Schlagwort: Artenvielfalt

  • Tagfalter Monitoring III

    Aktuell findet man relativ viele Tagpfauenaugen auf unseren Pferdeweiden. Die Raupen konnten sich satt fressen an den zahlreichen Brennnesseln und die adulten Tiere finden jetzt noch genug Nektar an den Blüten der Kanada-Goldrute, um gestärkt in die Winterruhe zu gehen.

    Es hat sich also zumindest für das Tagpfauenauge gelohnt, dass ich beim Mulchen immer auch Streifen stehen lasse. Wenn man aktuell sieht, was an den Blüten der Goldrute schwirrt und surrt, muss man zugeben, dass sie durchaus ihren Wert für die Natur, auf jeden Fall für Insekten im Herbst hat.

    Tagpfauenaugen überwintern in Dachböden, Kellern, Holzstapeln oder anderen geschützten Nischen. Nach der Überwinterung ab März sind sie auf Frühblüher zur Nahrungsaufnahme angewiesen und die Weibchen legen nach der Paarung die Eier an sonnig stehenden Brennnesseln ab. Es werden ca. 50-200 (gut getarnte) Eier an der Blattunterseite angeheftet. Die Raupen schlüpfen nach etwa 2-3 Wochen und nach mehreren Häutungen schlüpfen die Falter meist ab Ende Juli. Sie treten eine Art „Sommerpause“ an und werden im September noch mal richtig aktiv, bevor sie in die Winterruhe gehen.

    Wie auch bei anderen Tagfaltern, gibt es – durch die verlängerte Vegetationsperiode als Auswirkung des Klimawandels – auch beim Tagpfauenauge mittlerweile „verpätete, unvollständige Generationen“. Das heisst, die Tiere legen noch mal Eier im Spätsommer/Herbst ab. Aber wenn die Falter dann geschlüpft sind, finden sie keine oder nicht mehr genügend Nahrung. Und so kommen viele Faktoren wie der Einsatz von Pestiziden, das Verschwinden von Strukturen wie Ackerränder, Säume oder Brachen, das exzessive Mulchen im Herbst von Straßenböschungen, Wegrändern etc. zusammen und verursachen das Insektentsterben. Es muss nur mal jeder kurz darüber nachdenken, wie normal Tagfalter in der Kindheit waren und wie oft man heute noch ein Tagpfauenauge sieht.

    Auf dem Tagfalter-Transekt auf unseren Pferdeweiden konnte ich dieses Jahr 12 Arten und 53 Individuen aufnehmen. Es waren insgesamt zehn Begehungen von April bis September. Hier eine kurze Zusammenfassung:

    • 17x Grünader-Weißling
    • 12x Kleiner Kohlweißling
    • 5x Tagpfauenauge
    • 5x Kleines Wiesenvögelchen
    • 3x Resedafalter
    • 3x Brauner Feuerfaler
    • 2x Großes Ochsenauge
    • 2x Hauhechelbläuling
    • 1x Kleiner Feuerfalter
    • 1x Admiral
    • 1x Schachbrettfaler
    • 1x Aurorafalter

    Das ist eine erhebliche Steigerung zum letzten Jahr. Ich denke, es liegt zum Einen daran, dass mein Transekt nicht wieder als Trail herhalten musste und zum Anderen, dass es nicht so extrem trocken war. Am häufigsten kam dabei der Grünader-Weißling mit insgesamt 17 Individuen und der Kleine Kohlweißling mit 12 Tieren vor.

    Die Kohlweißlinge gehören zu den häufigsten Tagfaltern und kommen in allen Habitaten bzw. Biotopen vor. Vor allem der Große Kohlweißling konnte früher in großen Wander-Schwärmen vorkommen und in Kohl-Kulturen beträchtliche Schäden anrichten. Solche Massenvermehrungen werden jedoch seit 1990 nicht mehr beobachtet und in einigen Bundesländern wie NRW steht diese Art bereits auf der Roten Liste…. Sie finden heute Rückzugsräume in Regionen mit Ökolandbau wie beispielsweise in Brodowin.

    Wie man auch den folgenden Fotos erkennen kann, finden die Tagfalter auf unseren Pferdeweiden vor allem an der Graukresse Nektar….

    So ist zwar auch die Graukresse aus Pferdehaltersicht „der Endfeind“, aber sie hat als Nahrungsquelle durchaus ihren Mehrwert. Lieber wären mir jedoch arten- und kräuterreiche Weiden ohne Graukresse und – na sagen wir mal mit weniger – Kanada-Goldrute.

    Zum Thema noch eine Beschreibung von Annette von Droste-Hülshoff aus dem Buch „Bilder aus Westfalen“ (1840):

    „Wenige Landschaften mögen […] so voll Nachtigallenschlag und Blumenflor angetroffen werden, und aus der minder feuchten Gegenden Einwandernde wird fast betäubt vom Geschmetter der zahllosen Singvögel, die ihre Nahrung in dem weichen Kleiboden finden. […] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen, während die der größeren Art bis auf die Mitte des Weihers schnurren.“

    Das Zitat stammt aus dem Vorwort für das Buch „Insektensterben in Mitteleuropa“ und gibt eine ungefähre Vorstellung von dem, wie es mal war. Des Weiteren wurde folgende Literatur für den Eintrag verwendet und kann für die Tagfalter-Bestimmung empfohlen werden:

    Bellmann (2009): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer – Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen, Kosmos Verlag

    Gelbrecht et al. (2016): Die Tagfalter von Brandenburg und Berlin (Lepidoptera: Rhopalocera und Hesperiidae), Naturschutz und Landschaftspflege in Deutschlad, Beiträge zu Ökologie und Naturschutz Heft 3,4 2016

    Settele et al. (2008): Schmetterlinge – Die Tagfalter Deutschlands, Ulmer Verlag

  • Fotomonitoring

    Fotomonitoring

    Im September 2019 hab ich einige Fotos von den verschiedenen Weiden gemacht, um die Entwicklung der Flächen zu dokumentieren.

    Mein Oberziel für den Ponyhof Glindow ist/war die Verbindung einer artgerechten Pferdehaltung mit Naturschutz. Aber man muss dann doch sehr viele Kompromisse eingehen, immer wieder umdenken, nachjustieren, Pläne verwerfen, den Frust runterschlucken, weiter machen. Man bewegt sich in den engen Grenzen zwischen den Bedürfnissen der Pferdehalter, des Verpächters, den Rahmenbedingungen der Agrarförderung und dem eigenen Anspruch. Nach zwei Jahren Ponyhof muss ich an vielen Punkten kapitulieren, aber kann mich zumindest an dem Glück erfreuen, dass ich Assan ein schönes Leben ermögliche.

