Autor: ninetthirsch

  • Gartenrotschwanz

    Gartenrotschwanz

    Bei uns am Hofgelände brütet jedes Jahr ein Gartenrotschwänzchen. Es ist gut durch die weiße Stirn vom Hausrotschwänzchen zu unterscheiden, wobei das auffällige Schwanzzittern auf Ansitzwarten beide Arten zeigen. Hier ist unser wunderschönes Männchen auf einem Koppelzaun:

    Dieses Jahr haben die Gartenrotschwänzchen ihr Nest wieder in unserem „Menschenunterstand“ gebaut, direkt auf dem Schalter einer Lichterkette. Bis zum Auszug der Küken können wir dort nicht entspannt sitzen, weil die Altvögel mit Futter im Schnabel in gebührendem Abstand, aber aufgeregt warten, bis wir wieder weg sind. Also haben wir diesen Platz so lange gemieden, bis die Küken ausgezogen sind. Derzeit sind die kleinen Flauschis noch in der Nähe des Unterstandes unterwegs, auch viel am Boden und werden noch von den Altvögeln gefüttert. In dieser Phase sind sie besonders gefährdet durch die Katzen der Nachbarn, die bei uns am Hof rumstromern. Ich hoffe natürlich, dass es die kleinen schaffen und sich genug Reserven anfuttern, um die Reise in ihre Überwinterungsgebiete in Afrika überstehen.

    Das Gartenrotschwänzchen brütete ursprünglich in Baumhöhlen lichter Wäldern mit aufgelockerter Strauch- und Krautschicht. Heute kommt es auch in abwechslungsreichen Gärten, Parkanlagen oder Streuobstwiesen vor und brütet in Holzstapeln, Mauerlöchern, Holzverschalungen, Nistkästen oder was es eben geschützt vorfindet.

    Wichtig ist eine ausreichende Nahrungsgrundlage, d.h. ein reich gedecktes Insektenbüfett. Bei uns sind relativ viele Insekten, allein durch die Anwesenheit der Pferde und Kühe wie beispielsweise Mücken, Bremsen, Dungfliegen oder Dungkäfer.

    Weitere hübsche Insektenquellen stellen die vielen kleinen wilden Ecken dar, wie beispielsweise am Schuppen. Hier kam die Hundskamille von allein, die Brombeere rankelt daneben auf einem Steinhaufen und ich habe noch mit Geißblatt, Esparsette, kleinem Wiesenknopf und Salbei nachgeholfen. Es ist auch einfach schön, den Hummeln Wildbienen, Schmetterlingen, Schwebfliegen & co. zuzuschaun, aber dazu ein anderes mal mehr 😉

  • Neuntöter

    Neuntöter

    Das hier ist der 100. Blogeintrag und ich widme ihn gern dem Neuntöter – Ein typischer Brutvogel der Weidelandschaften, der jetzt im Mai aus den Überwinterungsgebieten in Afrika zurückgekehrt ist.

    Seinen Namen verdankt dieser verwegene Vogel mit der Zorro-Maske seinem ungewöhnlichen Beuteverhalten. Er spießt größere Insekten wie beispielsweise Dungkäfer, aber auch Mäuse oder kleinere Vögel als Nahrungsreserve auf Dornen auf. Das heißt, er ist angewiesen auf dornige Sträucher und brütet vor allem in Schlehen und Weißdorn. Entscheidend ist für seinen Lebensraum eine strukturreiche Landschaft mit extensiver Grünlandnutzung, einem reichhaltigen Insektenangebot, in Nachbarschaft zu dichten Gebüschen aus Brombeeren, Rosen, Schlehen und Weißdorn.

    Bei uns am Hof konnte ich ihn schon öfter beobachten und vielleicht brütet er in einer der Hecken am Rand oder in diesem Reisighaufen, auf dem ich ihn mit zwei Bluthänflingen fotografieren konnte.

  • Alles gelb?

    Ich hatte schon in den letzten beiden Jahren den Eindruck, dass es im Frühjahr überdurchschnittlich viel Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis) gibt. EineTheorie für diese starke Ausbreitung ist, dass die Grasnarbe durch die trockenen Jahre so lückig geworden ist, dass vor allem ephemere Pflanzen, also einjährige Acker-(Un)-Kräuter wie eben das Frühlings-Greiskraut oder auch der (ungiftige), rosa blühende Reiherschnabel (Erodium cicutarium) gute Keimbedingungen vorfinden, wenn es im Frühjahr regnet.

    Aber dieses Jahr „sehe ich nur noch gelb„, vor allem an Straßenböschungen, auf sandigen Brachen und auch auf Pferdeweiden…

    Das Frühlings-Greiskraut ist ein Korbblütler (Familie Asteraceae) mit gelben Zungen- und Röhrenblüten, oft rötlich angelaufenem Stängel und spinnenweb-artig behaarten Blättern. Wie alle Kreuzkräuter (Gattung Senecio) enthält es Alkaloide, also ein Gift, dass auf Dauer die Leber schädigt.

    Ich bin froh, dass wir auf einer unseren Flächen schon in den letzten beiden Jahren Maßnahmen wie Mulchen und Rausreißen per Hand ergriffen haben. Denn es gibt eine Hoffnung: wenn man den Samenaustrag dieser einjährigen Kräuter verhindert, verringert man die Samenlast im Boden für das kommende Jahr und vermeidet die weitere Ausbreitung durch Wind. Dabei sollte man möglichst früh – vor der Büte – mulchen, weil das Frühlings-Greiskraut wohl in der Lage ist, ihre Samen noch nachreifen zu lassen.

    Mulchen Mai 2021
    Entfernen per Hand Mai 2023
    Frühlings-Greiskraut im Hintergrund und Reiherschnabel im Vordergrund

    Es ist natürlich frustrierend, wenn man großflächig Frühlings-Greiskraut auf seinen Flächen hat und es unmöglich ist, alles per Hand rauszureißen. Bei unseren kleinen Flächen ist das noch mit ein paar Helfern machbar, weil es bislang nur auf ca. einem Hektar neu eingerichteter Weide vorkommt. Es lässt sich auch sehr gut per Hand rausziehen, da es kaum ausgebildete Wurzeln hat und der Boden aktuell noch gut feucht ist.

    Was aber völlig nach hinten losgehen kann, ist Gift zu spritzen oder ein kompletter Umbruch mit Neueinsaat. Bei uns kommt das ohnehin nicht in Frage. Zum Einen sind wir bio-zertifiziert und zum Anderen bräuchte man eine Ausnahme-Genehmigung für einen Grünlandumbruch.

