Kategorie: Allgemein

  • Herbst

    Die bunte Jahreszeit mit vielen Naschereien für die Pferde…

    Heute morgen gab es ein wenig Frost und es ist einfach wunderbar, morgens über die Weide zu laufen, wenn alles noch still ist, die Sonne aufgeht und die Pferde friedlich grasen.

    Bei meinem morgendlichen Rundgang fiel mir auch auf, dass die Brennnesseln abgeweidet wurden. Die Brennnessel verliert im Herbst – vor allem beim ersten Frost – ihre Brennhaare und kann von den Pferden abgefressen werden. Brennnessel ist bekanntlich sehr gesund und enthält viele Vitamine und Mineralien. Wobei ich nie verstehen konnte, warum Pferdehalter Brennnessel, Hagebutten, Beifuß & co. kaufen. Selbst wenn die Weiden solche schönen Leckereien vermissen lassen, was traurig genug ist, kann man überall Kräuter und Hagebutten selbst sammeln. Auch Hagebutten sind gesund, enthalten viel Vitamin C und können von den Pferden abgenascht werden. Oder Weißdorn, er wächst auf jeder Weide von ganz allein, wenn die Flächen nicht allzu nicht intensiv genutzt werden und er ist gut für das Herz-Kreislauf-System.

    Viele Pferdehalter haben natürlich Angst vor dem ersten Frost im Herbst und der damit einhergehenden vermehrten Fruktan-Einlagerung in den Gräsern. Ich sehe bei uns auf den Weiden jedoch nicht die Gefahr. Zum Einen bekommen die Pferde schon seit längerem Heu dazugefüttert, haben rund um die Uhr Bewegung, können an vielen verschiedenen Kräutern und Gehölzen knabbern und zum Anderen, sind die Gräser weniger „gestresst“, wenn man die Flächen nicht permanent überbeweidet.

    Außerdem sollten man auf Saatgutmischungen mit hohem Anteil an Weidelgras verzichten und lieber darauf setzen, was von allein auf der Weide wächst – wenn es nicht grad Kanada-Goldrute, Graukresse oder Jakobs-Kreuzkraut ist, schon klar 😉

  • Hute-Eichen

    Die Eiche ist mein Lieblingsbaum – ich denke dabei gern an Gemälde von Caspar David Friedrich…

    Zum Beispiel das Bild „Der Einsame Baum“ von 1822. Es zeigt eine Weidelandschaft mit einzelnen Alteichen und einem Schäfer, der sich an den riesigen Baum lehnt. Eichen werden rund 500 Jahre alt, können aber auch älter werden. Gern werben Ortschaften mit „1000-jährigen“ Eichen wie beispielsweise die Ivenacker Eichen, die rund 600 bis 800 Jahre alt sind. Meist haben sich bis heute sogenannte Weide- oder Huteeichen mit ausladenden Kronen erhalten, die beeindruckende Zeugen der Zeit und Relikte früherer Weidelandschaften sind.

    Eichen sind lichtbedürftig und können sich beispielsweise nicht unter dem dunklen Blätterdach eines Buchenwaldes verjüngen. In Weidelandschaften können sie sich jedoch im Schutz dorniger Sträucher etablieren. Hilfe leistet dabei der Eichelhäher, der Eicheln gern in „Gestrüpp“ wie beispielsweise in Brombeeren versteckt.

    Die folgenden Bilder zeigen zwar keine Weide, sondern eine Hecke am Wegrand mit Brombeere und aufwachsenden Eichen in unterschiedlichen Alterklassen, aber so kann das Prinzip verdeutlicht werden. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auf diese Weise die heutigen, in Brandenburg typischen Baumreihen und Alleen entstanden sind.

    Zwischen Pflanzen und Weidetieren gibt es natürlich eine jahrhundertealte Anpassung und so verwundert es nicht, dass auf Weiden dornige Sträucher aufwachsen, welche gut gegen Verbiss geschützt sind. Und das Weidetiere sehr gern an Eichen knabbern und Eicheln, Eichenrinde oder Blätter in Maßen sogar gesund sind. Beispielsweise können Fruktane in den Gräsern, die im Herbst vermehrt eingelagert werden, durch die Gerbsäure der Eicheln ausgeglichen werden.

