Kategorie: Allgemein

  • Fehler

    Fehler

    Vor fast einem Jahr habe ich in diesem Blog geschrieben, dass es Zeit wird aus eigenen Fehlern zu lernen…

    Ich habe viele Fehler gemacht und es ist ein Glück, weiterhin welche machen zu dürfen, denn probieren geht über studieren. Heute morgen gab es bei Radio1 eine schöne Denkpause: „Theoretisch gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Praktisch aber schon„.

    Was waren das für Fehler? Was ich vor allem unterschätzt habe, ist die Menge, die Pferde fressen. Man kann zwar theoretisch wissen, dass Pferde pro Tag ca. 60-80kg Frischmasse aufnehmen, aber was das in der Fläche bedeutet, muss man praktisch selbst erleben. Wir haben ca. einen Hektar Weide pro Pferd zur Verfügung und davon sollen die Pferde den Sommer über satt werden können. Zusätzlich wollte ich gern Flächen mähen lassen. Zum Einen als Pflegeschnitt beispielsweise wegen der Kanada-Goldrute und zum Anderen, damit man auch im Spätsommer wieder frisch nachgewachsenes Futter hat.

    Denn theoretisch wird das Wiesenfutter nach einem Grasberg und der Samenreife im Juni zu reiner Rohfaser bzw. „Heu auf dem Halm“. Überständige Vegetation ist zwar super aus naturschutzfachlicher Sicht, aber ich wollte gern, dass die Pferde bis zum Herbst von der Weide leben können, bevor man wieder Heu zufüttern muss. Vor allem aus ökonomischen Gründen, denn Heu ist der größte Kostenfaktor…

    Zum Glück hat es dann aber nur auf einer kleinen Fläche geklappt mit der Mahd…. Diese Wiese hat zwar ihren Pflegeschnitt bekommen, aber es wurde dann noch richtig knapp mit der verfügbaren Weidefläche. Und am Ende mussten wir das Heu auch noch entsorgen, weil es nicht richtig getrocknet wurde. Da hätte man die Pferde genauso gut, einmal früh und einmal spät auf die Fläche lassen können.

    Das wird dann auch dieses Jahr mein Plan sein. Statt einer Mahd, sollen die Pferde auf den sechs Flächen mit jeweils ca. 1-2 Hektar in einer Weise rotieren, dass sich die einzelnen Flächen immer wieder erholen und nachwachsen können. Aber ich habe ja schon gelernt, das nichts so beständig ist wie die Planänderung 😉

    Die Dominanzbestände mit Kanada-Goldrute wurden im letzten Jahr intensiv mit Schafen und dem Mulcher bearbeitet. Im August gab es dann eine Dürre, in der alles vertrocknet, ja regelrecht „verbrannt“ ist und ich habe mich geärgert, dass ich die Flächen durch das Mulchen so richtig schön der Sonne und dem Wind ausgesetzt habe. Dieses Jahr werde ich zurück haltender sein mit dem Mulchen und zunächst nur die Graukresse vor der Samenreife mulchen. Man wird sehen, wie die Flächen dann aussehen.

    Aber den schlimmsten Frevel habe ich wohl begangen, dass ich die Pferde im Winter auf die Weiden gelassen habe, ohne die Bäume vor dem Schälen zu schützen. Einige Bereiche habe ich noch ausgezäunt, vor allem Eichen, aber für den Großteil der Felsenkirsche kommt wohl jede Hilfe zu spät. Aktuell sieht es so aus, als wenn sie noch mal austreiben und ich hoffe, dass einige doch noch überleben. Aber das ist eine meiner wichtigsten Lektionen: Gehölze im Winter besser vor den Pferden schützen…

  • Nisthilfen

    Nisthilfen

    Künstliche Nisthilfen für Insekten, Vögel oder Fledermäuse können Lücken in unseren Ökosystemen schließen und manchen Arten helfen in unserer Kulturlandschaft zu überleben.

    Ein typisches Beispiel sind Rauchschwalben, die eigentlich schon immer zu einem Reiterhof dazu gehörten. Der Gesang von Rauschwalben ist für mich ein wichtiger Teil des Sommerkonzertes aus Pferdeschnauben, Hufgetrappel, Gekicher und dem Fegen von Besen.

    Rauchschwalben waren ursprünglich Höhlenbewohner (an Felswänden oder Steilküsten), haben aber gelernt sich Nester aus Lehm selbst zu bauen und suchen die Nähe zu Nutztieren. Viehställe haben dabei höhlenähnliche Bedingungen und genügend Mücken und Fliegen als Hauptnahrungsquelle geliefert. Aber selbst Rauchschwalben, die sich so gut an den Menschen angepasst haben, sind heute bedroht. Sie finden zwar immer noch genügend Fliegen und Mücken auf einem Pferdehof, manchmal aber nicht genug feuchten Lehm im Frühjahr oder überhaupt offene Ställe, um Nester anzulegen.

    Ich höre immer wieder, dass Schwalbennester auf manchen Reiterhöfen sogar entfernt werden, was nicht nur gegen das Naturschutzgesetz verstößt, sondern aus meiner Sicht absolut unverständlich ist. Ich hätte gern Rauchschwalben in Glindow, schon allein, weil ich ihren Gesang vermisse. Und es gilt: „In dem Haus, in dem Schwalben ihre Nester bauen, zieht das Glück ein“. 😉

    Bereits im letzten Frühjahr habe ich deshalb eine künstliche Nisthilfe am Unterstand angebracht. Diese Nisthilfe wurde allerdings nicht angenommen, weil der Standort wohl zu zugig und zu wenig „höhlenähnlich“ war…

    Dieses Jahr starte ich einen neuen Versuch, Rauchschwalben bei uns anzusiedeln.

