Kategorie: Artenvielfalt

  • Magen-Darm-Strongyliden…

    gehören zu den häufigsten Würmern bei Pferden und leider hatte Assan einen extrem hohen Befall.

    Im Dezember letzten Jahres haben wir eine Wurmkur gegeben, die klassische „Nikolaus-Entwurmung“ mit Bekämpfung der Dasselfliege. Wie bereits in einem Eintrag ausgeführt, ist mein Ziel die Wurmkurgabe auf ein notwendiges Maß zu reduzieren, um Dungkäfer und allgemein Insekten, auch als Nahrungsquelle für Vögel, Fledermäuse etc. weitgehend zu schonen. Nicht zuletzt wegen der Bildung von Resistenzen bei den Würmern ist eine strategische oder selektive Entwurmung sogar die Empfehlung der FN.

    Im April hatte ich bei Assan Kotproben gesammelt und beim Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin eingeschickt. Laut Befund hatte Assan 880 Eier von Magen-Darm-Strongyliden pro Gramm Kot, eine Menge, die ich mir gar nicht richtig vorstellen kann. Ab 200 Eiern/g Kot soll man eine Wurmkur geben und vom Labor wurde außerdem ein Pyrantel-haltiges Präparat empfohlen.

    Bei vier weiteren Pferden wurden dann Kotproben gesammelt, davon waren zwei ohne Befund und zwei mit Ausscheidung von Wurmeiern. In Zukunft soll bei allen Pferden eine Kotprobe gesammelt werden, um nur noch die Pferde zu entwurmen, die auch Würmer haben.

    Damit die Dunghaufen nicht zur ökologischen Falle werden, haben wir die Pferde am Samstag auf einer kleinen Fläche „eingesperrt“, die Wurmkur gegeben und alles abgeäppelt. Gestern konnten die Pferde dann auf die „Dreieckswiese“, die seit dem letzten Sommer ungenutzt war. Ich möchte die Pferde so lange es geht von der – mit Würmern kontaminierten – Hauptweide fernhalten. Diese Fläche ist im Prinzip unsere Winterkoppel mit Unterstand, beheizbarer Tränke, die am meisten beansprucht wird und sie soll sich im Sommer etwas erholen können.

    Eng gekoppelt mit Heuraufe
    Alles abäppeln…
    Ab auf die Dreieckswiese – meine persönliche Lieblingsfläche 😉

    Da die Würmer Monate und sogar den Winter überleben können, wird man sie wohl nie loswerden, so lange man Pferde immer wieder auf die gleichen Flächen stellen muss. Man kann nur versuchen, den Parasitendruck möglichst gering zu halten. Empfehlungen dazu sind beispielsweise alles abzuäppeln und Weidereste zu mulchen, was aus naturschutzfachlicher Sicht nicht in Frage kommt und auch arbeitstechnisch von uns nicht zu leisten ist. Optimal wäre auch eine Mischbeweidung mit Rindern, in deren Magen die Pferdewürmer sterben und umgekehrt.

    Die zwei Pferde, die nicht verwurmt waren, werden schon länger selektiv entwurmt und bekommen außerdem Ewalia Parasitensaft. Das zeigt, dass nicht zwangsläufig alle Pferde verwurmt sein müssen und das mit dem Kräutersaft werde ich auch ausprobieren. Bislang kannte ich nur die entwurmende Wirkung von Rainfarn (Tanacetum vulgare), den es auch auf unseren Flächen gibt und durchaus von den Pferden gefressen wird. Hier ein Auszug aus einem alten Kräuterbuch (für Menschen):

    Falls man den Text nicht lesen kann:

    „Verwendet werden Kraut, Blütenköpfe, Samen (…). Sie enthalten ätherisches Öl, etwas Bitterstoff und Gerbstoff.

    Rainfarn wirkt gegen Spul- und Madenwürmer.

    Man brüht 2 Teelöffeln voll mit einer Tasse Wasser an und trinkt nach längerem Ziehen. Einige Tage hintereinander zu nehmen. Unterstützend: roh geriebene Möhren mit Kümmel und Anis. Für guten Stuhlgang sorgen (Faulbaumtee).“

  • Tagfalter Monitoring II

    Der Frühling ist im vollen Gange und es wurde Zeit, endlich mit den Begehungen auf dem Tagfalter-Transekt zu beginnen…

    Die Vegetation ist zwar noch etwas dürftig, derzeit blühen nur wenig Arten wie beispielsweise Rote Taubnessel, Löwenzahn, Gundermann oder das Frühling-Hungerblümchen. Dennoch sind Bienen, Hummeln und Tagfalter unterwegs und ich habe gestern meine erste Begehung auf dem Tagfalter-Transekt gemacht. Die relativ geringe Ausbeute waren ein Tagpfauenauge, zwei Grünader-Kohlweißlinge und ein Reseda-Weißling. Die Grünader-Kohlweißlinge haben an den Blüten der Felsenkirsche genascht und der Reseda-Weißling an einem Hungerblümchen.

    Das Tagpfauenauge war eigentlich immer eine häufig vorkommende Art, es besiedelt Offenland bis Waldränder, Siedlungen, Gärten oder Parkanlagen und die Raupen ernähren sich von Brennnesseln. Aber heute sieht man selbst solche „Allerweltsarten“ wie das Tagpfauenauge oder Weißlinge nicht mehr sehr häufig und freut sich schon über jeden Falter…

    Dieses Phänomen, dass wir den Artenschwund und die Veränderungen in der Landschaft kaum wahrnehmen nennt man in der Ökologie Shifting Baselines. Wir bemerken es nicht, weil wir uns nicht mehr daran erinnern oder es selbst nicht erlebt haben, „wie es früher war„. Unser Horizont reicht dafür nicht aus und wir gewöhnen uns an das hier und jetzt. Es gibt nur wenig Erfassungen mit langen Datenreihen, die uns die Wahrheit vor Augen führen wie die Erkenntnisse des Entomologischen Vereins Krefeld e.V. 1905. Die Krefelder haben 2017 mit ihrer Studie Medien und Politik zumindest ein wenig wach gerüttelt und das Insektensterben zum Thema gemacht. Wobei diese Erhebungen auch „erst“ 1986 begonnen haben – ausschließlich in Naturschutzgebieten. Für die „Normallandschaft“ gibt es nichts vergleichbares. Wir können uns schlichtweg nicht vorstellen, wie es bespielsweise vor 100 Jahren oder mehr war, als es noch keine industrielle Landwirtschaft und Pestizide gab. Wir können es anhand der Landschaftsmalerei höchstens erahnen….

