Kategorie: Artenvielfalt

  • Barrierefreiheit für Wildtiere

    Barrierefreiheit für Wildtiere

    Wir haben auf einer Länge von ca. 140 Meter einen alten Maschendrahtzaun, der teilweise mit Stacheldraht gemischt war, entfernt. Der Zaun wurde entlang einer Windschutzreihe aus Hybrid-Pappeln (cf Populus × canadensis) angelegt und hatte schon lange keine Funktion mehr. In der Pappelreihe sind Gehölze von allein aufgewachsen, vor allem die – ursprünglich aus wärmeren Regionen Mitteleuropas stammende – Felsenkirsche (Prunus mahaleb) und Eichen (Quercus spec.), die ich gern für die Zukunft fördern möchte. Die Gehölze sind durch den Maschendraht gewachsen und waren schon sehr stark mit ihm verwoben.

    Alte Zäune sind auch immer Barrieren, Hindernisse und können ein Verletzungsrisiko für Wildtiere darstellen, wenn sie aus Panik darin hängen bleiben und zum Anderen sieht es einfach nicht schön aus. Nicht mehr gebrauchte Zäune sollten aus meiner Sicht wieder aus der Landschaft entfernt werden.

    Unser Weidezaun, in dem die Pappelreihe vor dem Verbiss der Pferde geschützt wird, besteht aus drei stromführenden Litzen und ist wilddurchlässig.

    Mit Hilfe einer Wildkamera bekommen wir einen Einblick in das Leben der Wildtiere. Die Wildkamera war auf die Pappelreihe ausgerichtet, die nun vom Maschendraht befreit ist.

    Auf unseren Weiden tummeln sich Fuchs, Dachs, Reh, Hase, Wildschwein und alle sind willkommen. Und auch unsere Pferde sind in die Kamera getappt, sie waren um zwei Uhr nachts auf der Weide unterwegs.

  • Faktencheck Artenvielfalt

    Faktencheck Artenvielfalt

    Mehr als 150 Wissenschaftler*innen aus 75 Institutionen haben einen beeindruckenden Bericht zur Lage der Artenvielfalt in Deutschland herausgebracht. Man kann den Bericht vollständig oder als Zusammenfassung, kostenlos herunterladen:

    https://www.feda.bio/de/das-ist-faktencheck-artenvielfalt/

    Zunächst ein paar harte Zahlen und Fakten:

    • Von den ca. 72.000 einheimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind ein Drittel gefährdet, drei Prozent sind bereits ausgestorben.
    • 60% der Lebensraumtypen sind in einem schlechten Erhaltungszustand.
    • 69% der Offenland-Biotope gelten als langfristig gefährdet, 80% davon nehmen immer weiter ab, z.b. artenreiche Äcker, intakte Hochmoore und Grünland.
    • Die Populationen von Vögeln im Agrar- und Offenland sind in knapp 40 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen.
    • 30.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel werden jährlich ausgebracht und schädigen Bodenlebewesen und Insekten.

    Im Folgenden möchte ich zwei Auszüge zitieren, die im direkten Zusammenhang mit dem Thema Artenvielfalt (Pferde) -Weide stehen:

    „In Landlebensräumen haben vor allem die Zerstörung und Zerschneidung von Habitaten zu einer Abnahme der biologischen Vielfalt beigetragen. In der Agrar- und Offenlandschaft hat die Flurbereinigung durch die Entfernung von Hecken, Wegrändern und Kleingewässern die Habitatvielfalt stark verringert. Artenreiche Wiesen und Weiden wurden und werden für die Anlage von artenarmen Hochleistungsgrünländern oder für die Ackernutzung umgebrochen. Nahezu verschwunden sind baumarten- und strukturreiche historische Waldnutzungsformen wie Nieder-, Mittel- und Hutewälder, die für die Artenvielfalt von Insekten und Vögeln des Waldes eine große Bedeutung haben.„

    „Zur Intensivierung der Landnutzung gehören die Aufgabe von Fruchtfolgen, der Einsatz von Dünger, Pestiziden und schweren Landmaschinen, der Anbau von Kulturgräsern und der Rückgang der extensiven Beweidung.“

    Und hier sehe ich auch eine Mitverantwortung bei Pferdehaltern, weil sie einen erheblichen Anteil am Grünland nutzen und indirekt Einfluss auf die Art und Weise der Heugewinnung nehmen können. An dieser Stelle Beispiele zu nennen, würde zu weit führen und letztlich widmet sich der ganze Blog dem Themenfeld der Verbindung von Pferdehaltung und Naturschutz.

    Ich möchte nur einen Aspekt rausgreifen und dabei geht es um die einfache und bestechend logische Erkenntnis, dass mit der Anzahl der Pflanzenarten in einem Ökosystem auch die Diversität der von ihnen abhängigen Tier-, Pilz- und Mikroorganismenarten steigt. Und diese Vielfalt überträgt sich auch auf das Nahrungsnetz räuberischer Tierarten.

    Aber Pflanzenvielfalt kann es nur geben, wenn die Flächen nicht übernutzt und überdüngt werden. Außerdem dürfen sich keine invasive Neophyten wie die Kanada-Goldrute ausbreiten. Invasive Arten gehören laut dem Faktencheck zu den „Direkten Treibern“ für den Verlust von Artenvielfalt neben Verschmutzung, Klimawandel sowie Änderungen der Landschaftsstruktur und Landnutzung.

    Folgende Grafik zeigt, warum Neophyten so negative Folgen für die Biodiversität haben. Sie haben einen relativ geringen ökologischen Wert, sind aber ein Platzräuber für Pflanzenarten, die mehr Artenvielfalt generieren könnten.

    Ich würde keine Neophyten in Gärten oder Parks anpflanzen oder sogar dulden. Aber wie oft sieht man z.b. Kanada-Goldrute als dekorative Pflanze im Garten, die sie ja unzweifelhaft ist, aber von dort kann sie ihre Samen überall hin verbreiten und die letzten Refugien der Natur für sich vereinnahmen. Denn leider erobern invasive Neophyten wie Kanada-Goldrute, Japanischer Staudenknöterich, Indisches Springkraut oder Riesen-Bärenklau die restlichen verbliebenen kleinen Naturrelikte wie Brachen, wilde Ecken, Säume oder wie bei uns – extensiv genutzte Weiden…

    schmaler Saum am Ackerrand mit Kanada-Goldrute
    Schafe im Einsatz gegen die Kanada-Goldrute
    Der Mulcher im Einsatz gegen die Kanada-Goldrute
  • Tagfalter Saison 2024

    Tagfalter Saison 2024

    Laut dem aktuellen Newsletter des Tagfalter Monitorings (TMD) haben wir (wieder) „ein extrem schlechtes Falterjahr, … mit Falterzahlen auf einem sehr niedrigen Niveau.„

    Ich habe seit 2020 ein Transekt beim TMD angemeldet und kann sagen, es ist schlechter als im letzten Jahr, aber auf gleichbleibend niedrigem Niveau. Das liegt bei uns aber auch daran, dass wir extrem artenarmes Grünland haben bzw. ersteinmal artenreiches Grünland aus einer „Kanada-Goldruten-Hölle“ entwickeln müssen.

    Im Folgenden die Zahlen aus den letzten vier Jahren.

    Die häufigste Art war bei uns im Jahr 2024 das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), gefolgt von den Kohlweißlingen (Pieris napi, P. rapae) und dem hübschen Tagpfauenauge (Aglais io).

