Unsere Flächen sind extrem nährstoffreich, was sich an dem massenhaften Vorkommen von Stickstoffzeigern wie Brennnessel, Sauerampfer, Kanada-Goldrute und Glatthafer zeigt.
Woran liegt das? Wir düngen nicht, außer natürlich in Form von Dunghaufen. Wenn man jedoch keine großen Menge Heu zufüttert, hat man theoretisch eine „negative“ Nährstoffbilanz, da die Biomasse durch die Weidetiere verstoffwechselt wird und man langfristig eine Aushagerung herbeiführt.
Eines der größten Herausforderungen im Naturschutz ist jedoch die Überdüngung der Landschaft mit Stickstoffeinträgen aus der Luft. Eine Aushagerung in Form von Mahd und Beweidung zur Förderung der Artenvielfalt kann somit Jahre dauern und man braucht anscheinend viel Geduld…
Wenigstens ist die Brennnessel gesund, weil sie viele Vitamine, vor allem viel Vitamin C und Mineralien wie Calcium, Kalium, Magnesium und Natrium enthält. Sie wird nur aufgrund der Brennhaare vom Weidevieh gemieden und in der Regel erst bei Frost abgeweidet. Man kann jedoch sehr leicht nachhelfen, in dem man die Brennnesselhorste abschneidet und das Material einfach liegen lässt. Ich verwende dafür eine Sense, was jedoch nicht so entscheidend ist, womit man die Brennnessel abschneidet. Letztlich geht es nur darum, dass die Brennnessel leicht angewelkt ist. Schon wenige Zeit später machen sich die Pferde darüber her und genießen einen gesunden Snack.
Aber keine Sorge, es bleiben immer noch genug Raupenpflanzen für das Tagpfauenauge übrig, das dann im Herbst gern an den Blüten der Kanada-Goldrute saugt. Und das ist wieder ein schönes Beispiel dafür, dass es nie darum geht, etwas komplett „auszurotten“, sondern eher darum ein Mosaik an verschiedenen Habitaten zu fördern. Hier und da nachhelfen, aber auch mal nichts zu tun und abwarten, was von Natur aus passiert.
Mein absoluter Endgegner ist die Kanada-Goldrute – ich habe ihr schon viele Blogeinträge gewidmet und im Folgenden wird es um die Dokumentation der bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung dieser invasiven Pflanzenart gehen.
Kanada-Goldrute ist in Massen giftig und wie immer gilt: die Dosis macht das Gift. Die Pferde fressen sie nur vereinzelt, aber sie ist ein Platzräuber für Futterpflanzen und Artenvielfalt, da sie bis zu 100 Prozent Deckung einnehmen kann. Mit ihren mächtigen Streuschichtauflagen aus ihrer eigenen (im Winter) abgestorbenen Biomasse schaltet sie jegliche Konkurrenz anderer Pflanzenarten aus und wer ihre Wurzeln betrachtet, versteht, dass man den kompletten Oberboden abtragen müsste, um sie dauerhaft loszuwerden. Ansonsten kann man sie nur durch ständigen Nutzungdruck schwächen, in ihrer Deckung eindämmen und kann gewiss sein, dass sie die gesamte Fläche wieder zurück erorbern wird, wenn der Nutzungsdruck nachlässt.
Eine Mahd kommt nicht in Frage, weil das Mahdgut nicht verfüttert werden kann und eine Entsorgung neben den Kosten für die Mahd ökonomisch für uns nicht tragbar ist. Deshalb bleibt nur eine Beweidung mit Schafen, welche die Goldrute fressen und/oder Mulchen.
Um den Erfolg der Pflegemaßnahmen zu dokumentieren, habe ich ein Transekt (=Untersuchungslinie) quer über die Fläche mit der höchsten Deckung an Kanada-Goldrute eingerichtet. Alle 20 m erfolgt eine Vegetationsaufnahme auf einem Quadrat mit 2mx2m, mit insgesamt elf Aufnahmeflächen. Ich habe die Vegetationsaufnahmen im phänologischen Frühsommer (=Holunderblüte) im Jahr 2020 durchgeführt und dieses Jahr im Frühsommer zum Vergleich wiederholt.
Erfreulich ist immerhin, dass die Gesamtartenanzahl von 37 auf 48 und die mittere Artenanzahl von zehn Arten auf 15 Arten pro Aufnahmefläche im Vergleich der Jahre 2020 und 2023 zugenommen hat. Was das bedeutet zeige ich an einer Beispielaufnahme, dem Transektpunkt 4. Bereits auf den Fotos kann man erkennen, dass die Kanada-Goldrute weniger Platz einnimmt und die Gräser zugenommen haben.
Vegetationsaufnahme auf dem Transektpunkt 4 am 01.06.2020
Vegetationsaufnahme auf dem Transektpunkt 4 am 27.05.2023
Ich habe die Deckung der Kanada-Goldrute im Jahr 2020 auf 65-75% geschätzt und in diesem Jahr auf weniger als fünf Prozent. Dafür haben Glatthafer und Wiesen-Rispengras zugelegt und es sind acht Pflanzenarten (blau markiert) dazu gekommen. Weggefallen ist der Mohn, der zwar recht hübsch ist, sich aber als ein- bis zweijährige Segetalart (=Ackerwildkraut) auf Dauer nicht halten kann.
Besonders gefreut habe ich mich über Wiesen-Margarite, die ich in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Fläche gefunde habe, auch wenn sie nicht innerhalb der Aufnahmeflächen vorkam. Sie ist eine typische Art der Wiesen und Weiden, hier zu sehen mit Trauer-Rosenkäfer, der sich im Zuge der Erderwärmung nach Norden ausgebreitet hat.