    Falsch angebrachtes künstliches Rauchschwalbennest
    Neuer Versuch

    Auch Fledermäuse sollten eigentlich hinreichend Nahrung auf Pferdeweiden finden können, aber oft fehlen geeignete Quartiere wie Baumhöhlen oder lose Rinde, weil es zu wenig alte Bäume mit solchen Habitatstrukturen gibt. Dabei nutzen Spaltenbewohnende Fledermausarten auch gern Holz-Verschalungen oder Fensterläden der menschenlichen Siedlungen. Wie bei der Rauchschwalbe sind auch selbst Fledermausarten, die sich an den Menschen und seine Umgebung angepasst haben, vom Aussterben bedroht. Gebäudesanierung, glatte Fassaden und der Insektenrückgang macht unseren „Kulturfolgern“ wie Mauersegler, Schwalben oder bestimmten Fledermausarten zu schaffen.

    Zumindest den Spaltenbewohnenden Fledermausarten wie Breitflügel- oder Zwergfledermaus kann jedoch mit künstlichen Ersatzquartieren geholfen werden.

    Ich habe die Fledermauskästen und Rauchschwalbennester einfach beim NABU-Shop bestellt. Aber wer Spaß am Basteln hat, findet auch sehr viele Anleitungen zum selbst bauen von Nisthilfen. Eine gute, umfangreiche Broschüre mit Bauanleitungen, Artportraits, Lebensräumen, Nahrung und Hinweisen zum Anbringen der Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten findet man hier.

  • Lesesteinhaufen

    Die Eiszeiten, insbesondere die Weichseleiszeit, die vor ca. 10.000 Jahren endete, haben das Nordostdeutsche Tiefland und ihre Landschaft geprägt.

    Neben vielen Einzelformen aus Schmelzwasserrinnen, Binnendünen, Grundmoränenplatten, Kames, vermoorten Senken oder Söllen hat uns die Eiszeit auch viele schöne Steine in allen Größen bis hin zu Findlingen aus Skandinavien mitgebracht. Auf unserer Weide haben wir auch so ein besonderes Schmuckstück:

    Unser Ponyhof befindet sich auf der „Glindower Platte“, einer Grundmoränenplatte im Übergangsbereich zur Havelniederung. Aufgrund der guten thermischen Bedingungen wurde hier seit Ende des 19. Jahrhunderts vor allem Obst angebaut und wir haben noch einige erhaltene Apfelbaumplantagen, teils in Nutzung, teils aufgelassen in der näheren Umgebung.

    Auf den Flächen, die ackerbaulich genutzt werden, kommen mit jeder Bearbeitung mehr oder weniger große Steine hoch, die schon seitjeher von den Bauern von den Feldern abgelesen und an den Rand gelegt werden. Dadurch haben sich die sogenannten Lesesteinhaufen entwickelt. Auch auch auf unseren Weiden kommen mit jedem mulchen oder schleppen Steine zum Vorschein. Und so lag es natürlich nahe, dass ich einen Lesesteinhaufen anlege. 🙂

    Zum Einen, um die Steine von der Koppel zu räumen, damit sie nicht bei der Bearbeitung stören und zum Anderen um einen wertvollen Lebensraum zu schaffen. Lesesteinhaufen dienen einer ganzen Reihe von Artengruppen wie Kleinsäugern, Reptilien, Amphibien, Insekten oder Spinnen als Winterquartier, Versteckmöglichkeit, Sonnenplatz oder Eiablagestelle.

    Hier mal ein paar Bilder, wie solche Lesesteinhaufen aussehen können. Eine schematische Darstellung nach karch (Koordinierungsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz), ein Lesesteinhaufen, der im Rahmen eines Naturschutz-Projektes in der Uckermark angelegt wurde und ein Haufen, der wahrscheinlich aus Steinen entstanden ist, die vom Acker abgelesen wurden.

    Bei unserem Lesesteinhaufen habe ich mich nicht ganz an die Anleitung nach karch gehalten. Das wäre viel zu aufwendig geworden und so viele Steine haben wir nun auch wieder nicht. Aber ich habe auf jeden Fall einen Platz ausgesucht, an dem der Steinhaufen nach Süden ausgerichtet ist und auf der Nordseite ein paar Gebüsche als Wind- und Feindschutz hat. Das ist gleichzeitig eine Stelle auf der Weide, die man aufgrund der Gehölze nicht mähen oder mulchen kann, so dass der Haufen hier nicht stört.

    Ich habe ein Loch mit ca. 50cm Tiefe, 50cm Breite und 100cm Länge ausgehoben und zunächst eine Schicht aus kleinen Steinen, die ich vom Reitplatz gesammelt habe angelegt. Empfohlen wird eine Mulde mit 80-100cm Tiefe und eine Lage aus einer 10cm mächtigen Kies-Sand-Schicht als Drainage. Darauf kommen dann die größeren Steine mit möglichst vielen flachen Hohlräumen und zum Schluss der Aushub an die Rück- bzw. Nordseite.

    Man kann den Steinhaufen natürlich auch ohne Mulde anlegen, aber dann ist er nicht frostfrei bzw. als Winterquartier geeignet.

  • Naturschutz auf der Pferdeweide

    Wie geht das denn? Und nützt das auch den Pferden?

    Das aktuelle Heft der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ der VFD widmet sich dem „Thema Pferde halten – Natur schützen“ und zeigt Wege auf, wie sich Pferdehalter ihrer Verantwortung für den Naturschutz stellen können. In guten Beiträgen werden komplexe Zusammenhänge auf den Punkt gebracht und konkrete Anregungen für eine artgerechte Pferdehaltung, gesunde Weiden als Futtergrundlage und dem Schutz der Artenvielfalt aufgezeigt.

