Schlagwort: Artenvielfalt

  • Einsaat – Sinn und Unsinn

    Einsaat – Sinn und Unsinn

    In entsprechenden Foren oder Gruppen der social media wird häufig die Frage nach der richtigen Einsaat für Pferdeweiden gestellt. Dabei lässt sich oft an den Antworten ablesen, dass sich die Erkenntnis noch nicht durchgesetzt hat, dass Weidelgras kein geeignetes Futter für Freizeitpferde ist. Weidelgras ist zu gehaltvoll für Pferde, die nicht arbeiten und dazu noch sehr gute Futterverwerter sind, vor allem für die Robustrassen unter den Freizeitponys.

    Weidelgras ist ein protein- und zuckerreiches Futtergras für Rinder und Pferde, die Leistungen erbringen müssen und ansonsten bildet es den typischen englischen Rasen aus. Schauen wir uns beispielsweise die Zusammensetzung der Pferdeweide Universal an:

    15 % Wiesenlieschgras, 5 % Rotschwingel, 5 % Wiesenrispengras, 75 % Deutsches Weidelgras

    Weidelgras bildet schnell eine Grasnarbe und sieht schön grün aus, funktioniert aber auf Dauer nur, wenn die Flächen nicht wieder hoffnungslos übernutzt werden und es keine Dürreperioden gibt. Und Kräuter, die der Pferdegesundheit und der Biodiversität gleichermaßen zuträglich wären, sucht man in dieser Mischung vergeblich. Wiesenlieschgras und Wiesenrispengras sind eher für frische Standorte geeignet, eigentlich kommt nur der Rotschwingel für die märkische Streusandbüchse in Frage. Und auch die Zusammensetzung der Brandenburger Pferdeweide hat genau die gleichen Arten, nur weniger Weidelgras und dafür Wiesenschwingel, eine Art der frischen bis feuchten Standorte:

    5 % Wiesenschwingel, 20 % Wiesenrispengras, 18 % Wiesenlieschgras, 23 % Rotschwingel, 24% Deutsches Weidelgras

    Da muss man sich gut überlegen, ob die Kosten für das Saatgut und die Einsaat im Verhältnis zum gewünschten Ergebnis stehen. Und nur um eine Übernutzung kaschieren zu wollen, halte ich es ohnehin für zwecklos, wenn die Flächen auf Dauer nicht geschont werden können. Da sollte man lieber auf Pioniervegetation setzen, die ist auch schön grün und sicherlich gesünder als Weidelgras. Im Folgenden ein Fotovergleich einer intensiv genutzten Heustelle mit offenem Boden, die sich mit Vogelknöterich, Portulak, Amarant und Weißen Gänsefuss selbst wieder begrünt hat.

    Und obwohl ich ein Verfechter von Pioniervegetation bin, habe ich auch schon oft versucht Pflanzen aus Saatgut zu etablieren. Warum? Weil ich den Eindruck habe, dass sich bei uns keine Grünlandarten in der Samenbank befinden. Die Flächen wurden früher als Fichtenplantage und nach ihrer Abholzung (für die Ziegelei in Glindow) vornehmlich als Gartenland genutzt. Danach sind diese Flächen vermutlich brach gefallen und es haben sich Dominanzbestände mit Kanada-Goldrute entwickelt.

    Das Ausbringen von Saatgut hat in diesem Fall also den Sinn, die Flächen naturschutzfachlich aufzuwerten und dem Ziel einer artenreichen Pferdenweide ein Stückchen näher zu kommen. Dafür kommt für mich nur standortangepasstes, regiozertifiziertes Saatgut in Frage. Bislang war jedoch noch nie etwas von dem Saatgut aufgelaufen, das ich in den Rillen der Wiesenschleppe oder „von Wildschweinen vorbereiten Stellen“ ausgebracht habe. Die schönen, offenen Wildschweinstellen wurden, inklusive Saatgut schnell von Brennnessel, Graukresse, Beifuß, Rainfarn & co. wieder überwuchert.

    Nun hat sich dieses Jahr die Chance ergeben, eine neu einzurichtende Fläche mit ca. 2000qm komplett einzusäen. Eingesät wurde dabei eine regiozertifizierte Saatgutmischung mit einem Kräuteranteil von 30% (siehe unten stehende Artenliste). Dieses Mal wollte ich es richtig machen (lassen), mit kombinierter Saatbettvorbereitung und anwalzen durch einen ortsansässigen Landwirt.

    Einsaat im April
    Anwalzen direkt nach der Einsaat
    Mitte Juli, es dominieren Arten der Äcker und Unkrautfluren

    Anfang Juli habe ich den ersten Pflegeschnitt händisch mit Freischneider und abharken des Mahdgutes durchgeführt, weil sich aufgrund des hohen Anteils an Graukresse kein Heu daraus gewinnen ließ. Die Graukresse war natürlich nicht im Saatgut, aber offensichtlich in der Samenbank. Ein bis zwei Pflegeschnitte sind je nach Aufwuchs notwendig, um ungewollte „Ackerunkräuter“ wie Graukresse oder Kanadisches Berufkraut zu minimieren und die Arten im Saatgut zu bevorteilen.

    durchaus erkennbare Drillreihen im Mai mit Graukresse-Rosetten
    Graukresse wie gesät im Juni
    zweiter Pflegeschnitt Ende Juli

    Eine Artenliste der Saatgutmischung im Vergleich zu den Arten, die ich im Juli aufgenommen habe, zeigt, dass bislang nur wenig Pflanzen aus dem Saatgut aufgelaufen sind. Die Pflanzenarten aus dem Saatgut sind grün und die Pflanzenarten, die sich auch etabliert haben sind dunkelgrün markiert. Der Anteil Juli 2023 in Prozent ist dabei eine reine Schätzangabe und die Stickstoffzahl nach Ellenbergs Zeigerwerten (x=indifferent).

    Viele Pflanzenarten, die von allein aufgelaufen sind, sind Arten der Äcker und kurzlebigen Unkrautfluren wie Küsten-Kamille, Kanadisches Berufkraut oder Hohe Rauke und Stickstoffzeiger (gelb markiert) wie Brennnessel, Beifuß oder Weißer Gänsefuß.

    Ich hoffe, dass spricht für sich, dass es auch Unsinn wäre, zu düngen. Wir haben ohnehin schon eine extrem überdüngte Landschaft und artenreiches Grünland lässt sich nur bei einer Aushagerung entwickeln, weil sonst konkurrenzstarke Arten dominieren. Gefährdete Arten der Roten Liste wie beispielsweise Heide-Nelke, die auch im Saatgut war, sind an nährstoffarme Verhältnisse angepasst und verschwinden bei Überdüngung bzw. werden von den konkurrenzstärkeren Arten verdrängt.

