Autor: ninetthirsch

  • Die Wüste lebt

    Wie in dem berühmten Disney Klassiker, in dem alles zu neuem Leben erweckt wird, wenn es nach lang anhaltender Dürre regnet, so werden auch unsere Weiden wieder lebendig…

    Man kann es sich nicht vorstellen, dass jemals wieder etwas wächst, wenn man über die vollkommen vertrockneten Flächen geht und nur noch Heuschrecken umherspringen. Keine Blüten, keine Tagfalter, Bienen oder sonstigen Insekten, alles ist braun, trostlos und man kommt sich vor, wie in einer Steppen- oder Wüstenregion. Die Bäume haben angefangen, Laub abzuwerfen und man macht sich ernsthafte Sorgen, um die schattenspenden Pappeln und anderen Gehölze. Die Bäume und Sträucher spenden nicht nur Schatten, sie schaffen auch durch Verdunstung ein kühleres Mikroklima und brechen den Wind, der die Flächen zusätzlich zur brennenden Sonne austrocknet. Ohne sie wäre die Hitze noch unerträglicher auf den Weiden. Ich hoffe, dass uns die Pappeln noch lange erhalten bleiben.

    Und es ist natürlich auch ein ökonomischer Schaden, wenn man schon im Juli Heu füttern muss, obwohl man mit der Flächengröße über den ganze Sommer kommen sollte. Gleichzeitig ist der zweite Schnitt komplett ausgefallen und ich bin froh, dass uns unser Heulieferant im September überhaupt noch mal Heu bringen kann…

    Nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Tage wird nun alles wieder grün. Wegwarte, Schafgarbe, Ochsenzunge und Weiße Lichtnelke blühen und es kehrt das Leben auf unseren Weiden zurück. Dann staunt man wieder, mit welcher Kraft, sich die Natur auch wieder erholen kann.

    Die folgenden Bilder zeigen drei unserer Flächen im Vergleich vom 07.08.2022 und dem 30.08.2022. Zum Einen werden sie wieder grün und zum Anderen sind die Pappeln ziemlich ausgedünnt.

    Lang anhaltende Dürrephasen und Hitze, im Wechsel mit Starkregen ist das neue Normal und wir müssen lernen damit umzugehen. In Bezug auf unsere Weiden ziehe ich die Leere aus diesem Sommer noch schonender mit der Grasnarbe umzugehen und Flächen für den Juli, August vorzuhalten. Und wenn es sein muss, die Vegetation sogar zu Rohfaser werden zu lassen und nicht vorher zu mulchen. Denn die Pferde haben durchaus alles gefressen, auch wenn sie Heu hatten, wurde noch jeder vertrocknete Halm abgegrast.

    Das war für mich wirklich eine neue Erfahrung und alles Lehrbuchwissen, dass man im Juni den „Heuberg“ abschöpfen muss, schon allein um wieder frisch nachwachsende Flächen zur Verfügung zu stellen, funktioniert nicht mehr. Gleichzeitig braucht man eine gewisse Pflege durch Mahd, Mulchen oder Beweidung mit anderen Weidetieren, um die Ausbreitung von unbeliebten Pflanzen wie Graukresse, Kanada-Goldrute oder Sauerampfer und den Parasitendruck einzudämmen.

    Eine Lösung für dieses Problem fällt mir aktuell nicht ein…

  • Hilfe – zu trockene Hufe

    Wir erleben derzeit eine Dürre von „epischem Ausmaß“ – das hab ich im Radio gehört, nicht meine Worte, aber wohl treffend und angemessen formuliert.

    Gestern meldete das Weidezaungerät eine Fehlermeldung mit der Erdung, ja kein Wunder! Ich hab das Gefühl, dass man nur noch mit der Gießkanne rumläuft, um die Erdung zu wässern, Vogeltränken aufzufüllen und noch ein paar Sträucher und Stauden zu retten, die man mal von Freunden bekommen hat und nicht eingehen lassen möchte, sollte.

    Dazu kommt, dass die Hufe nicht mehr bearbeitet werden können, weil sie hart wie Stein sind. Auch ein halbstündiges Wässern, bevor die Hufbearbeiterin kommt, reicht nicht mehr aus, um die Hufe bearbeitbar zu machen. Klar kann man immer irgendwas feilen, abkneifen oder mit der Flex rummachen. Aber an Strahl ausschneiden ist nicht mehr zu denken und nachdem meine Hufbearbeiterin beim letzten Mal die Hufe schon nicht ordentlich schneiden konnte, musste ich mich dieses Mal besser vorbereiten.

    Stundenlanges Hufe wässern verschwendet dabei die ohnehin schon knappe Ressource Wasser, das kommt für mich nicht in Frage. (Ich bin auch kein Fan von ewigem Abspritzen und Waschen der Pferde…) Manche bringen ihren Pferden bei, dass sie in Tuppen oder provisorischen Wasserbecken stehen bleiben. Das finde ich mega cool, aber das kommt für Assan natürlich nicht in Frage! Ein Araber und stehen? Ein Araber und stehen im Wasser? Das wäre für Herrn Assan würdelos und für mich zu anstrengend….

    Nun hatte meine Hufbearbeiterin eine gute Idee: „Tubbease“ – Krankenschuhe, die eigentlich für einen Anguss-Verband gemacht sind und Flüssigkeiten wie Rivanol am Huf halten sollen. Nachdem Assan seine Ballerinas drei Tage jeweils eine halbe Stunde getragen hat, konnten gestern seine Hufe wieder ordentlich bearbeitet werden, ohne große Wasserverschwendung. Natürlich fand er die schwappenden, schmatzenden Hufsocken auch nicht besonders toll und hat mich fassungslos angestarrt, wie ich ihm das antun kann. Aber irgendwas ist immer und er musste damit ja nicht in die Herde gehen, sondern durfte mit seinen Schühchen auf dem Hof grasend rum-mäandrieren. So eine extra Wurst hat für ein Pferd den gleichen Stellenwert wie ein Mittagskind in der Kita zu sein 😉

    Ansonsten hoffe ich weiter auf Regen, damit sich unsere Weiden wieder erholen können…

  • Dürre

    Wir haben das vierte Dürrejahr in Folge und es ist bereits seit Mitte Juni alles vertrocknet auf unseren Weiden….