    Aber leider musste ich am Wochenende feststellen, dass unsere Pferde die Eichen etwas zu gern haben. Ich bin froh, dass ich zumindest eine Eiche, gemeinsam mit einem Fuchsbau ausgezäunt habe. Und auch im Schutz einer Baumreihe, die ausgezäunt ist, haben sich einige Eichen etablieren können. Bei den geschälten Eichen bin ich gespannt, ob sie das überleben werden. Es wäre doch eigentlich schade um diese Bäume. Aber gut, nun wird man sehen, wie gut die Eiche mit Beweidung klar kommt….

    Und vielleicht muss man doch, bei aller Liebe zur „Wildnis“ bzw. die Pferde machen lassen, doch das eine oder andere vor ihrem Verbiss schützen…

  • „Wildschaden“?

    Bei uns haben Wildschweine ein paar Quadratmeter Weide umgepflügt….

    Aber ist das gleich ein „Wild-Schaden“? So werden Wühlspuren von Wildschweinen in der Regel wahrgenommen. Ich sehe darin vielmehr die Chance für mehr Artenvielfalt auf der Weide. Vor allem vermooste und/oder vergraste Weiden werden oberflächlich ein wenig aufgewühlt und bieten neuen Pflanzenarten gute Keimungsbedingungen. Insbesondere jetzt im Herbst, wenn es regelmäßig regnet, aber noch warm genug für Pflanzenwachstum ist. Diese Stellen werden bald von selbst wieder zugewachsen sein, da man immer einen großen Samenvorrat im Boden hat.

    Bei uns wäre es auch so kein großer Verlust, wenn 20 Quadratmeter Grünland von den Wildschweinen umgegraben werden – bei über acht Hektar Weidefläche. Wildschweine gehören zur Natur, ihre Spuren sind ein kleines Stück Wildnis und wir haben schon so wenig natürliche, dynamische Prozesse in unserer Kulturlandschaft, in der alles vom Menschen geregelt und auf Kante geschnitten ist.

    Und ich habe – trotz Samenvorrat im Boden – die Chance ergriffen, der Artenvielfalt auf unseren Weiden noch ein wenig mehr auf die Sprünge zu helfen. Ich habe regiozertifiziertes Saatgut in die frischen, offenen Bodenstellen verteilt.

    Wenn man seine Flächen naturschutzfachlich aufwerten will, sollte man definitiv auf Selbstbegrünung und Pioniervegetation setzen. Und wenn man schon unbedingt nachhelfen will, sollte man nur gebietsheimisches Saatgut verwenden. In Brandenburg stehen dafür drei Anbieter zur Verfügung: Rieger-Hoffmann, Saaten Zeller und Nagola Re.

  • GPS-Tracking II

    Ich habe Assan mal wieder mit einem GPS-Gerät ausgestattet. Ein Garmin Etrex 10, befestigt an einem Weidehalfter. Die Batterien haben dieses Mal sogar 29 Stunden durchgehalten.

    Zur Verfügung standen drei Weiden mit insgesamt 5,6 Hektar. Die Gesamtstrecke waren 9,6km, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 5km/h (Ruhezeiten sind rausgerechnet; sonst wären es 0,3km/h).

    Es wurde eine Maximalgeschwindigkeit von 30km/h erreicht, bei der Assan auf der Hauptweide von Süd nach Nord galoppiert ist. Ansonsten gab es eine Handvoll „Spitzen“ mit 10-15km/h, aber die meiste Strecke legen die Pferde im Schritt langsam (0,1-0,2km/h) und vor allem grasend zurück.

    Viel Zeit haben sich die Pferde natürlich an den Heuraufen aufgehalten und auch am Unterstand hat Assan recht lange verweilt. Hier wurde wahrscheinlich auch gedöst oder geschlafen.

    Dieses Mal habe ich die Laufstrecke mit dem Programm RunParticles als Video sichtbar gemacht:

    Es ist schön zu sehen, wieviel Auswahlmöglichkeiten die Pferde haben. Sie können Heu fressen, grasen gehen, an Gehölzen beispielsweise an Hagebutten naschen und zwischen drei Weiden wechseln. Ihr Tag ist nicht fremd bestimmt durch Boxen, Paddocks, Trails oder was immer. Sie können einfach da hin gehen, wohin sie möchten, natürlich in den Grenzen unserer Weideflächen…

  • Fotopunkte III

    Im Folgenden möchte ich wieder ein paar Fotopunkte vorstellen, die ich letztes Jahr „eingerichtet“ habe….