    Tagfalter-Transekt (im April natürlich noch etwas kahl)
    Gemälde des französischen Impressionisten Claude Monet (1840–1926)

    Nun muss man bei unseren Weiden auch dazusagen, dass sie nicht besonders artenreich sind und damit auch keine große Insekten- oder Faltervielfalt erwarten lassen. Da ist noch viel Luft nach oben und ich hoffe, dass die Flächen perspektivisch noch artenreicher werden. Wer die Möglichkeit hat im Rahmen einer Grünland- oder Ackerbewirtschaftung etwas für die Artenvielfalt zu tun, findet hier einen sehr guten Artikel zur Umsetzung. Anregungen, wie jeder im Garten oder auf dem Balkon etwas für Insekten tun kann, findet man beispielsweise hier.

  • Nisthilfen

    Nisthilfen

    Künstliche Nisthilfen für Insekten, Vögel oder Fledermäuse können Lücken in unseren Ökosystemen schließen und manchen Arten helfen in unserer Kulturlandschaft zu überleben.

    Ein typisches Beispiel sind Rauchschwalben, die eigentlich schon immer zu einem Reiterhof dazu gehörten. Der Gesang von Rauschwalben ist für mich ein wichtiger Teil des Sommerkonzertes aus Pferdeschnauben, Hufgetrappel, Gekicher und dem Fegen von Besen.

    Rauchschwalben waren ursprünglich Höhlenbewohner (an Felswänden oder Steilküsten), haben aber gelernt sich Nester aus Lehm selbst zu bauen und suchen die Nähe zu Nutztieren. Viehställe haben dabei höhlenähnliche Bedingungen und genügend Mücken und Fliegen als Hauptnahrungsquelle geliefert. Aber selbst Rauchschwalben, die sich so gut an den Menschen angepasst haben, sind heute bedroht. Sie finden zwar immer noch genügend Fliegen und Mücken auf einem Pferdehof, manchmal aber nicht genug feuchten Lehm im Frühjahr oder überhaupt offene Ställe, um Nester anzulegen.

    Ich höre immer wieder, dass Schwalbennester auf manchen Reiterhöfen sogar entfernt werden, was nicht nur gegen das Naturschutzgesetz verstößt, sondern aus meiner Sicht absolut unverständlich ist. Ich hätte gern Rauchschwalben in Glindow, schon allein, weil ich ihren Gesang vermisse. Und es gilt: „In dem Haus, in dem Schwalben ihre Nester bauen, zieht das Glück ein“. 😉

    Bereits im letzten Frühjahr habe ich deshalb eine künstliche Nisthilfe am Unterstand angebracht. Diese Nisthilfe wurde allerdings nicht angenommen, weil der Standort wohl zu zugig und zu wenig „höhlenähnlich“ war…

    Dieses Jahr starte ich einen neuen Versuch, Rauchschwalben bei uns anzusiedeln.

    Falsch angebrachtes künstliches Rauchschwalbennest
    Neuer Versuch

    Auch Fledermäuse sollten eigentlich hinreichend Nahrung auf Pferdeweiden finden können, aber oft fehlen geeignete Quartiere wie Baumhöhlen oder lose Rinde, weil es zu wenig alte Bäume mit solchen Habitatstrukturen gibt. Dabei nutzen Spaltenbewohnende Fledermausarten auch gern Holz-Verschalungen oder Fensterläden der menschenlichen Siedlungen. Wie bei der Rauchschwalbe sind auch selbst Fledermausarten, die sich an den Menschen und seine Umgebung angepasst haben, vom Aussterben bedroht. Gebäudesanierung, glatte Fassaden und der Insektenrückgang macht unseren „Kulturfolgern“ wie Mauersegler, Schwalben oder bestimmten Fledermausarten zu schaffen.

    Zumindest den Spaltenbewohnenden Fledermausarten wie Breitflügel- oder Zwergfledermaus kann jedoch mit künstlichen Ersatzquartieren geholfen werden.

    Ich habe die Fledermauskästen und Rauchschwalbennester einfach beim NABU-Shop bestellt. Aber wer Spaß am Basteln hat, findet auch sehr viele Anleitungen zum selbst bauen von Nisthilfen. Eine gute, umfangreiche Broschüre mit Bauanleitungen, Artportraits, Lebensräumen, Nahrung und Hinweisen zum Anbringen der Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten findet man hier.

  • Lesesteinhaufen

    Die Eiszeiten, insbesondere die Weichseleiszeit, die vor ca. 10.000 Jahren endete, haben das Nordostdeutsche Tiefland und ihre Landschaft geprägt.

    Neben vielen Einzelformen aus Schmelzwasserrinnen, Binnendünen, Grundmoränenplatten, Kames, vermoorten Senken oder Söllen hat uns die Eiszeit auch viele schöne Steine in allen Größen bis hin zu Findlingen aus Skandinavien mitgebracht. Auf unserer Weide haben wir auch so ein besonderes Schmuckstück:

    Unser Ponyhof befindet sich auf der „Glindower Platte“, einer Grundmoränenplatte im Übergangsbereich zur Havelniederung. Aufgrund der guten thermischen Bedingungen wurde hier seit Ende des 19. Jahrhunderts vor allem Obst angebaut und wir haben noch einige erhaltene Apfelbaumplantagen, teils in Nutzung, teils aufgelassen in der näheren Umgebung.

    Auf den Flächen, die ackerbaulich genutzt werden, kommen mit jeder Bearbeitung mehr oder weniger große Steine hoch, die schon seitjeher von den Bauern von den Feldern abgelesen und an den Rand gelegt werden. Dadurch haben sich die sogenannten Lesesteinhaufen entwickelt. Auch auch auf unseren Weiden kommen mit jedem mulchen oder schleppen Steine zum Vorschein. Und so lag es natürlich nahe, dass ich einen Lesesteinhaufen anlege. 🙂

    Zum Einen, um die Steine von der Koppel zu räumen, damit sie nicht bei der Bearbeitung stören und zum Anderen um einen wertvollen Lebensraum zu schaffen. Lesesteinhaufen dienen einer ganzen Reihe von Artengruppen wie Kleinsäugern, Reptilien, Amphibien, Insekten oder Spinnen als Winterquartier, Versteckmöglichkeit, Sonnenplatz oder Eiablagestelle.

