu ist der „Zaun vor dem Zaun„, d.h. einen Streifen auszäunen, in dem sich Gehölze in Form von Naturverjüngung von selbst etablieren. Wir mussten im Frühjahr 2020 einen zweiten Zaun vor den anderen setzen, weil immer wieder Spaziergänger unsere Pferde gefüttert haben. Außerdem war der alte Holzzaun schon marode, nicht mehr zu erhalten und die Pappeln wurden von den Pferden geschält. Es ist faszinierend und beeindruckend, wie schnell in diesem Streifen eine Gehölzentwicklung stattfindet. Es wachsen unter anderem Eichen, Weißdorn, Roter Hartriegel und Hundsrose auf – viel schneller und vitaler als in der gepflanzten Hecke am Reitplatz.

    Der folgende Bildvergleich zeigt, wie schnell eine Hundsrose größer werden konnte seit sie vor Verbiss durch den zweiten Zaun geschützt ist. Bei einer sehr extensiven Beweidung würden Gehölze natürlich auch von allein aufwachsen und mit geringem Verbiss gut klar kommen. Aber wo es sich anbietet, kann man durch so eine einfache Maßnahme wie ein zweite Litze die Etablierung von Hecken fördern.

    April 2019
    September 2025

    Laut Fartmann et al. (Insektensterben in Mitteleuropa) konnten in schleswig-holsteinischen Wallhecken ca. 7000 Tierarten (v.a. Insekten) nachgewiesen werden. Nach Angaben bei Westphal (Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft) wurde folgende Anzahl an Tierarten in Feldhecken gezählt:

    • 45 Säugetiere
    • 50 Vögel
    • 8 Reptilien
    • 7 Amphibien
    • 800 Käfer
    • 115 Schmetterlinge
    • 110 Schlupfwespen
    • 24 Wildbienen
    • 2000 Mücken und Fliegen
    • 86 Wanzen
    • 29 Zikaden
    • 7 Heurschrecken
    • 60 Spinnen
    • 30 Schnecken

    Von Gehölzen umrahmte Weideflächen trocknen auch während Dürrephasen nicht so schnell aus wie vom Wind und der Sonne ausgelieferte Vegetationsdecken.

    Und auch für die Weidetiere liegen die Vorteile auf der Hand. Sie haben einen Windschutz und können die Bäume und Sträucher über den Zaun beknabbern. Beispielsweise enthalten Hagebutten sehr viel Vitamin C, Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Eisen etc., Flavonide, Gerbstoffe und wirken abwehrsteigernd, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Oder Weißdorn, der bekannt ist für seine unterstützende Wirkung für das Herz-Kreislauf-System und ebenfalls reich an Mineralstoffen ist.

    Aber neben den vielen Vorteilen für den Erhalt der Artenvielfalt sowie für die Weidetiere gibt es aus meiner Sicht noch einen Aspekt von Gehölzen als Umrandung von Weideflächen – das schönere Landschaftsbild:

    Und hier noch folgende Literaturempfehlungen:

  • Tagfalter Transekt 2025

    Tagfalter Transekt 2025

    Hier kommt das jährliche Update zu den Ergebnissen des Tagfalter-Transektes. In der folgenden Tabelle ist die Anzahl der beobachteten Tagfalter für die letzten fünf Jahre, inklusive 2025 aufgelistet.

    Ein absolutes Highlight in diesem Jahr war der Segelfalter (Iphiclides podalirius), denn er kommt eigentlich eher im südöstlichen Brandenburg, vor allem in den Bergbaufolgelandschaften vor. Hier eine Darstellung aus dem Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands:

    Der Segelfalter besiedelt nach Gelbrecht et al. (2016) in Brandenburg trocken-warme bis heiße Standorte, stark besonnte Sandböden, Heiden oder Stromtrassen und braucht als Raupenfutterpflanze Prunus-Arten wie Schlehe (Prunus spinosa), Traubenkirsche (Prunus padus, P. serotina) oder Felsenkirsche (Prunus mahaleb).

