Kategorie: Weidepflege

  • Blühende Landschaften

    Blühende Landschaften

    Seit nunmehr sieben Jahren versuchen wir die Flächen mit Graukresse (Berteroa incana) und Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) in artenreiches Grünland umzuwandeln. Es geht dabei um einen kleinen Beitrag zum Erhalt von Biodiversität und der Schaffung einer gesunden Nahrungsgrundlage für unsere vierbeinigen Lieblinge.

    Neben dem Zurückdrängen der Graukresse und der Kanada-Goldrute sollen die Weiden mit Kräutern angereichert werden, durch Förderung der Pioniervegetation und Einsaat in offene Bodenstellen (zb Wildschweinstellen) sowie Mahdgutübertragung aus einer Einsaatfläche. Dabei verwenden wir regiozertifiziertes Saatgut aus dem Ursprungsgebiet 4 – Ostdeutsches Tiefland.

    Die (für Pferde giftige) Graukresse konnte in den letzten Jahren durch die Vermeidung von Überbeweidung bzw. Schonung der Grasnarbe, Mahd, Mulchen und vor allem durch händisches Rausreißen zurückgedrängt werden.

    Dabei haben wir beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass das Mulchen nur sinnvoll ist, wenn die Graukresse vor der Bildung von Samenkapseln/Schötchen gemulcht wird, weil sie ansonsten nachreifen kann. Auf dem folgenden Foto wurde die Graukresse im Juli gemulcht, was schon zu spät war.

    Die gleiche Fläche, aus der gleichen Perspektive in diesem Jahr fotografiert zeigt, dass unsere Maßnahmen – in Bezug auf die Graukresse – durchaus erfolgreich waren.

    Wir haben dieses Jahr Anfang Juni mulchen lassen, aber die Graukresse hat es geschafft noch einmal zur Blüte und zur Ausbildung von Samenkapseln zu kommen. Aus diesem Grund mussten wir die Graukresse noch einmal vollständig händisch rausziehen. Aktuell fragen wir uns, ob es überhaupt Sinn macht, zu mulchen oder ob man sie von vornherein rauszupfen sollte?

    Das Problem ist auch der Samenvorrat im Boden aus den letzten Jahren. Ein Schötchen enthält ca. zehn Samen und an einer Pflanze können hunderte von Schötchen sein…

    Die Graukresse ist vor allem mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt und hat in den letzten Jahren von den Dürre-Ereignissen profitiert, weil sie dadurch einen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Pflanzen hat.

    Und auch die Goldrute wurde dieses Jahr wieder „geärgert“ mit Mulchen und einer temporären Beweidung mit Schafen. Es wäre illusorisch, die Goldrute komplett loszuwerden, dafür müsste man sie rausreißen oder den Oberboden inklusive ihrer Rhizome abtragen. Das geht natürlich nicht auf zehn Hektar, deshalb können wir nur jedes Jahr immer wieder dafür sorgen, dass sie zurückgedrängt wird. Würde der Druck nachlassen, würde sie wieder 100% Deckung einnehmen. Im Folgenden der Vergleich zweier Flächen mit Goldrute im Jahr 2019 und heute.

    Wenn wir es schaffen, Goldrute und Graukresse zurückzudrängen machen wir auch Platz für Artenvielfalt und eine gesunde Grasnarbe. In den letzten Jahren sind auf den Weiden unter anderem neu dazugekommen: Labkraut (Galium mollugo agg.), Grasnelke (Armeria maritima subs. elongata), Wilde Möhre (Daucus carota), Margarite (cf. Leucanthemum ircutianum), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe subd. stoebe), Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), Lichtnelke (Silene vulgaris) usw.

    Das Ziel ist die Schaffung bunter Wiesen mit verschiedenen Gräsern und Kräutern als gesunde Nahrungsgrundlage für unsere Tiere und ein reiches Blütenangebot für Wildbienen, Tagfalter etc. – Das Generieren blühender Landschaften statt tot geweideter Paddocks oder Brachen mit Goldrute.

  • Geduld

    Geduld

    Es braucht viele Jahre, um artenreiche Weiden zu generieren – aber wie geduldig man sein muss, habe ich mir vor sechs Jahren mit Beginn dieses Beweidungsprojektes nicht vorstellen können. Zum einen haben wir es mit Brachen zu tun, die von Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) dominiert werden und zum anderen mit einer übernutzten Hauptwiese mit dominanter Graukresse (Berteroa incana).

    Hier Beispielbilder von der Hauptweide mit Blick auf den Unterstand. Die Fläche wird im Sommer aus der Beweidung genommen und wegen der Graukresse 1x jährlich im Juni vor der Samenreife der Graukresse gemulcht. Im Jahr 2023 waren ganz gute Niederschläge, da sah die Fläche am besten aus im Vergleich. Dieses Jahr haben wir wieder Dürrephasen von denen die Graukresse profitiert, weil sie sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist und dadurch einen Konkurrenzvorteil gegenüber den anderen Pflanzenarten hat.

    Hauptwiese Juli 2023
    Hauptwiese Juli 2026

    Es wurde dieses Jahr Anfang Juni gemulcht und leider wächst die Graukresse einfach weiter, d.h. sie bildet neue Triebe und muss wieder zusätzlich händisch rausgezogen werden.

    Ein Lichtblick ist immerhin das Auftauchen der Sichelmöhre (Falcaria vulgaris), denn sie zeigt das Potential der Flächen für die Entwicklung von kalkreichen Sandrasen bzw Steppentrocken wie auf den Kuppen der Umgebung, beispielsweise am Königsberg oder den Glindower Alpen.

    Sichelmöhre

    Und in einem Teilbereich der Hauptwiese hatte ich vor drei Jahren regio-zertifziertes Saatgut in Wildschweinstellen eingebracht und diesen Bereich seitdem 1x jährlich gemäht. Hier hat sich nun mittlerweile ein kleiner schöner Bestand aus Flockenblumen (Centaurea stoebe, C. jacea), Wilder Möhre (Daucus carota), Königskerze (Verbascum lychnitis, V. nigrum) und Margarite (Leucanthemum ircutianum) entwickelt. Ich habe diesen Bereich ausgezäunt, damit die Arten aussamen und in die umliegenden Bereiche ausstrahlen können. Im ersten Jahr nach der Aussaat dachte ich, es passiert nichts, da kommt einfach nichts, aber man muss anscheinend sehr viel Geduld haben für die Entwicklung blühender Landschaften 😉

    Auch auf einer Fläche mit dominanter Kanada-Goldrute, auf der ich ein Transekt mit Vegetationsaufnahmen angelegt habe, geht es nur sehr langsam voran mit der Artenvielfalt. Es sind ingesamt elf Aufnahmeflächen quer über die Fläche mit jeweils 2mx2m Quadraten auf denen ich nun seit 2020 Vegetationsaufnahmen durchführe, um die Entwicklung im Kampf gegen die Goldrute zu dokumentieren. Dabei wurden die Flächen gemulcht, gemäht, mit Schafen beweidet und natürlich permanent mit unserer Herde, aktuell bestehend aus sechs Pferden und zwei Kühen ganzjährig beweidet. Leider fressen auch die Kühe die Goldrute nicht, so dass wir auf das Mulchen nicht verzichten können.