    Mit den Fotopunkten möchte ich zeigen, wie sich die Weidepflege auf die Flächen auswirkt. Man kann vieles beschreiben, Pflanzenarten aufnehmen etc., aber manchmal sagen Bilder mehr aus als Daten und Fakten.

    Als erstes kommen Fotos der Hauptwiese, denn sie ist die größte Herausforderung. Diese Fläche ist die am stärksten durch Beweidung, Verbiss, Tritt und Kot beanspruchte Weide bei uns. Hier haben wir auch das größte Problem mit der Graukresse. Die Übernutzung dieser Fläche hängt ganz einfach mit der Infrastruktur zusammen, denn hier steht der Unterstand und hier ist die Tränke. (Nur die relativ kleine „Dreieckswiese“ hat noch eine eigene Tränke und einen Unterstand). Außerdem ist es am praktischsten, wenn hier die Heuraufen stehen, weil man hier Licht vom Reitplatz und die geringste Entfernung zur Mistplatte hat.

    Im Herbst 2019 wurde die Fläche gemulcht und im Sommer haben wir versucht, diese Fläche so oft und so lange es geht zu schonen, in dem die Pferde im Prinzip der Portionsweide auf andere Weiden umgestellt wurden.

    Juli 2019
    August 2020 (die Pferde wurden durch eine Litze von der Hauptwiese getrennt)
    September 2020 (im Vordergrund der Insektenstreifen)
    Graukresse stechen im Juli 2020
    Mulchen im August 2020
    Heuraufen mit Beleuchtung…

    Da wir genug Bäume als natürliche Unterstände auf allen Weideflächen und einen IBC-Container als Wasserbottich haben, konnten die Pferde auf anderen Flächen rotieren und die Grasnarbe der Hauptwiese konnte sich etwas erholen. Im Sommer haben wir außerdem fleißig Graukresse gestochen, auch wenn man immer das Gefühl hat, es nimmt kein Ende…

    Im August habe ich die Fläche dann erneut gemulcht und dabei einen Streifen für die Insekten stehen lassen. Seit einer Woche sind die Pferde nun wieder auf der Hauptwiese, denn die Tage werden spürbar kürzer und wir brauchen die Heuraufen in der Nähe der Lampen….

    Auf einer anderen Fläche ging es eher um das Zurückdrängen der Kanada-Goldrute. Die Fotos sind von einem Hochstand aus entstanden und die Fläche heisst entsprechend „Jägerwiese“. Hier waren im Winter die Skudden im Einsatz und im Frühjahr wurde die Fläche geschleppt, da sie teilweise stark vermoost war. Eigentlich sollte die Fläche Ende Juni gemäht werden, was jedoch nicht geklappt hat. So waren dann die Pferde auf der „Jägerwiese“ und im Juli wurden die „Weidereste“ bzw. die Kanada-Goldrute gemulcht.

    Leider ist im August alles verbrannt und nur die Graukresse hat die Hitze und Dürre überlebt… Nach Niederschlägen Anfang September haben sich jedoch alle Flächen wieder erholt und wurden wieder schön grün. Aktuell können die Pferde auf die Haupt- und Jägerwiese. Mal sehen, wie das nächste Jahr wird…

    September 2019
    März 2020

    Juni 2020

    Juli 2020
    August 2020
    September 2020
  • Der Haufen lebt

    Bei uns sind aktuell viele Dungkäfer aktiv und zersetzen die Äppelhaufen in kürzester Zeit…

    Momentan ist auffällig, dass die Pferdehaufen ziemlich schnell ihre Form verlieren, breite Fladen werden und es darin wimmelt wie nur was. Ich konnte natürlich nicht anders, als in den Haufen rumzuwühlen, um zu sehen, was da kreucht und fleucht. Jede Menge Dungkäfer:

    Es sind wohl vor allem Gefleckte Dungkäfer und einige Gemeine Dungkäfer, aber leider kenne ich mich mit Dungkäfern überhaupt nicht aus.

    Jetzt im Herbst kommt es mancherorts zu massenhaftem Auftreten der Dungkäfer. Sie ernähren sich nicht nur vom Kot, einige Arten legen Tunnel im Boden an, befördern den Kot in den Untergrund, je nach Art unterschiedlich tief, um dort die Eier abzulegen. Auf diese Weise belüften und düngen sie den Boden und zersetzen die Haufen, die sonst ewig auf der Weide liegen bleiben würden. Dungkäfer sind aber vor allem auch wichtig für den Erhalt der Biodiversität, denn sie sind Nahrung für andere Artengruppen wie Vögel oder Fledermäuse.