    Insbesondere Felsenkirsche kommt bei uns in der Region Werder/Havel häufig vor, weil sie als Unterlage für Kirschen benutzt wurde. Das Transekt ist entlang einer Pappelreihe mit Felsenkirsche im Unterwuchs (Siehe Foto), aber auch Schlehen sind bei uns als Element in den Hecken häufig anzutreffen. Der adulte Falter braucht blütenreiche Flächen und bevorzugt lila, blaue und weiße Blüten wie beispielsweise Disteln (Cirsium spec, Carduus spec.), Natternkopf (Echium vulgare) oder Flockenblumen (Centaurea spec.). Bei uns hab ich den Segelfalter an Graukresse (Berteroa incana) saugen sehen – was sonst…

    Der Segelfalter ist nach Angaben des Verbreitungsatlas in Deutschland gefährdet (Rote Liste 3) und der langfristige Bestandstrend ist stark rückläufig. Die Ursachen sind vor allem Pestizideinsatz sowie die Verschlechterung der Larvalhabitate durch Sukzession, Aufforstung, Eutrophierung, aber auch Entbuschung. Somit ist der Segelfalter ein schönes Beispiel dafür, dass wir zum Erhalt der Artenvielfalt Habitatkomplexe aus blütenreichen, ungedüngten, ungespritzten Wiesen, Weiden und Büschen brauchen – extensiv genutzte Weidelandschaften eben 😉

    Aber abgesehen vom Segelfalter sind die Zahlen dieses Jahr wieder ernüchternd. Trotz der vielen Begehungen konnten nur 13 Arten mit insgesamt 36 Individuen gezählt werden. Vier der 17 Begehungen waren sogenannte Nullbegehungen, d.h., es konnten gar keine Tagfalter erfasst werden. Von den erfassten Arten war der Grünader-Kohlweißling (Pieris napi) mit 15 Individuen die häufigste Art. Sie stellt wenig Ansprüche an ihren Lebensraum und ihre Futterpflanzen für die Raupen sowie adulten Tiere. Ansonsten kam noch das Tagpfauenauge (Aglais io) mit fünf Individuen stetig vor, welches Brennnessel als Raupenfutterpflanze nutzt, die häufig auf unseren Weiden vorkommt.

    Unsere Weiden sind ja leider auch in Betrachtung der Zusammensetzung der Pflanzen sehr arten- und vor allem blütenarm, auch wenn wir uns so viel Mühe geben, das zu ändern…

    Unsere Weiden liegen dabei aber auch in einem allgemeinen Trend des Rückgangs vor allem von spezialisierten Arten. Hier eine Gegenüberstellung der Tagfalter auf einer artenreichen Wiese in Thüringen aus dem Artikel „Das Artensterben vor dem Artensterben“ in der Zeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung.

    Wir erleben also innerhalb einer Generation den dramatischen Verlust von Artenvielfalt. Das Fazit aus dem Artikel lautet dabei wie folgt:

    • Eine artenreiche Wildblumenwiese allein ist keine Garantie für eine große Vielfalt an Tagfaltern. Kräuter und Stauden allein reichen dafür nicht aus.
    • Erst die passenden heimischen Gehölze im Umfeld sichern das Überleben vieler Blütenbesucher. Sie spielen eine primäre Rolle für die Biodiversität und die potenzielle tierische Nutzbarkeit von Lebensräumen.
    • Es müssen unterschiedliche Lebensraumstrukturen im direkten Umfeld vorhanden sein. Beispiel Waldrand, Hecke mit Wildblumensaum, Uferstreifen mit Hochstauden oder Bach. Stichwort Biotopmosaik und -vernetzung. Ein beträchtlicher Teil der Arten ist genau deswegen verschwunden, weil die Landschaft drumherum standardisiert und denaturiert wurde.

    Was können wir dabei konkret als Pferdehalter tun, um dem allgemeinen Abwärtstrend zu begegnen?

    • Vermeidung von Überbeweidung, (damit Pflanzen zum blühen kommen können)
    • Verzicht auf Nachmulchen von „Weideresten“ und Abschleppen (mechanische Zerstörung von Eiern und Puppen)
    • Verzicht auf Düngung und Pestizide (der Verlust von artenreichen Wiesen und Weiden hängt vor allem mit der Eutrophierung zusammen und Gift ist nun mal giftig…)
    • Förderung bzw. Zulassen von Gehölzaufwuchs (z.b. kommen von allein: Schlehe, Brombeere, Weißdorn, Rose, Eiche)
    • Förderung von Blühstreifen beispielsweise durch Auszäunen von Teilbereichen

  • Artenvielfalt verteilen

    Artenvielfalt verteilen

    Wie können wir es schaffen, aus unseren übernutzten Flächen mit Graukresse-Dominanz und den unternutzten Flächen mit Kanada-Goldruten-Dominanz arten- und kräuterreiche Weiden zu entwickeln? Wie schon einmal in einem Beitrag zur Historie von Elisabethhöhe dargelegt, haben wir auf unseren Weideflächen kein traditionelles Grünland, dass wir reaktivieren können.

