Eine Hecke als Umrandung von Weiden ist wie ein „lebendiger Zaun“ und bietet viele Vorteile:
- Sichtschutz
- Windschutz
- Vermeidung ungewollter Fütterung
- Bruthabitate für Vögel
- Unterschlupf für Kleinsäuger
- Nahrung für Insekten
- Biotopverbund
- gesunde Knabberei (z.b. Hagebutten)
Aber nach eigener Erfahrung ist es als Privatperson nicht so einfach gebietsheimische Gehölze zu bekommen, um eine Hecke zu pflanzen. Ich musste dafür nach Bad Liebenwerder zur Baumschule Fürst Pückler fahren, weil das die einzige Baumschule war, die mir gebietsheimische Gehölze anbieten konnte. Und außerdem brauchen gepflanzte Gehölze in den ersten Jahren sehr viel Pflege, also regelmäßige Wässerung und freischneiden.
Eine kostengünstige Alternative dazu ist der „Zaun vor dem Zaun„, d.h. einen Streifen auszäunen, in dem sich Gehölze in Form von Naturverjüngung von selbst etablieren. Wir mussten im Frühjahr 2022 einen zweiten Zaun vor den anderen setzen, weil immer wieder Spaziergänger unsere Pferde gefüttert haben. Außerdem war der alte Holzzaun schon marode, nicht mehr zu erhalten und die Pappeln wurden von den Pferden geschält. Es ist faszinierend und beeindruckend, wie schnell in diesem Streifen eine Gehölzentwicklung stattfindet. Es wachsen unter anderem Eichen, Weißdorn, Roter Hartriegel und Hundsrose auf – viel schneller und vitaler als in der gepflanzten Hecke am Reitplatz.



Der folgende Bildvergleich zeigt, wie schnell eine Hundsrose größer werden konnte seit sie vor Verbiss durch den zweiten Zaun geschützt ist. Bei einer sehr extensiven Beweidung würden Gehölze natürlich auch von allein aufwachsen und mit geringem Verbiss gut klar kommen. Aber wo es sich anbietet, kann man durch so eine einfache Maßnahme wie ein zweite Litze die Etablierung von Hecken fördern.


Laut Fartmann et al. (Insektensterben in Mitteleuropa) konnten in schleswig-holsteinischen Wallhecken ca. 7000 Tierarten (v.a. Insekten) nachgewiesen werden. Nach Angaben bei Westphal (Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft) wurde folgende Anzahl an Tierarten in Feldhecken gezählt:
- 45 Säugetiere
- 50 Vögel
- 8 Reptilien
- 7 Amphibien
- 800 Käfer
- 115 Schmetterlinge
- 110 Schlupfwespen
- 24 Wildbienen
- 2000 Mücken und Fliegen
- 86 Wanzen
- 29 Zikaden
- 7 Heurschrecken
- 60 Spinnen
- 30 Schnecken
Von Gehölzen umrahmte Weideflächen trocknen auch während Dürrephasen nicht so schnell aus wie vom Wind und der Sonne ausgelieferte Vegetationsdecken.
Und auch für die Weidetiere liegen die Vorteile auf der Hand. Sie haben einen Windschutz und können die Bäume und Sträucher über den Zaun beknabbern. Beispielsweise enthalten Hagebutten sehr viel Vitamin C, Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Eisen etc., Flavonide, Gerbstoffe und wirken abwehrsteigernd, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Oder Weißdorn, der bekannt ist für seine unterstützende Wirkung für das Herz-Kreislauf-System und ebenfalls reich an Mineralstoffen ist.
Aber neben den vielen Vorteilen für den Erhalt der Artenvielfalt sowie für die Weidetiere gibt es aus meiner Sicht noch einen Aspekt von Gehölzen als Umrandung von Weideflächen – das schönere Landschaftsbild:




Und hier noch folgende Literaturempfehlungen:


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