Kategorie: Allgemein

  • Quarantäne

    Früher oder später musste es ja so kommen – 14 Tage Quarantäne wegen Corona.

    Neben der Angst geliebte, gefährdete Menschen wie beispielsweise die Großeltern anzustecken, war seit März letzten Jahres meine größte Sorge in Quarantäne zu müssen. Ich muss zugeben, dass ich am Beginn der Pandemie die Ruhe und die freien Wochenenden ohne soziale Verpflichtungen genossen habe und beispielsweise richtig „Strecke machen“ konnte beim Zaunbau. Aber gleichzeitig schwebte auch immer die Gefahr wie ein Damoklesschwert über einem, 14 Tage in Quarantäne zu müssen und nichts am Hof machen zu können. Zum Glück habe ich Sarah – unserer guten Seele vom Ponyhof – schon letztes Jahr gezeigt, wie man unseren „alten Russen“ zum laufen kriegt, damit noch jemand Heu fahren kann…

    Und nun ist es soweit: trotz zweifacher Impfung hatte ich leichte Symptome und der Schnelltest brachte denn auch ein „positives“ Ergebnis. Ich konnte es im ersten Moment nicht glauben, dass der Test zwei Striche angezeigt hat, wo es doch sonst schon zur Routine geworden war und stets nur ein Strich war…

    Naja, beim Gesundheitsamt war niemand zu erreichen, es ging nur ein AB ran und der Hinweis, man solle eine eMail schreiben. In den letzten Wochen konnte man ja erleben, was exponentielles Wachstum heisst und anscheinend sind alle Kapazitäten in den Ämtern und bei den Ärzten aufgebraucht. Dennoch wollte ich gern schnell Gewissheit haben und einen PCR Test machen lassen. Aber es war nirgendwo ein durchkommen, weder beim Hausarzt noch in den Testzentren. Irgendwann hat sich dann zum Glück meine Hausärztin zurück gemeldet, dass ich bei Ihr einen PCR Test machen konnte. Und seit Freitag vormittag weiß ich, dass ich mich tatsächlich mit Corona angesteckt habe. Was für ein Mist.

    Dann geht einem erst einmal durch den Kopf wen man alles eventuell angesteckt haben könnte und was man alles erledigen wollte. Welche Termine man verschieben muss, von den dienstlichen mal ganz abgesehen. Besonders ärgerlich ist, den Zahnarzttermin für Assan absagen zu müssen. Jeder der Pferde hat, weiß, wie schwer es ist, Termine rund ums Pferd zu bekommen. Der nächste Zahnarzttermin bei uns am Hof ist dann am 03.01.2023 (!!!). Und ich habe eine Heulieferung verschieben müssen. Das ist auch nicht schön, denn haben ist besser als brauchen und man ist immer beruhigter, wenn man Heu bekommt, auch wenn noch einige Ballen da sind. Denn man muss ja auch immer damit rechnen, dass dann der Heulieferant aus welchen Gründen auch immer den Termin immer weiter nach hinten verschiebt….

    Aber davon abgesehen, bin ich sehr froh, dass wir eine so gute und funktionierende Stallgemeinschaft sind. Ich muss mir keine Sorgen machen, denn ich weiß, dass die Pferde gut versorgt sind, dass die Stalldienste mit abäppeln, tägliche Sichtkontrolle und Wasser auffüllen funktionieren. Und vor allem unsere liebe Sarah das Heu im Blick behält und neue Ballen in die Raufen fahren kann. Es ist ein gutes Gefühl und ich denke Herr Assan wird auch die eine oder andere Streicheleinheit und Leckerchen bekommen – „der charmante Sack“ wie Sarah immer sagt 😉

    Lecker???

  • Umtriebsbeweidung und GPS-Tracking

    Die Idee der Verbindung einer – aus meiner Sicht – artgerechten Pferdehaltung mit den Zielen des Naturschutzes ist die Gewährleistung einer ganzjährigen Weidehaltung und dem Einhalten von Ruhezeiten für die Weide. Dabei muss gewährleistet sein, dass die Pferde genügend Futter finden, ohne die Leistung der Weide zu beeinträchtigen und möglichst noch Blühaspekte für Insekten zu schaffen. Das funktioniert bei unserer Anzahl der Pferde und der zur Verfügung stehenden Fläche nur als Umtriebsbeweidung.

    Die Pferde sollten möglichst erst dann auf eine neue Fläche kommen, wenn diese eine gewisse Weidereife hat, also einen Aufwuchs von mindestens 15-20cm, damit sie nicht zu eiweiß- und zuckerhaltig ist. Und man muss immer wieder Flächen vorhalten, die nachwachsen können, ohne dass sie zu überständig werden bzw. die Pflanzen nur noch aus Rohfaser bestehen.

    Das Ziel ist also eine zeitlich versetzte Nutzung der unterschiedlichen Weideflächen, um sie sinnvoll als Futtergrundlage zu nutzen, ohne sie zu übernutzen und dabei Artenvielfalt zu fördern. Der „Grünlandpapst“ Ernst Klapp (dessen Buch „Wiesen und Weiden“ nur noch via Ebay oder antiquarisch erhältlich ist) empfiehlt dabei Ruhezeiten je nach Standort von 12-50 Tagen. Letztlich gibt es da wohl nur Erfahrungswerte, die jeder selbst sammeln muss. Und was gibt es schöneres, als immer wieder über die Flächen zu laufen, was man ja wegen der Zaunkontrolle ohnehin tun muss, sich den Aufwuchs anzuschauen und sich zu überlegen, wann man welche Fläche wie nutzen sollte?