    In Europa gibt es 269 Dungkäferarten und in Deutschland 82 Arten, die sich in zwei Unterfamilien mit 46 Gattungen gliedern. Davon sind ca. 30% ausgestorben und 40% gefährdet. Die koprophagen Blatthornkäfer gehören laut dem NABU sogar „zu den am stärksten gefährdeten ökologischen Gilden innerhalb der Gesamtfauna„.

    Die Ursachen für den Rückgang der Dungkäfer sind zum Einen die Ablösung traditioneller Weidetierhaltung durch intensive Massentierhaltung in Stallanlagen und zum Anderen der massive Einsatz von Entwurmungsmitteln in der Freilandhaltung. Es wurde mittlerweile vielfach nachgewiesen, dass Wirkstoffe wie Ivermectin die Larvenentwicklung von Dungkäfern beeinträchtigen. Die adulten Käfer reagieren weniger empfindlich auf die Antiparasitika, aber die Eier und Larven sterben ab und der Kothaufen wird auf diese Weise zur ökologischen Falle….

    Wir haben diese Woche selbst eine Wurmkur gegeben, weil zumindest Assan einen hohen Befall mit Magen-Darm-Strongyliden hatte. Zwei unserer Einsteller haben selbst noch mal Kotproben genommen und ihre Pferde haben keinen Befall. Alle anderen Pferde haben eine Wurmkur bekommen, obwohl es mir natürlich angesichts der vielen Dungkäfer aktuell wahrhaft in der Seele weh tut…

    Eigentlich wollte ich nur noch die „klassische Nikolauswurmkur“ mit Dasselfliege geben und ansonsten nur nach Bedarf, wenn es einen Befall gibt. Ich frage mich auch nach dem Sinn, die Pferde gemeinschaftlich zu entwurmen, eng zu koppeln, alles abzuäppeln, obwohl sie ohnehin schon die ganze Zeit mit Eiern in den Äppelhaufen die Weiden „kontaminiert“ haben? Ich denke, wir werden das nächstes Jahr anders handhaben, nur noch im Winter eine Wurmkur, ansonsten nach Bedarf, einzeln und gezielt nach Befund.

    Ansonsten hoffe ich, dass durch das Abäppeln an den Heuraufen und längere Ruhepausen für die Weiden der Parasitendruck abnimmt. Ich bin gespannt…

  • Fotopunkte II

    Neben dem Vegetations- und Tagfaltertransekt habe ich letztes Jahr im Herbst ein paar Fotopunkte eingerichtet.

    Im Folgenden möchte ich zwei davon zeigen und beschreiben, was auf diesen Flächen in punkto Weidepflege passiert ist.

    September 2019
    März 2020

    Juni 2020
    Juli 2020
    August 2020
    September 2020

    Der Fotopunkt ist auf einem Hochstand auf unserer „Jägerwiese“ mit Blick auf die „Fuchswiese“ entstanden. Auf der Fuchswiese ist ein Fuchsbau – daher der Name – und Jägerwiese hat sich natürlich aufgrund der Jagdkanzel angeboten. Von diesem Punkt aus soll über die Zeit beobachtet werden, wie wir hoffentlich die Kanada-Goldrute in den Griff bekommen.

    Über den Winter hatten wir die Skudden, welche die Goldrute ganz gut abgefressen haben und alles schön kurz gehalten haben. Im Frühjahr kamen dann die Pferde auf diese beiden Weiden und im Juli habe ich die Flächen gemulcht. Das Mulchen war ja leider etwas nach hinten losgegangen, wie bereits in dem Beitrag „Verbrannt“ beschrieben. Es blieb nichts anderes übrig als mit der Zufütterung von Heu zu beginnen, was eigentlich erst für Oktober geplant war. Mit den Niederschlägen Anfang September ist jedoch innerhalb kurzer Zeit alles wieder grün geworden und wir konnten die Pferde wieder auf diese beiden Weiden lassen.

    Eine andere Perspektive auf die Fuchs- und Jägerwiese zeigen folgende Bilder:

    September 2019
    Juli 2020
    September 2020

  • Wilde Ecken

    Auch mal was stehen lassen für die Insekten – das ist gar nicht so leicht....

