Graukresse 4.0

Hier kommt das jährliche Update zur Entwicklung der Graukresse auf unserer Hauptweide bzw. Winterkoppel. Seit 2020 geht diese Fläche zur Erholung der Grasnarbe in eine Sommerpause, d.h. der Beweidungsdruck durch die Pferde wird hier runtergenommen. Dafür wird sie – quasi als Erfrischungskur – vor der Samenreife der Graukresse gemulcht.

Dabei zeigt sich, dass die Pflegemaßnahmen der letzten Jahre tatsächlich zur Eindämmung der Graukresse geführt haben. Denn zum Glück ist sie zweijährig, d.h. die Pflanze stirbt nach der Samenreife im zweiten Jahr ab und es macht durchaus Sinn, sie vorher rauszureißen, zu mähen oder zu mulchen. Man wird immer noch ein großes Samenpotential im Boden haben, aber es scheint wirklich eine gute Methode zu sein, um diese Giftpflanze auf Dauer in Schach zu halten. Hier ein Vergleich der Entwicklung im Laufe der Jahre:

Juli 2019
Juli 2021
Juli 2023

Die reichhaltigen Niederschläge der letzten Monate haben außerdem zu einer üppigen Vegetationsentwicklung mit Schafgarbe, Hundskamille, Hundszunge, Ochsenzunge, Malve, Wegwarte, Natternkopf, Lichtnelke, Luzerne etc. gesorgt. So bleibt der Graukresse auch nicht mehr viel Platz und sie kann ihren Konkurrenzvorteil, dass sie mit ihren Sternhaaren sehr gut gegen Verdunstung geschützt ist, nicht mehr ausspielen. An einer Stelle hat sich sogar Wiesen-Flockenblume etabliert, darüber hab ich mich besonders gefreut. Sie ist vermutlich aus Saatgut hervorgegangen, dass ich mal vor zwei Jahren ausgebracht hatte. Aktuell macht es wirklich viel Freude über unsere Hauptweide zu laufen, denn überall fliegen Wildbienen und Schmetterlinge umher, saugen an den Blüten und die Heuschrecken zirpen dazu. Es wäre deshalb auch ökologischer Wahnsinn, in diese Fülle reinzumulchen.

Und zum Glück sind die Stellen mit Graukresse überschaubar geworden und können entweder mit Freischneider oder Sense partiell gemäht oder einzeln per Hand rausgezogen werden. Vor allem jetzt, wo der Boden noch gut feucht ist, kann man die Pflanzen mit Wurzel rausziehen und hat teilweise ganze Büschel in der Hand. Dadurch haben wir eine weitgehend Graukressenfreie und dennoch blütenreiche Hauptweide. So kann sich nun im vierten Jahr seit Beginn dieser Maßnahmen Artenvielfalt auf der Pferdeweide ohne „Insektenschreddern“ entwickeln.

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