    Die Deckung der Goldrute hat zwar etwas abgenommen und es sind durchaus mehr Arten dazugekommen, aber es geht nur sehr mühsam voran. Die Gesamtartenanzahl hat von 38 Arten im Jahr 2020 auf 43 im Jahr 2026 zugenommen und die mittlere Artenanzahl pro Aufnahmefläche stagniert bei 16 Arten. Eine Gestamtartenliste im Vergleich der letzten Jahre befindet sich am Ende des Beitrages.

    Aber auch hier gibt es einzelne Lichtblicke: stellenweise tauchen Margariten, Flockenblumen, Lichtnelken (Silene vulgaris) und Heidenelke (Dianthus deltoides) auf, die sicherlich aus dem Saatgut kommen, dass wir immer wieder in Wildschweinstellen einbringen.

    Neben Mulchen, Mähen, Beweiden, Rausreißen und der punktuellen Einsaat steht auch die Mahdgutübertragung von einer Wiese mit flächiger Einsaat auf andere Weideflächen auf dem Programm. Und zumindest ist in diesem Jahr zum ersten Mal Margarite auf einer Weide aufgetaucht, auf der wir im letzten Jahr Mahdgut mit reichlich Margarite übertragen haben.

    Also – es bleibt weiterhin viel zu tun, um artenreiches Grünland zu generieren und mit gutem Beispiel für eine artgerechte Pferdehaltung in Verbindung mit Naturschutz voranzugehen.

    Und zum Schluss noch die Gesamtartenliste der Vegetationsaufnahmen für den interessierten Leser:

  • Was macht eigentlich…

    Was macht eigentlich…

    das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis)? In diesem Jahr – also fünf Jahre nach der Einrichtung – können unsere Pferde zum ersten Mal auf die Fläche, die sonst um diese Jahreszeit von Frühlings-Greiskraut dominiert wurde.

    Mai 2021
    Mai 2026

    In den letzten Jahren konnte diese Fläche nur gemulcht werden, weil es hier immer einen schönen Wechsel im Blühaspekt von gelb zu weiß gab, also von Frühlings-Greiskraut im April/Mai zu Graukresse (Berteroa incana) im Juni. Neben dem mulchen der Fläche, wurden die Pflanzen, auch das vereinzelt vorkommende Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea), mit der Hand rausgezogen. Es ging darum, das Aussamen zu verhindern, obwohl natürlich auch von Nachbarflächen immer wieder Samen einwehen können. Aber die gute Nachricht ist, Frühlings-Greiskraut ist einjährig, d.h., nach dem Aussamen stirbt die Pflanze ab und es lohnt sich ihre Reproduktion auf diese Weise zu unterbinden. Die rausgezogenen Pflanzen müssen im Hausmüll entsorgt werden, da Greis- bzw. Kreuzkräuter die Fähigkeit haben nachzureifen. Das bedeutet, wenn man sie auf den Kompost wirft, können die Samen immer noch mit dem Pappus (Haarkelch als Schirmchen) umherfliegen.

    Und dadurch, dass die Fläche endlich abgeweidet werden kann, ist eine gewisse Aushagerung möglich, weil die Biomasse abgeschöpft wird. Denn dieser Teil unserer Weideflächen ist relativ sandig, mager und hat das Potential zur Entwicklung eines Sandtrockenrasens. Es gibt immerhin schon Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Sandstrohblume (Helichrysum arenarium) und Berg-Sandglöckchen (Jasione montana) als charakteristische Arten für Sandmagerrasen. Dieses Jahr ist auch viel Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) dazu gekommen, was einen hübschen Blühaspekt ergibt.

    Das heißt, es waren zum ersten Mal nur noch so wenig Individuen vom Frühlings-Greiskraut, dass wir sie händisch rausziehen konnten. Hier noch Fotos einer Rosette vom Jakobs-Kreuzkraut, die mit einem Handstecher rausgestochen werden muss und rausgezogene Exemplare vom Frühlings-Greiskraut. Frühlings-Greiskraut blüht aktuell, ist spinnwebartig behaart und wie alle Arten der Gattung Senecio giftig, weil es Pyrrolizidinalkaloide enthält, die auf Dauer die Leber schädigen.

  • Artenvielfalt verteilen

    Artenvielfalt verteilen

    Wie können wir es schaffen, aus unseren übernutzten Flächen mit Graukresse-Dominanz und den unternutzten Flächen mit Kanada-Goldruten-Dominanz arten- und kräuterreiche Weiden zu entwickeln? Wie schon einmal in einem Beitrag zur Historie von Elisabethhöhe dargelegt, haben wir auf unseren Weideflächen kein traditionelles Grünland, dass wir reaktivieren können.

    So bleibt als ein Baustein zur Förderung von Artenvielfalt nur eine Einsaat mit regiozertifiziertem Saatgut für die Anreicherung unserer Weiden mit Kräutern wie Wiesen-Flockenblume, Margerite, Wegwarte, Wilder Möhre, Lichtnelke oder verschiedenen Gräsern wie Schafschwingel oder Ruchgras. Neben offenen Boden- oder Wildschweinstellen, in denen wir Saatgut eingebracht haben, hat sich vor zwei Jahren eine ca. 2000qm große Fläche angeboten für eine vollständige Neuansaat. Diese „Einsaatfläche“ soll als Quelle für die anderen Flächen fungieren. Teilweise wandern die Pflanzen von allein auf die anderen Weiden beispielsweise durch die Verbreitung der Samen durch Wind (z.B. Löwenzahn), Ameisen (z.B. Wiesen-Flockenblume) oder Ausläufer (z.B. Margerite).

    Aber wir wollen auch gezielt nachhelfen – durch eine Mahdgutübertragung. Ob das was bringt, weiß ich noch nicht, wir werden das beobachten und ich werde berichten 😉

    Einsaat im April 2023
    Mahd per Hand im Juni 2025
    Ausbringen auf einer anderen Weide

    Dafür wurde die Einsaatfläche im Juni mit einem schönen Blühaspekt von Margerite gemäht und das Mahdgut frisch auf einer anderen Fläche, die bereits abgeweidet war, ausgebracht. Bei einzelnen Arten habe ich auch Samen direkt von der Pflanze abgesammelt, um sie im Herbst wieder in Wildschweinstellen verteilen zu können. Ende August wird die Einsaatfläche noch einmal gemäht und das Mahdgut auf einer „von Schafen vorbereiteten“ Fläche verteilt.

    Im Folgenden soll es nun darum gehen, wie sich die Einsaat- oder Spenderfläche in den letzten zwei Jahren entwickelt hat. Die Artenliste ist dabei ohne Anspruch auf Vollständigkeit, es können sicherlich Arten übersehen worden sein und auch der Anteil ist lediglich eine Schätzung. Hinzu kommen Unsicherheiten bei der Bestimmung beispielsweise bei den Schwingelarten.

    Aber eine Tendenz ist ablesbar, so hat sich der Anteil der Graukresse sowie Arten der nährstoffreichen Äcker und Unkrautfluren reduziert und gewünschte Arten der Wiesen und Weiden sind dazugekommen. Orange markiert sind Arten die laut FloraWeb der Formation der nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren und/oder Äcker sowie kurzlebige Unkrautfluren zugeordnet sind und im dritten Jahr der Pflege mit zweimaliger Mahd verschwunden sind. Grün markiert sind Arten der Frischwiesen und -weiden, die im Saatgut waren und sich etablieren konnten.