    Außerdem schafft man dadurch ein noch größeres Saatbett für genau solche ein- bis zweijährigen Arten der nährstoffreichen, ruderalen Pionierstandorte bzw. für Acker-Unkräuter. Es gibt kein selektiv wirkendes Gift gegen Frühlings-Greiskraut, man würde damit alle krautigen Pflanzen auf der Weide vernichten und noch mehr kahle Stellen schaffen.

    Das Ziel sollte eher (wie auch beim Jakobs-Kreuzkraut und der Graukresse) sein:

    • eine gesunde Grasnarbe schaffen
    • ein standortangepasstes Grünland etablieren
    • Überbeweidung vermeiden
  • Hecken

    Hecken haben einen hohen ökologischen Wert als Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Artengruppen wie beispiesweise Insekten oder Vögel sowie für den Biotopverbund, vor allem in der „ausgeräumten“ Agrarlandschaft.

    Nach dem empfehlenswerten Buch „Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft“ von Uwe Westphal gibt es in Feldhecken ca. 800 Käferarten, über 100 Schmetterlingsarten, unzählige Wildbienen, Wespen, Mücken, Fliegen, Zikaden, Heuschrecken, Spinnen und über 50 Vogelarten. Typische Heckenbrüter sind beispielsweise Neuntöter, Sperbergrasmücke, Mönchsgrasmücke, Klappergrasmücke, Gartengrasmücke, Goldammer, Nachtigall oder Zilpzalp.

    Auch die Früchte dorniger Sträucher wie Hagebutten sind sehr beliebt bei vielen Tiergruppen und vor allem sehr gesund, auch für Pferde. Und wenn solche Gebüsche randlich von Weidetieren beknabbert werden, bilden sie ein undurchdringliches Gestrüpp und bieten auf diese Weise vielen Tieren Deckung, Versteck- sowie Nistmöglichkeiten.

    Aber warum bieten Hecken eigentlich so vielen Arten einen Lebensraum? Ursprünglich haben große Pflanzenfresser wie Wildpferd, Auerochse, Wisent & co. unsere Landschaft mitgestaltet. Dabei haben sich vor allem mit Dornen bewehrte Gehölze wie Wildrosen, Schlehen, Weißdorn, Brombeere oder Wildbirne in den Weidelandschaften durchgesetzt. Teilweise bilden sie Gebüschinseln und in hier können sich widerum Bäume etablieren (siehe Schema zur Vegetationsabfolge aus Bunzel-Drüke et al. 2008). Die Bäume können zu stattlichen Solitärbäumen heranwachsen und irgendwann stirbt das Gebüsch im Schatten ab. Und so besteht eine Weidelandschaft aus einem räumlichen und zeitlichen Mosaik aus offenen Trittstellen, Weiderasen, Krautsäumen, verschiedenen Stadien der Verbuschung, Solitärbäumen (v.a. Eichen) bis hin zu Waldinseln. Dieser reichhaltige Baukasten der Natur wurde mancherorten noch durch Tümpel, Flüsse, Überschwemmungen, Feuer, Bibertätigkeiten und viele weitere Elemente ergänzt.

    Und daran ist ein Großteil unserer heimischen Flora und Fauna angepasst. Viele Arten haben nach der Ausrottung der großen Pfanzenfresser geeignete Ersatzhabitate in der vom Menschen geformten Kulturlandschaft gefunden, zumindest bis zur Einführung der geregelten Forstwirtschaft und der industriellen Landwirtschaft.

    Heute bleibt uns aus dem ehemals gut bestückten Baukasten der Natur oft nur noch das „Werkzeug“ der Gebüsche in Form von angepflanzten Hecken als Lebensraumstruktur. Aber wer Weideland und auch die Möglichkeiten hat, könnte Bäume und Sträucher wieder mehr fördern, beispielsweise durch partielles Auszäunen, dem Verzicht auf Mulchen von Weideresten oder durch ein gezieltes Anpflanzen von gebietsheimischen Gehölzen. Ideal wäre dabei die Anlage einer mehrreihigen Hecke oder einer Baumreihe am Paddock, am Reitplatz oder entlang eines Trails.

    Bäume und Sträucher haben außerdem viele Vorteile für Pferd und Mensch: ein angenehmeres Mikroklima (vor allem im Sommer bei extrem hohen Temperaturen), Sonnenschutz, Windschutz, Erosionsschutz, gesunde Snacks in Form von Früchten und Zweigen.

    Und so haben wir auch eine Wildrosenreihe am Reitplatz angelegt und dabei folgende Arten verwendet:

    • Wildrosen (Rosa canina, R. corymbifera, R. rubiginosa, R. tomentosa, R. elliptica, Hagebutten enthalten viel Vitamin C, über 100 phytophage Insektenarten profitieren)
    • Weißdorn (Crataegus monogyna, Früchte sind gesund, vor allem für das Herz-Kreislaufsystem, über 300 phytophage Insekten)
    • Roter Hartriegel (Cornus sanguinea, die Blüten sind eine Bienenweide und ich finde einfach die Färbung schön, vor allem im Herbst ;-))

    Es hat übrigens unheimlich viel Spaß gemacht, die Sträucher zu pflanzen und es erdet ungemein. Dieses Bedürfnis im Frühjahr in der Erde zu wühlen und etwas anzupflanzen scheint ebenso fest in uns verankert zu sein, wie das Bedürfnis Tiere zu versorgen.

    Und wenn man die Möglichkeit hat, Gehölze zu pflanzen, ist es aus naturschutzfachlicher Sicht wichtig, gebietsheimische Gehölze zu pflanzen. So lockt beispielsweise der im Garten beliebte Schmetterlingsflieder (Buddleja spec.) zwar viele Schmetterlinge an, aber an ihm können sich keine Raupen entwickeln. Dagegen bietet Schlehe (Prunus spinosa) 126 Schmetterlingsarten eine Nektar- und Raupenfutterquelle oder Brombeere immerhin 77 Schmetterlingsarten. Oder der Zitronenfalter, einer der ersten Falter im Frühjahr: seine Raupen fressen nur am Laub vom Faulbaum (Frangula alnus) oder Kreuzdorn (Rhamnus cathartica).

    Falls jemand Lust bekommen hat, Bäume und Sträucher zu pflanzen, dem seien die zahlreichen Tipps des NABU, das oben genannte Buch über Hecken oder auch der Leitfaden zur Verwendung gebietseigener Gehölze empfohlen.

    Es gibt nichts gutes, außer man tut es. (Erich Kästner)

  • Finola und Lenia

    Die Fjällrinder-Kinder Finola und Lenia sind nun schon seit über zwei Monaten bei uns am Hof. Da wird es Zeit, zu berichten, wie es Ihnen bislang ergangen ist und vor allem wie sie in die Herde integriert werden können.

