In dem Podcast mit Celina Skogan haben wir viel über die „Grasnarbe des Grauens“ gesprochen, die man vielerorten in der Pferdehaltung sieht. Mit diesem Beitrag möchte ich daran anknüpfen und aufzeigen, wie wir in den letzten fünf Jahren zu einer gesünderen Grasnarbe gekommen sind.
Dafür will ich kurz ausführen, was aus meiner Sicht eine gesunde Grasnarbe ist. Eine Pferdeweide sollte nicht nur ein Auslauf, sondern eine Ernährungsgrundlage sein, damit die Pferde ihrem natürlichen Bedürfnis nach grasen – langsam fortbewegen – grasen nachgehen können. Dabei sollte eine Pferdeweide möglichst arten- und vor allem kräuterreich sein, mit Baumgruppen und Gebüschen, im Idealfall mit trockenen Kuppen, feuchten Senken, eingestreuten Kleingewässern etc. – also eine vielfältige Weidelandschaft.
Das heißt, wenn eine Weide auch Ernährungsgrundlage sein soll, darf sie nicht nur aus einer golfrasenartig abgenagten, öden, viereckigen Fläche bestehen. Denn das ist nicht nur ungesund für unsere Ponys, sondern auch ökologisch völlig wertlos für Artengruppen wie Insekten oder Vögel. Dabei könnten Pferde eine Schlüsselrolle in der Wiederbelebung von Ökosystemen und beim Erhalt der Artenvielfalt einnehmen.

Aber was wir überall sehen, sind zu viele Pferde auf zu kleinen Flächen, traurige Matschpaddocks im Winter, Sandpaddocks im Sommer mit einem Auslauf bzw. einer völlig runtergerockten Grasnarbe des Grauens.
Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man Pferde möglichst großzügig auf großen Flächen halten, um eine Übernutzung der Grasnarbe zu vermeiden, ansonsten geht es natürlich nicht ohne die Anlage von Trails oder einer Umtriebsbeweidung.
Wir konnten in den letzten fünf Jahren die übernutzte Hauptweide, auf der nur noch Graukresse gewachsen ist, zu einer blütenreichen Fläche entwickeln. Dafür wurden die Pferde im Sommer von der Fläche genommen, damit sich die Grasnarbe erholen kann. Dadurch hat sich eine bunte Pioniervegetation aus Schafgarbe, Wegwarte, Malve, Rainfarn, Brennessel, Spitzwegerich, Beifuß und vieles mehr eingestellt. Es sind sogar schon die ersten Weißdörner, Schlehen und Rosen aufgewachsen, über die ich mich besonders freue 🙂



Ein Fotovergleich zeigt die Entwicklung der Hauptweide aus zwei verschiedenen Perspektiven. Erreicht wurde die Umwandlung der Grasnarbe des Grauens mit Graukresse hin zu einer verhältnismäßig geschlossenen Grasnarbe mit verschiedenen Kräutern durch Schonung im Sommer, also Pferde runter von der Fläche oder anders gesagt: Umtriebsbeweidung. In den ersten drei Jahren musste die Hauptweide im Sommer noch gemulcht werden, um die Graukresse in den Griff zu bekommen und vor allem an der Aussamung zu hindern. Davon abgesehen wurden keine weiteren Maßnahmen wie beispielsweise eine Neuansaat ergriffen. Und erst seit wir auf das Mulchen verzichten können, etablieren sich auch Gehölze wie die Hundsrose.






Und auch auf den Luftbildern bei Google Earth kann man die Entwicklung in der Zeitreihe sehen. Die Hauptweide wurde zunächst als Trail angelegt, den wir jedoch abbauen konnten, da wir genug Weiden zum Ausweichen haben und es schlicht nicht mehr notwendig war.



Und in diesem Jahr wollen wir etwas neues ausprobieren – weg von der Umtriebsbeweidung – hin zu einer extensiven Ganzjahresbeweidung. Mein langfristiges Ziel ist dabei aus der Pioniervegetation ein artenreiches Grünland zu entwickeln, dass dann auch eine gesunde Grasnarbe für unsere Pferde sein kann.
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