    Es fehlen noch Wiesen-Witwenblume und Gewöhnliche Braunelle, vielleicht tauchen sie ja noch auf. Sumpf-Hornklee und Scharfer Hahnenfuß sind ebenfalls nicht aufgelaufen, vermutlich weil es ihnen zu trocken bei uns ist, wobei Scharfer Hahnenfuß als Giftpflanze auch nicht vermisst wird.

    Insgesamt ist die Einsaatfläche jedenfalls eine Augenweide und es summt, brummt, zirpt und mein Traum ist, dass all unsere Weideflächen so schön bunt werden.

    Denn allein an der Wiesen-Flockenblume sammeln laut NaturaDB über 90 Wildbienen Pollen für ihren Nachwuchs und 69 Schmetterlingsarten saugen an ihr Nektar. 20 Schmetterlingsarten, unter anderem aus der Gruppe der Widderchen, Schecken- oder Perlmuttfalter leben als Raupen an und von der Flockenblume. Sie gehört damit zu den wichtigsten Nahrungsquellen für Wildbienen und Schmetterlinge. Wenn man außerdem die Blütenstände über den Winter stehen lässt, bieten sie überwinternden Vögeln wie beispielsweise dem Stieglitz eine willkommende Nahrungsquelle.

    Und natürlich ist eine arten- und kräuterreiche Weide auch für unsere Pferde gesünder als die üblichen, (meist) stark abgegrasten Weidelgras-Weißklee-Weiden.

  • Graukresse

    Graukresse

    Im letzten Blogeintrag zur Graukresse im März diesen Jahres war ich noch sehr optimistisch, dass wir das Problem mit Rausziehen der einzelnen Pflanzen in den Griff bekommen. Denn es wäre schön, wenn man ohne Mähen oder Mulchen auskommt, um Insekten etc. zu schonen, aber in diesem Jahr hat sich die Graukresse wieder besonders stark ausgebreitet.

    Sie hat anscheinend davon profitiert, dass es erst eine Dürrephase im Mai, Juni und dann eine Regenphase im Juli gab. Sie ist durch ihre Sternhaare auf der Oberfläche sehr gut gegen Verdunstung geschützt und kommt mit Dürre super zurecht, da sie ursprünglich aus Halbwüsten-Regionen wie Mittelasien kommt. Sie kommt laut FloraWeb auf nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren vor und man kann sie aktuell in Brandenburg, (vor allem auf sandigen Standorten) häufig bewundern…

    Wir haben sie in den letzten Jahren vor der Ausbildung der Samenkapseln gemulcht und hatten sie damit ganz gut zurück gedrängt. Jetzt nach dem Regen im Juli ist sie wieder massenhaft auf unseren Weiden zurück gekehrt und hat bereits Samenkapseln ausgebildet. Nun muss die gesamte Pflanze durch rausziehen oder mähen entfernt werden, da sie sonst nachreifen kann und beim mulchen werden die kleinen Samen nicht zerschlagen, bleiben liegen und man kann sich den Maschineneinsatz sparen.

    Da es nun also zu spät zum mulchen ist, müssen wir sie per Hand rausziehen, was sehr aufwendig, mühselig und zeitraubend ist. Und jede Graukresse, die ich bisher rausgezogen habe, ist auch verbissen, d.h., sie wird (mit-)gefressen, auch wenn noch sehr viel anderes Futter da ist…

    Die ganz besonders schlimmen Flächen haben wir zunächst ausgezäunt, um sie mit einem Rasenmäher (mit Korb) zu mähen und zumindest ein weiteres Aussamen zu verhindern.

    Tja, wie sagt Bent Branderup ? „Schöne Zeit mit dem Pferd verbringen“ …

    Aktuell dürfen wir vor allem beim Graukresse rupfen schöne Zeit mit unseren Pferden verbringen 😉

  • Kanada-Goldrute

    Kanada-Goldrute

    Der Kampf gegen die Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) geht in die nächste Runde und damit schon ins fünfte Jahr. Wir sind ihr mit mulchen, Schafen und dieses Jahr auch mit einem Balkenmäher zu Leibe gerückt.

    Mahd mit Balkenmäher
    abziehen der Fäche mit einer Schleppe
    eine Teilfläche wurde gemulcht

    Manchmal hat man das Gefühl, alles ist umsonst und nichts hilft – aber leider muss man bei der Etablierung von artenreichen Wiesen und Weiden sehr viel Geduld aufbringen. Bei einer Weiterbildung meinte ein Kollege, dass er nunmehr seit 30 Jahren Trockenrasen in der Umgebung von Werder/Havel mäht und sich die ersten Erfolge nach acht Jahren (!) eingestellt haben. Er wußte aus historischen Quellen, wo es mal artenreiche Steppentrockenrasen gab und hat diese gezielt gepflegt, mit einem beeindruckenden Ergebnis.

    Aber wir haben es mit Flächen zu tun, die ehemals Fichtenforst waren, danach Gartenland und dann Brache – mit Ausbreiung der Kanada-Goldrute. Deshalb ist die einzige Chance, die wir haben, die Goldrute loswerden und immer wieder (Regio-) Saatgut oder Mahdgut von artenreichen Flächen verteilen, um eine kräuter- und artenreiche Weide zu entwickeln. Und nur eine kräuter- und artenreiche Weide kann eine gesunde Nahrungsgrundlage für unsere Weidetiere sein. Ich freue mich ja schon über jede Margarite (Leucanthemum ircutianum), Gemeines Leinkraut (Silene vulgaris) oder Flockenblume (Centaurea jacea), die hier und da mal auftauchen – aus dem vielen Saatgut, dass ich schon verteilt habe.

    Um die Entwicklung zu dokumentieren, habe ich im Jahr 2020 ein Vegetationstransekt mit elf Aufnahmeflächen (2mx2m) eingerichtet. Im Folgenden soll an einer der Aufnahmeflächen beispielhaft die Veränderung gezeigt werden:

    Vegetationsaufnahmefläche 2020
    Vegetationsaufnahmefläche 2025

    Auf den Fotos kann man nur schwerlich eine Veränderung erkennen, man muss genauer hinschauen und die Artenliste vergleichen:

    Die Deckung der Goldrute hat von 65-75% auf 15-25% abgenommen und die Artenanzahl ist von sechs auf 14 Arten angestiegen. Es sind mehr Gräser dazu gekommen, wobei vor allem Quecke und Glatthafer den frei gewordenen Platz eingenommen haben. Durch die Reduktion der mächtigen Streuschichtauflagen, die die Kanada-Goldrute bildet und damit jede Konkurrenz ausschaltet, konnten ein paar kleine Kräuter wie Feld-Klee (Trifolium campestre), Reiherschnabel (Erodium cicutarium) oder Rauhaarige Wicke (Vicia hirsuta) dazu kommen. Wenn man sich das Foto der Aufnahmefläche im Jahr 2020 genauer anschaut, kann man in der rechten, unteren Ecke die Streuschicht erkennen. Diese Streuschichtauflage wird aus der jeweils im Winter abgestorbenen Pflanzenmasse gebildet, kann bis zu 20cm mächtig werden und wird nur durch die Goldrute selbst durchwachsen.