    Die Artikel sprechen mir dabei förmlich aus der Seele. Es wird beispielsweise erklärt, warum es eine WinWin-Situation wäre, wenn Freizeit-Pferdehalter Heu aus ungedüngten, spät geschnittenem, also proteinarmen, dafür kräuterreichen Wiesen füttern würden. Und auch eine extensiv genutzte, arten- und kräuterreiche Weide wäre für die meisten unserer Pferde besser geeignet als fruktanreiche Intensivgraslandschaften, die eher Rinderfutter sind. Pflanzenvielfalt, Blütenreichtum und auch mal was stehen lassen nützen dabei auch dem Insektenschutz. Ein ganzer Artikel widmt sich sogar speziell dem Insektensterben und was man auf der Weide dagegen tun kann. Zusammengefasst und stark vereinfacht:

    • Verzicht auf prophylaktische Wurmkuren
    • Verzicht auf Bremsenfallen
    • Verzicht auf Nachpflege, denn „Mähen tötet den Nachwuchs“ (Puppen- und Raupenstadien)
    • Verzicht auf rotierende Mähwerke und Mulchsammler
    • eine möglichst angepasste Anzahl an Pferden, damit Pflanzen Blüten ausbilden können

    Auch der Mehrwert von Hecken als Lebensraum, Biotopverbund, Windschutz und Knabberei für die Pferde wird aufgezeigt und welche Gehölze sich eignen, welche für Pferde giftig sind. Hecken und Gehölzreihen schützen die Weide auch vor Austrocknung in Dürreperioden. Und natürlich wird auch das Thema Giftpflanzen behandelt mit Tipps zur Eindämmung von Jakobskreuzkraut, Graukresse & co.

    Es wird beispielsweise beschrieben, dass die Graukresse in den letzten Jahren von der Trockenheit profitiert hat und sich vor allem auf übernutzten Weiden ausbreitet. Dagegen hilft nur eine nachhaltige Nutzung und wenn sie sich schon auf größeren Flächen ausgebreitet hat, ein Mulchen vor der Samenbildung im Juni.

    Auch die Themen Herbizid- und Düngemitteleinsatz sowie deren Nachteile für die Pferdegesundheit und Umwelt werden behandelt. Dabei kann man einen ganz einfachen Zusammenhang nicht oft genug betonen. Nur auf ungedüngten Wiesen und Weiden gibt es eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern, da sich ansonsten nur einige wenige konkurrenzstarke Arten ausbreiten und das nützt auch der Pferdegesundheit, denn „Wo Pferde gesund bleiben, herrscht bunte Vielfalt„.

  • Winter

    Winter

    Die letzten zwei Wochen hatten wir tatsächlich einen richtigen Winter, der ab morgen wahrscheinlich schon wieder vorbei ist.

    Ich wurde oft von Freunden und Verwandten gefragt, wie es eigentlich den Pferden geht bei diesen Temperaturen und ob wir Wasser schleppen müssen? Nein, zum Glück nicht. Unsere beheizbare Selbsttränke hat einen Temperaturfühler und heizt ab -1° C. Sie ist in den letzten zwei Wochen, in denen es über Nacht teilweise kälter als -15° C war, nur zwei mal eingefroren. Als schnelle Abhilfe haben wir Mörtelwannen mit Wasserschlauch aufgefüllt aus einer Leitung, die glücklicherweise nicht eingefroren ist. Die Pferde saufen normaler Weise aus einem IBC Container und waren recht dankbar, als wir ihnen zusätzliche Mörtelwannen mit Wasser hingestellt haben. Mit heißem Wasser konnte das Ventil auch wieder aufgetaut werden. Man ist dann doch recht erleichtert, wenn die Tränke wieder geht…

    Wasser auffüllen mit Mörtelwannen für neun Pferde hätte uns vor eine große Herausforderung gestellt, da wir ja alle arbeiten müssen.

    Als es vorletztes Wochenende richtig kalt wurde, standen morgens alle Pferde im oder am Unterstand, windgeschützt. Der Unterstand wird ja sonst kaum genutzt, eher im Sommer als Schattenplatz. Aber bei diesem eisigen Ostwind wurde der Unterstand dann doch mal aufgesucht. Es ist schön, wenn man in so einem Moment einfach darauf reagieren kann und einen Heuballen in den Unterstand und einen daneben stellen kann. Das ist eines der größten Vorteile an einer Haltergemeinschaft bzw. wenn man die Sachen selbst in der Hand hat.

    Wobei die Kaltblüter kein Problem mit dem Wintereinbruch hatten. Sie haben sich einschneien lassen und der Schnee schmilzt auch nicht auf ihrem dicken Fell. Die Warmblüter, Assan als Araber-Mix, Lipizzaner- und Reitponystute waren eingedeckt und wollten außerdem lieber im Unterstand stehen. Assan brauchte sogar eine dickere Decke und bei Krämer war die Hölle los – alle haben Decken gekauft….

    Davon abgesehen würde ich sagen, ging es den Pferden ganz gut. Man hat gemerkt, dass sie vielmehr Heu als sonst brauchen. Bei der geschlossenen Schneedecke können sie natürlich nicht mehr grasen gehen und brauchen sicherlich auch mehr Heu für ihren Stoffwechsel, denn Heu ist ja bekanntlich ihre Heizung 😉

  • Insektensterben

    Insektensterben

    „… wo Schafe weiden und Pferde für Rennen trainiert werden; und alle spenden Manna für die jubelnden Mistkäfer. Hier sind die Straßenkehrer am Werk – Käfer, die das wichtigste Amt haben, den Erdboden rein zu halten. Man kann die Vielfalt der Werkzeuge gar nicht genug bewundern, mit denen sie den Unrat bewegen, zerkleinern, formen oder tiefe Höhlen graben, in denen sie sich samt ihrer Beute einschließen.„

    So liebevoll beschreibt Jean-Henri Fabre 1879 in seinem ersten Band „Erinnerungen eines Insektenforschers„ das Werk der Dungkäfer.