    Immerhin habe ich mich über einzelne Wiesen-Margariten und Gewöhnliches Leimkraut freuen können, die ich teilweise beim mähen stehen gelassen habe. „Allerweltsarten“ wie Schafgarbe, Wilde Möhre, Weiße Lichtnelke, Wegwarte oder Spitzwegerich wären vermutlich auch ohne Einsaat gekommen, aber ich heiße sie willkommen. Ich würde mich freuen, wenn noch Heide-Nelke, Wiesen-Flockenblume und Kleine Braunelle auftauchen – vielleicht im nächsten Jahr?

    Insgesamt muss man sich auch hier fragen, ob der Input an Kosten, Diesel und Arbeit im Verhältnis zum Ergebnis stehen? Denn der Zweck der Einsaat war eigentlich via Mahdgutübertragung die Weideflächen aufzuwerten, davon muss man jedoch aktuell noch Abstand nehmen und das Mahdgut wegen dem hohen Graukresse-Anteil entsorgen. Immerhin ein paar schöne Blühaspekte gibt es:

  • Graukresse 4.0

    Graukresse 4.0

    Hier kommt das jährliche Update zur Entwicklung der Graukresse auf unserer Hauptweide bzw. Winterkoppel. Seit 2020 geht diese Fläche zur Erholung der Grasnarbe in eine Sommerpause, d.h. der Beweidungsdruck durch die Pferde wird hier runtergenommen. Dafür wird sie – quasi als Erfrischungskur – vor der Samenreife der Graukresse gemulcht.

    Dabei zeigt sich, dass die Pflegemaßnahmen der letzten Jahre tatsächlich zur Eindämmung der Graukresse geführt haben. Denn zum Glück ist sie zweijährig, d.h. die Pflanze stirbt nach der Samenreife im zweiten Jahr ab und es macht durchaus Sinn, sie vorher rauszureißen, zu mähen oder zu mulchen. Man wird immer noch ein großes Samenpotential im Boden haben, aber es scheint wirklich eine gute Methode zu sein, um diese Giftpflanze auf Dauer in Schach zu halten. Hier ein Vergleich der Entwicklung im Laufe der Jahre:

    Juli 2019
    Juli 2021
    Juli 2023

    Die reichhaltigen Niederschläge der letzten Monate haben außerdem zu einer üppigen Vegetationsentwicklung mit Schafgarbe, Hundskamille, Hundszunge, Ochsenzunge, Malve, Wegwarte, Natternkopf, Lichtnelke, Luzerne etc. gesorgt. So bleibt der Graukresse auch nicht mehr viel Platz und sie kann ihren Konkurrenzvorteil, dass sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist, nicht mehr ausspielen. An einer Stelle hat sich sogar Wiesen-Flockenblume etabliert, darüber hab ich mich besonders gefreut. Sie ist vermutlich aus Saatgut hervorgegangen, dass ich mal vor zwei Jahren ausgebracht hatte. Aktuell macht es wirklich viel Freude über unsere Hauptweide zu laufen, denn überall fliegen Wildbienen und Schmetterlinge umher, saugen an den Blüten und die Heuschrecken zirpen dazu. Es wäre deshalb auch ökologischer Wahnsinn, in diese Fülle reinzumulchen.

    Und zum Glück sind die Stellen mit Graukresse überschaubar geworden und können entweder mit Freischneider oder Sense partiell gemäht oder einzeln per Hand rausgezogen werden. Vor allem jetzt, wo der Boden noch gut feucht ist, kann man die Pflanzen mit Wurzel rausziehen und hat teilweise ganze Büschel in der Hand. Dadurch haben wir eine weitgehend Graukressenfreie und dennoch blütenreiche Hauptweide. So kann sich nun im vierten Jahr seit Beginn dieser Maßnahmen Artenvielfalt auf der Pferdeweide ohne „Insektenschreddern“ entwickeln.

  • Vegetationsaufnahmen

    Vegetationsaufnahmen

    Mein absoluter Endgegner ist die Kanada-Goldrute – ich habe ihr schon viele Blogeinträge gewidmet und im Folgenden wird es um die Dokumentation der bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung dieser invasiven Pflanzenart gehen.

    Kanada-Goldrute ist in Massen giftig und wie immer gilt: die Dosis macht das Gift. Die Pferde fressen sie nur vereinzelt, aber sie ist ein Platzräuber für Futterpflanzen und Artenvielfalt, da sie bis zu 100 Prozent Deckung einnehmen kann. Mit ihren mächtigen Streuschichtauflagen aus ihrer eigenen (im Winter) abgestorbenen Biomasse schaltet sie jegliche Konkurrenz anderer Pflanzenarten aus und wer ihre Wurzeln betrachtet, versteht, dass man den kompletten Oberboden abtragen müsste, um sie dauerhaft loszuwerden. Ansonsten kann man sie nur durch ständigen Nutzungdruck schwächen, in ihrer Deckung eindämmen und kann gewiss sein, dass sie die gesamte Fläche wieder zurück erorbern wird, wenn der Nutzungsdruck nachlässt.

    Eine Mahd kommt nicht in Frage, weil das Mahdgut nicht verfüttert werden kann und eine Entsorgung neben den Kosten für die Mahd ökonomisch für uns nicht tragbar ist. Deshalb bleibt nur eine Beweidung mit Schafen, welche die Goldrute fressen und/oder Mulchen.

    Um den Erfolg der Pflegemaßnahmen zu dokumentieren, habe ich ein Transekt (=Untersuchungslinie) quer über die Fläche mit der höchsten Deckung an Kanada-Goldrute eingerichtet. Alle 20 m erfolgt eine Vegetationsaufnahme auf einem Quadrat mit 2mx2m, mit insgesamt elf Aufnahmeflächen. Ich habe die Vegetationsaufnahmen im phänologischen Frühsommer (=Holunderblüte) im Jahr 2020 durchgeführt und dieses Jahr im Frühsommer zum Vergleich wiederholt.

    Erfreulich ist immerhin, dass die Gesamtartenanzahl von 37 auf 48 und die mittere Artenanzahl von zehn Arten auf 15 Arten pro Aufnahmefläche im Vergleich der Jahre 2020 und 2023 zugenommen hat. Was das bedeutet zeige ich an einer Beispielaufnahme, dem Transektpunkt 4. Bereits auf den Fotos kann man erkennen, dass die Kanada-Goldrute weniger Platz einnimmt und die Gräser zugenommen haben.

    Vegetationsaufnahme auf dem Transektpunkt 4 am 01.06.2020
    Vegetationsaufnahme auf dem Transektpunkt 4 am 27.05.2023

    Ich habe die Deckung der Kanada-Goldrute im Jahr 2020 auf 65-75% geschätzt und in diesem Jahr auf weniger als fünf Prozent. Dafür haben Glatthafer und Wiesen-Rispengras zugelegt und es sind acht Pflanzenarten (blau markiert) dazu gekommen. Weggefallen ist der Mohn, der zwar recht hübsch ist, sich aber als ein- bis zweijährige Segetalart (=Ackerwildkraut) auf Dauer nicht halten kann.