    Die oben genannten Maßnahmen und die Beweidung haben zumindest zu einem Abbau der Streuschicht und einer Auflichtung geführt, d.h., es wurden „Lücken“ im Goldruten-Dickicht geschaffen, die andere Pflanzen nutzen können.

    Lücke mit Quecke, Schafgarbe, Feld-Klee und Reiherschnabel
    Glatthafer und Margarite (aus Saatgut?) nutzen die entstandenen Lücken
  • Die gesunde Grasnarbe

    Die gesunde Grasnarbe

    In dem Podcast mit Celina Skogan haben wir viel über die „Grasnarbe des Grauens“ gesprochen, die man vielerorten in der Pferdehaltung sieht. Mit diesem Beitrag möchte ich daran anknüpfen und aufzeigen, wie wir in den letzten fünf Jahren zu einer gesünderen Grasnarbe gekommen sind.

    Dafür will ich kurz ausführen, was aus meiner Sicht eine gesunde Grasnarbe ist. Eine Pferdeweide sollte nicht nur ein Auslauf, sondern eine Ernährungsgrundlage sein, damit die Pferde ihrem natürlichen Bedürfnis nach grasen – langsam fortbewegen – grasen nachgehen können. Dabei sollte eine Pferdeweide möglichst arten- und vor allem kräuterreich sein, mit Baumgruppen und Gebüschen, im Idealfall mit trockenen Kuppen, feuchten Senken, eingestreuten Kleingewässern etc. – also eine vielfältige Weidelandschaft.

    Das heißt, wenn eine Weide auch Ernährungsgrundlage sein soll, darf sie nicht nur aus einer golfrasenartig abgenagten, öden, viereckigen Fläche bestehen. Denn das ist nicht nur ungesund für unsere Ponys, sondern auch ökologisch völlig wertlos für Artengruppen wie Insekten oder Vögel. Dabei könnten Pferde eine Schlüsselrolle in der Wiederbelebung von Ökosystemen und beim Erhalt der Artenvielfalt einnehmen.

    Aber was wir überall sehen, sind zu viele Pferde auf zu kleinen Flächen, traurige Matschpaddocks im Winter, Sandpaddocks im Sommer mit einem Auslauf bzw. einer völlig runtergerockten Grasnarbe des Grauens.

    Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man Pferde möglichst großzügig auf großen Flächen halten, um eine Übernutzung der Grasnarbe zu vermeiden, ansonsten geht es natürlich nicht ohne die Anlage von Trails oder einer Umtriebsbeweidung.

    Wir konnten in den letzten fünf Jahren die übernutzte Hauptweide, auf der nur noch Graukresse gewachsen ist, zu einer blütenreichen Fläche entwickeln. Dafür wurden die Pferde im Sommer von der Fläche genommen, damit sich die Grasnarbe erholen kann. Dadurch hat sich eine bunte Pioniervegetation aus Schafgarbe, Wegwarte, Malve, Rainfarn, Brennessel, Spitzwegerich, Beifuß und vieles mehr eingestellt. Es sind sogar schon die ersten Weißdörner, Schlehen und Rosen aufgewachsen, über die ich mich besonders freue 🙂

    Ein Fotovergleich zeigt die Entwicklung der Hauptweide aus zwei verschiedenen Perspektiven. Erreicht wurde die Umwandlung der Grasnarbe des Grauens mit Graukresse hin zu einer verhältnismäßig geschlossenen Grasnarbe mit verschiedenen Kräutern durch Schonung im Sommer, also Pferde runter von der Fläche oder anders gesagt: Umtriebsbeweidung. In den ersten drei Jahren musste die Hauptweide im Sommer noch gemulcht werden, um die Graukresse in den Griff zu bekommen und vor allem an der Aussamung zu hindern. Davon abgesehen wurden keine weiteren Maßnahmen wie beispielsweise eine Neuansaat ergriffen. Und erst seit wir auf das Mulchen verzichten können, etablieren sich auch Gehölze wie die Hundsrose.

    2019
    2023
    2024
    2019
    2021
    2024

    Und auch auf den Luftbildern bei Google Earth kann man die Entwicklung in der Zeitreihe sehen. Die Hauptweide wurde zunächst als Trail angelegt, den wir jedoch abbauen konnten, da wir genug Weiden zum Ausweichen haben und es schlicht nicht mehr notwendig war.

    2018
    2021
    2024

    Und in diesem Jahr wollen wir etwas neues ausprobieren – weg von der Umtriebsbeweidung – hin zu einer extensiven Ganzjahresbeweidung. Mein langfristiges Ziel ist dabei aus der Pioniervegetation ein artenreiches Grünland zu entwickeln, dass dann auch eine gesunde Grasnarbe für unsere Pferde sein kann.

  • Kampf gegen Windmühlen

    Kampf gegen Windmühlen

    Seit nunmehr vier Jahren bekämpfen wir nun intensiv die Kanada-Goldrute – gefühlt ohne nennenswerte Erfolge.

    Neben der Beweidung mit Schafen und Kühen, werden jedes Jahr Teilflächen gemulcht. Aber wir werden sie mit diesen Maßnahmen einfach nicht los. Man müsste theoretisch die Pflanzen inklusive ihrer Rhizome rausreißen, aber das ist natürlich unrealistisch auf zehn Hektar Weidefläche. Es ist zum verzweifeln.

    Zum Glück habe ich im September 2019 Fotopunkte eingerichtet und im Juni 2020 ein Vegetationstransekt angelegt, um den Ausgangszustand zu dokumentieren und so habe ich einen sachlichen Vergleich. Denn auch wenn die Kanada-Goldrute noch in Massen vorkommt, so hat zumindest ihre Deckung abgenommen – immerhin. Damit konnte Licht und Platz für andere Pflanzenarten geschaffen werden und an diesen kleinen Lichtpunkten versuche ich mich zu erfreuen.

    Neu hinzugekommen sind beispielsweise Sand-Grasnelke, Wiesen-Labkraut, Wiesen-Margarite, Acker-Glockenblume, Wilde Möhre, Johanneskraut, Wiesen-Flockenblume, Seifenkraut, Gamander-Ehrenpreis und Vergissmeinicht.

    Margarite und Flockenblume sind vermutlich aus dem Saatgut, dass ich immer wieder mal in den Wühlstellen der Wildschweine verteilt habe. Dabei verwende ich nur Regio-Saatgut beispielsweise von Saaten Zeller oder Rieger-Hofmann aus dem Ursprungsgebiet Ostdeutsches Tiefland in der Ausprägung Frischwiese mit einem Kräuteranteil von 30%. Die anderen Arten sind anscheinend von allein aufgelaufen, aus dem Samenvorrat des Bodens oder aus Anflug auf unsere Weiden gekommen.

    Besonders gefreut habe ich mich über die Sand-Grasnelke (Armeria maritima subsp. elongata). Sie ist eine Charakterart der trockenen, kalkreichen Sandrasen und ein Zeiger für stickstoffarme Verhältnisse, wo wir sonst nur Kanada-Goldrute, Brennnessel, Sauerampfer & co haben, die auf einen extrem überdüngten Standort hinweisen. Die Sand-Grasnelke – ein echter Hoffnungsschimmer also 🙂

    In den folgenden Bilderreihen werden die Fotopunkte im Vergleich September 2019 und 2024 gegenübergestellt. Es wird immer ein Kampf gegen Windmühlen bleiben, aber ich freue mich über jede Auflichtung der ehemals nahezu 100% Kanada-Goldrutenbestände.

