Mittlerweile gibt es schon eine richtige Zeitreihe beim GPS-Tracking der letzten fünf Jahre.
Aber erst einmal steigen wir in den aktuellen Track vom 30.11.2025 ein. Assan hat wieder ein Garmin etrex 10 am Weidehalfter 24h umhergetragen. Er hat dieses Mal eine Strecke von 6,7km zurückgelegt und alle Weiden mindestens einmal besucht. Die folgende Karte zeigt unsere Weiden, die Lage der Tränke, Heuraufen und Unterstand und die GPS-Punkte. Die blaue Linie zeigt den daraus generierten Track, also die von Assan zurückgelegte Strecke.

Es standen acht Hektar zur Verfügung und man kann erkennen, wie Assan über die Flächen mäandriert ist. Desto enger die GPS-Punkte sind, desto langsamer hat er sich vorwärts bewegt, also vermutlich grasend. Zwischen der „Ponderosa“ und der „Hauptweide“ sind die Punkte – entlang der Pappelreihe – weit auseinander gezogen, hier hat er die maximale Geschwindigkeit von 32km/h erreicht, ist also galoppiert.
Die meisten Punkte sind an den Heuraufen und im/am Unterstand. Die folgende Grafik zeigt den Anteil der GPS-Punkte in Bezug auf ihre Lage.

Dabei ist ein Drittel an den Heuraufen und ein weiteres Drittel auf der Hauptwiese. Bei dem Drittel auf der Hauptwiese handelt es sich um Aktivitäten wie grasen, aber auch Dösen in der Nähe der Heuraufen. An der Tränke war er in den 24h zweimal.
Bei der Punktwolke am Unterstand kann es sich um schlafen oder dösen handeln. Aber bei den Punkten auf den Wiesen handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um grasen bei langsamer Fortbewegung. Obwohl die Pferde im Sommer auch oft auf den Weiden schlafen und dösen, verbringen sie im Winter einen Großteil in der Nähe der Heuraufen. Beispielsweise dösen sie gern im Windschutz der Hecke, grasen im näheren Umfeld und bleiben dabei in der Nähe der anderen Herdenmitglieder, die Heu fressen.



Wenn man noch weiter in die Zeiten der jeweiligen GPS-Punkte und ihrer Lage auf den Flächen einsteigt, bestätigt sich einmal mehr, das Pferde einen anderen Rhythmus haben als wir. Sie schlafen nicht 8h am Stück wie wir, es ist eher ein zwei Stunden-Rhythmus mit schlafen, fressen, dösen, fressen. Beispielsweise war Assan von 16:00-18:20 Uhr an der Heuraufe, war dann bis 19:00 Uhr grasen, von 19:00-20:00 Uhr im Unterstand, dann bis 22:20 auf der Skuddenwiese. Von 22:20-23:00 Uhr an der Heuraufe und danach wieder im Unterstand. Gegen Mitternacht hat er überlegt, auf die Jägerwiese zu gehen, kam aber gleich wieder zurück und ist lieber noch einmal auf die Skuddenwiese gegangen. Dann war er von 1:00-3:20 Uhr im Unterstand, war danach bis 4:20 an der Heuraufe, dann noch mal bis kurz vor sieben Uhr morgens im Unterstand und dann eine Stunde auf der Hauptwiese grasen.
Wie auch in den anderen Beiträgen zum GPS-Tracking möchte ich die These aufrecht erhalten, dass die Länge der Laufstrecke vor allem durch die Möglichkeit zum grasen beeinflusst wird. Dabei hat die Größe der Fläche nur indirekt einen Einfluss, d.h. es wird nicht mehr Strecke zurückgelegt, weil größere Flächen zur Verfügung stehen. Entscheidender ist wohl eher, dass durch die extensive Haltungsform auch im Winter noch genügend Futter auf den Weiden vorhanden ist, dass es sich trotz Heu lohnt „umherzutingeln“.
In dem folgenden Diagramm sind die Laufwege in km und die Größe der Flächen in Hektar dargestellt. Beispielsweise war die zurückgelegte Distanz im November 2025 kürzer als im November 2024, obwohl mehr Fläche zur Verfügung stand. Aus meiner Sicht hat die Zufütterung mit Heu den größeren Effekt als die Flächengröße. Denn wenn die Pferde im Sommer kein Heu bekommen, müssen sie sich ihr Futter grasend auf den Flächen zusammen suchen. Die längsten Distanzen mit über 8km waren im August 2023 und im Juli 2021 (ohne Heu) und die kürzesten Distanzen im November 2023 und März 2023 (mit Heu).

Aber auch mit Heu lohnt es sich offenbar für die Pferde auf allen Weiden umher zu laufen und gemäß ihrer Natur zu grasen sowie Laubblätter, Rinde, Früchte etc. zu naschen. Und das geht natürlich nur, wenn genügend Flächen zur Verfügung stehen, dass man es sich leisten kann, dass alle Weiden auch im Winter offen sind ohne sie zu übernutzen. So gesehen hat die Flächengröße doch einen entscheidenden Einfluss auf die Distanzen, die die Pferde zurücklegen. Das was wir also den Pferden bieten können, muss ansonsten mit Trails, Futterstationen, Laufstallkonzepten etc. imitiert werden. Ich bin sehr glücklich, dass wir unseren Pferden diese naturnahe Haltung bieten können.




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