    So bleibt als ein Baustein zur Förderung von Artenvielfalt nur eine Einsaat mit regiozertifiziertem Saatgut für die Anreicherung unserer Weiden mit Kräutern wie Wiesen-Flockenblume, Margerite, Wegwarte, Wilder Möhre, Lichtnelke oder verschiedenen Gräsern wie Schafschwingel oder Ruchgras. Neben offenen Boden- oder Wildschweinstellen, in denen wir Saatgut eingebracht haben, hat sich vor zwei Jahren eine ca. 2000qm große Fläche angeboten für eine vollständige Neuansaat. Diese „Einsaatfläche“ soll als Quelle für die anderen Flächen fungieren. Teilweise wandern die Pflanzen von allein auf die anderen Weiden beispielsweise durch die Verbreitung der Samen durch Wind (z.B. Löwenzahn), Ameisen (z.B. Wiesen-Flockenblume) oder Ausläufer (z.B. Margerite).

    Aber wir wollen auch gezielt nachhelfen – durch eine Mahdgutübertragung. Ob das was bringt, weiß ich noch nicht, wir werden das beobachten und ich werde berichten 😉

    Einsaat im April 2023
    Mahd per Hand im Juni 2025
    Ausbringen auf einer anderen Weide

    Dafür wurde die Einsaatfläche im Juni mit einem schönen Blühaspekt von Margerite gemäht und das Mahdgut frisch auf einer anderen Fläche, die bereits abgeweidet war, ausgebracht. Bei einzelnen Arten habe ich auch Samen direkt von der Pflanze abgesammelt, um sie im Herbst wieder in Wildschweinstellen verteilen zu können. Ende August wird die Einsaatfläche noch einmal gemäht und das Mahdgut auf einer „von Schafen vorbereiteten“ Fläche verteilt.

    Im Folgenden soll es nun darum gehen, wie sich die Einsaat- oder Spenderfläche in den letzten zwei Jahren entwickelt hat. Die Artenliste ist dabei ohne Anspruch auf Vollständigkeit, es können sicherlich Arten übersehen worden sein und auch der Anteil ist lediglich eine Schätzung. Hinzu kommen Unsicherheiten bei der Bestimmung beispielsweise bei den Schwingelarten.

    Aber eine Tendenz ist ablesbar, so hat sich der Anteil der Graukresse sowie Arten der nährstoffreichen Äcker und Unkrautfluren reduziert und gewünschte Arten der Wiesen und Weiden sind dazugekommen. Orange markiert sind Arten die laut FloraWeb der Formation der nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren und/oder Äcker sowie kurzlebige Unkrautfluren zugeordnet sind und im dritten Jahr der Pflege mit zweimaliger Mahd verschwunden sind. Grün markiert sind Arten der Frischwiesen und -weiden, die im Saatgut waren und sich etablieren konnten.

    Es fehlen noch Wiesen-Witwenblume und Gewöhnliche Braunelle, vielleicht tauchen sie ja noch auf. Sumpf-Hornklee und Scharfer Hahnenfuß sind ebenfalls nicht aufgelaufen, vermutlich weil es ihnen zu trocken bei uns ist, wobei Scharfer Hahnenfuß als Giftpflanze auch nicht vermisst wird.

    Insgesamt ist die Einsaatfläche jedenfalls eine Augenweide und es summt, brummt, zirpt und mein Traum ist, dass all unsere Weideflächen so schön bunt werden.

    Denn allein an der Wiesen-Flockenblume sammeln laut NaturaDB über 90 Wildbienen Pollen für ihren Nachwuchs und 69 Schmetterlingsarten saugen an ihr Nektar. 20 Schmetterlingsarten, unter anderem aus der Gruppe der Widderchen, Schecken- oder Perlmuttfalter leben als Raupen an und von der Flockenblume. Sie gehört damit zu den wichtigsten Nahrungsquellen für Wildbienen und Schmetterlinge. Wenn man außerdem die Blütenstände über den Winter stehen lässt, bieten sie überwinternden Vögeln wie beispielsweise dem Stieglitz eine willkommende Nahrungsquelle.