    Weiterhin empfiehlt Klapp (1971, zitiert in Nitsche & Nitsche: Extensive Grünlandnutzung): „Um eine gleichbleibende Weideleistung zu erreichen, ist regelmäßiger Nutzungswechsel notwendig. Ein häufiger Wechsel der Koppel sowie eine eingeschobene Rinderweide, welche die selektive Unterbeweidung ausgleicht, haben sich ebenso wie eine Mahd als günstig für die Erhaltung einer dauerhaften Grasnarbe erwiesen. Die Weide dient dem Pferd nicht nur als Futterfläche, sondern auch als Bewegungsraum.“

    Und an dem letzten Punkt sehe ich die günstige Verbindung zum natürlichen Verhalten der Pferde. Nach Zeitler-Feicht (2015, Handbuch Pferdeverhalten) sind Pferde nicht territorial, sondern leben in großen Streifgebieten. Die Größe des Aktionsradius würde in der Natur vom Vorhandensein von Futter, Wasser, Witterungsschutz und Möglichkeiten für Komfortverhalten wie Wälzen, Scheuern etc. abhängen. Und vor allem liegt es in der Natur der Pferde, dass ein Großteil ihrer Bewegung dem Fressen gewidmet ist. Grasen und dabei langsam laufen nimmt in der Regel über 50% bzw. 10-18 Stunden eines Tages ein. Laut Beobachtungen an New Forest Ponys, Camargue-Pferden und Mustangs, also halbwild lebenden Pferden, bewegen sich die Pferde täglich etwa 6-11km. Zeitler-Feicht vermutet dabei, dass sich Araber und Vollblüter unter gleichen Bedingungen mehr bewegen und dass Pferde beim Vorhandensein von ausreichend Nahrung (z.b. Heuraufe), Wasser und Witterungsschutz in der Nähe nur 2-2,5km bewegen würden.

    Bei Assan kann ich das nicht bestätigen. Seine individuelle Tagesstrecke sind ca. 8km, auch wenn es eine Heuraufe und einen Unterstand in der Nähe gibt. Natürlich nur, wenn er die Möglichkeit hat zusätzlich grasen zu gehen. Das folgende Luftbild zeigt drei GPS-Aufzeichnungen in diesem Jahr mit der Tagesstrecke und der zur Verfügung stehenden Weidefläche. Beim GPS-Tracking am 25.07.2021 (gelb) hat leider der Akku nicht ganz 24h durchgehalten. Dennoch sieht man, dass die Fläche erheblich kleiner war als am 14.07.2021 (lila) und Assan sich fast genauso viel bewegt hat. Im September (rot) wurde bereits Heu dazugefüttert und die Heuraufe stand direkt am Unterstand, nur die Tränke war weiter weg.

    Es gibt sicherlich sehr viele gute Konzepte zur Haltung von Pferden mit der Anlage von Laufställen, Aktivställen, Trails, Paddock Paradise etc. , um das natürliche Verhalten zu imitieren und Bewegungsanreize auch auf kleinem Raum zu schaffen. Aber ich kann zumindest für Assan sagen, dass er einfach hinreichend Fläche zum grasen braucht, um sich zu bewegen. Einfach die Möglichkeit zu haben gemeinsam mit der Herde zu grasen, im Schatten zu dösen, sich zu wälzen, zu schubbern und mit seinem besten Kumpel zu spielen – das ist aus meiner Sicht artgerecht ohne den natürlichen Bewegungsdrang der Pferde unnötig zu verkünsteln.

  • Tagfalter Monitoring III

    Aktuell findet man relativ viele Tagpfauenaugen auf unseren Pferdeweiden. Die Raupen konnten sich satt fressen an den zahlreichen Brennnesseln und die adulten Tiere finden jetzt noch genug Nektar an den Blüten der Kanada-Goldrute, um gestärkt in die Winterruhe zu gehen.

    Es hat sich also zumindest für das Tagpfauenauge gelohnt, dass ich beim Mulchen immer auch Streifen stehen lasse. Wenn man aktuell sieht, was an den Blüten der Goldrute schwirrt und surrt, muss man zugeben, dass sie durchaus ihren Wert für die Natur, auf jeden Fall für Insekten im Herbst hat.

    Tagpfauenaugen überwintern in Dachböden, Kellern, Holzstapeln oder anderen geschützten Nischen. Nach der Überwinterung ab März sind sie auf Frühblüher zur Nahrungsaufnahme angewiesen und die Weibchen legen nach der Paarung die Eier an sonnig stehenden Brennnesseln ab. Es werden ca. 50-200 (gut getarnte) Eier an der Blattunterseite angeheftet. Die Raupen schlüpfen nach etwa 2-3 Wochen und nach mehreren Häutungen schlüpfen die Falter meist ab Ende Juli. Sie treten eine Art „Sommerpause“ an und werden im September noch mal richtig aktiv, bevor sie in die Winterruhe gehen.

    Wie auch bei anderen Tagfaltern, gibt es – durch die verlängerte Vegetationsperiode als Auswirkung des Klimawandels – auch beim Tagpfauenauge mittlerweile „verpätete, unvollständige Generationen“. Das heisst, die Tiere legen noch mal Eier im Spätsommer/Herbst ab. Aber wenn die Falter dann geschlüpft sind, finden sie keine oder nicht mehr genügend Nahrung. Und so kommen viele Faktoren wie der Einsatz von Pestiziden, das Verschwinden von Strukturen wie Ackerränder, Säume oder Brachen, das exzessive Mulchen im Herbst von Straßenböschungen, Wegrändern etc. zusammen und verursachen das Insektentsterben. Es muss nur mal jeder kurz darüber nachdenken, wie normal Tagfalter in der Kindheit waren und wie oft man heute noch ein Tagpfauenauge sieht.