    Unterziele waren die Eindämmung der Kanada-Goldrute, der Graukresse und der offenen Bodenstellen. Mit der Umstellung auf eine Umtriebsbeweidung, sollten die Flächen sich immer wieder erholen können und mit Mulchen und Schafbeweidung die unbeliebten Vegetationsbestände zurückgedrängt werden. Ich denke, eine Verbesserung der Futterqualität ist auf den Flächen durchaus erkennbar, wobei man bei dem Fotovergleich auch die geringen Niederschlägen in den Jahren 2018/2019 berücksichtigen muss.

    Hauptweide September 2019
    Hauptweide September 2021
    Skuddenwiese September 2019
    Skuddenwiese September 2021
    Fuchwiese/Jägerwiese September 2019
    Fuchwiese/Jägerwiese Septmeber 2021
    Jägerwiese (vom Hochstand) September 2019
    Jägerwiese September 2021
    Dreieckswiese September 2019
    Dreieckswiese September 2021
  • Wettersüchtig

    Wettersüchtig

    Wenn man versucht zehn Pferde über den Sommer ohne Heu zu bekommen, wird man wohl zwangsläufig Wetter-App-süchtig…

    Direkt nach dem Aufwachen ist das Erste, was ich mache, Wetteronline checken. Wenn Regen in Aussicht ist, hebt sich meine Laune, wenn der Regen, der schon mal in Aussicht gestellt wurde, „weg ist“, verfinstert sich meine Miene. Dann kann man noch mal andere Wetterberichte ausprobieren, aber es bleibt dabei, man muss einfach abwarten, ob Regen kommt oder nicht. Der Mai war wunderbar nass und kalt. Ich weiß, das hört sich schräg an, aber mittlerweile sieht man das Wetter (fast) nur noch aus Sicht der Entwicklung der Weiden. Und nun zeichnet sich wieder ein Jahr mit Dürren und Unwetter wie kurzen Starkregen, Hagel, Gewitter etc. ab.

    Im Mai ist alles schön hoch gewachsen, seit Juni ist es heiss und trocken. Es müsste also eine phantastische Heuernte geben, zumindest für den ersten Schnitt. Leider haben wir nicht die Möglichkeit Heu selbst zu machen und es ist schwer jemanden zu finden, der das für uns macht. Da die Pferde nicht alles auf einmal auffressen können, haben wir nun extrem viel überständige Vegetation. Vor allem viel Glatthafer, der ausgesamt, seine Nährstoffe in den Boden gezogen hat und nur noch als gelbe Rohfaser rumsteht. Im Prinzip kommen zwei Probleme auf unseren Flächen zusammen, wir können im Juni, wenn es den „Heuberg“ gibt, nicht selbst ernten, sondern nur mulchen. Und beim Mulchen ist man davon abhängig, dass es regnet und noch mal Gras nachwächst, so dass man wieder genug Futter hat.

    Fuchwiese am 19.05.2021
    Fuchswiese am 06.06.2021
    Fuchswiese am 20.06.2021

    Und wir haben nur wenig Pflanzenarten: Da ist zum Einen die Kanada-Goldrute, die von den Pferden nicht gefressen wird und zum Anderen der Glatthafer, der vor allem für Heu, aber nicht als frisches Weidegras geeignet ist. Aktuell kommt auch die Graukresse wieder zum Vorschein. Schön wäre hingegen eine kräuterreiche Weide mit verschiedenen Pflanzenarten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten grün sind. Beispielsweise würde ich mir mehr Luzerne, Schafgarbe, Margarite, Wilde Möhre, Skabiosen, Flockenblumen, Schwingel, Fuchsschwanz und all die Arten wünschen, die auf eine artenreiche Wiese oder Weide gehören. (Alle Versuche einer Aussaat mit standortheimischem, regiozertifizierten Saatgut sind gescheitert…). Das würde beispielsweise so aussehen:

    Aber uns bleibt zunächst nichts anderes übrig, als den vertrockneten Glatthafer und die Kanada-Goldrute „runter zu mulchen“, in der Hoffnung auf Regen und neues Futter. Ich hoffe, dass wir noch mal Schafe bekommen, damit sie die Kanada-Goldrute fressen…

    31.05.2021, die Jägerwiese steht noch im Saft
    27.06.2021, die Jägerwiese besteht nur noch aus Kanada-Goldrute und vertrocknetem Gras
  • Vegetationstransekt

    Um zu dokumentieren, wie sich die Flächen in Glindow, vor allem unter den Aspekten Artenvielfalt und kräuterreiches Grünland für eine gesunde Pferdehaltung entwickeln, habe ich ein Vegetationstransekt eingerichtet. Ein Transekt ist eine Untersuchungslinie, in diesem Fall mit zehn Vegetationsaufnahmeflächen mit je 2x2m, auf einer Fläche, die von Kanada-Goldrute dominiert wird und erst Ende 2019 eingerichtet wurde. Hier noch mal zusammengefasst, was bisher gemacht wurde:

    • Schafbeweidung mit Skudden im Winter 2019/2020
    • Abschleppen im Frühjahr 2020, um die Streuauflage abzuziehen
    • Schafbeweidung mit Guteschafen im Juni 2020
    • Mulchen der Reste im Juli 2020
    • ansonsten Beweidung mit unseren Pferden (die die Kanada-Goldrute nicht fressen)

    Was man beim Vergleich der Vegetationsaufnahmen feststellen kann, ist eine Abnahme der Deckung der Kanada-Goldrute und Zunahme der Deckung von Futtergräsern wie dem Glatthafer und dem Wiesenrispengras. Ich denke, dass man das auch auf den Fotos erkennen kann. Links die Aufnahmeflächen im Juni 2020, rechts Juni 2021.

    Daneben hat auch die Artenanzahl zugenommen. Insgesamt ist die Artenanzahl zwar fast gleich (35 Arten 2020; 38 Arten 2021), jedoch gibt es eine Zunahme der mittleren Artenanzahl (Median = schwarze Linie im Boxplot) pro Aufnahmefläche. Ich denke, die Zunahme lässt sich durch die Auflichtung der Dominanzbestände der Goldrute und der Verringerung der Streuschicht erklären. Die mittlere Artenanzahl lag 2020 bei 11 Arten pro Aufnahmefläche und 2021 bei 14 Arten.

