Artenvielfalt verteilen

Wie können wir es schaffen, aus unseren übernutzten Flächen mit Graukresse-Dominanz und den unternutzten Flächen mit Kanada-Goldruten-Dominanz arten- und kräuterreiche Weiden zu entwickeln? Wie schon einmal in einem Beitrag zur Historie von Elisabethhöhe dargelegt, haben wir auf unseren Weideflächen kein traditionelles Grünland, dass wir reaktivieren können.

So bleibt als ein Baustein zur Förderung von Artenvielfalt nur eine Einsaat mit regiozertifiziertem Saatgut für die Anreicherung unserer Weiden mit Kräutern wie Wiesen-Flockenblume, Margerite, Wegwarte, Wilder Möhre, Lichtnelke oder verschiedenen Gräsern wie Schafschwingel oder Ruchgras. Neben offenen Boden- oder Wildschweinstellen, in denen wir Saatgut eingebracht haben, hat sich vor zwei Jahren eine ca. 2000qm große Fläche angeboten für eine vollständige Neuansaat. Diese „Einsaatfläche“ soll als Quelle für die anderen Flächen fungieren. Teilweise wandern die Pflanzen von allein auf die anderen Weiden beispielsweise durch die Verbreitung der Samen durch Wind (z.B. Löwenzahn), Ameisen (z.B. Wiesen-Flockenblume) oder Ausläufer (z.B. Margerite).

Aber wir wollen auch gezielt nachhelfen – durch eine Mahdgutübertragung. Ob das was bringt, weiß ich noch nicht, wir werden das beobachten und ich werde berichten 😉

Einsaat im April 2023
Mahd per Hand im Juni 2025
Ausbringen auf einer anderen Weide

Dafür wurde die Einsaatfläche im Juni mit einem schönen Blühaspekt von Margerite gemäht und das Mahdgut frisch auf einer anderen Fläche, die bereits abgeweidet war, ausgebracht. Bei einzelnen Arten habe ich auch Samen direkt von der Pflanze abgesammelt, um sie im Herbst wieder in Wildschweinstellen verteilen zu können. Ende August wird die Einsaatfläche noch einmal gemäht und das Mahdgut auf einer „von Schafen vorbereiteten“ Fläche verteilt.

Im Folgenden soll es nun darum gehen, wie sich die Einsaat- oder Spenderfläche in den letzten zwei Jahren entwickelt hat. Die Artenliste ist dabei ohne Anspruch auf Vollständigkeit, es können sicherlich Arten übersehen worden sein und auch der Anteil ist lediglich eine Schätzung. Hinzu kommen Unsicherheiten bei der Bestimmung beispielsweise bei den Schwingelarten.

Aber eine Tendenz ist ablesbar, so hat sich der Anteil der Graukresse sowie Arten der nährstoffreichen Äcker und Unkrautfluren reduziert und gewünschte Arten der Wiesen und Weiden sind dazugekommen. Orange markiert sind Arten die laut FloraWeb der Formation der nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren und/oder Äcker sowie kurzlebige Unkrautfluren zugeordnet sind und im dritten Jahr der Pflege mit zweimaliger Mahd verschwunden sind. Grün markiert sind Arten der Frischwiesen und -weiden, die im Saatgut waren und sich etablieren konnten.

Es fehlen noch Wiesen-Witwenblume und Gewöhnliche Braunelle, vielleicht tauchen sie ja noch auf. Sumpf-Hornklee und Scharfer Hahnenfuß sind ebenfalls nicht aufgelaufen, vermutlich weil es ihnen zu trocken bei uns ist, wobei Scharfer Hahnenfuß als Giftpflanze auch nicht vermisst wird.

Insgesamt ist die Einsaatfläche jedenfalls eine Augenweide und es summt, brummt, zirpt und mein Traum ist, dass all unsere Weideflächen so schön bunt werden.

Denn allein an der Wiesen-Flockenblume sammeln laut NaturaDB über 90 Wildbienen Pollen für ihren Nachwuchs und 69 Schmetterlingsarten saugen an ihr Nektar. 20 Schmetterlingsarten, unter anderem aus der Gruppe der Widderchen, Schecken- oder Perlmuttfalter leben als Raupen an und von der Flockenblume. Sie gehört damit zu den wichtigsten Nahrungsquellen für Wildbienen und Schmetterlinge. Wenn man außerdem die Blütenstände über den Winter stehen lässt, bieten sie überwinternden Vögeln wie beispielsweise dem Stieglitz eine willkommende Nahrungsquelle.

Und natürlich ist eine arten- und kräuterreiche Weide auch für unsere Pferde gesünder als die üblichen, (meist) stark abgegrasten Weidelgras-Weißklee-Weiden.

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