Im Folgenden eine Gesamtartenliste der Vegetationsaufnahmeflächen (nicht der gesamten Weidefläche) in den Jahren 2020 und 2023. Gelb sind Neophyten und grün sind Kennarten für artenreiches Grünland markiert. Nach den Roten Listen für Deutschland und Brandenburg gefährdete Pflanzenarten konnten bei uns noch gar nicht gefunden werden und auch sonst sind die Flächen noch weit entfernt „artenreich“ zu sein. Aber ein Anfang ist gemacht 🙂
Ich hatte schon in den letzten beiden Jahren den Eindruck, dass es im Frühjahr überdurchschnittlich viel Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis) gibt. EineTheorie für diese starke Ausbreitung ist, dass die Grasnarbe durch die trockenen Jahre so lückig geworden ist, dass vor allem ephemere Pflanzen, also einjährige Acker-(Un)-Kräuter wie eben das Frühlings-Greiskraut oder auch der (ungiftige), rosa blühende Reiherschnabel (Erodium cicutarium) gute Keimbedingungen vorfinden, wenn es im Frühjahr regnet.
Aber dieses Jahr „sehe ich nur noch gelb„, vor allem an Straßenböschungen, auf sandigen Brachen und auch auf Pferdeweiden…
Das Frühlings-Greiskraut ist ein Korbblütler (Familie Asteraceae) mit gelben Zungen- und Röhrenblüten, oft rötlich angelaufenem Stängel und spinnenweb-artig behaarten Blättern. Wie alle Kreuzkräuter (Gattung Senecio) enthält es Alkaloide, also ein Gift, dass auf Dauer die Leber schädigt.
Ich bin froh, dass wir auf einer unseren Flächen schon in den letzten beiden Jahren Maßnahmen wie Mulchen und Rausreißen per Hand ergriffen haben. Denn es gibt eine Hoffnung: wenn man den Samenaustrag dieser einjährigen Kräuter verhindert, verringert man die Samenlast im Boden für das kommende Jahr und vermeidet die weitere Ausbreitung durch Wind. Dabei sollte man möglichst früh – vor der Büte – mulchen, weil das Frühlings-Greiskraut wohl in der Lage ist, ihre Samen noch nachreifen zu lassen.
Mulchen Mai 2021
Entfernen per Hand Mai 2023
Frühlings-Greiskraut im Hintergrund und Reiherschnabel im Vordergrund
Es ist natürlich frustrierend, wenn man großflächig Frühlings-Greiskraut auf seinen Flächen hat und es unmöglich ist, alles per Hand rauszureißen. Bei unseren kleinen Flächen ist das noch mit ein paar Helfern machbar, weil es bislang nur auf ca. einem Hektar neu eingerichteter Weide vorkommt. Es lässt sich auch sehr gut per Hand rausziehen, da es kaum ausgebildete Wurzeln hat und der Boden aktuell noch gut feucht ist.
Was aber völlig nach hinten losgehen kann, ist Gift zu spritzen oder ein kompletter Umbruch mit Neueinsaat. Bei uns kommt das ohnehin nicht in Frage. Zum Einen sind wir bio-zertifiziert und zum Anderen bräuchte man eine Ausnahme-Genehmigung für einen Grünlandumbruch.
Außerdem schafft man dadurch ein noch größeres Saatbett für genau solche ein- bis zweijährigen Arten der nährstoffreichen, ruderalen Pionierstandorte bzw. für Acker-Unkräuter. Es gibt kein selektiv wirkendes Gift gegen Frühlings-Greiskraut, man würde damit alle krautigen Pflanzen auf der Weide vernichten und noch mehr kahle Stellen schaffen.
Das Ziel sollte eher (wie auch beim Jakobs-Kreuzkraut und der Graukresse) sein:
Statt einem Winter haben wir einen ewigen November. Milde Temperaturen und Regen machen die Heustelle zur Schlammschlacht.
Im Dezember war die Heustelle so matschig, dass man nicht mehr abäppeln konnte und die Pferde im Schlamm stehen mussten. Deshalb sah ich mich gezwungen, die Heuraufen auf die Weide zu stellen. Natürlich sehr zur Freude der Pferde und Besitzer. Weil es zu weite Wege zum abäppeln waren, habe ich die Heustelle nach dem Umstellen nur abgeschleppt und die Pferdehaufen auf diese Weise verteilt.
Die Heuraufen an ihrem eigentlich zugedachten Platz
Die Heuraufen auf der Jägerwiese
Die Heuraufen auf der Fuchswiese
Die Nachteile sind jedoch, dass man die Grasnarbe schädigt, den Parasitendruck erhöht und punktuell einen hohen Nährstoffeintrag hat, der schon wie beschrieben, der Feind der Artenvielfalt auf der Weide ist. Aber vielleicht hat man auch etwas Glück und Samen aus dem Heu bereichern unsere Pferdeweiden? Dann hätte es noch einen Mehrwert, neben trockenen Hufen 🙂
Nach zweimaligen Umstellen habe ich die Heuraufen wieder dichter an den Hof geholt. Nun heißt es wieder abäppeln, aber das Problem geht natürlich wieder von vorn los. Schnell ist der Bereich um die Heuraufen matschig geworden und so habe ich sie wieder umgestellt und die Matschstelle glatt gezogen. Ich weiß aktuell nicht, wie wir weitermachen können, ohne zu viel Weidefläche zu opfern und gleichzeitig eine Schlammschacht zu vermeiden. Vielleicht müssen wir doch über Paddockplatten nachdenken. Jetzt soll ersteinmal Frost kommen, der uns hoffentlich etwas Zeit verschafft…
Herzlich willkommen Lenia und Finola! Ab sofort unterstützten uns diese zwei wunderschönen Fjäll-Rind-Färsen bei der Weidepflege.
Fjäll-Rinder sind eine robuste, kleinrahmige und vom Aussterben bedrohte Haustierrasse aus Schweden, die es wohl schon zur Wikingerzeit gegeben hat. Im Vergleich zur modernen Hochleistungskuh können Robustrinder auch auf kargen Weiden hinreichend Futter finden.