    Diese Fläche, die wir aufgrund von Fuchsbauen „Fuchswiese“ genannt haben, ist zwar noch weit entfernt von artenreichem Grünland, aber dennoch zeigt sich ein leichtes Zurückdrängen der invasiven Kanadagoldrute.

    Hier noch eine Gesamtartenliste für den interessierten Leser ;-).

    Wissenschaftlicher NameDeutscher Name20202021
    Achillea millefoliumGewöhnliche Schafgarbexx
    Agropyron repensGewöhnliche Queckexx
    Arrhenatherum elatiusGlatthaferxx
    Berteroa incanaGraukressexx
    Bromus hordeaceusWeiche Trespexx
    Bromus sterilisTaube Trespexx
    Calamagrostis epigejosLand-Reitgrasxx
    Capsella bursa-pastorisGewöhnliches Hirtentäschel x
    Carex hirtaBehaarte Seggexx
    Cerastium holosteoidesGewöhnliches Hornkrautxx
    Cirsium arvenseAcker-Kratzdistelx 
    Convolvulus arvensisAcker-Windexx
    Dactylis glomerataWiesen-Knäuelgrasxx
    Daucus carotaWilde Möhrexx
    Descurainia sophiaBesenrauke, Sophienkrautx 
    Erigeron annuusEinjähriges Berufkraut x
    Equisetum arvenseAcker-Schachtelhalmx 
    Erodium cicutariumGewöhnlicher Reiherschnabelxx
    Galium aparineKletten-Labkraut x
    Galium mollugoWiesen-Labkrautxx
    Holcus lanatusWolliges Honiggrasxx
    Hypericum perforatumTüpfel-Johanniskrautxx
    Lactuca serriolaKompaß-Lattichxx
    Lathyrus pratensisWiesen-Platterbsexx
    Medicago lupulinaHopfen-Schneckenkleexx
    Moehringia trinerviaDreinervige Nabelmiere x
    Myosotis arvensisAcker-Vergißmeinnichtxx
    Papaver rhoeasKlatsch-Mohnxx
    Poa pratensisWiesen-Rispengrasxx
    Poa trivialisGewöhnliches Rispengras x
    Quercus roburStiel-Eiche (Naturverjüngung)x 
    Potentilla argenteaSilber-Fingerkraut x
    Rumex thyrsiflorusStraußblütiger Sauerampferxx
    Senecio vernalisFrühlings-Greiskraut x
    Solidago canadensisKanadische Goldrutexx
    Taraxacum officinale agg.Agg. Wiesen-Löwenzahnxx
    Trifolium arvenseHasen-Kleex 
    Urtica dioicaGroße Brennesselxx
    Veronica arvensisFeld-Ehrenpreisxx
    Veronica chamaedrysGamander-Ehrenpreisxx
    Vicia angustifoliaSchmalblättrige Wickexx
    Vicia craccaVogel-Wicke x
    Vicia hirsutaRauhhaarige Wickexx
  • Artenvielfalt für alle

    Jeder kann etwas tun, um die Artenvielfalt zu erhalten, im Garten, auf dem Balkon und rund um dem Ponyhof. Besonders schön ist es, wenn man andere Menschen inspirieren kann. So haben unsere Vermieter für ihren Gartenteich ein Entenhaus gebaut, dass auch gleich von einem Stockentenpärchen angenommen wurde. Zehn Küken konnten wir zählen, die ihre ersten Runden auf dem Teich gedreht haben 🙂

    Und ein Insektenhotel war natürlich schon längst überfällig! Aber weil ich noch keine Zeit hatte, eins selbst zu bauen, haben unsere Vermieter ein fertiges Insektenhotel gekauft, was auch sofort von Wildbienen wie beispielsweise der Roten Mauerbiene angesteuert wurde. Eine kleine Schale mit Lehm, die eigentlich für Rauchschwalben gedacht war, ist dabei besonders hiflreich, damit die Wildbienen auch gleich Material zum verschließen der Bruthöhlen haben.

    Ein paar „wilde Ecken“ zulassen, heimische Wildblumen und Sträucher wie Brombeere, Weißdorn oder Schlehe wachsen lassen kann sicherlich jeder auf seiner Pferdeweide, auf dem Hofgelände oder im Garten. Tipps für summende, brummende Gärten, in denen es zwitschert und gedeiht findet ihr hier:

  • Tagfalter Monitoring II

    Der Frühling ist im vollen Gange und es wurde Zeit, endlich mit den Begehungen auf dem Tagfalter-Transekt zu beginnen…

    Die Vegetation ist zwar noch etwas dürftig, derzeit blühen nur wenig Arten wie beispielsweise Rote Taubnessel, Löwenzahn, Gundermann oder das Frühling-Hungerblümchen. Dennoch sind Bienen, Hummeln und Tagfalter unterwegs und ich habe gestern meine erste Begehung auf dem Tagfalter-Transekt gemacht. Die relativ geringe Ausbeute waren ein Tagpfauenauge, zwei Grünader-Kohlweißlinge und ein Reseda-Weißling. Die Grünader-Kohlweißlinge haben an den Blüten der Felsenkirsche genascht und der Reseda-Weißling an einem Hungerblümchen.

    Das Tagpfauenauge war eigentlich immer eine häufig vorkommende Art, es besiedelt Offenland bis Waldränder, Siedlungen, Gärten oder Parkanlagen und die Raupen ernähren sich von Brennnesseln. Aber heute sieht man selbst solche „Allerweltsarten“ wie das Tagpfauenauge oder Weißlinge nicht mehr sehr häufig und freut sich schon über jeden Falter…

    Dieses Phänomen, dass wir den Artenschwund und die Veränderungen in der Landschaft kaum wahrnehmen nennt man in der Ökologie Shifting Baselines. Wir bemerken es nicht, weil wir uns nicht mehr daran erinnern oder es selbst nicht erlebt haben, „wie es früher war„. Unser Horizont reicht dafür nicht aus und wir gewöhnen uns an das hier und jetzt. Es gibt nur wenig Erfassungen mit langen Datenreihen, die uns die Wahrheit vor Augen führen wie die Erkenntnisse des Entomologischen Vereins Krefeld e.V. 1905. Die Krefelder haben 2017 mit ihrer Studie Medien und Politik zumindest ein wenig wach gerüttelt und das Insektensterben zum Thema gemacht. Wobei diese Erhebungen auch „erst“ 1986 begonnen haben – ausschließlich in Naturschutzgebieten. Für die „Normallandschaft“ gibt es nichts vergleichbares. Wir können uns schlichtweg nicht vorstellen, wie es bespielsweise vor 100 Jahren oder mehr war, als es noch keine industrielle Landwirtschaft und Pestizide gab. Wir können es anhand der Landschaftsmalerei höchstens erahnen….