    Und wie ist es heute auf einer Pferdekoppel um den wertvollen Manna bestellt? Der Umweltforscher, Agrarexperte und Leiter des Tagfalter-Monitoring Deutschland Josef Settele beschreibt Kuhfladen und Pferdeäpfel 2020 in seinem Buch „Die Triple Krise – Artensterben, Klimawandel, Pandemien“ als giftige Betonfladen:

    „Finden Insekten doch noch Nutztierexkremente als Unterschlupf, riskieren sie, in eine Giftfalle zu tappen. Kühen und Pferden werden oft über Kraftfutter Medikamente verabreicht, die vor Erkrankungen und Insektenbefall schützen. Aus Sicht der Landwirte und Züchter ist das nachvollziehbar…. Da die giftigen Mittel auch noch im Kot ihre Wirkung entfalten, werden Kuhfladen und Pferdeäppel für kleine Krabbeltiere nicht mehr verzehrbar. Dung- und Mistkäfer können die tierische Hinterlassenschaft nicht mehr zersetzen, sie bleibt, wie sie ist, und wird hart wie Stein. …40 Prozent der Dung- und Mistkäfer hierzulande sind ausgestorben oder zählen zu den am stärksten bedrohten Insektenarten.“

    Vom Artenschwund sind fast alle Insektengruppen betroffen. Eine erste, ernsthafte breite mediale Aufmerksamkeit hat dieses Phänomen mit der Studie der Krefelder Entomologen erfahren, die anhand von Fluginsekten einen Rückgang der Biomasse um bis zu 80% nachweisen konnten. Die Probeflächen befanden sich ausnahmslos in Schutzgebieten…

    Die Ursachen für das Insektensterben sind sicherlich ein Zusammenspiel von vielfältigen Faktoren. Aber die Hauptursache ist wohl die Intensivierung der Landwirtschaft mit einer meist flächendeckenden, prophylaktischen Nutzung von Pestiziden (Gift ist nunmal giftig), Überdüngung, Verlust von artenreichem Grünland und einer vielfältigen, strukturreichen Kulturlandschaft. Die wichtigste Stellschraube ist hier der gleichzeitig größte Fördertopf der EU – die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Sie zielte jahrzehntelang auf steigende Ernten, ohne Rücksicht auf Tierwohl oder Naturschutz ab.

    Aktuell wird diese „Subventionsmaschine“ (Die Zeit; Letzte Chance) mit einem Budget von 347 Milliarden Euro für eine Förderperiode bis 2027 umgestellt. Es gab große Hoffnungen in diese GAP-Reform und dass es zukünftig mehr Geld für ökologische Dienstleistungen, Tierwohl und klimaschonende Anbauweisen gibt. Landwirte wären sicherlich bereit „Schmetterlinge zu produzieren“, wenn sie dafür entsprechend bezahlt werden. Hier eine kleine Einführung zum Thema Agrarreform:

    Aber zurück auf die Pferdeweide, auf der jeder Selbstversorger und jede Haltergemeinschaft selbst Einfluss nehmen kann, um Insekten wieder Lebensräume zu bieten, u.a. im Pferdehaufen. Hier ein paar Anregungen für mehr Artenvielfalt auf der Pferdeweide:

    • Verzicht auf prophylaktische Wurmkurgaben
    • Verzicht auf Düngemittel und Pestizide
    • Herstellung von Habitatmosaiken (auch mal was stehen lassen, ggf. Teilflächen auszäunen, die Nutzung räumlich und zeitlich variieren)
    • bei der Mahd oder dem Mulchen Teilflächen stehen lassen
    • Anlegen oder Belassen von „Wilden Ecken“, Totholzhaufen, Lesesteinhaufen
    • bei der Neuanlage oder Nachsaat regio-zertifziertes Saatgut verwenden, ansonsten lieber auf die Pioniervegetation setzen

  • Die Schönheit des Winters

    Endlich kam Väterchen Frost und hat unsere Weiden in ein Wintermärchen verwandelt.

    Die Pferde lagen heute morgen im Schnee und haben die ersten wärmenden Sonnenstrahlen genoßen. Alles war in wunderbares Weiß gekleidet, eine Wilde Möhre kommt als Eiskönigin daher, Hundsrosen setzen rote Farbtupfer in den eisblauen Himmel und viele Tierspuren im Schnee verraten ein reges Treiben auf den Koppeln.

    Leider kenne ich mich mit Tierspuren im Schnee überhaupt nicht aus. Trittsiegel waren auch nicht wirklich erkennbar. Zu vermuten sind natürlich die üblichen Verdächtigen wie Reh und Fuchs, letzterer vor allem rund um unseren ausgezäunten Fuchsbau.

    So wird die Zaunkontrolle zur Entdeckungstour und dem Erkenntnis-Gewinn: Der Weidezaun ist für die Pferde da, aber sehr wohl durchlässig für allerlei Wildtiere 😉

  • NABU Aktion Stunde der Wintervögel

    Dieses Wochenende ist „Stunde der Wintervögel„, eine Aktion des NABU, bei der jeder mitmachen kann…

    Natürlich habe ich mich auch an den Rand unserer Pferdekoppel gesetzt und Vögel gezählt. Dolle war es ehrlich gesagt nicht. Da ist sicherlich an jeder Vogelfütterung im Garten oder am Balkon mehr los.

    Es gab einen Trupp Saatkrähen, gemischt mit einigen Nebelkrähen, die durchzogen. Krähen, manchmal auch Dohlen und Kolkraben kommen immer wieder mal auf unseren Weiden gucken, ob es etwas in den Pferdehaufen zu holen gibt. Zwischen der großen Eiche hinter dem Unterstand und der Pappelreihe flogen immer wieder insgesamt drei Eichelhäher hin und her. Gern können sie noch weitere Eichen pflanzen ;-). Ansonsten konnte ich eine Kohlmeise und einen Jagdfasan hören, eine Amsel vorbei fliegen sehen, einen Grünspecht, einige Ringeltauben, Elstern und einen Trupp Erlenzeisige in den Pappeln beobachten.

