Es gibt ein neues, wunderbares Buch von Dr. Renate Vanselow, das aufzeigt warum „Gehölze ein unverzichtbarer Bestandteil der Weidetierhaltung“ sind.
Mit einem historischen Exkurs nimmt uns die Autorin mit in die Zeit der großen Pflanzenfresser die einst unsere Landschaft mitgestaltet haben wie Riesenhirsch, Auerochse, Wisent, Wildpferd & co. Damit wir zunächst verstehen, warum so viele Arten an halboffene Weidelandschaften angepasst sind und wie später Nutztiere entsprechende Schlüsselfunktionen im Ökosystem übernommen haben:
„Das Ökosystem Fraßsavanne konnte so naturnah Jahrtausende lang überdauern. Die Gärtner, also die fressenden Tiere, waren vom Menschen einfach nur ausgetauscht worden. Die Weidelandschaft blieb das artenreiche, verbuschte Mosaik aus kurzgefressenem Rasen, staudenreichen Wiesen, einzeln stehenden Schirmbäumen, Gebüschen und Wäldern unzugänglicher Orte, durchzogen von Trampelpfaden.„
Und sie erklärt warum gleichzeitig Weidetiere, insbesondere auch Pferde an halboffene Weidelandschaften angepasst sind: „… im Laubfutter finden sie Mineralfutter, ihre natürliche Apotheke, den Witterungsschutz, Sichtschutz für Ruhezonen, während in den Gehölzen die Insektenfresser zur Tilgung ihrer Parasiten heranwachsen.“





Gehölze sind nicht zuletzt mineralreiches Zusatzfutter. Bereits geringe Mengen an Laub können den Bedarf an Kalzium, Magnesium, Kalium und Natrium decken, denn viele Gehölze sind (wie Kräuter ja auch) zugleich Heil- und Giftpflanze. Die Autorin listet dabei die Wirkungen der verschiedenen Gehölze und ihre Gehalte an Mineralien auf und erklärt, dass wie immer die Dosis das Gift macht.
„Der beste Schutz gegen Viehvergiftungen ist auch der beste Schutz gegen Ausbrüche aus Viehweiden: ein ausreichendes Futterangebot.“
Das heißt, Vielfalt auf der Weide ist der beste Schutz vor Vergiftung, Futter ist der beste Zaun und der zweitbeste Zaun ist eine zusätzliche Hecke. Und so wird ausführlich die kulturhistorische Entstehung und besondere Bedeutung der Hecken und Wallhecken (Knicks) für die Artenvielfalt, als „lebendige Zäune und Apotheke der Natur“ beschrieben. Ursprünglich angelegt, um kleine Ackerschläge vor dem Weidevieh zu schützen, später, um die Weidetiere darin zu halten. Hier eine schöne Beschreibung aus dem Jahr 1932 über die Knicks in Schlwesig-Holstein:
„… die Tiere fressen sich wohl auch an den mancherlei bitteren Kräutern und Blättern, die der Knick bietet, bei Krankheiten wieder gesund.„
Leider sind solche Strukturen und Landschaftselemente vielerorts der Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Deshalb wird es Zeit, wieder mehr Gehölze in unsere Kulturlandschaft zu bringen. Und dafür gibt es ein ganzes Kapitel mit Praxistipps für die Pferdehaltung, wie man wieder Gehölze auf Viehweiden etablieren kann, was man dabei hinsichtlich der Grünlandprämien, der Auswahl der Gehölze oder dem Schutz und der Pflege beachten sollte.
Es wird außerdem dargestellt, warum die Intensivierung, Überdüngung und Artenverarmung des modernen Grünlandes unsere Pferde krank macht und warum das rasante Artensterben unweigerlich mit der Trennung von Wald und Weide, der Flurbereinigung und Intensivierung der Landwirtschaft zusammenhängt.
Mit diesem Buch wird einmal mehr deutlich, das Pferdehalter nicht nur die Verantwortung für eine artgerechte Haltung, Gesundheiterhaltung und dem Wohlbefinden unserer geliebten Vierbeiner tragen, sondern auch für den Erhalt der Biodiversität. Denn es gibt sonst kaum noch Weidetiere in der Landschaft, die Schlüsselfunktionen im Ökosystem übernehmen können. Und hier gibt uns die Autorin viele Anregungen und Tipps auf den Weg, wie wir unserer Verantwortung gerecht werden, für unsere Pferde und für die Natur.
Und hier noch zwei Auszüge aus dem Buch Pferd und Gehölz mit freundlicher Genehmigung des Starke Pferde Verlages:


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