    Auf dem Tagfalter-Transekt auf unseren Pferdeweiden konnte ich dieses Jahr 12 Arten und 53 Individuen aufnehmen. Es waren insgesamt zehn Begehungen von April bis September. Hier eine kurze Zusammenfassung:

    • 17x Grünader-Weißling
    • 12x Kleiner Kohlweißling
    • 5x Tagpfauenauge
    • 5x Kleines Wiesenvögelchen
    • 3x Resedafalter
    • 3x Brauner Feuerfaler
    • 2x Großes Ochsenauge
    • 2x Hauhechelbläuling
    • 1x Kleiner Feuerfalter
    • 1x Admiral
    • 1x Schachbrettfaler
    • 1x Aurorafalter

    Das ist eine erhebliche Steigerung zum letzten Jahr. Ich denke, es liegt zum Einen daran, dass mein Transekt nicht wieder als Trail herhalten musste und zum Anderen, dass es nicht so extrem trocken war. Am häufigsten kam dabei der Grünader-Weißling mit insgesamt 17 Individuen und der Kleine Kohlweißling mit 12 Tieren vor.

    Die Kohlweißlinge gehören zu den häufigsten Tagfaltern und kommen in allen Habitaten bzw. Biotopen vor. Vor allem der Große Kohlweißling konnte früher in großen Wander-Schwärmen vorkommen und in Kohl-Kulturen beträchtliche Schäden anrichten. Solche Massenvermehrungen werden jedoch seit 1990 nicht mehr beobachtet und in einigen Bundesländern wie NRW steht diese Art bereits auf der Roten Liste…. Sie finden heute Rückzugsräume in Regionen mit Ökolandbau wie beispielsweise in Brodowin.

    Wie man auch den folgenden Fotos erkennen kann, finden die Tagfalter auf unseren Pferdeweiden vor allem an der Graukresse Nektar….

    So ist zwar auch die Graukresse aus Pferdehaltersicht „der Endfeind“, aber sie hat als Nahrungsquelle durchaus ihren Mehrwert. Lieber wären mir jedoch arten- und kräuterreiche Weiden ohne Graukresse und – na sagen wir mal mit weniger – Kanada-Goldrute.

    Zum Thema noch eine Beschreibung von Annette von Droste-Hülshoff aus dem Buch „Bilder aus Westfalen“ (1840):

    „Wenige Landschaften mögen […] so voll Nachtigallenschlag und Blumenflor angetroffen werden, und aus der minder feuchten Gegenden Einwandernde wird fast betäubt vom Geschmetter der zahllosen Singvögel, die ihre Nahrung in dem weichen Kleiboden finden. […] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen, während die der größeren Art bis auf die Mitte des Weihers schnurren.“

    Das Zitat stammt aus dem Vorwort für das Buch „Insektensterben in Mitteleuropa“ und gibt eine ungefähre Vorstellung von dem, wie es mal war. Des Weiteren wurde folgende Literatur für den Eintrag verwendet und kann für die Tagfalter-Bestimmung empfohlen werden:

    Bellmann (2009): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer – Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen, Kosmos Verlag

    Gelbrecht et al. (2016): Die Tagfalter von Brandenburg und Berlin (Lepidoptera: Rhopalocera und Hesperiidae), Naturschutz und Landschaftspflege in Deutschlad, Beiträge zu Ökologie und Naturschutz Heft 3,4 2016

    Settele et al. (2008): Schmetterlinge – Die Tagfalter Deutschlands, Ulmer Verlag

  • Fotomonitoring

    Fotomonitoring

    Im September 2019 hab ich einige Fotos von den verschiedenen Weiden gemacht, um die Entwicklung der Flächen zu dokumentieren.

    Mein Oberziel für den Ponyhof Glindow ist/war die Verbindung einer artgerechten Pferdehaltung mit Naturschutz. Aber man muss dann doch sehr viele Kompromisse eingehen, immer wieder umdenken, nachjustieren, Pläne verwerfen, den Frust runterschlucken, weiter machen. Man bewegt sich in den engen Grenzen zwischen den Bedürfnissen der Pferdehalter, des Verpächters, den Rahmenbedingungen der Agrarförderung und dem eigenen Anspruch. Nach zwei Jahren Ponyhof muss ich an vielen Punkten kapitulieren, aber kann mich zumindest an dem Glück erfreuen, dass ich Assan ein schönes Leben ermögliche.

    Unterziele waren die Eindämmung der Kanada-Goldrute, der Graukresse und der offenen Bodenstellen. Mit der Umstellung auf eine Umtriebsbeweidung, sollten die Flächen sich immer wieder erholen können und mit Mulchen und Schafbeweidung die unbeliebten Vegetationsbestände zurückgedrängt werden. Ich denke, eine Verbesserung der Futterqualität ist auf den Flächen durchaus erkennbar, wobei man bei dem Fotovergleich auch die geringen Niederschlägen in den Jahren 2018/2019 berücksichtigen muss.

    Hauptweide September 2019
    Hauptweide September 2021
    Skuddenwiese September 2019
    Skuddenwiese September 2021
    Fuchwiese/Jägerwiese September 2019
    Fuchwiese/Jägerwiese Septmeber 2021
    Jägerwiese (vom Hochstand) September 2019
    Jägerwiese September 2021
    Dreieckswiese September 2019
    Dreieckswiese September 2021
  • Schafe und Ziegen…

    „knuspern“ derzeit auf unseren Flächen die Kanada-Goldrute weg und ich bin so froh, dass wir sie dieses Jahr wieder ausleihen konnten. Auf den Fotos sieht man den Effekt. Rechts waren die 43 Schafe und 5 Ziegen jetzt über eine Woche auf ca. einem Hektar. Dann wurden sie umgestellt und haben jetzt noch mal ungefähr einen Hektar zur Verfügung.