    Sie standen zunächst auf einer seperaten Fläche mit ihrer eigenen, kleinen Heuraufe und Wasserbottichen, neben den Pferden mit doppeltem Zaun. Zum einen hatte ich Angst, dass sie von den Pferden gejagd und verletzt werden und zum anderen sind sie schlicht zu klein, um an die Tränke zu kommen oder aus dem Wasserbottich der Pferde trinken zu können. Den doppelten Zaun habe ich irgendwann abgebaut und so konnte schon hier und da eine kleine Kontaktaufnahme durch den Zaun stattfinden.

    Schnell haben Finola und Lenia gemerkt, dass diese komischen Zweibeiner die Heuraufe auffüllen und mit Leckereien vorbei schaun und wir haben immer wieder versucht, diese Gelegenheiten zu nutzen, dass man an sie heran kommt, sie anfassen und zumindest am Kopf streicheln kann. Es wäre schön, wenn wir es schaffen, dass sie halfterführig werden, für Tierarzt, Blutabnahme, ggf. Klauenpflege etc. Soweit ist es aber noch nicht, dennoch kann man sie zumindest mit Futter „lenken“ und die Pferde haben auch akzeptiert, dass die Futterschüsseln zu den Kühen wandern und nicht für sie bestimmt sind. Vor allem Assan fand es unerhört, dass ich mit seinen Futterschüsseln an ihm vorbei laufe…

    Der nächste Schritt war, den Kühen beizubringen „durch den Zaun zu gehen„, was ja normalerweise keine so gute Idee ist. Der Plan war dabei, dass Finola und Lenia lernen, dass sie unter der Litze durchlaufen können, sich auf diese Weise vor den Pferden in Sicherheit bringen können und nach und nach in die Herde diffundieren. Im folgenden Video sieht man, welche Barriere so ein etablierter Zaun sein kann und man sie zunächst mit Futter durchlocken musste.

    Dann haben wir die Gelegenheit genutzt, dass ein Großteil der Pferde und vor allem der Wallach-Chef wegen der Wurmkur-Gabe seperat standen und nur zwei Stuten auf der Hauptkoppel waren. Jetzt konnten die Kühe durch den Zaun auf die Hauptkoppel. Eine der Stuten – „Cordy“ hatte bereits Fohlen und fühlte sich wohl schon verantwortlich für die Kleinen. Sie suchte bereits vorher immer wieder mal die Nähe zu den Kühen und hat sie gleich adoptiert als sie zu den beiden Stuten konnten.

    Nach der Wurmkur kamen die Pferde auf die Fläche, die Winterruhe hatte und auf der nur die Kühe waren die letzten zwei Monate. Diese Fläche sollte nicht so einen hohen Parasitendruck haben und die Kühe kennen sich schon gut aus auf dieser Weide. Überhaupt ist es interessant zu erwähnen, dass sie als erstes den Zaun abgelaufen sind, sich alles genau anschauen, checken wo Wasser und Heu stehen.

    Derzeit habe ich noch einen mobilen Zaun mit einer oberen Litze vor dem eigentlichen Zaun gezogen, so dass Finola und Lenia zu den Pferden grasen gehen können, sich aber auch wieder in Sicherheit bringen können. Ich hoffe, alles geht gut und die beiden können Teil der Herde werden.

  • 24 Stunden GPS Tracking

    Ich habe Assan wieder einmal mit einem GPS-Gerät (Garmin etrex10) ausgestattet. Es ist einfach interessant, wie unsere Pferde die Flächen nutzen. Zur Verfügung standen insgesamt drei Hektar, bestehend aus der Winterkoppel mit Heuraufen, Tränke und Unterstand sowie einer Weide. Ich bin froh, dass wir die Möglichkeit haben, den Pferden ganzjährig auch Flächen zum grasen zur Verfügung stellen zu können.

    Meist hat Assan ca. zehn Kilometer in 24 Stunden zurückgelegt, den größten Teil in langsamer Bewegung mit grasen. Dieses Mal war Assan anscheinend ziemlich faul, er hat in der Zeit von Freitag 17:00 bis Samstag 17:00 nur 5,7km zurückgelegt und dabei eine Fläche von etwa 4000 qm genutzt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei 5,5km/h ohne Ruhezeiten und bei 0,24 km/h mit Ruhezeiten und die Höchstgeschwindigkeit waren nur 6km/h. Da habe ich wohl ein Zeitfenster ohne Spielen und „furzbuckelnd über die Weide flitzen“ erwischt. Ob den Pferden der Fellwechsel und die plötzlich warmen Temperaturen zu schaffen machen? Auch beim obligatorischen Sonntagsausritt war Assan eher ruhig unterwegs und auf Galopp hatte er gar keine richtige Lust.

    Die meiste Zeit haben die Pferde an den Heuraufen und am Unterstand verbracht, wobei sich Assan ganz gern östlich vom Unterstand und damit windgeschützt zum dösen hinstellt.

    Da die Pferde die meiste Zeit als Herde zusammenbleiben, kann man davon ausgehen, dass das Raumverhalten für all unsere Ponys ähnlich ist. Vielleicht noch mit dem Hinweis, dass Assan in der Regel mit „seinen“ beiden Stuten unterwegs ist und Atchie für den Rest der Herde die Richtung vorgibt. Obwohl es sich oft auch durchmischt und mal der eine und mal der andere loszieht, zum Unterstand oder zum grasen und die anderen irgendwann mitziehen.

    Hier ein kleiner Videobeitrag mit der zurückgelegten Strecke:

    Ich freue mich schon auf den Sommer, wenn man das Heu weglassen kann und die Pferde wieder vollständig auf der Weide stehen. Ich hoffe, dass der Sommer nicht wieder so heiß und trocken wird, so dass die Wiesen vertrocknen und wir die Heuraufen wieder hinstellen müssen. Aus meiner Sicht, ist die Weide die natürlichste Futtergrundlage für Pferde.

  • Matsch

    Statt einem Winter haben wir einen ewigen November. Milde Temperaturen und Regen machen die Heustelle zur Schlammschlacht.

    Im Dezember war die Heustelle so matschig, dass man nicht mehr abäppeln konnte und die Pferde im Schlamm stehen mussten. Deshalb sah ich mich gezwungen, die Heuraufen auf die Weide zu stellen. Natürlich sehr zur Freude der Pferde und Besitzer. Weil es zu weite Wege zum abäppeln waren, habe ich die Heustelle nach dem Umstellen nur abgeschleppt und die Pferdehaufen auf diese Weise verteilt.

