Autor: ninetthirsch

  • Ein Garten für Insekten, Pferde und Menschen

    Ein Garten für Insekten, Pferde und Menschen

    Inspiriert von dem wunderbaren Naturgarten eines lieben Arbeitskollegen wollte ich auch einen schönen Staudengarten für Insekten, Vögel und Reptilien etc. anlegen.

    Im Herbst 2022 habe ich also begonnen einen ehemaligen, verwilderten Bauerngarten zumindest teilweise wieder zu ertüchtigen, um im Frühjahr 2023 Stauden zu pflanzen, die bei Insekten besonders beliebt sind und gleichzeitig mit unserer brandenburgischen Sommertrockenheit klar kommen:

    • Prachtscharte
    • Fetthenne
    • Färber-Kamille
    • Anis Ysop
    • Oregano
    • Lavendel
    • Steppen-Salbei
    • Gewöhnliche Braunelle
    • Graue Skabiose
    • Berg-Bohnenkraut
    • Bergminze

    Im Schattenplatz, der auch durch die Vogeltränke etwas feuchter ist, habe ich verschiedene Storchschnabel- und Knötericharten wie Wald-Storchschnabel oder Schlangenknöterich gepflanzt.

    Von allein kamen noch unter anderem Wilde Möhre, Mohnblume, Hopfen- und Rotklee dazu, die ich natürlich als wertvolle Ergänzung willkommen heiße.

    Holzstämme, die gleichzeitig eine optische Begrenzung darstellen, wurden sofort von Holzbienen angenommen. Und wenn man mal so einen Holzstamm oder liegendes Totholz anhebt, erkennt man auch selbst den Wert, denn alle möglichen Käfer, Asseln, Würmer und Schnecken tummeln sich darunter und darin.

    Und natürlich darf auch eine Lehmschale als Baumaterial für Wildbienen und Rauchschwalben sowie die obligatorische Vogeltränke nicht fehlen.

    Einen Naturgarten anzulegen, Vögel und Insekten anzulocken ist dabei nicht völlig altruistisch: Neben den positiven Effekten für die Natur tut ein Garten auch uns Menschen gut. Denn es ist schön einfach nur dazusitzen, in einer kleinen Naturoase und Tagfalter, Bienen und Vögel zu beobachten:

    „…und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“ (Pippi Langstrumpf)

    Dieses Jahr wird der Garten noch um einen Kräutergarten erweitert. Dabei sollen vor allem Kräuter gepflanzt und ausgesät werden, die bei Husten, Stress und Magen-Darm-Problemen helfen sollen – bei Pferden. Aber sicherlich hilft es auch bei Menschen 😉

  • Ein Jahr mit Kühen

    Ein Jahr mit Kühen

    Vor einem Jahr sind die beiden Fjällrinder Finola und Lenia bei uns eingezogen. Damals war noch nicht klar, ob sie ein Teil der Herde werden und wie die Pferde mit den Rindern umgehen. Ich habe mir vor allem Sorgen gemacht, dass sie einen Tritt abbekommen könnten.

    Aber es hat wunderbar geklappt und die beiden Schönheiten gehören nun einfach dazu. Die Integration wurde schrittweise durchgeführt und bereits in dem Beitrag Finola und Lenia beschrieben. Hier ein paar Eindrücke des Zusammenlebens mit den Pferden:

    Jetzt wird es Zeit das erste Jahr mit den beiden süßen Schnuffis Revue passieren zu lassen. 🙂

    Die Ziele der Mischbeweidung mit Rindern sind Weidepflege und Weidehygiene. Durch das Abzupfen mit der Zunge können Rinder die Vegetation nicht so tief verbeissen und selektiv fressen wie Pferde. Eine reine Pferdebeweidung, also ohne andere Pflegemaßnahmen wie beispielsweise eine Mahd führt auf Dauer zur Ausbreitung von „Problempflanzen“ wie Sauerampfer einerseits und einer Schädigung der Grasnarbe andererseits. Durch die Mischbeweidung soll die Weide gleichmäßiger abgefressen werden.

    Frassverhalten der Rinder = Abzupfen der Gräser mit der Zunge

    Und die Rinder fressen die sogenannten „Geilstellen“ an den Dunghaufen der Pferde ab, an denen die Larven beispielsweise der Magen-Darm-Strongyliden darauf warten von den Pferden abgeweidet zu werden. Wenn sie jedoch im Rindermagen landen, können sich die Magen-Darm-Parasiten der Pferde im falschen Wirt nicht weiterentwickeln. Und auch umgekehrt können die Pferde die Geilstellen der Rinder abweiden und der Parasitendruck auf der Weidefläche nimmt insgesamt ab.

    Aber wenn ihr jetzt lesen wollt, ob sich die beschriebenen Effekte schon eingestellt haben, muss ich Euch leider enttäuschen. Ich kann dazu noch keine Aussagen treffen, dafür ist ein Jahr einfach zu kurz. Aber ich kann Euch versichern, dass Finola und Lenia ein absoluter Gewinn für die Artenvielfalt, die Herde, den Hof und vor allem für die Seele sind. Wann immer man sie sieht, geht einem das Herz auf und man hat stets eine nette Gesellschaft bei der Zaunkontrolle, beim Zäune freischneiden oder Giftpflanzen rupfen. Ich hätte auch nie gedacht, dass sie viel neugieriger als Pferde sind und sich immer anschauen wollen, was der komische Zweibeiner da treibt. Es ist auch einfach herzig, wenn die zwei über die Weide flitzen, spielen, miteinander rangeln, Kontakt zu den Pferden aufnehmen, im Stroh lümmeln und dabei wiederkeuen.

    Und wie schon beschrieben haben in punkto Artenvielfalt vor allem die Dungkäfer profitiert. Es sind neue Arten dazugekommen und die reine Menge beispielsweise an Wasserkäfern oder der Gelben Dungfliege sind widerum Nahrungsgrundlage für Vögel, Fledermäuse, Reptilien etc.

    Die Rinder haben auch durchaus an der Kanada-Goldrute geknabbert, aber dafür sind es wohl doch zu wenig Kühe für zu viel Fläche und begleitende Maßnahmen wie die Schafbeweidung im Sommer und das partielle Mulchen werden weiterhin notwendig sein, um diesen invasiven Neophyten einzudämmen.

    Ein großer Vorteil ist, dass die Rinder die Bäume nicht schälen und auch im Winter auf Weiden unterwegs sein können, die für die Pferde wegen dem Baumbestand tabu sind. Auf diese Weise können sie hier und da noch mal an der überständigen Vegetation knabbern. Sie sind zwar schon ganz schön gewachsen, aber passen gerade noch so unter der oberen Litze durch, so dass sie mehr Fläche zur Verfügung haben als die Pferde. Zum Glück lassen sich die Pferde von einer Litze aufhalten.

    Die Körpergröße der Kühe ist einerseits ein Vorteil, aber andererseits auch eine Herausforderung, vor allem jetzt im Winter. Beispielsweise können sie nicht aus der Heuraufe der Pferde fressen, wenn das Heu zu weit runter gefressen ist und brauchen ihre eigene Raufe. Und die frostfreie Tränke ist für die Kühe leider zu hoch angebaut, so dass sie auch ihre eigenen Wasserbottiche brauchen. Und bei Minusgraden frieren die Mörtelwannen schnell zu. Das heißt, Heu und Wasser auffüllen für die Kühe sind zusätzliche Arbeiten, die aber aus meiner Sicht schnell erledigt sind.

    Insgesamt sind Finola und Lenia nicht mehr wegzudenken, sie gehören einfach dazu und ich möchte sie nicht mehr missen. 🙂

  • Artgerechte Pferdehaltung?

    Artgerechte Pferdehaltung?

    Dieser Blog enthält mittlerweile viele Einträge zur Themenwelt Artenvielfalt, Weidepflege, Insektenschutz etc., aber noch keine Gedanken zur Frage:

    Was ist eigentlich eine artgerechte Pferdehaltung?

    Anlass, das nachzuholen, ist das Buch von Marlitt Wendt: Die Rechte der Pferde – Ein Plädoyer für Tierwohl und Ethik.