    Und am 8. bis 10. Mai ist Stunde der Gartenvögel, mal sehen, was es dann zu sehen gibt auf unseren Weiden…

  • Wintervögel

    Endlich hat es geschneit und der Winter ist da 🙂

    Jetzt im Winter zeigt sich, ob unsere Weiden noch genug hergeben für Vögel, die im Winter bei uns bleiben. Amsel, Meisen, Sperling, Zaunkönig, Eichelhäher und viele weitere Vögel kann man im Winter sehr gut beobachten, wenn man ihnen Nahrung bietet. Die Hundsrose beispielsweise trägt noch im Winter beliebte, rote Früchte. Hagebutten sind nicht nur für die Pferde sehr gesund, da sie viel Vitamin C enthalten, sondern dienen auch unseren Wintervögeln als wichtige Nahrungsquelle. Folgende Abbildungen stammen aus dem Tagebuch der Edith Holden und verdeutlichen wunderbar den Wert von „Wilden Ecken“ – auch auf der Pferdeweide.

    Sehr wichtig ist auch überständige Vegetation mit Sämereien, von denen sich die Vögel im Winter, wenn es keine Insekten gibt, ernähren können. Bei uns gibt es noch einige Bereiche mit überständiger Vegetation und Sträuchern wie Hundsrose, Brombeere oder Weißdorn. Wenn die Pferde nicht so extensiv gehalten werden können, wäre es auch hilfreich, Teilbereiche auszuzäunen.

    Ich habe jetzt auch einen Bereich mit insgesamt fünf Eichen auszäunen müssen, weil der Verbiss und das Schälen durch die Pferde so stark ist, dass die Gefahr bestand, dass die Eichen eingehen. Solche ausgezäunten Bereiche haben auch den Vorteil, dass die Vegetation über den Winter stehen bleiben kann, als Überwinterungsmöglichkeit für Insekten und mit Nahrungsangebot für Vögel.

    Ansonsten ist es natürlich auch legitim Vögel einfach zu füttern, wenn man sie im Winter unterstützen und beobachten will. Tipps zur Vogelfütterung findet man beispielsweise beim NABU.

    Und nächstes Wochenende ist auch wieder Stunde der Wintervögel – eine gute Gelegenheit mal die Vögel auf der eigenen Weide, im Garten oder am Haus zu beobachten. Viel Spaß dabei 🙂

  • Jahresrückblick 2020

    Jahresrückblick 2020

    Ein Jahr Ponyhof Glindow – Zeit für ein kleines Resümee und ein großes Dankeschön.

    Das erste Jahr für das Projekt „Ponyhof Glindow – Artenvielfalt auf der Weide“ neigt sich dem Ende und ich will versuchen, eine Bilanz zu ziehen, was wir bisher erreicht haben. Dabei stand zunächst die Optimierung der Infrastruktur und das allgemeine Verschönern des Hofes im Vordergrund:

    • ca. 600 Meter neuen Zaun gebaut
    • ca. 1000 Meter Zaun erneuert (alte Breitbandlitze gegen Kordel ausgetauscht, z.T. neue Pfosten gesetzt)
    • zwei Unterstände erneuert
    • drei Tränken verschalt
    • 20 Quadratmeter Paddockplatten verlegt
    • Sitzecke „aufgemöbelt“
    • ca. 6 Kubikmeter Müll entsorgt

    Das war natürlich nicht allein zu schaffen! Ich hatte zum Glück sehr viel Hilfe von lieben Freunden, Verwandten und der Haltergemeinschaft. Es ist schön und schweißt zusammen, wenn man mit einem Arbeitseinsatz am Hof richtig viel schafft und sich nach getaner Arbeit ein gemeinsames Feierabend-Bierchen gönnt.

    Die folgenden Maßnahmen zur Weidepflege dienten in erster Linie dem Zurückdrängen der Kanada-Goldrute, des Landreitgrases und der Graukresse, aber indirekt natürlich auch dem Naturschutz. Denn Dominanzbestände aus Kanada-Goldrute und Landreitgras sind extrem artenarm. (Und die Graukresse ist einfach mal giftig und muss deshalb auf einer Pferdeweide in Schach gehalten werden.) Neben einer besseren Nahrungsverfügbarkeit für unsere Pferde geht es auch um artenreichere Vegetationsbestände. Das Ziel der Pflegemaßnahmen sind kräuter- und blütenreiche Weiden, welche sowohl der Pferdegesundheit als auch dem Erhalt der Biodiversität zuträglich sind. Die bisherige Weidepflege in Zahlen, wobei einige Flächen mehrfach „behandelt“ wurden:

    • ca. 5 Hektar Beweidung mit Schafen
    • ca. 3 Hektar Mulchen
    • ca. 0,7 Hektar Mahd
    • ca. 0,3 Hektar Graukresse ausstechen

    Beratung für die Weidepflege und tatkräftige Unterstützung beispielsweise beim Mulchen, mit dem Traktor oder bei der Reparatur der Zapfwelle für den Mulcher habe ich durch den Naturschutz-Förderverein Döberitzer Heide e.V. bekommen.

    Ich bin gespannt auf das neue Jahr, es wird weiterhin viel zu tun geben. Aber zumindest sind die – aus meiner Sicht – wichtigsten und aufwendigsten Arbeiten erledigt. Sicherlich wird man immer wieder mit den Zäunen zu tun haben: reparieren, weitere Strecken erneuern, frei schneiden. Auch die Kanada-Goldrute und Graukresse wird einen noch viel beschäftigen.

    Aber neben der Weidepflege und dem Tagesgeschäft wie Zaunkontrolle, Heu fahren und abäppeln, hoffe ich im nächsten Jahr mehr Zeit für eigentliche Naturschutzmaßnahmen zu haben und natürlich auch für Assan. Aber ich bin sehr optimistisch, da sich die Haltergemeinschaft so gut eingespielt hat, dass ich nur noch einen Tag in der Woche „Stalldienst“ habe. Es wird immer wieder sehr viel Hilfe angeboten und sogar das Heu fahren kann mittlerweile von unserem fleißigsten Bienchen, der lieben Sarah übernommen werden.