    (Quelle Grafik: Von Richard South 1906 – https://www.biodiversitylibrary.org/item/119355, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23480633)

    Das Kleine Wiesenvögelchen ist eine relativ häufige Art, die wenig spezialisiert ist und ein breites Spektrum an Offenland besiedeln kann. Die adulten Tiere nutzen verschiedene Blüten als Nektarquelle und die Eier werden einzeln, bodennah an Gräsern aller Art angeheftet. Die Falter fliegen in zwei, teilweise drei ineinander übergehenden Generationen von April bis Ende September. Das Kleine Wiesenvögelchen überwintert als Jungraupe in der Bodenstreu.

    Auch die Kohlweißlinge gehören zu den häufigen Tagfalterarten und galten dereinst sogar als Schädlinge. Vor allem der Große Kohlweißling (Pieris brassicae), dessen Raupen massenhaft an Kohl vorkommen konnte, ist heute durch den Pestizideinsatz stark dezimiert worden. Beim Kleinen Kohlweißling kommen die Raupen einzeln an verschiedenen Kreuzblütlern, wie beispielsweise Kohl, Senf, Raps oder eben Graukresse vor. Die Falter fliegen in bis zu vier Generationen von April bis Mitte Oktober und saugen dabei bevorzugt den Nektar violetter Blüten, beispielsweise von Disteln, Rot-Klee oder Flockenblumen, wobei sie anscheinend auch Graukresse nicht verachten (siehe Foto). Der Kleine Kohlweißling überwintert geschützt und versteckt, beispielsweise an Hauswänden oder in einem Schuppen als Gürtelpuppe, die mittels Faden angeheftet wird.

    Das Tagpfauenauge profitiert auf unseren Flächen von den massenhaft vorkommenden Brennnesselbeständen. Insgesamt ist der Trend jedoch auch bei dieser einst häufig vorkommenden Tagfalterart rückläufig (siehe Grafik TMD). Die Raupen fressen ausschließlich Brennnessel und können durchaus massenhaft auftreten. Die Weibchen legen 50-200 Eier an die Blattunterseite und die Raupen schlüpfen nach zwei bis drei Wochen. Sie häuten sich mehrmals und besiedeln neue Brennnesselpflanzen, wenn sie die erste entlaubt haben. Im letzten Raupenstadium nehmen sie die typische schwarze Färbung mit weißen Punkten an und beginnen sich zu zerstreuen, um nach etwa weiteren drei bis vier Wochen einen verborgenen Platz zur Verpuppung aufzusuchen. Die Puppenruhe dauert etwa zwei Wochen und das Tagpfauenauge bringt teilweise drei Generationen in einer Saison hervor, bevor es sich einen geschützten Platz zum Überwintern als adultes Tier sucht. Bei uns beispielsweise in der Sattelkammer, im Schuppen, im Holzlager und sogar zwischen den Heuballen, was natürlich ungünstig ist…

    (Quelle Grafik: https://www.ufz.de/tagfalter-monitoring/index.php?de=47797)

    Der Kleine Perlmuttfalter (Issoria lathonia) im Beitragsbild war nicht auf dem Transekt, sondern an einer Großen Klette auf unserer Hauptwiese und kam ansonsten häufig im Garten vor. Überhaupt muss man sagen, dass im Garten an einem sonnigen Tag mehr Tagfalter waren, als auf dem Transekt im ganzen Jahr. Oder um es positiv zu beschreiben, es ist noch viel Luft nach oben auf dem Tagfalter-Transekt und das hängt widerum von der Vielfalt der Pflanzen und Strukturen ab.

  • Kampf gegen Windmühlen

    Kampf gegen Windmühlen

    Seit nunmehr vier Jahren bekämpfen wir nun intensiv die Kanada-Goldrute – gefühlt ohne nennenswerte Erfolge.

    Neben der Beweidung mit Schafen und Kühen, werden jedes Jahr Teilflächen gemulcht. Aber wir werden sie mit diesen Maßnahmen einfach nicht los. Man müsste theoretisch die Pflanzen inklusive ihrer Rhizome rausreißen, aber das ist natürlich unrealistisch auf zehn Hektar Weidefläche. Es ist zum verzweifeln.

    Zum Glück habe ich im September 2019 Fotopunkte eingerichtet und im Juni 2020 ein Vegetationstransekt angelegt, um den Ausgangszustand zu dokumentieren und so habe ich einen sachlichen Vergleich. Denn auch wenn die Kanada-Goldrute noch in Massen vorkommt, so hat zumindest ihre Deckung abgenommen – immerhin. Damit konnte Licht und Platz für andere Pflanzenarten geschaffen werden und an diesen kleinen Lichtpunkten versuche ich mich zu erfreuen.

    Neu hinzugekommen sind beispielsweise Sand-Grasnelke, Wiesen-Labkraut, Wiesen-Margarite, Acker-Glockenblume, Wilde Möhre, Johanneskraut, Wiesen-Flockenblume, Seifenkraut, Gamander-Ehrenpreis und Vergissmeinicht.

    Margarite und Flockenblume sind vermutlich aus dem Saatgut, dass ich immer wieder mal in den Wühlstellen der Wildschweine verteilt habe. Dabei verwende ich nur Regio-Saatgut beispielsweise von Saaten Zeller oder Rieger-Hofmann aus dem Ursprungsgebiet Ostdeutsches Tiefland in der Ausprägung Frischwiese mit einem Kräuteranteil von 30%. Die anderen Arten sind anscheinend von allein aufgelaufen, aus dem Samenvorrat des Bodens oder aus Anflug auf unsere Weiden gekommen.

    Besonders gefreut habe ich mich über die Sand-Grasnelke (Armeria maritima subsp. elongata). Sie ist eine Charakterart der trockenen, kalkreichen Sandrasen und ein Zeiger für stickstoffarme Verhältnisse, wo wir sonst nur Kanada-Goldrute, Brennnessel, Sauerampfer & co haben, die auf einen extrem überdüngten Standort hinweisen. Die Sand-Grasnelke – ein echter Hoffnungsschimmer also 🙂

    In den folgenden Bilderreihen werden die Fotopunkte im Vergleich September 2019 und 2024 gegenübergestellt. Es wird immer ein Kampf gegen Windmühlen bleiben, aber ich freue mich über jede Auflichtung der ehemals nahezu 100% Kanada-Goldrutenbestände.

    September 2019
    September 2024

  • Naturnaher Garten

    Naturnaher Garten

    Ich wollte Euch ja auf dem Laufenden halten, wie ist mit der Anlage des Kräutergartens (für Pferde) weiterging. Gepflanzt habe ich vor allem Stauden zur Stärkung des Immunsystems, der Unterstützung der Atemwege, des Magen-Darm-Bereiches und zur Beruhigung dünner Nervenkostüme:

    • Alant (schleimlösend, entzündungshemmend, reguliert die Verdauung)
    • Baldrian (beruhigt Nerven und löst Krämpfe)
    • Eibisch (entzündungshemmend, stillt Hustenreiz)
    • Fenchel (löst Krämpfe, Blähungen & Schleim, antibakteriell, wundheilungsfördernd)
    • Melisse (löst Krämpfe, Blähungen & Schleim)
    • Oregano (entzündungshemmend, antibakteriell)
    • Pfefferminze (verdauungsfördernd, antibakteriell, schleimlösend, durchblutungsfördernd)
    • Ringelblume (entzündungshemmend, wundheilungsfördernd, äußerlich gegen Bakterien, Pilze & Viren)
    • Rosmarin (durchblutungsfördernd, unterstützt Magen und Darm)
    • Salbei (entzündungshemmend, antibakteriell, äußerlich gegen Bakterien, Pilze & Viren)
    • Sonnenhut (stärkt Abwehrkräfte, Immunsystem, äußerlich gegen Bakterien & Viren)
    • Thymian (reinigt die Bronchien, schleimlösend, antibakteriell

    Nun muss ich „nur“ noch ernten, trocknen, entsprechende Rezepte ausprobieren und eigene Erfahrungen zum Thema Kräuter für Pferde sammeln. Dann wird es sicherlich weitere Beiträge zu diesem Thema geben.