    Hier mal ein paar Bilder, wie solche Lesesteinhaufen aussehen können. Eine schematische Darstellung nach karch (Koordinierungsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz), ein Lesesteinhaufen, der im Rahmen eines Naturschutz-Projektes in der Uckermark angelegt wurde und ein Haufen, der wahrscheinlich aus Steinen entstanden ist, die vom Acker abgelesen wurden.

    Bei unserem Lesesteinhaufen habe ich mich nicht ganz an die Anleitung nach karch gehalten. Das wäre viel zu aufwendig geworden und so viele Steine haben wir nun auch wieder nicht. Aber ich habe auf jeden Fall einen Platz ausgesucht, an dem der Steinhaufen nach Süden ausgerichtet ist und auf der Nordseite ein paar Gebüsche als Wind- und Feindschutz hat. Das ist gleichzeitig eine Stelle auf der Weide, die man aufgrund der Gehölze nicht mähen oder mulchen kann, so dass der Haufen hier nicht stört.

    Ich habe ein Loch mit ca. 50cm Tiefe, 50cm Breite und 100cm Länge ausgehoben und zunächst eine Schicht aus kleinen Steinen, die ich vom Reitplatz gesammelt habe angelegt. Empfohlen wird eine Mulde mit 80-100cm Tiefe und eine Lage aus einer 10cm mächtigen Kies-Sand-Schicht als Drainage. Darauf kommen dann die größeren Steine mit möglichst vielen flachen Hohlräumen und zum Schluss der Aushub an die Rück- bzw. Nordseite.

    Man kann den Steinhaufen natürlich auch ohne Mulde anlegen, aber dann ist er nicht frostfrei bzw. als Winterquartier geeignet.

  • Naturschutz auf der Pferdeweide

    Wie geht das denn? Und nützt das auch den Pferden?

    Das aktuelle Heft der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ der VFD widmet sich dem „Thema Pferde halten – Natur schützen“ und zeigt Wege auf, wie sich Pferdehalter ihrer Verantwortung für den Naturschutz stellen können. In guten Beiträgen werden komplexe Zusammenhänge auf den Punkt gebracht und konkrete Anregungen für eine artgerechte Pferdehaltung, gesunde Weiden als Futtergrundlage und dem Schutz der Artenvielfalt aufgezeigt.

    Die Artikel sprechen mir dabei förmlich aus der Seele. Es wird beispielsweise erklärt, warum es eine WinWin-Situation wäre, wenn Freizeit-Pferdehalter Heu aus ungedüngten, spät geschnittenem, also proteinarmen, dafür kräuterreichen Wiesen füttern würden. Und auch eine extensiv genutzte, arten- und kräuterreiche Weide wäre für die meisten unserer Pferde besser geeignet als fruktanreiche Intensivgraslandschaften, die eher Rinderfutter sind. Pflanzenvielfalt, Blütenreichtum und auch mal was stehen lassen nützen dabei auch dem Insektenschutz. Ein ganzer Artikel widmt sich sogar speziell dem Insektensterben und was man auf der Weide dagegen tun kann. Zusammengefasst und stark vereinfacht:

    • Verzicht auf prophylaktische Wurmkuren
    • Verzicht auf Bremsenfallen
    • Verzicht auf Nachpflege, denn „Mähen tötet den Nachwuchs“ (Puppen- und Raupenstadien)
    • Verzicht auf rotierende Mähwerke und Mulchsammler
    • eine möglichst angepasste Anzahl an Pferden, damit Pflanzen Blüten ausbilden können

    Auch der Mehrwert von Hecken als Lebensraum, Biotopverbund, Windschutz und Knabberei für die Pferde wird aufgezeigt und welche Gehölze sich eignen, welche für Pferde giftig sind. Hecken und Gehölzreihen schützen die Weide auch vor Austrocknung in Dürreperioden. Und natürlich wird auch das Thema Giftpflanzen behandelt mit Tipps zur Eindämmung von Jakobskreuzkraut, Graukresse & co.

    Es wird beispielsweise beschrieben, dass die Graukresse in den letzten Jahren von der Trockenheit profitiert hat und sich vor allem auf übernutzten Weiden ausbreitet. Dagegen hilft nur eine nachhaltige Nutzung und wenn sie sich schon auf größeren Flächen ausgebreitet hat, ein Mulchen vor der Samenbildung im Juni.

    Auch die Themen Herbizid- und Düngemitteleinsatz sowie deren Nachteile für die Pferdegesundheit und Umwelt werden behandelt. Dabei kann man einen ganz einfachen Zusammenhang nicht oft genug betonen. Nur auf ungedüngten Wiesen und Weiden gibt es eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern, da sich ansonsten nur einige wenige konkurrenzstarke Arten ausbreiten und das nützt auch der Pferdegesundheit, denn „Wo Pferde gesund bleiben, herrscht bunte Vielfalt„.

  • Insektensterben

    Insektensterben

    „… wo Schafe weiden und Pferde für Rennen trainiert werden; und alle spenden Manna für die jubelnden Mistkäfer. Hier sind die Straßenkehrer am Werk – Käfer, die das wichtigste Amt haben, den Erdboden rein zu halten. Man kann die Vielfalt der Werkzeuge gar nicht genug bewundern, mit denen sie den Unrat bewegen, zerkleinern, formen oder tiefe Höhlen graben, in denen sie sich samt ihrer Beute einschließen.„

    So liebevoll beschreibt Jean-Henri Fabre 1879 in seinem ersten Band „Erinnerungen eines Insektenforschers„ das Werk der Dungkäfer.