    Tagfalter-Transekt (im April natürlich noch etwas kahl)
    Gemälde des französischen Impressionisten Claude Monet (1840–1926)

    Nun muss man bei unseren Weiden auch dazusagen, dass sie nicht besonders artenreich sind und damit auch keine große Insekten- oder Faltervielfalt erwarten lassen. Da ist noch viel Luft nach oben und ich hoffe, dass die Flächen perspektivisch noch artenreicher werden. Wer die Möglichkeit hat im Rahmen einer Grünland- oder Ackerbewirtschaftung etwas für die Artenvielfalt zu tun, findet hier einen sehr guten Artikel zur Umsetzung. Anregungen, wie jeder im Garten oder auf dem Balkon etwas für Insekten tun kann, findet man beispielsweise hier.

  • Nisthilfen

    Nisthilfen

    Künstliche Nisthilfen für Insekten, Vögel oder Fledermäuse können Lücken in unseren Ökosystemen schließen und manchen Arten helfen in unserer Kulturlandschaft zu überleben.

    Ein typisches Beispiel sind Rauchschwalben, die eigentlich schon immer zu einem Reiterhof dazu gehörten. Der Gesang von Rauschwalben ist für mich ein wichtiger Teil des Sommerkonzertes aus Pferdeschnauben, Hufgetrappel, Gekicher und dem Fegen von Besen.

    Rauchschwalben waren ursprünglich Höhlenbewohner (an Felswänden oder Steilküsten), haben aber gelernt sich Nester aus Lehm selbst zu bauen und suchen die Nähe zu Nutztieren. Viehställe haben dabei höhlenähnliche Bedingungen und genügend Mücken und Fliegen als Hauptnahrungsquelle geliefert. Aber selbst Rauchschwalben, die sich so gut an den Menschen angepasst haben, sind heute bedroht. Sie finden zwar immer noch genügend Fliegen und Mücken auf einem Pferdehof, manchmal aber nicht genug feuchten Lehm im Frühjahr oder überhaupt offene Ställe, um Nester anzulegen.

    Ich höre immer wieder, dass Schwalbennester auf manchen Reiterhöfen sogar entfernt werden, was nicht nur gegen das Naturschutzgesetz verstößt, sondern aus meiner Sicht absolut unverständlich ist. Ich hätte gern Rauchschwalben in Glindow, schon allein, weil ich ihren Gesang vermisse. Und es gilt: „In dem Haus, in dem Schwalben ihre Nester bauen, zieht das Glück ein“. 😉

    Bereits im letzten Frühjahr habe ich deshalb eine künstliche Nisthilfe am Unterstand angebracht. Diese Nisthilfe wurde allerdings nicht angenommen, weil der Standort wohl zu zugig und zu wenig „höhlenähnlich“ war…

    Dieses Jahr starte ich einen neuen Versuch, Rauchschwalben bei uns anzusiedeln.

    Falsch angebrachtes künstliches Rauchschwalbennest
    Neuer Versuch

    Auch Fledermäuse sollten eigentlich hinreichend Nahrung auf Pferdeweiden finden können, aber oft fehlen geeignete Quartiere wie Baumhöhlen oder lose Rinde, weil es zu wenig alte Bäume mit solchen Habitatstrukturen gibt. Dabei nutzen Spaltenbewohnende Fledermausarten auch gern Holz-Verschalungen oder Fensterläden der menschenlichen Siedlungen. Wie bei der Rauchschwalbe sind auch selbst Fledermausarten, die sich an den Menschen und seine Umgebung angepasst haben, vom Aussterben bedroht. Gebäudesanierung, glatte Fassaden und der Insektenrückgang macht unseren „Kulturfolgern“ wie Mauersegler, Schwalben oder bestimmten Fledermausarten zu schaffen.

    Zumindest den Spaltenbewohnenden Fledermausarten wie Breitflügel- oder Zwergfledermaus kann jedoch mit künstlichen Ersatzquartieren geholfen werden.

    Ich habe die Fledermauskästen und Rauchschwalbennester einfach beim NABU-Shop bestellt. Aber wer Spaß am Basteln hat, findet auch sehr viele Anleitungen zum selbst bauen von Nisthilfen. Eine gute, umfangreiche Broschüre mit Bauanleitungen, Artportraits, Lebensräumen, Nahrung und Hinweisen zum Anbringen der Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten findet man hier.

  • Lesesteinhaufen

    Die Eiszeiten, insbesondere die Weichseleiszeit, die vor ca. 10.000 Jahren endete, haben das Nordostdeutsche Tiefland und ihre Landschaft geprägt.

    Neben vielen Einzelformen aus Schmelzwasserrinnen, Binnendünen, Grundmoränenplatten, Kames, vermoorten Senken oder Söllen hat uns die Eiszeit auch viele schöne Steine in allen Größen bis hin zu Findlingen aus Skandinavien mitgebracht. Auf unserer Weide haben wir auch so ein besonderes Schmuckstück:

    Unser Ponyhof befindet sich auf der „Glindower Platte“, einer Grundmoränenplatte im Übergangsbereich zur Havelniederung. Aufgrund der guten thermischen Bedingungen wurde hier seit Ende des 19. Jahrhunderts vor allem Obst angebaut und wir haben noch einige erhaltene Apfelbaumplantagen, teils in Nutzung, teils aufgelassen in der näheren Umgebung.

    Auf den Flächen, die ackerbaulich genutzt werden, kommen mit jeder Bearbeitung mehr oder weniger große Steine hoch, die schon seitjeher von den Bauern von den Feldern abgelesen und an den Rand gelegt werden. Dadurch haben sich die sogenannten Lesesteinhaufen entwickelt. Auch auch auf unseren Weiden kommen mit jedem mulchen oder schleppen Steine zum Vorschein. Und so lag es natürlich nahe, dass ich einen Lesesteinhaufen anlege. 🙂

    Zum Einen, um die Steine von der Koppel zu räumen, damit sie nicht bei der Bearbeitung stören und zum Anderen um einen wertvollen Lebensraum zu schaffen. Lesesteinhaufen dienen einer ganzen Reihe von Artengruppen wie Kleinsäugern, Reptilien, Amphibien, Insekten oder Spinnen als Winterquartier, Versteckmöglichkeit, Sonnenplatz oder Eiablagestelle.