    Zunächst stellt die Autorin klar, dass es einen Unterschied zwischen „natürlich“ und „artgerecht“ gibt, weil die Natur keine Tierhaltung vorgesehen hat und wir nicht die Möglichkeit haben, „unserem Pferd seine eigene kleine Wildnis zu schaffen„.

    Es gibt zwar Beweidungsprojekte im Sinne des Naturschutzes mit naturnaher Haltung von Pferden, Rindern und Wasserbüffeln auf großen Flächen (d.h. >100 Hektar) und einer vielfältigen Lebensraumausstattung aus Weiderasen, Hochstaudenfluren, Feuchtwiesen, Trockenrasen, Gebüschen, Gewässer, Wald usw., wie beispielsweise in der Döberitzer Heide oder auf den ehemaligen Rieselfeldern in Hobrechtsfelde:

    Aber die „normale“ Pferdehaltung ist doch meist eher trostlos, ein fremdgesteuertes Pferdeleben mit vorgegebenen Fresszeiten, auf vegetationslosen Paddocks oder maximal reizarme, viereckige Weiden. Die einzige Abwechslung ist ein ständiges Rein, Raus neuer Pferde mit all den verbundenen Verletzungen, seelisch und körperlich …

    Seit ich vor 13 Jahren in dem Beweidungsprojekt Hobrechtsfelde gearbeitet und zeitgleich selbst ein Pferd gekauft habe, ist es deshalb mein Traum, die extensive Beweidung großer Flächen und einer (aus meiner Sicht) artgerechten Pferdehaltung zu verbinden. Denn wir haben auf der einen Seite wahnsinnig viele Reiterhöfe mit zu vielen Pferden auf zu wenig Fläche und auf der anderen Seite die Erfordernisse zur extensiven Beweidung, um die Artenvielfalt zu erhalten.

    Und da gebe ich der Autorin absolut recht, wenn wir schon Pferde halten wollen – allein um unsere Bedürfnisse nach Erfolg, Partner-Ersatz, Geltung, Followern oder was auch immer zu befriedigen – sollten es unsere geliebten Vierbeiner dann nicht so gut wie möglich haben? Denn wir brauchen Pferde ja nicht mehr vor dem Pflug, vor der Kutsche oder als Transportmittel. (An dieser Stelle sei auch gleich noch das Buch von Ulrich Raulff: Das letzte Jahrhundert der Pferde empfohlen.)

    Und hier nähert Sie sich dem Thema über die Leitlinien zur Pferdehaltung sowie dem Tierschutzgesetz und interpretiert, was das für Pferde bedeutet bzw. bedeuten sollte. Beispiehaft ein Auszug aus dem TierSchG:

    §1

    Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

    §2

    Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

    1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
    2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
    3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

    Und sie setzt sich mit den Five Freedoms des Farm Animal Welfare Committee auseinander:

    1. Freedom from hunger or thirst by ready access to fresh water and a diet to maintain full health and vigour
    2. Freedom from discomfort by providing an appropriate environment including shelter and a comfortable resting area
    3. Freedom from pain, injury or disease by prevention or rapid diagnosis and treatment
    4. Freedom to express (most) normal behaviour by providing sufficient space, proper facilities and company of the animal’s own kind
    5. Freedom from fear and distress by ensuring conditions and treatment which avoid mental suffering

    Ich finde es lohnt sich, über alle Punkte in Ruhe nachzudenken und mit der Lebenssituation des eigenen Pferdes abzugleichen. Kann ich all diese Freiheiten, auch die Freiheit von Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten gewährleisten? Wir wissen, wie schwierig es sein kann, Lahmheiten bei Pferden zu entdecken oder Schmerzen, beispielsweise Zahnschmerzen zu bemerken etc. Auch die Freiheit von Angst und Leiden, ist es fair, mit dem Pferd allein auszureiten, wenn es nicht daran gewöhnt wird und dem Menschen nicht vertraut? Wenn es Trennungsangst hat, beim Umzug, Wochenendkurs, Turnier etc.? Ist es fair, bei der Ausbildung des Pferdes grob und ungeduldig zu werden, weil man selbst Fortschritte machen möchte?

    Und ich weiß auch, wie sehr man in einem Pensionsbetrieb ausgesetzt sein kann, wenn sich beispielsweise Rahmenbedingungen nach dem Einzug ändern. Will man dann jedes Mal dem Pferd einen Umzug zumuten oder soll das Pferd alles aushalten und ertragen? Müssen wir alles aushalten und ertragen? Wir müssen auf jeden Fall ständig entscheiden, was schlimmer ist, Matschpaddock, schimmliges Heu, Giftpflanzen oder ein Umzug?

    Ehrlich gesagt, musste ich bei der Interpretation der Autorin der Five Freedoms ziemlich schlucken und über vieles nachdenken. Leider auch darüber, dass unsere Haltungsform nicht für alle Pferde geeignet ist und Pferde wegen Hufrehe ausziehen mussten. Es ist nicht immer alles so, wie man sich das wünscht oder sich gedacht hat und vieles hat man schlichtweg nicht in der Hand.

    Dabei macht die Autorin weiterhin klar, dass es aus ihrer Sicht nicht ausreichend ist, dass Pferde keine Schmerzen haben, ihnen kein Leid zugefügt wird und sie vernünftig versorgt werden, sie geht noch einen Schritt weiter:

    „Vielmehr bedeutet Wohlbefinden sowohl Abwesenheit von Leid und Krankheit als auch einen Zustand, der geprägt ist von positiven Gefühlen, Sicherheit und der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Wohlbefinden bedeutet, dass unser Pferd in möglichst vielen oder gar sämtlichen Lebensbereichen Wahlmöglichkeiten hat. Es muss selbst entscheiden können, ob es den Schatten aufsucht oder sich der Sonne zuwendet, es soll sich von einzelnen Pferden distanzieren und andere gezielt aufsuchen können oder jederzeit seinen Durst mit frischem sauberen Wasser stillen können.

    Eine Vielfalt an Wahlmöglichkeiten bedeutet für das Pferd das Erleben der so wichtigen Selbstwirksamkeit. Es erfährt, in der Lage zu sein, seinen eigenen Zustand positiv zu verändern. Es lernt so, dass es sein Leben aktiv steuern kann und nicht immer wieder hilflos unabänderbaren Situationen gegenübersteht.“

    Diese beiden Absätze haben mich dann wieder in unserer Art der Pferdehaltung bestätigt, auch wenn sie nicht für alle Pferde geeignet ist. Unsere Pferde können jederzeit selbstbestimmt fressen, dösen, schlafen, spielen, erkunden. Wir haben keine vorgegebenen Laufwege in Form von „Trail-Labyrinthen“, keine Fresszeiten oder sogar Futterautomaten, um das zu imitieren, was in der Natur der Pferde liegt: Langsame Nahrungsaufnahme über den Tag und die Wegstrecke verteilt in Form von Grasen 😉

    Und noch eine schöne Empfehlung von Marlitt Wendt:

    Jeder sollte bei sich selbst anfangen, Gutes zu tun und zu verbessern, was man selbst in der Hand hat. Es wäre schön, wenn wir aufhören könnten, mit dem Finger auf andere zu zeigen und stattdessen anfangen könnten freundlich zu sein. Freundlich zu uns selbst, freundlich zu unseren Stallkollegen, unseren Mitmenschen und allen Tieren.

    .

  • Heu aus spätem Schnitt

    Heu aus spätem Schnitt

    Heu aus spätem Schnitt kann eine echte Win Win Strategie zwischen artgerechter (Freizeit-) Pferdehaltung und Naturschutz sein. Warum?

    Wenn das Heu erst verhältnismäßig spät, also Anfang bis Mitte Juli gemäht wird, steigt die Überlebensrate bei Insekten und am Boden brütende Vogelarten wie beispielsweise beim Braunkehlchen oder der Feldlerche. Außerdem können verschiedene Kräuter und Gräser aussamen, d.h., es werden nicht immer die gleichen Gräser begünstigt und es gibt einen längeren Blühaspekt – oder vielmehr: es gibt überhaupt einen Blühaspekt. Und mit Blütenreichtum = Insektenreichtum können Nahrungsketten im Lebensraum Wiese überhaupt erst entstehen.