    September 2019
    September 2024

  • Regio-Saatgut

    Regio-Saatgut

    Nach der Einsaat einer ca. 2000qm großen Fläche mit regiozertifiziertem Saatgut im letzten Jahr wurde die Einsaatfäche 2x per Hand gemäht und das Mahdgut beräumt. Dieses Jahr wurde die Fläche einmal früh beweidet und im Juni noch einmal gemäht. Aufgrund des hohen Anteils an Graukresse, die nicht im Saagut war, sondern im Bodenvorrat schlummerte, konnte das Mahdgut nur entsorgt werden. Der Sinn war eigentlich eine Mahdgutübertragung auf den anderen Weideflächen, um die Artenvielfalt zu fördern. Wie schon beschrieben, muss man hier einfach akzeptieren, dass aufgrund der Nutzungsgeschichte in Elisabethhöhe kein artenreiches Grünland reaktiviert, sondern nur neu kultiviert werden kann.

    Aktuell hat sich auf der Einsaatfläche ein wunderschöner Blütenteppich aus Wilder Möhre, Rispen-Flockenblume, Wegwarte und Margarite gebildet. Die folgenden Fotos zeigen eine Bildreihe der Jahre 2022-2024 und ich finde, allein dafür hat es sich schon gelohnt:

    Die Tabelle zeigt eine Liste der Pflanzenarten mit ihrem jeweiligen Anteil im Saatgut und den geschätzten Anteilen im ersten und im zweiten Jahr nach der Einsaat.

    Grün sind die Arten markiert, die im Saatgut waren und auch aufgelaufen sind. Einige Pflanzen sind jedoch erst im zweiten Jahr aufgetaucht und dunkelgrün markiert. Auffällig ist, dass es sich hierbei um charakteristische Arten der Magerweiden und -wiesen wie Ruchgras, Heidenelke oder Schafschwingel handelt.

    Orange sind die Arten markiert, die ich bislang noch vermisse und gern noch auf der Fläche hätte wie Wiesen-Flockenblume, Acker-Witwenblume und Kleine Braunelle. Der Rauhblättrige Schwingel ist ggf schon gekommen, da muss man sich wohl die Schwingel noch einmal genauer anschauen. Scharfen Hahnenfuß muss ich auf einer Pferdeweide nicht unbedingt haben und ich gehe davon aus, dass es ihm ohnehin zu trocken ist.

    Vor allem bei der Wiesen-Flockenblume habe ich noch Hoffnung, dass sie nur etwas länger braucht und noch auftaucht. Denn in den Bereichen, in denen ich in den letzten Jahren Saatgut in schöne, offene Wühlstellen von Wildschweinen eingebracht habe, kam nach und nach doch noch die eine oder andere Pflanze aus dem Saatgut wie Wiesen-Flockenblume, Margarite oder Lichtnelke. Teilweise erst nach drei Jahren, also man muss schon sehr viel Geduld mitbringen bei der Aufwertung seiner Pferdeweide – Gut Ding will Weile haben.

    Die Rispen-Flockenblume hingegen war nicht im Saatgut, hat aber schon im ersten Jahr nach der Einsaat einen hohen Anteil gebildet und ist mir sehr willkommen. Sie kommt in Brandenburg auf Trockenrasen, Magerweiden und trockenen Brachen vor und ist sehr beliebt bei Insekten.

    Weggefallen sind typische, einjährige Ackerwildkräuter (Segetalarten) wie Kornblume oder Saat-Mohn, die in der Mischung nur für einen schönen Blühaspekt im ersten Jahr sorgen sollen, d.h. man könnte sie auch getrost weglassen.

    Weggefallen sind im zweiten Jahr auch Segetalarten, die von allein aufgekommen sind wie Quecke, Taube Trespe, Hirtentäschel, Weißer Gänsefuß, Hohlzahn, Kompaß-Lattich, Borstenhirse, Hohe Rauke und Küsten-Kamille. Und das ist auch gut so, denn wir wollen ja lieber mehrjährige Kräuter etablieren, die sowohl Insektennahrung als auch gesundes Pferdefutter sind.

    Es zeigt sich, dass es essentiell ist, der Empfehlung des Saatgutherstellers für eine erfolgreiche Ansaat zu folgen: „Je nach Witterung sind nach zwei  bis drei Wochen die ersten Keimlinge zu sehen. Da einige konkurrenzschwache Kräuter sich nur langsam entwickeln ist insbesondere nach einer Frühjahrsaussaat nach 6 bis 8 Wochen ein Schröpfschnitt auf ca. 5 cm empfehlenswert. Der Schröpfschnitt dient auch zur Eliminierung eventuell vorhandener einjähriger Unkräuter (Gänsefuß, Hirtentäschel etc.), die auf keinen Fall zur Samenreife gelangen sollten. Bei starkem Befall sollte der Schröpfschnitt wiederholt werden. Das Schnittgut ist immer zu entfernen.“

  • Update Frühlings-Greiskraut

    Update Frühlings-Greiskraut

    Wie versprochen halte ich Euch auf dem Laufenden in Bezug auf das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis).

    Wir haben eine Fläche, die wir im Jahr 2021 neu eingerichtet haben, d.h. von Müll, Bewässerungs- und Wildzaunresten beräumt und einen Weidezaun gebaut. Hier kommen vereinzelt Sandstrohblume, Berg-Jasione und Kleines Habichtskraut vor, die das Potential zur Entwicklung eines mageren Trockenrasens aufzeigen. Aber bislang konnten wir diese Fläche nicht von den Pferden beweiden lassen, weil sich hier besonders viel Frühlings-Greiskraut und Graukresse breit gemacht haben. Neben dem händischen Ausreißen, konnten wir diese Fläche bislang nur mulchen, um die Giftpflanzen in den Griff zu bekommen, was einer Aushagerung und Entwicklung zum Trockenrasen natürlich im Wege steht.

    Der Folgende Bildervergleich zeigt jeweils die Fläche im Mai 2021 und Mai 2024. Ja, es gibt noch einzelne Individuen des Frühlings-Greiskrautes, Graukresse und immer wieder auch Rosetten vom Jakobs-Kreuzkraut. Aber nicht mehr in den Massen, wie wir es im ersten Jahr mit Beginn der Pflege vorgefunden haben. Das Jakobs-Kreuzkraut ist so überschaubar, dass man die Rosetten einfach ausstechen kann. Das Frühlings-Greiskraut ist wie bereits beschrieben einjährig, das heißt, wenn man es daran hindert auszusamen, kann man es in Schach halten.