    Und natürlich ist eine arten- und kräuterreiche Weide auch für unsere Pferde gesünder als die üblichen, (meist) stark abgegrasten Weidelgras-Weißklee-Weiden.

  • Graukresse

    Graukresse

    Im letzten Blogeintrag zur Graukresse im März diesen Jahres war ich noch sehr optimistisch, dass wir das Problem mit Rausziehen der einzelnen Pflanzen in den Griff bekommen. Denn es wäre schön, wenn man ohne Mähen oder Mulchen auskommt, um Insekten etc. zu schonen, aber in diesem Jahr hat sich die Graukresse wieder besonders stark ausgebreitet.

    Sie hat anscheinend davon profitiert, dass es erst eine Dürrephase im Mai, Juni und dann eine Regenphase im Juli gab. Sie ist durch ihre Sternhaare auf der Oberfläche sehr gut gegen Verdunstung geschützt und kommt mit Dürre super zurecht, da sie ursprünglich aus Halbwüsten-Regionen wie Mittelasien kommt. Sie kommt laut FloraWeb auf nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren vor und man kann sie aktuell in Brandenburg, (vor allem auf sandigen Standorten) häufig bewundern…

    Wir haben sie in den letzten Jahren vor der Ausbildung der Samenkapseln gemulcht und hatten sie damit ganz gut zurück gedrängt. Jetzt nach dem Regen im Juli ist sie wieder massenhaft auf unseren Weiden zurück gekehrt und hat bereits Samenkapseln ausgebildet. Nun muss die gesamte Pflanze durch rausziehen oder mähen entfernt werden, da sie sonst nachreifen kann und beim mulchen werden die kleinen Samen nicht zerschlagen, bleiben liegen und man kann sich den Maschineneinsatz sparen.

    Da es nun also zu spät zum mulchen ist, müssen wir sie per Hand rausziehen, was sehr aufwendig, mühselig und zeitraubend ist. Und jede Graukresse, die ich bisher rausgezogen habe, ist auch verbissen, d.h., sie wird (mit-)gefressen, auch wenn noch sehr viel anderes Futter da ist…

    Die ganz besonders schlimmen Flächen haben wir zunächst ausgezäunt, um sie mit einem Rasenmäher (mit Korb) zu mähen und zumindest ein weiteres Aussamen zu verhindern.

    Tja, wie sagt Bent Branderup ? „Schöne Zeit mit dem Pferd verbringen“ …

    Aktuell dürfen wir vor allem beim Graukresse rupfen schöne Zeit mit unseren Pferden verbringen 😉

  • Kanada-Goldrute

    Kanada-Goldrute

    Der Kampf gegen die Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) geht in die nächste Runde und damit schon ins fünfte Jahr. Wir sind ihr mit mulchen, Schafen und dieses Jahr auch mit einem Balkenmäher zu Leibe gerückt.

    Mahd mit Balkenmäher
    abziehen der Fäche mit einer Schleppe
    eine Teilfläche wurde gemulcht

    Manchmal hat man das Gefühl, alles ist umsonst und nichts hilft – aber leider muss man bei der Etablierung von artenreichen Wiesen und Weiden sehr viel Geduld aufbringen. Bei einer Weiterbildung meinte ein Kollege, dass er nunmehr seit 30 Jahren Trockenrasen in der Umgebung von Werder/Havel mäht und sich die ersten Erfolge nach acht Jahren (!) eingestellt haben. Er wußte aus historischen Quellen, wo es mal artenreiche Steppentrockenrasen gab und hat diese gezielt gepflegt, mit einem beeindruckenden Ergebnis.

    Aber wir haben es mit Flächen zu tun, die ehemals Fichtenforst waren, danach Gartenland und dann Brache – mit Ausbreiung der Kanada-Goldrute. Deshalb ist die einzige Chance, die wir haben, die Goldrute loswerden und immer wieder (Regio-) Saatgut oder Mahdgut von artenreichen Flächen verteilen, um eine kräuter- und artenreiche Weide zu entwickeln. Und nur eine kräuter- und artenreiche Weide kann eine gesunde Nahrungsgrundlage für unsere Weidetiere sein. Ich freue mich ja schon über jede Margarite (Leucanthemum ircutianum), Gemeines Leinkraut (Silene vulgaris) oder Flockenblume (Centaurea jacea), die hier und da mal auftauchen – aus dem vielen Saatgut, dass ich schon verteilt habe.