    Besonders gefreut habe ich mich über Wiesen-Margarite, die ich in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Fläche gefunde habe, auch wenn sie nicht innerhalb der Aufnahmeflächen vorkam. Sie ist eine typische Art der Wiesen und Weiden, hier zu sehen mit Trauer-Rosenkäfer, der sich im Zuge der Erderwärmung nach Norden ausgebreitet hat.

    Im Folgenden eine Gesamtartenliste der Vegetationsaufnahmeflächen (nicht der gesamten Weidefläche) in den Jahren 2020 und 2023. Gelb sind Neophyten und grün sind Kennarten für artenreiches Grünland markiert. Nach den Roten Listen für Deutschland und Brandenburg gefährdete Pflanzenarten konnten bei uns noch gar nicht gefunden werden und auch sonst sind die Flächen noch weit entfernt „artenreich“ zu sein. Aber ein Anfang ist gemacht 🙂

  • Gartenrotschwanz

    Gartenrotschwanz

    Bei uns am Hofgelände brütet jedes Jahr ein Gartenrotschwänzchen. Es ist gut durch die weiße Stirn vom Hausrotschwänzchen zu unterscheiden, wobei das auffällige Schwanzzittern auf Ansitzwarten beide Arten zeigen. Hier ist unser wunderschönes Männchen auf einem Koppelzaun:

    Dieses Jahr haben die Gartenrotschwänzchen ihr Nest wieder in unserem „Menschenunterstand“ gebaut, direkt auf dem Schalter einer Lichterkette. Bis zum Auszug der Küken können wir dort nicht entspannt sitzen, weil die Altvögel mit Futter im Schnabel in gebührendem Abstand, aber aufgeregt warten, bis wir wieder weg sind. Also haben wir diesen Platz so lange gemieden, bis die Küken ausgezogen sind. Derzeit sind die kleinen Flauschis noch in der Nähe des Unterstandes unterwegs, auch viel am Boden und werden noch von den Altvögeln gefüttert. In dieser Phase sind sie besonders gefährdet durch die Katzen der Nachbarn, die bei uns am Hof rumstromern. Ich hoffe natürlich, dass es die kleinen schaffen und sich genug Reserven anfuttern, um die Reise in ihre Überwinterungsgebiete in Afrika überstehen.

    Das Gartenrotschwänzchen brütete ursprünglich in Baumhöhlen lichter Wäldern mit aufgelockerter Strauch- und Krautschicht. Heute kommt es auch in abwechslungsreichen Gärten, Parkanlagen oder Streuobstwiesen vor und brütet in Holzstapeln, Mauerlöchern, Holzverschalungen, Nistkästen oder was es eben geschützt vorfindet.

    Wichtig ist eine ausreichende Nahrungsgrundlage, d.h. ein reich gedecktes Insektenbüfett. Bei uns sind relativ viele Insekten, allein durch die Anwesenheit der Pferde und Kühe wie beispielsweise Mücken, Bremsen, Dungfliegen oder Dungkäfer.

    Weitere hübsche Insektenquellen stellen die vielen kleinen wilden Ecken dar, wie beispielsweise am Schuppen. Hier kam die Hundskamille von allein, die Brombeere rankelt daneben auf einem Steinhaufen und ich habe noch mit Geißblatt, Esparsette, kleinem Wiesenknopf und Salbei nachgeholfen. Es ist auch einfach schön, den Hummeln Wildbienen, Schmetterlingen, Schwebfliegen & co. zuzuschaun, aber dazu ein anderes mal mehr 😉

  • Neuntöter

    Neuntöter

    Das hier ist der 100. Blogeintrag und ich widme ihn gern dem Neuntöter – Ein typischer Brutvogel der Weidelandschaften, der jetzt im Mai aus den Überwinterungsgebieten in Afrika zurückgekehrt ist.

    Seinen Namen verdankt dieser verwegene Vogel mit der Zorro-Maske seinem ungewöhnlichen Beuteverhalten. Er spießt größere Insekten wie beispielsweise Dungkäfer, aber auch Mäuse oder kleinere Vögel als Nahrungsreserve auf Dornen auf. Das heißt, er ist angewiesen auf dornige Sträucher und brütet vor allem in Schlehen und Weißdorn. Entscheidend ist für seinen Lebensraum eine strukturreiche Landschaft mit extensiver Grünlandnutzung, einem reichhaltigen Insektenangebot, in Nachbarschaft zu dichten Gebüschen aus Brombeeren, Rosen, Schlehen und Weißdorn.

    Bei uns am Hof konnte ich ihn schon öfter beobachten und vielleicht brütet er in einer der Hecken am Rand oder in diesem Reisighaufen, auf dem ich ihn mit zwei Bluthänflingen fotografieren konnte.

  • Mineralstoffe und Spurenelemente

    Ich gebe es zu, ich bin süchtig nach Blutbildern… Von Assan natürlich 😉

    Als ich ihn gekauft habe, war er in schlechtem Zustand, abgemagert, stumpfes Fell, körperlich und seelisch neben der Spur. Auf Empfehlung eines Tierarztes, wurde ein großes Blutbild erstellt, um eventuelle Mangelerscheinungen und/oder Auffälligkeiten der Leberwerte festzustellen. Seitdem lasse ich jährlich ein großes Blutbild oder eine Mähnenanalyse durchführen und gebe entsprechend Mineralfutter dazu.

    JahrAnalyseüber dem Referenzbereichunter dem Referenzbereich
    2013Bluty-GT1, CK2, KaliumSelen3
    2014Bluty-GT, CK, Kalium, Eosinophile4Selen, Zink
    2015BlutCK, Kalium, EosinophileZink
    2016MähneKupferSelen, Magnesium, Cobalt, Molybdän, Zinn
    2017BlutCKSelen
    2018Bluty-GT, CK, Eosinophile
    2019BlutEosinophile
    2020Bluty-GT, CK
    2021BlutCK,
    2022MähneKalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Eisen, Mangan, Selen, Cobalt, Molybdän, Zinn
    1= Gamma-Glutamyltransferase, Hinweis auf eine Vergiftung beispielsweise durch Jakobs-Kreuzkraut, tatsächlich großen Mengen in dieser Zeit auf den Weiden, kein oder nur wenig Jakobs-Kreuzkraut auf den Weiden ab 2016, dafür Graukresse, 2= Creatin Kinase, Muskelenzym, kann durch „Muskelkater“ ausgelöst werden, 3 = es heißt immer, unsere Böden sind selenarm, über den Sinn oder Unsinn, Referenzbereiche für Selenwerte etc. werden ganze Glaubenskriege geführt, 4 = Hinweis auf einen Parasitenbefall, tatsächlich haben anschließende Kotproben einen hohen Befall mit Magen-Darm-Strongyliden ergeben

    Auffällig ist, dass Assan mit den Blutbildern in punkto Mineralstoffen und Spurenelementen deutlich besser weg kommt, als mit den Mähnenanalysen, welche wohl die letzten drei Monate abbilden. Leber-, Muskel- und Blutwerte werden bei dieser Methode nicht ermittelt. Nun sollte man sicher nicht in Panik verfallen, wenn einige Mineralstoffe und Spurenelemente „im Keller sind“ und man kann auch darüber streiten, wie Referenzbereiche entstehen und wie groß wirklich die Aussagekraft solcher Analysen sind. Letztlich ist aus meiner Sicht entscheidend, wie das Pferd aussieht und welchen Eindruck es macht, ob es fit ist, glänzendes Fell und gute Hufe hat.