    Die Flächen waren lange verbracht und die Pferde fressen die Kanada-Goldrute nicht, sondern selektieren nur die Gräser raus. Mit dem selektiven Fraß werden die Konkurrenzverhältnisse für unbeliebte Pflanzen auf der Weide wie Giftplanzen oder Sauerampfer etc. noch weiter begünstigt. Aus diesem Grund ist es gut, wenn man die Möglichkeiten hat, die Flächen zu mähen, zu mulchen oder mit anderen Weidetieren zu pflegen. Aber nicht nur deshalb ist es mir eine besondere Freude, den Schafen und Ziegen beim Naschen zuzuschaun. Sie sind auch einfach herzig 🙂

  • Auf ewig Kanada-Goldrute

    Ursprünglich wollte ich auf diesem Blog über Artenvielfalt auf der Pferdeweide berichten, aber irgendwie treiben einen immer die gleichen Themen um. So zum Beispiel die Kanada-Goldrute, sie hat mittlerweile 11 Einträge mit Beschreibungen, warum sie so dominant ist, warum wir sie nicht haben wollen, welche Maßnahmen wir ergreifen und wie bislang der „Erfolg“ der Maßnahmen ist.

    Vor allem auf den neu eingerichteten Flächen kommt die Kanada-Goldrute flächendeckend vor. Sie wird von den Pferden nicht gefressen, raubt also den Platz für Futterpflanzen, soll in Mengen sogar giftig sein und von Artenvielfalt ist man auch weit entfernt. Was also tun? Eine Mahd ist für uns technisch nicht möglich, als Auftragsarbeit sehr teuer, wobei es ohnehin schwierig ist jemanden zu finden und das Mahdgut müsste entsorgt werden. Da hilft nur Mulchen (gefühlt mein neues Hobby) oder Beweidung mit anderen Weidetieren wie beispielsweise Schafe.

    Wobei wir dieses Jahr (bisher) sehr viel Glück mit dem Wetter hatten, so dass die Vegetation nach jedem mulchen nachgewachsen ist und man immer wieder Flächen für die Pferde vorhalten konnte. Aber da ich noch einen „richtigen“ Job habe, kann ich nicht den ganzen Tag auf dem Traktor sitzen und so haben wir wieder Schafe im Einsatz: 43 Guteschafe und 5 Ziegen sollen zumindest eine Teilfläche mit Kanada-Goldrute abfressen.

    Ich bin so froh, dass es dieses Jahr wieder geklappt hat, sich Schafe „auszuleihen“. Und für mein neues Hobby bleibt immer noch genug Fläche…

  • Ein Tag auf der Pferdeweide

    Wie schon vor einem Jahr habe ich Assans Leben wieder mal mit einem GPS-Gerät (Garmin etrex 10) für einen Tag (24h50min) auf der Weide verfolgt. Zur Verfügung standen zwei Weiden mit insgesamt 3,6 Hektar. Ganz im Norden in der Spitze steht der Wasserbottich, hier werden die Pferde außerdem „abgeholt“ und halten sich relativ viel zum Dösen im Schatten der Pappeln auf.

    Die Gesamtstrecke waren 8,4 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5km/h (Ruhezeiten sind rausgerechnet) und einer maximalen Geschwindigkeit von 22 km/h.

    Auf unserer neuen Fläche im Süden dominiert Landreitgras und Kanada-Goldrute im westlichen Teil und den östlichen Teil hatte ich schon mal im Mai gemulcht wegen dem Frühlings-Greiskraut. Der östliche Teil ist noch trockener und lückiger. Nachgewachsen ist hier vor allem Graukresse…

    Der Teil mit dem Landreitgras scheint nicht so sein Favorit zu sein, hier war er recht wenig unterwegs. Obwohl ich die anderen Pferde dort häufig gesehen habe und das Landreitgras durchaus abgeweidet wird. In diesem Punkt scheint Assan nicht besonders repräsentativ für die Herde zu sein. Er frisst am meisten auf der Fläche darüber, hier besonders an den Stellen, die ohnehin schon kurz sind, obwohl noch viel Futter da ist. Naja, Pferde halt…

    Mit dem Programm RunParticles habe ich die Laufstrecke sichtbar gemacht. Mit einer 256-fachen Beschleunigung kann seinem Tag auf der Pferdweide als Video verfolgen:

  • Auf ewig Graukresse

    Auf ewig Graukresse

    Hoffnung, dass die Graukresse dieses Jahr nicht so dominant ist, gibt es nicht mehr…

    Vor einem Jahr gab es auf diesem Blog schon mal einen Eintrag zur Graukresse und ich habe versprochen meine Leser auf dem Laufenden zu halten. Ich gehe davon aus, dass die Graukresse vor allem von den trockenen Jahren 2018 und 2019 profitiert hat, weil sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist und damit einen großen Konkurrenzvorteil hat. Außerdem kann sie sich vor allem auf nährstoffreichen, offenen Böden wie beispielsweise auf einer Ackerbrache oder eben auf übernutzten Pferdeweiden etablieren. Einmal ausgebreitet, scheint es extrem schwer zu sein, sie wieder loszuwerden. Eine Graukresse-Pflanze kann bis zu 7000 Samen produzieren, d.h., selbst nach Rausreißen und Mulchen hat man auf Ewig das Samenpotential im Boden….

    Als Maßnahmen zur Eindämmung werden eine geschlossene Grasnarbe, Mulchen vor der Samenreife und Rausreißen empfohlen. Seit dem letztem Jahr versuchen wir deshalb die Pferde über den Sommer möglichst von der Hauptkoppel und der gleichzeitig am schlimmsten betroffenen Fläche fernzuhalten. Durch die Schonung der Fläche kann sich wieder eine geschlossene Grasnarbe bilden. Außerdem wurde die Hauptwiese im Herbst 2019 gemulcht und im Juli 2020 wurden die schlimmsten Graukresse-Nester per Hand ausgestochen. Im August wurde sie noch mal gemulcht, was leider zu spät war, um die Graukresse an der Aussamung zu hindern.