    Um die Entwicklung zu dokumentieren, habe ich im Jahr 2020 ein Vegetationstransekt mit elf Aufnahmeflächen (2mx2m) eingerichtet. Im Folgenden soll an einer der Aufnahmeflächen beispielhaft die Veränderung gezeigt werden:

    Vegetationsaufnahmefläche 2020
    Vegetationsaufnahmefläche 2025

    Auf den Fotos kann man nur schwerlich eine Veränderung erkennen, man muss genauer hinschauen und die Artenliste vergleichen:

    Die Deckung der Goldrute hat von 65-75% auf 15-25% abgenommen und die Artenanzahl ist von sechs auf 14 Arten angestiegen. Es sind mehr Gräser dazu gekommen, wobei vor allem Quecke und Glatthafer den frei gewordenen Platz eingenommen haben. Durch die Reduktion der mächtigen Streuschichtauflagen, die die Kanada-Goldrute bildet und damit jede Konkurrenz ausschaltet, konnten ein paar kleine Kräuter wie Feld-Klee (Trifolium campestre), Reiherschnabel (Erodium cicutarium) oder Rauhaarige Wicke (Vicia hirsuta) dazu kommen. Wenn man sich das Foto der Aufnahmefläche im Jahr 2020 genauer anschaut, kann man in der rechten, unteren Ecke die Streuschicht erkennen. Diese Streuschichtauflage wird aus der jeweils im Winter abgestorbenen Pflanzenmasse gebildet, kann bis zu 20cm mächtig werden und wird nur durch die Goldrute selbst durchwachsen.

    Die oben genannten Maßnahmen und die Beweidung haben zumindest zu einem Abbau der Streuschicht und einer Auflichtung geführt, d.h., es wurden „Lücken“ im Goldruten-Dickicht geschaffen, die andere Pflanzen nutzen können.

    Lücke mit Quecke, Schafgarbe, Feld-Klee und Reiherschnabel
    Glatthafer und Margarite (aus Saatgut?) nutzen die entstandenen Lücken
  • Synergien zwischen artgerechter Pferdehaltung und Naturschutz

    Synergien zwischen artgerechter Pferdehaltung und Naturschutz

    Am 26.05.2025 gibt es ein Live Webinar zum Thema Erhalt der Artenvielfalt durch extensive Beweidung.

    Die Veranstaltung wird ermöglicht und organisiert von Celina Skogan.

    In dem Webinar soll aufgezeigt werden, warum Beweidung mit großen Pflanzenfressern essenziell für den Erhalt der Artenvielfalt und damit eines der wichtigsten Instrumente im Naturschutz ist. Es wird darum gehen, wie Pferdehaltung gestaltet werden könnte, damit sie auch einen Mehrwert für die Natur hat und gleichzeitig unseren Pferden ein gesundes, artgerechtes Leben bieten kann.

    Wie erhalten wir in der Praxis eine struktur- und artenreiche Weidelandschaft – auch auf kleinen Flächen – die ein naturnaher Lebensraum für unsere Pferde ist und dabei Brut- Jagd- und Nahrungshabitate für viele Artengruppen wie Insekten, Vögel, Fledermäuse, Kleinsäuger oder Reptilien generiert?

    Welche Mikrohabitate und Landschaftselemente können wir aktiv auf der Pferdeweide fördern und was haben unsere Pferde davon? Und es wird darum gehen, warum eine naturnahe Pferdehaltung nicht teuer und aufwendig sein muss. Es geht eher darum auf teuren Input wie Technik, Dünger, Pestizide etc. zu verzichten und dafür natürliche Prozesse zuzulassen, zu beobachten, zu lernen – von der Natur und dem Pferd als einer Schlüsselart im Ökosystem.

  • Die gesunde Grasnarbe

    Die gesunde Grasnarbe

    In dem Podcast mit Celina Skogan haben wir viel über die „Grasnarbe des Grauens“ gesprochen, die man vielerorten in der Pferdehaltung sieht. Mit diesem Beitrag möchte ich daran anknüpfen und aufzeigen, wie wir in den letzten fünf Jahren zu einer gesünderen Grasnarbe gekommen sind.

