Mehr als 150 Wissenschaftler*innen aus 75 Institutionen haben einen beeindruckenden Bericht zur Lage der Artenvielfalt in Deutschland herausgebracht. Man kann den Bericht vollständig oder als Zusammenfassung, kostenlos herunterladen:
https://www.feda.bio/de/das-ist-faktencheck-artenvielfalt/
Zunächst ein paar harte Zahlen und Fakten:
- Von den ca. 72.000 einheimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind ein Drittel gefährdet, drei Prozent sind bereits ausgestorben.
- 60% der Lebensraumtypen sind in einem schlechten Erhaltungszustand.
- 69% der Offenland-Biotope gelten als langfristig gefährdet, 80% davon nehmen immer weiter ab, z.b. artenreiche Äcker, intakte Hochmoore und Grünland.
- Die Populationen von Vögeln im Agrar- und Offenland sind in knapp 40 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen.
- 30.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel werden jährlich ausgebracht und schädigen Bodenlebewesen und Insekten.
Im Folgenden möchte ich zwei Auszüge zitieren, die im direkten Zusammenhang mit dem Thema Artenvielfalt (Pferde) -Weide stehen:
„In Landlebensräumen haben vor allem die Zerstörung und Zerschneidung von Habitaten zu einer Abnahme der biologischen Vielfalt beigetragen. In der Agrar- und Offenlandschaft hat die Flurbereinigung durch die Entfernung von Hecken, Wegrändern und Kleingewässern die Habitatvielfalt stark verringert. Artenreiche Wiesen und Weiden wurden und werden für die Anlage von artenarmen Hochleistungsgrünländern oder für die Ackernutzung umgebrochen. Nahezu verschwunden sind baumarten- und strukturreiche historische Waldnutzungsformen wie Nieder-, Mittel- und Hutewälder, die für die Artenvielfalt von Insekten und Vögeln des Waldes eine große Bedeutung haben.„
„Zur Intensivierung der Landnutzung gehören die Aufgabe von Fruchtfolgen, der Einsatz von Dünger, Pestiziden und schweren Landmaschinen, der Anbau von Kulturgräsern und der Rückgang der extensiven Beweidung.“
Und hier sehe ich auch eine Mitverantwortung bei Pferdehaltern, weil sie einen erheblichen Anteil am Grünland nutzen und indirekt Einfluss auf die Art und Weise der Heugewinnung nehmen können. An dieser Stelle Beispiele zu nennen, würde zu weit führen und letztlich widmet sich der ganze Blog dem Themenfeld der Verbindung von Pferdehaltung und Naturschutz.
Ich möchte nur einen Aspekt rausgreifen und dabei geht es um die einfache und bestechend logische Erkenntnis, dass mit der Anzahl der Pflanzenarten in einem Ökosystem auch die Diversität der von ihnen abhängigen Tier-, Pilz- und Mikroorganismenarten steigt. Und diese Vielfalt überträgt sich auch auf das Nahrungsnetz räuberischer Tierarten.
Aber Pflanzenvielfalt kann es nur geben, wenn die Flächen nicht übernutzt und überdüngt werden. Außerdem dürfen sich keine invasive Neophyten wie die Kanada-Goldrute ausbreiten. Invasive Arten gehören laut dem Faktencheck zu den „Direkten Treibern“ für den Verlust von Artenvielfalt neben Verschmutzung, Klimawandel sowie Änderungen der Landschaftsstruktur und Landnutzung.
Folgende Grafik zeigt, warum Neophyten so negative Folgen für die Biodiversität haben. Sie haben einen relativ geringen ökologischen Wert, sind aber ein Platzräuber für Pflanzenarten, die mehr Artenvielfalt generieren könnten.

Ich würde keine Neophyten in Gärten oder Parks anpflanzen oder sogar dulden. Aber wie oft sieht man z.b. Kanada-Goldrute als dekorative Pflanze im Garten, die sie ja unzweifelhaft ist, aber von dort kann sie ihre Samen überall hin verbreiten und die letzten Refugien der Natur für sich vereinnahmen. Denn leider erobern invasive Neophyten wie Kanada-Goldrute, Japanischer Staudenknöterich, Indisches Springkraut oder Riesen-Bärenklau die restlichen verbliebenen kleinen Naturrelikte wie Brachen, wilde Ecken, Säume oder wie bei uns – extensiv genutzte Weiden…



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