Kategorie: Artenvielfalt

  • Artenreiches Grünland

    Was bedeutet artenreiches Grünland? Laut einer Bestimmungshilfe für Artenreiches Grünland der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft sind „über 400 Pflanzenarten auf Grünlandstandorte spe­zialisiert. Mit einem Maximum von 89 Pflanzenarten auf einem Quadratmeter gehört ex­tensives Grünland neben dem tropischen Regenwald zu den artenreichsten Biotopen im weltweiten Vergleich„.

    So eine enorme Artenvielfalt können wir uns überhaupt nicht vorstellen und Bayerische Bergwiesen kann man sicherlich nicht mit der Märkischen Streusandbüchse vergleichen. Für Brandenburg wurde eine Kennartenmethode entwickelt, um artenreiches Grünland zu identifizieren.

    Aber wie sieht es nun mit dem Grünland in Glindow aus? Ich habe Pfingsten sinnvoll genutzt und ein Transekt mit elf Vegetationsaufnahmeflächen (2mx2m=4qm) angelegt. Hier soll die Entwicklung einer Fläche mit Dominanz aus Kanada-Goldrute unter dem Einfluss der Pflegemaßnahmen dokumentiert werden. Insgesamt wurden auf diesem Transekt immerhin 35 Pflanzenarten aufgenommen. Der Mittelwert liegt bei elf Arten pro Aufnahmepunkt.

    Besonders artenarm – mit sechs bis neun Arten – sind die Aufnahmeflächen mit großer Deckung der Kanada-Goldrute. Etwas artenreicher mit bis zu 20 Arten sind die lückigeren Queckenfluren, gemischt mit Goldrute und ein paar Ruderalarten wie Gewöhnlicher Reiherschnabel oder Rauhaarige Wicke. Die Kanada-Goldrute ist eine invasive Art, die mit einer mächtigen Streuschicht (abgestorbene Pflanzenmasse) verhindert, dass sich andere Arten etablieren können. Außerdem verweist eine Auswertung nach den Ellenbergs Zeigerwerten auf Mäßigstickstoff- bis Stickstoffreichtumzeiger. Das heisst, die Flächen sind überdüngt und mastige Pflanzen wie Goldrute, Brennessel etc. werden befördert.

    Da hilft nur: nutzen, nutzen, nutzen und Biomasse runter, um diese Flächen auszuhagern und naturschutzfachlich aufzuwerten. Über die Ergebnisse der Pflege halte ich Euch auf dem Laufenden….

    Hier noch eine Gesamtartenliste des Transektes:

    Wissenschaftlicher NameDeutscher Name
    Achillea millefoliumGewöhnliche Schafgarbe
    Agropyron repensGewöhnliche Quecke
    Arrhenatherum elatiusGlatthafer
    Berteroa incanaGraukresse
    Bromus hordeaceusWeiche Trespe
    Bromus sterilisTaube Trespe
    Calamagrostis epigejosLand-Reitgras
    Carex hirtaBehaarte Segge
    Cerastium holosteoidesGewöhnliches Hornkraut
    Cirsium arvenseAcker-Kratzdistel
    Convolvulus arvensisAcker-Winde
    Dactylis glomerataWiesen-Knäuelgras
    Daucus carotaWilde Möhre
    Descurainia sophiaBesenrauke, Sophienkraut
    Equisetum arvenseAcker-Schachtelhalm
    Erodium cicutariumGewöhnlicher Reiherschnabel
    Galium mollugoWiesen-Labkraut
    Holcus lanatusWolliges Honiggras
    Hypericum perforatumTüpfel-Johanniskraut
    Lactuca serriolaKompaß-Lattich
    Lathyrus pratensisWiesen-Platterbse
    Medicago lupulinaHopfen-Schneckenklee
    Myosotis arvensisAcker-Vergißmeinnicht
    Papaver rhoeasKlatsch-Mohn
    Poa pratensisWiesen-Rispengras
    Quercus roburStiel-Eiche (Naturverjüngung)
    Rumex thyrsiflorusStraußblütiger Sauerampfer
    Solidago canadensisKanadische Goldrute
    Taraxacum officinale agg.Agg. Wiesen-Löwenzahn
    Trifolium arvenseHasen-Klee
    Urtica dioicaGroße Brennessel
    Veronica arvensisFeld-Ehrenpreis
    Veronica chamaedrysGamander-Ehrenpreis
    Vicia angustifoliaSchmalblättrige Wicke
    Vicia hirsutaRauhhaarige Wicke
  • Lebensraum Auslauf

