Tagfalter Saison 2024

Laut dem aktuellen Newsletter des Tagfalter Monitorings (TMD) haben wir (wieder) „ein extrem schlechtes Falterjahr, … mit Falterzahlen auf einem sehr niedrigen Niveau.

Ich habe seit 2020 ein Transekt beim TMD angemeldet und kann sagen, es ist schlechter als im letzten Jahr, aber auf gleichbleibend niedrigem Niveau. Das liegt bei uns aber auch daran, dass wir extrem artenarmes Grünland haben bzw. ersteinmal artenreiches Grünland aus einer „Kanada-Goldruten-Hölle“ entwickeln müssen.

Im Folgenden die Zahlen aus den letzten vier Jahren.

Die häufigste Art war bei uns im Jahr 2024 das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), gefolgt von den Kohlweißlingen (Pieris napi, P. rapae) und dem hübschen Tagpfauenauge (Aglais io).

(Quelle Grafik: Von Richard South 1906 – https://www.biodiversitylibrary.org/item/119355, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23480633)

Das Kleine Wiesenvögelchen ist eine relativ häufige Art, die wenig spezialisiert ist und ein breites Spektrum an Offenland besiedeln kann. Die adulten Tiere nutzen verschiedene Blüten als Nektarquelle und die Eier werden einzeln, bodennah an Gräsern aller Art angeheftet. Die Falter fliegen in zwei, teilweise drei ineinander übergehenden Generationen von April bis Ende September. Das Kleine Wiesenvögelchen überwintert als Jungraupe in der Bodenstreu.

Auch die Kohlweißlinge gehören zu den häufigen Tagfalterarten und galten dereinst sogar als Schädlinge. Vor allem der Große Kohlweißling (Pieris brassicae), dessen Raupen massenhaft an Kohl vorkommen konnte, ist heute durch den Pestizideinsatz stark dezimiert worden. Beim Kleinen Kohlweißling kommen die Raupen einzeln an verschiedenen Kreuzblütlern, wie beispielsweise Kohl, Senf, Raps oder eben Graukresse vor. Die Falter fliegen in bis zu vier Generationen von April bis Mitte Oktober und saugen dabei bevorzugt den Nektar violetter Blüten, beispielsweise von Disteln, Rot-Klee oder Flockenblumen, wobei sie anscheinend auch Graukresse nicht verachten (siehe Foto). Der Kleine Kohlweißling überwintert geschützt und versteckt, beispielsweise an Hauswänden oder in einem Schuppen als Gürtelpuppe, die mittels Faden angeheftet wird.

Das Tagpfauenauge profitiert auf unseren Flächen von den massenhaft vorkommenden Brennnesselbeständen. Insgesamt ist der Trend jedoch auch bei dieser einst häufig vorkommenden Tagfalterart rückläufig (siehe Grafik TMD). Die Raupen fressen ausschließlich Brennnessel und können durchaus massenhaft auftreten. Die Weibchen legen 50-200 Eier an die Blattunterseite und die Raupen schlüpfen nach zwei bis drei Wochen. Sie häuten sich mehrmals und besiedeln neue Brennnesselpflanzen, wenn sie die erste entlaubt haben. Im letzten Raupenstadium nehmen sie die typische schwarze Färbung mit weißen Punkten an und beginnen sich zu zerstreuen, um nach etwa weiteren drei bis vier Wochen einen verborgenen Platz zur Verpuppung aufzusuchen. Die Puppenruhe dauert etwa zwei Wochen und das Tagpfauenauge bringt teilweise drei Generationen in einer Saison hervor, bevor es sich einen geschützten Platz zum Überwintern als adultes Tier sucht. Bei uns beispielsweise in der Sattelkammer, im Schuppen, im Holzlager und sogar zwischen den Heuballen, was natürlich ungünstig ist…

(Quelle Grafik: https://www.ufz.de/tagfalter-monitoring/index.php?de=47797)

Der Kleine Perlmuttfalter (Issoria lathonia) im Beitragsbild war nicht auf dem Transekt, sondern an einer Großen Klette auf unserer Hauptwiese und kam ansonsten häufig im Garten vor. Überhaupt muss man sagen, dass im Garten an einem sonnigen Tag mehr Tagfalter waren, als auf dem Transekt im ganzen Jahr. Oder um es positiv zu beschreiben, es ist noch viel Luft nach oben auf dem Tagfalter-Transekt und das hängt widerum von der Vielfalt der Pflanzen und Strukturen ab.

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