    Aber davon abgesehen, bin ich davon überzeugt, dass sich Pferde in den meisten Haltungsformen nicht mit allen Mineralstoffen und Spurenelementen aus der Weide und dem Heu selbst versorgen können. Warum? Weil wir ihnen nicht die Möglichkeit geben können, sich in weitläufigen Landschaften mit unterschiedlichen Biotopen zu bewegen und unsere Weiden sowie das Heu in der Regel relativ artenarm sind.

    Wenn man sich zum Beispiel unser aktuelles Heu genauer angeschaut, ist das zwar von guter Qualität, riecht gut, ist schön grün, keine Anzeichen für Schimmel und die Pferde lieben es. Es ist ja auch relativ zucker- und proteinhaltig und für unsere „Fettis“ eigentlich zu gehaltvoll, dafür dass sie 24/7 Zugang zur Weide plus Heu ad libitum haben. Wenn man sich die Beispielrechnung in der Tabelle für ein Pferd mit 500kg und dem Erhaltungsbedarf anschaut, unter Berücksichtigung, dass unsere Freizeitpferde kaum „arbeiten“ müssen, ist es kein Wunder, dass wir pumelige Wohlstandspferde haben.

    Aber wenn man sich gleichzeitig die Artenzusammentzung des Heus anschaut, kommt man in unserem Beispiel auf nur fünf Arten: Gemeines Rispengras (Poa triviales), Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera), Wasser-Knöterich (Persicaria amphibia, Landform), Ampfer (Rumex spec.) und Wolliges Honiggras (Holcus lanatus).

    Mehr Arten konnte ich beim besten Willen nicht finden und so erklärt sich, dass man auch noch Futter in Form von Heucobs, Mash, was immer, dazugeben muss, um das Mineralfutter ins Pferd zu bekommen. Obwohl es zusätzliches Futter vom Energiebedarf her nicht braucht. Also eigentlich wie bei uns Menschen, Essen mit zu hoher Energiedichte für Bürotätigkeit mit zu wenig Bewegung 😉

    Und auch unsere Weiden bestehen aus wenig Pflanzenarten wie Weidelgras (dominiert auf der Hauptweide), Glatthafer (dominiert auf der Skuddenwiese) oder Landreitgras, dafür mit „Problempflanzen“ wie Graukresse und Kanada-Goldrute und nur einer Handvoll Beikräutern wie Schafgarbe, Brennnessel, Rainfarn oder Wegwarte. Um die Veränderung der Pflanzenzusammensetzung zu dokumentieren habe ich auf einer Weide ein Vegetationstransekt angelegt.

    Aber mit der Artenvielfalt auf der Weide ist es wie mit der Ausbildung des Pferdes: man braucht Geduld. Man braucht Jahre der kontinuierlichen Pflege, um artenreiche Weiden zu generieren, wobei die Stickstoffeinträge aus der Luft der größte Feind der Artenvielfalt sind. Pflanzenvielfalt und damit auch die Vielfalt bei Insekten etc. entsteht erst durch eine Aushagerung, ansonsten dominieren einige wenige konkurrenzstarke Arten wie eben die Kanada-Goldrute oder Brennnessel.

    Arten- und Kräuterreiche Wiesen und Weiden mit langer Tradition wie beispielsweise Bergalmen oder Flächen in seit Jahrzehnten gepflegten Naturschutzgebieten, meist auf Sonderstandorten wie Trockenrasen oder Feuchtwiesen sind heute nur noch kleine Ausschnitte einer ehemals vielfältigen Kulturlandschaft.

    Aber wir brauchen diese Reliktvorkommen – untere anderem als Referenzbereiche für Artenvielfalt.

  • Friedrich

    „Der Einsame Baum“ (Caspar David Friedrich 1822)

    In der Schule fragte mal unser Lehrer, welcher Baumart wir welchen Namen geben würden und ich sagte, ich würde eine Eiche Friedrich nennen – nachdem Maler Caspar David Friedrich (1774-1840). Ich liebte seine Gemälde und vor allem die Art, wie er alte Eichen malte. Damals wusste ich natürlich noch nicht, um den naturschutzfachlichen Wert einer alten Eiche, ich fand sie einfach schön. Und mir war noch nicht klar, dass er mit seinen Gemälden Zeugnisse hinterlassen hat, wie Landschaften vor der industriellen Agrarwende ausgesehen haben, ich fand sie einfach schön…

    Eine Eiche braucht Licht, Platz und Zeit, um ihr ganzes Potential als ästhetisches Landschaftselement, Biotop und Schattenspender zu entwickeln. Lichte Eichenwälder gehören zu den artenreichsten Biotopen Europas und alte (Hute-) Eichen bieten unter allen Baumarten den meisten Insektenarten einen Lebensraum mit allein 179 Großschmetterlingsarten und über 500 holzbesiedelnden Käferarten. (Bunzel-Drüke et al., Naturnahe Beweidung und NATURA 2000)

    „Eine Eiche bietet für mehr Arten einen Lebensraum als jeder andere einheimische Baum, darunter dreihundert verschiedene Flechten und eine atemberaubende Zahl wirbelloser Tiere, außerdem liefert sie Futter für Vögel wie Waldbaumläufer, Kleiber, Trauerschnäpper, Buntspecht, Kleinspecht und verschiedene Meisenarten, die in den Höhlen und Spalten des Baumes oder auf seinen gespreizten Ästen nisten. Fledermäuse schlafen in alten Spechthöhlen, unter lockeren Rindenstücken oder in winzigen Spalten.“ (Isabella Tree, Wildes Land)

    Deshalb ist mir der Erhalt und die Förderung von Eichen ein besonderes Anliegen. Und das ist theoretisch ganz einfach, denn Eichen etablieren sich vor allem in Weidelandschaften, neben und vor allem IN dornigen Sträuchern wie Schlehe, Weißdorn, Hundsrosen oder Brombeeren. Aber natürlich nur auf extensiv genutzten Weiden mit dem Verzicht auf eine maschinelle Nachpflege (Stichwort: „mulchen von Weideresten“). Wenn man seine Flächen nicht so extensiv nutzen kann, ist es auch hilfreich, Teilbereiche auszuzäunen und abzuwarten, dass der Eichelhäher Eichen pflanzt.