Der Vorteil einer Mischbeweidung mit Rindern ist vor allem das unterschiedliche Fraßverhalten von Pferden und Rindern. Eine reine Pferdebeweidung ohne andere Weidetiere oder einer Pflegemahd führt auf Dauer zu einer Verschlechterung des Grünlandes mit Ausbreitung von Gift- und „Problempflanzen“, wie bei uns der Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) oder der Graukresse (Berteroa incana).
Denn Pferde können mit ihren Schneidezähnen die Vegetation extrem tief verbeißen, fressen dadurch sehr selektiv und ungeliebte Pflanzen können sich ausbreiten. Rinder hingegeben rupfen die Pflanzen mit ihrer Zunge ab und haben dadurch ein anderes Nahrungsspektrum.
Und so ist der Plan, dass Finola und Lenia dabei helfen die Weiden artenreicher zu gestalten und die Dominanzbestände mit Glatthafer (Arrhenatherum elatius) und Kanada-Goldrute aufzulichten. Glatthafer ist zwar ein gutes Futtergras im Heu, wird aber am Halm von unseren Pferden komplett gemieden und so musste ich die Glatthafer-Fläche entweder „runtermulchen“ oder mähen. Da wir aber keine entsprechende Technik dafür besitzen, haben wir die Fläche letztes Jahr per Hand mit Sense und Freischneider gemäht. Auch wenden konnten wir noch selbst, aber auf den Schwad legen und Ballen pressen, dafür musste dann doch ein benachbarter Bauer vorbeikommen. Aber er sagte, das war das erste und das letzte Mal, weil die Fläche zu uneben und klein ist…. Außerdem muss man eine Fläche, die man mähen möchte, entsprechend lange vorhalten, damit keine Pferdeäppel in die Ballen eingearbeitet werden. Will sagen, alles nicht so leicht.
Und die Kanada-Goldrute kann man tatsächlich nur mulchen, sie ist nicht als Futter geeignet, ein Platzräuber und mit ihrer Eigenschaft dichte Dominanzbestände zu bilden verhindert sie die Entwicklung von Artenvielfalt auf der Pferdeweide.
Da aber nun unser Mulcher kaputt ist und beim mulchen zum Einen die Biomasse liegen bleibt und Insekten sowie alle Kleinstlebewesen mitgeschreddert werden, musste eine andere Lösung her – deshalb die Mischbeweidung mit Rindern 🙂
Ein weiterer großer Vorteil ist neben der Weidepflege die Weidehygiene, sprich das Eindämmen von Magen-Darm-Parasiten wie beispielsweise Strongyliden. Rinder fressen an den sogenannten „Geilstellen“ der Pferde, also die Bereiche, an denen Pferdeäppel liegen und die Wurmlarven in den Grasspitzen darauf warten gefressen zu werden. Wenn Pferde die Möglichkeit haben meiden sie diese Bereiche enstprechend. Aber Rinder können die Magen-Darm-Parasiten der Pferde getrost mitfressen, weil diese in dem falschen Wirt nicht gedeihen können. Und auch anders herum können die Pferde die Würmer der Rinder mitfressen und beide Weidetiere halten auf diese Weide den Parasitendruck auf der Weidefläche niedrig.
Soweit die Theorie, wie es sich bewähren wird, diese zwei Schönheiten mitlaufen zu lassen, werden wir sehen und ich werde sicherlich noch viel von Finola und Lenia berichten.
Erst einmal sind sie auf einer separaten Fläche, um sich einzuleben. Eine Integration in die Herde ist – wie schon beschrieben – nicht mehr so leicht, außerdem brauchen sie ihre eigene, kleinere Heuraufe, vor allem ohne Heunetz und sie können nicht aus dem großen Wasserbottich oder den hohen Tränken der Pferde saufen. Es bleibt mal wieder spannend am Ponyhof.
Mein Ziel ist vor allem die Förderung der Artenvielfalt durch eine Umtriebsbeweidung und durch das Zurückdrängen von Dominanzbeständen der Kanada-Goldrute, Brennessel und Graukresse.
Seit zwei Jahren versuche ich eine kräuter- und blütenreiche Weide zu etablieren, um mehr Artenvielfalt innerhalb der Pflanzenzusammensetzung und in der Folge natürlich auch bei Insekten, Brutvögel oder Fledermäusen zu erreichen. Da eine Neueinsaat aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommt, kann man nur auf das setzen, was die Samenbank des Bodens hergibt. Dabei braucht die Entwicklung von Artenvielfalt Zeit und Kontinuität, sie lässt sich nicht von heute auf morgen erzwingen. Deshalb muss ich mich in Geduld üben und an den kleinen Dingen erfreuen wie beispielsweise einzelne Blühaspekte mit Weißer Lichtnelke, Flockenblume, Wegwarte, Rainfarn oder Strandkamille:
Um die Entwicklung der Flächen zu dokumentieren, habe ich im September 2019 bestimmte Fotopunkte festgelegt. Ansonsten könnte man sich immer die Filetstückchen raussuchen, die besten Fotorichtungen -oder einstellungen wählen und die „Schmuddelecken“ weglassen.