    Aber eine Bereicherung ist der Garten auf jeden Fall jetzt schon, vor allem in Bezug auf Artenvielfalt. Beispielsweise ist der Oregano (Origanum vulgare) extrem beliebt bei Insekten. Hier eine Auswahl an Tagfaltern am Oregano:

    Zugegeben, der Garten ist nicht zuletzt deshalb naturnah, weil ich gar nicht so viel Zeit in die Gartenarbeit investiere. So hatten beispielsweise Wilde Möhre, Rotklee, Mohnblume, Nachtkerze & co. leichtes Spiel, sich zu etablieren und den Garten zu bereichern. Nur hier und da habe ich eingegriffen, wenn Brombeere (Rubus armeniacus) und Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) den Garten zurückerobern wollten und um die (gekauften bzw. gewollten) Stauden etwas frei zustellen.

    Und anstatt endlos „Unkraut “ zu bekämpfen, habe ich lieber noch einen Mini-Teich angelegt 🙂

    Dafür hab ich eine Teichwanne (gebraucht) gekauft und Material wie Feldsteine und Totholz von den Koppeln gesammelt. Mit dem Holz und den Steinen habe ich verschiedene Höhen innerhalb des Teichbeckens modelliert und das „Ufer“ etwas naturnaher gestaltet sowie Unterschlupfmöglichkeiten geschaffen. Als Unterwasserpflanze habe ich Armleuchteralgen (Chara vulgaris) und Wasserfeder (Hottonia palustris) eingesetzt, Krebsschere (Stratiotes aloides), Wasserknöterich (Persicaria amphibia) und Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) als Schwimmblattvegetation und Schwertlilie (Iris pseudacorus) als Uferpflanze eingepflanzt. Denn auch bei Wasserpflanzen würde ich nur einheimische Arten verwenden, damit sie ins Ökosystem passen und sich nicht noch mehr invasive Neophyten wie beispielsweise Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis) verbreiten.

    Dann hoffe ich noch auf den Einzug von Amphibien, zumindest vom Teichfrosch. Aber auch, wenn sich keine Amphibien einfinden sollten, bereichert so ein Miniteich jeden Garten und ist auf jeden Fall eine schöne Tränke für Insekten und Vögel an heißen Sommertagen. Wichtig ist jedoch, keine Fische einzusetzen, die den Laich der Amphibien, Larven und Wasserinsekten fressen.

    Hier ein schöner Blog zum Naturnahen Gärtnern und der Anlage von Teichen: https://www.naturgarten-anlegen.de/naturgarten-elemente/teiche/.

  • Regio-Saatgut

    Regio-Saatgut

    Nach der Einsaat einer ca. 2000qm großen Fläche mit regiozertifiziertem Saatgut im letzten Jahr wurde die Einsaatfäche 2x per Hand gemäht und das Mahdgut beräumt. Dieses Jahr wurde die Fläche einmal früh beweidet und im Juni noch einmal gemäht. Aufgrund des hohen Anteils an Graukresse, die nicht im Saagut war, sondern im Bodenvorrat schlummerte, konnte das Mahdgut nur entsorgt werden. Der Sinn war eigentlich eine Mahdgutübertragung auf den anderen Weideflächen, um die Artenvielfalt zu fördern. Wie schon beschrieben, muss man hier einfach akzeptieren, dass aufgrund der Nutzungsgeschichte in Elisabethhöhe kein artenreiches Grünland reaktiviert, sondern nur neu kultiviert werden kann.

    Aktuell hat sich auf der Einsaatfläche ein wunderschöner Blütenteppich aus Wilder Möhre, Rispen-Flockenblume, Wegwarte und Margarite gebildet. Die folgenden Fotos zeigen eine Bildreihe der Jahre 2022-2024 und ich finde, allein dafür hat es sich schon gelohnt:

    Die Tabelle zeigt eine Liste der Pflanzenarten mit ihrem jeweiligen Anteil im Saatgut und den geschätzten Anteilen im ersten und im zweiten Jahr nach der Einsaat.

    Grün sind die Arten markiert, die im Saatgut waren und auch aufgelaufen sind. Einige Pflanzen sind jedoch erst im zweiten Jahr aufgetaucht und dunkelgrün markiert. Auffällig ist, dass es sich hierbei um charakteristische Arten der Magerweiden und -wiesen wie Ruchgras, Heidenelke oder Schafschwingel handelt.

    Orange sind die Arten markiert, die ich bislang noch vermisse und gern noch auf der Fläche hätte wie Wiesen-Flockenblume, Acker-Witwenblume und Kleine Braunelle. Der Rauhblättrige Schwingel ist ggf schon gekommen, da muss man sich wohl die Schwingel noch einmal genauer anschauen. Scharfen Hahnenfuß muss ich auf einer Pferdeweide nicht unbedingt haben und ich gehe davon aus, dass es ihm ohnehin zu trocken ist.

    Vor allem bei der Wiesen-Flockenblume habe ich noch Hoffnung, dass sie nur etwas länger braucht und noch auftaucht. Denn in den Bereichen, in denen ich in den letzten Jahren Saatgut in schöne, offene Wühlstellen von Wildschweinen eingebracht habe, kam nach und nach doch noch die eine oder andere Pflanze aus dem Saatgut wie Wiesen-Flockenblume, Margarite oder Lichtnelke. Teilweise erst nach drei Jahren, also man muss schon sehr viel Geduld mitbringen bei der Aufwertung seiner Pferdeweide – Gut Ding will Weile haben.

    Die Rispen-Flockenblume hingegen war nicht im Saatgut, hat aber schon im ersten Jahr nach der Einsaat einen hohen Anteil gebildet und ist mir sehr willkommen. Sie kommt in Brandenburg auf Trockenrasen, Magerweiden und trockenen Brachen vor und ist sehr beliebt bei Insekten.

    Weggefallen sind typische, einjährige Ackerwildkräuter (Segetalarten) wie Kornblume oder Saat-Mohn, die in der Mischung nur für einen schönen Blühaspekt im ersten Jahr sorgen sollen, d.h. man könnte sie auch getrost weglassen.

    Weggefallen sind im zweiten Jahr auch Segetalarten, die von allein aufgekommen sind wie Quecke, Taube Trespe, Hirtentäschel, Weißer Gänsefuß, Hohlzahn, Kompaß-Lattich, Borstenhirse, Hohe Rauke und Küsten-Kamille. Und das ist auch gut so, denn wir wollen ja lieber mehrjährige Kräuter etablieren, die sowohl Insektennahrung als auch gesundes Pferdefutter sind.