    Und für unsere Pferde sind die Eichen Unterstand bei Regen, Hitze und ihre Blätter sowie die Eicheln eine willkommene Nascherei. Im Herbst, bei den ersten Frösten, wenn das Gras vermehrt Zucker einlagert, soll die Gerbsäure in den Eicheln sogar den erhöhten Fruktangehalt ausgleichen können.

    Eine noch schönere Variante Eichen oder auch andere Gehölze zu fördern, ohne überall Zäune zu bauen, ist die Anlage von Haufwerken als Schutzmantel vor dem Verbiss und dem Schälen. Bei uns ist das beispielsweise Kronenabraum der mittlweile abgängigen und teilweise schon umgestürzten Pappeln. In den Pappelreihen haben sich bereits seit vielen Jahren Eichen etabliert, die jedoch durch die Pferde geschält wurden und deshalb geschützt werden mussten. Denn sie sind die Schattenspender der Zukunft, wenn die Pappeln längst abgestorben sind.

    Solche Totholzhaufen bieten außerdem Insekten, Reptilien, Kleinsäugern wie Igel, Marder & co. Unterschlupf, Winterhabitat und sind Brutplatz sowie Ansitzwarten für Vögel.

  • Schmetterlinge

    „[…] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen…“

    Annette von Droste-Hülshoff (1840)

    (Ernst Haeckel: Schmetterlinge – Mitteleuropäer, 1914, Wien)

    Solch eine Fülle an Insekten können wir uns nicht mehr vorstellen und nur staunen über historische Beschreibungen oder Bilder. Und so schauen wir heute jedem einzelnen zarten Farbtupfer hinterher, der durch die Gegend zappelt.

    Selbst im Vergleich zu meiner eigenen Kindheit habe ich den Eindruck, dass es immer weniger Schmetterlinge – und wenn dann nur noch Weißlinge gibt. Dass der Verlust von Insekten nicht nur ein diffuses Gefühl ist, kann spätestens seit der Veröffentlichung des Entomologischen Vereins Krefeld niemand mehr leugnen.

    Ursachen sind unter anderem die Intensivierung der Landwirtschaft bei gleichzeitiger Aufgabe der Beweidung nicht mehr rentabler Standorte wie Trockenrasen, Feuchtwiesen oder Hutewälder, der Verlust an Lebensraumstrukturen und der massive, man möchte schon sagen unbekümmerte Einsatz von Pestiziden, künstlichen Düngemitteln und Antiparasitika.

    Mit dem Projekt Artenvielfalt auf der Pferdeweide versuche ich seit Herbst 2019 zumindest dieses Kleinod mit zehn Hektar extensiver Beweidung gegen den allgemeinen Trend zu stellen. Um die Effekte zu dokumentieren habe ich Fotopunkte, ein Vegetationstransekt und ein Tagfalter-Transekt eingerichtet.

    Folgende Tabelle listet die Arten mit ihrer jeweiligen Individuenanzahl bei etwa zehn Begehungen im Jahresverlauf zwischen April und Ende September auf.

    Dabei sind die Zahlen nicht ganz repräsentativ, da ich zum Einen das Transekt nicht so oft begehen konnte, wie man sollte (1x Pro Woche) und zum Anderen auch Sichtungen außerhalb des Transektes in die Auswertung eingegangen sind. Insbesondere in diesem Jahr wären die Zahlen sonst zu deprimierend, da auf dem Transekt aufgrund der anhaltenden Dürre nichts mehr geblüht hat. Insgesamt muss man sagen, dass die Graukresse (ansonsten Staatsfeind Nr. 1) fast die einzige verbliebene Nektarpflanze im letzten Sommer war…

    Insgesamt habe ich auf den Weiden in den letzten drei Jahren 16 Tagfalterarten gesichtet. Das ist ziemlich wenig und man sieht auch die verschwindend geringe Anzahl der Individuen, abgesehen von den Weißlingen. Um es positiv zu umschreiben, da ist noch sehr viel Luft nach oben…

    Laut des Verbreitungsatlas gibt es in Berlin und Brandenburg 118 Tagfalterarten, von denen ca. 35% gefährdet sind und einige bereits ausgestorben sind. Um die 30 Arten gelten noch als weit verbreitet, zeigen jedoch auch einen negativen Bestandstrend.

    Also, es gibt noch viel zu tun! Und jeder der Grünland bewirtschaftet trägt eine Verantwortung. Mit folgenden Maßnahmen kann man Schmetterlingen und anderen Insektengruppen helfen:

    • Verzicht auf Mulchen von Weideresten und wenn gemulcht wird, Bereiche für Insekten stehen lassen, da die Eier und Puppen vieler Arten an der überständigen Vegetation überwintern
    • Verzicht auf Pestizide aller Art, auch Simplex & co., denn Gift ist giftig
    • Selektive Entwurmung
    • Vermeidung von Überbeweidung beispielsweise durch Umtriebsbeweidung und damit Förderung von blütenreichen Weiden
    • wenn sich eine Überbeweidung nicht vermeiden lässt, kann man zumindest „wilde Ecken“ schaffen, in dem man Koppelecken auszäunt und gleichzeitig als „Falle“ für rangniedrige Pferde entschärft
  • Wildtiere

    Naturnahe Weiden mit Lebensraumstrukturen bieten nicht nur für Pferde eine artgerechte Haltungsform, sondern sind auch Lebensraum für Wildtiere.

    Und so wollte ich mal wissen, wer sich auf unseren Flächen rumtreibt und habe eine Wildkamera aufgehangen. Vor allem nachts, vor unseren Augen verborgen, schleichen beispielsweise Rehe und Füchse umher, auf der Suche nach Nahrung. Wildtiere haben ihre Aktivitäten in die Nacht verlegt und schlafen tagsüber in Verstecken, um sich vor der Verfolgung durch den Menschen zu schützen.

    Es gibt einige Fuchs- und/oder Dachsbaue (?) auf unseren Flächen, die ausgezäunt wurden, um das Verletzungsrisiko für die Pferde zu minimieren, aber ansonsten gehören Füchse aus meiner Sicht genauso in unsere Weide-Landschaften wie Dachs, Hase, Reh oder Wildschwein. Leben und leben lassen.

    Dafür scheint es aktuell keine Wildschweine mehr bei uns zu geben, sie sind wohl durch die Schweinepest-Maßnahmen extrem dezimiert worden. Zumindest habe ich in diesem Herbst noch keine Wühlstellen von Wildschweinen auf unseren Weiden gesehen. Für mich sind das ja keine „Wildschäden„, sondern wichtige Mikrohabitate und Pionierstandorte für mehr Pflanzenvielfalt, weil sie neue Keimbedingungen schaffen.