    Hier mal ein paar Bilder, wie solche Lesesteinhaufen aussehen können. Eine schematische Darstellung nach karch (Koordinierungsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz), ein Lesesteinhaufen, der im Rahmen eines Naturschutz-Projektes in der Uckermark angelegt wurde und ein Haufen, der wahrscheinlich aus Steinen entstanden ist, die vom Acker abgelesen wurden.

    Bei unserem Lesesteinhaufen habe ich mich nicht ganz an die Anleitung nach karch gehalten. Das wäre viel zu aufwendig geworden und so viele Steine haben wir nun auch wieder nicht. Aber ich habe auf jeden Fall einen Platz ausgesucht, an dem der Steinhaufen nach Süden ausgerichtet ist und auf der Nordseite ein paar Gebüsche als Wind- und Feindschutz hat. Das ist gleichzeitig eine Stelle auf der Weide, die man aufgrund der Gehölze nicht mähen oder mulchen kann, so dass der Haufen hier nicht stört.

    Ich habe ein Loch mit ca. 50cm Tiefe, 50cm Breite und 100cm Länge ausgehoben und zunächst eine Schicht aus kleinen Steinen, die ich vom Reitplatz gesammelt habe angelegt. Empfohlen wird eine Mulde mit 80-100cm Tiefe und eine Lage aus einer 10cm mächtigen Kies-Sand-Schicht als Drainage. Darauf kommen dann die größeren Steine mit möglichst vielen flachen Hohlräumen und zum Schluss der Aushub an die Rück- bzw. Nordseite.

    Man kann den Steinhaufen natürlich auch ohne Mulde anlegen, aber dann ist er nicht frostfrei bzw. als Winterquartier geeignet.

  • Naturschutz auf der Pferdeweide

    Wie geht das denn? Und nützt das auch den Pferden?

    Das aktuelle Heft der Verbandszeitschrift „Pferd & Freizeit“ der VFD widmet sich dem „Thema Pferde halten – Natur schützen“ und zeigt Wege auf, wie sich Pferdehalter ihrer Verantwortung für den Naturschutz stellen können. In guten Beiträgen werden komplexe Zusammenhänge auf den Punkt gebracht und konkrete Anregungen für eine artgerechte Pferdehaltung, gesunde Weiden als Futtergrundlage und dem Schutz der Artenvielfalt aufgezeigt.

    Die Artikel sprechen mir dabei förmlich aus der Seele. Es wird beispielsweise erklärt, warum es eine WinWin-Situation wäre, wenn Freizeit-Pferdehalter Heu aus ungedüngten, spät geschnittenem, also proteinarmen, dafür kräuterreichen Wiesen füttern würden. Und auch eine extensiv genutzte, arten- und kräuterreiche Weide wäre für die meisten unserer Pferde besser geeignet als fruktanreiche Intensivgraslandschaften, die eher Rinderfutter sind. Pflanzenvielfalt, Blütenreichtum und auch mal was stehen lassen nützen dabei auch dem Insektenschutz. Ein ganzer Artikel widmt sich sogar speziell dem Insektensterben und was man auf der Weide dagegen tun kann. Zusammengefasst und stark vereinfacht:

    • Verzicht auf prophylaktische Wurmkuren
    • Verzicht auf Bremsenfallen
    • Verzicht auf Nachpflege, denn „Mähen tötet den Nachwuchs“ (Puppen- und Raupenstadien)
    • Verzicht auf rotierende Mähwerke und Mulchsammler
    • eine möglichst angepasste Anzahl an Pferden, damit Pflanzen Blüten ausbilden können

    Auch der Mehrwert von Hecken als Lebensraum, Biotopverbund, Windschutz und Knabberei für die Pferde wird aufgezeigt und welche Gehölze sich eignen, welche für Pferde giftig sind. Hecken und Gehölzreihen schützen die Weide auch vor Austrocknung in Dürreperioden. Und natürlich wird auch das Thema Giftpflanzen behandelt mit Tipps zur Eindämmung von Jakobskreuzkraut, Graukresse & co.

    Es wird beispielsweise beschrieben, dass die Graukresse in den letzten Jahren von der Trockenheit profitiert hat und sich vor allem auf übernutzten Weiden ausbreitet. Dagegen hilft nur eine nachhaltige Nutzung und wenn sie sich schon auf größeren Flächen ausgebreitet hat, ein Mulchen vor der Samenbildung im Juni.

    Auch die Themen Herbizid- und Düngemitteleinsatz sowie deren Nachteile für die Pferdegesundheit und Umwelt werden behandelt. Dabei kann man einen ganz einfachen Zusammenhang nicht oft genug betonen. Nur auf ungedüngten Wiesen und Weiden gibt es eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern, da sich ansonsten nur einige wenige konkurrenzstarke Arten ausbreiten und das nützt auch der Pferdegesundheit, denn „Wo Pferde gesund bleiben, herrscht bunte Vielfalt„.

  • Wintervögel

    Endlich hat es geschneit und der Winter ist da 🙂

    Jetzt im Winter zeigt sich, ob unsere Weiden noch genug hergeben für Vögel, die im Winter bei uns bleiben. Amsel, Meisen, Sperling, Zaunkönig, Eichelhäher und viele weitere Vögel kann man im Winter sehr gut beobachten, wenn man ihnen Nahrung bietet. Die Hundsrose beispielsweise trägt noch im Winter beliebte, rote Früchte. Hagebutten sind nicht nur für die Pferde sehr gesund, da sie viel Vitamin C enthalten, sondern dienen auch unseren Wintervögeln als wichtige Nahrungsquelle. Folgende Abbildungen stammen aus dem Tagebuch der Edith Holden und verdeutlichen wunderbar den Wert von „Wilden Ecken“ – auch auf der Pferdeweide.

    Sehr wichtig ist auch überständige Vegetation mit Sämereien, von denen sich die Vögel im Winter, wenn es keine Insekten gibt, ernähren können. Bei uns gibt es noch einige Bereiche mit überständiger Vegetation und Sträuchern wie Hundsrose, Brombeere oder Weißdorn. Wenn die Pferde nicht so extensiv gehalten werden können, wäre es auch hilfreich, Teilbereiche auszuzäunen.