    Aktuell dominiert aus diesem Blickwinkel die Taube Trespe, eine Art der trocken-warmen Ruderalstandorte auf Sandböden und ein mäßiger Stickstoffzeiger. Das heißt die Fläche kann und sollte nun auch in die Beweidung einbezogen werden, um sie auszuhagern und um sie in einen arten- und blütenreichen Trockenrasen zu entwickeln. Wünschenswerte Kennarten wären beispielsweise:

    • Grasnelke (Armeria elongata)
    • Rispen-Flockenblume (Centaure stoebe)
    • Karthäuser Nelke (Dianthus carthusianorum)
    • Sandstrohblume (Helichrysum arenarium)
    • Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella)
    • Berg-Sandglöckchen (Jasione montana)
    • Duft-Scabiose (Scabiosa canescens)
    • Sand-Thymian (Thymus serpyllum)

  • Eutrophierung der Landschaft

    Eutrophierung der Landschaft

    Eine der Ursachen für den rasanten Artenschwund und dem Verlust der Biodiversität ist die Eutrophierung, also die Überdüngung der Landschaft. Neben dem aktiven Ausbringen von Mineraldünger und Gülle haben wir es mit immensen Nährstoff-Frachten und Stickstoffeinträgen aus der Luft zu tun. Diese Stickstoff-Depositionen kommen aus den Überschüssen der Landwirtschaft und der Verbrennung fossiler Energien (Verkehr, Industrie). In unserer Region entspricht der Eintrag aus der Luft nach dem Umweltbundesamt ca. 20-30kg Stickstoff pro Hektar und Jahr…

    Und wer sich die Rote Liste der Pflanzen anschaut, wird feststellen, dass vor allem Arten gefährdet sind, die auf nährstoffarmen Standorten vorkommen. Wie beispielsweise die Wiesen- oder Kuhschelle (Pulsatilla pratensis), die heute in Brandenburg auf wenige reliktische, verinselte Vorkommen begrenzt ist und sich nicht mehr ausbreiten oder genetisch austauschen kann. Die Kuhschelle ist quasi unser Breitmaulnashorn – es gibt nur noch wenig Individuen, die lokal sehr begrenzt vorkommen, überaltert, anscheinend auch unfruchtbar (?) sind und in botanischen Gärten oder an einigen Sonderstandorten beim Aussterben begleitet werden.

    Ernst Klapp zählte die Wiesen-Küchenschelle hingegen zu den wichtigsten Kenn- und Zeigerarten der basen- und kalkreichen Trockenrasen, wobei er sich „auf die häufigeren und gleichwohl charakteristischen Arten“ beschränkt hat (Klapp [1954], Wiesen und Weiden). Zu diesen Kennarten zählte er auch Großes Schillergras (Koeleria pyramidata), Taubenskabiose (Scabiosa columbaria), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Stengellose Kratzdistel (Cirsium acaule), Frühlingsfingerkraut (Potentilla verna) oder Dornige Hauhechel (Ononis spinosa).

    Wer kennt diese Arten heute noch oder hat sie schon einmal gesehen (abgesehen von einigen Botanikern)? Diese Pflanzenarten sind extreme Stickstoffarmutzeiger, weitgehend aus unseren modernen Wiesen und Weiden verschwunden und nach der Roten Liste Brandenburg gefährdet. Nur noch auf Sonderstandorten wie Bergbaufolgelandschaften oder ehemaligen Truppenübungsplätze wird man nährstoffarme Verhältnisse und damit seltene Flora und Fauna finden. Deshalb sind diese Flächen so wertvoll für den Naturschutz wie beispielsweise die Döberitzer Heide. Aber auch solche Flächen müssen beweidet und/oder gemäht werden, um die Artenvielfalt zu erhalten.

    „An der Zusammensetzung des deutschen Grünlandes sind weit mehr als 1000 Arten höherer Pflanzen beteiligt“ (Klapp, [1954:78]). Auf wie viele Arten kommen wir heute im Grünland, beispielsweise auf einer tpyischen Pferdeweide? Also auf unserer Weide dominieren die Nährstoffzeiger wie Brennnessel (Urtica dioica), Stumpfblättriger Sauerampfer (Rumex obtusifolius), Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Landreitgras (Calamagrostis epigejos), Löwenzahn (Taraxacum officinale agg.) oder Kanada-Goldrute (Solidago canadensis).

    Deshalb bin ich immer wieder erstaunt, wenn nett gemeinte Tipps lauten, dass man auch mal düngen muss. Nein, im Gegenteil, man muss die Flächen aushagern, also mähen (nicht mulchen!) und beweiden, um immer wieder die oberirdische Biomasse abzuschöpfen und gegen die allgemeine Eutrophierung der Landschaft anzukämpfen.

    Denn bei eutrophen Verhältnissen werden einige wenige Pflanzenarten dominieren, einfach weil sie sehr konkurrenzstark sind. Eine Kuhschelle würde sich natürlich auch über viel Nahrung freuen, aber sie ist konkurrenzschwach und an den Sonderstandort Trockenrasen angepasst, an dem eine Brennnessel „verhungern“ würde. Wie alle Hahnenfußgewächse ist die Kuhschelle giftig und wurde vermutlich in früheren Zeiten vom Weidevieh gemieden bzw. regelrecht freigestellt.

    So wie auch beispielsweise das Katzenpfötchen (Antennaria dioica) heute vom Aussterben bedroht ist und ich zwar die Ehre hatte mit einem Botaniker einen der letzten bekannten Standorte in Brandenburg aufzusuchen, aber leider ohne Erfolg – auch dieses Vorkommen scheint erloschen zu sein.

    Klapp [1954:344] schrieb: „Auf Magerweiden finden sich zahlreiche bodennahe Rosettenunkräuter: auf Trockenrasen die Stengellose Distel (Cirsium acaule) und die Silberwurz (Wetterdistel, Carlina aucaulis), auf Mager- und Ödlandweiden Habichtskräuter (besonders Hieracium pilosella, und Ferkelkräuter (besonders Hypochoeris radicata), auf Heiden Katzenpfötchen (Antennaria) und Bergwohlverlei (Arnica). Bei extensiver Nutzung sollte man sie gewähren lassen, bei Intensivierung von Düngung und Nutzung treten sie rasch zurück.“

    Es gab eine Zeit, in der die Mineraldüngung ein Segen war, aber das Pendel ist zu sehr in eine Richtung ausgeschlagen – Heute wird es Zeit umzudenken.

  • Ein Jahr mit Kühen

    Ein Jahr mit Kühen

    Vor einem Jahr sind die beiden Fjällrinder Finola und Lenia bei uns eingezogen. Damals war noch nicht klar, ob sie ein Teil der Herde werden und wie die Pferde mit den Rindern umgehen. Ich habe mir vor allem Sorgen gemacht, dass sie einen Tritt abbekommen könnten.

    Aber es hat wunderbar geklappt und die beiden Schönheiten gehören nun einfach dazu. Die Integration wurde schrittweise durchgeführt und bereits in dem Beitrag Finola und Lenia beschrieben. Hier ein paar Eindrücke des Zusammenlebens mit den Pferden:

    Jetzt wird es Zeit das erste Jahr mit den beiden süßen Schnuffis Revue passieren zu lassen. 🙂

    Die Ziele der Mischbeweidung mit Rindern sind Weidepflege und Weidehygiene. Durch das Abzupfen mit der Zunge können Rinder die Vegetation nicht so tief verbeissen und selektiv fressen wie Pferde. Eine reine Pferdebeweidung, also ohne andere Pflegemaßnahmen wie beispielsweise eine Mahd führt auf Dauer zur Ausbreitung von „Problempflanzen“ wie Sauerampfer einerseits und einer Schädigung der Grasnarbe andererseits. Durch die Mischbeweidung soll die Weide gleichmäßiger abgefressen werden.