    Und wie ist es heute auf einer Pferdekoppel um den wertvollen Manna bestellt? Der Umweltforscher, Agrarexperte und Leiter des Tagfalter-Monitoring Deutschland Josef Settele beschreibt Kuhfladen und Pferdeäpfel 2020 in seinem Buch „Die Triple Krise – Artensterben, Klimawandel, Pandemien“ als giftige Betonfladen:

    „Finden Insekten doch noch Nutztierexkremente als Unterschlupf, riskieren sie, in eine Giftfalle zu tappen. Kühen und Pferden werden oft über Kraftfutter Medikamente verabreicht, die vor Erkrankungen und Insektenbefall schützen. Aus Sicht der Landwirte und Züchter ist das nachvollziehbar…. Da die giftigen Mittel auch noch im Kot ihre Wirkung entfalten, werden Kuhfladen und Pferdeäppel für kleine Krabbeltiere nicht mehr verzehrbar. Dung- und Mistkäfer können die tierische Hinterlassenschaft nicht mehr zersetzen, sie bleibt, wie sie ist, und wird hart wie Stein. …40 Prozent der Dung- und Mistkäfer hierzulande sind ausgestorben oder zählen zu den am stärksten bedrohten Insektenarten.“

    Vom Artenschwund sind fast alle Insektengruppen betroffen. Eine erste, ernsthafte breite mediale Aufmerksamkeit hat dieses Phänomen mit der Studie der Krefelder Entomologen erfahren, die anhand von Fluginsekten einen Rückgang der Biomasse um bis zu 80% nachweisen konnten. Die Probeflächen befanden sich ausnahmslos in Schutzgebieten…

    Die Ursachen für das Insektensterben sind sicherlich ein Zusammenspiel von vielfältigen Faktoren. Aber die Hauptursache ist wohl die Intensivierung der Landwirtschaft mit einer meist flächendeckenden, prophylaktischen Nutzung von Pestiziden (Gift ist nunmal giftig), Überdüngung, Verlust von artenreichem Grünland und einer vielfältigen, strukturreichen Kulturlandschaft. Die wichtigste Stellschraube ist hier der gleichzeitig größte Fördertopf der EU – die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Sie zielte jahrzehntelang auf steigende Ernten, ohne Rücksicht auf Tierwohl oder Naturschutz ab.

    Aktuell wird diese „Subventionsmaschine“ (Die Zeit; Letzte Chance) mit einem Budget von 347 Milliarden Euro für eine Förderperiode bis 2027 umgestellt. Es gab große Hoffnungen in diese GAP-Reform und dass es zukünftig mehr Geld für ökologische Dienstleistungen, Tierwohl und klimaschonende Anbauweisen gibt. Landwirte wären sicherlich bereit „Schmetterlinge zu produzieren“, wenn sie dafür entsprechend bezahlt werden. Hier eine kleine Einführung zum Thema Agrarreform:

    Aber zurück auf die Pferdeweide, auf der jeder Selbstversorger und jede Haltergemeinschaft selbst Einfluss nehmen kann, um Insekten wieder Lebensräume zu bieten, u.a. im Pferdehaufen. Hier ein paar Anregungen für mehr Artenvielfalt auf der Pferdeweide:

    • Verzicht auf prophylaktische Wurmkurgaben
    • Verzicht auf Düngemittel und Pestizide
    • Herstellung von Habitatmosaiken (auch mal was stehen lassen, ggf. Teilflächen auszäunen, die Nutzung räumlich und zeitlich variieren)
    • bei der Mahd oder dem Mulchen Teilflächen stehen lassen
    • Anlegen oder Belassen von „Wilden Ecken“, Totholzhaufen, Lesesteinhaufen
    • bei der Neuanlage oder Nachsaat regio-zertifziertes Saatgut verwenden, ansonsten lieber auf die Pioniervegetation setzen

  • Wintervögel

    Endlich hat es geschneit und der Winter ist da 🙂

    Jetzt im Winter zeigt sich, ob unsere Weiden noch genug hergeben für Vögel, die im Winter bei uns bleiben. Amsel, Meisen, Sperling, Zaunkönig, Eichelhäher und viele weitere Vögel kann man im Winter sehr gut beobachten, wenn man ihnen Nahrung bietet. Die Hundsrose beispielsweise trägt noch im Winter beliebte, rote Früchte. Hagebutten sind nicht nur für die Pferde sehr gesund, da sie viel Vitamin C enthalten, sondern dienen auch unseren Wintervögeln als wichtige Nahrungsquelle. Folgende Abbildungen stammen aus dem Tagebuch der Edith Holden und verdeutlichen wunderbar den Wert von „Wilden Ecken“ – auch auf der Pferdeweide.

    Sehr wichtig ist auch überständige Vegetation mit Sämereien, von denen sich die Vögel im Winter, wenn es keine Insekten gibt, ernähren können. Bei uns gibt es noch einige Bereiche mit überständiger Vegetation und Sträuchern wie Hundsrose, Brombeere oder Weißdorn. Wenn die Pferde nicht so extensiv gehalten werden können, wäre es auch hilfreich, Teilbereiche auszuzäunen.

    Ich habe jetzt auch einen Bereich mit insgesamt fünf Eichen auszäunen müssen, weil der Verbiss und das Schälen durch die Pferde so stark ist, dass die Gefahr bestand, dass die Eichen eingehen. Solche ausgezäunten Bereiche haben auch den Vorteil, dass die Vegetation über den Winter stehen bleiben kann, als Überwinterungsmöglichkeit für Insekten und mit Nahrungsangebot für Vögel.

    Ansonsten ist es natürlich auch legitim Vögel einfach zu füttern, wenn man sie im Winter unterstützen und beobachten will. Tipps zur Vogelfütterung findet man beispielsweise beim NABU.

    Und nächstes Wochenende ist auch wieder Stunde der Wintervögel – eine gute Gelegenheit mal die Vögel auf der eigenen Weide, im Garten oder am Haus zu beobachten. Viel Spaß dabei 🙂

  • Wurmkur

    Unsere Pferde haben heute ihre „klassische Nikolaus-Entwurmung“ bekommen…

    Aus Naturschutzgründen möchte ich unsere Pferde nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich entwurmen. Ob wir dabei alles richtig machen, weiß ich auch noch nicht. Aktuell kann ich nur beschreiben, welchen Weg wir dabei beschreiten. Um das Grundwasser und den Boden nicht zu belasten und vor allem die Dungkäfer nicht zu beeinträchtigen versuchen wir möglichst selektiv zu entwurmen, d.h. nur nach Befund durch Kotproben.

    »Dung- und Mistkäfer gehören zu den am stärksten bedrohten Gruppen unter den Insekten.« Ungefähr 40 Prozent der Dungkäfer sind ausgestorben oder stark gefährdet. Die Hauptursache ist die Anwendung von Parasitenmitteln, vor allem mit dem Wirkstoff Ivermectin. Mit dem Rückgang der Dungkäfer werden auch insbesondere die Nahrungsressourcen für Vögel, Amphibien, Reptilien und Fledermäuse reduziert. Und da es kaum noch Weidehaltung in Deutschland gibt, haben Pferdehalter eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität, aber auch die Chance einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten.