    Ich habe jetzt auch einen Bereich mit insgesamt fünf Eichen auszäunen müssen, weil der Verbiss und das Schälen durch die Pferde so stark ist, dass die Gefahr bestand, dass die Eichen eingehen. Solche ausgezäunten Bereiche haben auch den Vorteil, dass die Vegetation über den Winter stehen bleiben kann, als Überwinterungsmöglichkeit für Insekten und mit Nahrungsangebot für Vögel.

    Ansonsten ist es natürlich auch legitim Vögel einfach zu füttern, wenn man sie im Winter unterstützen und beobachten will. Tipps zur Vogelfütterung findet man beispielsweise beim NABU.

    Und nächstes Wochenende ist auch wieder Stunde der Wintervögel – eine gute Gelegenheit mal die Vögel auf der eigenen Weide, im Garten oder am Haus zu beobachten. Viel Spaß dabei 🙂

  • Wurmkur

    Unsere Pferde haben heute ihre „klassische Nikolaus-Entwurmung“ bekommen…

    Aus Naturschutzgründen möchte ich unsere Pferde nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich entwurmen. Ob wir dabei alles richtig machen, weiß ich auch noch nicht. Aktuell kann ich nur beschreiben, welchen Weg wir dabei beschreiten. Um das Grundwasser und den Boden nicht zu belasten und vor allem die Dungkäfer nicht zu beeinträchtigen versuchen wir möglichst selektiv zu entwurmen, d.h. nur nach Befund durch Kotproben.

    »Dung- und Mistkäfer gehören zu den am stärksten bedrohten Gruppen unter den Insekten.« Ungefähr 40 Prozent der Dungkäfer sind ausgestorben oder stark gefährdet. Die Hauptursache ist die Anwendung von Parasitenmitteln, vor allem mit dem Wirkstoff Ivermectin. Mit dem Rückgang der Dungkäfer werden auch insbesondere die Nahrungsressourcen für Vögel, Amphibien, Reptilien und Fledermäuse reduziert. Und da es kaum noch Weidehaltung in Deutschland gibt, haben Pferdehalter eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität, aber auch die Chance einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten.

    Aus diesem Grund sollten Wurmkuren nicht unbedacht mehrmals im Jahr gegeben werden. Vor allem im Frühjahr, wenn Vögel die Dungkäfer brauchen, um ihre Jungen zu füttern ist eine Wurmkur-Gabe fatal.

    Aber jetzt im Winter haben wir eine Wurmkur gegeben, um auch die Entwicklung der Dasselfliege zu unterbrechen, die ihre Eier im Sommer bevorzugt an den Vorderbeinen der Pferde ablegen. Von hier werden sie durch das Maul durch lecken und kratzen aufgenommen, gelangen in den Magen, entwickeln sich weiter und können dabei das Pferd gesundheitlich schädigen.

    Da es auch im Winter aktive Dungkäfer gibt und um die Weiden nicht mit dem Wirkstoff zu kontaminieren, haben wir die Pferde relativ eng gekoppelt, um in den nächsten Tagen alle Pferdeäppel ordentlich absammeln zu können. Der Wirkstoff lähmt die Würmer, die sich nicht mehr an den Schleimhäuten des Magens festhalten können und mit dem Kot ausgeschieden werden. Da die Würmer zunehmend resistent gegen Wurmkuren sind, überleben es einige Individuen. Nicht mehr prophylaktisch zu entwurmen, um Resistenzen zu vermeiden, sondern Pferde selektiv oder strategisch zu behandeln, ist sogar Haltung und Empfehlung der FN.

    Schon vor zwei Wochen wurde in Vorbereitung auf die Wurmkur ein Teil der Weide abgetrennt und sauber abgeäppelt. Heute haben wir die Heuraufen und einen IBC-Container mit Wasser dorthin gestellt. Nun müssen die Pferde für ein paar Tage auf die weitläufgen Koppeln, die wir ihnen sonst zur Verfügung stellen, verzichten. Diese Fläche soll dann vollständig von Pferdeäppeln befreit werden.

    Alle Flächen mit insgesamt fast neun Hektar Größe können schlichtweg nicht abgeäppelt werden, so dass wir im Winter nur die Bereiche um die Heuraufen sauber halten. Aber auch aus den oben genannten Gründen, zum Wohle der Dungkäfer sollen nicht alle Pferdeäppel entfernt werden. So versuchen wir einen Kompromiss zwischen Pferdegesundheit und dem Erhalt der Artenvielfalt zu finden. Neben dem regelmäßigen Abäppeln von Pferdeweiden, der Umtreibsweide und extensiven Haltung wird beispielsweise auch ein Mähen oder Mulchen von Geilstellen im Frühjahr empfohlen. Dadurch würde man die Larven der Würmer, die am Grashalm darauf warten, von den Pferden aufgenommen zu werden, reduzieren. Aber dadurch würde man gleichzeitig die Überwinterungsstadien von Insekten und ggf. Gelege von Wiesenbrütern zerstören.

    Aber ich habe die Hoffnung durch eine relativ extensive Haltung von aktuell acht Pferden, dem häufigen Umkoppeln und dem Abäppeln an den Heuraufen den Parasitendruck insgesamt gering zu halten. So wenig wie möglich und so viel wie nötig zu entwurmen soll dabei die Pferdegesundheit und gleichzeitig die Artenvielfalt erhalten. Ich werde weiterhin regelmäßg Kotproben sammeln und bin gespannt, ob man auf Wurmkuren weitgehend verzichten kann….

  • Koppel aufräumen

    Koppel aufräumen

    Jetzt wo man langsam „Land sieht“ auf unseren Flächen, habe ich angefangen Steine zu sammeln…

    Der Plan war eigentlich große Steine für einen Lesesteinhaufen zu sammeln. Mit jeder Bearbeitung wie schleppen oder mulchen kommen auch immer wieder mehr oder weniger große Steine hoch. Seit jeher werden solche Steine, die mit der letzten Eiszeit transportiert wurden, am Feldrand abgelegt.

    Lesesteinhaufen sind Versteckmöglichkeiten, Sonnplätze und Überwinterungs-möglichkeiten für eine Vielzahl von Artengruppen wie Insekten, Spinnen, Reptilien, Amphibien oder auch Brutplätze beispielsweise für den Steinschmätzer.

    Aber als ich mich mit meiner Schubkarre aufgemacht habe, um Steine von unseren Flächen zu sammeln, habe ich auch gleich noch viel mehr gefunden, was durch die Bearbeitung zu Tage kam. Eine vielfältige Auswahl an Glas, Metall, Stoff und Plastik. Es ist also eine gute Gelegenheit mal die Koppel aufzuräumen 😉

    Eine gute Anregung wie man Lesesteinhaufen anlegt, findet man hier.