Die größte Herausforderung dieses Jahr war natürlich die Dürre. Unsere Flächen konnten sich erst im September nach ergiebigen Regenfällen wieder erholen. Das folgende Fotopaar zeigt beispielsweise unsere Hauptweide, die am meisten beansprucht wird. Sie muss im Winter genutzt werden, damit die Pferde Zugang zur beheizbaren Tränke und dem Unterstand haben. Hier versuche ich die Pferde zumindest im Sommer so lange wie möglich fernzuhalten und die Fläche einmal vor der Samenreife der Graukresse zu mulchen. Dabei ist nach dem Mulchen (bis vor kurzem) nichts nachgewachsen, aber zumindest der Vogelknöterich vermag die Fläche wieder grün erscheinen zu lassen…
Hauptweide September 2019
Hauptweide September 2022
Tja und da haben wir auch schon eine Schmuddelecke, die sich im folgenden Bildpaar zeigt. Denn irgendwo nimmt man zwar den Beweidungsdruck weg, aber irgendwo müssen die Pferde auch fressen können und wir mussten schon ab Juli Heu dazufüttern. Diese Fläche wird in einem Teilbereich von Brennnessel und Kanada-Goldrute und in einem Bereich von Glatthafer dominiert. Die Teilfläche mit dem Glatthafer haben wir gemäht und zwei kleine Heuballen generieren können. Teilbereiche mit Kanada-Goldrute habe ich gemulcht, aber auch bewußt Streifen stehen lassen. Die Kanada-Goldrute ist mit ihren gelben Blüten gut auf den Fotos zu erkennen.
Skuddenwiese September 2019
Skuddenwiese September 2022
Wir haben die Heuraufen insgesamt dreimal umgestellt und die Heustellen danach abgeschleppt, weil wir noch nicht mit abäppeln anfangen wollten. Ab heute kommen die Heuraufen in die Nähe der Mistplatte und dann beginnt wieder die Zeit mit täglichem Abäppeln….
Folgender Blickwinkel zeigt die Grenze zwischen der Fuchswiese auf der linken Seite des Zauns und der Jägerwiese auf der rechten Seite. Man kann erkennen, dass die Kanada-Goldrute nicht mehr vollständig dominiert und die Bestände zumindest aufgelockert wurden. Hier war dieses Jahr die einzige „Pflege“ die Beweidung mit den Pferden und ein abschleppen der Heustellen. Weitere Maßnahmen wie Mulchen oder Beweidung mit anderen Weidetieren haben leider nicht geklappt, aber es wäre auch ohnehin nichts mehr nachgewachsen….
Fuchs- und Jägerwiese September 2019
Fuchs- und Jägerwiese September 2022
Die folgenden Bildpaare zeigen ebenfalls die Jägerwiese, wobei ich die Fotos im Jahr 2019 noch von einem Hochstand aus machen konnte. Der Hochstand wurde in der Zwischenzeit entfernt, weil die Wildschweine keine Deckung mehr in der hohen Vegetation finden können und sich die Jagd auf unseren Flächen nicht mehr lohnt.
Jägerwiese September 2019
Jägerwiese September 2022
Jägerwiese September 2019
Jägerwiese September 2022
Und zu guter Letzt unsere Dreieckswiese, die als einzige Fläche keine „Problempflanzen“ aufweist. Damit das auch so bleibt, können die Pferde hier nur zweimal im Jahr für ca. eine Woche bleiben. Aber es gibt auch immer wieder Zwänge wie die Integration neuer Pferde oder aktuell die Seperation eines erblindeten Pferdes, die eine Nutzung dieser Fläche notwendig machen.
Dreieckswiese September 2019
Dreieckswiese September 2022
Wie auch in den Jahren 2020 und 2021 hat nicht alles geklappt, was ursprünglich geplant war, es gab neue Herausforderungen und man musste flexibel reagieren. Aber langsam und kontinuierlich versuche ich weiter die Ziele umzusetzen.
Wie in dem berühmten Disney Klassiker, in dem alles zu neuem Leben erweckt wird, wenn es nach lang anhaltender Dürre regnet, so werden auch unsere Weiden wieder lebendig…
Man kann es sich nicht vorstellen, dass jemals wieder etwas wächst, wenn man über die vollkommen vertrockneten Flächen geht und nur noch Heuschrecken umherspringen. Keine Blüten, keine Tagfalter, Bienen oder sonstigen Insekten, alles ist braun, trostlos und man kommt sich vor, wie in einer Steppen- oder Wüstenregion. Die Bäume haben angefangen, Laub abzuwerfen und man macht sich ernsthafte Sorgen, um die schattenspenden Pappeln und anderen Gehölze. Die Bäume und Sträucher spenden nicht nur Schatten, sie schaffen auch durch Verdunstung ein kühleres Mikroklima und brechen den Wind, der die Flächen zusätzlich zur brennenden Sonne austrocknet. Ohne sie wäre die Hitze noch unerträglicher auf den Weiden. Ich hoffe, dass uns die Pappeln noch lange erhalten bleiben.
Und es ist natürlich auch ein ökonomischer Schaden, wenn man schon im Juli Heu füttern muss, obwohl man mit der Flächengröße über den ganze Sommer kommen sollte. Gleichzeitig ist der zweite Schnitt komplett ausgefallen und ich bin froh, dass uns unser Heulieferant im September überhaupt noch mal Heu bringen kann…
Nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Tage wird nun alles wieder grün. Wegwarte, Schafgarbe, Ochsenzunge und Weiße Lichtnelke blühen und es kehrt das Leben auf unseren Weiden zurück. Dann staunt man wieder, mit welcher Kraft, sich die Natur auch wieder erholen kann.
Die folgenden Bilder zeigen drei unserer Flächen im Vergleich vom 07.08.2022 und dem 30.08.2022. Zum Einen werden sie wieder grün und zum Anderen sind die Pappeln ziemlich ausgedünnt.
Lang anhaltende Dürrephasen und Hitze, im Wechsel mit Starkregen ist das neue Normal und wir müssen lernen damit umzugehen. In Bezug auf unsere Weiden ziehe ich die Leere aus diesem Sommer noch schonender mit der Grasnarbe umzugehen und Flächen für den Juli, August vorzuhalten. Und wenn es sein muss, die Vegetation sogar zu Rohfaser werden zu lassen und nicht vorher zu mulchen. Denn die Pferde haben durchaus alles gefressen, auch wenn sie Heu hatten, wurde noch jeder vertrocknete Halm abgegrast.