    Aus diesem Grund sollten Wurmkuren nicht unbedacht mehrmals im Jahr gegeben werden. Vor allem im Frühjahr, wenn Vögel die Dungkäfer brauchen, um ihre Jungen zu füttern ist eine Wurmkur-Gabe fatal.

    Aber jetzt im Winter haben wir eine Wurmkur gegeben, um auch die Entwicklung der Dasselfliege zu unterbrechen, die ihre Eier im Sommer bevorzugt an den Vorderbeinen der Pferde ablegen. Von hier werden sie durch das Maul durch lecken und kratzen aufgenommen, gelangen in den Magen, entwickeln sich weiter und können dabei das Pferd gesundheitlich schädigen.

    Da es auch im Winter aktive Dungkäfer gibt und um die Weiden nicht mit dem Wirkstoff zu kontaminieren, haben wir die Pferde relativ eng gekoppelt, um in den nächsten Tagen alle Pferdeäppel ordentlich absammeln zu können. Der Wirkstoff lähmt die Würmer, die sich nicht mehr an den Schleimhäuten des Magens festhalten können und mit dem Kot ausgeschieden werden. Da die Würmer zunehmend resistent gegen Wurmkuren sind, überleben es einige Individuen. Nicht mehr prophylaktisch zu entwurmen, um Resistenzen zu vermeiden, sondern Pferde selektiv oder strategisch zu behandeln, ist sogar Haltung und Empfehlung der FN.

    Schon vor zwei Wochen wurde in Vorbereitung auf die Wurmkur ein Teil der Weide abgetrennt und sauber abgeäppelt. Heute haben wir die Heuraufen und einen IBC-Container mit Wasser dorthin gestellt. Nun müssen die Pferde für ein paar Tage auf die weitläufgen Koppeln, die wir ihnen sonst zur Verfügung stellen, verzichten. Diese Fläche soll dann vollständig von Pferdeäppeln befreit werden.

    Alle Flächen mit insgesamt fast neun Hektar Größe können schlichtweg nicht abgeäppelt werden, so dass wir im Winter nur die Bereiche um die Heuraufen sauber halten. Aber auch aus den oben genannten Gründen, zum Wohle der Dungkäfer sollen nicht alle Pferdeäppel entfernt werden. So versuchen wir einen Kompromiss zwischen Pferdegesundheit und dem Erhalt der Artenvielfalt zu finden. Neben dem regelmäßigen Abäppeln von Pferdeweiden, der Umtreibsweide und extensiven Haltung wird beispielsweise auch ein Mähen oder Mulchen von Geilstellen im Frühjahr empfohlen. Dadurch würde man die Larven der Würmer, die am Grashalm darauf warten, von den Pferden aufgenommen zu werden, reduzieren. Aber dadurch würde man gleichzeitig die Überwinterungsstadien von Insekten und ggf. Gelege von Wiesenbrütern zerstören.

    Aber ich habe die Hoffnung durch eine relativ extensive Haltung von aktuell acht Pferden, dem häufigen Umkoppeln und dem Abäppeln an den Heuraufen den Parasitendruck insgesamt gering zu halten. So wenig wie möglich und so viel wie nötig zu entwurmen soll dabei die Pferdegesundheit und gleichzeitig die Artenvielfalt erhalten. Ich werde weiterhin regelmäßg Kotproben sammeln und bin gespannt, ob man auf Wurmkuren weitgehend verzichten kann….

  • Koppel aufräumen

    Koppel aufräumen

    Jetzt wo man langsam „Land sieht“ auf unseren Flächen, habe ich angefangen Steine zu sammeln…

    Der Plan war eigentlich große Steine für einen Lesesteinhaufen zu sammeln. Mit jeder Bearbeitung wie schleppen oder mulchen kommen auch immer wieder mehr oder weniger große Steine hoch. Seit jeher werden solche Steine, die mit der letzten Eiszeit transportiert wurden, am Feldrand abgelegt.

    Lesesteinhaufen sind Versteckmöglichkeiten, Sonnplätze und Überwinterungs-möglichkeiten für eine Vielzahl von Artengruppen wie Insekten, Spinnen, Reptilien, Amphibien oder auch Brutplätze beispielsweise für den Steinschmätzer.

    Aber als ich mich mit meiner Schubkarre aufgemacht habe, um Steine von unseren Flächen zu sammeln, habe ich auch gleich noch viel mehr gefunden, was durch die Bearbeitung zu Tage kam. Eine vielfältige Auswahl an Glas, Metall, Stoff und Plastik. Es ist also eine gute Gelegenheit mal die Koppel aufzuräumen 😉

    Eine gute Anregung wie man Lesesteinhaufen anlegt, findet man hier.

    Dabei macht es auch durchaus Sinn, Holz das verstreut rumliegt auf einen Haufen zu schichten. Zum Einen schafft man dadurch Lebensraumstrukturen und zum Anderen stören die Holzstämme nicht bei der nächsten Bearbeitung wie Mahd, Mulchen oder Schleppen. Hier habe ich beispielsweise Holzteile kurzerhand zu einem kleinen Haufen zwischen zwei Sträuchern aufgeschichtet.

    Auch die Vielzahl an Ästen, die zusammen kam, als wir Sträucher und alte Obstbäume entastet haben – vor allem zum Schutz der Pferdeaugen – wurden als Totholzhaufen liegen gelassen. Oder wenn mal die eine oder andere alte Pappel umfällt, bietet sie sicherlich auch Brennholz, aber nicht im Ganzen, es darf auch gern etwas liegen bleiben…

    Bereits durch meinen Vorgänger aufgestalpeter Holzhaufen aus Ästen, die wegen der Verletzungsgefahr von den Sträuchern entfernt wurden.
    Umgestürzte Pappel, die teilweise aufgearbeitet wurde. Der Stubben blieb als stehendes Totholz erhalten und die Reste wurden als Haufen innerhalb der Baumreihe aufgeschichtet.
    Ebenfalls durch meine Vorgänger am Rand abgelegte Stämme von umgefallenen Pappeln als wertvolle Lebensraumstruktur und Mikrohabitat

  • Was ist Natur (-schutz)?