    Man möchte es ja gern sauber und ordentlich haben und wenn man schon mulcht, ist natürlich der Impuls da, gleich die ganze Fläche zu putzen. Aber ich konnte mich zusammenreißen und einen ca. 20m breiten Streifen stehen lassen. Hier haben wir schon angefangen, die Graukresse per Hand rauszureissen und der Rest muss noch nachgearbeitet werden. Ansonsten wachsen hier typische Arten der Ruderalfluren wie Weißer Gänsefuss, Amaranth, Rainfarn, Wegwarte, Brennnessel, Kanada-Goldrute, Kratzdistel, Große Klette, Sauerampfer, Beifuss und Schafgarbe. Sie bieten den Insekten noch ein wenig Nahrung als Nektarpflanzen und den Vögeln Samen über den Winter.

    Aber vor allem sind diese überständigen Vegetationsstrukturen wichtige Überwinterungslebensräume für Insekten. Beispielsweise legen Heuschrecken ihre Eier in Pflanzenstängel oder in der Bodenstreu ab, so dass sie auf mehrjährige Ackerbrachen, Blühstreifen oder Altgrasstreifen angewiesen sind. Auch Tagfalter legen meist ihre Eier an Pflanzenteilen ab, in der Regel der Futterpflanze der Raupen. Viele Insekten brauchen eine vom Herbst bis zum Frühjahr ungestörte Streuschicht am Boden oder überständige Vegetation zur Überwinterung der Larven und Puppen.

    Deshalb sollte man im Garten und auf dem Ponyhof nicht allzu ordentlich sein und auch mal ein paar Wilde Ecken zulassen und einfach mal was stehen lassen.

  • Tagfalter Monitoring

    Tagfalter Monitoring

    Um die Effekte auf die Artenvielfalt auf unseren Weideflächen zu dokumentieren, habe ich neben einem Vegetations-Transekt, auch ein Tagfalter-Transekt angelegt…

    Die Erfassung erfolgt im Rahmen des Tagfalter-Monitorings Deutschland, das vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ koordiniert wird. Um eine möglichst lange Untersuchungslinie zu haben, verläuft das Transekt entlang einer Pappelreihe, die insgesamt drei Weiden miteinander verbindet. Im Frühsommer sah die Strecke noch recht vielversprechend aus – z.B. mit viel Hopfenklee und Vogelwicke. Später wurde die Untersuchungslinie leider als Trail missbraucht und es konnten so gut wie keine Tagfalter mehr aufgenommen werden. Aber, wenn wenn man diese Strecke wieder in Ruhe lässt, wird sicherlich eine umso schönere Pioniervegetation aufkommen.

    In Deutschland leben etwa 3.700 Schmetterlingsarten, davon machen Tagfalter 190 Arten aus, die zu fast 50% auf der Roten Liste aufgeführt sind. Die Ursachen für den Rückgang der Tagfalter, auch insbesondere von „Allerweltsarten“ sind unter anderem die Aufgabe historischer Nutzungen von Magerrasen, Heiden, Wälder bei gleichzeitiger Intensivierung der Agrarlandschaft, Vielschnittwiesen, Entwässerung und Düngung (Settele et al. 2015).

    Tagfalter sind trockenheits- und wärmebedürftig, sie brauchen windgeschützte Standorte mit hoher Sonneneinstrahlung und breiten sich in der Regel entlang von linienhaften Strukturelementen aus. Außerdem brauchen Tagfalter eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern für die Eiablage und eine vom Herbst bis Ende Mai ungestörte Streuschicht am Boden oder überständige Vegetation (i.d.R. Futterpflanze) für die Überwinterung von Larven und Puppen. Das bedeutet, dass Mahd, Mulchen oder eine Bodenbearbeitung die überwinternden Falterstadien zerstört.

    Ich habe auf meinen Tagfalter-Transekt insgesamt elf Begehungen von Mitte April bis Mitte August gemacht, davon waren drei ohne Faltersichtung. Da das Transekt mittlerweile durch sein Trail-Dasein und der Dürre komplett blütenlos ist, kann man jetzt schon ein Résumé ziehen:

    • sieben Arten konnten erfasst werden
    • insgesamt konnten 16 Individuen erfasst werden
    • 5x Kleines Wiesenvögelchen
    • 3x Artkomplex Kleiner Kohlweißling/ Grünaderweißling
    • 3x Tagpfauenauge
    • 2x Braunkolbiger Braundickkopffalter
    • 1x Kleiner Feuerfalter
    • 1x Kleiner Fuchs
    • 1x Zitronenfalter

    Dolle ist das nicht, aber es geht ja auch darum, die Artenvielfalt zu steigern und dann kommen hoffentlich in Zukunft auch mehr Schmetterlinge auf unseren Flächen vor.