    09.07.2019
    10.07.2021
    11.07.2021

    Dieses Jahr sind die Pferde seit Mitte Mai runter von der Fläche und kamen nur für ein paar Tage Anfang Juli noch mal rauf, um ein paar Gräser kurz vor dem Vertrocknen rauszunaschen. Letztes Wochenende habe ich dann die komplette Fläche, abgesehen von einem kleinen Insektenstreifen gemulcht. Mal sehen wie es weitergeht, die Hoffnung stirbt zuletzt….

    14.07.2019
    10.07.2021
    11.07.2021
  • Wettersüchtig

    Wettersüchtig

    Wenn man versucht zehn Pferde über den Sommer ohne Heu zu bekommen, wird man wohl zwangsläufig Wetter-App-süchtig…

    Direkt nach dem Aufwachen ist das Erste, was ich mache, Wetteronline checken. Wenn Regen in Aussicht ist, hebt sich meine Laune, wenn der Regen, der schon mal in Aussicht gestellt wurde, „weg ist“, verfinstert sich meine Miene. Dann kann man noch mal andere Wetterberichte ausprobieren, aber es bleibt dabei, man muss einfach abwarten, ob Regen kommt oder nicht. Der Mai war wunderbar nass und kalt. Ich weiß, das hört sich schräg an, aber mittlerweile sieht man das Wetter (fast) nur noch aus Sicht der Entwicklung der Weiden. Und nun zeichnet sich wieder ein Jahr mit Dürren und Unwetter wie kurzen Starkregen, Hagel, Gewitter etc. ab.

    Im Mai ist alles schön hoch gewachsen, seit Juni ist es heiss und trocken. Es müsste also eine phantastische Heuernte geben, zumindest für den ersten Schnitt. Leider haben wir nicht die Möglichkeit Heu selbst zu machen und es ist schwer jemanden zu finden, der das für uns macht. Da die Pferde nicht alles auf einmal auffressen können, haben wir nun extrem viel überständige Vegetation. Vor allem viel Glatthafer, der ausgesamt, seine Nährstoffe in den Boden gezogen hat und nur noch als gelbe Rohfaser rumsteht. Im Prinzip kommen zwei Probleme auf unseren Flächen zusammen, wir können im Juni, wenn es den „Heuberg“ gibt, nicht selbst ernten, sondern nur mulchen. Und beim Mulchen ist man davon abhängig, dass es regnet und noch mal Gras nachwächst, so dass man wieder genug Futter hat.

    Fuchwiese am 19.05.2021
    Fuchswiese am 06.06.2021
    Fuchswiese am 20.06.2021

    Und wir haben nur wenig Pflanzenarten: Da ist zum Einen die Kanada-Goldrute, die von den Pferden nicht gefressen wird und zum Anderen der Glatthafer, der vor allem für Heu, aber nicht als frisches Weidegras geeignet ist. Aktuell kommt auch die Graukresse wieder zum Vorschein. Schön wäre hingegen eine kräuterreiche Weide mit verschiedenen Pflanzenarten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten grün sind. Beispielsweise würde ich mir mehr Luzerne, Schafgarbe, Margarite, Wilde Möhre, Skabiosen, Flockenblumen, Schwingel, Fuchsschwanz und all die Arten wünschen, die auf eine artenreiche Wiese oder Weide gehören. (Alle Versuche einer Aussaat mit standortheimischem, regiozertifizierten Saatgut sind gescheitert…). Das würde beispielsweise so aussehen:

    Aber uns bleibt zunächst nichts anderes übrig, als den vertrockneten Glatthafer und die Kanada-Goldrute „runter zu mulchen“, in der Hoffnung auf Regen und neues Futter. Ich hoffe, dass wir noch mal Schafe bekommen, damit sie die Kanada-Goldrute fressen…

    31.05.2021, die Jägerwiese steht noch im Saft
    27.06.2021, die Jägerwiese besteht nur noch aus Kanada-Goldrute und vertrocknetem Gras
  • Vegetationstransekt

    Um zu dokumentieren, wie sich die Flächen in Glindow, vor allem unter den Aspekten Artenvielfalt und kräuterreiches Grünland für eine gesunde Pferdehaltung entwickeln, habe ich ein Vegetationstransekt eingerichtet. Ein Transekt ist eine Untersuchungslinie, in diesem Fall mit zehn Vegetationsaufnahmeflächen mit je 2x2m, auf einer Fläche, die von Kanada-Goldrute dominiert wird und erst Ende 2019 eingerichtet wurde. Hier noch mal zusammengefasst, was bisher gemacht wurde:

    • Schafbeweidung mit Skudden im Winter 2019/2020
    • Abschleppen im Frühjahr 2020, um die Streuauflage abzuziehen
    • Schafbeweidung mit Guteschafen im Juni 2020
    • Mulchen der Reste im Juli 2020
    • ansonsten Beweidung mit unseren Pferden (die die Kanada-Goldrute nicht fressen)

    Was man beim Vergleich der Vegetationsaufnahmen feststellen kann, ist eine Abnahme der Deckung der Kanada-Goldrute und Zunahme der Deckung von Futtergräsern wie dem Glatthafer und dem Wiesenrispengras. Ich denke, dass man das auch auf den Fotos erkennen kann. Links die Aufnahmeflächen im Juni 2020, rechts Juni 2021.

    Daneben hat auch die Artenanzahl zugenommen. Insgesamt ist die Artenanzahl zwar fast gleich (35 Arten 2020; 38 Arten 2021), jedoch gibt es eine Zunahme der mittleren Artenanzahl (Median = schwarze Linie im Boxplot) pro Aufnahmefläche. Ich denke, die Zunahme lässt sich durch die Auflichtung der Dominanzbestände der Goldrute und der Verringerung der Streuschicht erklären. Die mittlere Artenanzahl lag 2020 bei 11 Arten pro Aufnahmefläche und 2021 bei 14 Arten.