    Die Heuraufen an ihrem eigentlich zugedachten Platz
    Die Heuraufen auf der Jägerwiese
    Die Heuraufen auf der Fuchswiese

    Die Nachteile sind jedoch, dass man die Grasnarbe schädigt, den Parasitendruck erhöht und punktuell einen hohen Nährstoffeintrag hat, der schon wie beschrieben, der Feind der Artenvielfalt auf der Weide ist. Aber vielleicht hat man auch etwas Glück und Samen aus dem Heu bereichern unsere Pferdeweiden? Dann hätte es noch einen Mehrwert, neben trockenen Hufen 🙂

    Nach zweimaligen Umstellen habe ich die Heuraufen wieder dichter an den Hof geholt. Nun heißt es wieder abäppeln, aber das Problem geht natürlich wieder von vorn los. Schnell ist der Bereich um die Heuraufen matschig geworden und so habe ich sie wieder umgestellt und die Matschstelle glatt gezogen. Ich weiß aktuell nicht, wie wir weitermachen können, ohne zu viel Weidefläche zu opfern und gleichzeitig eine Schlammschacht zu vermeiden. Vielleicht müssen wir doch über Paddockplatten nachdenken. Jetzt soll ersteinmal Frost kommen, der uns hoffentlich etwas Zeit verschafft…

    schon wieder Matsch…
    …wieder glatt ziehen
    ersteinmal trockene Hufe
  • Fjäll-Rinder

    Herzlich willkommen Lenia und Finola! Ab sofort unterstützten uns diese zwei wunderschönen Fjäll-Rind-Färsen bei der Weidepflege.

    Fjäll-Rinder sind eine robuste, kleinrahmige und vom Aussterben bedrohte Haustierrasse aus Schweden, die es wohl schon zur Wikingerzeit gegeben hat. Im Vergleich zur modernen Hochleistungskuh können Robustrinder auch auf kargen Weiden hinreichend Futter finden.

    Der Vorteil einer Mischbeweidung mit Rindern ist vor allem das unterschiedliche Fraßverhalten von Pferden und Rindern. Eine reine Pferdebeweidung ohne andere Weidetiere oder einer Pflegemahd führt auf Dauer zu einer Verschlechterung des Grünlandes mit Ausbreitung von Gift- und „Problempflanzen“, wie bei uns der Kanada-Goldrute (Solidago canadensis) oder der Graukresse (Berteroa incana).

    Denn Pferde können mit ihren Schneidezähnen die Vegetation extrem tief verbeißen, fressen dadurch sehr selektiv und ungeliebte Pflanzen können sich ausbreiten. Rinder hingegeben rupfen die Pflanzen mit ihrer Zunge ab und haben dadurch ein anderes Nahrungsspektrum.

    Und so ist der Plan, dass Finola und Lenia dabei helfen die Weiden artenreicher zu gestalten und die Dominanzbestände mit Glatthafer (Arrhenatherum elatius) und Kanada-Goldrute aufzulichten. Glatthafer ist zwar ein gutes Futtergras im Heu, wird aber am Halm von unseren Pferden komplett gemieden und so musste ich die Glatthafer-Fläche entweder „runtermulchen“ oder mähen. Da wir aber keine entsprechende Technik dafür besitzen, haben wir die Fläche letztes Jahr per Hand mit Sense und Freischneider gemäht. Auch wenden konnten wir noch selbst, aber auf den Schwad legen und Ballen pressen, dafür musste dann doch ein benachbarter Bauer vorbeikommen. Aber er sagte, das war das erste und das letzte Mal, weil die Fläche zu uneben und klein ist…. Außerdem muss man eine Fläche, die man mähen möchte, entsprechend lange vorhalten, damit keine Pferdeäppel in die Ballen eingearbeitet werden. Will sagen, alles nicht so leicht.

    Und die Kanada-Goldrute kann man tatsächlich nur mulchen, sie ist nicht als Futter geeignet, ein Platzräuber und mit ihrer Eigenschaft dichte Dominanzbestände zu bilden verhindert sie die Entwicklung von Artenvielfalt auf der Pferdeweide.

    Da aber nun unser Mulcher kaputt ist und beim mulchen zum Einen die Biomasse liegen bleibt und Insekten sowie alle Kleinstlebewesen mitgeschreddert werden, musste eine andere Lösung her – deshalb die Mischbeweidung mit Rindern 🙂

    Ein weiterer großer Vorteil ist neben der Weidepflege die Weidehygiene, sprich das Eindämmen von Magen-Darm-Parasiten wie beispielsweise Strongyliden. Rinder fressen an den sogenannten „Geilstellen“ der Pferde, also die Bereiche, an denen Pferdeäppel liegen und die Wurmlarven in den Grasspitzen darauf warten gefressen zu werden. Wenn Pferde die Möglichkeit haben meiden sie diese Bereiche enstprechend. Aber Rinder können die Magen-Darm-Parasiten der Pferde getrost mitfressen, weil diese in dem falschen Wirt nicht gedeihen können. Und auch anders herum können die Pferde die Würmer der Rinder mitfressen und beide Weidetiere halten auf diese Weide den Parasitendruck auf der Weidefläche niedrig.

    Soweit die Theorie, wie es sich bewähren wird, diese zwei Schönheiten mitlaufen zu lassen, werden wir sehen und ich werde sicherlich noch viel von Finola und Lenia berichten.

    Erst einmal sind sie auf einer separaten Fläche, um sich einzuleben. Eine Integration in die Herde ist – wie schon beschrieben – nicht mehr so leicht, außerdem brauchen sie ihre eigene, kleinere Heuraufe, vor allem ohne Heunetz und sie können nicht aus dem großen Wasserbottich oder den hohen Tränken der Pferde saufen. Es bleibt mal wieder spannend am Ponyhof.

  • NABU Stunde der Wintervögel

    Letztes Wochenende war wieder die NABU Stunde der Wintervögel, bei der ich natürlich gern mitmache.

    Die letzten beiden Jahre habe ich mich dafür auf die Weide gesetzt, um Vögel zu zählen und zu beobachten, aber dieses Mal hat es mir zu stark geregnet. Da habe ich mich lieber in den Bauwagen verzogen und mit einer Tasse Tee und dem Blick in den Garten eine Stunde lang Vögel beobachtet.

    An der Futtersäule waren die üblichen Verdächtigen Feldsperling, Blaumeise und Kohlmeise. In einem Birnenbaum wuselten mehrere Amseln und Wacholderdrosseln im üppigem Efeubehang und es kamen vereinzelt Elster, Nebelkrähe, Eichelhäher sowie eine Goldammer vorbei. Ein Buntspecht hämmerte dazu an einem der alten Apfelbäume.

    Was ich im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren vom Bauwagen aus nicht beobachten konnte, waren Trupps mit Saatkrähen, oft gemischt mit Nebelkrähen, Kolkraben und Dohlen, die gern die Pferdehaufen umdrehen und darin nach Nahrung suchen. Auch Mäusebussard, Fasan und Grünspecht fehlten dieses Mal in meiner Liste.