    Insgesamt gibt es ja einen massiven Rückgang der Insekten, was spätestens seit der Veröffentlichung Entomologischen Vereins Krefeld e.V. 1905 bei Hallmann et al. (2017) keiner mehr ignorieren kann. Die Krefelder und auch andere Wissenschaftler haben mittlerweile in verschiedenen Projekten und Studien einen extremen Schwund der Arten, Individuen und auch der reinen Insekten-Biomasse nachgewiesen. Das „Insektensterben“ hat natürlich auch Auswirkungen auf andere Artengruppen wie beispielsweise Vögel oder Fledermäuse.

    Dabei kann jeder einen kleinen Beitrag leisten, um den Insekten wieder auf die Sprünge zu helfen. Beispielsweise durch den Kauf von Bioprodukten, denn den größten Anteil am Verlust der Artenvielfalt hat die intensive Landwirtschaft. Anregungen für eigene, konkrete Maßnahmen, beispielsweise im Garten oder auf dem Balkon gibt es hier.

  • Graukresse – die Dürre-Queen

    Manchmal muss ich an meinen Dozenten für Ökolandbau denken, der immer gesagt hat: Luzerne ist die Futter-Queen….

    Ich hätte wirklich gern mehr Luzerne auf den Flächen in Glindow, aber stattdessen haben wir Graukresse – eine wahre Dürre-Queen! Nachdem die Mahd im Juni nicht geklappt hat und ich im Juli, als endlich der Mulcher repariert war, voller Optimismus gemulcht habe, ist nun alles verbrannt. Nur die Graukresse erhebt sich wie Phönix aus der Asche! Der Mulcher konnte ihr nichts anhaben, weil sie einfach zu niedrig am Boden wächst, nur umgeklappt wird bzw. erfasste Stengel einfach neu austreiben und sie am Ende noch buschiger wächst.

    Und jetzt wo sämtliche Vegetation verdorrt ist, kann sich die Graukresse – die ja mit Sternhaaren super gegen Verdunstung geschützt ist – so richtig breit machen. Eine Wahl zwischen Pest und Cholera bzw. Kanada-Goldrute und Graukresse, wobei mir im Nachhinein die Kanada-Goldrute lieber gewesen wäre. Nun heisst es wieder rausreißen, rausreißen, rausreißen….

    Wir haben noch Futter-.Reserven für eine Handvoll Tage, aber dann müssen wir anfangen wieder Heu zuzufüttern.

    Die letzten Futter-Reserven
  • Verbrannt

    Verbrannt

    Eine Woche Hitze hat gereicht, um die Weiden förmlich zu „verbrennen“…

    Während es im April extrem trocken war, hatte es im Mai, Juni und Juli eigentlich ganz gut geregnet. Die Bilanz der ersten Jahreshälfte sind 300mm für die Station Potsdam. Das langjährige Mittel liegt bei fast 600mm im Jahr. Einen Jahresvergleich kann man natürlich erst machen, wenn das Jahr 2020 zu Ende ist, aber es gab doch Grund zum Optimismus dieses Jahr. (Die Daten können beim DWD runter geladen werden. )

    Die Wiesen und Weiden waren schön grün und so habe ich in meinem Optimismus die Kanada-Goldruten-Fluren von Schafen abfressen lassen und Mitte Juli gemulcht. Es ging darum, im Spätsommer/ Herbst wieder Flächen mit frischem Aufwuchs zur Verfügung zustellen und natürlich die Kanada-Goldrute langfristig loszuwerden. Aber auf zwei großen Flächen mit fast 3 Hektar ist nix mehr gewachsen. Es ist einfach alles vertrocknet, was bleibt ist die Graukresse….

    Juli 2020 – Mulchen der Kanada-Goldrute

    August 2020 – ohne Worte

    War es ein Fehler zu mulchen? Ich weiß es nicht, die Kanada-Goldrute hat zumindest für ein besseres Mikroklima gesorgt und es wäre noch überständiges Landreitgras da. Aber überständiges Landreitgras und Kanada-Goldrute haben auch keinen Futterwert. Das Ziel war eigentlich frisches Grün zu produzieren, stattdessen müssen wir bald wieder anfangen Heu zu zufüttern.