    Hoffnung, dass es noch mal hinreichend regnet und unsere Weiden noch mal grün werden, habe ich mittlerweile nicht mehr und wir mussten schon anfangen mit Heu zuzufüttern. Bereits im Jahr 2020 war bei uns im August alles verbrannt, aber dieses Jahr ist schon ab Juni alles gelb geworden und seither so gut wie nichts mehr nachgewachsen.

    Dabei haben die Pferde trotz Heuangebot auch alles vertrocknete Gras gefressen, haben sogar die Brennnesseln, den Rainfarn und teilweise sogar die Kanada-Goldrute beknabbert.

    Mein Plan, einen Teil der Wiesen im Juni zu mähen, zu Mulchen oder von anderen Weidetieren abfressen zu lassen, hat dieses Jahr wieder nur so semi gut geklappt. Rinder und Schafe ausleihen funktionierte leider nicht, dafür haben wir zumindest einen Teil mähen können, um etwas Heu zu gewinnen und unsere Hauptweide haben wir mulchen lassen. Das Ziel dabei ist, dass das Gras nicht überständig wird und in der Rotation der Flächen immer wieder „frische“ Weiden angeboten werden können. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn es auch mal regnet….

    Schweren Herzens habe ich die Pferde nun auf unsere Winterkoppel gelassen, die eigentlich im Sommer geschont werden soll. Wie im letzten Beitrag beschrieben, haben wir nach zwei Jahren Pflege eine halbwegs vernünftige Grasnarbe wiederherstellen können, die nun wieder mehr beansprucht wird, als vorgesehen war. Es ist ja nichts so beständig wie die Planänderung und immer wieder muss man flexibel auf die sich ändernden Rahmenbedingungen reagieren. Um unsere Heureserven noch für den Winter zu schonen, lassen wir die Pferde noch mal auf allen Weiden rotieren, in der Hoffnung, die Heufütterung noch so lange es geht hinauszuzögern.

    Dabei sind unsere Ponys alle wohlgenährt und müssen vielleicht auch nicht immer das grünste Gras fressen? Nach dem Aussamen ziehen die Pflanzen ihre Nährstoffe in den Boden zurück und werden zu reiner Rohfaser, quasi „Heu auf dem Halm“, nur ohne Nährwert. Es sei denn, die Pflanzen werden in ihrem Wachstum durch mähen, mulchen oder abweiden unterbrochen und wachsen wieder nach.

    Aber dieses System funktioniert bei Dürre nicht mehr und vielleicht muss man es hinnehmen, dass die Pferde auch an den vertrockneten Pflanzen knabbern können, ohne gleich abzumagern. Schließlich sind sie wahre Wunder der Natur, beste Futterverwerter und können auch noch aus vertrockneten Pflanzen hinreichend Nährstoffe aufnehmen, wie man beispielsweise hier nachlesen kann.

  • Kleine Erfolge

    Es gab bereits einige Beiträge zum leidigen Thema Graukresse – aber nun auch mal was positives 🙂

    Unsere Winterkoppel wird seit zwei Jahren im Sommer konsequent vor den Pferden verschont und nur 1x gemulcht, um eine geschlossene Grasnarbe wieder herzustellen, den Parasitendruck einzudämmen und vor allem die Graukresse zurückzudrängen. Mittlerweile konnte sie sichtlich eingedämmt werden und es sind nur noch Einzelexemplare, die man per Hand rausreißen kann. Hier mal zwei Ansichten in Richtung Unterstand im Jahresvergleich:

    Juli 2022
    Juli 2022
    Juli 2019
    Juli 2019

    Wie bereits in anderen Beiträgen beschrieben ist die Graukresse eine neophytische, also eingewanderte Art, die vor allem auf nährstoffreichen Unkrautfluren wie Ackerbrachen oder eben übernutzten Pferdenweiden Fuß fassen kann. Dabei profitiert sie von den Dürreperioden, weil sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist und damit einen Konkurrenzvorteil hat. Eine Pflanze kann außerdem bis zu 7000 Samen produzieren. Sie kann sich mit Samen und auch vegetativ ausbreiten und bildet im ersten Jahr Rosetten aus, die überwintern und extrem trittresistent sind. Im zweiten Jahr, ab Juni bildet sie dann ihre Schötchen mit den Samen aus. Sie ist zweijährig, d.h. nach dem Aussamen stirbt die Pflanze ab!

    Sie ist damit eine typische Pionierart auf Rohböden, quasi eine R-Strategin, die ihre Hauptressourcen in eine hohe Reproduktionsrate steckt. R-Strategen können in der Regel neue Lebensräume, wie beispielsweise offene Bodenstellen rasch besiedeln, werden sich aber unter Konkurrenz nicht lange halten können. Will heißen, in gepflegtem Dauergrünland hat sie weniger Chancen sich auszubreiten und es lohnt sich, sie am Aussamen zu hindern.

    per Hand ausstechen, Juli 2020
    Mulchen Juli 2021
    Mulchen Juni 2022

    Man wird die Graukresse nie ganz loswerden, weil auch immer neue Samen einfliegen werden, aber zumindest konnten wir sie mit der Pflege auf unserer Hauptweide eindämmen. Was nun allerdings fehlt ist Regen….

  • Mähen und Sensen

    Aktuell ist wieder die Zeit, in der man nicht hinterher kommt die Zäune frei zu mähen.