    Die nächste Chance mitzuzählen, ist die Stunde der Gartenögel, die dieses Jahr vom 12. bis zum 14. Mai 2023 stattfindet:

  • Jahresrückblick 2022

    Das Jahr neigt sich dem Ende zu und es ist wieder Zeit, sich zu besinnen, was man erreichen konnte und welche Herausforderungen man annehmen durfte.

    Manchmal ist man ja so in seinem Tagesgeschäft mit Büroalltag, Ponyhof, große und kleine Katastrophen, dass es einem schwer fällt, auch mal das zu sehen, was alles geklappt hat und sich nicht nur immer darauf zu konzentrieren, was alles nicht klappt, schief läuft oder mal wieder repariert werden muss.

    Die schlimmste Katastrophe dieses Jahr war das Erblinden eines Pferdes, einer Stute, die ohnehin schon einen schwierigen Stand in der Herde hatte. Nachdem ein Auge entfernt werden musste und die arme Stute nach einem weiteren Schub komplett blind wurde, panisch durch Zäune rannte, musste sie in die Box gestellt werden. Weil wir die Boxen sonst nur für den Zahnarzt benutzen und nur eine Notbox freigehalten haben, musste die Nachbarbox in einer Hauruck-Aktion leer geräumt werden, um ein zweites Pferd dazu stellen zu können.

    Zum Glück hat unsere liebe Nachbarin dann ihren Wallach daneben gestellt, damit sie sich wieder beruhigen konnte. Die Geschichte hat sogar noch ein gutes Ende genommen, denn sie konnte über einen Verein für Blinde Pferde in ein neues Zuhause vermittelt werden. Ich hoffe, dass es ihr dort gut geht und sie Freunde gefunden hat.

    Dann hat uns dieses Jahr der Umbau der Heuhalle ziemlich auf Trab gehalten. Durch den Verkauf des Flurstücks, auf dem die Halle bislang stand, war es notwendig sie ab- und an anderer Stelle wieder aufzubauen. Wir brauchten mehrere Anläufe und sehr viel Hilfe von Freunden und Familie, um das zu schaffen. Manches kann man einfach nicht allein stemmen und das schönste ist nach einem Arbeitseinsatz gemeinsam zu grillen und auf das zu blicken, was man in vereinten Kräften erreicht hat.

    Außerdem haben wir den Reitplatz neu gestrichen und einen alten, schon etwas in die Jahre gekommenen Schuppen neu gedeckt, um ihn als Lagermöglichkeit nutzen zu können.

    In Punkto Weidepflege hat dieses Jahr tatsächlich einiges nicht geklappt, so konnten wir keine Schafe ausleihen und unser Mulcher hat nun vollends die Hufe hochgerissen. Dafür haben wir etwa einen halben Hektar per Hand gemäht, mit Sense und Freischneider.

    Wir konnten mit unserem Traktor und einem historischen Heuwender, der ursprünglich von Pferden gezogen wurde und für die Anhängung am Traktor umgebaut wurde, selbst das Schnittgut wenden. Ein benachbarter Landwirt hat uns dann das Heu auf den Schwad gezogen und immerhin 1,5 Ballen gepresst. Ein großer und ein kleiner Heuballen aus eigener Ernte, die einen durchaus stolz gemacht haben 🙂

    Auch für das kommende Jahr ist einiges geplant und ich bin gespannt, welche neuen Herausforderungen es auf dem Ponyhof im Jahr 2023 geben wird.

  • Mineralstoffe und Spurenelemente

    Ich gebe es zu, ich bin süchtig nach Blutbildern… Von Assan natürlich 😉

    Als ich ihn gekauft habe, war er in schlechtem Zustand, abgemagert, stumpfes Fell, körperlich und seelisch neben der Spur. Auf Empfehlung eines Tierarztes, wurde ein großes Blutbild erstellt, um eventuelle Mangelerscheinungen und/oder Auffälligkeiten der Leberwerte festzustellen. Seitdem lasse ich jährlich ein großes Blutbild oder eine Mähnenanalyse durchführen und gebe entsprechend Mineralfutter dazu.

    JahrAnalyseüber dem Referenzbereichunter dem Referenzbereich
    2013Bluty-GT1, CK2, KaliumSelen3
    2014Bluty-GT, CK, Kalium, Eosinophile4Selen, Zink
    2015BlutCK, Kalium, EosinophileZink
    2016MähneKupferSelen, Magnesium, Cobalt, Molybdän, Zinn
    2017BlutCKSelen
    2018Bluty-GT, CK, Eosinophile
    2019BlutEosinophile
    2020Bluty-GT, CK
    2021BlutCK,
    2022MähneKalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Eisen, Mangan, Selen, Cobalt, Molybdän, Zinn
    1= Gamma-Glutamyltransferase, Hinweis auf eine Vergiftung beispielsweise durch Jakobs-Kreuzkraut, tatsächlich großen Mengen in dieser Zeit auf den Weiden, kein oder nur wenig Jakobs-Kreuzkraut auf den Weiden ab 2016, dafür Graukresse, 2= Creatin Kinase, Muskelenzym, kann durch „Muskelkater“ ausgelöst werden, 3 = es heißt immer, unsere Böden sind selenarm, über den Sinn oder Unsinn, Referenzbereiche für Selenwerte etc. werden ganze Glaubenskriege geführt, 4 = Hinweis auf einen Parasitenbefall, tatsächlich haben anschließende Kotproben einen hohen Befall mit Magen-Darm-Strongyliden ergeben

    Auffällig ist, dass Assan mit den Blutbildern in punkto Mineralstoffen und Spurenelementen deutlich besser weg kommt, als mit den Mähnenanalysen, welche wohl die letzten drei Monate abbilden. Leber-, Muskel- und Blutwerte werden bei dieser Methode nicht ermittelt. Nun sollte man sicher nicht in Panik verfallen, wenn einige Mineralstoffe und Spurenelemente „im Keller sind“ und man kann auch darüber streiten, wie Referenzbereiche entstehen und wie groß wirklich die Aussagekraft solcher Analysen sind. Letztlich ist aus meiner Sicht entscheidend, wie das Pferd aussieht und welchen Eindruck es macht, ob es fit ist, glänzendes Fell und gute Hufe hat.

    Aber davon abgesehen, bin ich davon überzeugt, dass sich Pferde in den meisten Haltungsformen nicht mit allen Mineralstoffen und Spurenelementen aus der Weide und dem Heu selbst versorgen können. Warum? Weil wir ihnen nicht die Möglichkeit geben können, sich in weitläufigen Landschaften mit unterschiedlichen Biotopen zu bewegen und unsere Weiden sowie das Heu in der Regel relativ artenarm sind.