    Was ist die Lehre daraus? Nicht mehr im Sommer zu mulchen, lieber im Herbst/Winter? Das wäre definitiv auch besser für die Insekten….

    Vielleicht klappt nächstes Jahr die Mahd Anfang Juni, so wie es auch eigentlich geplant war.

  • Fotopunkte

    Für die Dokumentation der Entwicklung der Flächen habe ich, neben einem Vegetationstransekt auch Fotopunkte angelegt…

    Hier möchte ich einen dieser Fotopunkte vorstellen:

    September 2019
    April 2020
    Juni 2020
    August 2020

    Dabei handelt es sich um eine Fläche, die erst 2019 für die Beweidung von meinem Vorgänger eingezäunt und durch Mulchen „erst eingerichtet“ wurde. Sie wird von Kanada-Goldrute, Rainfarn und im hinteren Teil von Glatthafer dominiert.

    Im Winter 2019/2020 wurde die Fläche von Schafen abgeweidet und im Frühjahr kamen die Pferde auf die Fläche, um gleich wieder den frischen Aufwuchs abzufressen. Im Juni kamen noch mal Schafe auf die Fläche, damit man im Spätsommer wieder eine Fläche für die Pferde zum abweiden hat. Ohne die Zwischenbeweidung oder eine andere Form der Bearbeitung wie Mahd, wäre hier nur überständiges Gras und Kanada-Goldrute, was die Pferde nicht gern fressen.

    Schafe haben dafür den Vorteil, dass sie bevorzugt Kräuter abweiden und damit Gräser bevorteilen. Damit ergänzen sie sich wunderbar mit den Pferden, welche widerum lieber Gräser fressen und Kräuter oder Stauden wie Kanada-Goldrute stehen lassen.

    Im September werde ich diesen Fotopunkt noch einmal aufsuchen, ich bin schon gespannt, ob man einen Unterschied sieht, denn die Kanada-Goldrute kommt erst im Herbst so richtig zur Geltung, wenn sie blüht.

  • GPS-Tracking

    GPS-Tracking

    Assan hatte fast 23h Stunden ein GPS-Gerät an einem Weidehalfter befestigt und es ist immer wieder interessant sich solche GPS-Daten anzuschauen.

    Zur Verfügung standen 3,6ha Weide, aufgeteilt auf drei Flächen. Eine kleinere Fläche im Nordosten, die ich den gleichen Abend, als ich Assan das GPS-Gerät „angetapet“ habe, aufgemacht habe und damit natürlich am interessantesten war. Die Hauptwiese in der Mitte, auf der nicht mehr soooo viel leckeres steht und eine Fläche im Südwesten, auf der hauptsächlich Landreitgras und Kanada-Goldrute stehen und die über einen Trail erreichbar ist.

    Assan hat dabei 7,6 km zurück gelegt, mit einer, von der Software CanWay errechneten Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,4km/h. Ich denke, dass dabei Ruhezeiten rausgerechnet wurden, sonst wäre die Durchschnittsgeschwindigkeit nur 0,3km/h. Es gab sechs „Spitzen“ bzw. eine Geschwindigkeit von mehr als 10km/h, davon waren zwei auf der Hauptwiese, 2 auf dem Trail (1x hin/1xzurück) und 2 Spitzen zwischen der Fläche im Nordosten und der Hauptwiese.

    Wunderbar wäre es noch, die GPS-Punkte und den Verlauf des Tracks als Film umzuwandeln, um den Verlauf sichtbar zu machen, aber dazu habe ich noch keine Idee, wie man das technisch umsetzen kann….

  • Pioniervegetation

    Pioniervegetation

    Offene Bodenstellen verschwinden von ganz allein, wenn man es zulässt und den Beweidungsdruck wegnimmt….