Das war für mich wirklich eine neue Erfahrung und alles Lehrbuchwissen, dass man im Juni den „Heuberg“ abschöpfen muss, schon allein um wieder frisch nachwachsende Flächen zur Verfügung zu stellen, funktioniert nicht mehr. Gleichzeitig braucht man eine gewisse Pflege durch Mahd, Mulchen oder Beweidung mit anderen Weidetieren, um die Ausbreitung von unbeliebten Pflanzen wie Graukresse, Kanada-Goldrute oder Sauerampfer und den Parasitendruck einzudämmen.
Eine Lösung für dieses Problem fällt mir aktuell nicht ein…
Wir haben das vierte Dürrejahr in Folge und es ist bereits seit Mitte Juni alles vertrocknet auf unseren Weiden….
Hoffnung, dass es noch mal hinreichend regnet und unsere Weiden noch mal grün werden, habe ich mittlerweile nicht mehr und wir mussten schon anfangen mit Heu zuzufüttern. Bereits im Jahr 2020 war bei uns im August alles verbrannt, aber dieses Jahr ist schon ab Juni alles gelb geworden und seither so gut wie nichts mehr nachgewachsen.
Dabei haben die Pferde trotz Heuangebot auch alles vertrocknete Gras gefressen, haben sogar die Brennnesseln, den Rainfarn und teilweise sogar die Kanada-Goldrute beknabbert.
Mein Plan, einen Teil der Wiesen im Juni zu mähen, zu Mulchen oder von anderen Weidetieren abfressen zu lassen, hat dieses Jahr wieder nur so semi gut geklappt. Rinder und Schafe ausleihen funktionierte leider nicht, dafür haben wir zumindest einen Teil mähen können, um etwas Heu zu gewinnen und unsere Hauptweide haben wir mulchen lassen. Das Ziel dabei ist, dass das Gras nicht überständig wird und in der Rotation der Flächen immer wieder „frische“ Weiden angeboten werden können. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn es auch mal regnet….
Schweren Herzens habe ich die Pferde nun auf unsere Winterkoppel gelassen, die eigentlich im Sommer geschont werden soll. Wie im letzten Beitrag beschrieben, haben wir nach zwei Jahren Pflege eine halbwegs vernünftige Grasnarbe wiederherstellen können, die nun wieder mehr beansprucht wird, als vorgesehen war. Es ist ja nichts so beständig wie die Planänderung und immer wieder muss man flexibel auf die sich ändernden Rahmenbedingungen reagieren. Um unsere Heureserven noch für den Winter zu schonen, lassen wir die Pferde noch mal auf allen Weiden rotieren, in der Hoffnung, die Heufütterung noch so lange es geht hinauszuzögern.
Dabei sind unsere Ponys alle wohlgenährt und müssen vielleicht auch nicht immer das grünste Gras fressen? Nach dem Aussamen ziehen die Pflanzen ihre Nährstoffe in den Boden zurück und werden zu reiner Rohfaser, quasi „Heu auf dem Halm“, nur ohne Nährwert. Es sei denn, die Pflanzen werden in ihrem Wachstum durch mähen, mulchen oder abweiden unterbrochen und wachsen wieder nach.
Aber dieses System funktioniert bei Dürre nicht mehr und vielleicht muss man es hinnehmen, dass die Pferde auch an den vertrockneten Pflanzen knabbern können, ohne gleich abzumagern. Schließlich sind sie wahre Wunder der Natur, beste Futterverwerter und können auch noch aus vertrockneten Pflanzen hinreichend Nährstoffe aufnehmen, wie man beispielsweise hier nachlesen kann.
Es gab bereits einige Beiträge zum leidigen Thema Graukresse – aber nun auch mal was positives 🙂
Unsere Winterkoppel wird seit zwei Jahren im Sommer konsequent vor den Pferden verschont und nur 1x gemulcht, um eine geschlossene Grasnarbe wieder herzustellen, den Parasitendruck einzudämmen und vor allem die Graukresse zurückzudrängen. Mittlerweile konnte sie sichtlich eingedämmt werden und es sind nur noch Einzelexemplare, die man per Hand rausreißen kann. Hier mal zwei Ansichten in Richtung Unterstand im Jahresvergleich:
Juli 2022
Juli 2022
Juli 2019
Juli 2019
Wie bereits in anderen Beiträgen beschrieben ist die Graukresse eine neophytische, also eingewanderte Art, die vor allem auf nährstoffreichen Unkrautfluren wie Ackerbrachen oder eben übernutzten Pferdenweiden Fuß fassen kann. Dabei profitiert sie von den Dürreperioden, weil sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist und damit einen Konkurrenzvorteil hat. Eine Pflanze kann außerdem bis zu 7000 Samen produzieren. Sie kann sich mit Samen und auch vegetativ ausbreiten und bildet im ersten Jahr Rosetten aus, die überwintern und extrem trittresistent sind. Im zweiten Jahr, ab Juni bildet sie dann ihre Schötchen mit den Samen aus. Sie ist zweijährig, d.h. nach dem Aussamen stirbt die Pflanze ab!
Sie ist damit eine typische Pionierart auf Rohböden, quasi eine R-Strategin, die ihre Hauptressourcen in eine hohe Reproduktionsrate steckt. R-Strategen können in der Regel neue Lebensräume, wie beispielsweise offene Bodenstellen rasch besiedeln, werden sich aber unter Konkurrenz nicht lange halten können. Will heißen, in gepflegtem Dauergrünland hat sie weniger Chancen sich auszubreiten und es lohnt sich, sie am Aussamen zu hindern.
per Hand ausstechen, Juli 2020
Mulchen Juli 2021
Mulchen Juni 2022
Man wird die Graukresse nie ganz loswerden, weil auch immer neue Samen einfliegen werden, aber zumindest konnten wir sie mit der Pflege auf unserer Hauptweide eindämmen. Was nun allerdings fehlt ist Regen….