    Nest einer Feldlerche (10.7.2023)
    Heupferd (12.08.2023
    Kleiner Feuerfalter (21.06.2023)

    Dabei hört man als Naturschützer immer das Argument, dass Landwirte das Heu nicht so spät schneiden können, weil es dann ja keinen Futterwert mehr hat und sie keinen Abnehmer dafür finden würden.

    Und hier ist aus meiner Sicht die ideale Verbindung zur Freizeit-pferdehaltung. Denn in der Regel haben wir es ja hier mit adipösen Ponys zu tun, denen spät geschnittenes Heu gut tun würde. Und vor allem sogenannte Robustrassen wie Tinker, Isländer, Fjordpferde etc., aber auch die Iberischen Rassen haben mit Fettleibigkeit zu kämpfen und müssen am Ende wegen Hufrehe ganz aus einer natürlichen Pferdehaltung mit Weidezugang genommen werden. Auf dem Weg dahin gibt es viele (eigentlich schon tierschutzrelevante) Maßnahmen wie dauerhaftes Tragen von Fressbremsen in Verbindung mit engmaschigen Heunetzen, extrem lange Fresspausen oder die Pferde werden mit der Trennung von ihrer Herde und einem Verbleib auf einem langweiligen Paddock gegängelt.

    Und an dieser Stelle möchte ich Werbung für spät geschnittenes Heu mit einem geringeren Protein- und Zuckergehalt machen. So zeigt beispielsweise eine Grafik aus Dierschke & Briemle (2008): Kulturgrasland einen ganz einfachen Zusammenhang zwischen Futterwert und Schnittzeitpunkt:

    Oder folgendes Zitat aus Meyer & Coenen (2013:115ff): Pferdefütterung: „Mit fortschreitendem Alter der Pflanzen nehmen der Rohfasergehalt zu und damit ihre Verdaulichkeit ab. Der Aufwuchs im Frühjahr, aber auch im Spätsommer (nachwachsendes Grünfutter ab September) und Herbst ist am rohfaserärmsten (mehr Blätter, weniger Stängel), aber am eiweiß- und energiereichsten, während im Sommer bei starker Halmbildung umgekehrte Verhältnisse vorliegen.„

    Und dieses Jahr hatten wir nun zum ersten Mal selbst die Gelegenheit Heu aus spätem Schnitt zu beziehen. Neben dem Vorteil, dass die Ballen viel günstiger waren als das „gute Heu“, dass wir schon Anfang Juni bekommen haben, zeigt auch die Futtermittelanalyse beim LKV BB eV., dass der Protein- und Zuckergehalt sowie der Futterwert (ME MJ) beim Heu aus spätem Schnitt geringer sind.

    ParameterSchnitt Ende MaiSchnitt Anfang Juli
    g/kg TSg/kg OSg/kg TSg/kg OS
    Trockensubstanz10008451000754
    Feuchte % 15,5 24,6
    Rohasche38324534
    Rohprotein95807557
    Rohfaser301254340256
    Zucker117996348
    Rohfett20171410
    verdauliches Rohprotein60514332
    Energieberechnungje kg TSje kg OSje kg TSje kg OS
    umsetzbare Energie in Mega-Joule (ME MJ)8,06,87,15,4
    Futtermittelanalysen beim Landeskontrollverband Berlin-Brandenburg eV.;
    TS = Trockensubstanz, OS = Originalsubstanz

    Wobei neben dem Schnittzeitpunkt auch der Standort und damit die Artenzusammensetzung eine Rolle beim Futterwert spielt. Beim Heu, dass Ende Mai auf einer Glatthaferwiese geschnitten wurde, dominieren Gräser mit hohen Futterwertzahlen wie Glatthafer, Knaulgras, Wiesen-Fuchsschwanz und Wiesen-Rispengras.

    Glatthaferwiese, Ende Mai geschnitten
    Feuchtwiese, Anfang Juli geschnitten

    Das Heu, dass Anfang Juli geschnitten wurde, stammt von seggenreichen Feuchtwiesen auf Naturschutzflächen im Naturpark Westhavelland. Es enthält neben Seggen bzw. Sauergräsern (vermutlich Sumpfsegge, Schlanksegge, behaarte Segge), Straußgras und Landreitgras, die relativ geringe Futterwertzahlen haben. Solche Flächen werden in der Regel aus Naturschutzgründen offen gehalten für Wiesenbrüter, Limikolen oder der Großtrappe und haben deshalb die Auflage, dass sie erst ab Juli gemäht werden dürfen. Ganz ohne Nutzung würden die Lebensräume für diese Arten verschwinden.

    Im Naturschutz führen wir manchmal Diskussionen darüber, ob Seggenwiesen früher nur „Streuwiesen“ waren, also für eine Einstreu gemäht wurden. Jeder der einmal selbst mit der Sense gemäht und das Schnittgut geworben hat, wird verstehen, was für ein Unfug das ist. Und folgendes lesen wir bei Theodor Fontane über das Havelländische Luch (1872):

    „Die umliegenden Ortschaften versuchten es, dem Luche dadurch einigen Nutzen abzugewinnen, dass sie ihre Kühe darin weiden ließen und das freilich schlechte und saure Gras, so gut es ging, mähten. Beides war nur mit großer Mühseligkeit zu erreichen. Das Vieh musste häufig durch die Lanken schwimmen, um Grasstellen zu finden…. Nur im hohen Sommer und bei trockener Witterung war der größte Teil des Luches zu passieren; dann mähte man das Gras… Unter allen Umständen war das Gras schlecht und eine kümmerliche Nahrung.“

    Ich möchte unseren Pferden Heu zur freien Verfügung gewähren und keine Fresszeiten vorgeben oder das Heu in kleinen Netzen portionieren, was wir als Haltergemeinschaft auch gar nicht leisten könnten. Mir gefällt es, dass die Pferde ihren eigenen Tagesrhythmus ausleben und selbst entscheiden können, wann sie fressen und wann sie dösen, spielen, schlafen wollen.

    Wer mehr zu diesem spannenden Thema lesen möchte, dem sei die Broschüre Pferd und Heu der VFD empfohlen.

  • Laufwege

    Laufwege

    Die Ganzjahresweide ist aus meiner Sicht die natürlichste Form der Pferdehaltung und -fütterung, wobei nicht jedes Pferd dafür geeignet ist. Die Laufwege ergeben sich in dieser Haltungsform aus der langsamen Bewegung über die Weiden in grasender Manier. Alle anderen, sicherlich auch sehr guten Haltungsformen wie Trail, Aktivstall etc. imitieren diese natürliche Art der Nahrungsaufnahme mit vielen kleinen Heurationen auf dem Trail oder in Futterautomaten.

    Wir haben das Glück so viel Weideflächen zu haben, dass wir nichts imitieren müssen und unseren Pferden ganzjährig die Möglichkeit geben können, selbst zu entscheiden wo und wann sie grasen, dösen, schlafen, spielen oder auch an Sräuchern knabbern möchten. Aber im Winter bekommen unsere Pferde zusätzlich zur Weide Heu ad libitum und es hat sich schon mehrfach mit Hilfe des GPS-Trackings gezeigt, dass dann die Laufwege kürzer werden, weil sich die Pferde die Nahrung nicht mehr zusammen suchen müssen.

    Wieviel Hektar Weide zur Verfügung steht, scheint bei der Betrachtung der zurückgelegten Gesamtstrecken nicht so eine große Rolle zu spielen, wie der Einflussfaktor Heu. Hier eine Zusammenstellung der Laufwege der letzten drei Jahre:

    Beim GPS-Tracking im Januar 2022 muss erwähnt werden, dass zwar sieben Hektar Weide zur Verfügung standen, aber nur drei Hektar in der Zeit genutzt wurden und irgendwann in der Nacht das Heu leer wurde.

    Nun hat sich die Frage ergeben, ob man die Laufwege auch im Winter mit Heufütterung verlängern kann. Dafür haben wir die Heuraufen auf eine der Weiden gestellt und noch einen zusätzlichen Zaun gezogen, um den die Pferde drumherum mussten. Auf diese Weise wurde der Weg zwischen den Heuraufen und der Tränke von 100m auf 300m verlängert. Für den Vergleich mit und ohne „künstliche“ Laufwegeverlängerung wurde wieder ein GPS-Tracking Zeitfenster von 24h gewählt (jeweils von 18:00-18:00 Uhr) und ansonsten die gleichen Weiden offen gelassen.