    Wir haben sechs Flächen mit insgesamt zehn Hektar Weiden und 3,7km Zaunlänge – da ist man auf jeden Fall eine Weile unterwegs. Und da das alles nur Hobby ist, kann man das nur an den Wochenenden oder Feiertagen wie Pfingsten schaffen. Gleichzeitig sind wir im Siedlungsbereich, d.h. mit einem Benzin Freischneider hat es schon mal Ärger wegen Lärmbelästigung an Sonn- und Feiertagen gegeben….

    Dieses Jahr habe ich nun einen Akku-Freischneider von Makita ausprobiert. Der ist extrem leise und auch sehr viel leichter. Mit den 2×18 Volt 3Ah Akkus war dann aber schon nach 20 Minuten Schluss. Das ist natürlich zu wenig, da würde man mehr hin und her laufen, um den Akku wieder aufzuladen als an den Zäunen weiter zu kommen. Mit 2x 6Ah Akkus bei voller Leistung schafft der Freischneider immerhin 50 Minuten. Und mit dem Sternmesser kann man auch sehr leicht die Brombeeren und Gehölze bis zu einer Stärke von ca. 3cm abschneiden.

    Zusätzlich haben wir eine ca. 0,4 Hektar große Teilfläche gemäht, die weitgehend von Glatthafer dominiert wird und an einigen Stellen mit sehr viel Brennnessel durchsetzt ist, was zeigt, wie überdüngt unsere Flächen sind.

    Da wir aktuell einen „Futterberg“ haben, den die Pferde nicht abfressen können, muss die Fläche gemäht, gemulcht oder von anderen Weidetieren abgefressen werden. Würde man es stehen lassen, würde das Gras nach dem Aussamen zu reiner Rohfaser, also gelb werden und es würde auch kein Futter mehr nachwachsen…

    Aus diesem Grund habe ich letztes Jahr die komplette 1,5 Hektar große Weide gemulcht, was mir aber in der Seele weh tat um das schöne Futter! Außerdem wird die Fläche durch das Mulchen mit noch mehr Nährstoffen angereichert, Insekten und Kleinstlebewesen umsonst geschreddert und der Diesel nur verfahren, damit die Pferde wieder eine „frische“ Fläche haben. Deshalb, eine andere Lösung muss her!

    Leider fressen Schafe den Glatthafer auch nicht und mit den Rindern hat es nicht geklappt, so dass nur noch Mähen in Frage kam. Zum Glück hatte ich Hilfe von unserer immer hilfsbereiten Sarah! Allein hätte ich diese Fläche nie bewältigen können und so haben wir im Zweierteam gemäht, einer mit dem Akku-Freischneider und einer mit Sense.

    Jaja, das Sensen ist natürlich auch ein Thema für sich. Mit dengeln, wetzen, richtig ansetzen, schwingen lassen etc., aber nach 1,5 Tagen hatte ich das Gefühl, den Dreh fast rauszuhaben. Wenn man möchte, kann man das Schärfen und Arbeiten mit der Sense lernen, beispielsweise beim Sensenverein.

    Gestern haben wir die Fläche dann noch mit dem Heuwender bearbeitet und wenn alles gut geht, können wir demnächst Heu daraus pressen lassen 🙂

  • Umgang mit Giftpflanzen

    Wir haben auf unseren Weideflächen natürlich auch mit Giftpflanzen wie Graukresse, Kanada-Goldrute, Zypressen-Wolfsmilch, Frühlings-Greiskraut und seit neuestem auch mit Jakobs-Kreuzkraut zu tun.

    Eine typische Art der Trockenrasen ist Zypressen-Wolfsmilch, die wie alle Wolfsmilchgewächse Euphorbon als Giftstoff in ihrem Milchsaft enthält. Sie wird allerdings im frischen Zustand aufgrund ihres scharfen Geschmacks nicht gefressen, was ich bei unseren Pferden bestätigen kann. Aus diesem Grund ergreifen wir aktuell noch keine Maßnahmen gegen sie. Im Heu wird Wolfsmilch jedoch mitgefressen, obwohl es seine Wirkung bei der Trocknung nicht verliert. Aus meiner Sicht, ein gutes Beispiel dafür, keine Angst vor der Weide haben zu müssen. Denn die Pferde meiden in der Regel Giftpflanzen, können hier viel eher selektiv fressen als an der Heuraufe, wenn sie denn die Auswahl haben…

    Außerdem hab ich bei einem Rundgang zufällig Jakobs-Kreuzkraut entdeckt und natürlich gleich einen Ausstecher geholt. Es waren ca. 30 Rosetten an einer Stelle, die sofort ausgestochen wurden. Hier ist die Taktik ganz klar: „Wehret den Anfängen“!

    Eine Fläche, die letztes Jahr wegen einem Massenvorkommen von Frühlings-Greiskraut gemulcht werden musste, hat sich dabei sehr gut entwickelt. Es sind dieses Jahr nur noch einzelne Exemplare, die per Hand rausgerissen werden können, so dass die Fläche beweidet werden kann. Ein schönes Beispiel dafür, dass sich der Aufwand, Giftpflanzen in Schach zu halten, auch lohnt. Hier war die Idee diese einjährige Pflanze frühzeitig daran zu hindern, dass sie aussamen kann. Ob sie von den Pferden gefressen wird, weiß ich nicht. Das habe ich noch nicht beobachten können und es noch nicht darauf ankommen lassen.

    Die Kanada-Goldrute hingegen wird uns noch weiterhin auf Trab halten, wobei sie zumindest nicht von den Pferden gefressen wird, aber ein Platzräuber für Futterpflanzen darstellt. Hier sollen uns dieses Jahr wieder Schafe und erstmalig auch Rinder bei der Weidepflege helfen.

    Und ich bin schon sehr auf die Entwicklung der Winterweide mit dem Massenvorkommen von Graukresse gespannt. Während die Kanada-Goldrute schon in den Startlöchern steht, ist die Graukresse noch nicht in Erscheinung getreten, aber mit Sicherheit noch nicht veschwunden. Diese Fläche soll dieses Jahr wieder vor der Samenreife der Graukresse im Juli gemulcht werden. Ich hoffe, dass sich auch hier der Aufwand lohnt, diese Giftpflanze zumindest in Schach zu halten.