    Diese Fläche, die wir aufgrund von Fuchsbauen „Fuchswiese“ genannt haben, ist zwar noch weit entfernt von artenreichem Grünland, aber dennoch zeigt sich ein leichtes Zurückdrängen der invasiven Kanadagoldrute.

    Hier noch eine Gesamtartenliste für den interessierten Leser ;-).

    Wissenschaftlicher NameDeutscher Name20202021
    Achillea millefoliumGewöhnliche Schafgarbexx
    Agropyron repensGewöhnliche Queckexx
    Arrhenatherum elatiusGlatthaferxx
    Berteroa incanaGraukressexx
    Bromus hordeaceusWeiche Trespexx
    Bromus sterilisTaube Trespexx
    Calamagrostis epigejosLand-Reitgrasxx
    Capsella bursa-pastorisGewöhnliches Hirtentäschel x
    Carex hirtaBehaarte Seggexx
    Cerastium holosteoidesGewöhnliches Hornkrautxx
    Cirsium arvenseAcker-Kratzdistelx 
    Convolvulus arvensisAcker-Windexx
    Dactylis glomerataWiesen-Knäuelgrasxx
    Daucus carotaWilde Möhrexx
    Descurainia sophiaBesenrauke, Sophienkrautx 
    Erigeron annuusEinjähriges Berufkraut x
    Equisetum arvenseAcker-Schachtelhalmx 
    Erodium cicutariumGewöhnlicher Reiherschnabelxx
    Galium aparineKletten-Labkraut x
    Galium mollugoWiesen-Labkrautxx
    Holcus lanatusWolliges Honiggrasxx
    Hypericum perforatumTüpfel-Johanniskrautxx
    Lactuca serriolaKompaß-Lattichxx
    Lathyrus pratensisWiesen-Platterbsexx
    Medicago lupulinaHopfen-Schneckenkleexx
    Moehringia trinerviaDreinervige Nabelmiere x
    Myosotis arvensisAcker-Vergißmeinnichtxx
    Papaver rhoeasKlatsch-Mohnxx
    Poa pratensisWiesen-Rispengrasxx
    Poa trivialisGewöhnliches Rispengras x
    Quercus roburStiel-Eiche (Naturverjüngung)x 
    Potentilla argenteaSilber-Fingerkraut x
    Rumex thyrsiflorusStraußblütiger Sauerampferxx
    Senecio vernalisFrühlings-Greiskraut x
    Solidago canadensisKanadische Goldrutexx
    Taraxacum officinale agg.Agg. Wiesen-Löwenzahnxx
    Trifolium arvenseHasen-Kleex 
    Urtica dioicaGroße Brennesselxx
    Veronica arvensisFeld-Ehrenpreisxx
    Veronica chamaedrysGamander-Ehrenpreisxx
    Vicia angustifoliaSchmalblättrige Wickexx
    Vicia craccaVogel-Wicke x
    Vicia hirsutaRauhhaarige Wickexx
  • Artenvielfalt für alle

    Jeder kann etwas tun, um die Artenvielfalt zu erhalten, im Garten, auf dem Balkon und rund um dem Ponyhof. Besonders schön ist es, wenn man andere Menschen inspirieren kann. So haben unsere Vermieter für ihren Gartenteich ein Entenhaus gebaut, dass auch gleich von einem Stockentenpärchen angenommen wurde. Zehn Küken konnten wir zählen, die ihre ersten Runden auf dem Teich gedreht haben 🙂

    Und ein Insektenhotel war natürlich schon längst überfällig! Aber weil ich noch keine Zeit hatte, eins selbst zu bauen, haben unsere Vermieter ein fertiges Insektenhotel gekauft, was auch sofort von Wildbienen wie beispielsweise der Roten Mauerbiene angesteuert wurde. Eine kleine Schale mit Lehm, die eigentlich für Rauchschwalben gedacht war, ist dabei besonders hiflreich, damit die Wildbienen auch gleich Material zum verschließen der Bruthöhlen haben.

    Ein paar „wilde Ecken“ zulassen, heimische Wildblumen und Sträucher wie Brombeere, Weißdorn oder Schlehe wachsen lassen kann sicherlich jeder auf seiner Pferdeweide, auf dem Hofgelände oder im Garten. Tipps für summende, brummende Gärten, in denen es zwitschert und gedeiht findet ihr hier:

  • Frühlings-Greiskraut

    Wie alle Greiskräuter enthält auch das Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis) Pyrrolizidinalkaloide und ist für Pferde giftig…

    Nach meinem subjektiven Eindruck gibt es dieses Jahr besonders viel Frühlings-Greiskraut an Straßenrändern, Ackerstreifen, auf Brachen und sogar auf Grünland. Wo man auch hinsieht, alles ist gelb, zumindest „gefühlt“ und als Pferdehalter sieht man ja Giftpflanzen auch noch bei 130km/ha auf der Autobahn, quasi im vorbeifahren. Und auch auf unserer neuen Fläche, die wir gerade erst Ende März eingerichtet haben, ist „alles gelb“.

    Ich weiß nicht, ob unsere Pferde schlau genug sind und das Greiskraut stehen lassen würden, aber bei der Menge wäre mir das Risiko einfach zu groß. Assan stand schon einmal auf einem Reiterhof mit extrem viel Jakobs-Greiskraut. Dort wurde es von den Pferden zunächst stehen gelassen (so dass es schön aussamen konnte) und wurde dann irgendwann, wenn die Weide abgenagt war, doch mitgefressen. Bekämpft wurde es dort mit einem Herbizid, das jedoch alle Zweikeimblättrigen Pflanzen, also alle Kräuter vernichtet, d.h. jeden Löwenzahn, jeden Spitzwegerich, jede Schafgarbe etc. Das führt zu noch mehr Kahlstellen und die Giftpflanzen haben dann noch mehr Platz, um sich auszubreiten. Bei uns verbietet es sich ohnehin schon aus Naturschutzgründen und man sollte eher für eine geschlossene Grasnarbe sorgen, anstatt Gift auf Flächen zu spritzen, die Nahrung für Weidetiere sein sollen.