    6,6km in 24h auf 5ha
    4,8km in 24h auf 5ha

    Natürlich ist dieser Vergleich nicht repräsentativ, wissenschaftlich oder statistisch auswertbar, dafür müsste man vielmehr solcher Tracking-Versuche an verschiedenen Pferden wiederholen. Aber der Vergleich der Laufwege deckt sich mit meiner Wahrnehmung, dass die Pferde sich im Winter kaum noch bewegen und (fast) nur noch an den Heuraufen stehen. Es würde auch absolut Sinn ergeben, Energie zu sparen und sich nicht mehr zu bewegen als nötig, wenn unsere Wohlstandsponys nicht tendenziell zu dick wären…

  • Hagebutten

    Hagebutten

    Es gibt unzählige Beiträge wie gesund Hagebutten, insbesondere für unsere geliebten Pferde sind. Man kann sie sogar getrocknet kaufen, z.b. eine 500g-Packung für 35€ bei Krämer…

    Hagebutten sind die Früchte der Hundsrose (Rosa canina) oder anderer Rosen und enthalten besonders viel Vitamin C, weitere Vitamine, Mineralstoffe, Gerbsäure, Fruchtsäure und sollen für Pferde folgende Wirkungen haben:

    • abwehrsteigernd
    • alle positiven Wirkungen von Vitamin C
    • entzündungshemmend
    • schmerzlindernd
    • vorbeugend gegen Arthrose und Hufrollenentzündung

    Gleichzeitig können Hundsrosen, gemeinsam mit Schlehen, Brombeeren, Weißdorn und vielen weiteren Gehölzen Gebüschinseln oder Hecken in einer Weidelandschaft bilden. Damit werden sie zum wertvollen Ökosystem und bieten:

    • Unterschlupf und Überwinterungsmöglichkeit (z.B. Schalenwild, Igel)
    • Nist- und Brutplatz (z.B. Dorngrasmücke, Klappergrasmücke, Sperbergrasmücke, Neuntöter, Amsel, Nachtigall)
    • Nahrungsquelle (Nektar und Pollen für Insekten, z.B. Wildbienen)
    • Früchte für Vögel (z.B. Amsel, Drosseln, Krähen, Elstern, Eichelhäher, Seidenschwanz, Kernbeißer, Finken, Meisen, Stare, Rotkehlchen)
    • Früchte für Säugetiere (z.B. Schalenwild, Fuchs, Dachs, Marder, Igel, Feldhase)

    Vor allem im Winter sind Vögel auf die Früchte von Hundsrose & co. als fettreiche Nahrung und Ersatz für Insekten angewiesen. Werden die Früchte dabei als Ganzes verzehrt, werden die darin enthaltenen Nüsschen als Samen mit dem Vogelkot verbreitet.

    Hundsrosen haben zwar keinen Nektar, bieten aber vielen Wildbienen- und Käferarten (z.B. Rosenkäfer) Pollen oder gar zarte Blütenteile wie die Staubblätter als Nahrung. Die Gemeine Blattschneiderbiene (Megachille versicolor) nutzt beispielsweise die Blätter und schneidet daraus „Tapiziermaterial“ für ihre Brutzellen, die in Hohlräumen angelegt werden. Die Blätter dienen auch vielen Falterraupen aus meheren Familien der Spanner (z.B. Rosen-Blattspanner), Trägspinner, Bären, Eulen (z.B. Achateule) als Nahrung. Und an den Zweigen kann man eventuell die moosartigen Gallen der Rosengallwespe (Diplolepis rosae) finden. Die Beispiele sollen verdeutlichen, wie alles zusammenhängt und wie wir auch mit kleinen Maßnahmen einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten können.

    Und letztlich bieten Gebüschinseln und Hecken(-rosen) auch für den Pferdehalter viele Vorteile:

    • man kann Hagebutten selbst sammeln und spart sich das Geld bei Krämer, Loesdau & co.
    • Sonnenschutz, v.a. wenn auch Bäume im Schutz der Hecken aufwachsen
    • ein besseres Mikroklima, insbesondere in Dürreperioden
    • Windschutz, für die Pferde, aber auch für die Vegetation, die weniger stark austrocknet
    • Abgrenzung, z.b. zusätzlich zum Weidezaun zur Erhöhung der Hütesicherheit und als Schutz vor ungewollter Fütterung durch Spaziergänger
    • ein schöneres Landschaftsbild 😉
    Vogelnest in einer einzeln stehenden Hundsrose
    das schönere Landschaftsbild mit Gehölzreihe
    ausgezäunte Pappelreihe mit Entstehung einer Hecke

    Und warum sieht man dann eigentlich so wenig Pferdeweiden mit Hundsrose & co.? Vor allem entlang von Zäunen könnte man Gehölzreihen von allein entstehen lassen. Natürlich müssen die Zäune freigeschnitten werden, aber man könnte einen Korridor zwischen verschiedenen Weiden oder an Wegen anlegen, in dem sich die Gehölze von selbst etablieren.

    Und auch auf der Weide selbst, warum eigentlich nicht? Selbst wenn man aus verschiedenen Gründen mulchen oder mähen muss, könnte man einzelne Gebüsche verschonen. Selbst bei relativ intensiver Beweidung kommen dornige Gehölze wie Hundsrose, Brombeere, Weißdorn, Wildbirne und Schlehe von allein und bereichern nicht nur den Speiseplan der Pferde.

  • Dungkäfer Bufet

    Dungkäfer Bufet

    Aktuell ist wieder die Zeit, in der Tausende von Dungkäfern der Gattung Aphodius die Pferdehaufen innerhalb kürzester Zeit zersetzen. Sie ernähren sich von Pferde- und Rinderdung, legen ihre Eier in den Haufen ab und auch die Larven ernähren sich widerum vom Kot unserer Weidetiere.

    Massenvorkommen von Dungkäfern aus der Gattung Aphodius

    Und besonders auffällig sind derzeit auch wieder die Löcher des Stierkäfers (Typhaeus typhoeus). Fast an jedem Haufen befindet sich ein ca. 1cm großes Loch, der Eingang zur Brutkammer des Stierkäfers. Er legt bis zu 1,5m tiefe Stollen mit mehreren Brutkammern an, in denen er seiner Eier und Kotpillen als Vorrat für die Larven ablegt. Die Entwicklung der Larven dauert zwei bis drei Jahre, während die adulten Käfer nach der Brutvorsorge und Eiablage absterben.

    Was sonst noch so alles in einem Kuhfladen wimmelt und wie sich die Nahrungsketten von Dungfliegen, Dungkäfern, Kurzflüglern, Regenwürmern, bis hin zu Kleinsäugern, Vögeln und Fledermäusen aufbauen, erklärt das wunderbare Kinderbuch „Party im Kuhfladen„.

    Das folgende Video soll einen Eindruck vermitteln, wie so ein Kuhfladen besiedelt wird. Es sind Wasserkäfer der Gattung Sphaeridium und auch zwei hübsche Kurzflügler (Ontholestes murinus) mit weißen Streifen auf dem Hinterleib zu erkennen:

    Wasserkäfer der Gattung Sphaeridium und Kurzflügler Ontholestes murinus

    Die Wasser- und Kurzflügelkäfer ernähren sich von den Larven der Fliegen, die schon ihre Eier in dem Fladen abgelegt haben und so können die Kreisläufe beginnen…

    Diese Käfer und auch die Gelbe Dungfliege (Scathophaga stercoraria) sind mir übrigens erst aufgefallen, seit Finola und Lenia bei uns sind. Die Larven der Gelben Dungfliege ernähren sich ebenfalls von anderen Insektenlarven im Dunghaufen.

    Damit die Dunghaufen unserer Weidetiere nicht (unnötig) zur ökologischen Falle werden, in dem die Larven der Insekten in den Haufen durch den Einsatz von Antiparasitika absterben, haben wir auf Selektive Entwurmung umgestellt. Seit Sommer 2022 werden wir dafür von einem zertifizierten Kotlabor der Arbeitsgemeinschaft Zeitgemäße Selektive Entwurmung (ZSE) betreut und mit KnowHow unterstützt.