    Aktuell ist jedoch meine größte Sorge der seit Februar ausbleibende Regen, der allen Pflanzen fehlt….

  • Jägerwiese

    Heute durften die Pferde auf eine neue bzw. „frische“ Wiese, auf die sogenannte Jägerwiese.

    Die Fläche heißt so, weil es hier mal einen Hochstand gab. Der Hochstand ist mittlweile nicht mehr da, was ich sehr schade finde, denn von dort hatte man einen schönen Blick auf die Fläche, konnte in Ruhe sein Feierabend-Bier trinken und es war vor allem auch ein Fotopunkt….

    Jedenfalls hatte die Jägerwiese den ganzen Winter über Weideruhe, vor allem, um die Pappelreihe und die Felsenkirschen vor Pferden und ihrer Schälerei zu schützen. Die Eichen habe ich vorsichtshalber ausgezäunt, aber alle Gehölze auszuzäunen wäre auch schade und so war meine Hoffnung, dass die Pferde nur im Winter schälen. Denn die Pferde lieben es sich zwischen den Bäumen und Sträuchern zu tummeln, sich zu schubbern, hier und da zu knabbern. Aber die Gehölze komplett schälen zu lassen, wäre natürlich eine Sünde. Ich bin froh, dass das bisherige Schälen anscheinend von dem Großteil der Felsenkirschen überlebt wurde und sie dieses Jahr wieder blühen.

    Und so habe ich heute einfach dem Summen der Bienen, Hummeln und dem Schnauben der Pferde zwischen den blühenden Sträuchern gelauscht.

  • Farbtupfer

    Frühjahrsblüher sind die ersten Farbtupfer in der Landschaft und öffnen einem das Herz.

    Scharbockskraut, Finger-Ehrenpreis, Rote Taubnessel und Blaustern sind die ersten Blühaspekte auf unserer Pferdeweide und bieten Hummeln, Wildbienen & co. erste Nahrungsquellen.

    Nachdem es im März keinen einzigen Tropfen Regen gab, kommt nun endlich der April mit typischem Aprilwetter:

    Mal Regen und mal Sonnenschein,
    Dann schneit’s auch wieder zwischendrein.
    April, April, der weiß nicht was er will.

    Mit den Niederschlägen und der Sonne im Wechsel erholen sich auch unsere Weiden wieder und das Gras kann schön wachsen 🙂

    Vor allem im Wald nutzen Frühjahrsblüher wie Lerchensporn, Weiße und Gelbe Buschwindröschen, Lungenkraut und Leberblümchen die ersten Sonnenstrahlen, bevor sich ein geschlossenes Blätterdach ausgebildet hat. Wie beispielsweise hier in einem Buchenwald in der Uckermark:

    Die Winterlinge, beispielsweise an der Kirche in Petzow, an der ich immer auf dem Weg zum Ponyhof vorbei fahre, sind aktuell sogar schon verblüht.

  • Herdenintegration

    Das Thema Herdenintegration sorgt für sehr viel emotionale Diskussionen und jeder hat dazu eine Meinung, hat seine individuellen Erfahrungen gesammelt und immer birgt eine Integration auch ein Verletzungsrisiko.

    Seit dem Ponyhof Glindow musste ich meine Einstellung zum Thema „neues Pferd in die Herde stellen“ schon mehrmals revidieren. Ich kannte es nie anders, als das Assan immer und überall einfach „reingeschmissen“ wurde. Wenn man Einsteller ist, kann man ohnehin nicht mitreden und sich die Art der Integration aussuchen. In einem normalen Pensionbetrieb ist so viel rein und raus, dass sich niemand zusätzliche Arbeit macht und es auch eigentlich keine Rolle spielt. Denn fast täglich kommen neue Pferde dazu oder gehen raus, weil Stallhopping aufgrund schlechter Versorgung, Unzufriedenheit oder Rausschmiss an der Tagesordnung ist. Echte Freunde zu finden lohnt sich nicht mehr, die Pferde haben resigniert und wenn schon wieder ein neues Pferd in die Herde kommt, ist es nichts weltbewegendes. Dann hat es aus meiner Sicht auch nie etwas gebracht, das neue Pferd einfach neben eine bestehende Herde zu stellen, da ein Zaun dazwischen eben doch etwas anderes ist, als wenn die Pferde nicht durch den Zaun getrennt sind. Assan stand 1,5 Jahre neben den Stuten in Glindow und als der Zaun geöffnet wurde, gab es trotzdem ein großes Hallo, obwohl sich die Pferde über den Zaun schon sehr lange kannten.

    Ich bin sehr froh, dass unsere Herde seit ungefähr zwei Jahren wachsen und sich entwickeln konnte. Allerdings hat sich mittlerweile auch eine relativ feste Herdenstruktur gebildet und neue Pferde werden nicht mehr so einfach akzeptiert. Es gibt zwei Wallache, die sich gut verstehen, miteinander spielen und ansonsten haben sich die Stuten mehr oder weniger fest zu den Wallachen in Untergruppen gesellt. Jeder hat seinen Platz und vor allem der Herdenchef, ein brauner Warmblut-Wallach namens Atchie duldet keine neuen Pferde, auch wenn es sich dabei um eine hübsche Spanierin handelt…

    Wir haben nach und nach Erfahrungen gesammelt und schon einiges ausprobiert. Am Anfang kamen die Pferde in zweier Teams in die Herde, was erheblich einfacher war und die Herde war auch noch relativ frisch zusammengewürfelt. Später mussten wir feststellen, dass weitere Wallache in der Herde überhaupt nicht funktionieren. Es mussten bereits zwei Wallache wieder gehen, weil das Verletzungsrisiko durch die Rangkämpfe um die Stuten zu groß war, unter anderem für mein eigenes Pferd. Ein Araber, der sich mit einem Rheinisch-Deutschen Kaltblut im Kampf um seine Freundin anlegt, mit Ansteigen etc. – das hat mir schlaflose Nächte bereitet.