Aktuell ist wieder die Zeit, in der man nicht hinterher kommt die Zäune frei zu mähen.
Wir haben sechs Flächen mit insgesamt zehn Hektar Weiden und 3,7km Zaunlänge – da ist man auf jeden Fall eine Weile unterwegs. Und da das alles nur Hobby ist, kann man das nur an den Wochenenden oder Feiertagen wie Pfingsten schaffen. Gleichzeitig sind wir im Siedlungsbereich, d.h. mit einem Benzin Freischneider hat es schon mal Ärger wegen Lärmbelästigung an Sonn- und Feiertagen gegeben….
Dieses Jahr habe ich nun einen Akku-Freischneider von Makita ausprobiert. Der ist extrem leise und auch sehr viel leichter. Mit den 2×18 Volt 3Ah Akkus war dann aber schon nach 20 Minuten Schluss. Das ist natürlich zu wenig, da würde man mehr hin und her laufen, um den Akku wieder aufzuladen als an den Zäunen weiter zu kommen. Mit 2x 6Ah Akkus bei voller Leistung schafft der Freischneider immerhin 50 Minuten. Und mit dem Sternmesser kann man auch sehr leicht die Brombeeren und Gehölze bis zu einer Stärke von ca. 3cm abschneiden.
Zusätzlich haben wir eine ca. 0,4 Hektar große Teilfläche gemäht, die weitgehend von Glatthafer dominiert wird und an einigen Stellen mit sehr viel Brennnessel durchsetzt ist, was zeigt, wie überdüngt unsere Flächen sind.
Da wir aktuell einen „Futterberg“ haben, den die Pferde nicht abfressen können, muss die Fläche gemäht, gemulcht oder von anderen Weidetieren abgefressen werden. Würde man es stehen lassen, würde das Gras nach dem Aussamen zu reiner Rohfaser, also gelb werden und es würde auch kein Futter mehr nachwachsen…
Aus diesem Grund habe ich letztes Jahr die komplette 1,5 Hektar große Weide gemulcht, was mir aber in der Seele weh tat um das schöne Futter! Außerdem wird die Fläche durch das Mulchen mit noch mehr Nährstoffen angereichert, Insekten und Kleinstlebewesen umsonst geschreddert und der Diesel nur verfahren, damit die Pferde wieder eine „frische“ Fläche haben. Deshalb, eine andere Lösung muss her!
Leider fressen Schafe den Glatthafer auch nicht und mit den Rindern hat es nicht geklappt, so dass nur noch Mähen in Frage kam. Zum Glück hatte ich Hilfe von unserer immer hilfsbereiten Sarah! Allein hätte ich diese Fläche nie bewältigen können und so haben wir im Zweierteam gemäht, einer mit dem Akku-Freischneider und einer mit Sense.
Jaja, das Sensen ist natürlich auch ein Thema für sich. Mit dengeln, wetzen, richtig ansetzen, schwingen lassen etc., aber nach 1,5 Tagen hatte ich das Gefühl, den Dreh fast rauszuhaben. Wenn man möchte, kann man das Schärfen und Arbeiten mit der Sense lernen, beispielsweise beim Sensenverein.
Gestern haben wir die Fläche dann noch mit dem Heuwender bearbeitet und wenn alles gut geht, können wir demnächst Heu daraus pressen lassen 🙂
Die Idee der Verbindung einer – aus meiner Sicht – artgerechten Pferdehaltung mit den Zielen des Naturschutzes ist die Gewährleistung einer ganzjährigen Weidehaltung und dem Einhalten von Ruhezeiten für die Weide. Dabei muss gewährleistet sein, dass die Pferde genügend Futter finden, ohne die Leistung der Weide zu beeinträchtigen und möglichst noch Blühaspekte für Insekten zu schaffen. Das funktioniert bei unserer Anzahl der Pferde und der zur Verfügung stehenden Fläche nur als Umtriebsbeweidung.
Die Pferde sollten möglichst erst dann auf eine neue Fläche kommen, wenn diese eine gewisse Weidereife hat, also einen Aufwuchs von mindestens 15-20cm, damit sie nicht zu eiweiß- und zuckerhaltig ist. Und man muss immer wieder Flächen vorhalten, die nachwachsen können, ohne dass sie zu überständig werden bzw. die Pflanzen nur noch aus Rohfaser bestehen.
Das Ziel ist also eine zeitlich versetzte Nutzung der unterschiedlichen Weideflächen, um sie sinnvoll als Futtergrundlage zu nutzen, ohne sie zu übernutzen und dabei Artenvielfalt zu fördern. Der „Grünlandpapst“ Ernst Klapp (dessen Buch „Wiesen und Weiden“ nur noch via Ebay oder antiquarisch erhältlich ist) empfiehlt dabei Ruhezeiten je nach Standort von 12-50 Tagen. Letztlich gibt es da wohl nur Erfahrungswerte, die jeder selbst sammeln muss. Und was gibt es schöneres, als immer wieder über die Flächen zu laufen, was man ja wegen der Zaunkontrolle ohnehin tun muss, sich den Aufwuchs anzuschauen und sich zu überlegen, wann man welche Fläche wie nutzen sollte?