    Dabei macht es auch durchaus Sinn, Holz das verstreut rumliegt auf einen Haufen zu schichten. Zum Einen schafft man dadurch Lebensraumstrukturen und zum Anderen stören die Holzstämme nicht bei der nächsten Bearbeitung wie Mahd, Mulchen oder Schleppen. Hier habe ich beispielsweise Holzteile kurzerhand zu einem kleinen Haufen zwischen zwei Sträuchern aufgeschichtet.

    Auch die Vielzahl an Ästen, die zusammen kam, als wir Sträucher und alte Obstbäume entastet haben – vor allem zum Schutz der Pferdeaugen – wurden als Totholzhaufen liegen gelassen. Oder wenn mal die eine oder andere alte Pappel umfällt, bietet sie sicherlich auch Brennholz, aber nicht im Ganzen, es darf auch gern etwas liegen bleiben…

    Bereits durch meinen Vorgänger aufgestalpeter Holzhaufen aus Ästen, die wegen der Verletzungsgefahr von den Sträuchern entfernt wurden.
    Umgestürzte Pappel, die teilweise aufgearbeitet wurde. Der Stubben blieb als stehendes Totholz erhalten und die Reste wurden als Haufen innerhalb der Baumreihe aufgeschichtet.
    Ebenfalls durch meine Vorgänger am Rand abgelegte Stämme von umgefallenen Pappeln als wertvolle Lebensraumstruktur und Mikrohabitat

  • Was ist Natur (-schutz)?

    Ich stelle immer wieder fest, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was „Natur“ ist. Und dementsprechend auch viele Missverständnisse, was dann eigentlich „Natur-Schutz“ ist….

    Für viele Menschen ist Wald die einzig wahre Natur. Aber kennen wir einen „natürlich“ aufgewachsenen Wald? Abgesehen von den Heiligen Hallen – ein 25Hektar kleines Waldstück, das sich seit dem 30-jährigen Krieg vermutlich selbst etabliert hat und zumindest seit Ende des 19. Jahrhunderts ohne menschlichen Einfluss, also sich selbst überlassen ist. Ansonsten kennen wir nur geregelte Forstwirtschaft, Holzplantagen angelegt in viereckigen Forstrevieren, meist auf Flächen, die bis zum 19. Jahrhundert noch Offenland waren. In Brandenburg wurden in der Regel Kiefern angepflanzt. Sicherlich gibt es hier und dort kleine Inseln aus Buchenwäldern, reliktartig eingestreute Eichenwälder, Moorwälder, Ulmen-Hang- oder Auenwälder aus natürlicher Sukzession.

    Aber wie würde unsere Landschaft aussehen, wenn nicht mehr als die Hälfte des Landes landwirtschaftlich genutzt wäre, wenn nicht alle Flüsse begradigt und eingedeicht wären, Niedermoore entwässert, Wälder angepflanzt? Wenn Biber machen könnten, was sie wollen, wenn sich Feuer ausbreiten könnten und der Mensch nicht alle großen Säugetiere wie Auerochsen, Wisente, Pferde, Wölfe und Bären ausgerottet oder verdrängt hätte?

    https://www.abu-naturschutz.de/veroeffentlichungen/wilde-weiden

    Wir können es uns nicht vorstellen, aber mit Sicherheit wäre Mitteleuropa nicht vollständig von Wald bedeckt. Und der Großteil unserer Artenvielfalt, die wir im Naturschutz erhalten wollen, ist an offene Lebensräume und Habitatkomplexe gebunden. Artenvielfalt braucht ein zeitliches und räumliches Mosaik aus offenem Boden, Weiderasen, Hochstaudenfluren, Röhrichten, Gebüschen, Baumgruppen bis hinzu geschlossenen Wäldern. Beispielsweise sind die meisten Tagfalterarten an Offenland und Säume gebunden. Aber genau diese Bereiche fehlen uns heute durch die strikte Trennung von Wald, Wiese und Acker.

    Noch bis zur Einführung der industriellen Land- und Forstwirtschaft sowie der Entwässerung der Moore und Begradigung all unserer großen Flüsse haben viele Arten durchaus Ersatzhabitate in den von Menschen geschaffenen Lebensräumen gefunden. „Kulturfolger“ fanden neue Nischen in den anthropogen geprägten Landschaften mit ihren Äckern, Wiesen, Weiden, Wegsäumen, Hecken, Streuobstwiesen und Hutewäldern.

    Aber mit der Intensivierung der Landnutzung, der Einführung von Großtechnik, Pestiziden, Mineraldünger und der Trennung von Wald und Offenland nahm die Artenvielfalt rapide ab.

    Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist 120608_m_1.jpg.
    WIJNGAERDT, ANTHONIE JACOBUS VAN
    (Rotterdam 1808 – 1887 Haarlem)
    Weidelandschaft.
    Naturschutz mit Wasserbüffel und Koniks in der Döberitzer Heide

    Von den Pflanzenfressern, die einst die Landschaft mitgestaltet haben, sind uns nur noch Reh und Hirsch geblieben, die anderen kennen wir nur als fossile Reste oder Höhlenmalerei. Wildschweine und Biber gestalten noch in kleinem Rahmen ihre Umgebung. Und ansonsten versuchen Naturschützer mit viel Arbeit, größtenteils im Ehrenamt Artenvielfalt zu bewahren. Dabei besteht der praktische Naturschutz meist aus der Pflege von Wiesen und Weiden.

    Gleichzeitig haben wir sehr viel Grünland, das von Pferdehaltern genutzt wird und durchaus das Potential hätte, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten:

    • Wenn Pferdeweiden nicht so stark überbeweidet werden und es im Sommer auch Blühaspekte gibt.
    • Wenn auch mal Weidereste von Brennnesseln, Disteln oder Beifuss über den Winter stehen bleiben können.
    • Wenn man Wilde Ecken und ggf. auch auf das Aufwachsen von Sträuchern wie Wildrose oder Weißdorn zulassen kann.
    • Wenn man bestehende Lebensraumstrukturen wie Gehölzgruppen, Kleingewässer oder Totholzhaufen erhält und/oder gezielt fördert.
    • Wenn man sich als Pferdehalter mit Wurmkuren zurückhalten würde, nur im Winter eine Wurmkur gibt und ansonsten nur selektiv entwurmt.
    • Wenn man auf Schleppen, Walzen und Mulchen während der Brutsaion (Anfang März bis Juli/August) verzichtet.
    • Wenn man auf Mineraldünger und Pestizide verzichtet.
    • Wenn man auf Nachsaat mit konventionellem Saatgut verzichtet (Ausnahme ist natürlich regiozertifiziertes Saatgut) und lieber auf Pioniervegetation setzt.