    Eine Stute, die wir im Sommer mit zwei anderen Stuten auf eine extra Wiese gestellt haben, hat sich gleich am Tag der Eingewöhnung mit den Hinterbeinen beim Ausschlagen im Zaun verhangen und musste direkt in die Klinik gefahren werden. Obwohl die Fläche einen Hektar groß ist, mussten sie Ihr Gerangel und Gequietsche unbedingt am Zaun machen… Danach wurde sie zunächst mit einer Stute zusammengestellt und nach und nach wurden weitere Pferde dazugesellt, bis man den Zaun komplett öffnen konnte und die Herde gemeinsam grasen ging. Dabei wäre mir eine Integration im Sommer immer lieber, weil da die Pferde einfach grasen können und sich nicht an der Heuraufe rangeln müssen.

    Dann kam im Herbst eine weitere Stute in die Herde, die vom Herdenchef über mehrere Weiden gejagd wurde, auch wenn sie sich selbst weit weg abgesondert hat. Teilweise haben sich die Wallache bei der Jagd abgewechselt und gegenseitig übernommen. Sie wurde gezielt in die Ecken getrieben, musste dabei über eine Tränke mit Betonstütze springen, hat sich wie ein Wunder dabei nicht verletzt und wurde durch eine Schleuse aus Breitbandlitze gejagd. Diese Hatz mussten wir natürlich unterbinden und die Herde ersteinmal trennen, um die Integration schonender zu gestalten. Dabei wurde Assan mit seinen Stuten und der neuen Stute auf eine Fläche und Atchie mit seinen Stuten auf eine andere Fläche gestellt.

    Und nun seit Januar wieder eine Herdenintegration, die sich sehr lange hingezogen hat und jetzt hoffentlich ein gutes Ende genommen hat. Zunächst wurde die Stute mit einer anderen Stute auf die Extrawiese gestellt und dann gemeinsam in die Herde gebracht. Das ist grandios daneben gegangen und die Stute wurde vom Chef „in den Zaun gedrückt“ und so schlimm am Widerrist verletzt, dass die Wunde genäht und geklammert werden musste. Nach dem Heilungsprozess musste nun ein neuer Plan her und ein guter Freund und erfahrener Tierhalter hat uns den Tipp gegeben, nur den Herdenchef und die neue Stute – getrennt durch einen Zaun – auf die Extrawiese zu stellen. So haben wir tatsächlich nur Atchie und die neue Spanierin nebeneinander, aber durch einen Zaun getrennt auf eine Extrafläche gestellt, die auch räumlich durch einen Weg von der Herde getrennt ist. Den Zaun haben wir dabei so gestellt, dass sie sich die Heuraufe teilen mussten. Damit haben wir den Wallach aus der Situation rausgenommen, seine Herde verteidigen zu müssen und beide als Leidensgenossen, die nur noch sich hatten, zusammengeschweißt. Nach einem Tag und einer Nacht dann ohne Zaun, haben wir beide gemeinsam in die Herde stellen können und siehe da, es hat funktioniert.

    Die ebenfalls noch sehr junge Lipizzanerin hat die neue Stute dann gleich als Freundin auserkoren und beide liefen wie ein paar de deux über die Fläche. Es gab noch ein paar Attacken der anderen Stuten und von Assan, allerdings nicht so heftig wie die Jagden vorher. Ich hoffe, dass sich nun alles wieder beruhigt und es keine weiteren Verletzungen mehr gibt. So eine Herdenintegration ist immer nervenaufreibend für alle Beteiligten, vor allem für die Pferde.

  • Stürme, Stürme, Stürme

    Ich hasse Wind ja ohnehin. Bei Wind sind Pferde besonders in Alarm-Bereitschaft, weil sie einfach nicht so gut hören können, ob sich beispielsweise Raubtiere anschleichen. Sie sind dann förmlich „durch den Wind“ und stets fluchtbereit. Bei Wind macht ausreiten keinen Spaß und man kann eigentlich überhaupt nicht mehr mit dem Pferd arbeiten, nervt!

    Aber das ist natürlich jammern auf hohem Niveau, wir können von Glück reden, dass wir bislang von schweren Sturmschäden auf dem Ponyhof verschont wurden. Sturmtief Ylenia hat unsere Heumiete abgedeckt, vereinzelte Äste und abgebrochene Pappeln auf dem Zaun sowie einen schiefen Reitplatzmast hinterlassen. Die Plane am Unterstand sollte ohnehin mal durch Windschutznetze ersetzt werden….

    Aber das nächste Sturmtief ist bereits unterwegs: Zeynep. Ich hoffe, dass wir wieder Glück haben und nichts schlimmeres passiert. Die Pferde meiden den Unterstand und die Pappelreihe bei Sturm, ich glaube nicht, dass sie sich etwas auf den Kopf fallen lassen. Und auch bei Pappeln im Zaun glaube ich nicht, dass sie sich von den Heuraufen groß weg bewegen und auf die Idee kommen über den Zaun zu steigen. Dennoch ist man natürlich in ständiger Sorge um die Pferde bei solchen Unwettern.

    Und ein Rekord jagd den nächsten. Wie schon lange vorher gesagt, nehmen Unwetter zu, Dürreperioden im Wechsel mit Starkregenereignissen, Hitzerekorde, eine verlängerte Vegetationsperiode, Winter ist praktisch abgeschafft. Während schon letztes Jahr die Haselblüte den phänologischen Vorfrühling am 21. Februar und damit sechs Tage früher als im langjährigen Mittel von 1951 bis 1980 einleitete, ist sie aktuell schon durch mit der Blüte. Auch das Gras wächst bereits, freuen kann ich mich darüber nicht.

