Kanada-Goldrute

Der Kampf gegen die Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) geht in die nächste Runde und damit schon ins fünfte Jahr. Wir sind ihr mit mulchen, Schafen und dieses Jahr auch mit einem Balkenmäher zu Leibe gerückt.

Mahd mit Balkenmäher
abziehen der Fäche mit einer Schleppe
eine Teilfläche wurde gemulcht

Manchmal hat man das Gefühl, alles ist umsonst und nichts hilft – aber leider muss man bei der Etablierung von artenreichen Wiesen und Weiden sehr viel Geduld aufbringen. Bei einer Weiterbildung meinte ein Kollege, dass er nunmehr seit 30 Jahren Trockenrasen in der Umgebung von Werder/Havel mäht und sich die ersten Erfolge nach acht Jahren (!) eingestellt haben. Er wußte aus historischen Quellen, wo es mal artenreiche Steppentrockenrasen gab und hat diese gezielt gepflegt, mit einem beeindruckenden Ergebnis.

Aber wir haben es mit Flächen zu tun, die ehemals Fichtenforst waren, danach Gartenland und dann Brache – mit Ausbreiung der Kanada-Goldrute. Deshalb ist die einzige Chance, die wir haben, die Goldrute loswerden und immer wieder (Regio-) Saatgut oder Mahdgut von artenreichen Flächen verteilen, um eine kräuter- und artenreiche Weide zu entwickeln. Und nur eine kräuter- und artenreiche Weide kann eine gesunde Nahrungsgrundlage für unsere Weidetiere sein. Ich freue mich ja schon über jede Margarite (Leucanthemum ircutianum), Gemeines Leinkraut (Silene vulgaris) oder Flockenblume (Centaurea jacea), die hier und da mal auftauchen – aus dem vielen Saatgut, dass ich schon verteilt habe.

Um die Entwicklung zu dokumentieren, habe ich im Jahr 2020 ein Vegetationstransekt mit elf Aufnahmeflächen (2mx2m) eingerichtet. Im Folgenden soll an einer der Aufnahmeflächen beispielhaft die Veränderung gezeigt werden:

Vegetationsaufnahmefläche 2020
Vegetationsaufnahmefläche 2025

Auf den Fotos kann man nur schwerlich eine Veränderung erkennen, man muss genauer hinschauen und die Artenliste vergleichen:

Die Deckung der Goldrute hat von 65-75% auf 15-25% abgenommen und die Artenanzahl ist von sechs auf 14 Arten angestiegen. Es sind mehr Gräser dazu gekommen, wobei vor allem Quecke und Glatthafer den frei gewordenen Platz eingenommen haben. Durch die Reduktion der mächtigen Streuschichtauflagen, die die Kanada-Goldrute bildet und damit jede Konkurrenz ausschaltet, konnten ein paar kleine Kräuter wie Feld-Klee (Trifolium campestre), Reiherschnabel (Erodium cicutarium) oder Rauhaarige Wicke (Vicia hirsuta) dazu kommen. Wenn man sich das Foto der Aufnahmefläche im Jahr 2020 genauer anschaut, kann man in der rechten, unteren Ecke die Streuschicht erkennen. Diese Streuschichtauflage wird aus der jeweils im Winter abgestorbenen Pflanzenmasse gebildet, kann bis zu 20cm mächtig werden und wird nur durch die Goldrute selbst durchwachsen.

Die oben genannten Maßnahmen und die Beweidung haben zumindest zu einem Abbau der Streuschicht und einer Auflichtung geführt, d.h., es wurden „Lücken“ im Goldruten-Dickicht geschaffen, die andere Pflanzen nutzen können.

Lücke mit Quecke, Schafgarbe, Feld-Klee und Reiherschnabel
Glatthafer und Margarite (aus Saatgut?) nutzen die entstandenen Lücken

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