    Eine große Menge an Greiskräutern schädigt die Leber und kann letztlich zu einer Leberzirrhose führen. Assan hatte in dieser Zeit auch entsprechend schlechte Leberwerte. Als er umgestellt wurde und auf Weiden kam, auf denen nur vereinzelt Jakobs-Greiskraut vorkam, hat sich seine Leber wieder erholt. Was aus meiner Sicht dafür spricht, dass die Alkoloide bis zu einem gewissen Grad wieder abgebaut werden können und nicht wie in der Literatur beschrieben, kumulativ wirken.

    Zum Glück ist das Frühlings-Greiskraut einjährig, so dass es reichen sollte, es am aussamen zu hindern. Im Gegensatz zum Jakobs-Greiskraut oder zur Graukresse, die zweijährig sind und man die Rosetten ausstechen sollte. Wobei es ja sowieso auch immer einen riesigen Samenvorrat im Boden gibt… Naja, wie auch immer, was können wir tun?

    Wir haben die Hälfte der Fläche gemulcht und ausgezäunt. Und auf der anderen Hälfte, auf der nicht ganz so viel Greiskraut steht, ziehen wir die Giftpflanzen per Hand raus, so dass wir wenigstens noch einen Teil der Fläche als Weide nutzen können. Wir werden dann sehen, was passiert und wie es sich entwickelt.

  • Magen-Darm-Strongyliden…

    gehören zu den häufigsten Würmern bei Pferden und leider hatte Assan einen extrem hohen Befall.

    Im Dezember letzten Jahres haben wir eine Wurmkur gegeben, die klassische „Nikolaus-Entwurmung“ mit Bekämpfung der Dasselfliege. Wie bereits in einem Eintrag ausgeführt, ist mein Ziel die Wurmkurgabe auf ein notwendiges Maß zu reduzieren, um Dungkäfer und allgemein Insekten, auch als Nahrungsquelle für Vögel, Fledermäuse etc. weitgehend zu schonen. Nicht zuletzt wegen der Bildung von Resistenzen bei den Würmern ist eine strategische oder selektive Entwurmung sogar die Empfehlung der FN.

    Im April hatte ich bei Assan Kotproben gesammelt und beim Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin eingeschickt. Laut Befund hatte Assan 880 Eier von Magen-Darm-Strongyliden pro Gramm Kot, eine Menge, die ich mir gar nicht richtig vorstellen kann. Ab 200 Eiern/g Kot soll man eine Wurmkur geben und vom Labor wurde außerdem ein Pyrantel-haltiges Präparat empfohlen.

    Bei vier weiteren Pferden wurden dann Kotproben gesammelt, davon waren zwei ohne Befund und zwei mit Ausscheidung von Wurmeiern. In Zukunft soll bei allen Pferden eine Kotprobe gesammelt werden, um nur noch die Pferde zu entwurmen, die auch Würmer haben.

    Damit die Dunghaufen nicht zur ökologischen Falle werden, haben wir die Pferde am Samstag auf einer kleinen Fläche „eingesperrt“, die Wurmkur gegeben und alles abgeäppelt. Gestern konnten die Pferde dann auf die „Dreieckswiese“, die seit dem letzten Sommer ungenutzt war. Ich möchte die Pferde so lange es geht von der – mit Würmern kontaminierten – Hauptweide fernhalten. Diese Fläche ist im Prinzip unsere Winterkoppel mit Unterstand, beheizbarer Tränke, die am meisten beansprucht wird und sie soll sich im Sommer etwas erholen können.

    Eng gekoppelt mit Heuraufe
    Alles abäppeln…
    Ab auf die Dreieckswiese – meine persönliche Lieblingsfläche 😉

    Da die Würmer Monate und sogar den Winter überleben können, wird man sie wohl nie loswerden, so lange man Pferde immer wieder auf die gleichen Flächen stellen muss. Man kann nur versuchen, den Parasitendruck möglichst gering zu halten. Empfehlungen dazu sind beispielsweise alles abzuäppeln und Weidereste zu mulchen, was aus naturschutzfachlicher Sicht nicht in Frage kommt und auch arbeitstechnisch von uns nicht zu leisten ist. Optimal wäre auch eine Mischbeweidung mit Rindern, in deren Magen die Pferdewürmer sterben und umgekehrt.

    Die zwei Pferde, die nicht verwurmt waren, werden schon länger selektiv entwurmt und bekommen außerdem Ewalia Parasitensaft. Das zeigt, dass nicht zwangsläufig alle Pferde verwurmt sein müssen und das mit dem Kräutersaft werde ich auch ausprobieren. Bislang kannte ich nur die entwurmende Wirkung von Rainfarn (Tanacetum vulgare), den es auch auf unseren Flächen gibt und durchaus von den Pferden gefressen wird. Hier ein Auszug aus einem alten Kräuterbuch (für Menschen):

    Falls man den Text nicht lesen kann:

    „Verwendet werden Kraut, Blütenköpfe, Samen (…). Sie enthalten ätherisches Öl, etwas Bitterstoff und Gerbstoff.

    Rainfarn wirkt gegen Spul- und Madenwürmer.