    Der Vorteil liegt darin, dass man mit Hilfe einer Online-Datenbank stets den gesamten Bestand im Überblick hat, sich jederzeit von jedem Pferd die „Wurmkurven“ anschauen kann und dokumentiert wird, wer wann welche Wurmkur bekommen hat. Man bekommt Erinnerungen für die nächsten Kotprobe, Empfehlungen für einen Wirkstoff und – besonders wertvoll wie ich finde – man kann jede noch so „dumme“ Frage stellen 😉

    Das heißt, es geht nicht nur um das Ergebnis der Kotproben, sondern auch um den Service und die gute Beratung. Natürlich ist der Aufwand ersteinmal größer als einfach Wurmkuren zu geben, aber wenn dafür nur die Pferde eine Wurmkur bekommen, die auch eine brauchen, hat man am Ende die Umwelt geschont und beugt Resistenzen bei den Magen-Darm-Parasiten vor. Und vor allem: Das Bufet auf der Weide kann eröffnet werden.

  • Tagfalter Bufet

    Tagfalter Bufet

    Eine der Hauptursachen für das Insektensterben, bei dem vor allem auch Tagfalter betroffen sind, ist die Intensivierung der Landwirtschaft bei gleichzeitger Aufgabe nicht mehr rentabler Flächen wie Feuchtwiesen oder Trockenrasen. Dadurch gehen artenreiche Wiesen und Weiden verloren und mit ihnen ganze Artengemeinschaften.

    Um diesem allgemeinen Trend ein Kleinod entgegenzustellen, versuchen wir mit dem Ponyhof eine Weidelandschaft zu gestalten, die Insekten und damit auch alle weiteren Artengruppen, die von Insekten abhängig sind, zu fördern. Mit dem Verzicht auf den Einsatz von Dünger, Pestiziden und der Vermeidung einer Überbeweidung soll eine arten- und kräuterreiche Weide geschaffen werden. Diese ist nicht nur der Pferdegesundheit zuträglicher, sondern leistet auch einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

    Mit der Einrichtung eines Vegetations– und Tagfalter-Transektes soll dieser Anspruch im Verlauf der Jahre überprüft und abgebildet werden. Und dieses Jahr habe ich auch mehr Zeit finden können, um mein Tagfalter-Transekt regelmäßiger zu begehen. Das spiegelt sich enstprechend in den Zahlen wieder: 16 Arten mit insgesamt 108 Individuen bei 13 Begehungen im Vergleich zum letzten Jahr mit nur sieben Begehungen:

    Aber ich denke, neben der Häufigkeit der Begehungen spielt vor allem der reichhaltige Regen eine entscheidende Rolle. Zwar mögen es Schmetterlinge warm, sonnig und trocken, aber sie brauchen auch Nektarpflanzen und davon gab es im letzten Dürresommer fast keine mehr auf unserer Weide, abgesehen von Graukresse natürlich….

    Dieses Jahr hingegen gab es ein reichhaltiges Bufet aus Wegwarte, Saat-Luzerne, Malve, Schafgarbe, Rainfarn, Hundskamille, Ochsen- und Hundszunge, Disteln, Kletten etc. und natürlich auch Graukresse.

    Und besonders gefreut habe ich mich über das Auftauchen der Wiesen-Flockenblume. Ich hielt es zunächst für Zufall, dass sie an einer Stelle aufgelaufen ist, an der ich vor drei Jahren mal Saatgut ausgebracht hatte. Aber sie tauchte dieses Jar auch in anderen Teilflächen erstmals auf, in denen ich mal Wildkräuter in – netterweise durch Wildschweine geschaffene – Offenstellen angesät hatte.

    Wiesen-Flockenblumen haben einen besonders hohen Nekarwert für Wildbienen, Hummeln etc. und ernähren Raupen und Falter von über 40 Schmetterlingsarten. Sie kommen auf sandig bis lehmigen, trockenen bis mäßig feuchten Böden vor, blühen von Juni bis Oktober und wenn sie nicht zu stark verbissen werden, können sie sogar neue Triebe mit Blütenköpfen ausbilden und verlängern auf diese Weise das Tagfalter Bufett. Das heißt, Flockenblumen sind nicht besonders anspruchsvoll, vertragen moderaten Verbiss und sollten eigentlich auf jeder Weide vorkommen und dennoch gehört sie zu den in Brandenburg gefährdeten Arten. Was sagt das eigentlich über unsere Art der Flächennutzung aus? Oftmals ein Armutszeugnis…

    Ich habe „meine ersten Flockenblumen“ vorsichtsalber ausgezäunt, auch wenn sie mit Verbiss gut zurecht kommt. Denn das Seltene ist meist besonders attraktiv, in diesem Fall als Futterpflanze für die Pferde und Kühe…

    Wenn sie sich gut ausgebreitet und auf allen Flächen stabil etabliert hat, kann man die kleinen Schutzzäune sicherlich weglassen.

  • GPS Tracking

    GPS Tracking

    Wir hatten einen phantastischen Sommer mit vielen Niederschlägen, erträglichen Temperaturen und vor allem: ohne Dürre. Aktuell ist noch genug Futter auf den Flächen, so das man kein Heu zufüttern muss.

    Beim letzten Eintrag zum Thema GPS Tracking im März haben die Pferde sehr viel Zeit an der Heuraufe verbracht und waren eher lauffaul. Wie verhalten sich die Pferde, wenn sie keine Heuraufe haben und sich ihr Futter auf fünf Hektar Wiese durch grasen zusammensuchen müssen?

    Da die Herde in der Regel zusammenbleibt, gehe ich davon aus, dass Assans GPS-Daten repräsentativ für die ganze Herde sind oder doch zumindest für ihn und „seine“ Mädels sprechen. In den betrachteten 24 Stunden von 18:00 am 13.08.2023 bis 18:00 Uhr am 14.08.2023 hat Assan insgesamt 8,3km zurückgelegt.

    Pferde verbringen bekanntermaßen den Großteil des Tages mit grasen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Bis zu 16 Stunden pro Tag in langsamer Bewegung, dafür ist ihr Körper und ihre Verdauung ausgelegt. Aus meiner Sicht ist das die natürlichste Form der Pferdehaltung bzw. -ernährung und bei Assan weiß ich, dass er das grasen für sein Wohlbefinden zwingend braucht. Wenn wir beispielsweise auf einem Kurs sind und er für ein Wochenende in einer Box oder auf einem Paddock mit Heu stehen muss – was für ihn keinen großen Unterschied macht – muss ich zwischendurch mit ihm grasen gehen, damit er sich entspannen kann.

    Und so zeigt auch der größte Anteil der GPS-Daten eine langsame Bewegung kreuz und quer über drei Weiden hinweg. Angefangen von 18:00 bis 1:00 Uhr (nachts) grasen, dann dösen, schlafen (?) bis ca. 1:40. Dann wieder eine langsame Bewegung im Umfeld des Schlafplatzes, wieder Ruhe von ca. 2:45-4:45 an der selben Stelle auf der südlichen Weide, also vermutlich richtiger Schlaf für ca. zwei Stunden. Dann bis morgens um ca. 6:00 grasen, dabei langsam Richtung Norden/Wasserbottich mäandrieren. Hier im Umfeld bewegen, grasen, aber auch immer wieder längere Ruhephasen von 40 – 60 min in der Nähe des Wasserbottichs bzw. in der Pappelreihe bis ca. 11:30 Uhr einlegen.

    Dann gehts wieder weiter mit langsamer Bewegung auf allen Weiden und gegen 14:00 wieder Richtung Norden zum chillen in der Pappelreihe. Ab 15:00 grasen auf der nördlichen Weide für ca. eine Stunde und wieder Pappelreihe, grasen, chillen, grasen… Ab ca. 17:30 ist Assan Richtung Süden gewandert und bis zum Ende der Aufzeichnung auf der südlichen Weide in langsamer Bewegung geblieben, also vermutlich grasend.

    Das folgende Video zeigt die GPS Daten im Zeitraffer.