    Frassverhalten der Rinder = Abzupfen der Gräser mit der Zunge

    Und die Rinder fressen die sogenannten „Geilstellen“ an den Dunghaufen der Pferde ab, an denen die Larven beispielsweise der Magen-Darm-Strongyliden darauf warten von den Pferden abgeweidet zu werden. Wenn sie jedoch im Rindermagen landen, können sich die Magen-Darm-Parasiten der Pferde im falschen Wirt nicht weiterentwickeln. Und auch umgekehrt können die Pferde die Geilstellen der Rinder abweiden und der Parasitendruck auf der Weidefläche nimmt insgesamt ab.

    Aber wenn ihr jetzt lesen wollt, ob sich die beschriebenen Effekte schon eingestellt haben, muss ich Euch leider enttäuschen. Ich kann dazu noch keine Aussagen treffen, dafür ist ein Jahr einfach zu kurz. Aber ich kann Euch versichern, dass Finola und Lenia ein absoluter Gewinn für die Artenvielfalt, die Herde, den Hof und vor allem für die Seele sind. Wann immer man sie sieht, geht einem das Herz auf und man hat stets eine nette Gesellschaft bei der Zaunkontrolle, beim Zäune freischneiden oder Giftpflanzen rupfen. Ich hätte auch nie gedacht, dass sie viel neugieriger als Pferde sind und sich immer anschauen wollen, was der komische Zweibeiner da treibt. Es ist auch einfach herzig, wenn die zwei über die Weide flitzen, spielen, miteinander rangeln, Kontakt zu den Pferden aufnehmen, im Stroh lümmeln und dabei wiederkeuen.

    Und wie schon beschrieben haben in punkto Artenvielfalt vor allem die Dungkäfer profitiert. Es sind neue Arten dazugekommen und die reine Menge beispielsweise an Wasserkäfern oder der Gelben Dungfliege sind widerum Nahrungsgrundlage für Vögel, Fledermäuse, Reptilien etc.

    Die Rinder haben auch durchaus an der Kanada-Goldrute geknabbert, aber dafür sind es wohl doch zu wenig Kühe für zu viel Fläche und begleitende Maßnahmen wie die Schafbeweidung im Sommer und das partielle Mulchen werden weiterhin notwendig sein, um diesen invasiven Neophyten einzudämmen.

    Ein großer Vorteil ist, dass die Rinder die Bäume nicht schälen und auch im Winter auf Weiden unterwegs sein können, die für die Pferde wegen dem Baumbestand tabu sind. Auf diese Weise können sie hier und da noch mal an der überständigen Vegetation knabbern. Sie sind zwar schon ganz schön gewachsen, aber passen gerade noch so unter der oberen Litze durch, so dass sie mehr Fläche zur Verfügung haben als die Pferde. Zum Glück lassen sich die Pferde von einer Litze aufhalten.

    Die Körpergröße der Kühe ist einerseits ein Vorteil, aber andererseits auch eine Herausforderung, vor allem jetzt im Winter. Beispielsweise können sie nicht aus der Heuraufe der Pferde fressen, wenn das Heu zu weit runter gefressen ist und brauchen ihre eigene Raufe. Und die frostfreie Tränke ist für die Kühe leider zu hoch angebaut, so dass sie auch ihre eigenen Wasserbottiche brauchen. Und bei Minusgraden frieren die Mörtelwannen schnell zu. Das heißt, Heu und Wasser auffüllen für die Kühe sind zusätzliche Arbeiten, die aber aus meiner Sicht schnell erledigt sind.

    Insgesamt sind Finola und Lenia nicht mehr wegzudenken, sie gehören einfach dazu und ich möchte sie nicht mehr missen. 🙂

  • Schafe

    Schafe

    Dieses Jahr haben wir wieder tatkräftige Unterstützung bei der Bekämpfung der Kanada-Goldrute: 43 Guteschafe knabbern auf ca. 1,3 Hektar für etwa drei Wochen an der Goldrute, bevor sie wieder ihren Job im LIFE Trockenrasen Projekt machen. Die Schafe waren vorher in den Glindower Alpen und haben quasi bei uns eine Zwischenstation eingelegt. Eine Win Win Situation, denn für uns ist es eine Form der Weidepflege, die wir sonst bezahlen müssten (wir haben immer noch keinen neuen Mulcher…) und die Schäferin wird für diese Zeit entlastet mit täglicher Sichtkontrolle, Zaunkontrolle und Wasserbottich auffüllen.

    Die Kanada-Goldrute ist ein invasiver Neophyt, der dichte Dominanzbestände bildet und damit Artenvielfalt unterdrückt. Die Pferde fressen die Goldrute nicht, aber dafür machen sich die Schafe darüber her, sie sind somit ein wichtiges „Tool“ bei unserer Weidepflege.

    Ansonsten fressen Schafe mit ihren kleinen Mäulchen, der gespaltenen Oberlippe und ihrer Zahnstellung noch selektiver als Pferde. „Aufgrund der Zahnstellung werden die Pflanzen tief am Boden abgebissen und oft auch die für die Regeneration wichtigen Basalteile mit erfasst.“ (Dierschke & Briemle, Kulturgrasland).

    Was auf unseren Flächen ein Vorteil ist, wenn die Kanada-Goldrute zurückgedrängt werden soll, kann jedoch nicht per se empfohlen werden, wenn man artenreiche Pferdeweiden entwickeln möchte. Denn Schafe fressen bei einer Standweide bevorzugt Kräuter und führen damit auf Dauer zu einer Vergrasung der Flächen. Eine Beweidung mit Schafen im Sinne des Naturschutzes geht in der Regel von einer Hüte- oder Koppelhaltung in relativ hoher Dichte und für kurze Zeit aus. Damit hat man einen Effekt wie bei einer Mahd, beispielsweise in hügeligem, gehölzreichen und nicht mähfähigem Gelände und die Schafe haben dann keine Gelegenheit so stark zu selektieren.

    Wenn man darüber nachdenkt, Schafe selbst zu halten, muss man sich auch überlegen, dass sie eigene „Bedürfnisse“ an die Zäune haben. Zwei oder drei stromführende Litzen wie bei Pferden reichen nicht aus, man braucht Elektronetze, die man immer wieder umstecken muss. Eine gemeinsame Haltung mit Pferden ist sicherlich möglich, wenn man sie aneinander gewöhnt. Wir haben damit noch keine Erfahrung gesammelt, weil die Schafe immer nur kurzzeitig bei uns sind. Aber ich kann mir vorstellen, dass es für die Schafe ein großes Verletzungsrisiko im Zusammenleben mit den Pferden gibt.

    Außerdem müssen Schafe mindestens einmal im Jahr geschoren werden und es gibt kaum Verwendungsmöglichkeiten für die Wolle, die also entsorgt werden muss. Nur ein paar besondere Enthusiasten wie Marco Scheel verarbeiten Schafwolle im und mit großem Stil.