    Ich stelle immer wieder fest, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was „Natur“ ist. Und dementsprechend auch viele Missverständnisse, was dann eigentlich „Natur-Schutz“ ist….

    Für viele Menschen ist Wald die einzig wahre Natur. Aber kennen wir einen „natürlich“ aufgewachsenen Wald? Abgesehen von den Heiligen Hallen – ein 25Hektar kleines Waldstück, das sich seit dem 30-jährigen Krieg vermutlich selbst etabliert hat und zumindest seit Ende des 19. Jahrhunderts ohne menschlichen Einfluss, also sich selbst überlassen ist. Ansonsten kennen wir nur geregelte Forstwirtschaft, Holzplantagen angelegt in viereckigen Forstrevieren, meist auf Flächen, die bis zum 19. Jahrhundert noch Offenland waren. In Brandenburg wurden in der Regel Kiefern angepflanzt. Sicherlich gibt es hier und dort kleine Inseln aus Buchenwäldern, reliktartig eingestreute Eichenwälder, Moorwälder, Ulmen-Hang- oder Auenwälder aus natürlicher Sukzession.

    Aber wie würde unsere Landschaft aussehen, wenn nicht mehr als die Hälfte des Landes landwirtschaftlich genutzt wäre, wenn nicht alle Flüsse begradigt und eingedeicht wären, Niedermoore entwässert, Wälder angepflanzt? Wenn Biber machen könnten, was sie wollen, wenn sich Feuer ausbreiten könnten und der Mensch nicht alle großen Säugetiere wie Auerochsen, Wisente, Pferde, Wölfe und Bären ausgerottet oder verdrängt hätte?

    https://www.abu-naturschutz.de/veroeffentlichungen/wilde-weiden

    Wir können es uns nicht vorstellen, aber mit Sicherheit wäre Mitteleuropa nicht vollständig von Wald bedeckt. Und der Großteil unserer Artenvielfalt, die wir im Naturschutz erhalten wollen, ist an offene Lebensräume und Habitatkomplexe gebunden. Artenvielfalt braucht ein zeitliches und räumliches Mosaik aus offenem Boden, Weiderasen, Hochstaudenfluren, Röhrichten, Gebüschen, Baumgruppen bis hinzu geschlossenen Wäldern. Beispielsweise sind die meisten Tagfalterarten an Offenland und Säume gebunden. Aber genau diese Bereiche fehlen uns heute durch die strikte Trennung von Wald, Wiese und Acker.

    Noch bis zur Einführung der industriellen Land- und Forstwirtschaft sowie der Entwässerung der Moore und Begradigung all unserer großen Flüsse haben viele Arten durchaus Ersatzhabitate in den von Menschen geschaffenen Lebensräumen gefunden. „Kulturfolger“ fanden neue Nischen in den anthropogen geprägten Landschaften mit ihren Äckern, Wiesen, Weiden, Wegsäumen, Hecken, Streuobstwiesen und Hutewäldern.

    Aber mit der Intensivierung der Landnutzung, der Einführung von Großtechnik, Pestiziden, Mineraldünger und der Trennung von Wald und Offenland nahm die Artenvielfalt rapide ab.

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    WIJNGAERDT, ANTHONIE JACOBUS VAN
    (Rotterdam 1808 – 1887 Haarlem)
    Weidelandschaft.
    Naturschutz mit Wasserbüffel und Koniks in der Döberitzer Heide

    Von den Pflanzenfressern, die einst die Landschaft mitgestaltet haben, sind uns nur noch Reh und Hirsch geblieben, die anderen kennen wir nur als fossile Reste oder Höhlenmalerei. Wildschweine und Biber gestalten noch in kleinem Rahmen ihre Umgebung. Und ansonsten versuchen Naturschützer mit viel Arbeit, größtenteils im Ehrenamt Artenvielfalt zu bewahren. Dabei besteht der praktische Naturschutz meist aus der Pflege von Wiesen und Weiden.

    Gleichzeitig haben wir sehr viel Grünland, das von Pferdehaltern genutzt wird und durchaus das Potential hätte, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten:

    • Wenn Pferdeweiden nicht so stark überbeweidet werden und es im Sommer auch Blühaspekte gibt.
    • Wenn auch mal Weidereste von Brennnesseln, Disteln oder Beifuss über den Winter stehen bleiben können.
    • Wenn man Wilde Ecken und ggf. auch auf das Aufwachsen von Sträuchern wie Wildrose oder Weißdorn zulassen kann.
    • Wenn man bestehende Lebensraumstrukturen wie Gehölzgruppen, Kleingewässer oder Totholzhaufen erhält und/oder gezielt fördert.
    • Wenn man sich als Pferdehalter mit Wurmkuren zurückhalten würde, nur im Winter eine Wurmkur gibt und ansonsten nur selektiv entwurmt.
    • Wenn man auf Schleppen, Walzen und Mulchen während der Brutsaion (Anfang März bis Juli/August) verzichtet.
    • Wenn man auf Mineraldünger und Pestizide verzichtet.
    • Wenn man auf Nachsaat mit konventionellem Saatgut verzichtet (Ausnahme ist natürlich regiozertifiziertes Saatgut) und lieber auf Pioniervegetation setzt.

    So könnten alle Pferdehalter zum aktiven Naturschützer werden. 🙂

    Noch mehr konkrete Tipps für Pferdehalter gibt es hier:

  • Hute-Eichen

    Die Eiche ist mein Lieblingsbaum – ich denke dabei gern an Gemälde von Caspar David Friedrich…

    Zum Beispiel das Bild „Der Einsame Baum“ von 1822. Es zeigt eine Weidelandschaft mit einzelnen Alteichen und einem Schäfer, der sich an den riesigen Baum lehnt. Eichen werden rund 500 Jahre alt, können aber auch älter werden. Gern werben Ortschaften mit „1000-jährigen“ Eichen wie beispielsweise die Ivenacker Eichen, die rund 600 bis 800 Jahre alt sind. Meist haben sich bis heute sogenannte Weide- oder Huteeichen mit ausladenden Kronen erhalten, die beeindruckende Zeugen der Zeit und Relikte früherer Weidelandschaften sind.