    So könnten alle Pferdehalter zum aktiven Naturschützer werden. 🙂

    Noch mehr konkrete Tipps für Pferdehalter gibt es hier:

  • Wilde Ecken

    Auch mal was stehen lassen für die Insekten – das ist gar nicht so leicht....

    Man möchte es ja gern sauber und ordentlich haben und wenn man schon mulcht, ist natürlich der Impuls da, gleich die ganze Fläche zu putzen. Aber ich konnte mich zusammenreißen und einen ca. 20m breiten Streifen stehen lassen. Hier haben wir schon angefangen, die Graukresse per Hand rauszureissen und der Rest muss noch nachgearbeitet werden. Ansonsten wachsen hier typische Arten der Ruderalfluren wie Weißer Gänsefuss, Amaranth, Rainfarn, Wegwarte, Brennnessel, Kanada-Goldrute, Kratzdistel, Große Klette, Sauerampfer, Beifuss und Schafgarbe. Sie bieten den Insekten noch ein wenig Nahrung als Nektarpflanzen und den Vögeln Samen über den Winter.

    Aber vor allem sind diese überständigen Vegetationsstrukturen wichtige Überwinterungslebensräume für Insekten. Beispielsweise legen Heuschrecken ihre Eier in Pflanzenstängel oder in der Bodenstreu ab, so dass sie auf mehrjährige Ackerbrachen, Blühstreifen oder Altgrasstreifen angewiesen sind. Auch Tagfalter legen meist ihre Eier an Pflanzenteilen ab, in der Regel der Futterpflanze der Raupen. Viele Insekten brauchen eine vom Herbst bis zum Frühjahr ungestörte Streuschicht am Boden oder überständige Vegetation zur Überwinterung der Larven und Puppen.

    Deshalb sollte man im Garten und auf dem Ponyhof nicht allzu ordentlich sein und auch mal ein paar Wilde Ecken zulassen und einfach mal was stehen lassen.

  • Tagfalter Monitoring

    Tagfalter Monitoring

    Um die Effekte auf die Artenvielfalt auf unseren Weideflächen zu dokumentieren, habe ich neben einem Vegetations-Transekt, auch ein Tagfalter-Transekt angelegt…

    Die Erfassung erfolgt im Rahmen des Tagfalter-Monitorings Deutschland, das vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ koordiniert wird. Um eine möglichst lange Untersuchungslinie zu haben, verläuft das Transekt entlang einer Pappelreihe, die insgesamt drei Weiden miteinander verbindet. Im Frühsommer sah die Strecke noch recht vielversprechend aus – z.B. mit viel Hopfenklee und Vogelwicke. Später wurde die Untersuchungslinie leider als Trail missbraucht und es konnten so gut wie keine Tagfalter mehr aufgenommen werden. Aber, wenn wenn man diese Strecke wieder in Ruhe lässt, wird sicherlich eine umso schönere Pioniervegetation aufkommen.

    In Deutschland leben etwa 3.700 Schmetterlingsarten, davon machen Tagfalter 190 Arten aus, die zu fast 50% auf der Roten Liste aufgeführt sind. Die Ursachen für den Rückgang der Tagfalter, auch insbesondere von „Allerweltsarten“ sind unter anderem die Aufgabe historischer Nutzungen von Magerrasen, Heiden, Wälder bei gleichzeitiger Intensivierung der Agrarlandschaft, Vielschnittwiesen, Entwässerung und Düngung (Settele et al. 2015).

    Tagfalter sind trockenheits- und wärmebedürftig, sie brauchen windgeschützte Standorte mit hoher Sonneneinstrahlung und breiten sich in der Regel entlang von linienhaften Strukturelementen aus. Außerdem brauchen Tagfalter eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern für die Eiablage und eine vom Herbst bis Ende Mai ungestörte Streuschicht am Boden oder überständige Vegetation (i.d.R. Futterpflanze) für die Überwinterung von Larven und Puppen. Das bedeutet, dass Mahd, Mulchen oder eine Bodenbearbeitung die überwinternden Falterstadien zerstört.

    Ich habe auf meinen Tagfalter-Transekt insgesamt elf Begehungen von Mitte April bis Mitte August gemacht, davon waren drei ohne Faltersichtung. Da das Transekt mittlerweile durch sein Trail-Dasein und der Dürre komplett blütenlos ist, kann man jetzt schon ein Résumé ziehen:

    • sieben Arten konnten erfasst werden
    • insgesamt konnten 16 Individuen erfasst werden
    • 5x Kleines Wiesenvögelchen
    • 3x Artkomplex Kleiner Kohlweißling/ Grünaderweißling
    • 3x Tagpfauenauge
    • 2x Braunkolbiger Braundickkopffalter
    • 1x Kleiner Feuerfalter
    • 1x Kleiner Fuchs
    • 1x Zitronenfalter

    Dolle ist das nicht, aber es geht ja auch darum, die Artenvielfalt zu steigern und dann kommen hoffentlich in Zukunft auch mehr Schmetterlinge auf unseren Flächen vor.

    Insgesamt gibt es ja einen massiven Rückgang der Insekten, was spätestens seit der Veröffentlichung Entomologischen Vereins Krefeld e.V. 1905 bei Hallmann et al. (2017) keiner mehr ignorieren kann. Die Krefelder und auch andere Wissenschaftler haben mittlerweile in verschiedenen Projekten und Studien einen extremen Schwund der Arten, Individuen und auch der reinen Insekten-Biomasse nachgewiesen. Das „Insektensterben“ hat natürlich auch Auswirkungen auf andere Artengruppen wie beispielsweise Vögel oder Fledermäuse.

    Dabei kann jeder einen kleinen Beitrag leisten, um den Insekten wieder auf die Sprünge zu helfen. Beispielsweise durch den Kauf von Bioprodukten, denn den größten Anteil am Verlust der Artenvielfalt hat die intensive Landwirtschaft. Anregungen für eigene, konkrete Maßnahmen, beispielsweise im Garten oder auf dem Balkon gibt es hier.