    Rehe sind neben Hirschen die einzigen Pflanzenfresser, die es noch in freier Wildbahn bei uns gibt. Alle anderen Pflanzenfresser wie Wildpferde, Wisente, Auerochsen, Elche oder Riesenhirsche wurden ausgerottet oder verdrängt. Und weil uns diese wichtigen Akteure in der Landschaftsgestaltung verloren gegangen sind und mit ihnen ihre Schlüsselfunktionen für den Erhalt der Artenvielfalt, sind naturnahe Weiden so wichtig.

    Aber die Betonung liegt auf naturnah, d.h. arten- und strukturreiche Weiden mit Bäumen, Sträuchern und vor allem auch Weideresten, die im Winter stehen bleiben, um Wildtieren Deckungsmöglichkeiten und Nahrung zu bieten.

    Rehe werden häufig als „Schädlinge“ wahrgenommen, weil sie die Naturverjüngung oder den Unterbau in den Kiefernplantagen wegfressen. Dabei bevorzugen Rehe eigentlich leicht verdauliche Nahrung wie Gräser, Knospen, Kräuter und im Winter die grünen Blätter von Brombeeren. Wenn jedoch im Herbst alle Felder abgeerntet, Wiesen gemäht und Straßenböschungen gemulcht sind, bleibt ihnen nichts anderes übrig als die jungen Gehölze in den Wäldern zu verbeißen. Wobei auch das nur wieder ein „Schaden“ aus menschlicher Sicht ist. Einer Eiche oder Buche schadet es nicht, wenn sie verbissen wurde, sie wächst einfach weiter, nur eben verzweigter….

    Tagsüber sind dann auch noch zwei Tiere in die Falle getappt: ein Fasan und Nachbars Katze. Der Umstand, dass Fasane bei uns auf den Weiden leben und immer wieder mal mit viel Getöse auffliegen, härtet unsere Pferde ab und macht sie geländesicher. Nur Katzen hab ich nicht so gern auf den Weidenflächen…

  • Fotopunkte

    Mein Ziel ist vor allem die Förderung der Artenvielfalt durch eine Umtriebsbeweidung und durch das Zurückdrängen von Dominanzbeständen der Kanada-Goldrute, Brennessel und Graukresse.

    Seit zwei Jahren versuche ich eine kräuter- und blütenreiche Weide zu etablieren, um mehr Artenvielfalt innerhalb der Pflanzenzusammensetzung und in der Folge natürlich auch bei Insekten, Brutvögel oder Fledermäusen zu erreichen. Da eine Neueinsaat aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommt, kann man nur auf das setzen, was die Samenbank des Bodens hergibt. Dabei braucht die Entwicklung von Artenvielfalt Zeit und Kontinuität, sie lässt sich nicht von heute auf morgen erzwingen. Deshalb muss ich mich in Geduld üben und an den kleinen Dingen erfreuen wie beispielsweise einzelne Blühaspekte mit Weißer Lichtnelke, Flockenblume, Wegwarte, Rainfarn oder Strandkamille:

    Um die Entwicklung der Flächen zu dokumentieren, habe ich im September 2019 bestimmte Fotopunkte festgelegt. Ansonsten könnte man sich immer die Filetstückchen raussuchen, die besten Fotorichtungen -oder einstellungen wählen und die „Schmuddelecken“ weglassen.

    Die größte Herausforderung dieses Jahr war natürlich die Dürre. Unsere Flächen konnten sich erst im September nach ergiebigen Regenfällen wieder erholen. Das folgende Fotopaar zeigt beispielsweise unsere Hauptweide, die am meisten beansprucht wird. Sie muss im Winter genutzt werden, damit die Pferde Zugang zur beheizbaren Tränke und dem Unterstand haben. Hier versuche ich die Pferde zumindest im Sommer so lange wie möglich fernzuhalten und die Fläche einmal vor der Samenreife der Graukresse zu mulchen. Dabei ist nach dem Mulchen (bis vor kurzem) nichts nachgewachsen, aber zumindest der Vogelknöterich vermag die Fläche wieder grün erscheinen zu lassen…

    Hauptweide September 2019
    Hauptweide September 2022

    Tja und da haben wir auch schon eine Schmuddelecke, die sich im folgenden Bildpaar zeigt. Denn irgendwo nimmt man zwar den Beweidungsdruck weg, aber irgendwo müssen die Pferde auch fressen können und wir mussten schon ab Juli Heu dazufüttern. Diese Fläche wird in einem Teilbereich von Brennnessel und Kanada-Goldrute und in einem Bereich von Glatthafer dominiert. Die Teilfläche mit dem Glatthafer haben wir gemäht und zwei kleine Heuballen generieren können. Teilbereiche mit Kanada-Goldrute habe ich gemulcht, aber auch bewußt Streifen stehen lassen. Die Kanada-Goldrute ist mit ihren gelben Blüten gut auf den Fotos zu erkennen.

    Skuddenwiese September 2019
    Skuddenwiese September 2022

    Wir haben die Heuraufen insgesamt dreimal umgestellt und die Heustellen danach abgeschleppt, weil wir noch nicht mit abäppeln anfangen wollten. Ab heute kommen die Heuraufen in die Nähe der Mistplatte und dann beginnt wieder die Zeit mit täglichem Abäppeln….

    Folgender Blickwinkel zeigt die Grenze zwischen der Fuchswiese auf der linken Seite des Zauns und der Jägerwiese auf der rechten Seite. Man kann erkennen, dass die Kanada-Goldrute nicht mehr vollständig dominiert und die Bestände zumindest aufgelockert wurden. Hier war dieses Jahr die einzige „Pflege“ die Beweidung mit den Pferden und ein abschleppen der Heustellen. Weitere Maßnahmen wie Mulchen oder Beweidung mit anderen Weidetieren haben leider nicht geklappt, aber es wäre auch ohnehin nichts mehr nachgewachsen….

    Fuchs- und Jägerwiese September 2019
    Fuchs- und Jägerwiese September 2022

    Die folgenden Bildpaare zeigen ebenfalls die Jägerwiese, wobei ich die Fotos im Jahr 2019 noch von einem Hochstand aus machen konnte. Der Hochstand wurde in der Zwischenzeit entfernt, weil die Wildschweine keine Deckung mehr in der hohen Vegetation finden können und sich die Jagd auf unseren Flächen nicht mehr lohnt.

    Jägerwiese September 2019
    Jägerwiese September 2022
    Jägerwiese September 2019
    Jägerwiese September 2022

    Und zu guter Letzt unsere Dreieckswiese, die als einzige Fläche keine „Problempflanzen“ aufweist. Damit das auch so bleibt, können die Pferde hier nur zweimal im Jahr für ca. eine Woche bleiben. Aber es gibt auch immer wieder Zwänge wie die Integration neuer Pferde oder aktuell die Seperation eines erblindeten Pferdes, die eine Nutzung dieser Fläche notwendig machen.