    Eichen sind lichtbedürftig und können sich beispielsweise nicht unter dem dunklen Blätterdach eines Buchenwaldes verjüngen. In Weidelandschaften können sie sich jedoch im Schutz dorniger Sträucher etablieren. Hilfe leistet dabei der Eichelhäher, der Eicheln gern in „Gestrüpp“ wie beispielsweise in Brombeeren versteckt.

    Die folgenden Bilder zeigen zwar keine Weide, sondern eine Hecke am Wegrand mit Brombeere und aufwachsenden Eichen in unterschiedlichen Alterklassen, aber so kann das Prinzip verdeutlicht werden. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auf diese Weise die heutigen, in Brandenburg typischen Baumreihen und Alleen entstanden sind.

    Zwischen Pflanzen und Weidetieren gibt es natürlich eine jahrhundertealte Anpassung und so verwundert es nicht, dass auf Weiden dornige Sträucher aufwachsen, welche gut gegen Verbiss geschützt sind. Und das Weidetiere sehr gern an Eichen knabbern und Eicheln, Eichenrinde oder Blätter in Maßen sogar gesund sind. Beispielsweise können Fruktane in den Gräsern, die im Herbst vermehrt eingelagert werden, durch die Gerbsäure der Eicheln ausgeglichen werden.

    Aber leider musste ich am Wochenende feststellen, dass unsere Pferde die Eichen etwas zu gern haben. Ich bin froh, dass ich zumindest eine Eiche, gemeinsam mit einem Fuchsbau ausgezäunt habe. Und auch im Schutz einer Baumreihe, die ausgezäunt ist, haben sich einige Eichen etablieren können. Bei den geschälten Eichen bin ich gespannt, ob sie das überleben werden. Es wäre doch eigentlich schade um diese Bäume. Aber gut, nun wird man sehen, wie gut die Eiche mit Beweidung klar kommt….

    Und vielleicht muss man doch, bei aller Liebe zur „Wildnis“ bzw. die Pferde machen lassen, doch das eine oder andere vor ihrem Verbiss schützen…

  • „Wildschaden“?

    Bei uns haben Wildschweine ein paar Quadratmeter Weide umgepflügt….

    Aber ist das gleich ein „Wild-Schaden“? So werden Wühlspuren von Wildschweinen in der Regel wahrgenommen. Ich sehe darin vielmehr die Chance für mehr Artenvielfalt auf der Weide. Vor allem vermooste und/oder vergraste Weiden werden oberflächlich ein wenig aufgewühlt und bieten neuen Pflanzenarten gute Keimungsbedingungen. Insbesondere jetzt im Herbst, wenn es regelmäßig regnet, aber noch warm genug für Pflanzenwachstum ist. Diese Stellen werden bald von selbst wieder zugewachsen sein, da man immer einen großen Samenvorrat im Boden hat.

    Bei uns wäre es auch so kein großer Verlust, wenn 20 Quadratmeter Grünland von den Wildschweinen umgegraben werden – bei über acht Hektar Weidefläche. Wildschweine gehören zur Natur, ihre Spuren sind ein kleines Stück Wildnis und wir haben schon so wenig natürliche, dynamische Prozesse in unserer Kulturlandschaft, in der alles vom Menschen geregelt und auf Kante geschnitten ist.

    Und ich habe – trotz Samenvorrat im Boden – die Chance ergriffen, der Artenvielfalt auf unseren Weiden noch ein wenig mehr auf die Sprünge zu helfen. Ich habe regiozertifiziertes Saatgut in die frischen, offenen Bodenstellen verteilt.

    Wenn man seine Flächen naturschutzfachlich aufwerten will, sollte man definitiv auf Selbstbegrünung und Pioniervegetation setzen. Und wenn man schon unbedingt nachhelfen will, sollte man nur gebietsheimisches Saatgut verwenden. In Brandenburg stehen dafür drei Anbieter zur Verfügung: Rieger-Hoffmann, Saaten Zeller und Nagola Re.

  • Der Haufen lebt

    Bei uns sind aktuell viele Dungkäfer aktiv und zersetzen die Äppelhaufen in kürzester Zeit…

    Momentan ist auffällig, dass die Pferdehaufen ziemlich schnell ihre Form verlieren, breite Fladen werden und es darin wimmelt wie nur was. Ich konnte natürlich nicht anders, als in den Haufen rumzuwühlen, um zu sehen, was da kreucht und fleucht. Jede Menge Dungkäfer:

    Es sind wohl vor allem Gefleckte Dungkäfer und einige Gemeine Dungkäfer, aber leider kenne ich mich mit Dungkäfern überhaupt nicht aus.

    Jetzt im Herbst kommt es mancherorts zu massenhaftem Auftreten der Dungkäfer. Sie ernähren sich nicht nur vom Kot, einige Arten legen Tunnel im Boden an, befördern den Kot in den Untergrund, je nach Art unterschiedlich tief, um dort die Eier abzulegen. Auf diese Weise belüften und düngen sie den Boden und zersetzen die Haufen, die sonst ewig auf der Weide liegen bleiben würden. Dungkäfer sind aber vor allem auch wichtig für den Erhalt der Biodiversität, denn sie sind Nahrung für andere Artengruppen wie Vögel oder Fledermäuse.

    In Europa gibt es 269 Dungkäferarten und in Deutschland 82 Arten, die sich in zwei Unterfamilien mit 46 Gattungen gliedern. Davon sind ca. 30% ausgestorben und 40% gefährdet. Die koprophagen Blatthornkäfer gehören laut dem NABU sogar „zu den am stärksten gefährdeten ökologischen Gilden innerhalb der Gesamtfauna„.

    Die Ursachen für den Rückgang der Dungkäfer sind zum Einen die Ablösung traditioneller Weidetierhaltung durch intensive Massentierhaltung in Stallanlagen und zum Anderen der massive Einsatz von Entwurmungsmitteln in der Freilandhaltung. Es wurde mittlerweile vielfach nachgewiesen, dass Wirkstoffe wie Ivermectin die Larvenentwicklung von Dungkäfern beeinträchtigen. Die adulten Käfer reagieren weniger empfindlich auf die Antiparasitika, aber die Eier und Larven sterben ab und der Kothaufen wird auf diese Weise zur ökologischen Falle….