    Deshalb ist es Zeit für ein großes Dankeschön an alle Helfer!!! 🙂

  • Wurmkur

    Unsere Pferde haben heute ihre „klassische Nikolaus-Entwurmung“ bekommen…

    Aus Naturschutzgründen möchte ich unsere Pferde nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich entwurmen. Ob wir dabei alles richtig machen, weiß ich auch noch nicht. Aktuell kann ich nur beschreiben, welchen Weg wir dabei beschreiten. Um das Grundwasser und den Boden nicht zu belasten und vor allem die Dungkäfer nicht zu beeinträchtigen versuchen wir möglichst selektiv zu entwurmen, d.h. nur nach Befund durch Kotproben.

    »Dung- und Mistkäfer gehören zu den am stärksten bedrohten Gruppen unter den Insekten.« Ungefähr 40 Prozent der Dungkäfer sind ausgestorben oder stark gefährdet. Die Hauptursache ist die Anwendung von Parasitenmitteln, vor allem mit dem Wirkstoff Ivermectin. Mit dem Rückgang der Dungkäfer werden auch insbesondere die Nahrungsressourcen für Vögel, Amphibien, Reptilien und Fledermäuse reduziert. Und da es kaum noch Weidehaltung in Deutschland gibt, haben Pferdehalter eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität, aber auch die Chance einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten.

    Aus diesem Grund sollten Wurmkuren nicht unbedacht mehrmals im Jahr gegeben werden. Vor allem im Frühjahr, wenn Vögel die Dungkäfer brauchen, um ihre Jungen zu füttern ist eine Wurmkur-Gabe fatal.

    Aber jetzt im Winter haben wir eine Wurmkur gegeben, um auch die Entwicklung der Dasselfliege zu unterbrechen, die ihre Eier im Sommer bevorzugt an den Vorderbeinen der Pferde ablegen. Von hier werden sie durch das Maul durch lecken und kratzen aufgenommen, gelangen in den Magen, entwickeln sich weiter und können dabei das Pferd gesundheitlich schädigen.

    Da es auch im Winter aktive Dungkäfer gibt und um die Weiden nicht mit dem Wirkstoff zu kontaminieren, haben wir die Pferde relativ eng gekoppelt, um in den nächsten Tagen alle Pferdeäppel ordentlich absammeln zu können. Der Wirkstoff lähmt die Würmer, die sich nicht mehr an den Schleimhäuten des Magens festhalten können und mit dem Kot ausgeschieden werden. Da die Würmer zunehmend resistent gegen Wurmkuren sind, überleben es einige Individuen. Nicht mehr prophylaktisch zu entwurmen, um Resistenzen zu vermeiden, sondern Pferde selektiv oder strategisch zu behandeln, ist sogar Haltung und Empfehlung der FN.

    Schon vor zwei Wochen wurde in Vorbereitung auf die Wurmkur ein Teil der Weide abgetrennt und sauber abgeäppelt. Heute haben wir die Heuraufen und einen IBC-Container mit Wasser dorthin gestellt. Nun müssen die Pferde für ein paar Tage auf die weitläufgen Koppeln, die wir ihnen sonst zur Verfügung stellen, verzichten. Diese Fläche soll dann vollständig von Pferdeäppeln befreit werden.

    Alle Flächen mit insgesamt fast neun Hektar Größe können schlichtweg nicht abgeäppelt werden, so dass wir im Winter nur die Bereiche um die Heuraufen sauber halten. Aber auch aus den oben genannten Gründen, zum Wohle der Dungkäfer sollen nicht alle Pferdeäppel entfernt werden. So versuchen wir einen Kompromiss zwischen Pferdegesundheit und dem Erhalt der Artenvielfalt zu finden. Neben dem regelmäßigen Abäppeln von Pferdeweiden, der Umtreibsweide und extensiven Haltung wird beispielsweise auch ein Mähen oder Mulchen von Geilstellen im Frühjahr empfohlen. Dadurch würde man die Larven der Würmer, die am Grashalm darauf warten, von den Pferden aufgenommen zu werden, reduzieren. Aber dadurch würde man gleichzeitig die Überwinterungsstadien von Insekten und ggf. Gelege von Wiesenbrütern zerstören.

    Aber ich habe die Hoffnung durch eine relativ extensive Haltung von aktuell acht Pferden, dem häufigen Umkoppeln und dem Abäppeln an den Heuraufen den Parasitendruck insgesamt gering zu halten. So wenig wie möglich und so viel wie nötig zu entwurmen soll dabei die Pferdegesundheit und gleichzeitig die Artenvielfalt erhalten. Ich werde weiterhin regelmäßg Kotproben sammeln und bin gespannt, ob man auf Wurmkuren weitgehend verzichten kann….

  • Koppel aufräumen

    Koppel aufräumen

    Jetzt wo man langsam „Land sieht“ auf unseren Flächen, habe ich angefangen Steine zu sammeln…

    Der Plan war eigentlich große Steine für einen Lesesteinhaufen zu sammeln. Mit jeder Bearbeitung wie schleppen oder mulchen kommen auch immer wieder mehr oder weniger große Steine hoch. Seit jeher werden solche Steine, die mit der letzten Eiszeit transportiert wurden, am Feldrand abgelegt.

    Lesesteinhaufen sind Versteckmöglichkeiten, Sonnplätze und Überwinterungs-möglichkeiten für eine Vielzahl von Artengruppen wie Insekten, Spinnen, Reptilien, Amphibien oder auch Brutplätze beispielsweise für den Steinschmätzer.

    Aber als ich mich mit meiner Schubkarre aufgemacht habe, um Steine von unseren Flächen zu sammeln, habe ich auch gleich noch viel mehr gefunden, was durch die Bearbeitung zu Tage kam. Eine vielfältige Auswahl an Glas, Metall, Stoff und Plastik. Es ist also eine gute Gelegenheit mal die Koppel aufzuräumen 😉

    Eine gute Anregung wie man Lesesteinhaufen anlegt, findet man hier.