    Es ist wie im Film Don´t look up, wir sind live bei der Klimakrise dabei, aber besser wir gucken einfach nicht hin und tun weiterhin so, als hätte das alles nichts mit uns zu tun, also Ruhe bewahren und sondieren:

  • Vögel füttern

    Es liegt in unserer Natur, dass wir Tiere gern füttern möchten. Wir Pferdehalter kennen das, wollen wir doch selbst ständig Lecker und Möhrchen verteilen, das Futter zubereiten, als würde man seinen Liebling bekochen. Aber gleichzeitig wollen wir natürlich nicht, dass Pferde am Zaun von Fremden gefüttert werden. Sei es, weil wir nicht wollen, dass sie sich um das Futter prügeln, wir nicht wissen, was da gefüttert wird, ob die Pferde das vertragen, zu viel Fruchtzucker, was immer – nur wir wissen, was gut für unser Pferdchen ist!

    Und so gehört auch das Vögel zu füttern zu den Themen, die im Naturschutz kontrovers diskutiert werden, dabei ist es eine der einfachsten Möglichkeiten Vögel in naher Umgebung zu beobachten und uns das gute Gefühl zu geben, „Tieren zu helfen„. Vor allem für Kinder ist es eine schöne Naturerfahrung, egal ob in der Stadt oder auf dem Land.

    Aber leider kann man auch da so viel falsch machen, dass man widerum verunsichert ist, ob man überhaupt Vögel füttern sollte? Warum beispielsweise immer noch Meisenknödel in Plastiknetzen verkauft werden, in denen die Vögel mit ihren Beinchen hängen bleiben können, ist mir völlig schleierhaft. Auch mit den Fragen der Hygiene an der Futterstelle bzw. der Übertragung von Krankheiten und die Wahl des Futters sollten wir uns ein wenig beschäftigen, bevor wir dieses kleine Naturschauspiel erleben können.

    Zum Glück gibt es so viele gute Tipps und Möglichkeiten sich zu informieren, zum Beispiel beim NABU. Und eine der Tipps zum selbst gemachten Vogelfutter, wie im Video erklärt, habe ich mal ausprobiert.

    Ich konnte mir erst nicht vorstellen, dass die Schnüre im Knödel hält, aber es geht. Es ist schnell gemacht und angerichtet. So kann ich nun Kohlmeisen, Blaumeisen, Spatzen, Amseln & co. gemütlich vom Bauwagen aus gut beobachten 😉

    Vögel im Winter zu füttern, finde ich durchaus gut und richtig, weil sie in der Regel in unserer ausgeräumten Agrarlandschaft nicht genügend Futter wie Sämereien aus überständiger Vegetation oder Früchte von Sträuchern etc. finden können.

  • NABU Stunde der Wintervögel

    Auch dieses Jahr habe ich natürlich wieder mitgezählt bei der NABU Stunde der Wintervögel. Die Aktion fand vom 06. bis 9. Januar 2022 statt und es haben nach einer ersten Auswertung des NABU mehr als 157.000 Vogelbegeisterte mitgemacht. Der häufigste Vogel war der Haussperling, gefolgt von Kohl- und Blaumeise, Amsel und Feldsperling.

    (C) Johannes Müller

    Auf unserer Pferdeweide waren die meisten Vögel in der Pappelreihe zu beobachten, beispielsweise zwei Blaumeisen, welche Rinde und Äste nach Nahrung abgesucht haben. Auch Elster, Buntspecht, Eichelhäher, Ringeltaube und Nebelkrähe tummelten sich in den Pappeln und ein Trupp Saatkrähen, gemischt mit Dohlen ließen sich zwischenzeitlich in den Kronen nieder, bevor sie mit viel Geschrei wieder weiterflogen. Eine Kohlmeise suchte die Hagebuttensträucher ab, ein Mäusebussard und ein Trupp Wacholderdrosseln flogen über die Weide und aus der näheren Umgebung konnte man einen Grünspecht hören. Insgesamt konnte ich in der einen Stunde zwölf Vogelarten mit 75 Individuen zählen.

    Dabei hat sich einmal mehr gezeigt, welchen großen Wert eine Baumreihe hat. Die Bäume sind nicht nur Schattenspender, strukturieren die Weiden und werten das Landschaftsbild auf. Sie sind vor allem auch Lebensraum, Nistplatz, Jagd- und Ansitzwarte, sowohl im Sommer als auch im Winter.

  • Eat, Play, Sleep

    Eat, Play, Sleep

    Was machen unsere Ponys im Winter? Nicht besonders viel, vor allem fressen und dösen…

    Ich hab Assan mal wieder mit einem GPS (Garmin etrex10) ausgestattet. Er hat das Gerät 24:52h auf der Weide getragen und die von ihm zurück gelegte Gesamtstrecke beträgt 8,45km. Das scheint ja Assans individuelle Tagestrecke zu sein, wie wir schon an früherem GPS-Tracking sehen konnten. Die Maximalgeschwindigkeit lag bei 44km/h und die Durchschnittsgeschwindigkeit bei ca. 5km/h (ohne Ruhezeiten). Obwohl fast alle Koppeln offen waren und die Pferde insgesamt sieben Hektar zur Verfügung hatten, haben sie sich kaum bewegt und sich die meiste Zeit an den Heuraufen zum fressen und dösen aufgehalten. Abgesehen von der Hauptkoppel waren sie nur 2x auf der „Skuddenwiese“, die Fläche südlich vom Unterstand.

    In der Zeit von 9:38 bis 10:30 mit insgesamt 1492 Minuten (24:52) wurden 4278 GPS-Punkte gesetzt. Wenn man sich die Lage der GPS-Punkte genauer anschaut und die Zeiten an den jeweiligen Standorten in Intervalle unterteilt, kann man im Groben die Aktivitäten im Tagesverlauf ablesen. In der folgenden Tabelle sind die Minuten nach der Lage an den Heuraufen, auf der Hauptkoppel, Unterstand oder Schlafplatz unterteilt. Mit Schlafplatz sind die zum Dösen genutzten Bereiche in unmittelbarer Nähe zu den Heuraufen gemeint.

