Schafe

Dieses Jahr haben wir wieder tatkräftige Unterstützung bei der Bekämpfung der Kanada-Goldrute: 43 Guteschafe knabbern auf ca. 1,3 Hektar für etwa drei Wochen an der Goldrute, bevor sie wieder ihren Job im LIFE Trockenrasen Projekt machen. Die Schafe waren vorher in den Glindower Alpen und haben quasi bei uns eine Zwischenstation eingelegt. Eine Win Win Situation, denn für uns ist es eine Form der Weidepflege, die wir sonst bezahlen müssten (wir haben immer noch keinen neuen Mulcher…) und die Schäferin wird für diese Zeit entlastet mit täglicher Sichtkontrolle, Zaunkontrolle und Wasserbottich auffüllen.

Die Kanada-Goldrute ist ein invasiver Neophyt, der dichte Dominanzbestände bildet und damit Artenvielfalt unterdrückt. Die Pferde fressen die Goldrute nicht, aber dafür machen sich die Schafe darüber her, sie sind somit ein wichtiges „Tool“ bei unserer Weidepflege.

Ansonsten fressen Schafe mit ihren kleinen Mäulchen, der gespaltenen Oberlippe und ihrer Zahnstellung noch selektiver als Pferde. „Aufgrund der Zahnstellung werden die Pflanzen tief am Boden abgebissen und oft auch die für die Regeneration wichtigen Basalteile mit erfasst.“ (Dierschke & Briemle, Kulturgrasland).

Was auf unseren Flächen ein Vorteil ist, wenn die Kanada-Goldrute zurückgedrängt werden soll, kann jedoch nicht per se empfohlen werden, wenn man artenreiche Pferdeweiden entwickeln möchte. Denn Schafe fressen bei einer Standweide bevorzugt Kräuter und führen damit auf Dauer zu einer Vergrasung der Flächen. Eine Beweidung mit Schafen im Sinne des Naturschutzes geht in der Regel von einer Hüte- oder Koppelhaltung in relativ hoher Dichte und für kurze Zeit aus. Damit hat man einen Effekt wie bei einer Mahd, beispielsweise in hügeligem, gehölzreichen und nicht mähfähigem Gelände und die Schafe haben dann keine Gelegenheit so stark zu selektieren.

Wenn man darüber nachdenkt, Schafe selbst zu halten, muss man sich auch überlegen, dass sie eigene „Bedürfnisse“ an die Zäune haben. Zwei oder drei stromführende Litzen wie bei Pferden reichen nicht aus, man braucht Elektronetze, die man immer wieder umstecken muss. Eine gemeinsame Haltung mit Pferden ist sicherlich möglich, wenn man sie aneinander gewöhnt. Wir haben damit noch keine Erfahrung gesammelt, weil die Schafe immer nur kurzzeitig bei uns sind. Aber ich kann mir vorstellen, dass es für die Schafe ein großes Verletzungsrisiko im Zusammenleben mit den Pferden gibt.

Außerdem müssen Schafe mindestens einmal im Jahr geschoren werden und es gibt kaum Verwendungsmöglichkeiten für die Wolle, die also entsorgt werden muss. Nur ein paar besondere Enthusiasten wie Marco Scheel verarbeiten Schafwolle im und mit großem Stil.

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