Weiterhin empfiehlt Klapp (1971, zitiert in Nitsche & Nitsche: Extensive Grünlandnutzung): „Um eine gleichbleibende Weideleistung zu erreichen, ist regelmäßiger Nutzungswechsel notwendig. Ein häufiger Wechsel der Koppel sowie eine eingeschobene Rinderweide, welche die selektive Unterbeweidung ausgleicht, haben sich ebenso wie eine Mahd als günstig für die Erhaltung einer dauerhaften Grasnarbe erwiesen. Die Weide dient dem Pferd nicht nur als Futterfläche, sondern auch als Bewegungsraum.“
Und an dem letzten Punkt sehe ich die günstige Verbindung zum natürlichen Verhalten der Pferde. Nach Zeitler-Feicht (2015, Handbuch Pferdeverhalten) sind Pferde nicht territorial, sondern leben in großen Streifgebieten. Die Größe des Aktionsradius würde in der Natur vom Vorhandensein von Futter, Wasser, Witterungsschutz und Möglichkeiten für Komfortverhalten wie Wälzen, Scheuern etc. abhängen. Und vor allem liegt es in der Natur der Pferde, dass ein Großteil ihrer Bewegung dem Fressen gewidmet ist. Grasen und dabei langsam laufen nimmt in der Regel über 50% bzw. 10-18 Stunden eines Tages ein. Laut Beobachtungen an New Forest Ponys, Camargue-Pferden und Mustangs, also halbwild lebenden Pferden, bewegen sich die Pferde täglich etwa 6-11km. Zeitler-Feicht vermutet dabei, dass sich Araber und Vollblüter unter gleichen Bedingungen mehr bewegen und dass Pferde beim Vorhandensein von ausreichend Nahrung (z.b. Heuraufe), Wasser und Witterungsschutz in der Nähe nur 2-2,5km bewegen würden.
Bei Assan kann ich das nicht bestätigen. Seine individuelle Tagesstrecke sind ca. 8km, auch wenn es eine Heuraufe und einen Unterstand in der Nähe gibt. Natürlich nur, wenn er die Möglichkeit hat zusätzlich grasen zu gehen. Das folgende Luftbild zeigt drei GPS-Aufzeichnungen in diesem Jahr mit der Tagesstrecke und der zur Verfügung stehenden Weidefläche. Beim GPS-Tracking am 25.07.2021 (gelb) hat leider der Akku nicht ganz 24h durchgehalten. Dennoch sieht man, dass die Fläche erheblich kleiner war als am 14.07.2021 (lila) und Assan sich fast genauso viel bewegt hat. Im September (rot) wurde bereits Heu dazugefüttert und die Heuraufe stand direkt am Unterstand, nur die Tränke war weiter weg.
Es gibt sicherlich sehr viele gute Konzepte zur Haltung von Pferden mit der Anlage von Laufställen, Aktivställen, Trails, Paddock Paradise etc. , um das natürliche Verhalten zu imitieren und Bewegungsanreize auch auf kleinem Raum zu schaffen. Aber ich kann zumindest für Assan sagen, dass er einfach hinreichend Fläche zum grasen braucht, um sich zu bewegen. Einfach die Möglichkeit zu haben gemeinsam mit der Herde zu grasen, im Schatten zu dösen, sich zu wälzen, zu schubbern und mit seinem besten Kumpel zu spielen – das ist aus meiner Sicht artgerecht ohne den natürlichen Bewegungsdrang der Pferde unnötig zu verkünsteln.
„knuspern“ derzeit auf unseren Flächen die Kanada-Goldrute weg und ich bin so froh, dass wir sie dieses Jahr wieder ausleihen konnten. Auf den Fotos sieht man den Effekt. Rechts waren die 43 Schafe und 5 Ziegen jetzt über eine Woche auf ca. einem Hektar. Dann wurden sie umgestellt und haben jetzt noch mal ungefähr einen Hektar zur Verfügung.
Die Flächen waren lange verbracht und die Pferde fressen die Kanada-Goldrute nicht, sondern selektieren nur die Gräser raus. Mit dem selektiven Fraß werden die Konkurrenzverhältnisse für unbeliebte Pflanzen auf der Weide wie Giftplanzen oder Sauerampfer etc. noch weiter begünstigt. Aus diesem Grund ist es gut, wenn man die Möglichkeiten hat, die Flächen zu mähen, zu mulchen oder mit anderen Weidetieren zu pflegen. Aber nicht nur deshalb ist es mir eine besondere Freude, den Schafen und Ziegen beim Naschen zuzuschaun. Sie sind auch einfach herzig 🙂
Hoffnung, dass die Graukresse dieses Jahr nicht so dominant ist, gibt es nicht mehr…
Vor einem Jahr gab es auf diesem Blog schon mal einen Eintrag zur Graukresse und ich habe versprochen meine Leser auf dem Laufenden zu halten. Ich gehe davon aus, dass die Graukresse vor allem von den trockenen Jahren 2018 und 2019 profitiert hat, weil sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist und damit einen großen Konkurrenzvorteil hat. Außerdem kann sie sich vor allem auf nährstoffreichen, offenen Böden wie beispielsweise auf einer Ackerbrache oder eben auf übernutzten Pferdeweiden etablieren. Einmal ausgebreitet, scheint es extrem schwer zu sein, sie wieder loszuwerden. Eine Graukresse-Pflanze kann bis zu 7000 Samen produzieren, d.h., selbst nach Rausreißen und Mulchen hat man auf Ewig das Samenpotential im Boden….
Als Maßnahmen zur Eindämmung werden eine geschlossene Grasnarbe, Mulchen vor der Samenreife und Rausreißen empfohlen. Seit dem letztem Jahr versuchen wir deshalb die Pferde über den Sommer möglichst von der Hauptkoppel und der gleichzeitig am schlimmsten betroffenen Fläche fernzuhalten. Durch die Schonung der Fläche kann sich wieder eine geschlossene Grasnarbe bilden. Außerdem wurde die Hauptwiese im Herbst 2019 gemulcht und im Juli 2020 wurden die schlimmsten Graukresse-Nester per Hand ausgestochen. Im August wurde sie noch mal gemulcht, was leider zu spät war, um die Graukresse an der Aussamung zu hindern.