    Man kann unsere Pferde oft dabei beobachten, wie sich die Herde aufteilt beim Fressen, d.h. Assan döst mit seinen Mädels, wenn Atchie mit seinem Harem frisst und umgekehrt. So bleibt die Herde insgesamt relativ nah beieinander, d.h., sie verbringen viel Zeit in der Nähe der Heuraufen und natürlich durchmischen sich die Untergruppen immer wieder.

    Die längste Zeit waren 133 Minuten (gegen 4:00 morgens) auf der Hauptkoppel in langsamer Bewegung, d.h. vermutlich wurde in diesem Intervall gegrast. Dass auch insgesamt die meiste Zeit auf der Hauptkoppel verbracht wurde, liegt zum Teil daran, dass sie auf dem Weg zum Unterstand, zur Heuraufe oder Tränke überquert werden muss. Assan war 2x an der Tränke, 1x nach einer längeren Zeit an der Heuraufe und 1x nach dem „Spielen“ gegen 19:00 Uhr. Als Spielen habe ich die zwei Minuten mit den höchsten Geschwindigkeiten kreuz und quer über die Hauptkoppel interpretiert. Wäre es nur Flucht würde mir das Hin und Her nicht einleuchten und wir wissen alle, dass Pferde manchmal einen Flitz bekommen 😉 Assan und Atchie spielen auch oft miteinander, mit ansteigen, Po beißen, gemeinsam galoppieren.

    Die längste Zeit am Stück an der Heuraufe waren 113 Minuten von ca. 20:00 bis 22:00 Uhr. Auf die Skuddenwiese ging es 1x morgens gegen 6:00, dann noch mal schlafen (?) im Unterstand und gegen 9:00 noch mal grasen auf der Skuddenwiese. Dabei muss ich zugeben, dass die Heuraufen leer waren, als ich gegen 9:30 Uhr zum Hof kam. Es wäre also interessant, wieviel die Pferde grasen gegangen wären, wenn die Heuraufen noch voll gewesen wären. Und natürlich, habe ich die Herde in Richtung Heuraufen durch das Anspringen des Traktors angelockt und damit ihr Verhalten ebenfalls ungewollt beeinflusst.

    Am besten wäre es natürlich, wenn man neben dem GPS-Tracking die Pferde beobachten würde, um reale Aussagen zu treffen zu können, was die Pferde wirklich wann und wie lange machen. So wie es in der Ethologie gemacht wird, um auch das Komfortverhalten, Spielen, Flucht oder die Schlafphasen mit ablegen (REM-Phasen) etc. erfassen zu können. Mal sehen, wenn ich mal Zeit habe 😉

    Nach Zeitler-Feicht (2015, Handbuch Pferdeverhalten) nehmen „freilebende Pferde ihre Nahrung in kleinen Portionen verteilt über den 24-Stunden-Tag auf. In der Regel sind es 6-13 Mahlzeiten…. Untersuchungen ergaben, dass Pferde im Stall mit ad-libitum-Fütterung von Raufutter eine ähnliche Rhythmik der Nahrungsaufnahme aufweisen… Pferde sind entwicklungsgeschichtlich gesehen auf lange Fressdauern ausgelegt, denn ihre ursprüngliche natürliche Nahrung war überwiegend energie- und nährstoffarm, dafür rohfaserreich. Zudem fressen sie selektiv und kauen sorgfältig. Angeborenermaßen beschäftigen sich auch heute noch sowohl verwilderte Pferde in freier Natur als auch Weidepferde etwa zehn bis 18 Stunden des 24-Stunden-Tages mit der Nahrungsaufnahme (im Durchschnitt 12,5 Stunden).“

    Auch wenn ich die Pferde nicht 24 Stunden beobachtet habe, wird anhand der Zeitintervalle in der Tabelle zumindest deutlich, wie oft zwischen grasen, dösen und Heuaufnahme im Tagesverlauf gewechselt wird. Die Pferde haben auf jeden Fall ihren ganz eigenen, interessanten Tagesrhythmus.

  • Elisabethhöhe im Wandel der Zeit

    Mich hat mal interessiert, was auf unseren Weideflächen früher war…

    Wenn es um Beweidung geht, hat man es im Naturschutz in der Regel mit der Wiederaufnahme einer Nutzung auf „traditionellem Dauergrünland“ zu tun. Das heisst Brachestadien werden wieder in artenreiche Wiesen oder Weiden rekultiviert.

    Aber was war auf unseren Weideflächen früher, ich meine vor der Kanada-Goldrute…? Man findet immer wieder Reste aus der Zeit einer Nutzung als Garten mit Bewässerungsanlagen und Gewächshäusern. Nach historischen Karten bestand Elisabethhöhe vor allem aus Obstgärten und die Region um Werder/Havel ist ja auch vor allem für seinen Obstanbau bekannt.

    Aber zunächst einmal bestanden die Flächen nordöstlich von Bliesendorf aus Wald, wie eine Karte aus dem 19. Jahrhundert zeigt. Nach der Ortschronik von Elisabethhöhe als jüngste und kleinste Siedlung von Werder/Havel findet es als Gut seine erste Erwähnung im Jahr 1865 mit ca. 5 Hektar Wald und 5 Hektar Ackerland. 1888 wurde es als Vorwerk durch den Ziegeleibesitzer Fritze übernommen. Er brauchte viel Holz für seine Ziegelei in Glindow und hat die Anhöhe nach seiner Frau Elisabeth benannt.

    Elisabethhöhe 19. Jahrhundert

    Im Jahr 1895 wurde das erste Wohnhaus (als Fachwerk) und eine Feldscheune erbaut, 1927 begann dann der Siedlungsausbau sowie die Errichtung des Trinkwasserwerkes. 1929 wurde die Obst- und Gartenbau-Genossenschaft Elisabethhöhe gegründet und der Gartenbau prägt bis heute diesen Ort.