  • Schafe

    Schafe

    Dieses Jahr haben wir wieder tatkräftige Unterstützung bei der Bekämpfung der Kanada-Goldrute: 43 Guteschafe knabbern auf ca. 1,3 Hektar für etwa drei Wochen an der Goldrute, bevor sie wieder ihren Job im LIFE Trockenrasen Projekt machen. Die Schafe waren vorher in den Glindower Alpen und haben quasi bei uns eine Zwischenstation eingelegt. Eine Win Win Situation, denn für uns ist es eine Form der Weidepflege, die wir sonst bezahlen müssten (wir haben immer noch keinen neuen Mulcher…) und die Schäferin wird für diese Zeit entlastet mit täglicher Sichtkontrolle, Zaunkontrolle und Wasserbottich auffüllen.

    Die Kanada-Goldrute ist ein invasiver Neophyt, der dichte Dominanzbestände bildet und damit Artenvielfalt unterdrückt. Die Pferde fressen die Goldrute nicht, aber dafür machen sich die Schafe darüber her, sie sind somit ein wichtiges „Tool“ bei unserer Weidepflege.

    Ansonsten fressen Schafe mit ihren kleinen Mäulchen, der gespaltenen Oberlippe und ihrer Zahnstellung noch selektiver als Pferde. „Aufgrund der Zahnstellung werden die Pflanzen tief am Boden abgebissen und oft auch die für die Regeneration wichtigen Basalteile mit erfasst.“ (Dierschke & Briemle, Kulturgrasland).

    Was auf unseren Flächen ein Vorteil ist, wenn die Kanada-Goldrute zurückgedrängt werden soll, kann jedoch nicht per se empfohlen werden, wenn man artenreiche Pferdeweiden entwickeln möchte. Denn Schafe fressen bei einer Standweide bevorzugt Kräuter und führen damit auf Dauer zu einer Vergrasung der Flächen. Eine Beweidung mit Schafen im Sinne des Naturschutzes geht in der Regel von einer Hüte- oder Koppelhaltung in relativ hoher Dichte und für kurze Zeit aus. Damit hat man einen Effekt wie bei einer Mahd, beispielsweise in hügeligem, gehölzreichen und nicht mähfähigem Gelände und die Schafe haben dann keine Gelegenheit so stark zu selektieren.

    Wenn man darüber nachdenkt, Schafe selbst zu halten, muss man sich auch überlegen, dass sie eigene „Bedürfnisse“ an die Zäune haben. Zwei oder drei stromführende Litzen wie bei Pferden reichen nicht aus, man braucht Elektronetze, die man immer wieder umstecken muss. Eine gemeinsame Haltung mit Pferden ist sicherlich möglich, wenn man sie aneinander gewöhnt. Wir haben damit noch keine Erfahrung gesammelt, weil die Schafe immer nur kurzzeitig bei uns sind. Aber ich kann mir vorstellen, dass es für die Schafe ein großes Verletzungsrisiko im Zusammenleben mit den Pferden gibt.

    Außerdem müssen Schafe mindestens einmal im Jahr geschoren werden und es gibt kaum Verwendungsmöglichkeiten für die Wolle, die also entsorgt werden muss. Nur ein paar besondere Enthusiasten wie Marco Scheel verarbeiten Schafwolle im und mit großem Stil.

  • Einsaat – Sinn und Unsinn

    Einsaat – Sinn und Unsinn

    In entsprechenden Foren oder Gruppen der social media wird häufig die Frage nach der richtigen Einsaat für Pferdeweiden gestellt. Dabei lässt sich oft an den Antworten ablesen, dass sich die Erkenntnis noch nicht durchgesetzt hat, dass Weidelgras kein geeignetes Futter für Freizeitpferde ist. Weidelgras ist zu gehaltvoll für Pferde, die nicht arbeiten und dazu noch sehr gute Futterverwerter sind, vor allem für die Robustrassen unter den Freizeitponys.

    Weidelgras ist ein protein- und zuckerreiches Futtergras für Rinder und Pferde, die Leistungen erbringen müssen und ansonsten bildet es den typischen englischen Rasen aus. Schauen wir uns beispielsweise die Zusammensetzung der Pferdeweide Universal an:

    15 % Wiesenlieschgras, 5 % Rotschwingel, 5 % Wiesenrispengras, 75 % Deutsches Weidelgras

    Weidelgras bildet schnell eine Grasnarbe und sieht schön grün aus, funktioniert aber auf Dauer nur, wenn die Flächen nicht wieder hoffnungslos übernutzt werden und es keine Dürreperioden gibt. Und Kräuter, die der Pferdegesundheit und der Biodiversität gleichermaßen zuträglich wären, sucht man in dieser Mischung vergeblich. Wiesenlieschgras und Wiesenrispengras sind eher für frische Standorte geeignet, eigentlich kommt nur der Rotschwingel für die märkische Streusandbüchse in Frage. Und auch die Zusammensetzung der Brandenburger Pferdeweide hat genau die gleichen Arten, nur weniger Weidelgras und dafür Wiesenschwingel, eine Art der frischen bis feuchten Standorte:

    5 % Wiesenschwingel, 20 % Wiesenrispengras, 18 % Wiesenlieschgras, 23 % Rotschwingel, 24% Deutsches Weidelgras

    Da muss man sich gut überlegen, ob die Kosten für das Saatgut und die Einsaat im Verhältnis zum gewünschten Ergebnis stehen. Und nur um eine Übernutzung kaschieren zu wollen, halte ich es ohnehin für zwecklos, wenn die Flächen auf Dauer nicht geschont werden können. Da sollte man lieber auf Pioniervegetation setzen, die ist auch schön grün und sicherlich gesünder als Weidelgras. Im Folgenden ein Fotovergleich einer intensiv genutzten Heustelle mit offenem Boden, die sich mit Vogelknöterich, Portulak, Amarant und Weißen Gänsefuss selbst wieder begrünt hat.

    Und obwohl ich ein Verfechter von Pioniervegetation bin, habe ich auch schon oft versucht Pflanzen aus Saatgut zu etablieren. Warum? Weil ich den Eindruck habe, dass sich bei uns keine Grünlandarten in der Samenbank befinden. Die Flächen wurden früher als Fichtenplantage und nach ihrer Abholzung (für die Ziegelei in Glindow) vornehmlich als Gartenland genutzt. Danach sind diese Flächen vermutlich brach gefallen und es haben sich Dominanzbestände mit Kanada-Goldrute entwickelt.

    Das Ausbringen von Saatgut hat in diesem Fall also den Sinn, die Flächen naturschutzfachlich aufzuwerten und dem Ziel einer artenreichen Pferdenweide ein Stückchen näher zu kommen. Dafür kommt für mich nur standortangepasstes, regiozertifiziertes Saatgut in Frage. Bislang war jedoch noch nie etwas von dem Saatgut aufgelaufen, das ich in den Rillen der Wiesenschleppe oder „von Wildschweinen vorbereiten Stellen“ ausgebracht habe. Die schönen, offenen Wildschweinstellen wurden, inklusive Saatgut schnell von Brennnessel, Graukresse, Beifuß, Rainfarn & co. wieder überwuchert.

    Nun hat sich dieses Jahr die Chance ergeben, eine neu einzurichtende Fläche mit ca. 2000qm komplett einzusäen. Eingesät wurde dabei eine regiozertifizierte Saatgutmischung mit einem Kräuteranteil von 30% (siehe unten stehende Artenliste). Dieses Mal wollte ich es richtig machen (lassen), mit kombinierter Saatbettvorbereitung und anwalzen durch einen ortsansässigen Landwirt.

    Einsaat im April
    Anwalzen direkt nach der Einsaat
    Mitte Juli, es dominieren Arten der Äcker und Unkrautfluren

    Anfang Juli habe ich den ersten Pflegeschnitt händisch mit Freischneider und abharken des Mahdgutes durchgeführt, weil sich aufgrund des hohen Anteils an Graukresse kein Heu daraus gewinnen ließ. Die Graukresse war natürlich nicht im Saatgut, aber offensichtlich in der Samenbank. Ein bis zwei Pflegeschnitte sind je nach Aufwuchs notwendig, um ungewollte „Ackerunkräuter“ wie Graukresse oder Kanadisches Berufkraut zu minimieren und die Arten im Saatgut zu bevorteilen.

    durchaus erkennbare Drillreihen im Mai mit Graukresse-Rosetten
    Graukresse wie gesät im Juni
    zweiter Pflegeschnitt Ende Juli

    Eine Artenliste der Saatgutmischung im Vergleich zu den Arten, die ich im Juli aufgenommen habe, zeigt, dass bislang nur wenig Pflanzen aus dem Saatgut aufgelaufen sind. Die Pflanzenarten aus dem Saatgut sind grün und die Pflanzenarten, die sich auch etabliert haben sind dunkelgrün markiert. Der Anteil Juli 2023 in Prozent ist dabei eine reine Schätzangabe und die Stickstoffzahl nach Ellenbergs Zeigerwerten (x=indifferent).