    Dreieckswiese September 2019
    Dreieckswiese September 2022

    Wie auch in den Jahren 2020 und 2021 hat nicht alles geklappt, was ursprünglich geplant war, es gab neue Herausforderungen und man musste flexibel reagieren. Aber langsam und kontinuierlich versuche ich weiter die Ziele umzusetzen.

  • Farbtupfer

    Frühjahrsblüher sind die ersten Farbtupfer in der Landschaft und öffnen einem das Herz.

    Scharbockskraut, Finger-Ehrenpreis, Rote Taubnessel und Blaustern sind die ersten Blühaspekte auf unserer Pferdeweide und bieten Hummeln, Wildbienen & co. erste Nahrungsquellen.

    Nachdem es im März keinen einzigen Tropfen Regen gab, kommt nun endlich der April mit typischem Aprilwetter:

    Mal Regen und mal Sonnenschein,
    Dann schneit’s auch wieder zwischendrein.
    April, April, der weiß nicht was er will.

    Mit den Niederschlägen und der Sonne im Wechsel erholen sich auch unsere Weiden wieder und das Gras kann schön wachsen 🙂

    Vor allem im Wald nutzen Frühjahrsblüher wie Lerchensporn, Weiße und Gelbe Buschwindröschen, Lungenkraut und Leberblümchen die ersten Sonnenstrahlen, bevor sich ein geschlossenes Blätterdach ausgebildet hat. Wie beispielsweise hier in einem Buchenwald in der Uckermark:

    Die Winterlinge, beispielsweise an der Kirche in Petzow, an der ich immer auf dem Weg zum Ponyhof vorbei fahre, sind aktuell sogar schon verblüht.

  • Vögel füttern

    Es liegt in unserer Natur, dass wir Tiere gern füttern möchten. Wir Pferdehalter kennen das, wollen wir doch selbst ständig Lecker und Möhrchen verteilen, das Futter zubereiten, als würde man seinen Liebling bekochen. Aber gleichzeitig wollen wir natürlich nicht, dass Pferde am Zaun von Fremden gefüttert werden. Sei es, weil wir nicht wollen, dass sie sich um das Futter prügeln, wir nicht wissen, was da gefüttert wird, ob die Pferde das vertragen, zu viel Fruchtzucker, was immer – nur wir wissen, was gut für unser Pferdchen ist!

    Und so gehört auch das Vögel zu füttern zu den Themen, die im Naturschutz kontrovers diskutiert werden, dabei ist es eine der einfachsten Möglichkeiten Vögel in naher Umgebung zu beobachten und uns das gute Gefühl zu geben, „Tieren zu helfen„. Vor allem für Kinder ist es eine schöne Naturerfahrung, egal ob in der Stadt oder auf dem Land.

    Aber leider kann man auch da so viel falsch machen, dass man widerum verunsichert ist, ob man überhaupt Vögel füttern sollte? Warum beispielsweise immer noch Meisenknödel in Plastiknetzen verkauft werden, in denen die Vögel mit ihren Beinchen hängen bleiben können, ist mir völlig schleierhaft. Auch mit den Fragen der Hygiene an der Futterstelle bzw. der Übertragung von Krankheiten und die Wahl des Futters sollten wir uns ein wenig beschäftigen, bevor wir dieses kleine Naturschauspiel erleben können.

    Zum Glück gibt es so viele gute Tipps und Möglichkeiten sich zu informieren, zum Beispiel beim NABU. Und eine der Tipps zum selbst gemachten Vogelfutter, wie im Video erklärt, habe ich mal ausprobiert.

    Ich konnte mir erst nicht vorstellen, dass die Schnüre im Knödel hält, aber es geht. Es ist schnell gemacht und angerichtet. So kann ich nun Kohlmeisen, Blaumeisen, Spatzen, Amseln & co. gemütlich vom Bauwagen aus gut beobachten 😉

    Vögel im Winter zu füttern, finde ich durchaus gut und richtig, weil sie in der Regel in unserer ausgeräumten Agrarlandschaft nicht genügend Futter wie Sämereien aus überständiger Vegetation oder Früchte von Sträuchern etc. finden können.

  • NABU Stunde der Wintervögel

    Auch dieses Jahr habe ich natürlich wieder mitgezählt bei der NABU Stunde der Wintervögel. Die Aktion fand vom 06. bis 9. Januar 2022 statt und es haben nach einer ersten Auswertung des NABU mehr als 157.000 Vogelbegeisterte mitgemacht. Der häufigste Vogel war der Haussperling, gefolgt von Kohl- und Blaumeise, Amsel und Feldsperling.

    (C) Johannes Müller

    Auf unserer Pferdeweide waren die meisten Vögel in der Pappelreihe zu beobachten, beispielsweise zwei Blaumeisen, welche Rinde und Äste nach Nahrung abgesucht haben. Auch Elster, Buntspecht, Eichelhäher, Ringeltaube und Nebelkrähe tummelten sich in den Pappeln und ein Trupp Saatkrähen, gemischt mit Dohlen ließen sich zwischenzeitlich in den Kronen nieder, bevor sie mit viel Geschrei wieder weiterflogen. Eine Kohlmeise suchte die Hagebuttensträucher ab, ein Mäusebussard und ein Trupp Wacholderdrosseln flogen über die Weide und aus der näheren Umgebung konnte man einen Grünspecht hören. Insgesamt konnte ich in der einen Stunde zwölf Vogelarten mit 75 Individuen zählen.

    Dabei hat sich einmal mehr gezeigt, welchen großen Wert eine Baumreihe hat. Die Bäume sind nicht nur Schattenspender, strukturieren die Weiden und werten das Landschaftsbild auf. Sie sind vor allem auch Lebensraum, Nistplatz, Jagd- und Ansitzwarte, sowohl im Sommer als auch im Winter.

  • Der Wiedehopf – Vogel des Jahres 2022

    Ich habe ihn auch gewählt – diesen hübschen Punker der Hutelandschaften.

    Nach der Monographie aus dem Jahr 1952 von Hans Münch bevorzugt der Wiedehopf offenes Gelände mit alten Bäumen wie Viehweiden, Obstplantagen oder Wiesen und Weiden am Rande alter Laubwälder. Er ist ein Höhlenbrüter, der in unseren Breiten vor allem in Baumhöhlen beispielsweise in verlassenen Spechthöhlen brütet, in Südeuropa allerdings auch in Mauern nistet. Dabei sind ausreichende Mengen an Großinsekten als Nahrung für sich und seinen Nachwuchs entscheidend für seinen Lebensraum und die Brutplatzwahl, d.h. er braucht beides: artenreiches Grünland und alte Bäume.