    Anstatt teures Saatgut zu kaufen – so wie ich auch den Fehler gemacht habe – sollte man einfach auf die Kraft der Natur setzen und Pionier- bzw. Ruderalvegetation zulassen. In der Lichterfelder Weidelandschaft ist beispielsweise die Schaffung von offenen Bodenstellen durch punktuelle Überbeweidung, dann das wegnehmen des Beweidungsdruckes und das Fördern von artenreichen Pionierfluren sogar das ausgesprochene Naturschutzziel. Gehölze oder bestimmte Bereiche, die geschont werden sollen, werden ausgezäunt. Kothaufen werden an der einen Stelle weggenommen und an der anderen Stelle konzentriert, um einerseits magere Standorte mit konkurrenzschwachen Arten und andererseits Disteln, Kletten und Brennnesseln zu fördern. Auf diese Weise hat Anne Loba mit ihrer Reitgemeinschaft Holderhof ein artenreiches Mosaik geschaffen und die Vielfalt an Pflanzen, Insekten, Vögeln etc. geben ihr Recht:

    • 450 Arten Gefässpflanzen
    • 260 Arten Stechimmen
    • 290 Arten Schmetterlinge
    • 26 Arten Heuschrecken
    • 58 Brutvogelarten

    Für ihr besonderes Engagement hat Anne Loba 2017 den Berliner Naturschutzpreis erhalten.

    Bei uns gibt es auch einige Bereiche, an den es zu punktueller Überbeweidung kam. Wenn auch nicht als Naturschutzziel, sondern schlichtweg, weil dort Heuraufen standen und die Pferde aufgrund eines kranken Pferdes konzentriert werden mussten.

    Juli 2019
    Februar 2020

    April 2020
    Juli 2020

    Was zunächst von allein wächst, (wenn man die Pferde auf eine andere Fläche stellen kann) sind vor allem trittresistente Arten wie Vogelknöterich und typische Pionierarten wie Portulak, Weißer Gänsefuss, Wegrauke, Küstenkamille, Kanadisches Berufkraut und leider auch Graukresse. Aus einjährigen Ruderalfluren entwickeln sich von Natur aus mehrjährige Staudenfluren, die auch ziemlich arten- und vor allem blütenreich sind. Dazu gehören unter anderem Acker-Kratzdistel, Rainfarn, Schafgarbe, Brennnessel, Sauerampfer, Kanada-Goldrute, Wilde Möhre, Ochsenzunge, Wegwarte und Johanneskraut.

    Wenn man der Sukzession weiter freien Lauf lassen würde, entwickeln sich diese Flächen weiter zu artenarmen Dominanzbeständen aus Landreitgras, Kanada-Goldrute oder Brennnessel – je nachdem, wer Oberwasser gewinnt. Und letztlich würden erste Gehölze und schließlich Wald aufwachsen….

    Das lassen wir natürlich nicht zu, sondern wir werden diese Fläche mulchen, auch wenn es schmerzt um all der Tagfalter, Heuschrecken & co. Aber als Kompromiss lassen wir besonders schöne, blütenreiche Ecken mit Kamille, Schafgarbe, Disteln, Kletten etc. stehen, schon allein als Nektarquelle und als wichtige Struktur für Überwinterungsstadien der Insekten. In diesen Bereichen muss dann die Graukresse per Hand raußgerissen werden. Und wenn diese Fläche in einigen Wochen wieder nachgewachsen ist, können die Pferde wieder rauf….

  • Mulchen

    Ich bin nun wirklich kein Fan vom Mulchen, aber aktuell geht es leider nicht anders….

    Beim Mulchen werden zum Einen Insekten, deren Überwinterungsstadien, Vogelnester, Kleinsäuger, Reptilien etc. mitgeschreddert und zum Anderen bleibt die Biomasse als Streuschicht liegen. Das bedeutet, dass die ohnehin schon zu nährstoffreichen Flächen zusätzlich gedüngt werden. Von Artenvielfalt ist man also noch weit entfernt. Denn artenreiches Grünland gibt es nur auf ausgehagerten Flächen.

    Ein Abweiden wäre mir lieber gewesen oder wenigstens eine Mahd, aber leider bekommen wir ohne Mulchen die Kanada-Goldrute nicht in den Griff. Die Pferde fressen die Kanada-Goldrute nicht und wir haben ja auch das Luxusproblem, dass wir zu wenig Pferde für zu viel Fläche haben. Als Mahdgut ist es auch ungeeignet, höchstens als Einstreu und die Schafe haben nun wirklich ihr bestes gegeben. Aber die Goldrute kommt in den ersten Jahren der „Bekämpfung“ immer wieder und da heisst es jetzt dran bleiben….

    September 2019 – im Hintergrund sieht man die gelben Blüten der Kanada-Goldrute
    März 2020 – die Schafe haben die jungen Triebe abgefressen

    Juni 2020 – die Pferde haben sich nur auf die „Schokolade“ gestürzt und die Kanada-Goldrute verschmäht
    Juli 2020 – die „Weidereste“ muss nun der Mulcher erledigen