    Viele Pflanzenarten, die von allein aufgelaufen sind, sind Arten der Äcker und kurzlebigen Unkrautfluren wie Küsten-Kamille, Kanadisches Berufkraut oder Hohe Rauke und Stickstoffzeiger (gelb markiert) wie Brennnessel, Beifuß oder Weißer Gänsefuß.

    Ich hoffe, dass spricht für sich, dass es auch Unsinn wäre, zu düngen. Wir haben ohnehin schon eine extrem überdüngte Landschaft und artenreiches Grünland lässt sich nur bei einer Aushagerung entwickeln, weil sonst konkurrenzstarke Arten dominieren. Gefährdete Arten der Roten Liste wie beispielsweise Heide-Nelke, die auch im Saatgut war, sind an nährstoffarme Verhältnisse angepasst und verschwinden bei Überdüngung bzw. werden von den konkurrenzstärkeren Arten verdrängt.

    Immerhin habe ich mich über einzelne Wiesen-Margariten und Gewöhnliches Leimkraut freuen können, die ich teilweise beim mähen stehen gelassen habe. „Allerweltsarten“ wie Schafgarbe, Wilde Möhre, Weiße Lichtnelke, Wegwarte oder Spitzwegerich wären vermutlich auch ohne Einsaat gekommen, aber ich heiße sie willkommen. Ich würde mich freuen, wenn noch Heide-Nelke, Wiesen-Flockenblume und Kleine Braunelle auftauchen – vielleicht im nächsten Jahr?

    Insgesamt muss man sich auch hier fragen, ob der Input an Kosten, Diesel und Arbeit im Verhältnis zum Ergebnis stehen? Denn der Zweck der Einsaat war eigentlich via Mahdgutübertragung die Weideflächen aufzuwerten, davon muss man jedoch aktuell noch Abstand nehmen und das Mahdgut wegen dem hohen Graukresse-Anteil entsorgen. Immerhin ein paar schöne Blühaspekte gibt es:

  • Jakobs-Kreuzkraut

    Jakobs-Kreuzkraut

    Na wunderbar, noch so ein Kandidat…

    Obwohl ich letztes Jahr alle Rosetten des Jakobs-Kreuzkrautes rausgezogen habe, zumindest die ich gesehen habe, hat sich mindestens die doppelte Menge mit schönen Blüten und durchaus vielen Schmetterlingen daran etabliert. Nun möchte ich mich ja an Artenvielfalt auf unseren Weiden erfreuen und jede Blüte ist für Insekten willkommen in unserem sonstigen Einheitsbrei aus Glatthafer, Kanada-Goldrute und Landreitgras. Aber müssen es ausgerechnet Graukresse, Frühlings- und Jakobs-Kreuzkraut sein, die für einen Blühaspekt sorgen?

    Wir haben diese Fläche vor zwei Jahren neu eingerichtet, d.h. einen eingewachsenen Wildzaun abgebaut, einen Weidezaun aufgebaut und Müll sowie Schläuche einer Tröpchenbewässerung abgesammelt. Da die Fläche erst in Form einer Gärtnerei genutzt wurde und dann jahrelang brach lag, ist sie eigentlich nicht als Grünland oder Pferdeweide geeignet. Sie konnte bislang nur gemulcht werden, im Wechsel wegen Graukresse, Frühlings-Greiskraut, Graukresse, Frühlings-Greiskraut usw.

    Aber zumindest ein Teil mit Landreitgras und Kanada-Goldrute kann beweidet werden und ich dachte, ich falle hinten über, als ich sah, dass sich in diesem Teil ausgerechnet das Jakobs-Kreuzkraut breit macht. Noch ist die Anzahl an Individuen überschaubar und lässt sich schnell per Hand rausziehen. Es kam ein 80 Liter Müllsack mit Jakobs-Kreuzkraut zusammen, aber mehr sollte es nicht unbedingt werden. Wie schon letztes Jahr beschrieben, muss die Strategie hier ganz klar lauten: Wehret den Anfängen!

    Gleichzeitig möchte ich dafür plädieren, nicht in völlige Panik zu verfallen, es ist weder notwendig, die ganze Fläche zu mulchen, noch irgendein Gift zu spritzen, so lange es sich um Einzelexemplare handelt. Ich werde oft gefragt: „Na fressen die Pferde das denn?“ Da kann ich ich nur mit einem eindeutigen JEIN antworten. Nach meiner Beobachtung auf anderen Pferdeweiden, auf denen Assan bislang stand, wurde das Jakobs-Kreuzkraut bis in den Hochsommer gemieden, konnte aussamen und wurde dann doch gefressen, wenn alles andere abgenagt war… Das befördert die Ausbreitung natürlich noch, zumal Jakobs-Kreuzkraut auch sehr trittresistent ist.

    In dieser Zeit hatte Assan auch schlechte Leberwerte. Aber es ist eben wie mit Alkohol und das ist es ja, was in den Kreuzkräutern drin steckt (Alkaloide): Die Dosis macht das Gift, jeder verträgt andere Mengen und wieviel Kreuzkräuter müssen Pferde fressen, bis sich die Leber nicht mehr regenieren kann? Dass sich Alkaloide ansammeln und nicht mehr abgebaut werden, kann ich nicht bestätigen, denn Assans Leberwerte haben sich wieder verbessert, als er auf einen anderen Hof kam.

    Viele Pferde werden importiert, kennen die Pflanzen hier nicht, werden hin- und hergestellt, wachsen in der Regel nicht in Herden auf vielfältigen Weiden auf, leben nicht in Familienverbänden. Sie haben somit keine Chance sich ein traditionelles Wissen über ihren Lebensraum, seine Ressourcen und welche Pflanzen giftig sind etc. anzueignen. Und dann staunt man immer wieder, wie ursprünglich unsere Hauspferde dann doch sind und ich bin davon überzeugt, dass sie in der Wildnis überleben könnten, wenn man alle Zäune aufmacht. Pferde meiden in der Regel Giftpflanzen, wenn sie genug Auswahl haben und wenn sie doch mal hier und da naschen, muss man sich keine Sorgen machen, dass sie davon gleich tot umfallen.

    Aber im Blick sollte man die Giftpflanzen schon haben, ihre Ausbreitung verhindern und lieber für ein artenreiches Grünland sorgen, dass auch für die Pferde gesünder ist:

    • Angepasstes Weidemanagement mit einer Vermeidung von Unter- oder Überbeweidung, beispielsweise in Form einer Umtriebsbeweidung
    • Mischbeweidung, beispielsweise mit Rindern (anderes Fraßverhalten)
    • Pflegemahd von Teilflächen
    • Aushagerung zur Förderung von Artenvielfalt durch Beweidung und/oder Mahd
    • keine Düngung, denn Stickstoffeinträge gibt es schon genug aus der Luft

  • Graukresse 4.0

    Graukresse 4.0

    Hier kommt das jährliche Update zur Entwicklung der Graukresse auf unserer Hauptweide bzw. Winterkoppel. Seit 2020 geht diese Fläche zur Erholung der Grasnarbe in eine Sommerpause, d.h. der Beweidungsdruck durch die Pferde wird hier runtergenommen. Dafür wird sie – quasi als Erfrischungskur – vor der Samenreife der Graukresse gemulcht.