    Dafür will ich kurz ausführen, was aus meiner Sicht eine gesunde Grasnarbe ist. Eine Pferdeweide sollte nicht nur ein Auslauf, sondern eine Ernährungsgrundlage sein, damit die Pferde ihrem natürlichen Bedürfnis nach grasen – langsam fortbewegen – grasen nachgehen können. Dabei sollte eine Pferdeweide möglichst arten- und vor allem kräuterreich sein, mit Baumgruppen und Gebüschen, im Idealfall mit trockenen Kuppen, feuchten Senken, eingestreuten Kleingewässern etc. – also eine vielfältige Weidelandschaft.

    Das heißt, wenn eine Weide auch Ernährungsgrundlage sein soll, darf sie nicht nur aus einer golfrasenartig abgenagten, öden, viereckigen Fläche bestehen. Denn das ist nicht nur ungesund für unsere Ponys, sondern auch ökologisch völlig wertlos für Artengruppen wie Insekten oder Vögel. Dabei könnten Pferde eine Schlüsselrolle in der Wiederbelebung von Ökosystemen und beim Erhalt der Artenvielfalt einnehmen.

    Aber was wir überall sehen, sind zu viele Pferde auf zu kleinen Flächen, traurige Matschpaddocks im Winter, Sandpaddocks im Sommer mit einem Auslauf bzw. einer völlig runtergerockten Grasnarbe des Grauens.

    Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man Pferde möglichst großzügig auf großen Flächen halten, um eine Übernutzung der Grasnarbe zu vermeiden, ansonsten geht es natürlich nicht ohne die Anlage von Trails oder einer Umtriebsbeweidung.

    Wir konnten in den letzten fünf Jahren die übernutzte Hauptweide, auf der nur noch Graukresse gewachsen ist, zu einer blütenreichen Fläche entwickeln. Dafür wurden die Pferde im Sommer von der Fläche genommen, damit sich die Grasnarbe erholen kann. Dadurch hat sich eine bunte Pioniervegetation aus Schafgarbe, Wegwarte, Malve, Rainfarn, Brennessel, Spitzwegerich, Beifuß und vieles mehr eingestellt. Es sind sogar schon die ersten Weißdörner, Schlehen und Rosen aufgewachsen, über die ich mich besonders freue 🙂

    Ein Fotovergleich zeigt die Entwicklung der Hauptweide aus zwei verschiedenen Perspektiven. Erreicht wurde die Umwandlung der Grasnarbe des Grauens mit Graukresse hin zu einer verhältnismäßig geschlossenen Grasnarbe mit verschiedenen Kräutern durch Schonung im Sommer, also Pferde runter von der Fläche oder anders gesagt: Umtriebsbeweidung. In den ersten drei Jahren musste die Hauptweide im Sommer noch gemulcht werden, um die Graukresse in den Griff zu bekommen und vor allem an der Aussamung zu hindern. Davon abgesehen wurden keine weiteren Maßnahmen wie beispielsweise eine Neuansaat ergriffen. Und erst seit wir auf das Mulchen verzichten können, etablieren sich auch Gehölze wie die Hundsrose.

    2019
    2023
    2024
    2019
    2021
    2024

    Und auch auf den Luftbildern bei Google Earth kann man die Entwicklung in der Zeitreihe sehen. Die Hauptweide wurde zunächst als Trail angelegt, den wir jedoch abbauen konnten, da wir genug Weiden zum Ausweichen haben und es schlicht nicht mehr notwendig war.

    2018
    2021
    2024

    Und in diesem Jahr wollen wir etwas neues ausprobieren – weg von der Umtriebsbeweidung – hin zu einer extensiven Ganzjahresbeweidung. Mein langfristiges Ziel ist dabei aus der Pioniervegetation ein artenreiches Grünland zu entwickeln, dass dann auch eine gesunde Grasnarbe für unsere Pferde sein kann.

  • mal reinhören…

    mal reinhören…

    beim Podcast von Celina Skogan – 28. Februar 2025 ‧ 73m 24s

    „Pferdehaltung wird in der Regel als nicht besonders Umweltfreundlich eingestuft. Dass das nicht so sein muss, erzählt uns heute Ninett Hirsch, die sich mit dem Thema Landschaftsnutzung und Naturschutz auseinandersetzt.
    Wie Pferdehaltung eine Chance sein kann, Artenvielfalt eine Chance zu geben und wie auch unsere Pferde und unsere Flächen davon profitieren, besprechen wir heute bei Horsefriends
    .“