09.07.2019
10.07.2021
11.07.2021
Dieses Jahr sind die Pferde seit Mitte Mai runter von der Fläche und kamen nur für ein paar Tage Anfang Juli noch mal rauf, um ein paar Gräser kurz vor dem Vertrocknen rauszunaschen. Letztes Wochenende habe ich dann die komplette Fläche, abgesehen von einem kleinen Insektenstreifen gemulcht. Mal sehen wie es weitergeht, die Hoffnung stirbt zuletzt….
Wenn man versucht zehn Pferde über den Sommer ohne Heu zu bekommen, wird man wohl zwangsläufig Wetter-App-süchtig…
Direkt nach dem Aufwachen ist das Erste, was ich mache, Wetteronline checken. Wenn Regen in Aussicht ist, hebt sich meine Laune, wenn der Regen, der schon mal in Aussicht gestellt wurde, „weg ist“, verfinstert sich meine Miene. Dann kann man noch mal andere Wetterberichte ausprobieren, aber es bleibt dabei, man muss einfach abwarten, ob Regen kommt oder nicht. Der Mai war wunderbar nass und kalt. Ich weiß, das hört sich schräg an, aber mittlerweile sieht man das Wetter (fast) nur noch aus Sicht der Entwicklung der Weiden. Und nun zeichnet sich wieder ein Jahr mit Dürren und Unwetter wie kurzen Starkregen, Hagel, Gewitter etc. ab.
Im Mai ist alles schön hoch gewachsen, seit Juni ist es heiss und trocken. Es müsste also eine phantastische Heuernte geben, zumindest für den ersten Schnitt. Leider haben wir nicht die Möglichkeit Heu selbst zu machen und es ist schwer jemanden zu finden, der das für uns macht. Da die Pferde nicht alles auf einmal auffressen können, haben wir nun extrem viel überständige Vegetation. Vor allem viel Glatthafer, der ausgesamt, seine Nährstoffe in den Boden gezogen hat und nur noch als gelbe Rohfaser rumsteht. Im Prinzip kommen zwei Probleme auf unseren Flächen zusammen, wir können im Juni, wenn es den „Heuberg“ gibt, nicht selbst ernten, sondern nur mulchen. Und beim Mulchen ist man davon abhängig, dass es regnet und noch mal Gras nachwächst, so dass man wieder genug Futter hat.
Fuchwiese am 19.05.2021
Fuchswiese am 06.06.2021
Fuchswiese am 20.06.2021
Und wir haben nur wenig Pflanzenarten: Da ist zum Einen die Kanada-Goldrute, die von den Pferden nicht gefressen wird und zum Anderen der Glatthafer, der vor allem für Heu, aber nicht als frisches Weidegras geeignet ist. Aktuell kommt auch die Graukresse wieder zum Vorschein. Schön wäre hingegen eine kräuterreiche Weide mit verschiedenen Pflanzenarten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten grün sind. Beispielsweise würde ich mir mehr Luzerne, Schafgarbe, Margarite, Wilde Möhre, Skabiosen, Flockenblumen, Schwingel, Fuchsschwanz und all die Arten wünschen, die auf eine artenreiche Wiese oder Weide gehören. (Alle Versuche einer Aussaat mit standortheimischem, regiozertifizierten Saatgut sind gescheitert…). Das würde beispielsweise so aussehen:
Aber uns bleibt zunächst nichts anderes übrig, als den vertrockneten Glatthafer und die Kanada-Goldrute „runter zu mulchen“, in der Hoffnung auf Regen und neues Futter. Ich hoffe, dass wir noch mal Schafe bekommen, damit sie die Kanada-Goldrute fressen…
31.05.2021, die Jägerwiese steht noch im Saft
27.06.2021, die Jägerwiese besteht nur noch aus Kanada-Goldrute und vertrocknetem Gras
Um zu dokumentieren, wie sich die Flächen in Glindow, vor allem unter den Aspekten Artenvielfalt und kräuterreiches Grünland für eine gesunde Pferdehaltung entwickeln, habe ich ein Vegetationstransekt eingerichtet. Ein Transekt ist eine Untersuchungslinie, in diesem Fall mit zehn Vegetationsaufnahmeflächen mit je 2x2m, auf einer Fläche, die von Kanada-Goldrute dominiert wird und erst Ende 2019 eingerichtet wurde. Hier noch mal zusammengefasst, was bisher gemacht wurde:
Schafbeweidung mit Skudden im Winter 2019/2020
Abschleppen im Frühjahr 2020, um die Streuauflage abzuziehen
Schafbeweidung mit Guteschafen im Juni 2020
Mulchen der Reste im Juli 2020
ansonsten Beweidung mit unseren Pferden (die die Kanada-Goldrute nicht fressen)
Was man beim Vergleich der Vegetationsaufnahmen feststellen kann, ist eine Abnahme der Deckung der Kanada-Goldrute und Zunahme der Deckung von Futtergräsern wie dem Glatthafer und dem Wiesenrispengras. Ich denke, dass man das auch auf den Fotos erkennen kann. Links die Aufnahmeflächen im Juni 2020, rechts Juni 2021.
Daneben hat auch die Artenanzahl zugenommen. Insgesamt ist die Artenanzahl zwar fast gleich (35 Arten 2020; 38 Arten 2021), jedoch gibt es eine Zunahme der mittleren Artenanzahl (Median = schwarze Linie im Boxplot) pro Aufnahmefläche. Ich denke, die Zunahme lässt sich durch die Auflichtung der Dominanzbestände der Goldrute und der Verringerung der Streuschicht erklären. Die mittlere Artenanzahl lag 2020 bei 11 Arten pro Aufnahmefläche und 2021 bei 14 Arten.
Diese Fläche, die wir aufgrund von Fuchsbauen „Fuchswiese“ genannt haben, ist zwar noch weit entfernt von artenreichem Grünland, aber dennoch zeigt sich ein leichtes Zurückdrängen der invasiven Kanadagoldrute.
Hier noch eine Gesamtartenliste für den interessierten Leser ;-).