    Man brüht 2 Teelöffeln voll mit einer Tasse Wasser an und trinkt nach längerem Ziehen. Einige Tage hintereinander zu nehmen. Unterstützend: roh geriebene Möhren mit Kümmel und Anis. Für guten Stuhlgang sorgen (Faulbaumtee).“

  • Tagfalter Monitoring II

    Der Frühling ist im vollen Gange und es wurde Zeit, endlich mit den Begehungen auf dem Tagfalter-Transekt zu beginnen…

    Die Vegetation ist zwar noch etwas dürftig, derzeit blühen nur wenig Arten wie beispielsweise Rote Taubnessel, Löwenzahn, Gundermann oder das Frühling-Hungerblümchen. Dennoch sind Bienen, Hummeln und Tagfalter unterwegs und ich habe gestern meine erste Begehung auf dem Tagfalter-Transekt gemacht. Die relativ geringe Ausbeute waren ein Tagpfauenauge, zwei Grünader-Kohlweißlinge und ein Reseda-Weißling. Die Grünader-Kohlweißlinge haben an den Blüten der Felsenkirsche genascht und der Reseda-Weißling an einem Hungerblümchen.

    Das Tagpfauenauge war eigentlich immer eine häufig vorkommende Art, es besiedelt Offenland bis Waldränder, Siedlungen, Gärten oder Parkanlagen und die Raupen ernähren sich von Brennnesseln. Aber heute sieht man selbst solche „Allerweltsarten“ wie das Tagpfauenauge oder Weißlinge nicht mehr sehr häufig und freut sich schon über jeden Falter…

    Dieses Phänomen, dass wir den Artenschwund und die Veränderungen in der Landschaft kaum wahrnehmen nennt man in der Ökologie Shifting Baselines. Wir bemerken es nicht, weil wir uns nicht mehr daran erinnern oder es selbst nicht erlebt haben, „wie es früher war„. Unser Horizont reicht dafür nicht aus und wir gewöhnen uns an das hier und jetzt. Es gibt nur wenig Erfassungen mit langen Datenreihen, die uns die Wahrheit vor Augen führen wie die Erkenntnisse des Entomologischen Vereins Krefeld e.V. 1905. Die Krefelder haben 2017 mit ihrer Studie Medien und Politik zumindest ein wenig wach gerüttelt und das Insektensterben zum Thema gemacht. Wobei diese Erhebungen auch „erst“ 1986 begonnen haben – ausschließlich in Naturschutzgebieten. Für die „Normallandschaft“ gibt es nichts vergleichbares. Wir können uns schlichtweg nicht vorstellen, wie es bespielsweise vor 100 Jahren oder mehr war, als es noch keine industrielle Landwirtschaft und Pestizide gab. Wir können es anhand der Landschaftsmalerei höchstens erahnen….

    Tagfalter-Transekt (im April natürlich noch etwas kahl)
    Gemälde des französischen Impressionisten Claude Monet (1840–1926)

    Nun muss man bei unseren Weiden auch dazusagen, dass sie nicht besonders artenreich sind und damit auch keine große Insekten- oder Faltervielfalt erwarten lassen. Da ist noch viel Luft nach oben und ich hoffe, dass die Flächen perspektivisch noch artenreicher werden. Wer die Möglichkeit hat im Rahmen einer Grünland- oder Ackerbewirtschaftung etwas für die Artenvielfalt zu tun, findet hier einen sehr guten Artikel zur Umsetzung. Anregungen, wie jeder im Garten oder auf dem Balkon etwas für Insekten tun kann, findet man beispielsweise hier.

  • Neue Flächen einrichten

    Eine neue Fläche zu bekommen ist Segen und Fluch zugleich. Es macht viel Arbeit, aber natürlich braucht man immer neue Flächen 😉

    Wir haben seit Herbst 2019 Flächen – die brachgefallen waren – durch Beweidung mit Schafen, durch Mulchen, Schleppen, Müll absammeln und Zäune aufbauen oder erneuern urbar gemacht. Das Problem auf den brachgefallenen Weiden war vor allem die Ausbreitung von Dominanzbeständen aus Kanada-Goldrute, die in Massen wohl auch giftig für Pferde sein kann.

    Als Beispiel sei noch mal unsere „Fuchswiese“ genannt, die intensiv bearbeitet wurde, um sie als Pferdeweide nutzen zu können:

    • Schafbeweidung mit Skudden im Winter 2019/2020
    • Abschleppen im Frühjahr 2020, um die Streuauflage abzuziehen
    • Schafbeweidung mit Guteschafen im Juni 2020
    • Mulchen der Reste im Juli 2020
    • Auszäunen von Fuchsbauen

    Dezember 2019
    Beweidung mit Guteschafen im Juni 2020
    Mulchen der Weidereste im Juli 2020
    April 2021

    Dieses Jahr haben wir wieder eine neue Fläche eingerichtet, die mal von einer Gärtnerei genutzt wurde. Sie wurde im Juli 2020 schon mal provisorisch eingezäunt und beweidet, im Herbst 2020 gemulcht und im März 2021 abgeschleppt. In einem Arbeitseinsatz wurde der Zaun aufgebaut, ein alter, halb eingewachsener Wildzaun abgeräumt und Müll abgesammelt. Es müssen noch Zierpflanzen wie Schwertlilien etc. und Folie unter der Erde ausgebuddelt werden. Dann können die Pferde ab Mai oder Juni auf die neue Fläche.

    Ein schmaler Brachestreifen, der wegen dem Wildzaun nicht gemulcht werden konnte zeigt den Unterschied: links die Fuchswiese, in der Mitte der Brachestreifen mit überständiger Vegetation aus dem letzten Jahr mit Landreitgras, Rainfarn und Kanada-Goldrute und rechts die neue Fläche. So ein Brachestreifen ist natürlich wertvoll aus naturschutzfachlicher Sicht und man sollte sich viel öfter dazu zwingen, auch mal was stehen zu lassen…

    Juli 2020, die neue Fläche mit Kanada-Goldrute und Landreitgras
    Abschleppen im März 2021, um die Streuschicht abzuziehen und damit der Müll „hochkommt“
    Zaunbau mit T-Pfosten und Kordel
    Brachstreifen