    Dabei macht es auch durchaus Sinn, Holz das verstreut rumliegt auf einen Haufen zu schichten. Zum Einen schafft man dadurch Lebensraumstrukturen und zum Anderen stören die Holzstämme nicht bei der nächsten Bearbeitung wie Mahd, Mulchen oder Schleppen. Hier habe ich beispielsweise Holzteile kurzerhand zu einem kleinen Haufen zwischen zwei Sträuchern aufgeschichtet.

    Auch die Vielzahl an Ästen, die zusammen kam, als wir Sträucher und alte Obstbäume entastet haben – vor allem zum Schutz der Pferdeaugen – wurden als Totholzhaufen liegen gelassen. Oder wenn mal die eine oder andere alte Pappel umfällt, bietet sie sicherlich auch Brennholz, aber nicht im Ganzen, es darf auch gern etwas liegen bleiben…

    Bereits durch meinen Vorgänger aufgestalpeter Holzhaufen aus Ästen, die wegen der Verletzungsgefahr von den Sträuchern entfernt wurden.
    Umgestürzte Pappel, die teilweise aufgearbeitet wurde. Der Stubben blieb als stehendes Totholz erhalten und die Reste wurden als Haufen innerhalb der Baumreihe aufgeschichtet.
    Ebenfalls durch meine Vorgänger am Rand abgelegte Stämme von umgefallenen Pappeln als wertvolle Lebensraumstruktur und Mikrohabitat

  • Fotopunkte IV

    Fotopunkte IV

    Wir haben einige Flächen mit Dominanzbeständen aus Kanada-Goldrute und mit dem folgenden Fotopunkt möchte ich zeigen, wir wir bisher damit umgegangen sind.

    Diese Fläche war im letzten Jahr fast vollständig von Kanada-Goldrute und Landreitgras bedeckt. Als erstes kamen Ende 2019 24 Skudden zum Einsatz. Im Januar, an einem relativ kalten Tag wurde die Fläche geschleppt, um die Stängel der Goldrute zu brechen. Im Frühjahr kamen dann die Pferde auf die Fläche, aber sie fressen die Kanada-Goldrute nicht wirklich und in Massen ist sie auch giftig. Da auch die Mahd nicht geklappt hat, haben wir noch mal Schafe als Leihgabe bekommen, 96 Guteschafe.

    Dezember 2019
    Juli 2020
    November 2020

    Nach den Schafen wurden die stehen gebliebenen Stängel im Juli gemulcht. Im August gab es dann eine Hitzeperiode, in der alles verbrannt ist und ich mich zunächst über das mulchen geärgert habe. Aber dann nach einigen schönen Regenfällen ist alles wieder grün geworden und die Pferde konnten seit September wieder auf die Fläche. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Man sieht im letzen Bild zwei Streifen, die ich wegen der Gehölze stehen gelassen habe.

    Natürlich wird die Kanada-Goldrute im nächsten Jahr wieder kommen. Es braucht Jahre, um sie loszuwerden. Es wird empfohlen solche Flächen mehrmals im Jahr zu mulchen. Mahd wäre natürlich schöner, aber niemand kann so ein Mahdgut gebrauchen. Vielleicht helfen uns im nächsten Jahr wieder Schafe, um die Goldrute in den Griff zu bekommen. Die Strategie bei der Goldrute kann nach dem Bundesamt für Naturschutz nur lauten, sie durch mehrmaliges Mulchen und/oder Abweiden im Jahresverlauf zu schwächen. Das kann einige Jahre dauern, wobei die Rhizome für immer im Boden bleiben. Das heisst, wenn die Nutzung ausbleibt, breitet sie sich wieder aus und verdrängt alle anderen Pflanzenarten, mit Ausnahme vom Landreitgras, das selbst sehr dominant ist….

    Skudden helfen bei der „Ersteinrichtung“
    Die Schleppe bricht die Stängel, aber es bleibt eine dicke Streuschicht liegen
    Im Frühjahr können die Pferde auf die Weide, die Kanada-Goldrute ist noch ganz jung und tritt deshalb noch nicht so in Erscheinung
    Guteschafe weiden die Goldrute weitgehend ab, es bleiben nur Stängel stehen

  • Was ist Natur (-schutz)?

    Ich stelle immer wieder fest, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was „Natur“ ist. Und dementsprechend auch viele Missverständnisse, was dann eigentlich „Natur-Schutz“ ist….

    Für viele Menschen ist Wald die einzig wahre Natur. Aber kennen wir einen „natürlich“ aufgewachsenen Wald? Abgesehen von den Heiligen Hallen – ein 25Hektar kleines Waldstück, das sich seit dem 30-jährigen Krieg vermutlich selbst etabliert hat und zumindest seit Ende des 19. Jahrhunderts ohne menschlichen Einfluss, also sich selbst überlassen ist. Ansonsten kennen wir nur geregelte Forstwirtschaft, Holzplantagen angelegt in viereckigen Forstrevieren, meist auf Flächen, die bis zum 19. Jahrhundert noch Offenland waren. In Brandenburg wurden in der Regel Kiefern angepflanzt. Sicherlich gibt es hier und dort kleine Inseln aus Buchenwäldern, reliktartig eingestreute Eichenwälder, Moorwälder, Ulmen-Hang- oder Auenwälder aus natürlicher Sukzession.