    Bei Münch waren eine seiner Hauptsnahrungsquellen noch Maulwurfsgrillen, welche er heute wohl kaum noch finden wird. Er nimmt auch Heuschrecken, Käfer, Würmer, Schnecken, Spinnen, Raupen oder sogar kleine Zauneidechsen. Aber weil die Masse an Insekten in unserer intensiv genutzten Landschaft extrem abgenommen hat, wird er heute fast nur noch in Weidelandschaften wie der Döberitzer Heide mit Dunghaufen (ohne zu häufigen Einsatz von Ivermectin) fündig….

    Münch schrieb (1952!), dass der Wiedehopf „früher“ ein häufiger und allgemein weit verbreiteter Vogel war und sah die Hauptursachen für sein Aussterben im Rückgang der Viehhaltung und dem Mangel an geeigneten alten Bäumen mit Höhlen.

    In den letzten Jahren hat man im Naturschutz immer mehr Erfahrung mit künstlichen Nisthilfen gesammelt, um dem Wiedehopf zu helfen. Und so wollte ich auch gern einen Wiedehopf bei uns auf den Flächen ansiedeln und habe einen Wiedehopfkasten gebaut. Leider hat er ihn dieses Jahr noch nicht angenommen, vielleicht gefällt es ihm doch nicht so richtig bei uns. Eventuell sind die Flächen zu klein, die Insektenmasse zu gering oder ich muss noch etwas Geduld haben.

    Eine schöne Sammlung von Bauanleitungen für künstliche Nisthilfen für verschiedene Vogelarten, aber auch Fledermäuse, Insekten oder einen Igelunterschlupf findet man hier.

  • Umtriebsbeweidung und GPS-Tracking

    Die Idee der Verbindung einer – aus meiner Sicht – artgerechten Pferdehaltung mit den Zielen des Naturschutzes ist die Gewährleistung einer ganzjährigen Weidehaltung und dem Einhalten von Ruhezeiten für die Weide. Dabei muss gewährleistet sein, dass die Pferde genügend Futter finden, ohne die Leistung der Weide zu beeinträchtigen und möglichst noch Blühaspekte für Insekten zu schaffen. Das funktioniert bei unserer Anzahl der Pferde und der zur Verfügung stehenden Fläche nur als Umtriebsbeweidung.

    Die Pferde sollten möglichst erst dann auf eine neue Fläche kommen, wenn diese eine gewisse Weidereife hat, also einen Aufwuchs von mindestens 15-20cm, damit sie nicht zu eiweiß- und zuckerhaltig ist. Und man muss immer wieder Flächen vorhalten, die nachwachsen können, ohne dass sie zu überständig werden bzw. die Pflanzen nur noch aus Rohfaser bestehen.

    Das Ziel ist also eine zeitlich versetzte Nutzung der unterschiedlichen Weideflächen, um sie sinnvoll als Futtergrundlage zu nutzen, ohne sie zu übernutzen und dabei Artenvielfalt zu fördern. Der „Grünlandpapst“ Ernst Klapp (dessen Buch „Wiesen und Weiden“ nur noch via Ebay oder antiquarisch erhältlich ist) empfiehlt dabei Ruhezeiten je nach Standort von 12-50 Tagen. Letztlich gibt es da wohl nur Erfahrungswerte, die jeder selbst sammeln muss. Und was gibt es schöneres, als immer wieder über die Flächen zu laufen, was man ja wegen der Zaunkontrolle ohnehin tun muss, sich den Aufwuchs anzuschauen und sich zu überlegen, wann man welche Fläche wie nutzen sollte?

    Weiterhin empfiehlt Klapp (1971, zitiert in Nitsche & Nitsche: Extensive Grünlandnutzung): „Um eine gleichbleibende Weideleistung zu erreichen, ist regelmäßiger Nutzungswechsel notwendig. Ein häufiger Wechsel der Koppel sowie eine eingeschobene Rinderweide, welche die selektive Unterbeweidung ausgleicht, haben sich ebenso wie eine Mahd als günstig für die Erhaltung einer dauerhaften Grasnarbe erwiesen. Die Weide dient dem Pferd nicht nur als Futterfläche, sondern auch als Bewegungsraum.“

    Und an dem letzten Punkt sehe ich die günstige Verbindung zum natürlichen Verhalten der Pferde. Nach Zeitler-Feicht (2015, Handbuch Pferdeverhalten) sind Pferde nicht territorial, sondern leben in großen Streifgebieten. Die Größe des Aktionsradius würde in der Natur vom Vorhandensein von Futter, Wasser, Witterungsschutz und Möglichkeiten für Komfortverhalten wie Wälzen, Scheuern etc. abhängen. Und vor allem liegt es in der Natur der Pferde, dass ein Großteil ihrer Bewegung dem Fressen gewidmet ist. Grasen und dabei langsam laufen nimmt in der Regel über 50% bzw. 10-18 Stunden eines Tages ein. Laut Beobachtungen an New Forest Ponys, Camargue-Pferden und Mustangs, also halbwild lebenden Pferden, bewegen sich die Pferde täglich etwa 6-11km. Zeitler-Feicht vermutet dabei, dass sich Araber und Vollblüter unter gleichen Bedingungen mehr bewegen und dass Pferde beim Vorhandensein von ausreichend Nahrung (z.b. Heuraufe), Wasser und Witterungsschutz in der Nähe nur 2-2,5km bewegen würden.

    Bei Assan kann ich das nicht bestätigen. Seine individuelle Tagesstrecke sind ca. 8km, auch wenn es eine Heuraufe und einen Unterstand in der Nähe gibt. Natürlich nur, wenn er die Möglichkeit hat zusätzlich grasen zu gehen. Das folgende Luftbild zeigt drei GPS-Aufzeichnungen in diesem Jahr mit der Tagesstrecke und der zur Verfügung stehenden Weidefläche. Beim GPS-Tracking am 25.07.2021 (gelb) hat leider der Akku nicht ganz 24h durchgehalten. Dennoch sieht man, dass die Fläche erheblich kleiner war als am 14.07.2021 (lila) und Assan sich fast genauso viel bewegt hat. Im September (rot) wurde bereits Heu dazugefüttert und die Heuraufe stand direkt am Unterstand, nur die Tränke war weiter weg.

    Es gibt sicherlich sehr viele gute Konzepte zur Haltung von Pferden mit der Anlage von Laufställen, Aktivställen, Trails, Paddock Paradise etc. , um das natürliche Verhalten zu imitieren und Bewegungsanreize auch auf kleinem Raum zu schaffen. Aber ich kann zumindest für Assan sagen, dass er einfach hinreichend Fläche zum grasen braucht, um sich zu bewegen. Einfach die Möglichkeit zu haben gemeinsam mit der Herde zu grasen, im Schatten zu dösen, sich zu wälzen, zu schubbern und mit seinem besten Kumpel zu spielen – das ist aus meiner Sicht artgerecht ohne den natürlichen Bewegungsdrang der Pferde unnötig zu verkünsteln.