    So lautet das Titelthema der aktuellen Ausgabe der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ des VFD.

    In diesem Heft ist der Auslauf Schwerpunktthema und behandelt alles rund um Mindestmaße, Stressvermeidung, Hütesicherheit, Befestigung, Trail-Ideen, Matschpaddocks und wie man auch auf einem intensiv genutzten Paddock kleine Naturoasen schaffen kann.

    Zum Beispiel kann man Ecken abrunden und damit kleine Habitate schaffen. Wie im Bild oben rechts. Hier hat sich in einer ausgezäunten Ecke eine Birke etabliert. Im Hintergrund sieht man außerdem einen Holunder, der zwischen zwei Baumstämmen aufwachsen konnte und von den Pferden „geformt“ und gern als Schattenplatz genutzt wird. Unten rechts ist ein ausgezäunter Bereich mit angepflanzten Gehölzen, der sporadisch genutzt wird, z.B. wenn man mal Pferde zwischenparken muss.

    Die Bilder sind nicht in Glindow entstanden. Wir haben keinen Paddock, aber ich fand auf dieser Anlage sehr beeindruckend, wie mit einfachen Mitteln auch auf einem intensiv genutzten Auslauf wertvolle Lebensräume geschaffen wurden.

    Weitere Empfehlungen der Autorin sind die Anlage von Lesesteinhaufen, Totholzhaufen, das Zulassen von Wilden Ecken, der Aufwuchs von Sträuchern beispielsweise zwischen Doppelzäunen und die Förderung von Schwalben durch das Anbieten von feuchtem Lehm.

    Wilde Ecken haben wir mehr als genug, im Prinzip sind unsere ganzen Weiden ziemlich wild. Bei uns ist eher die Herausforderung „einen Grund reinzukriegen“. Dennoch habe ich auch ein Bild aus Glindow mit einer „verlotterten Ecke“, nämlich auf dem Reitplatz. Hier wachsen hinter dem Hufschlag Mohnblumen, Wicken, Sauerampfer, Rainfarn, Beifuss, Brennnessel, Hirtentäschel, Erdrauch, Knaulgras, Weiche Trespe, Rispengras und sicher noch einiges mehr. Eine kleine Bienen- und Augenweide, die sich selbst etabliert hat.

  • Von Vögeln & Insekten

    Unser Hausrotschwänzchen ist fleißig dabei seine Jungen zu füttern. Gestern konnte ich es dabei beobachten, wie es eine besonders fette Raupe zum Nest getragen hat.

    Aus dieser Raupe wäre vielleicht mal ein Schmetterling geworden. Und so leicht kann man eigentlich nachvollziehen, wie alles zusammen hängt: ohne Insekten keine Vögel, keine Fledermäuse, keine Amphibien, keine….

    Natürlich gibt es viele Ursachen für den Artenschwund, die sicherlich alle zusammen spielen. Die ausgeräumte Agrarlandschaft, in der jegliche Strukturen fehlen – sogar einfache Feldwege mit natürlichen Blühstreifen werden umgebrochen. Großflächig wird Gift gespritzt, was beschönigt „Pflanzenschutzmittel“ genannt wird. Klimawandel, invasive Arten die andere verdrängen wie Waschbär & co., zu aufgeräumte Gärten mit englischem Rasen und Gehölzen, die keinen Nutzen für unsere heimische Fauna haben. Bis hin zu Hauskatzen, die den Vögeln den letzten Rest geben…

    Aber was kann jeder selbt tun, um der Natur ein kleines Stück wieder zurückzugeben? Vielleicht eine kleine wilde Ecke lassen, eine kleine Bienenweide anlegen. Schwalben, Mauersegler und Rotschwänzen gewähren lassen, sich an ihrem Gesang erfreuen und nicht über ihre Hinterlassenschaften ärgern. Ein einfaches Brett unter einem Schwalbennest kann schon helfen, dass man nicht „angeschissen“ wird ;-).