    Wenn man sich zum Beispiel unser aktuelles Heu genauer angeschaut, ist das zwar von guter Qualität, riecht gut, ist schön grün, keine Anzeichen für Schimmel und die Pferde lieben es. Es ist ja auch relativ zucker- und proteinhaltig und für unsere „Fettis“ eigentlich zu gehaltvoll, dafür dass sie 24/7 Zugang zur Weide plus Heu ad libitum haben. Wenn man sich die Beispielrechnung in der Tabelle für ein Pferd mit 500kg und dem Erhaltungsbedarf anschaut, unter Berücksichtigung, dass unsere Freizeitpferde kaum „arbeiten“ müssen, ist es kein Wunder, dass wir pumelige Wohlstandspferde haben.

    Aber wenn man sich gleichzeitig die Artenzusammentzung des Heus anschaut, kommt man in unserem Beispiel auf nur fünf Arten: Gemeines Rispengras (Poa triviales), Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera), Wasser-Knöterich (Persicaria amphibia, Landform), Ampfer (Rumex spec.) und Wolliges Honiggras (Holcus lanatus).

    Mehr Arten konnte ich beim besten Willen nicht finden und so erklärt sich, dass man auch noch Futter in Form von Heucobs, Mash, was immer, dazugeben muss, um das Mineralfutter ins Pferd zu bekommen. Obwohl es zusätzliches Futter vom Energiebedarf her nicht braucht. Also eigentlich wie bei uns Menschen, Essen mit zu hoher Energiedichte für Bürotätigkeit mit zu wenig Bewegung 😉

    Und auch unsere Weiden bestehen aus wenig Pflanzenarten wie Weidelgras (dominiert auf der Hauptweide), Glatthafer (dominiert auf der Skuddenwiese) oder Landreitgras, dafür mit „Problempflanzen“ wie Graukresse und Kanada-Goldrute und nur einer Handvoll Beikräutern wie Schafgarbe, Brennnessel, Rainfarn oder Wegwarte. Um die Veränderung der Pflanzenzusammensetzung zu dokumentieren habe ich auf einer Weide ein Vegetationstransekt angelegt.

    Aber mit der Artenvielfalt auf der Weide ist es wie mit der Ausbildung des Pferdes: man braucht Geduld. Man braucht Jahre der kontinuierlichen Pflege, um artenreiche Weiden zu generieren, wobei die Stickstoffeinträge aus der Luft der größte Feind der Artenvielfalt sind. Pflanzenvielfalt und damit auch die Vielfalt bei Insekten etc. entsteht erst durch eine Aushagerung, ansonsten dominieren einige wenige konkurrenzstarke Arten wie eben die Kanada-Goldrute oder Brennnessel.

    Arten- und Kräuterreiche Wiesen und Weiden mit langer Tradition wie beispielsweise Bergalmen oder Flächen in seit Jahrzehnten gepflegten Naturschutzgebieten, meist auf Sonderstandorten wie Trockenrasen oder Feuchtwiesen sind heute nur noch kleine Ausschnitte einer ehemals vielfältigen Kulturlandschaft.

    Aber wir brauchen diese Reliktvorkommen – untere anderem als Referenzbereiche für Artenvielfalt.

  • Friedrich

    „Der Einsame Baum“ (Caspar David Friedrich 1822)

    In der Schule fragte mal unser Lehrer, welcher Baumart wir welchen Namen geben würden und ich sagte, ich würde eine Eiche Friedrich nennen – nachdem Maler Caspar David Friedrich (1774-1840). Ich liebte seine Gemälde und vor allem die Art, wie er alte Eichen malte. Damals wusste ich natürlich noch nicht, um den naturschutzfachlichen Wert einer alten Eiche, ich fand sie einfach schön. Und mir war noch nicht klar, dass er mit seinen Gemälden Zeugnisse hinterlassen hat, wie Landschaften vor der industriellen Agrarwende ausgesehen haben, ich fand sie einfach schön…

    Eine Eiche braucht Licht, Platz und Zeit, um ihr ganzes Potential als ästhetisches Landschaftselement, Biotop und Schattenspender zu entwickeln. Lichte Eichenwälder gehören zu den artenreichsten Biotopen Europas und alte (Hute-) Eichen bieten unter allen Baumarten den meisten Insektenarten einen Lebensraum mit allein 179 Großschmetterlingsarten und über 500 holzbesiedelnden Käferarten. (Bunzel-Drüke et al., Naturnahe Beweidung und NATURA 2000)

    „Eine Eiche bietet für mehr Arten einen Lebensraum als jeder andere einheimische Baum, darunter dreihundert verschiedene Flechten und eine atemberaubende Zahl wirbelloser Tiere, außerdem liefert sie Futter für Vögel wie Waldbaumläufer, Kleiber, Trauerschnäpper, Buntspecht, Kleinspecht und verschiedene Meisenarten, die in den Höhlen und Spalten des Baumes oder auf seinen gespreizten Ästen nisten. Fledermäuse schlafen in alten Spechthöhlen, unter lockeren Rindenstücken oder in winzigen Spalten.“ (Isabella Tree, Wildes Land)

    Deshalb ist mir der Erhalt und die Förderung von Eichen ein besonderes Anliegen. Und das ist theoretisch ganz einfach, denn Eichen etablieren sich vor allem in Weidelandschaften, neben und vor allem IN dornigen Sträuchern wie Schlehe, Weißdorn, Hundsrosen oder Brombeeren. Aber natürlich nur auf extensiv genutzten Weiden mit dem Verzicht auf eine maschinelle Nachpflege (Stichwort: „mulchen von Weideresten“). Wenn man seine Flächen nicht so extensiv nutzen kann, ist es auch hilfreich, Teilbereiche auszuzäunen und abzuwarten, dass der Eichelhäher Eichen pflanzt.

    Und für unsere Pferde sind die Eichen Unterstand bei Regen, Hitze und ihre Blätter sowie die Eicheln eine willkommene Nascherei. Im Herbst, bei den ersten Frösten, wenn das Gras vermehrt Zucker einlagert, soll die Gerbsäure in den Eicheln sogar den erhöhten Fruktangehalt ausgleichen können.

    Eine noch schönere Variante Eichen oder auch andere Gehölze zu fördern, ohne überall Zäune zu bauen, ist die Anlage von Haufwerken als Schutzmantel vor dem Verbiss und dem Schälen. Bei uns ist das beispielsweise Kronenabraum der mittlweile abgängigen und teilweise schon umgestürzten Pappeln. In den Pappelreihen haben sich bereits seit vielen Jahren Eichen etabliert, die jedoch durch die Pferde geschält wurden und deshalb geschützt werden mussten. Denn sie sind die Schattenspender der Zukunft, wenn die Pappeln längst abgestorben sind.