    Wir haben diese Woche selbst eine Wurmkur gegeben, weil zumindest Assan einen hohen Befall mit Magen-Darm-Strongyliden hatte. Zwei unserer Einsteller haben selbst noch mal Kotproben genommen und ihre Pferde haben keinen Befall. Alle anderen Pferde haben eine Wurmkur bekommen, obwohl es mir natürlich angesichts der vielen Dungkäfer aktuell wahrhaft in der Seele weh tut…

    Eigentlich wollte ich nur noch die „klassische Nikolauswurmkur“ mit Dasselfliege geben und ansonsten nur nach Bedarf, wenn es einen Befall gibt. Ich frage mich auch nach dem Sinn, die Pferde gemeinschaftlich zu entwurmen, eng zu koppeln, alles abzuäppeln, obwohl sie ohnehin schon die ganze Zeit mit Eiern in den Äppelhaufen die Weiden „kontaminiert“ haben? Ich denke, wir werden das nächstes Jahr anders handhaben, nur noch im Winter eine Wurmkur, ansonsten nach Bedarf, einzeln und gezielt nach Befund.

    Ansonsten hoffe ich, dass durch das Abäppeln an den Heuraufen und längere Ruhepausen für die Weiden der Parasitendruck abnimmt. Ich bin gespannt…

  • Wilde Ecken

    Auch mal was stehen lassen für die Insekten – das ist gar nicht so leicht....

    Man möchte es ja gern sauber und ordentlich haben und wenn man schon mulcht, ist natürlich der Impuls da, gleich die ganze Fläche zu putzen. Aber ich konnte mich zusammenreißen und einen ca. 20m breiten Streifen stehen lassen. Hier haben wir schon angefangen, die Graukresse per Hand rauszureissen und der Rest muss noch nachgearbeitet werden. Ansonsten wachsen hier typische Arten der Ruderalfluren wie Weißer Gänsefuss, Amaranth, Rainfarn, Wegwarte, Brennnessel, Kanada-Goldrute, Kratzdistel, Große Klette, Sauerampfer, Beifuss und Schafgarbe. Sie bieten den Insekten noch ein wenig Nahrung als Nektarpflanzen und den Vögeln Samen über den Winter.

    Aber vor allem sind diese überständigen Vegetationsstrukturen wichtige Überwinterungslebensräume für Insekten. Beispielsweise legen Heuschrecken ihre Eier in Pflanzenstängel oder in der Bodenstreu ab, so dass sie auf mehrjährige Ackerbrachen, Blühstreifen oder Altgrasstreifen angewiesen sind. Auch Tagfalter legen meist ihre Eier an Pflanzenteilen ab, in der Regel der Futterpflanze der Raupen. Viele Insekten brauchen eine vom Herbst bis zum Frühjahr ungestörte Streuschicht am Boden oder überständige Vegetation zur Überwinterung der Larven und Puppen.

    Deshalb sollte man im Garten und auf dem Ponyhof nicht allzu ordentlich sein und auch mal ein paar Wilde Ecken zulassen und einfach mal was stehen lassen.

  • Pioniervegetation

    Pioniervegetation

    Offene Bodenstellen verschwinden von ganz allein, wenn man es zulässt und den Beweidungsdruck wegnimmt….

    Anstatt teures Saatgut zu kaufen – so wie ich auch den Fehler gemacht habe – sollte man einfach auf die Kraft der Natur setzen und Pionier- bzw. Ruderalvegetation zulassen. In der Lichterfelder Weidelandschaft ist beispielsweise die Schaffung von offenen Bodenstellen durch punktuelle Überbeweidung, dann das wegnehmen des Beweidungsdruckes und das Fördern von artenreichen Pionierfluren sogar das ausgesprochene Naturschutzziel. Gehölze oder bestimmte Bereiche, die geschont werden sollen, werden ausgezäunt. Kothaufen werden an der einen Stelle weggenommen und an der anderen Stelle konzentriert, um einerseits magere Standorte mit konkurrenzschwachen Arten und andererseits Disteln, Kletten und Brennnesseln zu fördern. Auf diese Weise hat Anne Loba mit ihrer Reitgemeinschaft Holderhof ein artenreiches Mosaik geschaffen und die Vielfalt an Pflanzen, Insekten, Vögeln etc. geben ihr Recht:

    • 450 Arten Gefässpflanzen
    • 260 Arten Stechimmen
    • 290 Arten Schmetterlinge
    • 26 Arten Heuschrecken
    • 58 Brutvogelarten

    Für ihr besonderes Engagement hat Anne Loba 2017 den Berliner Naturschutzpreis erhalten.

    Bei uns gibt es auch einige Bereiche, an den es zu punktueller Überbeweidung kam. Wenn auch nicht als Naturschutzziel, sondern schlichtweg, weil dort Heuraufen standen und die Pferde aufgrund eines kranken Pferdes konzentriert werden mussten.

    Juli 2019
    Februar 2020

    April 2020
    Juli 2020

    Was zunächst von allein wächst, (wenn man die Pferde auf eine andere Fläche stellen kann) sind vor allem trittresistente Arten wie Vogelknöterich und typische Pionierarten wie Portulak, Weißer Gänsefuss, Wegrauke, Küstenkamille, Kanadisches Berufkraut und leider auch Graukresse. Aus einjährigen Ruderalfluren entwickeln sich von Natur aus mehrjährige Staudenfluren, die auch ziemlich arten- und vor allem blütenreich sind. Dazu gehören unter anderem Acker-Kratzdistel, Rainfarn, Schafgarbe, Brennnessel, Sauerampfer, Kanada-Goldrute, Wilde Möhre, Ochsenzunge, Wegwarte und Johanneskraut.

    Wenn man der Sukzession weiter freien Lauf lassen würde, entwickeln sich diese Flächen weiter zu artenarmen Dominanzbeständen aus Landreitgras, Kanada-Goldrute oder Brennnessel – je nachdem, wer Oberwasser gewinnt. Und letztlich würden erste Gehölze und schließlich Wald aufwachsen….

    Das lassen wir natürlich nicht zu, sondern wir werden diese Fläche mulchen, auch wenn es schmerzt um all der Tagfalter, Heuschrecken & co. Aber als Kompromiss lassen wir besonders schöne, blütenreiche Ecken mit Kamille, Schafgarbe, Disteln, Kletten etc. stehen, schon allein als Nektarquelle und als wichtige Struktur für Überwinterungsstadien der Insekten. In diesen Bereichen muss dann die Graukresse per Hand raußgerissen werden. Und wenn diese Fläche in einigen Wochen wieder nachgewachsen ist, können die Pferde wieder rauf….