    Es zeigt sich, dass es essentiell ist, der Empfehlung des Saatgutherstellers für eine erfolgreiche Ansaat zu folgen: „Je nach Witterung sind nach zwei  bis drei Wochen die ersten Keimlinge zu sehen. Da einige konkurrenzschwache Kräuter sich nur langsam entwickeln ist insbesondere nach einer Frühjahrsaussaat nach 6 bis 8 Wochen ein Schröpfschnitt auf ca. 5 cm empfehlenswert. Der Schröpfschnitt dient auch zur Eliminierung eventuell vorhandener einjähriger Unkräuter (Gänsefuß, Hirtentäschel etc.), die auf keinen Fall zur Samenreife gelangen sollten. Bei starkem Befall sollte der Schröpfschnitt wiederholt werden. Das Schnittgut ist immer zu entfernen.“

  • Lieblingsweide

    Lieblingsweide

    Die „Dreieckswiese“ ist meine absolute Lieblingsfläche. Zum Einen weil sie als einzige Weide nicht so überdüngt ist, keine Problempflanzen wie Kanada-Goldrute aufweist, damit auch verhältnismäßig artenreich ist und zum Anderen weil sie reichlich natürlichen Schatten aus Bäumen spendet. Die Pferde und Kühe lieben es in diesem kleinen Wäldchen aus Apfelbäumen und Eichen zu chillen.

    Partiell hat diese Fläche sogar Potential zur Entwicklung eines Trockenrasens mit einigen charakteristischen Arten wie Berg-Jasione (Jasione montana), Sprossende Felsennelke (Petrorhagia prolifera), Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium), Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Rotes Straußgras (Agrostis capillaris), Silber-Fingerkraut (Potentilla argentea) und sogar, die in Brandenburg gefährdete Heide-Nelke (Dianthus deltoides, Rote Liste 3).

    Weitere willkommene Begleiter sind beispielsweise Hasenklee (Trifolium arvense) als Zeiger für nährstoffarme Verhältnisse, Schafgarbe (Achillea millefolium agg.) oder Hopfenklee (Medicago lupulina).

    Die Dreieckswiese ist ca. einen Hektar groß und wird nur zwei mal im Verlauf des Sommers für jeweils eine Woche abgeweidet. Dabei soll die Fläche nicht komplett runtergefressen und auch keine „Weidereste runtergemulcht“ werden. Warum sollte ich im Sommer eine reichhaltige Insektenfauna mit Heuschrecken, Zikaden, Tagfalter und Wildbienen „züchten“, um sie dann zu schreddern? Warum sollte man auch jeden Aufwuchs mit Hundsrose und Weißdorn durch Mulchen vernichten, um dann getrocknete Hagebutten oder Weißdornblätter überteuert bei Krämer zu kaufen?

    Bei dieser extensiven Nutzung können auch die Dunghaufen liegen bleiben, sie sind Nahrungsgrundlage für Dungkäfer und sind bis zur nächsten Nutzung vollständig in den Boden eingearbeitet.

    Es gibt interessanterweise immer wieder Anfragen, ob die Fläche unterverpachtet werden könnte, weil wir sie ja nicht nutzen und die Fläche eine eigene, sogar frostsichere Tränke hat. Aber dann würden die Bäume im Winter geschält werden und diese verhältnismäßig magere Fläche mit schönem Blühaspekt wäre nur eine Trampelkoppel, ein Auslauf wie man es so oft sieht und warum Naturschützer sich so schwer tun mit Pferdebeweidung.

    Aber ich möchte ja gern zeigen, dass man mit Pferden auch naturschutzrelevante Flächen beweiden kann. Und wenn Pferdehalter mehr Flächen zur Verfügung bekommen würden, müssten nicht alle Pferdeweiden so hoffnungslos übernutzt werden…

  • Lebensraum Totholzhaufen

    Lebensraum Totholzhaufen

    Seit kurzem sind die Neuntöter aus ihren Winterquartieren zurück und bei uns auf den Weiden gibt es mindestens drei Brutpaare. Ein Pärchen brütet auch in diesem Jahr wieder in einem Totholzhaufen.

    Bei dieser Gelegenheit schauen wir uns diesen Totholzhaufen doch mal genauer an. Er bietet Ansitzwarten und Nistmöglichkeiten für Brutvögel, Unterschlupf für Reptilien wie Zauneidechsen oder Kleinsäuger wie Igel und vielfältige Möglichkeiten zur Überwinterung von Insekten. Und in seinem Schutz können sich auch Stauden und Gehölze etablieren.

    All meine Versuche auf den Weiden Holunder, Hasel oder Sal-Weiden durch eine Pflanzung in ausgezäunten Bereichen zu etablieren sind (weitgehend) gescheitert, weil sie nicht gegossen wurden und sofort von Rehen verbissen wurden. Aber der Holunder und die Hundsrose, die sich in dem Reisighaufen von allein entwickelt haben sind gut vor Verbiss und Austrocknung geschützt. Somit sind solche Lebensraumstrukturen eine optimale Keimzelle für Kräuter, Stauden, Sträucher und Bäume, gefördert durch den Eintrag von den Vögeln, die mit ihrem Kot Samen und Kerne hierher transportiert haben.

    Diesen Reisighaufen empfinden viele sicherlich als störend oder unordentlich und er sollte ursprünglich verbrannt werden, aber ich bin froh, dass es dazu nicht gekommen ist. Denn solche Lebensraumstrukturen sind ein wichtiges Mosaiksteinchen in einer strukturreichen Weidelandschaft, die aus meiner Sicht aus Pfaden, Wälzstellen, Weiderasen, Staudenfluren, Gebüschen, Solitärbäumen bis hin zu Baumgruppen besteht.

    Reisighaufen 2020
    Reisighaufen 2024
    Hundsrose

    Einen weiteren Totholzhaufen habe ich bewusst angelegt, um eine Eiche vor dem Schälen durch die Pferde zu schützen. Sie ist in unserer Pappelreihe von allein aufgewachsen und könnte noch in vielen Jahren Schatten spenden, wenn die Pappeln längst umgefallen sind.

    Schutz einer von allein aufgewachsenen Eiche durch einen Totholzhaufen

    Die Entwicklung einer vielfältigen Weidelandschaft braucht Zeit, deshalb ist es nie zu früh, mit Weitsicht anzufangen 😉

  • Update Frühlings-Greiskraut

    Update Frühlings-Greiskraut

    Wie versprochen halte ich Euch auf dem Laufenden in Bezug auf das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis).

    Wir haben eine Fläche, die wir im Jahr 2021 neu eingerichtet haben, d.h. von Müll, Bewässerungs- und Wildzaunresten beräumt und einen Weidezaun gebaut. Hier kommen vereinzelt Sandstrohblume, Berg-Jasione und Kleines Habichtskraut vor, die das Potential zur Entwicklung eines mageren Trockenrasens aufzeigen. Aber bislang konnten wir diese Fläche nicht von den Pferden beweiden lassen, weil sich hier besonders viel Frühlings-Greiskraut und Graukresse breit gemacht haben. Neben dem händischen Ausreißen, konnten wir diese Fläche bislang nur mulchen, um die Giftpflanzen in den Griff zu bekommen, was einer Aushagerung und Entwicklung zum Trockenrasen natürlich im Wege steht.

    Der Folgende Bildervergleich zeigt jeweils die Fläche im Mai 2021 und Mai 2024. Ja, es gibt noch einzelne Individuen des Frühlings-Greiskrautes, Graukresse und immer wieder auch Rosetten vom Jakobs-Kreuzkraut. Aber nicht mehr in den Massen, wie wir es im ersten Jahr mit Beginn der Pflege vorgefunden haben. Das Jakobs-Kreuzkraut ist so überschaubar, dass man die Rosetten einfach ausstechen kann. Das Frühlings-Greiskraut ist wie bereits beschrieben einjährig, das heißt, wenn man es daran hindert auszusamen, kann man es in Schach halten.