  • Pferdeäppel als Lebensraum

    Wenn man auf häufige Wurmkuren verzichtet und mal einen Pferdehaufen ausbreitet, kann man ein kleines Wunder erleben. Es kreucht und fleucht, wimmelt und lebt….

    Jetzt wo die Vögel ihre Jungen mit Nahrung versorgen müssen, ist es besonders wichtig, dass es genug Insekten gibt. Und so ein Pferdehaufen ist dabei eine wichtige Quelle. Beim allgemeinen Insektenrückgang können wir Pferdehalter zumindest einen kleinen Beitrag leisten, in dem wir Dungkäfer und andere Insekten, welche sich an den Kothaufen laben, fördern. In der Zeit gab es mal einen schönen Artikel zu diesen Thema: Der Fladen des Lebens. Hier ein Bildausschnitt:

    Ein wichtiger Baustein ist dabei der Verzicht auf prophylaktische Wurmkur-Gaben, vor allem im Frühjahr. Der Wirkstoff Ivermectin führt zur Reduktion der Eizahlen von Dungkäfern und einem Absterben der Larven. Das bedeutet, dass der Kothaufen für die Dungkäfer zur ökologischen Falle wird….

    Gestern habe ich mal bei uns auf der Weide ein paar Haufen umgedreht und geschaut, was ich dort entdecken konnte. Leider kenne ich mich nicht mit Dungkäfer aus, aber ich meine drei unterschiedliche Arten entdeckt zu haben:

    Gemeiner Dungkäfer (Aphodius fimetarius)
    Hellrandiger Dungkäfer (Melinopterus prodromus)?
    Gefleckter Dungkäfer (Aphodius distinctus)?

  • Hundsrose, Eiche & co.

    Am Wochenende habe ich die Pferde dabei erwischt, wie sie an den Gehölzen geknabbert haben, die ich neulich schon beschrieben habe. Besonders beliebt war ein Strauch mit Hundsrose. Auch der Schatten der Bäume ist jetzt schon willkommen.

    Im Schutz solcher dornigen Sträucher, welche durch das Anknabbern richtig verdichtet werden, können Vögel brüten und langfristig sogar Eichen aufwachsen. Denn der Eichelhäher versteckt die Eicheln bevorzugt im „Dornengestrüpp“, in dem sie am besten vor anderen Fressfeinden geschützt sind. So kann, wenn man es zulässt, eine halboffene, artenreiche Weidelandschaft entstehen.

    Mehr zu diesem Thema kann man im „Praxisleitfaden für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung“ (Bunzel-Drüke et al. 2008) nachlesen. Der Praxisleitfaden ist die Bibel der Anhänger von Weidelandschaften und kann kostenlos als PDF runtergeladen werden.

    Hier eine schematische Darstellung zur Entstehung einer halboffenen Weidelandschaft:

  • Gehölze auf der Pferdeweide

    Wenn die Beweidung nicht allzu intensiv ist, können sich auch Gehölze auf einer Pferdeweide von ganz allein etablieren oder man gibt ihnen bewusst kleine Räume, in denen sie sich ausbreiten können...

    Wir haben in Glindow das unverschämte Glück, dass wir eine wunderschöne Pappelreihe und bereits viele von allein aufgewachsene Bäume und Sträucher haben. Teilweise habe ich die Pappelreihe ausgezäunt, um auch der Natur ihren freien Lauf zu lassen. In der Pappelreihe wachsen Weißdorn, Wildrose, Wildbirne und Holunder. Die Früchte des Weißdorn enthalten Wirkstoffe, die gut fürs Herz-Kreislauf-System sind und die Hagebutten der Wildrose enthalten viel Vitamin C. Auf diese Weise können sich die Pferde im Herbst selbst gesund erhalten, in dem sie an den Früchten naschen.