    Solche Totholzhaufen bieten außerdem Insekten, Reptilien, Kleinsäugern wie Igel, Marder & co. Unterschlupf, Winterhabitat und sind Brutplatz sowie Ansitzwarten für Vögel.

  • Schmetterlinge

    „[…] aus denen jeder Schritt Schwärme blauer, gelber und milchweißer Schmetterlinge aufstäuben lässt. […] Fast jeder dieser Weidegründe enthält einen Wasserspiegel, von Schwertlilien umkränzt, an denen Tausende kleiner Libellen wie bunte Stäbchen hängen…“

    Annette von Droste-Hülshoff (1840)

    (Ernst Haeckel: Schmetterlinge – Mitteleuropäer, 1914, Wien)

    Solch eine Fülle an Insekten können wir uns nicht mehr vorstellen und nur staunen über historische Beschreibungen oder Bilder. Und so schauen wir heute jedem einzelnen zarten Farbtupfer hinterher, der durch die Gegend zappelt.

    Selbst im Vergleich zu meiner eigenen Kindheit habe ich den Eindruck, dass es immer weniger Schmetterlinge – und wenn dann nur noch Weißlinge gibt. Dass der Verlust von Insekten nicht nur ein diffuses Gefühl ist, kann spätestens seit der Veröffentlichung des Entomologischen Vereins Krefeld niemand mehr leugnen.

    Ursachen sind unter anderem die Intensivierung der Landwirtschaft bei gleichzeitiger Aufgabe der Beweidung nicht mehr rentabler Standorte wie Trockenrasen, Feuchtwiesen oder Hutewälder, der Verlust an Lebensraumstrukturen und der massive, man möchte schon sagen unbekümmerte Einsatz von Pestiziden, künstlichen Düngemitteln und Antiparasitika.

    Mit dem Projekt Artenvielfalt auf der Pferdeweide versuche ich seit Herbst 2019 zumindest dieses Kleinod mit zehn Hektar extensiver Beweidung gegen den allgemeinen Trend zu stellen. Um die Effekte zu dokumentieren habe ich Fotopunkte, ein Vegetationstransekt und ein Tagfalter-Transekt eingerichtet.

    Folgende Tabelle listet die Arten mit ihrer jeweiligen Individuenanzahl bei etwa zehn Begehungen im Jahresverlauf zwischen April und Ende September auf.

    Dabei sind die Zahlen nicht ganz repräsentativ, da ich zum Einen das Transekt nicht so oft begehen konnte, wie man sollte (1x Pro Woche) und zum Anderen auch Sichtungen außerhalb des Transektes in die Auswertung eingegangen sind. Insbesondere in diesem Jahr wären die Zahlen sonst zu deprimierend, da auf dem Transekt aufgrund der anhaltenden Dürre nichts mehr geblüht hat. Insgesamt muss man sagen, dass die Graukresse (ansonsten Staatsfeind Nr. 1) fast die einzige verbliebene Nektarpflanze im letzten Sommer war…

    Insgesamt habe ich auf den Weiden in den letzten drei Jahren 16 Tagfalterarten gesichtet. Das ist ziemlich wenig und man sieht auch die verschwindend geringe Anzahl der Individuen, abgesehen von den Weißlingen. Um es positiv zu umschreiben, da ist noch sehr viel Luft nach oben…

    Laut des Verbreitungsatlas gibt es in Berlin und Brandenburg 118 Tagfalterarten, von denen ca. 35% gefährdet sind und einige bereits ausgestorben sind. Um die 30 Arten gelten noch als weit verbreitet, zeigen jedoch auch einen negativen Bestandstrend.

    Also, es gibt noch viel zu tun! Und jeder der Grünland bewirtschaftet trägt eine Verantwortung. Mit folgenden Maßnahmen kann man Schmetterlingen und anderen Insektengruppen helfen:

    • Verzicht auf Mulchen von Weideresten und wenn gemulcht wird, Bereiche für Insekten stehen lassen, da die Eier und Puppen vieler Arten an der überständigen Vegetation überwintern
    • Verzicht auf Pestizide aller Art, auch Simplex & co., denn Gift ist giftig
    • Selektive Entwurmung
    • Vermeidung von Überbeweidung beispielsweise durch Umtriebsbeweidung und damit Förderung von blütenreichen Weiden
    • wenn sich eine Überbeweidung nicht vermeiden lässt, kann man zumindest „wilde Ecken“ schaffen, in dem man Koppelecken auszäunt und gleichzeitig als „Falle“ für rangniedrige Pferde entschärft
  • Wildtiere

    Naturnahe Weiden mit Lebensraumstrukturen bieten nicht nur für Pferde eine artgerechte Haltungsform, sondern sind auch Lebensraum für Wildtiere.

    Und so wollte ich mal wissen, wer sich auf unseren Flächen rumtreibt und habe eine Wildkamera aufgehangen. Vor allem nachts, vor unseren Augen verborgen, schleichen beispielsweise Rehe und Füchse umher, auf der Suche nach Nahrung. Wildtiere haben ihre Aktivitäten in die Nacht verlegt und schlafen tagsüber in Verstecken, um sich vor der Verfolgung durch den Menschen zu schützen.

    Es gibt einige Fuchs- und/oder Dachsbaue (?) auf unseren Flächen, die ausgezäunt wurden, um das Verletzungsrisiko für die Pferde zu minimieren, aber ansonsten gehören Füchse aus meiner Sicht genauso in unsere Weide-Landschaften wie Dachs, Hase, Reh oder Wildschwein. Leben und leben lassen.

    Dafür scheint es aktuell keine Wildschweine mehr bei uns zu geben, sie sind wohl durch die Schweinepest-Maßnahmen extrem dezimiert worden. Zumindest habe ich in diesem Herbst noch keine Wühlstellen von Wildschweinen auf unseren Weiden gesehen. Für mich sind das ja keine „Wildschäden„, sondern wichtige Mikrohabitate und Pionierstandorte für mehr Pflanzenvielfalt, weil sie neue Keimbedingungen schaffen.

    Rehe sind neben Hirschen die einzigen Pflanzenfresser, die es noch in freier Wildbahn bei uns gibt. Alle anderen Pflanzenfresser wie Wildpferde, Wisente, Auerochsen, Elche oder Riesenhirsche wurden ausgerottet oder verdrängt. Und weil uns diese wichtigen Akteure in der Landschaftsgestaltung verloren gegangen sind und mit ihnen ihre Schlüsselfunktionen für den Erhalt der Artenvielfalt, sind naturnahe Weiden so wichtig.