    Dabei zeigt sich, dass die Pflegemaßnahmen der letzten Jahre tatsächlich zur Eindämmung der Graukresse geführt haben. Denn zum Glück ist sie zweijährig, d.h. die Pflanze stirbt nach der Samenreife im zweiten Jahr ab und es macht durchaus Sinn, sie vorher rauszureißen, zu mähen oder zu mulchen. Man wird immer noch ein großes Samenpotential im Boden haben, aber es scheint wirklich eine gute Methode zu sein, um diese Giftpflanze auf Dauer in Schach zu halten. Hier ein Vergleich der Entwicklung im Laufe der Jahre:

    Juli 2019
    Juli 2021
    Juli 2023

    Die reichhaltigen Niederschläge der letzten Monate haben außerdem zu einer üppigen Vegetationsentwicklung mit Schafgarbe, Hundskamille, Hundszunge, Ochsenzunge, Malve, Wegwarte, Natternkopf, Lichtnelke, Luzerne etc. gesorgt. So bleibt der Graukresse auch nicht mehr viel Platz und sie kann ihren Konkurrenzvorteil, dass sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist, nicht mehr ausspielen. An einer Stelle hat sich sogar Wiesen-Flockenblume etabliert, darüber hab ich mich besonders gefreut. Sie ist vermutlich aus Saatgut hervorgegangen, dass ich mal vor zwei Jahren ausgebracht hatte. Aktuell macht es wirklich viel Freude über unsere Hauptweide zu laufen, denn überall fliegen Wildbienen und Schmetterlinge umher, saugen an den Blüten und die Heuschrecken zirpen dazu. Es wäre deshalb auch ökologischer Wahnsinn, in diese Fülle reinzumulchen.

    Und zum Glück sind die Stellen mit Graukresse überschaubar geworden und können entweder mit Freischneider oder Sense partiell gemäht oder einzeln per Hand rausgezogen werden. Vor allem jetzt, wo der Boden noch gut feucht ist, kann man die Pflanzen mit Wurzel rausziehen und hat teilweise ganze Büschel in der Hand. Dadurch haben wir eine weitgehend Graukressenfreie und dennoch blütenreiche Hauptweide. So kann sich nun im vierten Jahr seit Beginn dieser Maßnahmen Artenvielfalt auf der Pferdeweide ohne „Insektenschreddern“ entwickeln.

  • Brennnessel

    Brennnessel

    Unsere Flächen sind extrem nährstoffreich, was sich an dem massenhaften Vorkommen von Stickstoffzeigern wie Brennnessel, Sauerampfer, Kanada-Goldrute und Glatthafer zeigt.

    Woran liegt das? Wir düngen nicht, außer natürlich in Form von Dunghaufen. Wenn man jedoch keine großen Menge Heu zufüttert, hat man theoretisch eine „negative“ Nährstoffbilanz, da die Biomasse durch die Weidetiere verstoffwechselt wird und man langfristig eine Aushagerung herbeiführt.

    Eines der größten Herausforderungen im Naturschutz ist jedoch die Überdüngung der Landschaft mit Stickstoffeinträgen aus der Luft. Eine Aushagerung in Form von Mahd und Beweidung zur Förderung der Artenvielfalt kann somit Jahre dauern und man braucht anscheinend viel Geduld…

    Wenigstens ist die Brennnessel gesund, weil sie viele Vitamine, vor allem viel Vitamin C und Mineralien wie Calcium, Kalium, Magnesium und Natrium enthält. Sie wird nur aufgrund der Brennhaare vom Weidevieh gemieden und in der Regel erst bei Frost abgeweidet. Man kann jedoch sehr leicht nachhelfen, in dem man die Brennnesselhorste abschneidet und das Material einfach liegen lässt. Ich verwende dafür eine Sense, was jedoch nicht so entscheidend ist, womit man die Brennnessel abschneidet. Letztlich geht es nur darum, dass die Brennnessel leicht angewelkt ist. Schon wenige Zeit später machen sich die Pferde darüber her und genießen einen gesunden Snack.

    Aber keine Sorge, es bleiben immer noch genug Raupenpflanzen für das Tagpfauenauge übrig, das dann im Herbst gern an den Blüten der Kanada-Goldrute saugt. Und das ist wieder ein schönes Beispiel dafür, dass es nie darum geht, etwas komplett „auszurotten“, sondern eher darum ein Mosaik an verschiedenen Habitaten zu fördern. Hier und da nachhelfen, aber auch mal nichts zu tun und abwarten, was von Natur aus passiert.

  • Vegetationsaufnahmen

    Vegetationsaufnahmen

    Mein absoluter Endgegner ist die Kanada-Goldrute – ich habe ihr schon viele Blogeinträge gewidmet und im Folgenden wird es um die Dokumentation der bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung dieser invasiven Pflanzenart gehen.

    Kanada-Goldrute ist in Massen giftig und wie immer gilt: die Dosis macht das Gift. Die Pferde fressen sie nur vereinzelt, aber sie ist ein Platzräuber für Futterpflanzen und Artenvielfalt, da sie bis zu 100 Prozent Deckung einnehmen kann. Mit ihren mächtigen Streuschichtauflagen aus ihrer eigenen (im Winter) abgestorbenen Biomasse schaltet sie jegliche Konkurrenz anderer Pflanzenarten aus und wer ihre Wurzeln betrachtet, versteht, dass man den kompletten Oberboden abtragen müsste, um sie dauerhaft loszuwerden. Ansonsten kann man sie nur durch ständigen Nutzungdruck schwächen, in ihrer Deckung eindämmen und kann gewiss sein, dass sie die gesamte Fläche wieder zurück erorbern wird, wenn der Nutzungsdruck nachlässt.

    Eine Mahd kommt nicht in Frage, weil das Mahdgut nicht verfüttert werden kann und eine Entsorgung neben den Kosten für die Mahd ökonomisch für uns nicht tragbar ist. Deshalb bleibt nur eine Beweidung mit Schafen, welche die Goldrute fressen und/oder Mulchen.

    Um den Erfolg der Pflegemaßnahmen zu dokumentieren, habe ich ein Transekt (=Untersuchungslinie) quer über die Fläche mit der höchsten Deckung an Kanada-Goldrute eingerichtet. Alle 20 m erfolgt eine Vegetationsaufnahme auf einem Quadrat mit 2mx2m, mit insgesamt elf Aufnahmeflächen. Ich habe die Vegetationsaufnahmen im phänologischen Frühsommer (=Holunderblüte) im Jahr 2020 durchgeführt und dieses Jahr im Frühsommer zum Vergleich wiederholt.

    Erfreulich ist immerhin, dass die Gesamtartenanzahl von 37 auf 48 und die mittere Artenanzahl von zehn Arten auf 15 Arten pro Aufnahmefläche im Vergleich der Jahre 2020 und 2023 zugenommen hat. Was das bedeutet zeige ich an einer Beispielaufnahme, dem Transektpunkt 4. Bereits auf den Fotos kann man erkennen, dass die Kanada-Goldrute weniger Platz einnimmt und die Gräser zugenommen haben.

    Vegetationsaufnahme auf dem Transektpunkt 4 am 01.06.2020
    Vegetationsaufnahme auf dem Transektpunkt 4 am 27.05.2023

    Ich habe die Deckung der Kanada-Goldrute im Jahr 2020 auf 65-75% geschätzt und in diesem Jahr auf weniger als fünf Prozent. Dafür haben Glatthafer und Wiesen-Rispengras zugelegt und es sind acht Pflanzenarten (blau markiert) dazu gekommen. Weggefallen ist der Mohn, der zwar recht hübsch ist, sich aber als ein- bis zweijährige Segetalart (=Ackerwildkraut) auf Dauer nicht halten kann.

    Besonders gefreut habe ich mich über Wiesen-Margarite, die ich in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Fläche gefunde habe, auch wenn sie nicht innerhalb der Aufnahmeflächen vorkam. Sie ist eine typische Art der Wiesen und Weiden, hier zu sehen mit Trauer-Rosenkäfer, der sich im Zuge der Erderwärmung nach Norden ausgebreitet hat.

    Im Folgenden eine Gesamtartenliste der Vegetationsaufnahmeflächen (nicht der gesamten Weidefläche) in den Jahren 2020 und 2023. Gelb sind Neophyten und grün sind Kennarten für artenreiches Grünland markiert. Nach den Roten Listen für Deutschland und Brandenburg gefährdete Pflanzenarten konnten bei uns noch gar nicht gefunden werden und auch sonst sind die Flächen noch weit entfernt „artenreich“ zu sein. Aber ein Anfang ist gemacht 🙂