    Jetzt im Frühjahr blühen viele Bäume und Sträucher und es ist ein herrliches Summen und Brummen. Tagsüber hört man die Mönchsgrasmücke, Klappergrasmücke und abends die Nachtigall aus dem „Gestrüpp“ singen. So haben die Insekten und die Vögel Nahrung, Lebensraum und die Pferde Schatten und immer wieder auch mal Gehölze an denen sie knabbern können.

    Vor allem wenn wir so trockene Jahre haben, wie dieses wieder eins zu werden scheint, haben die Bäume und Sträucher auch den Vorteil, dass sie für ein besseres Mikroklima auf der Weide sorgen. Sie bieten Schatten, bremsen den Wind und hindern ihn daran, abgefressene Weiden noch mehr auszutrocknen.

    Auf einer Fläche haben wir einen Fuchsbau, den ich ohnehin hätte auszäunen müssen, damit die Pferde nicht in das Loch treten und natürlich um dem Fuchs nicht seinen Lebensraum zu nehmen. Etwas daneben steht eine kleine Eiche, die ich gern befördern möchte. Sie sollte nicht von den Pferden geschält und zum Absterben gebracht werden. Ich denke, man sollte diesem Baum die Chance geben, irgendwann eine schöne, freistehende Eiche wie auf einem Gemälde von Caspar David Friedrich zu werden. Deshalb wurde sie mit ausgezäunt. Mich erfreut der Gedanke, dass man auf diese Weise ein Mosaik an Lebensraumstrukturen erhalten oder schaffen kann, das eine artgerechte Pferdehaltung mit Naturschutz verbindet.

  • Lebensraumstrukturen

    Eines der Ziele meines Beweidungsprojektes ist die Schaffung von Lebensraumstrukturen….

    Dazu gehört unter anderem das Zulassen von Gehölzaufwuchs. Beim Abschleppen einer neu eingerichteten Weide habe ich ganz bewusst aufgewachsene Sträucher umfahren. Sie waren bereits von sich aus aufgewachsen und sind erwünscht. Zum einen bieten sie den Pferden Schatten und im Herbst gesunde Früchte wie Hagebutten, die sie naschen können und zum anderen bieten sie Vögel einen Lebensraum. Beim Abschleppen sind auch einige Steine aufgetaucht, aus denen ich irgendwann einen Lesesteinhaufen aufschichten kann. Mehr zum Thema Lesesteinhaufen könnt ihr hier lesen.

    Wir haben auch bereits einige Totholzhaufen, die ich gern liegen lasse, damit Vögel darin brüten können, Igel im Winter ein Zuhause oder Zauneidechsen ein Versteck finden. Abgestorbene Pappeln, die zu einem Haufen aufgeschichtet wurden oder Abschnitt findet sich immer, um Lebensraumstrukturen zu schaffen.

    Einen alten Zaun, der nicht mehr gebraucht wird und ehrlich gesagt auch nicht mehr zu gebrauchen war, habe ich heute abgebaut. Aber die alten Holzpfosten, die noch standfest sind habe ich stehen lassen. Daran können sich die Pferde schubbern und Vögel nutzen solche vertikalen Strukturen gern als Ansitz- und Singwarte. Wie man auf einem der folgenden Bilder am reichlichen Vogelkot sehen kann. Nur die Ringisolatoren habe ich entfernt, damit sich die Pferde nicht daran verletzen können und vielleicht bieten sie solitären Wildbienen Unterschlupf? Das werde ich im Auge behalten und berichten, ob diese Löcher angenommen werden. Auf jeden Fall können sich zahlreiche Insekten in den Löchern und Rissen tummeln…