    Elisabethhöhe 1940, schraffiert sind die Bereiche mit Obstgärten

    Besonders eindrücklich sind die Luftbilder aus dem Jahr 1953. Sie zeigen, wie kleinparzelliert die Landschaft vor der Zusammenlegung in landwirtschaftliche Genossenschaften wie der 1958 gegründeten „GPG, Gemüseproduktion Glindow“ war, die später zur „LPG Obst und Gemüse Glindow“ wurde. Zu DDR Zeiten gab es in Elisabethhöhe noch einen Konsum, eine Gasstätte („Zum letzten Siedler„), eine Post und eine Schule, die jedoch schon 1976 geschlossen wurde.

    Elisabethhöhe 1953

    Nach der Wende wurden auch die Gaststätte, der Konsum und die Post geschlossen. Die LPG wurde aufgelöst und es haben sich neue Unternehmen wie die Werder Frucht GmbH gegründet. Es wurden weitere Straßen aus- und neue Häuser gebaut.

    Elisabethhöhe 2001

    In den letzten 20 Jahren hat sich dann noch mal ein starker Wandel der Landschaft mit dem Verschwinden der Obstbaumplantagen und der Umwandlung in Acker vollzogen. Wie überall verschwinden immer mehr Strukturen wie Wege, Hecken, Brachen, Baumreihen, Feldgehölze aus der Landschaft und werden zu großen Ackerschlägen zusammengelegt.

    Elisabethhöhe 2021

    Dennoch hat sich ein dörflicher Charakter mit Gärten und regionaler Wertschöpfung in Elisabethöhe erhalten können. Dazu tragen die noch bewirtschafteten Apfelplantagen der Umgebung, der Anbau von Sanddorn, eine Destillerie und regionale Vermarktung beispielsweise mit dem Automatenhofladen für Eier, Fruchtsäften, Kartoffeln etc. bei.

    Elisabethhöhe ist bis heute etwas besonderes und ich freue mich darüber, dass wir mit unseren Weideflächen einen kleinen Beitrag zum Erhalt von Strukturen in der Landschaft leisten können. Auch wenn wir kein artenreiches Grünland von jetzt auf gleich aus den Flächen machen können, weil das nicht der Historie des Standortes entspricht, sind vor allem die Gehölze und Obstbäume ein wertvoller Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

    Ein Obstbaum auf unserer Weide 😉
  • Selektive Entwurmung?

    Seit einem Jahr versuche ich auf unserem Ponyhof eine Selektive Entwurmung zu etablieren. Dabei ist die größte Hürde, alle Pferdehalter davon zu überzeugen, dass das sinnvoll ist und entsprechend Kotproben zu sammeln…

    Das Motto ist dabei so wenig wie möglich und so viel wie nötig, um die Gesundheit der Pferde zu schonen, die Bildung von Resistenzen zu vermeiden, die Umwelt und vor allem Dungkäfer, nicht zuletzt auch als wichtige Nahrungsressource für Vögel, Fledermäuse etc. zu schonen. Es wurde bereits in vorangegangen Einträgen dargelegt, welche Auswirkungen Entwurmungsmittel auf Natur und Landschaft, insbesondere auf Dungkäfer haben und wie gefährdet diese Artengruppe heute ist.

    Besonders stolz bin ich ja auf den Fund des selten gewordenen Stierkäfers bei uns auf den Flächen, der relativ auffällige Löcher gräbt. Der Stierkäfer legt 1-1,5 m tiefe Erdstollen an, in die er zur Ernährung seiner Brut längliche Kotpillen einträgt. Von dem Hauptstollen gehen zahlreiche Nebenstollen ab und das Bauwerk wird von Männchen und Weibchen gemeinsam angelegt.

    Aber wie auch immer, letztes Wochenende haben wir die „klassische Nikolaus-Entwurmung“ (ohne vorherige Kotproben) gegeben, um die Entwicklung der Dasselfliege zu unterbinden und mit Equimax auch ein Mittel (Wirkstoff Praziquantel) gegen Bandwürmer zu geben, welche man wohl nur als Zufallsbefund mit Kotproben nachweisen kann. Dafür haben wir die Pferde wieder in ihrer Freitheit eingeschränkt, enger gekoppelt und alle Pferdeäppel entfernt.

    Bei ziemlich vielen Haufen, definitv auch einem von Assan konnte man viele, kleine, weiße Würmer sehen, teilweise noch lebend. Nach Expertenmeinung handelt es sich sehr wahrscheinlich um die so genannten kleinen Strongyliden (Cyathostominen). Sie haben die Fähigkeit, sich als Larve in der Darmwand einzukapseln, d.h., wenn genug eierlegende Würmer vorhanden sind, können die Larven bis zu 3 Jahre ruhen und erst bei „Bedarf“ die Entwicklung zum ausgewachsenen Wurm fortsetzen… Diese eingekapselten Larven kann man wohl auch nicht mit dem gängigen Wirkstoff Ivermectin bekämpfen.

    Will heißen, auch wenn wir versuchen, die Pferde möglichst extensiv zu halten, auf verschieden Weiden umkoppeln und im Winter die Pferdeäppel an den Heuraufen entfernen, werden wir wohl immer einen gewissen Parasitendruck haben. Aber die Mittel, die uns gegen diese Parasiten zur Verfügung stehen, sollten wir mit Bedacht einsetzen und die Bildung von Resistenzen vermeiden. Der Weg, den ich dabei einschlagen möchte, ist eine Gratwanderung zwischen Gesunderhaltung der Pferde und ein kleinen Beitrag zum Naturschutz, vor allem dem Schutz der Dungkäfer zu leisten. Da heute vor allem Pferde als Nutztiere „draußen“ gehalten werden, sehe ich eine besondere Verantwortung der Pferdehalter für den Erhalt von artenreichem Grünland und der Biodiversität. Natürlich ist dieser Weg unbequemer, aufwendiger und komplizierter als einfach prophylaktisch zu entwurmen, aber auch spannender und wie immer lernt man nie aus…