    Aktuell dominiert aus diesem Blickwinkel die Taube Trespe, eine Art der trocken-warmen Ruderalstandorte auf Sandböden und ein mäßiger Stickstoffzeiger. Das heißt die Fläche kann und sollte nun auch in die Beweidung einbezogen werden, um sie auszuhagern und um sie in einen arten- und blütenreichen Trockenrasen zu entwickeln. Wünschenswerte Kennarten wären beispielsweise:

    • Grasnelke (Armeria elongata)
    • Rispen-Flockenblume (Centaure stoebe)
    • Karthäuser Nelke (Dianthus carthusianorum)
    • Sandstrohblume (Helichrysum arenarium)
    • Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella)
    • Berg-Sandglöckchen (Jasione montana)
    • Duft-Scabiose (Scabiosa canescens)
    • Sand-Thymian (Thymus serpyllum)

  • Eutrophierung der Landschaft

    Eutrophierung der Landschaft

    Eine der Ursachen für den rasanten Artenschwund und dem Verlust der Biodiversität ist die Eutrophierung, also die Überdüngung der Landschaft. Neben dem aktiven Ausbringen von Mineraldünger und Gülle haben wir es mit immensen Nährstoff-Frachten und Stickstoffeinträgen aus der Luft zu tun. Diese Stickstoff-Depositionen kommen aus den Überschüssen der Landwirtschaft und der Verbrennung fossiler Energien (Verkehr, Industrie). In unserer Region entspricht der Eintrag aus der Luft nach dem Umweltbundesamt ca. 20-30kg Stickstoff pro Hektar und Jahr…

    Und wer sich die Rote Liste der Pflanzen anschaut, wird feststellen, dass vor allem Arten gefährdet sind, die auf nährstoffarmen Standorten vorkommen. Wie beispielsweise die Wiesen- oder Kuhschelle (Pulsatilla pratensis), die heute in Brandenburg auf wenige reliktische, verinselte Vorkommen begrenzt ist und sich nicht mehr ausbreiten oder genetisch austauschen kann. Die Kuhschelle ist quasi unser Breitmaulnashorn – es gibt nur noch wenig Individuen, die lokal sehr begrenzt vorkommen, überaltert, anscheinend auch unfruchtbar (?) sind und in botanischen Gärten oder an einigen Sonderstandorten beim Aussterben begleitet werden.

    Ernst Klapp zählte die Wiesen-Küchenschelle hingegen zu den wichtigsten Kenn- und Zeigerarten der basen- und kalkreichen Trockenrasen, wobei er sich „auf die häufigeren und gleichwohl charakteristischen Arten“ beschränkt hat (Klapp [1954], Wiesen und Weiden). Zu diesen Kennarten zählte er auch Großes Schillergras (Koeleria pyramidata), Taubenskabiose (Scabiosa columbaria), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Stengellose Kratzdistel (Cirsium acaule), Frühlingsfingerkraut (Potentilla verna) oder Dornige Hauhechel (Ononis spinosa).

    Wer kennt diese Arten heute noch oder hat sie schon einmal gesehen (abgesehen von einigen Botanikern)? Diese Pflanzenarten sind extreme Stickstoffarmutzeiger, weitgehend aus unseren modernen Wiesen und Weiden verschwunden und nach der Roten Liste Brandenburg gefährdet. Nur noch auf Sonderstandorten wie Bergbaufolgelandschaften oder ehemaligen Truppenübungsplätze wird man nährstoffarme Verhältnisse und damit seltene Flora und Fauna finden. Deshalb sind diese Flächen so wertvoll für den Naturschutz wie beispielsweise die Döberitzer Heide. Aber auch solche Flächen müssen beweidet und/oder gemäht werden, um die Artenvielfalt zu erhalten.

    „An der Zusammensetzung des deutschen Grünlandes sind weit mehr als 1000 Arten höherer Pflanzen beteiligt“ (Klapp, [1954:78]). Auf wie viele Arten kommen wir heute im Grünland, beispielsweise auf einer tpyischen Pferdeweide? Also auf unserer Weide dominieren die Nährstoffzeiger wie Brennnessel (Urtica dioica), Stumpfblättriger Sauerampfer (Rumex obtusifolius), Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Landreitgras (Calamagrostis epigejos), Löwenzahn (Taraxacum officinale agg.) oder Kanada-Goldrute (Solidago canadensis).

    Deshalb bin ich immer wieder erstaunt, wenn nett gemeinte Tipps lauten, dass man auch mal düngen muss. Nein, im Gegenteil, man muss die Flächen aushagern, also mähen (nicht mulchen!) und beweiden, um immer wieder die oberirdische Biomasse abzuschöpfen und gegen die allgemeine Eutrophierung der Landschaft anzukämpfen.

    Denn bei eutrophen Verhältnissen werden einige wenige Pflanzenarten dominieren, einfach weil sie sehr konkurrenzstark sind. Eine Kuhschelle würde sich natürlich auch über viel Nahrung freuen, aber sie ist konkurrenzschwach und an den Sonderstandort Trockenrasen angepasst, an dem eine Brennnessel „verhungern“ würde. Wie alle Hahnenfußgewächse ist die Kuhschelle giftig und wurde vermutlich in früheren Zeiten vom Weidevieh gemieden bzw. regelrecht freigestellt.

    So wie auch beispielsweise das Katzenpfötchen (Antennaria dioica) heute vom Aussterben bedroht ist und ich zwar die Ehre hatte mit einem Botaniker einen der letzten bekannten Standorte in Brandenburg aufzusuchen, aber leider ohne Erfolg – auch dieses Vorkommen scheint erloschen zu sein.

    Klapp [1954:344] schrieb: „Auf Magerweiden finden sich zahlreiche bodennahe Rosettenunkräuter: auf Trockenrasen die Stengellose Distel (Cirsium acaule) und die Silberwurz (Wetterdistel, Carlina aucaulis), auf Mager- und Ödlandweiden Habichtskräuter (besonders Hieracium pilosella, und Ferkelkräuter (besonders Hypochoeris radicata), auf Heiden Katzenpfötchen (Antennaria) und Bergwohlverlei (Arnica). Bei extensiver Nutzung sollte man sie gewähren lassen, bei Intensivierung von Düngung und Nutzung treten sie rasch zurück.“

    Es gab eine Zeit, in der die Mineraldüngung ein Segen war, aber das Pendel ist zu sehr in eine Richtung ausgeschlagen – Heute wird es Zeit umzudenken.

  • Pferd und Gehölz

    Pferd und Gehölz

    Es gibt ein neues, wunderbares Buch von Dr. Renate Vanselow, das aufzeigt warum „Gehölze ein unverzichtbarer Bestandteil der Weidetierhaltung“ sind.

    Mit einem historischen Exkurs nimmt uns die Autorin mit in die Zeit der großen Pflanzenfresser die einst unsere Landschaft mitgestaltet haben wie Riesenhirsch, Auerochse, Wisent, Wildpferd & co. Damit wir zunächst verstehen, warum so viele Arten an halboffene Weidelandschaften angepasst sind und wie später Nutztiere entsprechende Schlüsselfunktionen im Ökosystem übernommen haben:

    „Das Ökosystem Fraßsavanne konnte so naturnah Jahrtausende lang überdauern. Die Gärtner, also die fressenden Tiere, waren vom Menschen einfach nur ausgetauscht worden. Die Weidelandschaft blieb das artenreiche, verbuschte Mosaik aus kurzgefressenem Rasen, staudenreichen Wiesen, einzeln stehenden Schirmbäumen, Gebüschen und Wäldern unzugänglicher Orte, durchzogen von Trampelpfaden.„

    Und sie erklärt warum gleichzeitig Weidetiere, insbesondere auch Pferde an halboffene Weidelandschaften angepasst sind: „… im Laubfutter finden sie Mineralfutter, ihre natürliche Apotheke, den Witterungsschutz, Sichtschutz für Ruhezonen, während in den Gehölzen die Insektenfresser zur Tilgung ihrer Parasiten heranwachsen.“

    Gehölze sind nicht zuletzt mineralreiches Zusatzfutter. Bereits geringe Mengen an Laub können den Bedarf an Kalzium, Magnesium, Kalium und Natrium decken, denn viele Gehölze sind (wie Kräuter ja auch) zugleich Heil- und Giftpflanze. Die Autorin listet dabei die Wirkungen der verschiedenen Gehölze und ihre Gehalte an Mineralien auf und erklärt, dass wie immer die Dosis das Gift macht.