    Aber die Betonung liegt auf naturnah, d.h. arten- und strukturreiche Weiden mit Bäumen, Sträuchern und vor allem auch Weideresten, die im Winter stehen bleiben, um Wildtieren Deckungsmöglichkeiten und Nahrung zu bieten.

    Rehe werden häufig als „Schädlinge“ wahrgenommen, weil sie die Naturverjüngung oder den Unterbau in den Kiefernplantagen wegfressen. Dabei bevorzugen Rehe eigentlich leicht verdauliche Nahrung wie Gräser, Knospen, Kräuter und im Winter die grünen Blätter von Brombeeren. Wenn jedoch im Herbst alle Felder abgeerntet, Wiesen gemäht und Straßenböschungen gemulcht sind, bleibt ihnen nichts anderes übrig als die jungen Gehölze in den Wäldern zu verbeißen. Wobei auch das nur wieder ein „Schaden“ aus menschlicher Sicht ist. Einer Eiche oder Buche schadet es nicht, wenn sie verbissen wurde, sie wächst einfach weiter, nur eben verzweigter….

    Tagsüber sind dann auch noch zwei Tiere in die Falle getappt: ein Fasan und Nachbars Katze. Der Umstand, dass Fasane bei uns auf den Weiden leben und immer wieder mal mit viel Getöse auffliegen, härtet unsere Pferde ab und macht sie geländesicher. Nur Katzen hab ich nicht so gern auf den Weidenflächen…

  • Fotopunkte

    Mein Ziel ist vor allem die Förderung der Artenvielfalt durch eine Umtriebsbeweidung und durch das Zurückdrängen von Dominanzbeständen der Kanada-Goldrute, Brennessel und Graukresse.

    Seit zwei Jahren versuche ich eine kräuter- und blütenreiche Weide zu etablieren, um mehr Artenvielfalt innerhalb der Pflanzenzusammensetzung und in der Folge natürlich auch bei Insekten, Brutvögel oder Fledermäusen zu erreichen. Da eine Neueinsaat aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommt, kann man nur auf das setzen, was die Samenbank des Bodens hergibt. Dabei braucht die Entwicklung von Artenvielfalt Zeit und Kontinuität, sie lässt sich nicht von heute auf morgen erzwingen. Deshalb muss ich mich in Geduld üben und an den kleinen Dingen erfreuen wie beispielsweise einzelne Blühaspekte mit Weißer Lichtnelke, Flockenblume, Wegwarte, Rainfarn oder Strandkamille:

    Um die Entwicklung der Flächen zu dokumentieren, habe ich im September 2019 bestimmte Fotopunkte festgelegt. Ansonsten könnte man sich immer die Filetstückchen raussuchen, die besten Fotorichtungen -oder einstellungen wählen und die „Schmuddelecken“ weglassen.

    Die größte Herausforderung dieses Jahr war natürlich die Dürre. Unsere Flächen konnten sich erst im September nach ergiebigen Regenfällen wieder erholen. Das folgende Fotopaar zeigt beispielsweise unsere Hauptweide, die am meisten beansprucht wird. Sie muss im Winter genutzt werden, damit die Pferde Zugang zur beheizbaren Tränke und dem Unterstand haben. Hier versuche ich die Pferde zumindest im Sommer so lange wie möglich fernzuhalten und die Fläche einmal vor der Samenreife der Graukresse zu mulchen. Dabei ist nach dem Mulchen (bis vor kurzem) nichts nachgewachsen, aber zumindest der Vogelknöterich vermag die Fläche wieder grün erscheinen zu lassen…

    Hauptweide September 2019
    Hauptweide September 2022

    Tja und da haben wir auch schon eine Schmuddelecke, die sich im folgenden Bildpaar zeigt. Denn irgendwo nimmt man zwar den Beweidungsdruck weg, aber irgendwo müssen die Pferde auch fressen können und wir mussten schon ab Juli Heu dazufüttern. Diese Fläche wird in einem Teilbereich von Brennnessel und Kanada-Goldrute und in einem Bereich von Glatthafer dominiert. Die Teilfläche mit dem Glatthafer haben wir gemäht und zwei kleine Heuballen generieren können. Teilbereiche mit Kanada-Goldrute habe ich gemulcht, aber auch bewußt Streifen stehen lassen. Die Kanada-Goldrute ist mit ihren gelben Blüten gut auf den Fotos zu erkennen.

    Skuddenwiese September 2019
    Skuddenwiese September 2022

    Wir haben die Heuraufen insgesamt dreimal umgestellt und die Heustellen danach abgeschleppt, weil wir noch nicht mit abäppeln anfangen wollten. Ab heute kommen die Heuraufen in die Nähe der Mistplatte und dann beginnt wieder die Zeit mit täglichem Abäppeln….

    Folgender Blickwinkel zeigt die Grenze zwischen der Fuchswiese auf der linken Seite des Zauns und der Jägerwiese auf der rechten Seite. Man kann erkennen, dass die Kanada-Goldrute nicht mehr vollständig dominiert und die Bestände zumindest aufgelockert wurden. Hier war dieses Jahr die einzige „Pflege“ die Beweidung mit den Pferden und ein abschleppen der Heustellen. Weitere Maßnahmen wie Mulchen oder Beweidung mit anderen Weidetieren haben leider nicht geklappt, aber es wäre auch ohnehin nichts mehr nachgewachsen….

    Fuchs- und Jägerwiese September 2019
    Fuchs- und Jägerwiese September 2022

    Die folgenden Bildpaare zeigen ebenfalls die Jägerwiese, wobei ich die Fotos im Jahr 2019 noch von einem Hochstand aus machen konnte. Der Hochstand wurde in der Zwischenzeit entfernt, weil die Wildschweine keine Deckung mehr in der hohen Vegetation finden können und sich die Jagd auf unseren Flächen nicht mehr lohnt.

    Jägerwiese September 2019
    Jägerwiese September 2022
    Jägerwiese September 2019
    Jägerwiese September 2022

    Und zu guter Letzt unsere Dreieckswiese, die als einzige Fläche keine „Problempflanzen“ aufweist. Damit das auch so bleibt, können die Pferde hier nur zweimal im Jahr für ca. eine Woche bleiben. Aber es gibt auch immer wieder Zwänge wie die Integration neuer Pferde oder aktuell die Seperation eines erblindeten Pferdes, die eine Nutzung dieser Fläche notwendig machen.

    Dreieckswiese September 2019
    Dreieckswiese September 2022

    Wie auch in den Jahren 2020 und 2021 hat nicht alles geklappt, was ursprünglich geplant war, es gab neue Herausforderungen und man musste flexibel reagieren. Aber langsam und kontinuierlich versuche ich weiter die Ziele umzusetzen.