  • Jakobs-Kreuzkraut

    Jakobs-Kreuzkraut

    Na wunderbar, noch so ein Kandidat…

    Obwohl ich letztes Jahr alle Rosetten des Jakobs-Kreuzkrautes rausgezogen habe, zumindest die ich gesehen habe, hat sich mindestens die doppelte Menge mit schönen Blüten und durchaus vielen Schmetterlingen daran etabliert. Nun möchte ich mich ja an Artenvielfalt auf unseren Weiden erfreuen und jede Blüte ist für Insekten willkommen in unserem sonstigen Einheitsbrei aus Glatthafer, Kanada-Goldrute und Landreitgras. Aber müssen es ausgerechnet Graukresse, Frühlings- und Jakobs-Kreuzkraut sein, die für einen Blühaspekt sorgen?

    Wir haben diese Fläche vor zwei Jahren neu eingerichtet, d.h. einen eingewachsenen Wildzaun abgebaut, einen Weidezaun aufgebaut und Müll sowie Schläuche einer Tröpchenbewässerung abgesammelt. Da die Fläche erst in Form einer Gärtnerei genutzt wurde und dann jahrelang brach lag, ist sie eigentlich nicht als Grünland oder Pferdeweide geeignet. Sie konnte bislang nur gemulcht werden, im Wechsel wegen Graukresse, Frühlings-Greiskraut, Graukresse, Frühlings-Greiskraut usw.

    Aber zumindest ein Teil mit Landreitgras und Kanada-Goldrute kann beweidet werden und ich dachte, ich falle hinten über, als ich sah, dass sich in diesem Teil ausgerechnet das Jakobs-Kreuzkraut breit macht. Noch ist die Anzahl an Individuen überschaubar und lässt sich schnell per Hand rausziehen. Es kam ein 80 Liter Müllsack mit Jakobs-Kreuzkraut zusammen, aber mehr sollte es nicht unbedingt werden. Wie schon letztes Jahr beschrieben, muss die Strategie hier ganz klar lauten: Wehret den Anfängen!

    Gleichzeitig möchte ich dafür plädieren, nicht in völlige Panik zu verfallen, es ist weder notwendig, die ganze Fläche zu mulchen, noch irgendein Gift zu spritzen, so lange es sich um Einzelexemplare handelt. Ich werde oft gefragt: „Na fressen die Pferde das denn?“ Da kann ich ich nur mit einem eindeutigen JEIN antworten. Nach meiner Beobachtung auf anderen Pferdeweiden, auf denen Assan bislang stand, wurde das Jakobs-Kreuzkraut bis in den Hochsommer gemieden, konnte aussamen und wurde dann doch gefressen, wenn alles andere abgenagt war… Das befördert die Ausbreitung natürlich noch, zumal Jakobs-Kreuzkraut auch sehr trittresistent ist.

    In dieser Zeit hatte Assan auch schlechte Leberwerte. Aber es ist eben wie mit Alkohol und das ist es ja, was in den Kreuzkräutern drin steckt (Alkaloide): Die Dosis macht das Gift, jeder verträgt andere Mengen und wieviel Kreuzkräuter müssen Pferde fressen, bis sich die Leber nicht mehr regenieren kann? Dass sich Alkaloide ansammeln und nicht mehr abgebaut werden, kann ich nicht bestätigen, denn Assans Leberwerte haben sich wieder verbessert, als er auf einen anderen Hof kam.

    Viele Pferde werden importiert, kennen die Pflanzen hier nicht, werden hin- und hergestellt, wachsen in der Regel nicht in Herden auf vielfältigen Weiden auf, leben nicht in Familienverbänden. Sie haben somit keine Chance sich ein traditionelles Wissen über ihren Lebensraum, seine Ressourcen und welche Pflanzen giftig sind etc. anzueignen. Und dann staunt man immer wieder, wie ursprünglich unsere Hauspferde dann doch sind und ich bin davon überzeugt, dass sie in der Wildnis überleben könnten, wenn man alle Zäune aufmacht. Pferde meiden in der Regel Giftpflanzen, wenn sie genug Auswahl haben und wenn sie doch mal hier und da naschen, muss man sich keine Sorgen machen, dass sie davon gleich tot umfallen.

    Aber im Blick sollte man die Giftpflanzen schon haben, ihre Ausbreitung verhindern und lieber für ein artenreiches Grünland sorgen, dass auch für die Pferde gesünder ist:

    • Angepasstes Weidemanagement mit einer Vermeidung von Unter- oder Überbeweidung, beispielsweise in Form einer Umtriebsbeweidung
    • Mischbeweidung, beispielsweise mit Rindern (anderes Fraßverhalten)
    • Pflegemahd von Teilflächen
    • Aushagerung zur Förderung von Artenvielfalt durch Beweidung und/oder Mahd
    • keine Düngung, denn Stickstoffeinträge gibt es schon genug aus der Luft

  • Graukresse 4.0

    Graukresse 4.0

    Hier kommt das jährliche Update zur Entwicklung der Graukresse auf unserer Hauptweide bzw. Winterkoppel. Seit 2020 geht diese Fläche zur Erholung der Grasnarbe in eine Sommerpause, d.h. der Beweidungsdruck durch die Pferde wird hier runtergenommen. Dafür wird sie – quasi als Erfrischungskur – vor der Samenreife der Graukresse gemulcht.

    Dabei zeigt sich, dass die Pflegemaßnahmen der letzten Jahre tatsächlich zur Eindämmung der Graukresse geführt haben. Denn zum Glück ist sie zweijährig, d.h. die Pflanze stirbt nach der Samenreife im zweiten Jahr ab und es macht durchaus Sinn, sie vorher rauszureißen, zu mähen oder zu mulchen. Man wird immer noch ein großes Samenpotential im Boden haben, aber es scheint wirklich eine gute Methode zu sein, um diese Giftpflanze auf Dauer in Schach zu halten. Hier ein Vergleich der Entwicklung im Laufe der Jahre:

    Juli 2019
    Juli 2021
    Juli 2023

    Die reichhaltigen Niederschläge der letzten Monate haben außerdem zu einer üppigen Vegetationsentwicklung mit Schafgarbe, Hundskamille, Hundszunge, Ochsenzunge, Malve, Wegwarte, Natternkopf, Lichtnelke, Luzerne etc. gesorgt. So bleibt der Graukresse auch nicht mehr viel Platz und sie kann ihren Konkurrenzvorteil, dass sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist, nicht mehr ausspielen. An einer Stelle hat sich sogar Wiesen-Flockenblume etabliert, darüber hab ich mich besonders gefreut. Sie ist vermutlich aus Saatgut hervorgegangen, dass ich mal vor zwei Jahren ausgebracht hatte. Aktuell macht es wirklich viel Freude über unsere Hauptweide zu laufen, denn überall fliegen Wildbienen und Schmetterlinge umher, saugen an den Blüten und die Heuschrecken zirpen dazu. Es wäre deshalb auch ökologischer Wahnsinn, in diese Fülle reinzumulchen.

    Und zum Glück sind die Stellen mit Graukresse überschaubar geworden und können entweder mit Freischneider oder Sense partiell gemäht oder einzeln per Hand rausgezogen werden. Vor allem jetzt, wo der Boden noch gut feucht ist, kann man die Pflanzen mit Wurzel rausziehen und hat teilweise ganze Büschel in der Hand. Dadurch haben wir eine weitgehend Graukressenfreie und dennoch blütenreiche Hauptweide. So kann sich nun im vierten Jahr seit Beginn dieser Maßnahmen Artenvielfalt auf der Pferdeweide ohne „Insektenschreddern“ entwickeln.