    „Der beste Schutz gegen Viehvergiftungen ist auch der beste Schutz gegen Ausbrüche aus Viehweiden: ein ausreichendes Futterangebot.“

    Das heißt, Vielfalt auf der Weide ist der beste Schutz vor Vergiftung, Futter ist der beste Zaun und der zweitbeste Zaun ist eine zusätzliche Hecke. Und so wird ausführlich die kulturhistorische Entstehung und besondere Bedeutung der Hecken und Wallhecken (Knicks) für die Artenvielfalt, als „lebendige Zäune und Apotheke der Natur“ beschrieben. Ursprünglich angelegt, um kleine Ackerschläge vor dem Weidevieh zu schützen, später, um die Weidetiere darin zu halten. Hier eine schöne Beschreibung aus dem Jahr 1932 über die Knicks in Schlwesig-Holstein:

    „… die Tiere fressen sich wohl auch an den mancherlei bitteren Kräutern und Blättern, die der Knick bietet, bei Krankheiten wieder gesund.„

    Leider sind solche Strukturen und Landschaftselemente vielerorts der Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Deshalb wird es Zeit, wieder mehr Gehölze in unsere Kulturlandschaft zu bringen. Und dafür gibt es ein ganzes Kapitel mit Praxistipps für die Pferdehaltung, wie man wieder Gehölze auf Viehweiden etablieren kann, was man dabei hinsichtlich der Grünlandprämien, der Auswahl der Gehölze oder dem Schutz und der Pflege beachten sollte.

    Es wird außerdem dargestellt, warum die Intensivierung, Überdüngung und Artenverarmung des modernen Grünlandes unsere Pferde krank macht und warum das rasante Artensterben unweigerlich mit der Trennung von Wald und Weide, der Flurbereinigung und Intensivierung der Landwirtschaft zusammenhängt.

    Mit diesem Buch wird einmal mehr deutlich, das Pferdehalter nicht nur die Verantwortung für eine artgerechte Haltung, Gesundheiterhaltung und dem Wohlbefinden unserer geliebten Vierbeiner tragen, sondern auch für den Erhalt der Biodiversität. Denn es gibt sonst kaum noch Weidetiere in der Landschaft, die Schlüsselfunktionen im Ökosystem übernehmen können. Und hier gibt uns die Autorin viele Anregungen und Tipps auf den Weg, wie wir unserer Verantwortung gerecht werden, für unsere Pferde und für die Natur.

    Und hier noch zwei Auszüge aus dem Buch Pferd und Gehölz mit freundlicher Genehmigung des Starke Pferde Verlages:

  • Ein Garten für Insekten, Pferde und Menschen

    Ein Garten für Insekten, Pferde und Menschen

    Inspiriert von dem wunderbaren Naturgarten eines lieben Arbeitskollegen wollte ich auch einen schönen Staudengarten für Insekten, Vögel und Reptilien etc. anlegen.

    Im Herbst 2022 habe ich also begonnen einen ehemaligen, verwilderten Bauerngarten zumindest teilweise wieder zu ertüchtigen, um im Frühjahr 2023 Stauden zu pflanzen, die bei Insekten besonders beliebt sind und gleichzeitig mit unserer brandenburgischen Sommertrockenheit klar kommen:

    • Prachtscharte
    • Fetthenne
    • Färber-Kamille
    • Anis Ysop
    • Oregano
    • Lavendel
    • Steppen-Salbei
    • Gewöhnliche Braunelle
    • Graue Skabiose
    • Berg-Bohnenkraut
    • Bergminze

    Im Schattenplatz, der auch durch die Vogeltränke etwas feuchter ist, habe ich verschiedene Storchschnabel- und Knötericharten wie Wald-Storchschnabel oder Schlangenknöterich gepflanzt.

    Von allein kamen noch unter anderem Wilde Möhre, Mohnblume, Hopfen- und Rotklee dazu, die ich natürlich als wertvolle Ergänzung willkommen heiße.

    Holzstämme, die gleichzeitig eine optische Begrenzung darstellen, wurden sofort von Holzbienen angenommen. Und wenn man mal so einen Holzstamm oder liegendes Totholz anhebt, erkennt man auch selbst den Wert, denn alle möglichen Käfer, Asseln, Würmer und Schnecken tummeln sich darunter und darin.

    Und natürlich darf auch eine Lehmschale als Baumaterial für Wildbienen und Rauchschwalben sowie die obligatorische Vogeltränke nicht fehlen.

    Einen Naturgarten anzulegen, Vögel und Insekten anzulocken ist dabei nicht völlig altruistisch: Neben den positiven Effekten für die Natur tut ein Garten auch uns Menschen gut. Denn es ist schön einfach nur dazusitzen, in einer kleinen Naturoase und Tagfalter, Bienen und Vögel zu beobachten:

    „…und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“ (Pippi Langstrumpf)

    Dieses Jahr wird der Garten noch um einen Kräutergarten erweitert. Dabei sollen vor allem Kräuter gepflanzt und ausgesät werden, die bei Husten, Stress und Magen-Darm-Problemen helfen sollen – bei Pferden. Aber sicherlich hilft es auch bei Menschen 😉

  • Ein Jahr mit Kühen

    Ein Jahr mit Kühen

    Vor einem Jahr sind die beiden Fjällrinder Finola und Lenia bei uns eingezogen. Damals war noch nicht klar, ob sie ein Teil der Herde werden und wie die Pferde mit den Rindern umgehen. Ich habe mir vor allem Sorgen gemacht, dass sie einen Tritt abbekommen könnten.

    Aber es hat wunderbar geklappt und die beiden Schönheiten gehören nun einfach dazu. Die Integration wurde schrittweise durchgeführt und bereits in dem Beitrag Finola und Lenia beschrieben. Hier ein paar Eindrücke des Zusammenlebens mit den Pferden:

    Jetzt wird es Zeit das erste Jahr mit den beiden süßen Schnuffis Revue passieren zu lassen. 🙂

    Die Ziele der Mischbeweidung mit Rindern sind Weidepflege und Weidehygiene. Durch das Abzupfen mit der Zunge können Rinder die Vegetation nicht so tief verbeissen und selektiv fressen wie Pferde. Eine reine Pferdebeweidung, also ohne andere Pflegemaßnahmen wie beispielsweise eine Mahd führt auf Dauer zur Ausbreitung von „Problempflanzen“ wie Sauerampfer einerseits und einer Schädigung der Grasnarbe andererseits. Durch die Mischbeweidung soll die Weide gleichmäßiger abgefressen werden.