    Aber wie würde unsere Landschaft aussehen, wenn nicht mehr als die Hälfte des Landes landwirtschaftlich genutzt wäre, wenn nicht alle Flüsse begradigt und eingedeicht wären, Niedermoore entwässert, Wälder angepflanzt? Wenn Biber machen könnten, was sie wollen, wenn sich Feuer ausbreiten könnten und der Mensch nicht alle großen Säugetiere wie Auerochsen, Wisente, Pferde, Wölfe und Bären ausgerottet oder verdrängt hätte?

    https://www.abu-naturschutz.de/veroeffentlichungen/wilde-weiden

    Wir können es uns nicht vorstellen, aber mit Sicherheit wäre Mitteleuropa nicht vollständig von Wald bedeckt. Und der Großteil unserer Artenvielfalt, die wir im Naturschutz erhalten wollen, ist an offene Lebensräume und Habitatkomplexe gebunden. Artenvielfalt braucht ein zeitliches und räumliches Mosaik aus offenem Boden, Weiderasen, Hochstaudenfluren, Röhrichten, Gebüschen, Baumgruppen bis hinzu geschlossenen Wäldern. Beispielsweise sind die meisten Tagfalterarten an Offenland und Säume gebunden. Aber genau diese Bereiche fehlen uns heute durch die strikte Trennung von Wald, Wiese und Acker.

    Noch bis zur Einführung der industriellen Land- und Forstwirtschaft sowie der Entwässerung der Moore und Begradigung all unserer großen Flüsse haben viele Arten durchaus Ersatzhabitate in den von Menschen geschaffenen Lebensräumen gefunden. „Kulturfolger“ fanden neue Nischen in den anthropogen geprägten Landschaften mit ihren Äckern, Wiesen, Weiden, Wegsäumen, Hecken, Streuobstwiesen und Hutewäldern.

    Aber mit der Intensivierung der Landnutzung, der Einführung von Großtechnik, Pestiziden, Mineraldünger und der Trennung von Wald und Offenland nahm die Artenvielfalt rapide ab.

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    WIJNGAERDT, ANTHONIE JACOBUS VAN
    (Rotterdam 1808 – 1887 Haarlem)
    Weidelandschaft.
    Naturschutz mit Wasserbüffel und Koniks in der Döberitzer Heide

    Von den Pflanzenfressern, die einst die Landschaft mitgestaltet haben, sind uns nur noch Reh und Hirsch geblieben, die anderen kennen wir nur als fossile Reste oder Höhlenmalerei. Wildschweine und Biber gestalten noch in kleinem Rahmen ihre Umgebung. Und ansonsten versuchen Naturschützer mit viel Arbeit, größtenteils im Ehrenamt Artenvielfalt zu bewahren. Dabei besteht der praktische Naturschutz meist aus der Pflege von Wiesen und Weiden.

    Gleichzeitig haben wir sehr viel Grünland, das von Pferdehaltern genutzt wird und durchaus das Potential hätte, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten:

    • Wenn Pferdeweiden nicht so stark überbeweidet werden und es im Sommer auch Blühaspekte gibt.
    • Wenn auch mal Weidereste von Brennnesseln, Disteln oder Beifuss über den Winter stehen bleiben können.
    • Wenn man Wilde Ecken und ggf. auch auf das Aufwachsen von Sträuchern wie Wildrose oder Weißdorn zulassen kann.
    • Wenn man bestehende Lebensraumstrukturen wie Gehölzgruppen, Kleingewässer oder Totholzhaufen erhält und/oder gezielt fördert.
    • Wenn man sich als Pferdehalter mit Wurmkuren zurückhalten würde, nur im Winter eine Wurmkur gibt und ansonsten nur selektiv entwurmt.
    • Wenn man auf Schleppen, Walzen und Mulchen während der Brutsaion (Anfang März bis Juli/August) verzichtet.
    • Wenn man auf Mineraldünger und Pestizide verzichtet.
    • Wenn man auf Nachsaat mit konventionellem Saatgut verzichtet (Ausnahme ist natürlich regiozertifiziertes Saatgut) und lieber auf Pioniervegetation setzt.

    So könnten alle Pferdehalter zum aktiven Naturschützer werden. 🙂

    Noch mehr konkrete Tipps für Pferdehalter gibt es hier:

  • Hütesicherheit

    Der Weidezaun ist wohl eines der größten Themen, mit denen man sich beschäftigen muss, wenn man Tiere hält….

    Als ich vor ca. einem Jahr mit dem Ponyhof angefangen habe, hatte ich zum Glück einen guten Freund, der mir als erstes ein Fehlersuchgerät von Gallagher geschenkt hat. Die Zäune waren teilweise eingewachsen, die Breitbandlitze uralt, die Leiter darin vom Flattern im Wind gebrochen und die Litze tausendfach „zusammen geknüppert„. Außerdem gab es überall braune Stellen vom Funkensprung. In der Regel freut sich ja der Pferdehalter, wenn der Zaun knackt und denkt, „ah der Zaun ist an„, aber eigentlich sollte da gar nichts knacken 😉

    braune Stellen durch Funkensprung
    Mindestens 2x im Jahr Zaun freischneiden….
    Zaunbau mit T-Pfosten
    ich mag ja Brombeere, aber nicht im Zaun

    Zur Hütesicherheit bei Pferden wird eine Spannung von 3000 bis 4000 Volt empfohlen, aber es müssen mindestens 2000 Volt an jeder Stelle des Zaunes anliegen. Neben dem Auffinden von Fehlerquellen, unterbrochenen Leitungen und dem Freischneiden der Zäune, mussten neue Zäune gebaut und Litzen ausgetauscht werden. Damit wird man natürlich auch weiterhin seine Freude haben, nach und nach die alte Breitbandlitze gegen neue Weidezaunseile auszustauschen.

    Weidezaunseil bzw. Kordel ist sicherlich auch nicht der Weißheit letzter Schluss und schöner wäre beispielsweise ummantelter Stahldraht, aber das übersteigt leider unser Budget. Aber für die erste Saison bin ich ganz zufrieden mit den Zäunen und habe ein gutes Gefühl. Und bekanntlich ist ja hinreichend Futter der beste Weidezaun 🙂

    Weidezaun eingewachsen in Brombeere
    frei gelegter Weidezaun
    Vergammelter Zaunpfosten mit alter Breitbandlitze
    T-Pfosten mit Weidezaunseil