    Frassverhalten der Rinder = Abzupfen der Gräser mit der Zunge

    Und die Rinder fressen die sogenannten „Geilstellen“ an den Dunghaufen der Pferde ab, an denen die Larven beispielsweise der Magen-Darm-Strongyliden darauf warten von den Pferden abgeweidet zu werden. Wenn sie jedoch im Rindermagen landen, können sich die Magen-Darm-Parasiten der Pferde im falschen Wirt nicht weiterentwickeln. Und auch umgekehrt können die Pferde die Geilstellen der Rinder abweiden und der Parasitendruck auf der Weidefläche nimmt insgesamt ab.

    Aber wenn ihr jetzt lesen wollt, ob sich die beschriebenen Effekte schon eingestellt haben, muss ich Euch leider enttäuschen. Ich kann dazu noch keine Aussagen treffen, dafür ist ein Jahr einfach zu kurz. Aber ich kann Euch versichern, dass Finola und Lenia ein absoluter Gewinn für die Artenvielfalt, die Herde, den Hof und vor allem für die Seele sind. Wann immer man sie sieht, geht einem das Herz auf und man hat stets eine nette Gesellschaft bei der Zaunkontrolle, beim Zäune freischneiden oder Giftpflanzen rupfen. Ich hätte auch nie gedacht, dass sie viel neugieriger als Pferde sind und sich immer anschauen wollen, was der komische Zweibeiner da treibt. Es ist auch einfach herzig, wenn die zwei über die Weide flitzen, spielen, miteinander rangeln, Kontakt zu den Pferden aufnehmen, im Stroh lümmeln und dabei wiederkeuen.

    Und wie schon beschrieben haben in punkto Artenvielfalt vor allem die Dungkäfer profitiert. Es sind neue Arten dazugekommen und die reine Menge beispielsweise an Wasserkäfern oder der Gelben Dungfliege sind widerum Nahrungsgrundlage für Vögel, Fledermäuse, Reptilien etc.

    Die Rinder haben auch durchaus an der Kanada-Goldrute geknabbert, aber dafür sind es wohl doch zu wenig Kühe für zu viel Fläche und begleitende Maßnahmen wie die Schafbeweidung im Sommer und das partielle Mulchen werden weiterhin notwendig sein, um diesen invasiven Neophyten einzudämmen.

    Ein großer Vorteil ist, dass die Rinder die Bäume nicht schälen und auch im Winter auf Weiden unterwegs sein können, die für die Pferde wegen dem Baumbestand tabu sind. Auf diese Weise können sie hier und da noch mal an der überständigen Vegetation knabbern. Sie sind zwar schon ganz schön gewachsen, aber passen gerade noch so unter der oberen Litze durch, so dass sie mehr Fläche zur Verfügung haben als die Pferde. Zum Glück lassen sich die Pferde von einer Litze aufhalten.

    Die Körpergröße der Kühe ist einerseits ein Vorteil, aber andererseits auch eine Herausforderung, vor allem jetzt im Winter. Beispielsweise können sie nicht aus der Heuraufe der Pferde fressen, wenn das Heu zu weit runter gefressen ist und brauchen ihre eigene Raufe. Und die frostfreie Tränke ist für die Kühe leider zu hoch angebaut, so dass sie auch ihre eigenen Wasserbottiche brauchen. Und bei Minusgraden frieren die Mörtelwannen schnell zu. Das heißt, Heu und Wasser auffüllen für die Kühe sind zusätzliche Arbeiten, die aber aus meiner Sicht schnell erledigt sind.

    Insgesamt sind Finola und Lenia nicht mehr wegzudenken, sie gehören einfach dazu und ich möchte sie nicht mehr missen. 🙂

  • Heu aus spätem Schnitt

    Heu aus spätem Schnitt

    Heu aus spätem Schnitt kann eine echte Win Win Strategie zwischen artgerechter (Freizeit-) Pferdehaltung und Naturschutz sein. Warum?

    Wenn das Heu erst verhältnismäßig spät, also Anfang bis Mitte Juli gemäht wird, steigt die Überlebensrate bei Insekten und am Boden brütende Vogelarten wie beispielsweise beim Braunkehlchen oder der Feldlerche. Außerdem können verschiedene Kräuter und Gräser aussamen, d.h., es werden nicht immer die gleichen Gräser begünstigt und es gibt einen längeren Blühaspekt – oder vielmehr: es gibt überhaupt einen Blühaspekt. Und mit Blütenreichtum = Insektenreichtum können Nahrungsketten im Lebensraum Wiese überhaupt erst entstehen.

    Nest einer Feldlerche (10.7.2023)
    Heupferd (12.08.2023
    Kleiner Feuerfalter (21.06.2023)

    Dabei hört man als Naturschützer immer das Argument, dass Landwirte das Heu nicht so spät schneiden können, weil es dann ja keinen Futterwert mehr hat und sie keinen Abnehmer dafür finden würden.

    Und hier ist aus meiner Sicht die ideale Verbindung zur Freizeit-pferdehaltung. Denn in der Regel haben wir es ja hier mit adipösen Ponys zu tun, denen spät geschnittenes Heu gut tun würde. Und vor allem sogenannte Robustrassen wie Tinker, Isländer, Fjordpferde etc., aber auch die Iberischen Rassen haben mit Fettleibigkeit zu kämpfen und müssen am Ende wegen Hufrehe ganz aus einer natürlichen Pferdehaltung mit Weidezugang genommen werden. Auf dem Weg dahin gibt es viele (eigentlich schon tierschutzrelevante) Maßnahmen wie dauerhaftes Tragen von Fressbremsen in Verbindung mit engmaschigen Heunetzen, extrem lange Fresspausen oder die Pferde werden mit der Trennung von ihrer Herde und einem Verbleib auf einem langweiligen Paddock gegängelt.

    Und an dieser Stelle möchte ich Werbung für spät geschnittenes Heu mit einem geringeren Protein- und Zuckergehalt machen. So zeigt beispielsweise eine Grafik aus Dierschke & Briemle (2008): Kulturgrasland einen ganz einfachen Zusammenhang zwischen Futterwert und Schnittzeitpunkt:

    Oder folgendes Zitat aus Meyer & Coenen (2013:115ff): Pferdefütterung: „Mit fortschreitendem Alter der Pflanzen nehmen der Rohfasergehalt zu und damit ihre Verdaulichkeit ab. Der Aufwuchs im Frühjahr, aber auch im Spätsommer (nachwachsendes Grünfutter ab September) und Herbst ist am rohfaserärmsten (mehr Blätter, weniger Stängel), aber am eiweiß- und energiereichsten, während im Sommer bei starker Halmbildung umgekehrte Verhältnisse vorliegen.„

    Und dieses Jahr hatten wir nun zum ersten Mal selbst die Gelegenheit Heu aus spätem Schnitt zu beziehen. Neben dem Vorteil, dass die Ballen viel günstiger waren als das „gute Heu“, dass wir schon Anfang Juni bekommen haben, zeigt auch die Futtermittelanalyse beim LKV BB eV., dass der Protein- und Zuckergehalt sowie der Futterwert (ME MJ) beim Heu aus spätem Schnitt geringer sind.

    ParameterSchnitt Ende MaiSchnitt Anfang Juli
    g/kg TSg/kg OSg/kg TSg/kg OS
    Trockensubstanz10008451000754
    Feuchte % 15,5 24,6
    Rohasche38324534
    Rohprotein95807557
    Rohfaser301254340256
    Zucker117996348
    Rohfett20171410
    verdauliches Rohprotein60514332
    Energieberechnungje kg TSje kg OSje kg TSje kg OS
    umsetzbare Energie in Mega-Joule (ME MJ)8,06,87,15,4
    Futtermittelanalysen beim Landeskontrollverband Berlin-Brandenburg eV.;
    TS = Trockensubstanz, OS = Originalsubstanz

    Wobei neben dem Schnittzeitpunkt auch der Standort und damit die Artenzusammensetzung eine Rolle beim Futterwert spielt. Beim Heu, dass Ende Mai auf einer Glatthaferwiese geschnitten wurde, dominieren Gräser mit hohen Futterwertzahlen wie Glatthafer, Knaulgras, Wiesen-Fuchsschwanz und Wiesen-Rispengras.

    Glatthaferwiese, Ende Mai geschnitten
    Feuchtwiese, Anfang Juli geschnitten

    Das Heu, dass Anfang Juli geschnitten wurde, stammt von seggenreichen Feuchtwiesen auf Naturschutzflächen im Naturpark Westhavelland. Es enthält neben Seggen bzw. Sauergräsern (vermutlich Sumpfsegge, Schlanksegge, behaarte Segge), Straußgras und Landreitgras, die relativ geringe Futterwertzahlen haben. Solche Flächen werden in der Regel aus Naturschutzgründen offen gehalten für Wiesenbrüter, Limikolen oder der Großtrappe und haben deshalb die Auflage, dass sie erst ab Juli gemäht werden dürfen. Ganz ohne Nutzung würden die Lebensräume für diese Arten verschwinden.

    Im Naturschutz führen wir manchmal Diskussionen darüber, ob Seggenwiesen früher nur „Streuwiesen“ waren, also für eine Einstreu gemäht wurden. Jeder der einmal selbst mit der Sense gemäht und das Schnittgut geworben hat, wird verstehen, was für ein Unfug das ist. Und folgendes lesen wir bei Theodor Fontane über das Havelländische Luch (1872):

    „Die umliegenden Ortschaften versuchten es, dem Luche dadurch einigen Nutzen abzugewinnen, dass sie ihre Kühe darin weiden ließen und das freilich schlechte und saure Gras, so gut es ging, mähten. Beides war nur mit großer Mühseligkeit zu erreichen. Das Vieh musste häufig durch die Lanken schwimmen, um Grasstellen zu finden…. Nur im hohen Sommer und bei trockener Witterung war der größte Teil des Luches zu passieren; dann mähte man das Gras… Unter allen Umständen war das Gras schlecht und eine kümmerliche Nahrung.“

    Ich möchte unseren Pferden Heu zur freien Verfügung gewähren und keine Fresszeiten vorgeben oder das Heu in kleinen Netzen portionieren, was wir als Haltergemeinschaft auch gar nicht leisten könnten. Mir gefällt es, dass die Pferde ihren eigenen Tagesrhythmus ausleben und selbst entscheiden können, wann sie fressen und wann sie dösen, spielen, schlafen wollen.

    Wer mehr zu diesem spannenden Thema lesen möchte, dem sei die Broschüre Pferd und Heu der VFD empfohlen.

  • Hagebutten

    Hagebutten

    Es gibt unzählige Beiträge wie gesund Hagebutten, insbesondere für unsere geliebten Pferde sind. Man kann sie sogar getrocknet kaufen, z.b. eine 500g-Packung für 35€ bei Krämer…

    Hagebutten sind die Früchte der Hundsrose (Rosa canina) oder anderer Rosen und enthalten besonders viel Vitamin C, weitere Vitamine, Mineralstoffe, Gerbsäure, Fruchtsäure und sollen für Pferde folgende Wirkungen haben:

    • abwehrsteigernd
    • alle positiven Wirkungen von Vitamin C
    • entzündungshemmend
    • schmerzlindernd
    • vorbeugend gegen Arthrose und Hufrollenentzündung

    Gleichzeitig können Hundsrosen, gemeinsam mit Schlehen, Brombeeren, Weißdorn und vielen weiteren Gehölzen Gebüschinseln oder Hecken in einer Weidelandschaft bilden. Damit werden sie zum wertvollen Ökosystem und bieten:

    • Unterschlupf und Überwinterungsmöglichkeit (z.B. Schalenwild, Igel)
    • Nist- und Brutplatz (z.B. Dorngrasmücke, Klappergrasmücke, Sperbergrasmücke, Neuntöter, Amsel, Nachtigall)
    • Nahrungsquelle (Nektar und Pollen für Insekten, z.B. Wildbienen)
    • Früchte für Vögel (z.B. Amsel, Drosseln, Krähen, Elstern, Eichelhäher, Seidenschwanz, Kernbeißer, Finken, Meisen, Stare, Rotkehlchen)
    • Früchte für Säugetiere (z.B. Schalenwild, Fuchs, Dachs, Marder, Igel, Feldhase)

    Vor allem im Winter sind Vögel auf die Früchte von Hundsrose & co. als fettreiche Nahrung und Ersatz für Insekten angewiesen. Werden die Früchte dabei als Ganzes verzehrt, werden die darin enthaltenen Nüsschen als Samen mit dem Vogelkot verbreitet.

    Hundsrosen haben zwar keinen Nektar, bieten aber vielen Wildbienen- und Käferarten (z.B. Rosenkäfer) Pollen oder gar zarte Blütenteile wie die Staubblätter als Nahrung. Die Gemeine Blattschneiderbiene (Megachille versicolor) nutzt beispielsweise die Blätter und schneidet daraus „Tapiziermaterial“ für ihre Brutzellen, die in Hohlräumen angelegt werden. Die Blätter dienen auch vielen Falterraupen aus meheren Familien der Spanner (z.B. Rosen-Blattspanner), Trägspinner, Bären, Eulen (z.B. Achateule) als Nahrung. Und an den Zweigen kann man eventuell die moosartigen Gallen der Rosengallwespe (Diplolepis rosae) finden. Die Beispiele sollen verdeutlichen, wie alles zusammenhängt und wie wir auch mit kleinen Maßnahmen einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten können.

    Und letztlich bieten Gebüschinseln und Hecken(-rosen) auch für den Pferdehalter viele Vorteile:

    • man kann Hagebutten selbst sammeln und spart sich das Geld bei Krämer, Loesdau & co.
    • Sonnenschutz, v.a. wenn auch Bäume im Schutz der Hecken aufwachsen
    • ein besseres Mikroklima, insbesondere in Dürreperioden
    • Windschutz, für die Pferde, aber auch für die Vegetation, die weniger stark austrocknet
    • Abgrenzung, z.b. zusätzlich zum Weidezaun zur Erhöhung der Hütesicherheit und als Schutz vor ungewollter Fütterung durch Spaziergänger
    • ein schöneres Landschaftsbild 😉
    Vogelnest in einer einzeln stehenden Hundsrose
    das schönere Landschaftsbild mit Gehölzreihe
    ausgezäunte Pappelreihe mit Entstehung einer Hecke

    Und warum sieht man dann eigentlich so wenig Pferdeweiden mit Hundsrose & co.? Vor allem entlang von Zäunen könnte man Gehölzreihen von allein entstehen lassen. Natürlich müssen die Zäune freigeschnitten werden, aber man könnte einen Korridor zwischen verschiedenen Weiden oder an Wegen anlegen, in dem sich die Gehölze von selbst etablieren.

    Und auch auf der Weide selbst, warum eigentlich nicht? Selbst wenn man aus verschiedenen Gründen mulchen oder mähen muss, könnte man einzelne Gebüsche verschonen. Selbst bei relativ intensiver Beweidung kommen dornige Gehölze wie Hundsrose, Brombeere, Weißdorn, Wildbirne und Schlehe von allein und bereichern nicht nur den Speiseplan der Pferde.